Forschungsbericht 2003 - Fachhochschule Nordwestschweiz

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Forschungsbericht 2003 - Fachhochschule Nordwestschweiz

Mitarbeitendenbeteiligung: Höhere Motivation,

aber kein besseres Betriebsklima

Um Lohn und Arbeit in der deutschsprachigen Schweiz geht es in der Studie des Instituts für interdisziplinäre Wirtschafts- und

Sozialforschung (IWS), die im Sommer 2003 veröffentlicht wurde. Die repräsentative Studie liefert Angaben zur Verbreitung und Ausgestaltung

von Lohnformen in der Schweiz und zeigt, wie sich Leistungslohn und Erfolgsbeteiligungen aus Sicht der Mitarbeitenden

auswirken. Für die Studie wurden im Jahr 2002 1037 Personen in der deutschsprachigen Schweiz telefonisch befragt. Die Untersuchung

ergänzt eine Unternehmensbefragung des IWS aus dem Jahr 2001 um die Perspektive von Mitarbeitenden.

Thomas Schwarb

Stephanie Greiwe

Bereich Wirtschaft

Leistungsabhängige Entlöhnung ist besser

als ihr Ruf: Mitarbeitende, die leistungsabhängig

entlöhnt werden, begrüssen mehrheitlich

einen Leistungslohn und fi nden

ihn gerecht und anspornend. Das geht aus

einer repräsentativen Befragung des Instituts

für interdisziplinäre Wirtschafts- und

Sozialforschung (IWS) der Fachhochschule

Nordwestschweiz Solothurn hervor.

Das IWS hat im Jahr 2002 1037 Personen

in der deutschsprachigen Schweiz telefonisch

befragt. Die Studie liefert Angaben

zur Verbreitung und Ausgestaltung von

Lohnformen, zur Überstundenpraxis und

zur Arbeitszufriedenheit. Sie zeigt, wie

Leistungslohn und Erfolgsbeteiligungen

von den Mitarbeitenden beurteilt werden.

Die Studie ergänzt eine Unternehmensbefragung

des IWS aus dem Jahr 2001 um

die Perspektive von Mitarbeitenden. Damals

wurden Arbeitgeber zur Erfolgs- und

Kapitalbeteiligung von Mitarbeitenden

befragt.

Fixlohn mit leistungsabhängiger Lohnkomponente

weit verbreitet

Etwas weniger als ein Viertel der Mitarbeitenden

in der Schweiz hat einen leistungsabhängigen

Lohn oder einen leistungsabhängigen

Lohnanteil. In Unternehmen

mit mehr als 500 Mitarbeitenden ist eine

leistungsabhängige Entlöhnung deutlich

häufi ger als in kleineren Unternehmen.

So geben 49 Prozent der Befragten, die in

Grossunternehmen arbeiten, an, dass ein

70

Leistungsabhängiger Lohn

Erfolgsbeteiligung

Bevölkerungsbefragung

Unternehmensbefragung

Mensch, Gesellschaft, Organisation & Arbeitsgesellschaft

Teil ihres Lohnes leistungsabhängig sei.

Mitglieder des Kaders werden häufi ger

leistungsabhängig entlöhnt. Während bei

35 Prozent der Kader-Mitglieder ein Teil

des Lohns leistungsabhängig ist, geben

bei den Nicht-Kader-Mitgliedern lediglich

15 Prozent an, einen leistungsabhängigen

Lohn zu erhalten.

Fast die Hälfte würde Leistungslohn

begrüssen

Die Diskussionen über den Leistungslohn

in der Öffentlichkeit vermitteln den

Eindruck, dass ihm gegenüber eine ablehnende

Einstellung vorherrscht. Fragt man

jedoch Mitarbeitende, die leistungsabhängig

entlöhnt werden, sieht das Bild anders

aus. Nur eine Minderheit von 37 Prozent

stimmt der Aussage zu: «Ich bevorzuge

keinen Leistungslohn». Hingegen lehnen

56 Prozent diese Aussage ab; sie sind mit

ihrer leistungsabhängigen Entlöhnung

anscheinend zufrieden. 74 Prozent der

Befragten fi nden Leistungslohn sogar gerechter.

Auch Mitarbeitende, die keinen

Leistungslohn erhalten, stehen der leistungsabhängigen

Entlöhnung nicht nur

kritisch gegenüber. So würden 45 Prozent

einen leistungsabhängigen Lohn begrüssen.

46 Prozent sprechen sich gegen eine

leistungsabhängige Entlöhnung aus, und 9

Prozent sind unentschieden.

Leistungslohn spornt an, ist aber schlecht

fürs Unternehmensklima

Auf das Unternehmensklima wirkt sich

die leistungsabhängige Entlöhnung nicht

unbedingt positiv aus (Abb. 1). Der Aussage

«Der Leistungslohn verbessert das

Unternehmensklima» stimmen nur 27

Abb. 1: Leistungslohn.

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