Eidg. Anstalt für Wasserversorgung Abwasserreinigung

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Eidg. Anstalt für Wasserversorgung Abwasserreinigung

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Studien an Einzelorganismen mit TBT-kontaminiertem Wasser zeigen, dass die im Rohabwasser

ermittelten Konzentrationen an TBT akut toxisch sind für empfindlichste bisher untersuchte Algen

und für Muschellarven. Die Toxizität bei langzeitiger Exposition hingegen erstreckt sich auch auf die

empfindlichsten Zooplankter und adulte Muscheln. Schon sehr tiefe Konzentrationen im Bereiche von

1-10 ng/L wirken chronisch toxisch auf Meeresschnecken und Muscheln. Ueber die Toxizität von

DBT und MBT ist nur wenig bekannt. Sie ist aber tiefer als jene von TBT und TPT.

Oekotoxikologisch von Bedeutung ist auch die Kontamination des Klärschlammes, da er, als Dünger

in der Landwirschaft verwendet, zur Belastung des Bodens beitragen könnte. Denn die Organozinn-

Verbindungen des Abwassers werden fast vollständig an den Klärschlamm gebunden und sind in der

Umwelt relativ langlebig. TBT wird im Boden erst nach 15-20 Wochen mikrobiell zu DBT abgebaut.

Vollständige Mineralisierung dauert entsprechend länger. Zudem werden TBT und TPT über die

Nahrungskette akkumuliert. Nach einer Laborstudie verteilt sich TBT aus kontaminiertem Boden auf

die Bodenlebewesen. Ueber die toxischen Auswirkungen auf Bodenorganismen ist aber nur sehr

wenig bekannt. Doch lässt sich aus der hohen Giftigkeit von TBT und TPT für Wasserorganismen

vermuten, dass diese auch im Boden nicht unbedenklich sind, da vor allem Algen äusserst

empfindlich reagieren. Zudem dienen Organozinn-Verbindungen (z.B. TPT) gerade in der

Landwirtschaft zur Bekämpfung von Milben, Insekten und Pilzen.

(K. Fent, R. Fassbind, H. Siegrist)

Blähschlamm: Untersuchungen auf der Kläranlage Gossau SG

In Zusammenarbeit mit dem BUWAL und 15 Kantonen aus der Ost- und Zentralschweiz sowie dem

Fürstentum Lichtenstein untersucht die EAWAG Ursachen und Möglichkeiten zur Bekämpfung von

Blähschlamm in Belebungsanlagen. Ein erstes Teilprojekt auf der Kläranlage Gossau SG ist

unterdessen abgeschlossen.

Abb. 3.8

Mikroskopische Aufnahme einer

Belebtschlammflocke, die stark mit

Fadenorganismen durchwachsen ist

(Phasenkontrast Mikroskop, 40x,

Organismen der Typen 0961 und

1863).

Blähschlamm wird verursacht durch massenhaftes Auftreten von fadenartigen Bakterien (Abb. 3.8)

und führt z.B. in Gossau zu erhöhten Verlusten von suspendierten Stoffen im Ablauf

(durchschnittlich 57 mg/1 statt der erlaubten 20 mg/1). Die Entwicklung dieser Bakterien kann durch

eine geeignete Gestaltung des Belebungsbeckens vermindert werden. In Gossau wurden zwei

Pilotanlagen mit unterschiedlichem Belebungsbecken paralell zur grossen Anlage betrieben. Während

in der einen Pilotanlage mit volldurchmischtem Belebungsbecken und in der grosstechnischen Anlage

vergleichbare Absetzeigenschaften resultierten, konnte in der Anlage mit verbessertem

Belebungsbecken stabil ein tieferer Schlammvolumenindex (SVI) eingehalten werden (Abb. 3.9).

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