Eidg. Anstalt für Wasserversorgung Abwasserreinigung ...

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3.3 PFLANZENFRESSENDE FISCHE IN DER SCHWEIZ

1. Einleitung

Pflanzenfressende Fische im eigentlichen Sinne sind Fischarten, die sich ganz

oder doch vorwiegend von Pflanzen ernähren. Es können dies sowohl planktische

Algen und Fadenalgen als auch höhere Wasserpflanzen, sog. Makrophyten, sein.

In der einheimischen Fischfauna fehlen solche Pflanzenfresser. Bei uns sind

also bestimmte ökologische Nischen, die auf der Nutzung der aquatischen Primärproduktion

basieren, weitgehend vakant, abgesehen vom örtlich und zeitlich

beschränkten Weideeffekt des Zooplanktons und der Wasservögel.

Das Fehlen herbivorer Fischarten wirkte sich vor allem von jener Zeit an negativ

aus, als sich Algen- und Wasserpflanzenwucherungen - eine Folge zunehmender

Gewässerdüngung - stets unangenehmer bemerkbar machten. Ungefähr zur gleichen

Zeit, d.h. ab ca. 1960, gelangten die ersten Importe herbivorer Fischarten aus

ihrer Heimat China nach Ost- und schliesslich auch nach Westeuropa. Hierbei handelte

es sich vor allem um den Graskarpfen oder Weissen Amur (Ctenopharyngodon

idella), der Fadenalgen und fast alle höheren Wasserpflanzen (ausgenommen z.B.

Wasserhahnenfuss) frisst. Hierzu gehörte auch der Silberkarpfen oder Tolstolob

(Hypophthalmichthys molitrix),der mit seinem Kiemenfilter Planktonalgen ab ca.

8 N Länge sowie Zooplankton unselektiv ausfiltriert und den halbverdauten Algenbrei

in Form von rasch sedimentierenden Kotpartikeln ("fecal pellets") abgibt.

Zu erwähnen ist schliesslich noch der Marmorkarpfen oder Gefleckte Tolstolob

(Hypophthalmichthys nobilis), der sich auf gleiche Weise ernährt wie

der Silberkarpfen, wegen seines gröberen Kiemenfilters aber einen grösseren

Anteil Zooplankton aufnimmt. Der Graskarpfen dezimiert also vor allem Makrophyten,

die er halbverdaut als grünen Brei ausscheidet, was eine stark gesteigerte

Produktion von Planktonalgen mit entsprechender Trübung zur Folge hat.

Silber- und Marmorkarpfen dagegen bewirken eine Reduktion der Planktonalgen im

Epilimnion, verbunden mit einer verstärkten Sedimentation von Biomasse und Nährstoffen.

Deswegen werden stark verkrautete Gewässer meist mit einer Mischpopulation

von Gras- und Silberkarpfen besetzt, um gleichzeitig den negativen Einfluss

der Graskarpfen auf die Wasserqualität aufzufangen.

2. Problemstellung

Die klassischen Methoden zur Eindämmung unerwünschter Pflanzenwucherungen in

Gewässern, die mechanische und chemische Bekämpfung, sind entweder sehr arbeitsintensiv

und daher teuer, oder sie schaffen neue ökologische Probleme. Die biologische

Pflanzenbekämpfung mit Gras- und Silberkarpfen weist solche Nachteile

nicht oder doch viel weniger auf. Diese verlockende Tatsache bewog in den 60er

und frühen 70er Jahren viele Besitzer von Kleinseen, trotz weitgehend fehlenden

Erfahrungen mit pflanzenfressenden Fischen Graskarpfen einzusetzen, um der Verkrautung

Herr zu werden. Der erhoffte Erfolg mit den neuen Arten blieb aber nur

zu oft aus.

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