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Marcus Tullius Cicero – Biografische Daten

Ein Bericht von Darja Tronev

Geboren am 3. Januar 106 v. Chr. in Arpinum, Rom, war Marcus Tullius Cicero ein römischer

Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph, der berühmteste Redner Roms und Konsul im

Jahr 63 v. Chr.

Cicero war der älteste Sohn eines römischen Ritters gleichen Namens und dessen Ehefrau

Helvia. Er hatte einen jüngeren Bruder Quintus Tullius Cicero, mit dem er während seines

ganzen Lebens eng verbunden war. Seine Familie gehörte zur lokalen Oberschicht und siedelte

102 v. Chr. nach Rom über.

Wie jeder gebildete Römer sprach Cicero von Kindheit an Griechisch. Durch seinen Vater,

den Invalidität an der Ausübung militärischer oder politischer Ämter hinderte, erhielt er Zugang

zur klassischen Bildung. Schon früh zeigte sich seine große Begabung, die der Vater mit Ehrgeiz

förderte. Nach dem Tod des Crassus 91 v. Chr. studierte er gemeinsam mit Titus Pomponius

Atticus 1 Recht, Rhetorik, Literatur und Philosophie in Rom. Nachdem er sich anfangs mit der

Übersetzung griechischer Dichter wie Homer 2 beschäftigt hatte, wandte er sich mit ungefähr

zwanzig Jahren der Philosophie zu und übertrug das philosophische Vokabular ins Lateinische.

Nach seinem Militärdienst im Bundesgenossenkrieg erwarb Cicero erste Erfahrungen als

Anwalt. Seine erste überlieferte Gerichtsrede stammt aus dem Jahr 81 v. Chr. Im folgenden Jahr

verteidigte er in seinem ersten Mordprozess einen wegen Vatermordes angeklagten römischen

Bürger und erwirkte dessen Freispruch.

79 v. Chr. setzte Cicero seine Studien in Griechenland und Kleinasien, die damals Teil des

Römischen Reiches waren, fort. Eventuell stand diese Reise im Zusammenhang mit dem Prozess

im Vorjahr.

Ehen und Kinder

Ciceros erste Frau hieß Terentia. Sie stammte aus einer angesehenen Familie und besaß ein

erhebliches Vermögen, das sie selbständig verwaltete. Die Ehe wurde zwischen 80 und 76 v.

Chr. geschlossen, vermutlich jedoch erst nach Ciceros Rückkehr aus Griechenland. Gezielt setzte

Terentia das Ansehen ihrer Familie und ihre Mitgift von hunderttausend Denaren sowie ihr

sonstiges Vermögen zur Förderung von Ciceros Karriere ein. Es existieren einige Briefe Ciceros

an seine Frau, die Terentias Ehrgeiz für ihren Mann und ihr Vertrauen in seine Fähigkeiten

zeigen. Die ersten der erhaltenen 24 Briefe stammen aus der Zeit, als Cicero 58 v. Chr. ins Exil

gehen musste und sind sehr liebevoll. Allerdings wurden die später zwischen ihnen gewechselten

Briefe immer kürzer und unpersönlicher. Nach mehr als 30 Jahren Ehe leitete Cicero 46 v. Chr.

aus letztlich nicht geklärten Gründen die Scheidung ein. Terentia überlebte ihren Mann um

mehrere Jahrzehnte. Aus der Ehe mit Terentia gingen die von Cicero sehr geliebte Tochter Tullia

(* 5. August zwischen 79 und 75 v. Chr.; † Februar 45 v. Chr.) und sein Sohn Marcus(* ca. 65 v.

Chr.) hervor. Cicero hatte hohe Erwartungen in ihn und nahm ihn 51 v. Chr. mit nach Kilikien.

Für ihn verfasste er die rhetorische Lehrschrift Partitiones oratoriae und widmete ihm 44 v. Chr.

De officiis 3 , eine Abhandlung über die praktische Ethik.

1 Titus Pomponius Atticus oder Quintus Caecilius Pomponianus (* Ende 110 v. Chr.; † 31. März 32 v. Chr.) war ein

römischer Ritter aus der Familie der Pomponier, die nach antiker Ansicht auf den römischen König Numa Pompilius

zurückging; Er war ein enger Freund Marcus Tullius Ciceros

2 Homer gilt als Autor der Ilias und Odyssee und damit als erster Dichter des Abendlandes

3 De officiis (lat.: Von den Pflichten oder Vom pflichtgemäßen Handeln) ist ein philosophisches Spätwerk Marcus

Tullius Ciceros. Es wurde im Jahr 44 v. Chr. geschrieben und ist eines der Standardwerke antiker Ethik. In ihm

werden kurzgefasst die Pflichten des täglichen Lebens behandelt, insbesondere die eines Staatsmannes. Vgl.

http://de.wikipedia.org/wiki/De_officiis


Kurz nach seiner Scheidung von Terentia heiratete Cicero als 60-Jähriger sein noch nicht 20jähriges

reiches Mündel Publilia. Nach dem Tode seiner Tochter wurde jedoch auch diese Ehe

nach wenigen Monaten wieder geschieden.

Politische Laufbahn

Den Grundstein für seine politische Karriere legte er im Jahre 70 v. Chr., als er die Gemeinden

Siziliens in dem Prozess vertrat, den sie gegen den korrupten Statthalter Gaius Verres 4 (73–71 v.

Chr.) wegen Erpressung anstrengten. Obwohl Verres’ politische Freunde ihm gern zum

Freispruch verholfen hätten, war das Beweismaterial, das Cicero in kurzer Zeit zusammentrug,

so erdrückend, dass Verres noch vor dem Urteil Italien verließ. Dieser Prozess brachte Cicero

auch die Stellung des ersten Redners in Rom ein, da er den bis dahin bedeutendsten Redner

Quintus Hortensius Hortalus als Verteidiger des Verres schlagen konnte.

Im Jahre 63 v. Chr. bekleidete Cicero das Amt des Konsuls, was für ihn als Aufsteiger aus

dem Ritterstand eine besondere Auszeichnung bedeutete.

Ciceros Verhältnis zu Caesar

61 v. Chr. wollte Caesar Cicero für eine Teilnahme am späteren Triumvirat 5 mit Crassus 6 und

Pompeius gewinnen, doch Cicero lehnte ab, weil er dadurch die Republik gefährdet sah. In Folge

dessen sank sein politischer Einfluss.

57 v. Chr. wurde Cicero auf einstimmigen Beschluss der Volksversammlung vom Senat aus

Griechenland zurückgerufen und bei seiner Rückkehr begeistert gefeiert. Zeugnis davon geben

die beiden Dankesreden an Volk und Senat. Es gelang ihm jedoch nicht, die frühere politische

Macht wiederzuerlangen. Ab dieser Zeit wurde er stärker schriftstellerisch tätig, namentlich mit

seinen politischen und philosophischen Schriften. Sein rhetorisches Hauptwerk „De oratore“

(„Über den Redner“) entstand in dieser Zeit, ebenso „De re publica“ („Über den Staat“) und „De

legibus“ („Über die Gesetze“) - zwei philosophische Schriften über den Idealstaat.

Als Cicero 49 v. Chr. nach Rom zurückkehrte, stand der Bürgerkrieg zwischen Caesar und

Pompeius kurz bevor. Cicero versuchte noch einmal im Senat zu vermitteln, doch der Senat

erklärte Caesar, als dieser den Rubikon 7 überschritt, zum Staatsfeind. Cicero schloss sich

gezwungenermaßen Pompeius an und verließ mit Bruder und Sohn Italien. Nach Pompeius’ Tod

48 v. Chr. brach er jedoch mit dessen Anhängern und kehrte nach Italien zurück, wo er in

Brundisium 8 wartete, bis ihn Caesar 47 v. Chr. begnadigte. Währenddessen verfasste Cicero eine

Trauerrede auf den nach der verlorenen Schlacht bei Thapsus 9 durch eigene Hand gestorbenen

Cato. Auch setzte er sich in mehreren Reden vor Caesar für Pompeius’ Anhänger ein.

In vielen Schriften nimmt Cicero Bezug auf seinen Zeitgenossen Gaius Iulius Caesar, sein

Verhältnis zu diesem Politiker war äußerst ambivalent.

4 Gaius Verres (* um 115 v. Chr.; † 43 v. Chr.) war ein römischer Politiker; er war Statthalter der Provinz Sizilien.

Fast alles, was über sein Leben bekannt ist, wurde von Cicero in seinen „Reden gegen Verres“ (Orationes in

Verrem) überliefert, welche dieser im Jahre 70 v. Chr. als Ankläger in einem Prozess gegen Verres verwendete.

5 Ein Triumvirat – abgeleitet von lat. tres viri („drei Männer“), bezeichnet ein Bündnis von drei Personen, die

gemeinsame Interessen verbinden.

6 Marcus Licinius Crassus Dives (* 115 oder 114 v. Chr.; † 9. Juni (?)[2] 53 v. Chr.) war ein Politiker der späten

römischen Republik. Er war für seinen Reichtum bekannt.

7 Der Rubikon (auch Rubicon oder Rubico) ist ein kleiner Fluss, der südlich von Ravenna in die Adria mündet.

8 Brindisi ist eine italienische Hafenstadt in Apulien mit 89.691 Einwohnern. Brindisi ist Hauptstadt der

gleichnamigen italienischen Provinz Brindisi

9 Die Schlacht bei Thapsus im Jahr 46 v. Chr. war eine Schlacht im römischen Bürgerkrieg.


Als Cicero im Jahre 60 v. Chr. zu den Optimaten 10 gehörte, hatte er den Plan entwickelt,

Caesar vom „verantwortungslosen Treiben der Popularen“ 11 zu trennen und ihn auf die Seite der

Optimaten zu ziehen, die sich zur Aufgabe gemacht hatten, das Gemeinwesen zu „erhalten“.

Cicero hob die Rolle Caesars als „Retter des Vaterlandes“ im Gallischen Krieg anerkennend

hervor. Da es ihm aber nicht gelang, Caesar auf seine Seite zu ziehen, stellte er sich im

Bürgerkrieg auf die Seite des Pompeius, ohne aber wirklich von diesem überzeugt zu sein.

Trotzdem wurde er, wie viele andere, nach Ende des Bürgerkrieges von Caesar begnadigt.

Da Caesar seine Macht jedoch auf Kosten der libera res publica (das freie Gemeinwesen)

ausbaute, wurde Cicero immer mehr zum Gegner Caesars.

Im Mai 45 wurde im Tempel des Quirinus sowie auf dem Kapitol eine Statue zu Ehren

Caesars geweiht, was Cicero empört zur Kenntnis nahm. Weil Caesar sich nach Ciceros

Meinung dadurch selbst über die römische Gesellschaft stellte, verachtete er ihn zunehmend. In

de officiis spitzt er diese Haltung zu. Er bezeichnet Caesar als Tyrannen und „wildes Tier“. Er

lässt sich sogar zur Ermordung Caesars beglückwünschen. An der Verschwörung gegen Caesar

war Cicero zwar nicht beteiligt, seine Äußerungen zeigten jedoch seine triumphierende Freude

über den Tod des „Tyrannen“. Zudem stellte sich rasch heraus, dass Caesars Mitkonsul Marcus

Antonius dessen Nachfolge in der Alleinherrschaft anstrebte. Nun trat Cicero Antonius entgegen

und wurde mit seinen 14 philippischen Reden zum Wortführer der republikanischen Minderheit

im Senat. Dadurch erhielt er einen großen Teil seiner einstigen politischen Macht zurück und

gewann großes Ansehen. Die erste Rede, gehalten am 2. September 44, beendete den

Waffenstillstand zwischen Antonius und den Republikanern um Cicero. Ciceros zweite Rede

enthielt maßlose (wenn auch nicht völlig unbegründete) persönliche Schmähungen gegen

Antonius. Er drückte darin sein Bedauern darüber aus, dass Antonius an den Iden des März 12

(Todestag Caesars) nicht „mitbeseitigt“ worden war.

Danach bemühte sich Cicero, wenn auch nicht ohne Vorbehalt, Octavian 13 , der in Rom

erschienen war und auf eigene Faust Veteranentruppen angeheuert hatte, zum Krieg gegen

Antonius mit der Rückendeckung des Senats zu bewegen. Nach den ersten Erfolgen im Sommer

des Jahres 43 v. Chr. verlangte Octavian jedoch das Konsulat für sich und schloss sich danach

öffentlich mit Antonius und Marcus Lepidus 14 zum zweiten Triumvirat zusammen. Die drei

10 Optimaten (lat. optimates, dt.: die Besten, Singular: optimus; seltener boni, die Guten, genannt) waren die

Vertreter des konservativen Adels und die Verfechter der Vorherrschaft des Senats in der späten Römischen

Republik. Die Optimaten waren aber keine Partei im modernen Sinne. Der Begriff bezeichnet eher eine Methode,

Politik zu machen: Aus Sicht der Optimaten lagen alle wichtigen Entscheidungen im römischen Staat beim Senat,

während die Popularen sich auf die Volksversammlung stützten.

11 Als Popularen (lat. popularis, dt.: volksfreundlich, populär) wurde, in Abgrenzung zu den Optimaten, die Gruppe

in der Römischen Republik bezeichnet, die sich auf die Volksversammlung stützte und damit teils auf den Willen

des Volkes berief. Sie waren aber keine Partei im heutigen Sinne, vielmehr einte sie eine bestimmte Methode,

Politik zu machen.

12 Im römischen Kalender fielen die Iden des März auf den 15. Tag des römischen Monats Martius (März)

13 Octavian - Der Großneffe und Haupterbe Gaius Iulius Caesars gewann die Machtkämpfe, die auf dessen

Ermordung im Jahr 44 v. Chr. folgten, und war von 31 v. Chr. an Alleinherrscher des Römischen Reiches. Er setzte

dem Jahrhundert der Römischen Bürgerkriege ein Ende und begründete die julisch-claudische Kaiserdynastie.

14 Marcus Aemilius Lepidus (* um 90 v. Chr.; † 12 v. Chr.) war ein Sohn des gleichnamigen Konsuls und ein

langjähriger Anhänger Caesars.


Triumvirn beschlossen Proskriptionen 15 gegen ihre politischen Gegner. Cicero stand ganz oben

auf der Todesliste des Antonius.

Am 7. Dezember 43 v. Chr. wurde er auf dessen Geheiß auf der Flucht ermordet. Mit dem

Leichnam verfuhr man bestialisch: Er wurde verstümmelt durch die Straßen Roms geschleift,

sein Kopf und seine Hände wurden auf den Rostra am Forum Romanum 16 ausgestellt.

Literatur

[SHKO 1542] Schleswig-Holsteinische Kirchenordnung von 1542, hrsg. v. H. Göbell,

Neumünster 1968

[Lexikon 1983] Lexikon, Meyers großes Taschenlexikon, Mannheim 1983

[Wales 2001] Wales, Jimmy, Freie Online-Enzyklopädie „Wikipedia“, 2001

15 Bei der Proskription (von lat.proscriptio: die Bekanntmachung, Achterklärung) handelte es sich im antiken Rom

um die Ächtung einer Person, was bedeutete, dass diese Person nach römischem Recht von jedem getötet werden

durfte und die Hinterlassenschaft der betroffenen Person dem Staat zufiel.[1] Die Namen der geächteten Personen

wurden öffentlich ausgehängt und es gab auch oftmals eine Belohnung für denjenigen, der einen Proskribierten

tötete. Daraus entwickelte sich später das Kopfgeldjägertum.

16 Rostra (Plural von lateinisch rostrum, „(Schiffs)schnabel“) war im alten Rom die Bezeichnung für eine

Rednerplattform auf dem Forum Romanum. In nahezu jeder römischen Stadt gab es ein Forum als Zentrum des

politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens. Der älteste derartige Platz war das Forum

Romanum, also das Forum in Rom, das ein Spiegel der gesamten römischen Geschichte ist und als Zentrum der

politischen Macht in der Stadt Rom und dem römischen Reich gilt.

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