Eidg. Anstalt für Wasserversorgung Abwasserreinigung

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Eidg. Anstalt für Wasserversorgung Abwasserreinigung

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Emissionen von Müllverbrennungsanlagen: Aufgrund der Zahlen der Gemeinden über die Menge an

Siedlungsabfällen, der Kenntnisse über die Abfallzusammensetzung, der Verteilung der Abfallinhaltstoffe

bei der Müllverbrennung, Messungen über den Cadmiumgehalt des Bodens und der Annahme,

dass die benachbarten Regionen ähnliche Stoffflüsse aufweisen (d.h. Import und Export durch die

Luft sind gleich), können die in Tabelle 2 aufgeführten Immissionen berechnet werden. Gemäss

Leitbild für die schweizerische Abfallwirtschaft soll die Belastung der Umwelt durch die

Abfallbehandlung langfristig umweltverträglich sein. Diese Forderung kann in bezug auf Cadmium in

den Abgasen einer MVA dann erfüllt werden, wenn die Konzentration dieses Metalles in der Senke

"Boden" infolge der atmosphärischen Deposition über hunderte von Jahren nicht verändert wird.

Anhand der Stoffflussanalyse ist es nun möglich, zu beurteilen, ob die Forderung des Leitbildes erfüllt

wird. Das Beispiel in Tabelle 2 zeigt für Cadmium, dass nach dem besten St and der Technik

gebaute Verbrennungsanlagen dem Leitbild genügen.

Tab. 2 Folgerungen für die Praxis: Abgase einer KVA, welche nach dem besten Stand der Technik

gereinigt werden, belasten den Boden auch langfristig nicht mehr messbar.

Messgrösse spez. Menge Menge bezogen

auf die Region

Erkenntnisse aus:

Einwohnerzahl 420 E/km 2 28'000 E RESUB Regionsbeschreibung

Fläche 66 km 2 RESUB Regionsbeschreibung

Menge Siedlungsabfall (SA) 360 kg/E.J 10'000 t/J RESUB "Abfälle"

Cadmium im SA 10 g/t SA 100 kg/J Stoffflussstudie KVA

Transfer von Cd in die Luft:

A: KVA ohne weitergehende 1 g/t SA 10 kg/J RESUB "Luft"

Rauchgasreinigung

B: bester Stand der Technik 0.001 g/t SA 0.010 kg/J Stoffflussstudie KVA

BDdenbelastung durch Abgase

in 300 Jahren A: 150 mg/m 2 3'000 kg Annahmen: Kein Export/Import

B: 0.15 mg/m 2 3 kg (Leitbild für die Abfallwirtschaft

der Schweiz)

Gehalt je Bodenfläche (20cm) 50 mg/m 2 3'300 kg RESUB "Boden"

Zusatzbelastung durch KVA in

300 Jahren in % des natürlichen

Gehaltes A: + 100

B: + 0.1

Einleitung von Abwässern in die Bünz: Während dem Fluss durch das Bünztal verdoppelt sich die

Wassermenge der Bünz. Ein Viertel des neu in die Bünz fliessenden Wassers ist gereinigtes Abwasser

(vgl. S.3-15). Dies bedeutet, dass in der Region kein grosses Verdünnungspotential für Abwässer

besteht. Aus der Stoffbilanz der Region kann berechnet werden, welche Abscheideleistung die

Abwasserreinigungsanlagen erbringen müssen, um bestimmte Qualitätsziele in der Bünz einzuhalten.

Darüberhinaus kann beurteilt werden, welche Einflüsse weitere Massnahmen (z.B. in der Landwirtschaft)

auf die Konzentrationen in der Bünz haben werden. Bei der Einführung neuer Prozesse

(z.B. Abfallverbrennung mit Nassreinigung) oder Stoffe (neue waschaktive Substanzen) in der

Region kann anhand der Reinigungsleistung der Kläranlagen der Einfluss auf die Bünzqualität wie

auch die Schlammzusammensetzung berechnet werden.

Anforderung an die Behandlung von Rückständen aus industriellen Prozessen: Die beiden wichtigsten

Abfälle in der Region sind die Reststoffe aus einem Autoshredder und die Schlacke aus einem

Stahlwerk. Die Shredderabfälle besitzen neben einem hohen Anteil an organischer Substanz und

damit einem hohen Heizwert auch relativ grosse Gehalte an Schwermetallen und Halogenverbindungen.

Falls dieses Gut, welches für die Deponierung ungeeignet ist, thermisch behandelt werden soll

(Verbrennung oder Pyrolyse), stellt sich die Frage, welche Qualitäten die Reststoffe dieser Behandlung

aufweisen sollen (Abgase, Filterstäbe, Schlacke). Anhand der regionalen Stoffflussananlyse

können diese Qualitäten so definiert werden, dass aus den Restflüssen in die Umwelt keine zusätzliche

Belastung für die Region entsteht. Analog können die bei der Deponie der Stahlschlacke entstehenden

Auslaugeprozesse in Bezug auf ihren Beitrag zum Stofffluss in der Region beurteilt werden.

(P.H.Brunner)

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