Jahresbericht Eawag 2008

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Jahresbericht Eawag 2008

ist nicht wie bisher üblich eine Alge, sondern der Bachflohkrebs

(Gammarus spp.). Im Modul «GamTox» wird die

Toxizität von Schadstoffen und Schadstoffgemischen auf

die Bachflohkrebse selbst, deren Nahrung und deren Räuber

(z. B. Fische) untersucht. So können erstmals gleichzeitig

verschiedene Ebenen der Nahrungskette ökotoxikologisch

bewertet werden. Denn Schadstoffe, die sich

auf die mikrobielle Besiedlung des Falllaubes auswirken,

beeinflussen die Nahrungsqualität und die Nahrungswahl

des Bachflohkrebses. Multisens wird durch verschiedene

Labortests abgerundet. Dennoch können ihre Elemente

überwiegend auch vor Ort, also z. B. direkt in einem Gewässer,

eingesetzt werden. Für Bodenökosysteme kann

das Testmodul auch mit Asseln angewendet werden.

Nano-Silber: Fassadenfarben enthalten als Zusatzstoffe

oft antimikrobiell wirkende Biozide. Seit Kurzem wird

auch Nano-Silber eingesetzt. Die Abteilung Siedlungswasserwirtschaft

der Eawag hat bereits nachgewiesen,

dass mit dem Niederschlag beträchtliche Stoffmengen

aus den Fassaden ausgewaschen werden und in Oberflächengewässer

gelangen können. In Zusammenarbeit

mit Empa und Eawag untersucht das Ökotoxzentrum zurzeit

in einem Beregnungsversuch von Fassadenpanelen

die akute Toxizität des Witterungsablaufes auf Wasserorganismen

(siehe auch S. 40).

Regenwürmer als Testorganismen: Am Standort Lausanne

baut das Zentrum Tests auf im Bereich Bodenökotoxikologie.

Als Testorganismen setzen wir hier vor

allem Regenwürmer und Springschwänze ein. Besonderes

Augenmerk richten wir auf die Optimierung von

bestehenden OECD-Tests sowie auf die Entwicklung von

unkomplizierten, feldtauglichen Schnelltests.

Die rund zwei Zentimeter grossen Bachflohkrebse ernähren sich

hauptsächlich von abgestorbenem Pflanzenmaterial im Gewässer.

Weiterbildung

Das Fachwissen zur Ökotoxikologie ist heute breit gestreut

und oft in sehr spezifischen Arbeiten enthalten. Das

Zentrum bewertet aktuelle Informationen und fasst sie für

die Praxis zusammen. Bereits erstellt wurden unabhängige

Übersichten über biologische Nachweismethoden

für hormonaktive Substanzen in der Umwelt sowie zur

Relevanz des Bachflohkrebses in der Ökotoxikologie. Eine

Übersicht zur Bedeutung von terrestrischen Isopoden

(Asseln) in der Ökotoxikologie ist in Bearbeitung. Diese

Übersichtsartikel dienen als Ausgangspunkt für die Entwicklung

von Biotestsystemen.

In der Seminarserie «Aktuelle Stunde» berichten international

renommierte Spezialisten verschiedenster Forschungseinrichtungen

zu aktuellen Themen. Im Rahmen

des Coetox-Basiskurses – getragen von Eawag, EPFL und

dem Institut Cemagref in Lyon – hat das Ökotoxzentrum

im November 2008 einen Überblick gegeben über terrestrische

und aquatische Biotests. Für 2009 sind zwei

Workshops in Planung, der eine zum Nachweis von hormonaktiven

Substanzen mit biologischen Testverfahren,

der andere über ökotoxikologische Bewertungsverfahren

von Schadstoffgemischen. i i i

ERÖFFNUNG ÖKOTOxZENTRUM 5

Standorte in Dübendorf und Lausanne

Der Hauptsitz des Ökotoxzentrums – mit Schwerpunkt aquatische Ökotoxikologie

– ist an der Eawag in Dübendorf. Der zweite Standort, mit Fokus auf

der terrestrischen Ökotoxiko logie, befindet sich an der ETH Lausanne. Die

Geschäftsleitung besteht aus der Leiterin des Zentrums, Dr. Almut Gerhardt,

sowie je einem Delegierten der Eawag-Direktion und des EPFL-Präsidiums,

Prof. Rik Eggen und Prof. Christof Holliger. Neben den vom Bund finanzierten

Grundleistungen (2 Mio. CHF pro Jahr) kann das Zentrum verrechenbare

Aufträge annehmen, die nicht in Konkurrenz mit der Privatwirtschaft stehen.

Parallel zum Ökotoxzentrum wird ab 2009 auch ein schweizerisches Zentrum

für angewandte Humantoxikologie entstehen. Dessen Träger sind die

Universitäten Basel und Genf.

E www.oekotoxzentrum.ch

Kontakt: Dr. Almut Gerhardt, info@oekotoxzentrum.ch

Nationalrätin Maya

Graf im Gespräch

mit Christof Holliger

(EPFL), Almut Gerhardt

(Leitung) und

Rik Eggen (Eawag)

an der Eröffnung des

Ökotoxzentrums.

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