Forschungsbericht 2003 - Fachhochschule Nordwestschweiz

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Forschungsbericht 2003 - Fachhochschule Nordwestschweiz

Wie steuert man grosse Gruppen in der

Organisationsentwicklung

STEP-Begleitforschung ist ein Forschungs- und Evaluationsprojekt mit dem Ziel, Chancen und Probleme von Grossgruppenverfahren

in der Organisationsentwicklung empirisch zu untersuchen und konzeptionell einzuordnen. Gleichzeitig sollen dabei Hinweise

zur Optimierung des Strategienentwicklungsprozesses (STEP) der Fachhochschulen Nordwestschweiz gewonnen werden.

Es stellte sich heraus, dass Grossgruppenverfahren ein wirksames und relativ einfaches Mittel sind, um in Organisationen Veränderungsenergie

zu erzeugen. Allerdings ist es in der Praxis schwierig, diese Veränderungsenergie tatsächlich zu nutzen.

Ulrich Pekruhl

Annette Jochem

Christoph Minnig

Bereich Wirtschaft

Grossgruppenverfahren wie Open Space,

Future Search, Real Time Strategic Change

und dergleichen werden immer häufi ger

in unternehmensweiten Organisationsentwicklungsprozessen

eingesetzt. Die Hoffnung,

die sich mit dem Gebrauch dieser

Instrumente verbindet, liegt zum einen in

der umfassenden Nutzung des Wissens der

Mitarbeitenden im und für den Gestaltungsprozess,

zum anderen in der Schaffung

von weitreichender Akzeptanz für die

Ziele einer Neugestaltung. Gleichzeitig soll

damit die Zeit für organisatorische Changeprozesse

dramatisch verkürzt werden

(«real time»). Die Verfahren seien effi zient,

wird weithin behauptet; methodisch abgesicherte

empirische Evidenz liegt hingegen

kaum vor.

Interviews mit Verantwortlichen

Im Laufe des Projekts wurden zahlreiche

Interviews mit den Verantwortlichen für

die Grossgruppenkonferenzen sowie mit

den Teilnehmenden geführt. Den Schwerpunkt

der empirischen Arbeiten bildete

eine schriftliche Befragung aller 240

Workshop-Teilnehmenden (siehe Kasten).

Grossgruppenverfahren sind ein wirksames

und relativ einfaches Mittel, um in

Organisationen Veränderungsenergie zu

erzeugen. Eine weitaus grössere Herausforderung

ist es allerdings, diese Veränderungsenergie

tatsächlich zu nutzen. Zu

schnell spielen dann – wie beim STEP-Pro-

Organisationsgestaltung

Führung

Management

zess – wieder Macht und Politik die entscheidende

Rolle bei der Veränderung von

Organisationen. Und die hochmotivierten

Teilnehmenden der Grossgruppen sind in

der Konfrontation mit der Realität frustriert,

die neue Energie verpufft oder wird

gar negativ aufgeladen.

Die Ergebnisse des Projekts:

_Grossgruppenverfahren «funktionieren»: Die vier Seminare mit jeweils rund 60 Teilnehmerinnen

und Teilnehmern haben dazu beigetragen, dass eine Art Aufbruchstimmung entstand:

«Wir wollen eine gemeinsame Fachhochschulen und wir wollen gemeinsam daran arbeiten.»

Dabei trugen die Workshops deutlich zur Meinungsbildung bei, viele TeilnehmerInnen änderten

ihre Einstellungen aufgrund des Austausches mit den KollegInnen von den anderen Teilschulen.

_Moderation und Workshop-Layout spielen keine dominierende Rolle: Nicht alle WorkshopteilnehmerInnen

waren mit der Moderation oder der Gestaltung der drei Seminartage zufrieden,

teilweise gab es sogar manifesten Unmut. Überraschenderweise haben aber auch diese SkeptikerInnen

die Seminare insgesamt nicht weniger positiv wahrgenommen als die anderen TeilnehmerInnen.

Überdies ist bei ihnen die gleiche Aufbruchstimmung entstanden wie bei jenen,

die mit der Moderation oder der Gestaltung zufrieden waren. Es kommt also offensichtlich

nicht so sehr auf das Wie von Grossgruppenverfahren an. Weit wichtiger scheint prinzipiell

die Gelegenheit, dass Mitglieder einer Organisation über einen längeren Zeitraum überhaupt an

einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten können.

_Machtspiele weitgehend ausgeschaltet: Obwohl es im Vorfeld der Grossgruppenveranstaltungen

Absprachen und Koalitionen gab, bestimmte Positionen durchzusetzen, spielte dies nach Aussage

der meisten TeilnehmerInnen während der Seminare kaum mehr eine Rolle: Es entstand

zumindest für einen begrenzten Zeitraum – eine Atmosphäre des «herrschaftsfreien Diskurses»,

in der offen Argumente entwickelt und nicht Positionen verteidigt wurden.

Unternehmertum & Logistik

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