Eidg. Anstalt für Wasserversorgung Abwasserreinigung

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Eidg. Anstalt für Wasserversorgung Abwasserreinigung

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Interpretation der biologischen Auswirkungen der Wasserentnahmen

Für den Schutz der Gewässer vor Verunreinigung wurden Qualitätsziele postuliert, die - unter anderen

- auch ökologisch-biologische Belange der Fliessgewässer betreffen (Verordnung über Abwassereinleitungen,

Artikel 1, Absätze 2 und 4). Diese Ziele sind weiterhin unbestritten. Ihre sinngemässe

Anwendung für den Schutz der Gewässer vor Beeinträchtigung durch Wasserentnahmen

würde, gestützt durch die vorliegenden Untersuchungen, zu den folgenden Anforderungen führen:

Biologische Ziele für den Schutz der Fliessgewässer bei Wasserentnahmen

a) Es dürfen keine Algenwucherungen entstehen.

b) Die unter natürlichen Bedingungen vorkommende Lebensgemeinschaft der Flussohle-Bewohner

muss in ihrer typischen Ausprägung existieren können.

c) Die natürlicherweise möglichen Fischpopulationen müssen existieren können. Ihre natürliche

Fortpflanzung muss gewährleistet bleiben. Der Altersaufbau darf verhältnismässig nicht

verändert und die Vorkommensdichte nicht wesentlich beeinträchtigt werden.

Vergleicht man diese Ziele mit den Auswirkungen der Wasserentnahmen in den drei untersuchten

Gewässern, so erlaubt dies eindeutige Aussagen:

In der Töss ist bereits der biologische Zustand oberhalb der Wasserentnahme unbefriedigend.

Das ist auf die Verbauung zurückzuführen, die für sich allein schon eine starke Herabsetzung

und Monotonisierung der Strömung bewirkt. Die durch die Wasserentnahme zusätzlich verschlechterten

Bedingungen in der Restwasserstrecke führten im September 1987 sogar zu

einem Rückgang der Makroinvertebratendichte auf etwa 20 % jener in der Referenzstrecke!

In der Restwasserstrecke des Schächenbaches tritt heute ein Restwasserabfluss auf, der bei

100-150% der Mindestanforderung gemäss Revisionsentwurf GSchG (= 0,37 m 3/s) liegt. Die

Auswirkungen dieser Situation sind nicht kompatibel mit den biologischen Zielen.

Im Niemet treten in der Restwasserstrecke bei einem Abfluss, der etwa der

Mindestanforderung gemäss Revisionsentwurf GSchG entspricht, unerwünschte biologische

Auswirkungen auf.

Diese Auswirkungen, in Beziehung gesetzt zu den Abflussverhältnissen in den untersuchten

Gewässern, zeigen klar, dass die Mindest -Restwassermengen, wie sie im Revisionsentwurf

für das Gewässerschutzgesetz vorgeschlagen werden, im Falle der untersuchten

Bachtypen (Gebirgswildbach, Bach/Kleinfluss mit Geschiebetrieb in den Voralpen)

aus ökologischer Sicht nicht genügen und zu erhöhen sind.

Anforderungen an die Restwasserführung

Um die biologischen Ziele zu erreichen, muss nicht nur ein bestimmter Minimalabfluss, sondern auch

eine ausreichende Variabilität des Abflussgeschehens gewährleistet sein: Der Charakter der

natürlichen Abflussdynamik muss erhalten bleiben. Es gelten die folgenden Anforderungen:

Ein bestimmter Minimalabfluss darf - ausser in natürlichen Niederwasserperioden - nie

unterschritten werden, damit der verbleibende Lebensraum die Grundbedürfnisse der Wasserorganismen

noch erfüllen mag.

Ein erhöhter Abfluss soll im Frühjahr/Frühsommer gewährleistet sein, weil in dieser Zeit

natürlicherweise hohe Abflüsse auftreten, die für die Juvenilentwicklung der Salmoniden und

der auf Kies ablaichenden Cypriniden wichtig sind, und an welche die aquatischen Lebensgemeinschaften

angepasst sind.

Periodisch erhöhte Temporärabflüsse und Hochwasser sind nötig zur Säuberung der

Bachsohle von Feinpartikeln, zur Eindämmung des Algenbewuchses sowie zur Reinigung und

Strukturierung der Bachsedimente.

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