Friedhofskind, Gotteskind

schwengeler

Friedhofskind, Gotteskind

LEBEN

Friedhofskind,

Gotteskind

Der Friedhof war ihr Spielplatz,

die Strasse ihre Wohnung,

«Anarchy statt Germany» ihr Leitspruch.

Doch die Antworten auf ihre tiefsten

Fragen fand Johanna bei Christus.

Mein Name ist Johanna Löffler, ich

bin 26 Jahre alt und wohne derzeit

in Berlin.

Aufgewachsen bin ich auf einem kleinen

Friedhof in Sachsen, mein Vater war

bei der Landeskirche als Friedhofsmeister

angestellt und meine Mutter arbeitete als

Krankenschwester bei der Diakonie.

Beide hielten nichts vom dem, was in

der Kirche nebenan gepredigt wurde, zumal

wir immer links in der Kirche sitzen

mussten, da rechts die «wahren» Gläubigen

sassen. Mit dem Tod kam ich daher

ständig in Berührung, der Friedhof

war unser Spielplatz, auf dem die Pfarrerskinder

und ich immer «Beerdigung»

spielten.

46 ethos 6 I 2009

«Nichts hatte mich mehr Überwindung

gekostet und nichts

hat sich mehr gelohnt, als Jesus

in mein Leben zu lassen.»

Dass es einen Gott gab, war für mich

nie ein Problem. Es gab ihn einfach.

Die Erfahrungen allerdings, die ich als

Kind mit den Menschen machte, die verkündigten,

wie Gott sei, waren eher negativ.

Der Pfarrer drohte mit dem Herrn

Jesus, um seine erzieherischen Massnahmen

bei seinen Kindern und mir wirkungsvoller

einzusetzen. Und im Dorf

erzählten sie sich, dass der Satan bei uns

sei, da wir keine Gardinen an den Fenstern

hatten.

«... im Dorf

erzählten sie

sich, dass der

Satan bei uns

sei, da wir keine

Gardinen an

den Fenstern

hatten ...»


Kaum in der Pubertät, war Gott kein

Thema mehr für mich – und die Bibel

schon gar nicht. Aber ich suchte.

Ab meinem 14. Lebensjahr suchte und

suchte und suchte ich.

Den Sinn des Lebens!

Die Liebe, die mir kein Mensch geben

konnte!

Die Leere, die niemand in mir ausfüllen

konnte!

Und die Antwort auf die Frage: Was

passiert eigentlich nach dem Tod?

Ich dachte mir, der ganze Aufwand hier

auf der Erde, für nichts?

Ich fing an zu kiffen, liebte die Punks

und die Strassenszene, haute von zu

Hause ab und pennte mit anderen Punks

und Strassenkids in leeren Fabriken. Ich

hasste die «Bullen» und war der Meinung,

«Anarchy statt Germany» sei die Antwort

auf die Ungerechtigkeit von oben – die

von den Politikern kam.

Ich hasste die Ungerechtigkeit, gerade

in Sachsen, all die Nazis, all die Überfälle

von den Nazis auf andere Gruppen, all die

Angst vor Reenies (das sind Nazifrauen,

diese waren für Punkmädels besonders

gefährlich) und das direkte Miterleben

von Übergriffen, wenn man gegen die

«rechte Brut» etwas einwand. Ich erlebte

tägliche Übergriffe, denn ich war Punk

und sie waren Nazis, das hiess, wir waren

Gegner.

Als ich erneut mit brennenden Zigaretten

beschmissen wurden, flehte mich

meine Mutter an, die Haare doch «normal»

zu färben, um nicht so aufzufallen.

Doch was war mit der Ungerechtigkeit?

Ich konnte doch nicht so feige sein und

die Haare umfärben. Man musste doch

gegen die Rechten was tun!

Es waren die 90er-Jahre und es war

Braun in Sachsen. Keiner hatte eine Antwort

darauf, keiner konnte mir sagen,

was man gegen den Hass, den die Nazis

auf alle anderen Menschen hatten, tun

konnte. Doch bald erlebte ich, dass einige

Punks nichts anderes wollten, als sich zu

rächen und nach dem Motto «Glatzen

müssen platzen!» handelten. Schwer enttäuscht

verliess ich die Punkszene. Durch

die Gewalterfahrung erlitt ich schwere

Angstzustände und fing mit Therapien

an. Und ich suchte, ich hatte noch keine

zufriedenstellende Antwort auf meine

Fragen gefunden.

Die Suche trieb mich weiter. Der Ferne

Osten und seine Ansichten beeindruckten

mich. Alle Gefühle, die in mir so stark

waren: Wut und Zorn wegen der Ungerechtigkeit,

Neid und Eifersucht auf

Freunde, die gelassener oder hübscher

waren, einfach wegzumeditieren,

gefiel mir.

Paulo Chaolo empfahl bei einem

negativen Gedanken, den Fingernagel

des Zeigefingers ins Nagelbett

des Daumens zu bohren, bis

der negative Gedanke weggeht.

Buddha meinte, es wäre sinnvoll,

sich von allen negativen Gedanken

zu befreien, sie einfach wegzuatmen;

Joseph Murphy schrieb

das Buch «Die Macht Ihres Unter-

bewusstseins!» und da waren dann auch

noch die Steine, die alle Kräfte in sich hatten,

und die Astrologie, die ständig Einfluss

auf uns hat. Ich befand mich mitten

drin und suchte und suchte!

Reden und schreiben konnten sie alle

gut. Eigene Gedankengebäude erklärten

sie schlüssig, aber

Antworten auf meine

brennenden Fragen

bekam ich keine.

Ich wollte Ausstei- «... ich ging in

ger kennenlernen, buddhistische

weil mir die Gesell-

Klöster, um

schaft und das Stre-

anzubeten

ben nach Materiaundstundenlang

zu meditieren

...»

«... ich haute

ab und pennte

mit anderen

Punks und

Strassenkids

in leeren

Fabriken ...»

ethos 6 I 2009 47


lismus und Leistung widerstrebte. Doch

schnell empfand ich jene als verbittert. Sie

beschwerten sich, dass die Gesellschaft sie

hasst, weil sie nicht mitschwimmen. Doch

sie hassten ebenso die Gesellschaft. Hass

und Gegenhass, das konnte nicht aufgehen.

Ich ging in buddhistische Klöster, um

anzubeten und stundenlang zu meditieren.

Dann wurde mein bester Freund Christ

und ich bekam die Krise. Wie konnte er

nur? Das ist doch das Letzte! Er ist doch

nicht doof!

Die Wut auf den Pfarrer aus meiner

Kindheit kam wieder hoch und ich besuchte

ihn. Mir wurde klar, dass er nur

ein ganz normaler Mensch mit Fehlern

war, so wie alle, und dass Jesus jemand

ganz anderes sein musste. Er gab mir ein

Neues Testament in die Hand und ich fing

an, darin zu lesen. Ich hatte 1000 Fragen

und warf es anfänglich des Öfteren in die

Ecke. Eine Bekannte eröffnete mir, ebenfalls

seit einem halben Jahr Christin zu

sein! Sind sie jetzt alle verrückt?

Dies liess mir keine Ruhe. Ich las weiter

und stellte meiner Bekannten – die zu

einer meiner besten Freundinnen werden

sollte – alle Fragen, die ich hatte. So langsam

erkannte ich, dass die Bibel es war,

die mir die Antworten auf meine obigen

Fragen gab. Neue Fragen stellten sich

mir. Die Christen erzählten mir, dass Gott

neues Leben schenkt, dass Jesus lebt und

mich liebt. Es sei allerdings meine Entscheidung,

das Leben, das Jesus sich für

48 ethos 6 I 2009

mich gedacht hat, anzunehmen, sich einzugestehen,

dass der Mensch nicht die

höchste Instanz ist, dass ich fehlbar bin

und dass Gott Schöpfer ist und ich Geschöpf.

Lebt Jesus wirklich? Kann man

mit ihm reden? Antwortet er?

Ein halbes Jahr dachte ich darüber nach;

ich musste herausfinden, ob die Christen

und die Bibel Recht haben. Ich musste es

wagen, in Jesu Arme zu springen und ihn

in mein Leben zu bitten, um herauszufinden,

ob es ihn tatsächlich gibt.

Nichts hatte mich mehr

Überwindung gekostet und

nichts hat sich mehr gelohnt,

als Jesus in mein Leben zu

lassen. Ich hatte einen Frieden,

den ich bis dahin nicht

kannte.

Das alles ist bald vier

Jahre her und ich hatte

...»

meine Antworten. Jesus sagt:

«Ich bin der Weg, die Wahrheit

und das Leben.» Jesus

ist der Einzige, der ewiges

Leben bei Gott verspricht!

Und wer zu ihm gehört, den

lässt er nicht mehr los. Und

er ist der Schöpfer, ich bin

Geschöpf, er hat einen Plan

mit mir und zieht ihn durch.

Und Jesus hatte endlich etwas

Verständliches zum

Thema Leid zu sagen! Alle,

die ihn lieben, denen wirkt

alles zum Besten mit (vgl.

Römer 8,28). Das heisst,

wenn die Christen Leid tragen, passiert

das nicht willkürlich, sondern Gott, der

einzige Gott, der alles erschaffen hat, steht

hinter seinem Volk und seinen Kindern.

Er hat alles im Griff. Nichts kann denjenigen,

der Gott liebt und sein Kind ist, von

der Liebe Gottes trennen, auch wenn Umstände

dagegen sprechen.

Einem solchen Gott habe ich mich anvertraut,

ich bin angekommen. ■

«... Lebt Jesus

wirklich?

Kann man mit

ihm reden?

Antwortet er?

Quelle: Soulsaver.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine