Schweine

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Inhaltsverzeichnis

Schweine richtig halten 3

Bedürfnisse 4

Bewegen 4

Ruhen 5

Fressen, trinken, beschäftigen 6

«Abferkeln» 7

Sozialkontakte 8

Gesundheit 9

Nutzung 10

Fleisch 10

Transport 10

Eingriffe 11

Zucht 12

Anhang 13

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Aktualisierte Informationen finden Sie auf www.tiererichtighalten.ch


Schweine richtig halten

Halten sich Hausschweine in einem naturnahen und reich strukturierten Lebensraum auf,

zeigen sie noch heute dieselben Verhaltensmuster wie ihre Vorfahren, die Wildschweine.

Schweine werden seit etwa 9000 Jahren gehalten.

Alle heutigen Haustierrassen stammen vom

Wildschwein ab, dessen Verbreitungsgebiet sich

über ganz Europa bis nach Südostasien erstreckt.

Wildschweine leben in Rotten im Wald oder waldnahen

Gebieten, wo sie den grössten Teil des Tages mit

Futtersuche verbringen.

Wie die Wildschweine sind auch die Hausschweine

ökologisch ausserordentlich anpassungsfähig

und fühlen sich in den verschiedensten Lebensräumen

wohl. An ein Leben im Wald oder in waldnahem,

offenem Gelände sind sie besonders gut angepasst.

Ihre grosse Anpassungsfähigkeit, ihr ausgeprägtes

Sozialverhalten und ihre hohe Fruchtbarkeit waren

wesentliche Voraussetzungen für die Domestikation.

Heute werden Schweine primär zur Fleischproduktion

gehalten. In jüngerer Zeit werden sie auch vermehrt

in der biomedizinischen Forschung eingesetzt.

Sehr kleine Schweinerassen, sogenannte Minipigs,

werden als Heimtiere ohne kommerziellen Nutzen

immer beliebter.

Oktober 2009

> Schweine: Was sich mit der neuen Tierschutzgesetzgebung ändert!

> 455 Tierschutzgesetz vom 16. Dezember 2005 (TSchG)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455.html

> 455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

> 455.110.1 Verordnung des BVET vom 27. August 2008 über die

Haltung von Nutztieren und Haustieren

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_110_1.html

> Tierarzneimittelverordnung, TAMV

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c812_212_27.html

> Futtermittel-Verordnung

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c916_307.html

> BTS-Verordnung

http://www.admin.ch/ch/d/sr/910_132_4/index.html

> RAUS-Verordnung

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c910_132_5.html

> Direktzahlungsverordnung, DZV

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c910_13.html

> SUISAG – Dienstleistungszentrum für die Schweineproduktion

http://www.suisag.ch/DesktopDefault.aspx?tabid=556&tabindex=5&langid=1

> Schweinegesundheitsdienst (SGD)

http://www.suisag.ch/DesktopDefault.aspx?tabindex=33&tabid=721&langi

d=1

3


Bedürfnisse

Beschäftigung und Sozialkontakte sind bei Schweinen besonders wichtig.

Schweine sind neugierig und erkunden ihre Umgebung

ausgiebig. Sie brauchen ihre Gruppe, müssen sich aber

auch zurückziehen können.

Damit sie gesund bleiben und die gewünschte Leistung

erbringen, müssen Schweine ihre vielfältigen Bedürfnisse

auch unter Haltungsbedingen in gewissem Masse

ausleben können.

Über die einzelnen Bedürfnisse von Schweinen wird

im Folgenden im Detail informiert.

Schweine \ Bedürfnisse \ Bewegen

Bewegen

Schweine sind tagaktiv und benötigen zur Orientierung

genügend Licht. Ihr Verhalten ist nicht nur zeitlich,

sondern auch räumlich stark strukturiert – wenden sich

Schweine einer anderen Aktivität zu, begeben sie sich

dazu oft auch an einen neuen Ort. Im Freiland legen sie

dafür täglich mehrere Kilometer zurück. Bewegung wirkt

sich positiv auf den Bewegungsapparat und das

Kreis laufsystem der Tiere aus.

Strukturierte und geräumige Buchten ermöglichen es

den Tieren, verschiedene Verhaltensweisen an unterschiedlichen

Orten auszuleben (z.B. koten an bestimmten

Kotplätzen) und Liegeflächen abhängig von

klimatischen Bedingungen auszuwählen (Einstreu bei

Kälte, kühle Flächen bei Hitze). Ausreichend Platz

und Ausweichmöglichkeiten durch gut strukturierte

Buchten reduzieren zudem das Auftreten von schweren

Verletzungen bei Auseinandersetzungen. Gerade bei

der Haltung grösserer Gruppen kann die Bildung von

Untergruppen durch Einrichtung separater Liegeabteile

erleichtert werden.

Sauen dürfen nicht angebunden gehalten werden.

Oktober 2009

> 455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

Art. 1–15

Art. 18

> Fachliche Informationen der ART/FAT

http://www.bvet.admin.ch/tsp/02204/02205/02570/index.html?lang=de

> AGRIDEA Lindau: Schweinehaltung

http://www.agridea-lindau.ch/fachgebiete/tierhaltung/schweine_und_gefluegelhaltung/index.htm

> Verhalten von Schweinen (Internationale Gesellschaft für

Nutztierhaltung)

http://www.ign-nutztierhaltung.ch/Schweinehaltung/index.htm

> Merkblätter TVT (Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.) (D)

http://www.rgd.ch/04A_PUB.HTM

> Minipigs

http://www.tierschutz-tvt.de/merkblaetter.html

Viele Haltungsprobleme sind auf nicht ausreichende Strukturierung

von Buchten zurückzuführen.

Übergang: Fristen und Regelung

– Masse der Kastenstände für Sauen:

bei Neueinrichtungen ab sofort; für alle übrigen

spätestens bis 2013. Bedingungen während

der übergangsfrist: Höchstens ein Drittel

der Kastenstände darf 55 cm x 170 cm aufweisen.

– Fläche für Eber und Länge der Buchtenseite:

bei Neueinrichtungen ab sofort; für alle übrigen

spätestens bis 2013.

> 455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

Art. 3

Art. 5

Art. 47

Art. 48

Art. 49

Anhang 1 Tab 3

Anhang 5

4


Schweine \ Bedürfnisse \ Ruhen

Ruhen

Schweine bevorzugen weiche und trockene Liegeflächen,

die mit Einstreu realisiert werden können.

Bei hohen Temperaturen brauchen Schweine wärmeabführende

Flächen zum Ruhen. Eingestreute Teilbereiche

ermöglichen aufgrund ihrer wärmedämmenden

Eigenschaft die Haltung von Schweinen in Kaltställen

und haben einen positiven Effekt auf Klauen und

Gliedmassen. Zusätzlich ermöglichen sie es den Tieren,

sich zu beschäftigen.

Die entspannteste Ruhelage bei Schweinen ist

die Seitenlage, bei der die Beine seitlich ausgestreckt

werden. Schlafen Schweine in Bauchlage oder liegen

sie in Haufenlage, so ist das ein Hinweis darauf,

dass es ihnen zu kalt ist. Bei hohen Temperaturen

vermeiden Schweine beim Liegen Körperkontakt, bei

niedrigen Temperaturen liegen sie eng beisammen.

Übergang: Fristen und Regelung

– Gesamtfläche und Liegefläche:

Bei Neueinrichtungen ab sofort; für alle übrigen bis

spätestens 2018. Bedingungen während der übergangsfrist:

Bei Buchten mit Teil- oder Vollspaltenboden

sowie Buchten mit separatem Kotplatz muss

die Gesamt fläche pro Tier für abgesetzte Ferkel bis

25 kg 0,3 m 2, für Schweine von 25 bis 60 kg 0,45 m 2,

für Schweine von 60 bis 110 kg 0,65 m 2 und für

Sauen 1,3 m 2 betragen.Ferkelaufzuchtbuchten dürfen

nur zu zwei Dritteln mit Spalten- oder Lochböden

versehen sein.

Oktober 2009

Während eines grossen Teils des Tages ruhen Schweine. Die Ausgestaltung ihres

Liegebereichs ist deshalb besonders wichtig.

> 455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

Art. 46

Art. 47

Anhang 1 Tab 3

Anhang 5

5


Schweine \ Bedürfnisse \ Fressen, trinken, beschäftigen

Fressen, trinken, beschäftigen

Oktober 2009

Die Fütterung in der Haltung entspricht nicht dem natürlichen Fressverhalten von

Schweinen im Freiland. Beschäftigungsmaterial soll das bei der Nahrungssuche

natürliche Erkundungsverhalten von Schweinen ermöglichen und hilft das Auftreten

verschiedener Verhaltensstörungen zu reduzieren.

Schweine sind Allesfresser. In ihrem natürlichen

Lebensraum tun sie sich an Gräsern, Samen,

Früchten, Wurzeln, Knollen, Pilzen, Laub, Würmern,

Vogeleiern, Mäusen, Eidechsen und auch an Aas

gütlich. Dabei passen sie sich dem jeweils veränderten

Nahrungsangebot der Saison an. Sie fressen sowohl

energiereiche wie strukturierte, rohfaserreiche Nahrung.

Im Freiland ist die Nahrung sehr ungleichmässig verteilt.

Schweine haben deshalb für die Nahrungssuche ein

stark ausgeprägtes Erkundungsverhalten entwickelt.

Mit der Nahrungssuche verbringen Schweine im Freiland

den weitaus grössten Teil ihrer Gesamtaktivitätszeit.

Hauptsächlich suchen und fressen Schweine ihre

Nahrung in den Morgenstunden, sowie in den Nachmittags­

und Abendstunden. Während der Nahrungssuche

und ­aufnahme wechseln sie immer wieder Ort

und Nahrungsart.

Unter Haltungsbedingungen erhalten Schweine

meist ausschliesslich unstrukturiertes, energiereiches

Futter, das sie schnell aufnehmen können.

Zudem werden sie meist nur ein­ bis zweimal täglich

gefüttert. Schweine am Trog können oft nicht

die bei der Nahrungsaufnahme übliche Distanz

von 2–4 Metern einhalten. Rangniedere Tiere können

daher eine geringe Nahrungsaufnahme und somit

eine geringere Gewichtszunahme haben, weil sie von

ranghöheren Tieren vom Trog vertrieben werden.

Die Futtertröge sollten deshalb bei ausgewachsenen

Schweinen durch Schulterblenden im Kopfbereich

unterteilt sein oder es sollten Einzelfressstände verwendet

werden.

Nicht verhaltensgerechte Fütterung und fehlende

Beschäftigungsmöglichkeiten sind als Hauptfaktoren

für die Entstehung von Verhaltensstörungen

wie Stangenbeissen und Leerkauen verantwortlich.

Hinzu kommt, dass die Tiere in der meist einstreulosen

Haltung auch keine Nahrungssuche (Wühlen etc.)

ausführen können. Schweine müssen sich aber auch

in menschlicher Obhut beschäftigen können,

was bei eingestreuter Haltung am besten zu erreichen

ist. Bei einstreuloser Haltung brauchen sie zusätzliche

Möglichkeiten wie beispielsweise Stroh aus der Raufe

oder Zufütterung von Stroh, Heu oder Gras.

Schweine müssen zudem permanenten Zugang

zu Wasser haben. Die Tränken müssen der jeweiligen

Grösse der Schweine angepasst werden.

Die Wasseraufnahme ist zeitlich eng an die Futteraufnahme

gekoppelt.

Übergang: Fristen und Regelung

– Beschäftigungsmöglichkeiten: bei Neueinrichtungen

ab sofort; für alle übrigen bis spätestens 2013.

– Permanenter Zugang zu Wasser für Schweine:

bei Neueinrichtungen ab sofort; für alle übrigen bis

spätestens 2013.

– Verhinderung des gegenseitigen Vertreibens vom

Fressplatz während der Futteraufnahme bei Abruffütterungssystemen:

bei Neueinrichtungen ab sofort;

für alle übrigen bis spätestens 2023.

> 455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

Art. 4

Art. 44

Art. 45

Art. 49

Anhang 1 Tab 3

Anhang 5

> Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux: Fütterung von

Schweinen

http://www.alp.admin.ch/themen/00584/00610/index.html?lang=de

6


Schweine \ Bedürfnisse \ «Abferkeln»

«Abferkeln»

Oktober 2009

Im Freiland bauen Sauen ein Wurfnest, das verschiedene Schutzfunktionen

hat und die Bindung zwischen Sau und Ferkeln fördert.

Unter natürlichen Bedingungen sondert sich die Sau

einige Tage vor der Geburt von ihrer Gruppe ab und

sucht sich einen ruhigen Platz, um ein Nest zu bauen.

Der Nestbau dauert mehrere Stunden. Das Wurfnest

schützt die Ferkel vor klimatischen Einflüssen und

fördert die enge und notwendige Bindung zwischen

der Sau und ihren Jungen.

Nestbauverhalten ist für eine Sau ein ausserordentlich

wichtiges Verhalten, für das sie hochmotiviert ist.

Nestbaumaterial ist für sie kurz vor dem Abferkeln

ebenso wichtig wie Futter. Selbst wenn Sauen

ein vorgefertigtes Nest angeboten wird, reduziert sich

ihr Nestbauverhalten nicht. Um ihrem Nestbaubedürfnis

entgegen zu kommen, ist für Sauen einige Tage

vor dem Abferkeln ausreichend Langstroh oder sonstiges

zum Nestbau geeignetes Material vorgeschrieben.

Zudem sind Abferkelbuchten so zu gestalten, dass sich

die Sau frei darin drehen kann.

Nach der Geburt ist es wichtig, dass die Ferkel innert

kurzer Zeit Milch aufnehmen können, da sie ohne

körperliche Reserve zur Welt kommen.

In den ersten Lebenswochen ernähren sich die Ferkel

fast ausschliesslich von Milch, die Aufnahme fester

Nahrung beginnt im Alter von zwei Wochen. Die natürliche

Entwöhnung geschieht in einem langsamen Prozess

und ist 3­4 Monate nach der Geburt abgeschlossen.

Sau und Ferkel leben in den ersten 1–2 Wochen

nach der Geburt eng zusammen und kehren erst dann

zur Gruppe zurück. Die enge Beziehung zwischen

der Sau und ihren Ferkeln ist von grosser Wichtigkeit

für das überleben der Ferkel und die Entwicklung vieler

Verhaltensweisen.

> 455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

Art. 50

Anhang 1 Tab 3

7


Schweine \ Bedürfnisse \ Sozialkontakte

Sozialkontakte

Oktober 2009

Schweine sind ausgesprochen soziale Tiere. Kontakt mit Artgenossen

und gut eingerichtete Buchten sind deshalb ganz wichtig.

Im Freiland leben Schweine in Gruppen, sogenannten

Rotten, zusammen. Die Beziehungen zwischen den

Tieren innerhalb einer Rotte werden über eine Rangordnung

geregelt, die in einer etablierten Gruppe stabil

bleibt. Wichtigstes Kriterium für den Rang eines Tieres

ist sein Gewicht, das von der Grösse und dem Alter

abhängt. In einer Rotte besitzt meist die älteste Bache

eine Führungsrolle.

In natürlich zusammengesetzten Schweinegruppen

sind Rangauseinandersetzungen selten. In der Stallhaltung

kommt jedoch häufiges Neugruppieren von Sauen,

Absetzferkeln und Mastferkeln vor, was zu Rangauseinandersetzungen

führt. Sowohl für die eigentliche

Auseinandersetzung wie für das Ausweichen nach

der Konfrontation brauchen Schweine ausreichend

Platz, da es sonst zu gravierenden Verletzungen

kommen kann. Durch Strukturierung der Bucht kann

die Bildung von Untergruppen ermöglicht werden.

Werden Tiere unterschiedlichen Alters, bzw. Grösse

und Gewicht zusammengehalten, finden sie leichter zu

einer Rangordnung.

Der Einsatz von Tranquilizern verzögert die Auseinandersetzungen

nur, anstatt sie zu verhindern und wird

deshalb nicht empfohlen. Dasselbe gilt für Ablenkfütterung.

> 455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

Art. 9

Art. 13

Art. 48

Art. 49

8


Schweine \ Bedürfnisse \ Gesundheit

Gesundheit

Oktober 2009

Gut gehaltene Tiere sind gesünder. Ställe müssen so eingerichtet sein,

dass sich die Tiere nicht verletzen.Werden Tiere krank, sind sie richtig

zu behandeln.

Entscheidend für die Gesundheit von Tieren ist eine gute

Haltung. Dabei ist nicht nur eine ausreichende Fütterung

und Tränkung wichtig, sondern auch Bewegung und

Sozialkontakte. Sie fördern die Gesundheit nachweislich

und beugen Krankheiten vor. Von grosser Bedeutung ist

auch ein gutes Stallklima.

Da Schweine ihre Umgebung intensiv erkunden,

benötigen sie Stalleinrichtungen mit möglichst geringer

Verletzungsgefahr. Der Tierhaltende muss

die Einrichtungen und die Tiere genügend oft überprüfen,

damit er Schäden beheben und bei Krankheiten

oder Verletzungen rechtzeitig eingreifen kann. Eine

regelmässige Überprüfung ist besonders bei automatischen

Fütterungssystemen wichtig.

Bei Befall ist etwa eine Entwurmung oder eine

andere Parasitenbekämpfung angezeigt.

Generell sollte die Haltung darauf ausgerichtet sein,

dass die Tiere möglichst nicht krank werden.

Geschieht dies dennoch, müssen sie ihrem Zustand

entsprechend behandelt, gepflegt und untergebracht

oder sogar getötet werden. Im Zweifelsfall sollte

der Bestandestierarzt/die Bestandestierärztin hinzugezogen

werden.

Tierhaltende müssen eingesetzte Medikamente

im Behandlungsjournal aufführen. Die Tierärzteschaft

weiss, wie nach einer medikamentösen Behandlung

die Lebensmittelsicherheit (Absetzfristen) gewahrt bleibt.

> 455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

Art. 5

Art. 6

Art. 7

Art. 8

Art. 11

Art. 12

Art. 33

Art. 34

> Tierarzneimittelverordnung, TAMV

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c812_212_27.html

9


Nutzung

Heute werden Schweine primär zur Fleischproduktion gehalten.

Neben der Fleischproduktion werden Schweine in

jüngerer Zeit vermehrt in der biomedizinischen Forschung

eingesetzt, da sie neben den nichtmenschlichen Primaten

dem Menschen in vielen anatomischen Strukturen

und physiologischen Prozessen am ähnlichsten sind.

Schweine \ Nutzung \ Fleisch

Fleisch

Oktober 2009

In westlichen Gesellschaften werden Schweine in erster Linie für die Fleischproduktion

genutzt. Ein artgerechter Umgang mit den Schlachttieren und deren

hygienisch einwandfreie Verarbeitung muss dabei gewährleistet sein.

Im Schlachthof treffen die Schlachttiere auf eine

unbekannte Umgebung und fremde Artgenossen.

Das führt zu Unruhe und Stress. Deshalb ist in dieser

letzten Lebensphase der Mastschweine eine

tiergerechte Behandlung beim Transport und durch

das Schlachthauspersonal von besonderer Bedeutung.

Übermässiger Stress vor der Schlachtung wirkt sich

negativ auf die Fleischqualität aus.

Schweine \ Nutzung \ Transport

Transport

Transporte stellen für Tiere immer eine Belastung dar. Sie sollten daher

auf das notwendige Minimum beschränkt und von fachkundigem Personal

begleitet werden.

Gemäss Tierschutzverordnung dürfen Tiere nur transportiert

werden, wenn zu erwarten ist, dass sie den

Transport ohne Schaden überstehen. Die Tiere sind in

geeigneter Weise für den Transport vorzubereiten

und während des Transports schonend zu behandeln.

Tiertransporte dürfen in der Schweiz nicht länger

als 6 Stunden dauern. Wer Tiere gewerbsmässig

transportiert, muss für die Aus- und Fortbildung

der MitarbeiterInnen sorgen. Für jeden Tiertransport

muss eine Person bezeichnet werden, die für das

Wohlergehen der Tiere während des Transportes

verantwortlich ist. Die Fahrzeugführer und

Tierbetreuer von Tiertransportern müssen über eine

praktische und theoretische Ausbildung verfügen

und sind verpflichtet, sich regelmässig fortzubilden.

Bei Transporten ins Ausland, die bis zum Bestimmungsort

mehr als 8 Stunden dauern, muss dem BVET

vorgängig ein Transportplan vorgelegt werden.

Internationale Transporte durch die Schweiz dürfen

nur im Bahn- oder Luftverkehr erfolgen.

>455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

7. Kapitel: Tiertransporte

Anhang 4 Tab 1

10


Schweine \ Nutzung \ Eingriffe

Eingriffe

Oktober 2009

Das Abklemmen der Zähne, das Kupieren der Schwänze, das Einsetzen von Nasenringen

und Rüsselklammern ist verboten. Das Kastrieren von männlichen Schweinen darf

nur unter Schmerzausschaltung vorgenommen werden.

Bereits bei neugeborenen Ferkeln sind Schneide-

und Eckzähne voll ausgebildet. In der Praxis werden

die Eckzähne oft gekürzt, um Verletzungen der Ferkel

untereinander und des Gesäuges zu vermeiden.

Neuere Untersuchungen haben jetzt gezeigt,

dass Bissverletzungen von Ferkeln und Gesäuge

sehr selten sind. Das Abklemmen der Zähne führt

hingegen oft zu leistungsmindernden Nebenwirkungen.

Das Abklemmen der Zähne ist verboten.

In Einzelfällen kann ein Abschleifen der Eckzähne

erfolgen. Dies darf jedoch nur mit speziell hierfür

vorgesehenen Geräten erfolgen.

Mit dem Kupieren der Schwänze wird versucht,

das Schwanzbeissen bei Schweinen zu reduzieren.

Mit diesem Eingriff werden allerdings nur Symptome

behandelt, da die Ursachen für das Schwanzbeissen

in den Haltungsbedingungen zu suchen sind.

Der Eingriff selber ist schmerzhaft. Durch das Kürzen

wird die Schwanzspitze zudem schmerzempfindlicher,

weshalb die betroffenen Tiere sich dem Schwanzbeissen

durch andere Tiere eher entziehen.

Das Kupieren von Schwänzen ist deshalb verboten.

Nasenringe hindern Schweine am Wühlen,

da der Ring im empfindlichen Rüssel Schmerzreize

verursacht. Gerade das Wühlen gehört aber zum

natürlichen Nahrungssuchverhalten von Schweinen.

Um Flurschäden in Grenzen zu halten,

empfiehlt sich ein geeignetes Weidemanagement.

Das Einsetzen von Nasenringen sowie Klammern

und Drähten in die Rüsselscheibe ist verboten.

Männliche Ferkel werden wegen des möglichen

Ebergeruchs ihres Fleisches routinemässig kastriert.

Die Kastration ist für die Tiere schmerzhaft.

Kastrationen sollten in den ersten Lebenswochen

geschehen, da dann die Wundheilung am besten

verläuft, das Verhalten am wenigsten beeinträchtigt

und die Schmerzreaktionen am geringsten sind.

Kastrationen ohne Schmerzausschaltung sind verboten.

Übergang: Fristen und Regelung

– Kastration: Die Kastration von Ferkeln ohne Schmerzausschaltung

ist ab dem 01.01.2010 verboten.

> 455 Tierschutzgesetz vom 16. Dezember 2005 (TSchG)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455.html

Art. 44

> 455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

Art. 15 Abs. 2f

Art. 16

Art. 18

Art. 32

Art. 224

11


Schweine \ Nutzung \ Zucht

Zucht

Oktober 2009

Weltweit werden ungefähr 150 Schweinerassen unterschieden.

Allerdings nimmt die Rassenvielfalt aufgrund von auf wenig Ziele beschränkter

Zucht immer mehr ab.

Die Züchtung fettarmer, schnell wachsender und gut

bemuskelter Schweine, insbesondere seit den 1960er

Jahren hat gleichzeitig deren Stressanfälligkeit erhöht –

bedingt durch Veränderungen im Hormonsystem

und im Stoffwechsel. Dem schnellen Muskelwachstum

können Knochen- und Organwachstum nicht folgen,

wodurch es häufiger zu Arthrosen und Herz-Kreislaufproblemen

kommt. Die Zucht in der Schweiz hat

bereits in den 1970er Jahren mit angepassten Zuchtzielen

darauf reagiert. Dank systematischer Selektion ist

die Stressanfälligkeit bei Schweizer Rassen seit

15 Jahren kein Thema mehr. Auch das Exterieur und

insbesondere das Fundament wird seit vielen Jahren mit

immer effizienteren Methoden züchterisch bearbeitet.

Das Verhaltensrepertoire unserer Hausschweine

hat sich qualitativ nicht verändert. Wild- und Hausschweine

sind miteinander kreuzbar und haben

fertile Nachkommen.

> 455.1 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV)

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c455_1.html

Kapitel 2 Abschnitt 4: Züchten von Tieren

12


Anhang

Anhang 1 Mindestmasse für die Haltung von Schweinen

Anhang 2 Böden in der Schweinehaltung

Anhang 3 Tier-Fressplatzverhältnis bzw. Anzahl Tiere pro Automat bei verschiedenen Fütterungssystemen

in der Schweinehaltung

Anhang 4 Beschäftigung, Fütterung mit Rohfaser, Nestbaumaterial sowie Einstreu in der Schweinehaltung

Anhang 5 Abkühlungsmöglichkeiten für Schweine

Anhang 6 Stallklimawerte und ihre Messung in Schweinehaltungen

Anhang 7 Abschleifen der Zahnspitzen bei Ferkeln

Anhang 8 Wasserversorgung von Schweinen

Anhang 9 Schutz vor Kälte und Anforderungen an Liegekisten für Schweine

Anhang 10 SCHWEINE: Was sich mit der neuen Tierschutzgesetzgebung ändert


Fachinformation Tierschutz

Nr. 8.1_(1)_d | Oktober 2009

Mindestmasse für die Haltung von Schweinen

Die Distanzmasse sind lichte Weiten, wenn nichts anderes erwähnt wird. Die Abmessungen dürfen

nur durch Abrunden der Ecken oder durch Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen in den Ecken

eingeschränkt werden (Anhang 1 TSchV).

lichte Weite Die angegebenen Distanzmasse sind immer lichte Weiten.

Messvorgaben für Kastenstände:

Bei hochgestelltem Trog (mindestens 15 cm ab Boden) muss die Standlänge vom tiefsten Punkt des

Troges gemessen werden, bei nicht hochgestelltem Trog ist ab tierseitiger Trogkante zu messen.

Abmessungen bei der Gruppenhaltung

• Für ab 1. September 2008 neu eingerichtete Ställe (Anhang 1 Tabelle 3 Zeilen 31-323

TSchV)

Tierkategorie abgesetzte Ferkel 1) Schweine 2)

Sauen Zuchteber

kg bis 15 15-25 25-60 60-85 85-110 110-160

Gesamtfläche pro Tier 3)

m 2

0.20 0.35 0.60 0.75 0.90 1.65 2.5 4)

6.0 5)

6) 7) 8)

davon Liegefläche pro Tier m 2

- bis 6 Tiere m

0.15 0.25 0.40 0.50 0.60 0.95 – 3.0

2

– – – – – – 1.2 9)

- 7-20 Tiere m


2

– – – – – – 1.1 9)

- über 20 Tiere m


2

– – – – – – 1.0 9)


1) Abgesetzte Ferkel dürfen nicht in zwei- oder mehrstöckigen Käfigen gehalten werden. Die Käfige müssen oben

offen sein (Art. 51 TSchV).

2) Diese Masse gelten für Schweine, die in Gruppen von ausschliesslich gleichaltrigen Tieren gehalten werden.

3) Werden Tiere in Ställen mit Tiefstreu gehalten, so ist die Bodenfläche angemessen zu vergrössern.

4) Für am 1. September 2008 bestehende Gruppenhaltungen genügen 2 m 2 pro Tier.

5) Eine Buchtenseite muss mindestens 2 m lang sein.

6) Es muss ein in grösseren Flächen zusammenhängender Liegebereich, der nur einen geringen Perforationsanteil

zum Abfliessen von Flüssigkeiten aufweisen darf, vorhanden sein. (Art. 47 Abs. 1 TSchV).

1/8


Fachinformation Tierschutz Nr. 8.1_(1)_d | Oktober 2009

7) Wird der Liegebereich in Haltungssystemen für abgesetzte Ferkel und Mastschweine nach Anhang 1 Tabelle 3

Anmerkung 8 TSchV verkleinert, so muss der Liegebereich so gross sein, dass alle Tiere einer Bucht gleichzeitig

nebeneinander darauf liegen können (Art. 24 Abs. 1 Nutz- und HaustierV).

8) Entspricht in Haltungssystemen mit Liegekisten die Fläche des Liegebereichs in den Liegekisten nicht den

Mindestanforderungen nach Anhang 1 Tabelle 3 Ziffer 251 TSchV, so muss ausserhalb der Liegekisten noch

genügend Liegefläche vorhanden sein, um diesen Mindestanforderungen zu genügen (Art. 24 Abs. 2 Nutz- und

HaustierV).

9) Eine Seite der Liegefläche muss mindestens 2 m breit sein.

• Für am 31. August 2008 bestehende Ställe bis spätestens am 31. August 2018

Tierkategorie abgesetzte

Ferkel 1)

Schweine 2) Sauen Zuchteber

kg bis 15 15-25 25-60 60-85 85-110 110-160

Bodenfläche pro Tier 3) in

Buchten mit Teil- oder

Vollspaltenboden

sowie Buchten mit separatem

Kotplatz (Anhang 5 Ziffer 19

TSchV)

m 2

0.20 0.30 0.45 0.65 0.65 1.65 1.30 6.00 4)

Liegefläche pro Tier in Buchten

5) 6) 7)

mit separatem Kotplatz

(Anhang 1 Tabelle 3 Zeilen 32-

323 TSchV)

m 2

0.15 0.25 0.40 0.50 0.60 0.95 – –

- bis 20 Tiere m 2

– – – – – – 1.10 –

- über 20 Tiere m 2

– – – – – – 1.00 –

1) Abgesetzte Ferkel dürfen nicht in zwei- oder mehrstöckigen Käfigen gehalten werden. Die Käfige müssen oben

offen sein (Art. 51 TSchV).

2) Diese Masse gelten für Schweine, die in Gruppen von ausschliesslich gleichaltrigen Tieren gehalten werden.

3) Gleiches gilt für Lochböden. Werden Tiere in Ställen mit Tiefstreu gehalten, so ist die Bodenfläche angemessen zu

vergrössern.

4) Eine Buchtenseite muss mindestens 2 m lang sein. Die erforderliche Fläche und Buchtenbreite muss bis

spätestens am 31. August 2013 gewährt werden.

5) Ein separater Kotplatz liegt dann vor, wenn der Liegebereich gegenüber der restlichen Bodenfläche hoch- oder

tiefgestellt oder durch eine Wand/Holzschwelle abgetrennt ist.

6) Wird der Liegebereich in Haltungssystemen für abgesetzte Ferkel und Mastschweine nach Anhang 1 Tabelle 3

Anmerkung 8 TSchV verkleinert, so muss der Liegebereich so gross sein, dass alle Tiere einer Bucht gleichzeitig

nebeneinander darauf liegen können (Art. 24 Abs. 1 Nutz- und HaustierV).

7) Entspricht in Haltungssystemen mit Liegekisten die Fläche des Liegebereichs in den Liegekisten nicht den

Mindestanforderungen nach Anhang 1 Tabelle 3 Ziffer 251 TSchV, so muss ausserhalb der Liegekisten noch

genügend Liegefläche vorhanden sein, um diesen Mindestanforderungen zu genügen (Art. 24 Abs. 2 Nutz- und

HaustierV).

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.1_(1)_d | Oktober 2009

Abmessungen für Fressliegebuchten und Fressstände

In Gruppen gehaltene Schweine dürfen nur während der Fütterung in Fressständen oder

Kastenständen fixiert werden (Art. 49 Abs. 1 TSchV).

• Für ab 1. September 2008 neu eingerichtete Ställe (Anhang 1 Tabelle 3 Zeilen 21 und 23

TSchV)

Kastenstände Standlänge, cm

Standbreite, cm

in Fressliegebuchten 1) 190 2) 65 2)

in Fressständen 160 3) 45

1) Bei Systemen mit Fressliegebuchten muss die minimale Breite der Gänge gemessen bei offenen Körben 180 cm

betragen (Anhang 1 Tabelle 3 Zeile 22 TSchV).

2) Höchstens ein Drittel der Kastenstände für Sauen darf auf 60 cm x 180 cm verkleinert sein. Falls die Kastenstände

in Abferkelbuchten in der Breite und der Länge nicht verstellbar sind, müssen alle 65 cm × 190 cm aufweisen.

3) Gemessen ab Hinterkante Trog.

• Für am 31. August 2008 bestehende Ställe bis spätestens am 31. August 2013 (Anhang 1

Tabelle 3 Zeilen 21 und 23 TSchV)

Kastenstände Standlänge, cm

Standbreite, cm

in Fressliegebuchten 1)

190 2)

(180) 3)

65 2)

(60) 3)

in Fressständen 160 4) 45

1) Bei Systemen mit Fressliegebuchten muss die minimale Breite der Gänge gemessen bei offenen Körben 180 cm

betragen (Anhang 1 Tabelle 3 Zeile 22 TSchV).

2) Höchstens ein Drittel der Kastenstände für Sauen darf auf 60 cm x 180 cm verkleinert sein.

3) Ställe, die vor dem 1. Juli 1981 bestanden und diese Grenzwerte in Klammern bei zwei Dritteln der Kastenstände

nicht unterschreiten, müssen bis spätestens 31. August 2013 angepasst werden. Höchstens ein Drittel dieser

Kastenstände darf in dieser Zeit noch 55 cm x 170 cm aufweisen (Anhang 5 Ziffer 49 TSchV).

4) Gemessen ab Hinterkante Trog.

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.1_(1)_d | Oktober 2009

Abmessungen bei der Einzelhaltung von Galtsauen während der Deckzeit

Schweine dürfen nicht angebunden gehalten werden (Art. 48 Abs. 2 TSchV).

Kastenstände für Sauen dürfen nur während der Deckzeit und höchstens während zehn Tagen

verwendet werden (Art. 48 Abs. 4 TSchV).

• Für ab 1. September 2008 neu eingerichtete Ställe (Anhang 1 Tabelle 3 Zeile 21 TSchV)

Kastenstände Standlänge 1) , cm Standbreite, cm

für Sauen 190 1) 65 1)

1) Höchstens ein Drittel der Kastenstände für Sauen darf auf 60 cm x 180 cm verkleinert sein.

• Für am 31. August 2008 bestehende Ställe bis spätestens am 31. August 2013 (Anhang 1

Tabelle 3 Zeile 21 sowie Anhang 5 Ziffer 49 TSchV)

Kastenstände Standlänge 1) , cm Standbreite, cm

für Sauen

190 1)

(180) 2)

65 1)

(60) 2)

1) Höchstens ein Drittel der Kastenstände für Sauen darf auf 60 cm x 180 cm verkleinert sein.

2) Ställe, die vor dem 1. Juli 1981 bestanden und diese Grenzwerte in Klammern bei zwei Dritteln der Kastenstände

nicht unterschreiten, müssen bis spätestens 31. August 2013 angepasst werden. Höchstens ein Drittel dieser

Kastenstände darf in dieser Zeit noch 55 cm x 170 cm aufweisen (Anhang 5 Ziffer 49 TSchV).

Abmessungen der Abferkelbuchten

Abferkelbuchten sind so zu gestalten, dass sich die Sau frei drehen kann. Während der Geburtsphase

kann die Sau im Einzelfall bei Bösartigkeit gegenüber den Ferkeln oder Gliedmassenproblemen

fixiert werden (Art. 50 Abs. 1 TSchV).

Als Geburtsphase, in der die Sau im Einzelfall fixiert werden darf, gilt der Zeitraum vom Beginn des

Nestbauverhaltens bis längstens zum Ende des dritten Tages, der auf die Geburt folgt. Es ist

aufzuzeichnen, welche Sau aus welchem Grund fixiert wurde (Art. 25 Abs. 1 Nutz- und HaustierV).

Bezüglich Abmessungen in Abferkelbuchten gelten folgende Vorgaben (Anhang 1 Tabelle 3 Zeilen 4-

6 TSchV):

Abferkelbuchten

Vor dem 1. Juli

1997 eingerichtet

Zwischen dem 1. Juli 1997 und

1. September 2008 eingerichtet 1)

Nach dem 1. September

2008 eingerichtet 1)

Bodenfläche, m 2 3.5 4.5 5.5

Liegefläche, m 2 1.6 2.25 2) 2.25 2)

1) Bei nach dem 31. Oktober 2005 eingerichteten Abferkelbuchten muss deren Mindestbreite 150 cm betragen.

Buchten, die schmaler als 170 cm sind, dürfen in den hinteren 150 cm der Bucht keine Einrichtungen aufweisen.

2) In nach dem 31. Oktober 2005 eingerichteten Abferkelbuchten muss in dem von der Sau begehbaren Bereich eine

zusammenhängende Liegefläche von mindestens 1.2 m 2 mit einer Mindestbreite von 65 cm und einer

Mindestlänge von 125 cm vorhanden sein.

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.1_(1)_d | Oktober 2009

Beispiele von Abferkelbuchten mit einer Mindestfestbodenfläche von 1,2 m 2

in dem von der Sau

begehbaren Bereich und dem "Mindestrechteck" von 65 x 125 cm (dunkel schattiert). Die hell

schattierten Flächen sind der Sau zugängliche Festflächen, die zusammenhängend neben dem

"Mindestrechteck" angeordnet werden müssen.

• Für ab 1. September 2008 neu eingerichtete Ställe (Anhang 1 Tabelle 3 Zeile 21 TSchV)

Kastenstände Standlänge 1) , cm Standbreite, cm

in Abferkelbuchten 190 1) 65 1)

1) Höchstens ein Drittel der Kastenstände für Sauen darf auf 60 cm x 180 cm verkleinert sein. Falls die Kastenstände

in Abferkelbuchten in der Breite und der Länge nicht verstellbar sind, müssen alle 65 cm × 190 cm aufweisen.

• Für am 31. August 2008 bestehende Ställe bis spätestens am 31. August 2013 (Anhang 1

Tabelle 3 Zeile 21 sowie Anhang 5 Ziffer 49 TSchV)

Kastenstände Standlänge 1) , cm Standbreite, cm

in Abferkelbuchten

"Mindestrechteck" 65 cm x 125 cm

190 1)

(180) 2)

65 1)

(60) 2)

1) Höchstens ein Drittel der Kastenstände für Sauen darf auf 60 cm x 180 cm verkleinert sein. Falls die Kastenstände

in Abferkelbuchten in der Breite und der Länge nicht verstellbar sind, müssen sie 65 cm × 190 cm aufweisen

2) Ställe, die vor dem 1. Juli 1981 bestanden und diese Grenzwerte in Klammern bei zwei Dritteln der Kastenstände

nicht unterschreiten, müssen bis spätestens 31. August 2013 angepasst werden. Höchstens ein Drittel dieser

Kastenstände darf in dieser Zeit noch 55 cm x 170 cm aufweisen (Anhang 5 Ziffer 49 TSchV).

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.1_(1)_d | Oktober 2009

Fressplatzbreite und Anzahl Fressplätze

Tierkategorie

Fressplatzbreite pro Tier bei

Gruppenhaltung (cm) (Anhang 1

Tabelle 3 Zeile 11 TSchV)

Anzahl Fressplätze bei Vorratsfütterung

(Trocken oder Flüssigfutter)

(Art. 22 Abs. 2 Buchstabe a

Nutz- und HaustierV)

Anzahl Fressplätze bei

Vorratsfütterung:

- Breifutterautomaten bis 3

3) 4)

Fressplätze

- Breifutterautomaten mit mehr als 3

Fressplätzen oder

Rohrbreiautomaten

3) 4)

( Art. 22 Abs. 2 Buchstaben b

und c Nutz- und HaustierV)

Bei allen anderen

Fütterungssystemen 4)

(Art. 22 Abs. 2 Buchstabe c

Nutz- und HaustierV)

abgesetzte Ferkel Schweine

Sauen /

Eber

bis 15 kg 15-25 kg 25-60 kg 60-85 kg 85-110 kg 110-160 kg ab 110 kg

12

18

27

30

1 pro 5 Tiere

1 pro 12 Tiere

1 pro 10 Tiere

nach den Auflagen der Bewilligung für serienmässig hergestellte

Stalleinrichtungen

1) Für am 1. September 2008 bestehende Fressplätze genügen 40 cm.

2) Bei der Verwendung von Abschrankungen, die in die Bucht hineinragen, muss die lichte Weite bei ab 1. September

2008 neu eingerichteten Fressplätzen an der engsten Stelle mindestens 45 cm betragen.

3) Bei Rohrbreiautomaten wurden die Tierzahlen pro Futterautomat im Rahmen des Prüf- und Bewilligungsverfahrens

individuell für jedes Produkt festgelegt. Eine Übersicht enthält die Fachinformation Tierschutz Nr. 8.3_(1)_d „Tier-

Fressplatzverhältnis bzw. Anzahl Tiere pro Automat bei verschiedenen Fütterungssystemen in der

Schweinehaltung“ des BVET, das laufend aktualisiert wird und auf der Homepage des BVET (www.bvet.admin.ch)

verfügbar ist.

4) Wird an Breifutterautomaten oder Rohrbreiautomaten die Wasserversorgung abgestellt, so gilt ein Tier-Fressplatz-

Verhältnis wie bei Trockenfutterautomaten (Art. 22 Abs. 3 Nutz- und HaustierV). Eine Übersicht ist ebenfalls unter

der in der Anmerkung 3) erwähnten Fachinformation zu finden.

Abmessungen der Eberbuchten

• Für ab 1. September 2008 neu eingerichtete Ställe sowie für am 1. September 2008

bestehende Buchten ab dem 1. September 2013

Die Buchtenfläche für ausgewachsene Zuchteber muss mindestens 6 m 2

Mindestbreite von 2 m (Anhang 1 Tabelle 3 Zeile 31 TSchV).

33

36

45

1) 2)

betragen, bei einer

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.1_(1)_d | Oktober 2009

Gesetzliche Grundlagen Tierschutzgesetz (TSchG), Tierschutzverordnung (TSchV)

und Nutz- und HaustierVerordnung (Nutz- und HaustierV)

Art. 3 TSchV Tiergerechte Haltung

1 Tiere sind so zu halten, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört werden und ihre

Anpassungsfähigkeit nicht überfordert wird.

2 Unterkünfte und Gehege müssen mit geeigneten Futter-, Tränke-, Kot- und Harnplätzen, Ruhe- und Rückzugsorten

mit Deckung, Beschäftigungsmöglichkeiten, Körperpflegeeinrichtungen und Klimabereichen versehen sein.

3 Fütterung und Pflege sind angemessen, wenn sie nach dem Stand der Erfahrung und den Erkenntnissen der

Physiologie, Verhaltenskunde und Hygiene den Bedürfnissen der Tiere entsprechen.

4 Tiere dürfen nicht dauernd angebunden gehalten werden.

Art. 10 TSchV Mindestanforderungen

1 Unterkünfte und Gehege müssen den Mindestanforderungen nach den Anhängen 1–3 entsprechen.

2 Werden an Haltungssystemen Instandhaltungsmassnahmen vorgenommen, die über den Ersatz einzelner

Elemente der Stalleinrichtung hinausgehen, so ist zu prüfen, ob sich der Raum so aufteilen lässt, dass für

Standplätze, Liegeboxen, Liegebereiche, Laufgänge, Fressplätze und Fressplatzbereiche die in Anhang 1

genannten Mindestanforderungen für neu eingerichtete Ställe eingehalten werden.

3 Die kantonale Fachstelle kann in den in Absatz 2 genannten Fällen Abweichungen von den Mindestanforderungen

bewilligen. Sie berücksichtigt dabei den der Tierhalterin oder dem Tierhalter entstehenden Aufwand

und das Wohlergehen der Tiere.

Art. 45 TSchV Fütterung

1 Schweine müssen jederzeit Zugang zu Wasser haben, ausgenommen bei Freilandhaltung, wenn sie mehrmals

täglich mit Wasser getränkt werden.

2 Bei der Gruppenhaltung muss bei Trockenfütterung pro 12 Tiere und bei Flüssigfütterung pro 24 Tiere eine

Tränkestelle vorhanden sein.

3 Rationiert gefütterten Zuchtsauen, Zuchtremonten und Ebern muss in Ergänzung zum Kraftfutter ausreichend

Futter mit hohem Rohfaseranteil zur Verfügung stehen.

Art. 48 TSchV Haltung

1 Schweine müssen in Gruppen gehalten werden. Ausgenommen sind Sauen während der Säuge- und Deckzeit

sowie Eber ab der Geschlechtsreife.

2 Schweine dürfen nicht angebunden gehalten werden.

3 Zuchteber und Mastschweine dürfen nicht in Kastenständen gehalten werden.

4 Kastenstände für Sauen dürfen nur während der Deckzeit und höchstens während zehn Tagen verwendet

werden.

Art. 49 TSchV Gruppenhaltung

1 In Gruppen gehaltene Schweine dürfen nur während der Fütterung in Fressständen oder Kastenständen fixiert

werden.

2 Bei rationierter Fütterung unter Einsatz von Abruffütterungssystemen muss sichergestellt sein, dass die Schweine

während der Futteraufnahme nicht vom Fressplatz vertrieben werden können.

3 In Fressliegebuchten müssen die Gänge so breit sein, dass die Tiere sich ungehindert drehen und einander

ausweichen können.

Art. 50 TSchV Abferkelbuchten

1 Abferkelbuchten sind so zu gestalten, dass sich die Sau frei drehen kann. Während der Geburtsphase kann die

Sau im Einzelfall bei Bösartigkeit gegenüber den Ferkeln oder Gliedmassenproblemen fixiert werden.

2 Einige Tage vor dem Abferkeln ist ausreichend Langstroh oder anderes zum Nestbau geeignetes Material und

während der Säugezeit ausreichend Einstreu in die Bucht zu geben.

3 Der Liegebereich der Ferkel muss ein ihren Temperaturansprüchen entsprechendes Mikroklima aufweisen.

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.1_(1)_d | Oktober 2009

Art. 51 TSchV Ferkelkäfige

Abgesetzte Ferkel dürfen nicht in mehrstöckigen Käfigen gehalten werden. Die Käfige müssen oben offen sein.

Anhang 1 Tab 3 TSchV

Anhang 5 TSchV

Art. 22 Nutz- und HaustierV Fütterung

1 Rationiert gefütterte nicht säugende Sauen, Zuchtremonten und Eber sind mit einem Alleinfutter mit einem

Rohfasergehalt von mindestens 8 Prozent oder so zu füttern, dass die tägliche Aufnahme von mindestens 200

Gramm Rohfaser pro Tier gewährleistet ist. Von dieser Vorgabe kann abgewichen werden, wenn sichergestellt ist,

dass die Tiere diese Menge über das Beschäftigungsmaterial aufnehmen können.

2 Die Zahl der Fressplätze bei der Vorratsfütterung beträgt:

3

a. bei Trockenfutterautomaten: 1 pro 5 Tiere;

b. bei Breifutterautomaten bis maximal 3 Fressplätze: 1 pro 12 Tiere;

c. bei Breifutterautomaten mit mehr als 3 Fressplätzen und bei Rohrbreiautomaten: 1 pro 10 Tiere;

d. bei allen anderen Fütterungssystemen: nach den Auflagen der Bewilligung für serienmässig hergestellte

Stalleinrichtungen.

Wird an Breifutterautomaten oder Rohrbreiautomaten die Wasserversorgung abgestellt, so gilt ein Tier-

Fressplatz-Verhältnis wie bei Trockenfutterautomaten.

4 Alle Kanten von Fütterungssystemen, mit denen Tiere in Berührung kommen, wie diejenigen der Rüttelbleche

oder Dosierbleche, müssen umgebogen oder sonstwie abgestumpft sein. Schweissstellen dürfen keine scharfen

Unebenheiten aufweisen. Vom Verzinken herrührende Gräte müssen abgeschliffen sein.

5 Die Abstände zwischen den Trogunterteilungen von Fütterungssystemen müssen so gross sein, dass die

Schnauze der Tiere dazwischen ausreichend Platz hat. Als Trogunterteiler gelten Stäbe, die im Trogbereich

angebracht sind und nicht über den Trogrand ragen. Als Mindestabstände sind bei Ferkeln bis 25 kg 15 cm und bei

Mastschweinen ab 25 kg 20 cm einzuhalten.

Art. 24 Nutz- und HaustierV Liegeflächen

1 Wird der Liegebereich in Haltungssystemen für abgesetzte Ferkel und Mastschweine nach Anhang 1 Tabelle 3

Anmerkung 8 TSchV verkleinert, so muss der Liegebereich so gross sein, dass alle Tiere einer Bucht gleichzeitig

nebeneinander darauf liegen können.

2 Entspricht in Haltungssystemen mit Liegekisten die Fläche des Liegebereichs in den Liegekisten nicht den

Mindestanforderungen nach Anhang 1 Tabelle 3 Ziffern 32, 321-323 TSchV, so muss ausserhalb der Liegekisten

noch genügend Liegefläche vorhanden sein, um diesen Mindestanforderungen zu genügen.

Art. 25 Nutz- und HaustierV Abferkelbuchten

1 Als Geburtsphase, in der die Sau im Einzelfall fixiert werden darf, gilt der Zeitraum vom Beginn des Nestbauverhaltens

bis längstens zum Ende des dritten Tages, der auf die Geburt folgt. Es ist aufzuzeichnen, welche Sau

aus welchem Grund fixiert wurde.

2 Zum Nestbau geeignetes Material ist solches, das von der Sau mit der Schnauze getragen werden kann. Für den

Nestbau ungeeignet sind Materialien wie Hobelspäne, Sägemehl, Zeitungsschnitzel oder Strohhäcksel.

3 Geeignetes Nestbaumaterial ist ab dem 112. Trächtigkeitstag bis und mit dem 1. Tag nach der Geburt täglich zu

verabreichen. Zum Zeitpunkt der Verabreichung muss das Material im Liegebereich der Sau bodendeckend

vorhanden sein.

4 Vom 2. Tag nach der Geburt bis zum Ende der Säugezeit muss der Liegebereich der Sau und der Ferkel täglich

mit Langstroh, Strohhäcksel, Chinaschilf oder entstaubten Hobelspänen eingestreut werden. Zum Zeitpunkt der

Verabreichung muss das Material bodendeckend vorhanden sein.

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Fachinformation Tierschutz

Nr. 8.2_(1)_d | Oktober 2009

Böden in der Schweinehaltung

Anteil perforierte Böden (ausgenommen Abferkelbuchten)

• Für ab 1. September 2008 neu eingerichtete Ställe

Tierkategorie Anforderung an den Boden

Alle Schweine in Gruppenhaltung

sowie einzeln

gehaltene Zuchteber

zusätzlich bei Zuchtsauen

- Die Buchten müssen einen in grösseren Flächen zusammenhängenden

Liegebereich haben (Art. 47 Abs 1 TSchV).

Der Anteil perforierter Boden (Spalten- oder Lochboden) darf (Art. 47 Abs. 2 TSchV)

- in Kastenständen im Deckzentrum maximal 50 % betragen;

- in Fressliegebuchten maximal 33 % betragen.

• Für am 31. August 2008 bestehende Ställe bis spätestens am 31. August 2018

Tierkategorie Anforderung an den Boden

Ferkel

- Ferkelaufzuchtbuchten dürfen nur zu zwei Dritteln mit Spalten- oder Lochböden

versehen sein (Anhang 5 Ziffer 19 TSchV).

Eber

- Buchten für Eber dürfen nur zur Hälfte mit Spalten- oder Lochböden versehen

sein (Anhang 5 Ziffer 50 TSchV).

Der Anteil perforierter Boden (Spalten- oder Lochboden) darf (Art. 47 Abs. 2 TSchV)

zusätzlich bei Sauen

- in Kastenständen im Deckzentrum maximal 50 % betragen;

- in Fressliegebuchten maximal 33 % betragen.

Mastschweine

- Vollspaltenbuchten sind zulässig für Buchten, die vor dem 1. Juli 1997 eingerichtet

wurden (Anhang 5 Ziffer 19 TSchV).

Anteil Festfläche in Abferkelbuchten

Bezüglich Festflächen in Abferkelbuchten gelten folgende Vorgaben (Anhang 1 Tabelle 3 Zeilen 4-6

TSchV):

Abferkelbuchten

Vor dem 1. Juli

1997 eingerichtet

Zwischen dem 1. Juli 1997 und

1. September 2008 eingerichtet

Nach dem 1. September

2008 eingerichtet

Festfläche, m 2 1.6 2.25 2) 2.25 1)

1) In nach dem 31. Oktober 2005 eingerichteten Abferkelbuchten muss in dem von der Sau begehbaren Bereich

eine zusammenhängende Liegefläche von mindestens 1.2 m2 mit einer Mindestbreite von 65 cm und einer

Mindestlänge von 125 cm vorhanden sein.

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.2_(1)_d | Oktober 2009

Beispiele von Abferkelbuchten mit einer Mindestfestbodenfläche von 1.2 m2 in dem von der Sau

begehbaren Bereich und dem "Mindestrechteck" von 65 x 125 cm (dunkel schattiert). Die hell

schattierten Flächen sind der Sau zugängliche Festflächen, die zusammenhängend neben dem

"Mindestrechteck" angeordnet werden müssen.

Perforationsanteil der Liegefläche

"Mindestrechteck" 65 x 125 cm

- Böden im Liegebereich von am 1. September 2008 bestehenden Mastschweineställen dürfen

einen Perforationsanteil von maximal 5 % zum Abfliessen von Flüssigkeiten aufweisen (Art. 4

Abs. 3 Buchstabe a Nutz- und Nutz- und HaustierV).

- Böden im Liegebereich in den übrigen Ställen dürfen einen Perforationsanteil von maximal 2 %

zum Abfliessen von Flüssigkeiten aufweisen (Art. 4 Abs. 3 Buchstabe b Nutz- und Nutz- und

HaustierV).

- Bei Perforationen im Liegebereich müssen die Löcher oder Spalten pro Bodenelement

gleichmässig verteilt sein (Art. 4 Abs. 4 Nutz- und Nutz- und HaustierV).

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.2_(1)_d | Oktober 2009

Maximale Spaltenweite und Lochgrösse

Perforierte Böden müssen der Grösse und dem Gewicht der Tiere angepasst sein. Sie müssen eben

und die Elemente müssen unverschiebbar verlegt sein (Art. 34 Abs. 2 TSchV).

Für perforierte Böden gelten folgende Vorgaben (Anhang 1 Tabelle 2 Zeilen 1-3 Nutz- und Nutz- und

HaustierV):

Bodentyp Gewichtskategorie

Betonflächenroste

Gusseisenroste / Kunststoffroste

Lochböden

Saugferkel

Absetzferkel

Schweine

ab 15 kg

ab 25 kg

1)

Sauen / Eber

Saugferkel

Absetzferkel bis 25 kg

alle Kategorien über 25 kg

Ferkel bis 25 kg

alle Kategorien über 25 kg

Maximale Spaltenweite

bzw. Lochgrösse, mm

9

11

14

18

22

2)

10

3)

11

16

10 x 20

16 x 30

1) Die Balkenbreite muss mindestens 8 cm betragen.

2) Gusseisenroste und Kunststoffroste mit einer Spaltenweite von 10 mm dürfen auf maximal 40 % der gesamten

den Tieren zur Verfügung stehenden Fläche eingerichtet werden. Diese Beschränkung des Anteils perforierter

Fläche gilt nicht für Gusseisenroste und Kunststoffroste mit einer Spaltenweite von maximal 9 mm.

3) Im Rahmen des Prüf- und Bewilligungsverfahrens für serienmässig hergestellte Stalleinrichtungen wurde ein

Kunststoffrost für abgesetzte Ferkel (mind. 28 Tage alt) mit einer Spaltenweite von 12 mm bewilligt. Dieser Rost

darf auf max. 40 % der gesamten den Tieren zur Verfügung stehenden Fläche eingerichtet sein.

Zu weite Spalten können zu

Klauenverletzungen führen.

Beurteilung von Spaltenböden:

A) plane Verlegung

B) unverschiebbar verlegte Balken

C) geeignete Balkenbreiten

D) geeignete, konstante Spaltenweite

E) abgeschliffene Kanten, keine vorstehenden Gräte

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.2_(1)_d | Oktober 2009

Spaltenweite für den Mistabwurf

• Für ab 1. September 2008 neu eingerichtete Ställe

Gewichtskategorie Zulässige Spaltenweite, cm

1)

Spalten für den Mistabwurf

Ferkel bis 25 kg

1)

weniger als 2 oder zwischen 4 - 5

(Anhang 1 Tabelle 2 Zeile 4 Nutz- und Schweine 25 - 100 kg

weniger als 4 oder zwischen 8 - 9

Nutz- und HaustierV)

Sauen / Eber

weniger als 6 oder zwischen 10 - 11

1) In Abferkelbuchten müssen Spalten für den Mistabwurf während des Abferkelns und mindestens in den ersten zwei

Tagen danach abgedeckt werden (Art. 4 Abs. 2 Nutz- und Nutz- und HaustierV).

Gesetzliche Grundlagen

Tierschutzgesetz (TSchG), Tierschutzverordnung (TSchV) und Nutz- und Nutz- und

HaustierVerordnung (Nutz- und Nutz- und HaustierV)

Art. 3 TSchV Tiergerechte Haltung

1 Tiere sind so zu halten, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört werden und ihre Anpassungsfähigkeit

nicht überfordert wird.

2 Unterkünfte und Gehege müssen mit geeigneten Futter-, Tränke-, Kot- und Harnplätzen, Ruhe- und Rückzugsorten

mit Deckung, Beschäftigungsmöglichkeiten, Körperpflegeeinrichtungen und Klimabereichen versehen sein.

3 Fütterung und Pflege sind angemessen, wenn sie nach dem Stand der Erfahrung und den Erkenntnissen der

Physiologie, Verhaltenskunde und Hygiene den Bedürfnissen der Tiere entsprechen.

4 Tiere dürfen nicht dauernd angebunden gehalten werden.

Art. 7 TSchV Unterkünfte, Gehege, Böden

1 Unterkünfte und Gehege müssen so gebaut und eingerichtet sein, dass:

a. die Verletzungsgefahr für die Tiere gering ist;

b. die Gesundheit der Tiere nicht beeinträchtigt wird; und

c. die Tiere nicht entweichen können.

2 Unterkünfte und Gehege müssen so gebaut und eingerichtet und so geräumig sein, dass sich die Tiere darin

arttypisch verhalten können.

3 Böden müssen so beschaffen sein, dass die Gesundheit der Tiere nicht beeinträchtigt wird.

Art. 10 TSchV Mindestanforderungen

1 Unterkünfte und Gehege müssen den Mindestanforderungen nach den Anhängen 1–3 entsprechen.

2 Werden an Haltungssystemen Instandhaltungsmassnahmen vorgenommen, die über den Ersatz einzelner

Elemente der Stalleinrichtung hinausgehen, so ist zu prüfen, ob sich der Raum so aufteilen lässt, dass für

Standplätze, Liegeboxen, Liegebereiche, Laufgänge, Fressplätze und Fressplatzbereiche die in Anhang 1

genannten Mindestanforderungen für neu eingerichtete Ställe eingehalten werden.

3 Die kantonale Fachstelle kann in den in Absatz 2 genannten Fällen Abweichungen von den Mindestanforderungen

bewilligen. Sie berücksichtigt dabei den der Tierhalterin oder dem Tierhalter entstehenden Aufwand

und das Wohlergehen der Tiere.

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.2_(1)_d | Oktober 2009

Art. 34 TSchV Böden

1 Befestigte Böden müssen gleitsicher und ausreichend sauber sein. Böden müssen im Liegebereich ausreichend

trocken sein sowie dem Wärmebedürfnis der Tiere genügen.

2 Perforierte Böden müssen der Grösse und dem Gewicht der Tiere angepasst sein. Sie müssen eben und die

Elemente müssen unverschiebbar verlegt sein.

Art. 47 TSchV Stallböden und Liegeflächen

1 Für Schweine in Gruppenhaltung und Zuchteber muss ein in grösseren Flächen zusammenhängender Liegebereich,

der nur einen geringen Perforationsanteil zum Abfliessen von Flüssigkeiten aufweisen darf, vorhanden

sein.

2 Kastenstände für Sauen dürfen im Deckzentrum nur zur Hälfte und in Fressliegebuchten nur zu einem Drittel mit

perforiertem Boden versehen sein.

Anhang 1 Tabelle 3 TSchV

Anhang 5 TSchV

Art. 2 Nutz- und Nutz- und HaustierV Grundsatz

1 Bei perforierten Böden muss die Spaltenweite oder Lochgrösse für die Grösse der Tiere geeignet sein.

2 Perforierte Böden dürfen keine vorstehenden Gräte haben. Die Kanten müssen abgeschliffen und die

Spaltenweite muss konstant sein.

Art. 4 Nutz- und Nutz- und HaustierV Perforierte Böden für Schweine

1 In Anhang 1 Tabelle 2 Ziffern 1-3 sind die maximalen Spaltenweiten und Lochgrössen für perforierte Böden für

Schweine der verschiedenen Gewichtskategorien festgelegt. Werden in neu eingerichteten Ställen entlang einer

Buchtenabtrennung Spalten für den Mistabwurf eingesetzt, so müssen sie die in Anhang 1 Tabelle 2 Ziffer 4

festgelegten Abmessungen aufweisen.

2 In Abferkelbuchten müssen Spalten für den Mistabwurf während des Abferkelns und mindestens in den ersten

zwei Tagen danach abgedeckt werden.

3 Böden im Liegebereich von Schweinen dürfen maximal folgenden Perforationsanteil aufweisen:

a. 5% für am (Datum Inkrafttreten) bestehende Mastschweineställe;

b. 2 % für übrige Ställe.

4 Bei Perforationen im Liegebereich müssen die Löcher oder Spalten pro Bodenelement gleichmässig verteilt sein.

Art. 24 Nutz- und Nutz- und HaustierV Liegeflächen

1 Wird der Liegebereich in Haltungssystemen für abgesetzte Ferkel und Mastschweine nach Anhang 1 Tabelle 3

Anmerkung 8 TSchV verkleinert, so muss der Liegebereich so gross sein, dass alle Tiere einer Bucht gleichzeitig

nebeneinander darauf liegen können.

2 Entspricht in Haltungssystemen mit Liegekisten die Fläche des Liegebereichs in den Liegekisten nicht den

Mindestanforderungen nach Anhang 1 Tabelle 3 Ziffer 251 TSchV, so muss ausserhalb der Liegekisten noch

genügend Liegefläche vorhanden sein, um diesen Mindestanforderungen zu genügen.

Anhang 1 Tabelle 2 Nutz- und Nutz- und HaustierV

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Fachinformation Tierschutz

Nr. 8.3_(2)_d | Oktober 2009

Tier-Fressplatzverhältnis bzw. Anzahl Tiere pro

Automat bei verschiedenen Fütterungssystemen

in der Schweinehaltung

Trockenfutterautomaten (Ferkelaufzucht und Mast)

Trockenfutterautomaten haben meistens mehrere Fressplätze und keine Wasserversorgung am

Automaten. Generell gilt, dass jederzeit Futter im Automaten sein muss (ad libitum-Fütterung).

Tier-Fressplatzverhältnis: 5:1 (Art. 22 Abs. 2 Buchstabe a Nutz- und HaustierV)

Breifutterautomaten (Ferkelaufzucht und Mast)

Breifutterautomaten haben ein bis vier Fressplätze, die deutlich voneinander abgetrennt sind, wobei

von jedem Fressplatz aus eine Tränkeeinrichtung (Nippel, Trogsprühnippel) erreichbar ist. Generell

gilt, dass jederzeit Futter im Automaten sein muss (ad libitum-Fütterung).

Tier-Fressplatzverhältnis:

- 12:1 für Automaten bis 3 Fressplätze (Art. 22 Abs. 2 Buchstabe b Nutz- und HaustierV)

- 10:1 für Automaten mit mehr als 3 Fressplätzen (Art. 22 Abs. 2 Buchstabe c Nutz- und HaustierV)

Rohrbreiautomaten (Ferkelaufzucht und Mast)

Rohrbreiautomaten sind rundum zugänglich und haben mehrere nicht voneinander abgetrennte

Fressplätze. Der Ausdosiermechanismus ist meist ein Rohr oder Rohrstummel. Die Platzierung der

Automaten erfolgt in der Mitte der Bucht oder in der Trennwand zwischen zwei Buchten. Generell

gilt, dass jederzeit Futter im Automaten sein muss (ad libitum-Fütterung).

Tier-Fressplatzverhältnis: Individuell für jedes Produkt bewilligte maximale Anzahl Tiere pro Automat

gemäss nachstehenden Tabellen jedoch maximal 10:1 (Art. 22 Abs. 2 Buchstabe c Nutz- und

HaustierV).

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.3_(2)_d | Oktober 2009

Rohrbreiautomaten für abgesetzte Ferkel (bis 25 kg):

Bewilligungsinhaber Produkt Maximale

Anzahl Tiere

pro Automat

ACO, Netstal Trio-Feeder TF 1-Mini 40

Bertschy Arnold AG, Guschelmuth SUEVIA FEED MAT Mod. 960 50

Durotec GmbH, Appenzell 3 in 1 Feeder 80W 75

Frey Josef, Altbüron Frey Rundautomat 98

Globogal AG, Lenzburg TUBE-O-MAT VIP Standard 60

Globogal AG, Lenzburg TUBE-O-MAT VIP Jumbo 100

Huber Metallbau, Buttisholz AP Swing Midi 60

Inauen AG, Appenzell Big Dutchman Lean Machine

mit Trogdurchmesser 41 cm:

mit Trogdurchmesser 51 cm:

Inauen AG, Appenzell SWING 60

KAGA GmbH, Entlebuch Groba G-BB35/1000 50

Liniger Hans, Lanzenhäusern ROTECNA Mini 40

Schauer-Agrotronic AG, Sursee TUBE-O-MAT Mini 60

Tool-Systems, Ibach Toolomat-BW-Ferkel 50

Zimmermann & Co, Fulenbach Domino Star-Feeder K-Flex 50

60

90

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.3_(2)_d | Oktober 2009

Rohrbreiautomaten für Mastschweine (25 - 110 kg)

Bewilligungsinhaber Produkt Maximale

Anzahl Tiere

pro Automat

ACO, Netstal Trio-Feeder TF 2-Maxi 40

AGRiDEE, Gächliwil Ulrich UNA 500-4 40

Agrofeed GmbH Hölscher + Leuschner (H + L) 40

Bertschy Arnold AG, Guschelmuth SUEVIA FEED MAT Mod. 960 30

Durotec GmbH, Appenzell 3 in 1 Feeder Maxi 70W und 70 RW 40

Durotec GmbH, Appenzell 3 in 1 Feeder 80W 40

Frey Josef, Altbüron Frey Rundautomat 56

Globogal AG, Lenzburg TUBE-O-MAT VIP Standard

bis 60 kg:

bis 110 kg:

Globogal AG, Lenzburg TUBE-O-MAT VIP Jumbo 60

Huber Metallbau, Buttisholz AP Swing Maxi/Jumbo 60

Inauen AG, Appenzell Big Dutchman Lean Machine

mit Trogdurchmesser 41 cm:

mit Trogdurchmesser 51 cm:

Inauen AG, Appenzell Big Dutchman PIG NIC 40

KAGA GmbH, Entlebuch Groba G-VB70/1150 40

Liniger Hans, Lanzenhäusern ROTECNA Maxi 48

Schauer-Agrotronic AG, Sursee TUBE-O-MAT Maxi 40

Tool-Systems, Ibach Toolomat-BF-Mast 40

Zimmermann & Co, Fulenbach Domino Star-Feeder S-Flex 40

Allgemeine Auflagen für alle Rohrbreiautomaten:

- Es muss jederzeit Futter im Automaten vorhanden sein (ad libitum-Fütterung).

- Beim Einbau des Automaten in die Buchtentrennwand (Versorgung von zwei Buchten) muss die

Tierzahl in beiden Gruppen ausgeglichen sein (Empfehlung: nicht mehr als 3-5 Tiere Unterschied

zwischen den beiden Buchten).

- Der Automat muss so plaziert werden, dass er gut zugänglich ist und dass insbesondere, wenn er

in der Mitte der Bucht plaziert wird, hinter den fressenden Tieren noch genügend Platz für die

Zirkulation nicht fressender Tiere vorhanden ist.

Prozessorgesteuerte Futterautomaten

Prozessorgesteuerte Futterautomaten sind ähnlich gestaltet wie Rohrbreiautomaten. Die

prozessorgesteuerte Ausdosierung befüllt den Trog in bestimmten Zeitintervallen (zum Teil fest

einprogrammiert, zum Teil in einem gewissen Bereich frei wählbar).

Tier-Fressplatzverhältnis: Individuell für jedes Produkt bewilligte Anzahl Tiere pro Automat gemäss

nachstehenden Tabellen (Art. 22 Abs. 2 Buchstabe d Nutz- und HaustierV)

45

40

40

60

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Prozessorgesteuerte Futterautomaten für abgesetzte Ferkel (bis 25 kg):

Bewilligungsinhaber Produkt Maximale

Anzahl Tiere

pro Automat

Huber, Engwilen Quellautomat 40

Janser, Gersau Ferkelfutterautomat MAMBO 20

Kistler-Technik, Münchwilen Futterautomat Jago-Mat:

bis 15 kg

bis 25 kg

Krieger, Ruswil Futterautomat Ferkel-Profi:

Nährkosan, Büron

(Wüthrich, Sursee)

bis 15 kg, 24 h Dauerbetrieb

15 - 25 kg, 24 h Dauerbetrieb

bis 15 kg, Intervallbetrieb

15 - 25 kg, Intervallbetrieb

Start-o-MAT BEPOSAN:

bis 15 kg

bis 25 kg

Zanotelli, Gipf-Oberfrick Ferkel-Sprinter:

bis 15 kg

bis 25 kg

Zanotelli, Gipf-Oberfrick Jet-Mix 60

Zanotelli, Gipf-Oberfrick Zanomat F120 120

Zanotelli, Gipf-Oberfrick Zanomat F60 60

Prozessorgesteuerte Futterautomaten für Mastschweine (25 - 110 kg):

Bewilligungsinhaber Produkt Maximale

Anzahl Tiere

pro Automat

Zanotelli, Gipf-Oberfrick Jet-Mix 40

Zanotelli, Gipf-Oberfrick Zanomat M60 60

Zanotelli, Gipf-Oberfrick Zanomat F60 30

Futterautomaten Roxell "HOXline" (ältere Bezeichnung "Turbomat")

Bei diesen Futterautomaten handelt es sich weder um reine Trockenfutterautomaten noch um

Breifutterautomaten. Die Futterautomaten sind mit Tränkenippeln ausgestattet, die aber nicht von

jedem Fressplatz aus erreichbar sind. Zudem sind diese über dem Kopf der fressenden Tiere

angebracht.

Tier-Fressplatzverhältnis: 7:1

80

60

60

40

30

20

60

45

55

40

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Weitere Auflagen für diese Futterautomaten:

- Es muss jederzeit Futter im Automaten vorhanden sein (ad libitum-Fütterung).

- Beim Einbau des Automaten in die Buchtentrennwand (Versorgung von zwei Buchten) muss die

Tierzahl in beiden Gruppen ausgeglichen sein (Empfehlung: nicht mehr als 3-5 Tiere Unterschied

zwischen den beiden Buchten).

- Der Automat muss so plaziert werden, dass er gut zugänglich ist und dass insbesondere, wenn er

in der Mitte der Bucht plaziert wird, hinter den fressenden Tieren noch genügend Platz für die

Zirkulation nicht fressender Tiere vorhanden ist.

Einerabruffütterungsanlagen für Zuchtsauen

Die Verkaufsbewilligungen sind mit folgenden Auflagen versehen:

a. Pro Futterstation dürfen maximal 36 Tiere gehalten werden.

b. Die Gesamtfläche pro Tier muss mindestens 2,5 m2 1)

betragen.

c. Die Liegefläche muss bei einer Gruppengrösse von mehr als 6 Tieren mindestens 1,0 m2 pro

Tier betragen. Bei einer kleineren Gruppengrösse muss sie mindestens 1,1 m2 pro Tier

betragen. Die Liegefläche muss einen nicht perforierten Boden mit Einstreu aufweisen.

Anmerkung:

Eine Unterteilung der Liegefläche in Liegenischen ist bei Grossgruppen vorteilhaft. Einerseits

wird dadurch die Häufigkeit von Auseinandersetzungen um begehrte Liegeplätze reduziert.

Anderseits werden die Sauen weniger in ihrer Ruhe gestört, wenn eines der zuhinterst liegenden

Tiere die Liegefläche verlassen will.

d. Die Futterstationen dürfen nicht auf der Liegefläche installiert werden, und die Eingänge müssen

gut zugänglich sein.

e. Den Tieren ist neben der eingestreuten Liegefläche auf dem Boden, in Trögen oder Raufen

Rauhfutter zur Beschäftigung anzubieten (Stroh, Heu, Gras, Silage, usw.). Diese

f.

Beschäftigungsmöglichkeiten müssen beim Start eines Futterzyklus in ausreichender Menge

vorhanden und für die noch nicht gefütterten Sauen zugänglich sein.

Bei Trockenfütterung muss in jeder Futterstation ein Tränkesystem vorhanden sein.

g. Wird eine Selektionsbucht eingerichtet, so muss diese eine Tränke für die Sauen aufweisen.

h. Die Eingangstür der Futterstation muss sofort geöffnet werden, wenn ein Tier die Station vor

2)

Ablauf der Restzeit verlässt.

1) An der Abruffütterungsanlage Schauer COMPIDENT VI dürfen maximal 60 Sauen pro Station

gehalten werden.

2) Diese Auflage ist nur für die Abruffütterungsanlage Schauer COMPIDENT VI gültig

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Abruffütterungsanlagen mit Mehrfachstationen

Die Verkaufsbewilligungen sind mit folgenden Auflagen versehen:

a. Pro Futterstation (Fressplatz) darf höchstens folgende Anzahl Tiere gehalten werden:

Gruppen bis zu 36 Galtsauen höchstens 12 Tiere pro Station 1)

Gruppen bis zu 64 Galtsauen höchstens 16 Tiere pro Station

Gruppen ab 65 Galtsauen höchstens 20 Tiere pro Station

b. Die Gesamtfläche pro Tier muss mindestens 2,5 m 2 betragen.

c. Die Liegefläche muss bei einer Gruppengrösse von mehr als 6 Tieren mindestens 1,0 m 2 pro

Tier betragen. Bei einer kleineren Gruppengrösse muss sie mindestens 1,1 m 2 pro Tier

betragen. Die Liegefläche muss einen nicht perforierten Boden mit Einstreu aufweisen.

Anmerkung:

Eine Unterteilung der Liegefläche in Liegenischen ist bei Grossgruppen vorteilhaft. Einerseits

wird dadurch die Häufigkeit von Auseinandersetzungen um begehrte Liegeplätze reduziert.

Anderseits werden die Sauen weniger in ihrer Ruhe gestört, wenn eines der zuhinterst liegenden

Tiere die Liegefläche verlassen will.

d. Die Futterstationen dürfen nicht auf der Liegefläche installiert werden, und die Eingänge müssen

gut zugänglich sein.

e. Den Tieren ist neben der eingestreuten Liegefläche auf dem Boden, in Trögen oder Raufen

Rauhfutter zur Beschäftigung anzubieten (Stroh, Heu, Gras, Silage, usw.). Diese

Beschäftigungsmöglichkeiten müssen beim Start eines Futterzyklus in ausreichender Menge

vorhanden und für die noch nicht gefütterten Sauen zugänglich sein.

f. Bei Trockenfütterung muss in jeder Futterstation ein Tränkesystem vorhanden sein.

g. Wird eine Selektionsbucht eingerichtet, so muss diese eine Tränke für die Sauen aufweisen.

1) Diese 12er-Regelung gilt nicht für Abruffütterungsanlagen mit Mehrfachstationen, bei denen der

Fütterungscomputer die Eingangstüre zur Station für die Dauer der Futteraufnahme verriegelt

und anschliessend entriegelt (Abruffütterungsanlagen mit Mehrfachstationen der Firmen Aerni,

Waldkirch und Schauer-Agrotronic, Sursee). Diese beiden Anlagen dürfen auch bei Gruppen bis

zu 36 Zuchtsauen mit 16 Sauen pro Station betrieben werden.

Weitere Auskünfte erteilt:

Dr. R. Weber

Bundesamt für Veterinärwesen

Zentrum für tiergerechte Haltung: Wiederkäuer und Schweine

Tänikon

8356 Ettenhausen

Tel: 052 / 368 33 74

Fax: 052 / 365 11 90

E-Mail: roland.weber@art.admin.ch

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Art. 3 TSchV Tiergerechte Haltung

1 Tiere sind so zu halten, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört werden und ihre

Anpassungsfähigkeit nicht überfordert wird.

2 Unterkünfte und Gehege müssen mit geeigneten Futter-, Tränke-, Kot- und Harnplätzen, Ruhe- und

Rückzugsorten mit Deckung, Beschäftigungsmöglichkeiten, Körperpflegeeinrichtungen und Klimabereichen

versehen sein.

3 Fütterung und Pflege sind angemessen, wenn sie nach dem Stand der Erfahrung und den Erkenntnissen der

Physiologie, Verhaltenskunde und Hygiene den Bedürfnissen der Tiere entsprechen.

4 Tiere dürfen nicht dauernd angebunden gehalten werden.

Art. 4 TSchV Fütterung

1 Tiere sind regelmässig und ausreichend mit geeignetem Futter und mit Wasser zu versorgen. Werden Tiere in

Gruppen gehalten, so muss die Tierhalterin oder der Tierhalter dafür sorgen, dass jedes Tier genügend Futter und

Wasser erhält.

2 Den Tieren ist die mit der Nahrungsaufnahme verbundene arttypische Beschäftigung zu ermöglichen.

3 Lebende Tiere dürfen nur für Wildtiere als Futter verwendet werden. Voraussetzung dafür ist, dass das Wildtier

normales Fang- und Tötungsverhalten zeigt und:

a. die Ernährung nicht mit toten Tieren oder anderem Futter sichergestellt werden kann;

b. eine Auswilderung vorgesehen ist; oder

c. Wildtier und Beutetier in einem gemeinsamen Gehege gehalten werden, wobei das Gehege auch für das

Beutetier tiergerecht eingerichtet sein muss.

Art. 45 TSchV Fütterung

1 Schweine müssen jederzeit Zugang zu Wasser haben, ausgenommen bei Freilandhaltung, wenn sie mehrmals

täglich mit Wasser getränkt werden.

2 Bei der Gruppenhaltung muss bei Trockenfütterung pro 12 Tiere und bei Flüssigfütterung pro 24 Tiere eine

Tränkestelle vorhanden sein.

3 Rationiert gefütterten Zuchtsauen, Zuchtremonten und Ebern muss in Ergänzung zum Kraftfutter ausreichend

Futter mit hohem Rohfaseranteil zur Verfügung stehen.

Art. 22 Nutz- und HaustierV Fütterung

1 Rationiert gefütterte nicht säugende Sauen, Zuchtremonten und Eber sind mit einem Alleinfutter mit einem

Rohfasergehalt von mindestens 8 Prozent oder so zu füttern, dass die tägliche Aufnahme von mindestens 200

Gramm Rohfaser pro Tier gewährleistet ist. Von dieser Vorgabe kann abgewichen werden, wenn sichergestellt ist,

dass die Tiere diese Menge über das Beschäftigungsmaterial aufnehmen können.

2 Die Zahl der Fressplätze bei der Vorratsfütterung beträgt:

3

a. bei Trockenfutterautomaten: 1 pro 5 Tiere;

b. bei Breifutterautomaten bis maximal 3 Fressplätze: 1 pro 12 Tiere;

c. bei Breifutterautomaten mit mehr als 3 Fressplätzen und bei Rohrbreiautomaten: 1 pro 10 Tiere;

d. bei allen anderen Fütterungssystemen: nach den Auflagen der Bewilligung für serienmässig hergestellte

Stalleinrichtungen.

Wird an Breifutterautomaten oder Rohrbreiautomaten die Wasserversorgung abgestellt, so gilt ein Tier-

Fressplatz-Verhältnis wie bei Trockenfutterautomaten.

4 Alle Kanten von Fütterungssystemen, mit denen Tiere in Berührung kommen, wie diejenigen der Rüttelbleche

oder Dosierbleche, müssen umgebogen oder sonstwie abgestumpft sein. Schweissstellen dürfen keine scharfen

Unebenheiten aufweisen. Vom Verzinken herrührende Gräte müssen abgeschliffen sein.

5 Die Abstände zwischen den Trogunterteilungen von Fütterungssystemen müssen so gross sein, dass die

Schnauze der Tiere dazwischen ausreichend Platz hat. Als Trogunterteiler gelten Stäbe, die im Trogbereich

angebracht sind und nicht über den Trogrand ragen. Als Mindestabstände sind bei Ferkeln bis 25 kg 15 cm und bei

Mastschweinen ab 25 kg 20 cm einzuhalten.

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Fachinformation Tierschutz

Nr. 8.4_(2)_d | Oktober 2009

Beschäftigung, Fütterung mit Rohfaser,

Nestbaumaterial sowie Einstreu in

der Schweinehaltung

Beschäftigung

In der Natur ist die Nahrung der Wildschweine in kleinen Mengen in Bodennähe, auf oder im Boden

zu finden. Wildschweine und Hausschweine in seminatürlicher Umgebung verwenden deshalb bis zu

70 % der Tagesaktivität, diese zu suchen. Die Futtersuche und -aufnahme ist mit viel Schnüffeln,

Wühlen, Beissen, Nagen und Kauen verbunden. In der Stallhaltung wird den Schweinen

aufbereitetes und konzentriertes Futter verabreicht. Dadurch sind Futtersuche und -aufnahme

entkoppelt, d.h. das Futter kann ohne Suche in kurzer Zeit aufgenommen werden. Der Drang sich zu

beschäftigen, der mit der Futtersuche und -aufbereitung verbunden ist, wird dabei aber nicht

befriedigt. Stehen keine Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung, so können

Verhaltensstörungen auftreten wie Stangenbeissen oder Leerkauen (v.a. Sauen), Schwanzbeissen

(v.a. Mastschweine) oder Massieren und Wühlen am Bauch (v.a. Absetzferkel).

Die Tierschutzverordnung schreibt deshalb vor, dass sich Schweine jederzeit mit Stroh, Raufutter

oder anderem gleichwertigem Material beschäftigen können müssen (Art. 44 TSchV). Zu dieser

Vorschrift besteht eine Übergangsfrist bis zum 31. August 2013 (Anhang 5 Ziffer 17 TSchV).

Während dieser Übergangsfrist muss den Schweinen das Beschäftigungsmaterial über längere Zeit

angeboten werden.

Strohraufen

Strohraufen müssen so konstruiert sein, dass sie ihren Zweck erfüllen. Einerseits muss das Stroh

durch die Tiere gut herausgearbeitet werden können und andererseits sollte es auch nicht zu leicht

und zu schnell herausgenommen werden können. Für Mastschweine haben sich Raufen mit einem

Staketenabstand zwischen 3,5 cm und 5 cm bewährt, wobei ungefähr alle 9 bis 10 cm ein Querstab

angebracht ist. Bei Zuchtsauen sollte der Staketenabstand zwischen 6,5 cm und 7,5 cm betragen,

jener bei Absetzferkeln etwa 2,5 cm. Weniger bewährt haben sich Raufen mit quadratischen

Maschengittern. Bei diesen tritt häufig das Problem auf, dass das Stroh nicht nachrutscht.

Auch die Befüllung der Strohraufen muss richtig gemacht werden. Wird das Stroh zu stark in die

Raufe gedrückt, so kann es von den Schweinen kaum mehr herausgearbeitet werden. Es bleibt dann

tagelang in der Raufe, verstaubt und wird deshalb auch nicht mehr gerne aufgenommen.

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.4_(2)_d | Oktober 2009

Pressstrohwürfel

Pressstrohwürfel eignen sich besonders für Vollspaltenbuchten, da im Vergleich zu Strohraufen

wenig Strohverluste auftreten. Es ist aber wichtig, dass die Pressstrohwürfel vor dem Einsatz trocken

gelagert werden, weil aufgequollene Würfel in der Halterung nicht nachrutschen. Auch in der Bucht

sollten sie an einem Ort angeboten werden, wo keine Nässe hinzukommt. Frische Würfel sollten erst

nachgefüllt werden, wenn der alte Würfel fast verbraucht ist. Zu lange der Stallluft ausgesetzte

Würfel verstauben und nehmen den typischen Stallgeruch an. Dadurch werden sie von den

Schweinen nicht mehr gerne gefressen.

Nagebalken

Nagebalken eignen sich für Vollspaltenbuchten. Sie sollten aus grünem Weichholz bestehen, sonst

ist kein Nagen möglich. Sie sollen nicht zu dick sein (maximal etwa 12 cm Durchmesser) und sollen

drehbar gelagert sein, damit ein regelmässiges Abnagen möglich ist. Um Schütteln und Ziehen am

Balken zu ermöglichen, sollte die Kettenlänge genügend lang sein. Am besten bewährt hat sich die

schräge Aufhängung der Nagebalken, damit die Aufhängehöhe nicht den wachsenden Schweinen

angepasst werden muss.

Nagebalken haben den Vorteil, dass sie mehreren Schweinen gleichzeitig eine Beschäftigungsmöglichkeit

bieten und auch als Kratzbaum dienen können. Nachteilig ist, dass sie kein

Wühlen erlauben.

Weichholz ist nur zulässig, wenn es flexibel aufgehängt ist, regelmässig erneuert wird und die

Schweine mindestens dreimal täglich mit einer mit Raufutter angereicherten Ration gefüttert werden

oder ihnen Futter zur freien Verfügung steht (Art. 24 Abs. 1 Nutztier und HaustierV).

Es ist zu berücksichtigen, dass "Raufutter" nicht mit "Rohfaser" verwechselt werden darf. "Raufutter"

und "Rohfaser" sind keine Synonyme. Raufutter besteht zur Hauptsache aus strukturierter Rohfaser,

besitzt also gemäss Definition eine Struktur. Rohfaser hingegen kann auch in unstrukturierter Form

vorliegen. Deshalb kann bei einer Ration, deren Rohfaseranteil gegenüber einer Standardration

etwas erhöht wird, nicht von "einer mit Raufutter angereicherten Ration" gesprochen werden.

In der Futtersuppe muss kaubares Material vorhanden und deshalb das ursprünglich genutzte

Raufutter noch als solches in der Ration erkennbar sein. Es muss dabei nicht mehr in der

ursprünglichen Grösse oder Länge vorhanden sein. Ist dies nicht der Fall, so muss entweder

zusätzlich eine andere Beschäftigungsmöglichkeit angeboten werden oder das Raufutter muss

separat angeboten werden.

Fütterung mit Rohfaser

Nach der Fütterung von Zuchtsauen treten oft Verhaltensstörungen wie Stangenbeissen und

Leerkauen auf. Diese sind nicht nur in Einzelhaltungssystemen, sondern häufig auch in

Gruppenhaltungen zu beobachten. Verschiedene Untersuchungen ergaben, dass hohe

Rohfaseranteile im Futter oder die Zugabe von Raufutter diese Verhaltensstörungen meist

verhindern.

Damit sich Tiere satt fühlen, müssen ihre Verdauungsorgane gut gefüllt und gedehnt sein. Dies reicht

jedoch noch nicht: Der Körper muss auch ein chemisch-hormonelles Sättigungssignal aussenden.

Dazu ist ein hoher Insulinspiegel wichtig, der sich bei andauernder Zufuhr von flüchtigen,

kurzkettigen Fettsäuren ins Blut einstellt. Diese werden vor allem bei der Verdauung von

rohfaserreichen Futtermitteln gebildet.

Wildschweine und wild lebende Hausschweine verbringen einen grossen Teil des Tages mit der

Suche und Aufnahme von Futter. Neben relativ energiereichen Nahrungsmitteln werden viele andere

mit hohem Rohfaseranteil, wenig Energie sowie schlechter Verdaulichkeit gefressen. Die Schweine

müssen demzufolge ziemlich grosse Mengen an Futter aufnehmen, um ihren Nährstoffbedarf zu

decken. Der Verdauungstrakt ist an diese Situation angepasst. So beträgt das Fassungsvermögen

des Magens etwa 5 % und dasjenige des Dünndarmes etwa 12 % des Gewichtes eines Schweines.

Bei genügendem Futterangebot werden die Schweine so problemlos satt.

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Das hochkonzentrierten Futter in der Stallhaltung sättigt Schweine dagegen oft nicht. Die zu einer

mechanischen Sättigung nötige Füllung und Dehnung der Verdauungsorgane wird nicht erreicht und

die geringen Rohfaseranteile erschweren eine chemischen Sättigung.

Rationiert gefütterten Zuchtsauen, Zuchtremonten und Ebern muss deshalb in Ergänzung zum

Kraftfutter ausreichend Futter mit hohem Rohfaseranteil zur Verfügung stehen (Art. 45 Abs. 3

TSchV) und rationiert gefütterte nicht säugende Sauen, Zuchtremonten und Eber sind täglich mit

mindestens 200 Gramm Rohfaser pro Tier zu füttern. Alleinfutter muss einen Rohfasergehalt von

mindestens 8 Prozent aufweisen, ausser wenn sichergestellt ist, dass die Tiere diese Menge über

das Beschäftigungsmaterial aufnehmen können (Art. 23 Abs. 1 Nutztier und HaustierV).

Nestbaumaterial und Einstreu in Abferkelbuchten

Wildschweine und Sauen im Freiland suchen sich einige Zeit vor der Geburt einen geeigneten Platz,

wo sie ihr Geburtsnest bauen können. Das eigentliche Nestbauverhalten beginnt etwa sechs bis

zwölf Stunden vor der Geburt. Bei der Auswahl des Nestmaterials passen sich die Tiere den am

Standort vorkommenden Materialien an. Dies sind vor allem trockenes Gras, Laub, Schilf und

kleinere Zweige. Zuerst wird eine Mulde mit dem Rüssel ausgehoben und danach das gesammelte

Nestmaterial mit Hilfe des Rüssels und der Vorderfüsse darin aufgeschichtet, wobei gröbere

Materialien zuunterst eingebaut werden. Das fertige Nest kann bis zu einem Meter hoch sein. Etwa

eine Stunde vor der Geburt beendet die Sau den Nestbau und schiebt sich ins Nest hinein.

Untersuchungen an Hausschweinen aus Intensivhaltung in einer seminatürlichen Umgebung haben

gezeigt, dass diese das Nestbauverhalten noch genauso ausführen wie ihre Vorfahren, die

Wildschweine. Selbst Sauen in Abferkelbuchten mit Kastenstand versuchen, ein Nest zu bauen. Sie

bearbeiten die Buchteinrichtungen, Scharren mit den Vorderfüssen am Boden und legen sich dabei

sehr häufig hin und stehen wieder auf. Etliche Untersuchungen haben gezeigt, dass der durch das

verhinderte Nestbauverhalten hervorgerufene Stress zu einer verlängerten Geburtsdauer führt. Auch

die vor allem bei Erstlingssauen zu beobachtende Bösartigkeit gegenüber den Ferkeln ist häufig die

Folge des verhinderten Nestbauverhaltens.

Aus diesen Gründen ist einige Tage vor dem Abferkeln ausreichend Langstroh oder anderes zum

Nestbau geeignetes Material und während der Säugezeit ausreichend Einstreu in die Bucht zu

geben (Art. 50 Abs. 2 TSchV).

Zum Nestbau geeignetes Material ist solches, das von der Sau mit der Schnauze getragen werden

kann. Für den Nestbau ungeeignet sind Materialien wie Hobelspäne, Sägemehl, Zeitungsschnitzel

oder Strohhäcksel (Art. 26 Abs. 2 Nutztier und HaustierV).

Geeignetes Nestbaumaterial ist ab dem 112. Trächtigkeitstag bis und mit dem 1. Tag nach der

Geburt zur Verfügung zu stellen. Zum Zeitpunkt der Einstreuung muss das Material bodendeckend

vorhanden sein (Art. 26 Abs. 3 Nutztier und HaustierV).

Vom 2. Tag nach der Geburt bis zum Ende der Säugezeit muss der Liegebereich der Sau und der

Ferkel täglich mit Langstroh, Strohhäcksel, Chinaschilf oder entstaubten Hobelspänen eingestreut

sein (Art. 26 Abs. 4 Nutztier und HaustierV).

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.4_(2)_d | Oktober 2009

Aufzählung verschiedener Materialien mit der Angabe, ob sie als Beschäftigungsmaterial,

zur Deckung des Rohfasergehaltes, als Nestbaumaterial oder als Einstreu in Abferkelbuchten

geeignet sind

Die Aufzählung ist nicht abschliessend. Materialien, die dieselben oder ähnliche Eigenschaften wie

die hier aufgezählten aufweisen, können für den dafür vorgesehenen Zweck ebenfalls verwendet

werden.

Material Geeignet als:

Beschäftigungs- Fütterung

Nestbau-

Einstreu in

material mit Rohfaser material Abferkelbuchten

Langstroh X X X X

geschnittenes Stroh X X X X

Strohhäcksel X X X

Pressstrohwürfel X X

Chinaschilf X X X X

Riedgras X X X X

Heu X X

Gras X X

Graswürfel

Ganzpflanzensilage

X X

(Mais, Gras, Rübenblätter,

usw.)

X X

Rüben X X

Weichholz X

Hobelspäne X

Sägemehl X

Wühlerde X 1)

1) Nur bei Saugferkeln im Ferkelnest geeignet.

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Gesetzliche Grundlagen: Tierschutzgesetz (TSchG), Tierschutzverordnung (TSchV) sowie

Nutztier und Haustierverordnung (Nutztier und HaustierV)

Art. 3 TSchV Tiergerechte Haltung

1 Tiere sind so zu halten, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört werden und ihre

Anpassungsfähigkeit nicht überfordert wird.

2 Unterkünfte und Gehege müssen mit geeigneten Futter-, Tränke-, Kot- und Harnplätzen, Ruhe- und

Rückzugsorten mit Deckung, Beschäftigungsmöglichkeiten, Körperpflegeeinrichtungen und Klimabereichen

versehen sein.

3 Fütterung und Pflege sind angemessen, wenn sie nach dem Stand der Erfahrung und den Erkenntnissen

der Physiologie, Verhaltenskunde und Hygiene den Bedürfnissen der Tiere entsprechen.

4 Tiere dürfen nicht dauernd angebunden gehalten werden.

Art. 4 TSchV Fütterung

1 Tiere sind regelmässig und ausreichend mit geeignetem Futter und mit Wasser zu versorgen. Werden Tiere

in Gruppen gehalten, so muss die Tierhalterin oder der Tierhalter dafür sorgen, dass jedes Tier genügend Futter

und Wasser erhält.

2 Den Tieren ist die mit der Nahrungsaufnahme verbundene arttypische Beschäftigung zu ermöglichen.

3 Lebende Tiere dürfen nur für Wildtiere als Futter verwendet werden. Voraussetzung dafür ist, dass das Wildtier

normales Fang- und Tötungsverhalten zeigt und:

a. die Ernährung nicht mit toten Tieren oder anderem Futter sichergestellt werden kann;

b. eine Auswilderung vorgesehen ist; oder

c. Wildtier und Beutetier in einem gemeinsamen Gehege gehalten werden, wobei das Gehege auch für

das Beutetier tiergerecht eingerichtet sein muss.

Art. 44 TSchV Beschäftigung

Schweine müssen sich jederzeit mit Stroh, Raufutter oder anderem gleichwertigem Material beschäftigen können.

Art. 45 TSchV Fütterung

1 Schweine müssen jederzeit Zugang zu Wasser haben, ausgenommen bei Freilandhaltung, wenn sie mehrmals

täglich mit Wasser getränkt werden.

2 Bei der Gruppenhaltung muss bei Trockenfütterung pro 12 Tiere und bei Flüssigfütterung pro 24 Tiere eine

Tränkestelle vorhanden sein.

3 Rationiert gefütterten Zuchtsauen, Zuchtremonten und Ebern muss in Ergänzung zum Kraftfutter ausreichend

Futter mit hohem Rohfaseranteil zur Verfügung stehen.

Art. 50 TSchV Abferkelbuchten

1 Abferkelbuchten sind so zu gestalten, dass sich die Sau frei drehen kann. Während der Geburtsphase kann

die Sau im Einzelfall bei Bösartigkeit gegenüber den Ferkeln oder Gliedmassenproblemen fixiert werden.

2 Einige Tage vor dem Abferkeln ist ausreichend Langstroh oder anderes zum Nestbau geeignetes Material und

während der Säugezeit ausreichend Einstreu in die Bucht zu geben.

3 Der Liegebereich der Ferkel muss ein ihren Temperaturansprüchen entsprechendes Mikroklima aufweisen.

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Art. 23 Nutztier und HaustierV Fütterung

1 Rationiert gefütterte nicht säugende Sauen, Zuchtremonten und Eber müssen täglich mindestens 200 Gramm

Rohfaser pro Tier aufnehmen können. Alleinfutter muss einen Rohfasergehalt von mindestens 8 Prozent

aufweisen, ausser wenn sichergestellt ist, dass die Tiere diese Menge über das Beschäftigungsmaterial aufnehmen

können.

2 Die Zahl der Fressplätze bei der Vorratsfütterung beträgt:

3

a. bei Trockenfutterautomaten: 1 pro 5 Tiere;

b. bei Breifutterautomaten bis maximal 3 Fressplätze: 1 pro 12 Tiere;

c. bei Breifutterautomaten mit mehr als 3 Fressplätzen und bei Rohrbreiautomaten: 1 pro 10 Tiere;

d. bei allen anderen Fütterungssystemen: nach den Auflagen der Bewilligung für serienmässig hergestellte

Stalleinrichtungen.

Wird an Breifutterautomaten oder Rohrbreiautomaten die Wasserversorgung abgestellt, so gilt ein Tier-

Fressplatz-Verhältnis wie bei Trockenfutterautomaten.

4 Alle Kanten von Fütterungssystemen, mit denen Tiere in Berührung kommen, wie diejenigen der Rüttelbleche

oder Dosierbleche, müssen umgebogen oder sonstwie abgestumpft sein. Schweissstellen dürfen keine scharfen

Unebenheiten aufweisen. Vom Verzinken herrührende Gräte müssen abgeschliffen sein.

5 Die Abstände zwischen den Trogunterteilungen von Fütterungssystemen müssen so gross sein, dass die

Schnauze der Tiere dazwischen ausreichend Platz hat. Als Trogunterteiler gelten Stäbe, die im Trogbereich

angebracht sind und nicht über den Trogrand ragen. Als Mindestabstände sind bei Ferkeln bis 25 kg 15 cm und bei

Mastschweinen ab 25 kg 20 cm einzuhalten.

Art. 24 Nutztier und HaustierV Beschäftigung

1 Geeignete Beschäftigungsmaterialien sind solche, die kaubar, benagbar, fressbar und nicht toxisch sind, wie

Stroh, Chinaschilf, Streue, entstaubte Hobelspäne und Raufutter wie Heu, Gras, Ganzpflanzensilage sowie Stroh-

oder Heuwürfel. Weichholz ist nur zulässig, wenn es flexibel aufgehängt ist, regelmässig erneuert wird und die

Schweine mindestens dreimal täglich mit einer mit Raufutter angereicherten Ration gefüttert werden oder ihnen

Futter zur freien Verfügung steht.

2 Beschäftigungsmaterialien können in geeigneten Einrichtungen wie Raufen, Trögen oder speziellen Automaten

zur Verfügung gestellt werden. In diesen muss das Beschäftigungsmaterial dauernd vorhanden und nutzbar sein.

3 Werden Beschäftigungsmaterialien auf dem Boden zur Verfügung gestellt, so muss jederzeit so viel vorhanden

sein, dass sich die Tiere damit beschäftigen können.

Art. 26 Nutztier und HaustierV Abferkelbuchten

1 Als Geburtsphase, in der die Sau im Einzelfall fixiert werden darf, gilt der Zeitraum vom Beginn des

Nestbauverhaltens bis längstens zum Ende des dritten Tages, der auf die Geburt folgt. Es ist aufzuzeichnen,

welche Sau aus welchem Grund fixiert wurde.

2 Zum Nestbau geeignetes Material ist solches, das von der Sau mit der Schnauze getragen werden kann. Für den

Nestbau ungeeignet sind Materialien wie Hobelspäne, Sägemehl, Zeitungsschnitzel oder Strohhäcksel.

3 Geeignetes Nestbaumaterial ist ab dem 112. Trächtigkeitstag bis und mit dem 1. Tag nach der Geburt täglich zu

verabreichen. Zum Zeitpunkt der Verabreichung muss das Material im Liegebereich der Sau bodendeckend

vorhanden sein.

4 Vom 2. Tag nach der Geburt bis zum Ende der Säugezeit muss der Liegebereich der Sau und der Ferkel täglich

mit Langstroh, Strohhäcksel, Chinaschilf oder entstaubten Hobelspänen eingestreut werden.

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Fachinformation Tierschutz

Nr. 8.5_(1)_d | Oktober 2009

Abkühlungsmöglichkeiten für Schweine

Wenn die Temperaturen in sommerliche Bereiche steigen, wird es den Schweinen zu heiss. Können

sie ihre Körperwärme nicht mehr ausreichend an die Umgebung abgeben, so spricht man von

Hitzestress. Bei Hitzestress versuchen die Tiere, die Abgabe der Körperwärme zu verbessern. Im

Gegensatz zu anderen Tierarten können Schweine aber nicht schwitzen, weil sie keine

Schweissdrüsen besitzen. Aufgrund verschiedener Verhaltensweisen und Körperreaktionen kann

man jedoch gut erkennen, wann es Schweinen zu heiss ist. Sie beginnen zu hecheln, was an der

erhöhten Atemfrequenz erkennbar ist. Da Hecheln keine wirksame Methode ist, die Körperwärme los

zu werden, versuchen die Schweine, an kühlen und wenn möglich feuchten Stellen zu liegen. Das

kann unter Umständen auch die Kotfläche der Bucht sein, was dann zur Verschmutzung der Tiere

führt. Haben sie eine Suhle zur Verfügung, so suchen sie diese auf. Die damit verbundene

Benetzung des Körpers hat die gleiche Wirkung wie Schwitzen: es wird Verdunstungskälte erzeugt.

Beim Liegen rücken die Schweine auseinander und vermeiden Körperkontakt. Um weniger

Verdauungswärme zu erzeugen, verringern sie bei Hitze die Futteraufnahme.

Hitzestress führt deshalb sehr schnell zu Leistungseinbussen. Bei Mastschweinen sinken die

Tageszunahmen und die Futterverwertung verschlechtert sich. Säugende Sauen nehmen während

der Laktation mehr ab, geben weniger Milch und haben eine geringere Wurfentwicklung. Bei

abgesetzten Sauen tritt die Rausche verspätet ein und die Umrauscherquote steigt an. Eber haben

eine schlechtere Spermaqualität. Untersuchungen haben auch gezeigt, dass die Hitzebelastung das

Immunsystem beeinträchtigt, was die Anfälligkeit für Krankheiten erhöht.

Aus diesen Gründen muss in neu eingerichteten Ställen für Schweine ab 25 kg in Gruppenhaltung

und für Eber beim Übersteigen einer Temperatur von 25 o C eine Abkühlungsmöglichkeit zur

Verfügung gestellt werden (Art. 46 TSchV, Art. 28 Abs. 1 Nutztier und HaustierV). Dazu bieten sich

verschiedene Möglichkeiten an (Art. 28 Abs. 2 Nutztier- und HaustierV):

• Erwärmetauscher können die Zulufttemperaturen bis zu 6 o C abkühlen. Sie bedingen aber einen

hohen Investitionsaufwand.

• Eine Befeuchtung der Zuluft kann bis zu 4 o C Abkühlung bringen. Dieser Methode sind aber

Grenzen gesetzt, denn sie funktioniert nur bis zu einer relativen Luftfeuchte von 80 %.

• Analog zur Zuluftbefeuchtung kann auch die Stallluft befeuchtet werden. Hierfür können

Einweichanlagen (Niederdrucksysteme) oder spezielle Hochdrucksysteme verwendet werden.

Einweichanlagen mit Spezialdüsen sind wegen der relativ grossen Tropfen für die Kühlung

weniger geeignet als Hochdruckanlagen mit sehr fein zerstäubenden Düsen. Wichtig bei solchen

Anlagen ist, dass sie nur in Intervallen laufen gelassen werden, damit das Wasser vollständig

von der Luft aufgenommen wird und nicht auf Boden und Tiere gelangt.

• Werden im Liegebreich der Schweine mit Wasser betriebene Bodenheizungen eingesetzt, so

können diese Flächen im Sommer mit kaltem Wasser gekühlt werden.

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.5_(1)_d | Oktober 2009

• Duschen sind eine sehr effektive Abkühlungsmöglichkeit. Bei Mehrflächensystemen oder

Buchten mit Auslauf können Duschen gut eingesetzt werden. Einzelne Stalleinrichter bieten

fixfertige Systeme an. Für den Eigenbau können auch Berieselungsschläuche oder bei

Grossgruppen Rasensprenger verwendet werden. Üblicherweise werden Duschen im


Intervallbetrieb laufen gelassen. Bei nicht so grosser Hitze wären das etwa 2 Minuten alle 90

Minuten, bei grösserer Hitze 1 bis 2 Minuten alle 30 Minuten.

Das Schlammsuhlen ist die effektivste Abkühlungsmöglichkeit für Schweine, da Schlamm

langsamer abtrocknet als nur Wasser und damit eine länger andauernde Wirkung hat. In der

Stallhaltung sind Schlammsuhlen nicht möglich. Bei der Freilandhaltung von Schweinen sind sie

aber zwingend erforderlich (Art. 28 Abs. 3 Nutztier und HaustierV).

Weiterhin können folgende Massnahmen getroffen werden, die zwar nicht eine direkte

Abkühlungsmöglichkeit darstellen diese aber unterstützen:

• Bei Neu- und Umbauten von Ställen sollte darauf geachtet werden, dass Dachflächen isoliert

werden und dass die Luftansaugung der Lüftung auf der Nord- oder Ostseite sowie aus dem

Schattenbereich erfolgt.

• Ausläufe und Weiden sollten beschattet sein, wodurch die direkte Hitzestrahlung reduziert wird.

Bei der Freilandhaltung von Schweinen muss bei starker Sonneneinstrahlung zwingend eine

ausreichend grosse beschattete Fläche ausserhalb der Liegehütten vorhanden sein (Art. 28 Abs.

3 Nutztier und HaustierV).

Gesetzliche Grundlagen

Tierschutzgesetz (TSchG), Tierschutzverordnung (TSchV) sowie Nutztier und

Haustierverordnung (Nutztier und HaustierV)

Art. 11 TSchV Raumklima

1 In Räumen und Innengehegen muss ein den Tieren angepasstes Klima herrschen.

2 Bei geschlossenen Räumen mit künstlicher Lüftung muss die Frischluftzufuhr auch bei Ausfall der Anlage

gesichert sein.

Art. 46 TSchV Schutz vor Hitze

In neu eingerichteten Ställen müssen bei Hitze für Schweine ab 25 kg in Gruppenhaltung sowie Eber

Abkühlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Art. 28 Nutztier und HaustierV Schutz vor Hitze

1 Übersteigt die Temperatur in neu eingerichteten Ställen für Schweine ab 25 kg in Gruppenhaltung und für Eber

25° C, so ist den Tieren eine Abkühlungsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen.

2 Als Abkühlungsmöglichkeiten gelten Erdwärmetauscher, Zuluftkühlung, Bodenkühlung, Vernebelungsanlagen

sowie mit Feuchtigkeit auf das Tier einwirkende Einrichtungen wie Duschen oder Suhlen.

3 Für Schweine in Freilandhaltung muss ab einer Lufttemperatur im Schatten von 25° C eine Suhle und bei starker

Sonneneinstrahlung eine ausreichend grosse beschattete Fläche ausserhalb der Liegehütten vorhanden sein.

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Fachinformation Tierschutz

Nr. 8.6_(1)_d | Oktober 2009

Stallklimawerte und ihre Messung

in Schweinehaltungen

Die Bedeutung des Stallklimas für das Tier

Das Stallklima hat ebenso wie die Raumverhältnisse, die verwendeten Stalleinrichtungen, die Betreuung

und die Fütterung der Tiere einen bedeutenden Einfluss auf die Tiergerechtheit eines Haltungssystems.

Das Stallklima (Innenklima) unterscheidet sich bezüglich Lufttemperatur, relativer Luftfeuchtigkeit und

Luftgeschwindigkeit sowie Konzentration von Schadgasen und Staubpartikeln mehr oder weniger stark

vom Aussenklima. Die Schadgase entstammen dem tierischen Stoffwechsel (Atmung, Exkremente).

Futter, Einstreu, Hautpartikel, Federn und eingetrockneter Kot sind wesentliche Quellen für die

Staubbildung. Das Stallklima stellt in der Nutztierhaltung einen komplexen Faktor dar, der von anderen

Haltungsbedingungen wie Stallbau, Fütterung und Betreuung der Tiere nicht losgelöst betrachtet werden

kann.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass Tiere in einem Haltungssystem immer auf begrenztem Raum

gehalten werden, so dass sie sich dem vorherrschenden Stallklima nur beschränkt entziehen können. Die

Tierschutzverordnung fordert daher, dass in Räumen und Innengehegen ein dem Tier angepasstes Klima

herrschen muss (Art. 11, Abs. 1). Es ist in der Verantwortung der Tierhalterin oder des Tierhalters, dafür

zu sorgen, dass das Stallklima die Anpassungsfähigkeit der Tiere nicht überfordert. Hierbei können zwei

Wege beschritten werden. Zum einen kann der Tierhaltende auf Veränderungen des Stallklimas

situationsbezogen reagieren und eine übermässige Belastung der Tiere durch Managementmassnahmen

verhindern. So kann er in Schweineställen bei Kälte den Liegebereich mit mehr Material einstreuen und

bei Hitze Duschen aktivieren, um den Tieren Abkühlung zu verschaffen. Zum anderen können

Haltungssysteme so strukturiert werden, dass die Tiere je nach Stallklimasituation unterschiedliche

Bereiche aufsuchen können, die ihren momentanen Bedürfnissen entsprechen. Ein Beispiel hierfür sind in

der Schweinemast Ställe mit Ruhekisten, die von den Tieren bei tiefen Lufttemperaturen regelmässig und

bei hohen Lufttemperaturen kaum zum Ruhen aufgesucht werden.

Besondere Beachtung ist Tieren zu schenken, die von einem Warmstall in einen Kaltstall oder umgekehrt

umgestallt werden, zum Beispiel wenn Ferkel beim Absetzen in einen Aussenklimastall umgebuchtet

werden. In der Regel benötigen Tiere einige Tage, bis die physiologischen Anpassungsprozesse ihre volle

Wirkung entfalten. Noch längere Anpassungszeit brauchen morphologische Prozesse (Haarwachstum,

Fetteinlagerung). Es kann deshalb notwendig sein, die neuen Klimaeinflüsse in dieser Übergangsphase

durch Managementmassnahmen (zum Beispiel den Liegebereich vorübergehend besonders stark

einstreuen) abzuschwächen.

Bei der Gestaltung des Stallklimas ist zu berücksichtigen, dass einzelne Nutztierrassen und Zuchtlinien

aufgrund ihrer genetisch bedingten Eigenschaften spezifische Bedürfnisse an das Stallklima haben

können. Bei Schweinen beispielsweise kann die Fähigkeit, bei tiefen Lufttemperaturen die

Körperkerntemperatur aufrecht zu erhalten, durch die gegenüber den Wildschweinen reduzierte

Beborstung sowie durch die zuchtbedingt geringere Speckdicke erheblich vermindert sein. Bei

Zuchtsauen und Mastschweinen kann der erhöhte Stoffwechsel zu Problemen mit ausreichender

Wärmeabgabe bei Hitze führen.

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Beurteilung des Stallklimas

Um den Einfluss des Stallklimas auf die Tiere zu beurteilen, müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt

werden, zum Beispiel das Alter der Tiere, die Intensität der Nutzung, die Art des Haltungssystems sowie

die Dauer und die Intensität der Einwirkung eines Stallklimafaktors. Darüber hinaus dürfen einzelne

Stallklimafaktoren nicht nur für sich allein, sondern müssen auch in Kombination mit anderen

Stallklimafaktoren betrachtet werden. So ist beispielsweise eine tiefe Lufttemperatur in Kombination mit

einer geringen Luftfeuchtigkeit und einer geringen Luftgeschwindigkeit weniger belastend als in

Kombination mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und einer hohen Luftgeschwindigkeit.

Für die Beurteilung des Stallklimas im Einzelfall können einerseits Messungen durchgeführt werden. Die

vorliegende Fachinformation enthält hierfür Angaben zu Messmethoden für die einzelnen

Stallklimafaktoren. Anderseits können oft einfache Indikatoren Hinweise darauf geben, dass bei einzelnen

Klimafaktoren Mängel vorliegen. Solche Indikatoren umfassen das Empfinden des Menschen, das

Verhalten der Tiere sowie den Zustand des Haltungssystems und der technischen Einrichtungen im Stall.

Messungen des Stallklimas sollen grundsätzlich im Tierbereich, das heisst im hauptsächlichen

Aufenthaltsbereich der Tiere erfolgen. Es ist zu berücksichtigen, dass je nach Jahres- und Tageszeit,

Wetter, Ort im Stall, Luftschichtung, Oberflächentemperatur der Bauteile und anderen Einflussfaktoren,

das heisst je nach Messort und -zeitpunkt, unterschiedliche Werte resultieren können. Messungen an

verschiedenen Orten und über längere Zeit sind deshalb aussagekräftiger als Einzelmessungen. Wichtig

ist ferner die Verwendung kalibrierter Messgeräte. Sind zuverlässige, reproduzierbare Messwerte

erforderlich, so sind bei der Messung das Messverfahren und die Begleitumstände der Messung (zum

Beispiel Messorte, Tageszeit, Witterung usw.) möglichst genau festzuhalten.

1. Lufttemperatur

Für jedes Tier gibt es eine Zone der Umgebungstemperatur, innerhalb welcher der Organismus seine

Körpertemperatur mit minimalen regulatorischen Massnahmen aufrechterhalten kann. Diese Zone, in der

die Wärmeerzeugung praktisch konstant und unabhängig von der Umgebungstemperatur ist, wird als

Zone thermischer Neutralität bezeichnet (Abb. 1, Zone von B nach B'). Nach unten ist diese Zone

begrenzt durch die untere kritische Temperatur (B). Hier setzt der Organismus Mechanismen (zum

Beispiel Kältezittern) ein, um die Wärmeproduktion zu erhöhen. Die obere kritische Temperatur (B') bildet

jene Lufttemperatur, bei der das Tier beginnt, seine Wasserverdunstung (von der Haut und/oder den

Atmungswegen) zu erhöhen, um einen Anstieg der Körpertemperatur zu verhindern. Innerhalb der Zone

thermischer Neutralität liegt die Zone thermischer Indifferenz, in der die Körpertemperatur ohne

eigentliche Eingriffe seitens der homeostatischen Mechanismen konstant bleibt und das Tier unbelastet

von Kälte oder Wärme ist (Abb. 1, Zone von A nach A').

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Kältetod

Hypo-

thermie

Körperkerntemperatur

Wärmeerzeugung

Zone des Überlebens

Zone der Homöothermie

Zone thermischer

Neutralität

Zone

thermischerIndifferenz

D C B A A' B' C' D'

Umwelttemperatur

Hyper-

thermie

Abb. 1: Für die Thermoregulation kritische Zonen und Temperaturen, nach Bianca (1976).

In Bezug auf die Umgebungstemperatur ist die Anpassungsfähigkeit der Tiere eindeutig überfordert, wenn

die physiologischen (zum Beispiel Kältezittern, Hecheln, Steigerung oder Reduktion der Futteraufnahme)

und ethologischen (zum Beispiel Schatten aufsuchen, Suhlen, Haufenlagerung) Mechanismen der

Thermoregulation nicht mehr ausreichen, um die Körperkerntemperatur aufrecht zu erhalten (Abb. 1,

ausserhalb C bzw. C'). Anderseits kann davon ausgegangen werden, dass die Anpassungsfähigkeit der

Tiere innerhalb der Zone von C nach C' nicht überfordert wird.

Die Zone thermischer Neutralität liegt bei frischgeborenen Tieren deutlich höher als bei ausgewachsenen

Tieren derselben Art. Dies ist eine Folge davon, dass beide kritischen Temperaturen und damit auch die

Wärmebedürfnisse bei jungen Tieren höher liegen als bei ausgewachsenen. Die Breite der Zone

thermischer Neutralität ist bei jungen Tieren bedeutend geringer als bei ausgewachsenen Tieren. Beim

Ferkel umfasst sie nur wenige Temperaturgrade. Für eine optimale Entwicklung benötigen Ferkel deshalb

im Liegebereich hohe und relativ konstante Temperaturbedingungen.

Optimale Temperaturbereiche

Tabelle 1 beinhaltet Optimalbereiche für Lufttemperaturen, bei denen die Nutzleistung der Schweine

erfahrungsgemäss am grössten ist.

Da diese Bereiche bei jungen Tieren deutlich höher liegen als bei ausgewachsenen Tieren derselben Art,

sind differenzierte Werte für verschiedene Tierkategorien angegeben. Sie gelten für den unmittelbaren

Umgebungsbereich (Mikroklima), in dem sich die Tiere über längere Zeit aufhalten, beispielsweise für die

Liegefläche. Die Temperaturbereiche, innerhalb der sich die Tiere anpassen können, sind grösser als die

in Tabelle 1 aufgeführten Optimalbereiche. Bei zunehmender Leistung verschieben sich die

Optimalbereiche nach unten.

Bei der Gestaltung und Beurteilung des Stallklimas im Einzelfall ist zu berücksichtigen, dass der

Wärmehaushalt der Tiere durch verschiedene Faktoren zusätzlich beeinflusst wird. Aus der

Zusammenstellung in Tabelle 2 ist ersichtlich, dass für hochleistende und grosse Tiere eher Probleme mit

der Hitze als mit der Kälte entstehen. Einzeln gehaltene Tiere (zum Beispiel Zuchtsauen in

Kastenständen) haben eher ein höheres Wärmebedürfnis als in Gruppen gehaltene, da die soziale

Thermoregulation (Zusammenliegen) und das Aufsuchen mikroklimatisch geschützter Nischen nicht

möglich sind.

In nichtwärmegedämmten Ställen (Kaltställen, Aussenklimaställen) weist die Lufttemperatur in

Abhängigkeit von der Aussentemperatur grössere Schwankungen als in geschlossenen Ställen auf, so

dass auch extreme Temperaturwerte auftreten können. Für die Tiere muss daher in Aussenklimaställen

Hitzetod

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durch Einrichten geeigneter Zonen (Nischen, Unterschlupf, Tiefstreubett, beschattete Flächen usw.) ein

angepasstes Mikroklima geschaffen werden.

In den vergangenen 25 Jahren konnten aufgrund der zunehmenden Verbreitung von nichtwärmegedämmten

Ställen bei einzelnen Nutztierarten und Tierkategorien umfassende Praxiserfahrungen

hinsichtlich der Anpassungsfähigkeit an hohe und tiefe Lufttemperaturen gesammelt werden. Bei der

Verwendung von Abferkelbuchten in nichtwärmegedämmten Ställen soll sichergestellt sein, dass die

Ferkel unmittelbar nach der Geburt ein Mikroklima mit einer Wärmequelle aufsuchen. Für die

Ferkelaufzucht und die Mastschweinehaltung haben sich sowohl Tiefstreusysteme (erwärmen sich selbst)

als auch Kistenställe, in denen die Tiere den Liegebereich durch die Abgabe von Körperwärme erwärmen,

bei tiefen Lufttemperaturen bewährt. Um eine Haufenlagerung von Mastschweinen mit einem

Körpergewicht von mehr als 70 kg zu vermeiden, soll die Lufttemperatur in Haltungssystemen mit Einstreu

(nicht Tiefstreu) 9 °C und in Vollspaltenbuchten 15 °C nicht unterschreiten.

Tab. 1: Optimalbereiche für die Lufttemperatur

Tierkategorie Gewicht (kg) Optimalbereich (°C)

Schweine

2)

Ferkel 2-25

33 → 22

2)

Vormasttiere

25-60

22 → 15

2)

Ausmasttiere

60-100

18 → 9

2) 8-15

Zuchtsauen und Eber

150-350

2)

Säugende Sauen (Ferkel siehe oben) 150-250

5-15

Anmerkungen:

1)

Mit zunehmender Entwicklung der Tiere vom höheren auf den tieferen Wert allmählich abfallend.

2)

Mikroklima: Gilt für Nischen, Örtlichkeiten im Stall, die lokal ein der entsprechenden Tierkategorie angepasstes

Klima garantieren.

Tab. 2: Faktoren, die das Ertragen tiefer oder hoher Umgebungstemperaturen für das Tier erleichtern (+)

oder erschweren (–)

Faktor Umgebungstemperatur

Tief Hoch

Zunehmendes Alter (Jungtier - ausgewachsenes Tier)

Hohe Futteraufnahme

Hohe Nutzleistung

Trächtigkeit

Körperbewegung

Dickes Haarkleid

Reichliche und trockene Einstreu

Gruppenhaltung

Einzelhaltung

Wind

Sonnenbestrahlung

Akklimatisation (an Kälte oder Wärme)

+ (–)

+ –

+ –

+ –

+ –

+ –

+ –

+ –

– +

– +

+ –

+ +

Insbesondere für Schweine können auch hohe Lufttemperaturen sehr belastend sein. Deshalb sind ihnen

an heissen Tagen Abkühlungsmöglichkeiten in Form von Duschen oder kühlen, eventuell feuchten

Liegeflächen, auf denen alle Tiere einer Bucht gleichzeitig in ausgestreckter Seitenlage liegen können,

anzubieten. Auch Stallbereiche mit erhöhter Luftbewegung können Abkühlung ermöglichen.

1)

1)

1)

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Messung der Lufttemperatur

Für die Bestimmung eines kurzzeitigen Einzelwertes der Temperatur kann ein kalibriertes

Luftthermometer verwendet werden. Für eine aussagekräftige Beurteilung sollen über einen genügend

langen Zeitraum quasikontinuierliche Messungen (Messintervall < eine Stunde) erfolgen. Hierfür eignen

sich Datenerfassungs- und Speichergeräte (Datalogger). Diese Datalogger kombinieren oft Temperatur

und relative Feuchtigkeit.

Indikatoren für Mängel bei der Lufttemperatur

Schweine zeigen deutliche Verhaltensreaktionen, wenn das Stallklima ihren Bedürfnissen nicht entspricht.

Bei tiefen Temperaturen legen sie sich nicht mehr in Seitenlage, sondern nur noch in Bauchlage hin, um

die Abgabe von Körperwärme an den Boden zu reduzieren. Sinkt die Temperatur noch weiter, ist bei in

Gruppen gehaltenen Schweinen die sogenannte Haufenlagerung zu beobachten. Die Tiere legen sich

aufeinander, da sie im Kontakt mit dem Boden und der Luft zu viel Wärme verlieren. Dabei kann es in der

Bucht zu starker Unruhe kommen, indem immer wieder Tiere, die am Rande des Haufens liegen, in die

Mitte des Haufens drängen. Neben Lauten im Zusammenhang mit aggressiven Auseinandersetzungen

sind auch Jammerlaute zu hören. Ein weiteres deutliches Anzeichen für zu tiefe Temperaturen bei

Schweinen ist Kältezittern. Als kritisch einzustufen sind auch Situationen, bei denen bei tiefer

Stalltemperatur der Liegebereich vernässt oder stark verschmutzt ist oder nicht alle Schweine gleichzeitig

im Liegebereich liegen können. In Abferkelbuchten können bei zu tiefen Temperaturen erhöhte

Ferkelverluste während und in den ersten Tagen nach dem Abferkeln auftreten.

Artikel 27 der Nutz- und Haustierverordnung präzisiert, ab welchen Temperaturen der Liegebereich der

Schweine wie gestaltet sein muss, um die Tiere vor Kälte zu schützen.

Bei zu hohen Temperaturen versuchen Schweine Wärme abzugeben, indem sie sich auf kühle und

vorzugsweise feuchte Oberflächen legen. Sie liegen dann nicht mehr in dem dafür vorgesehenen

Liegebereich der Bucht, sondern im Aktivitäts- und Kotbereich. Sie legen sich in ausgestreckter

Seitenlage und möglichst ohne Körperkontakt zu Buchtgenossen hin. Einzelne Tiere können auch

Tränkeeinrichtungen manipulieren, um in der Nähe der Tränke feuchte Stellen zu schaffen, auf die sie

sich dann legen können. Durch das Liegen sowie durch Suhlen im Aktivitäts- und Kotbereich können die

Schweine stark verschmutzt sein. Ebenfalls ein Indikator für zu hohe Temperaturen ist starkes Hecheln

der Schweine. Darüber hinaus nimmt der Appetit der Schweine bei hohen Temperaturen ab: die Tröge

sind nicht leer gefressen, und es halten sich kaum Tiere an Futterautomaten mit ad libitum Fütterung auf.

In neu eingerichteten Ställen müssen bei Hitze für Schweine ab 25 kg in Gruppenhaltung sowie Eber

Abkühlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen (Art. 46, TSchV). Artikel 28 der Nutz- und

Haustierverordnung gibt die Temperaturgrenze an, ab welcher den Tieren Abkühlungsmöglichkeiten zur

Verfügung stehen müssen. Es werden Einrichtungen aufgeführt, welche als Abkühlungsmöglichkeit gelten

und die Tiere vor Hitze schützen können.

2. Luftfeuchtigkeit

Unsere Nutztierarten sind durchaus in der Lage, sich an grosse Schwankungen in der relativen

Luftfeuchtigkeit anzupassen. Es ist daher vertretbar, sie in offenen Ställen zu halten, in denen die

Luftfeuchtigkeit parallel zur Luftfeuchtigkeit ausserhalb des Stalles Schwankungen aufweist.

Stark belastend können Situationen sein, in denen die Tiere gleichzeitig einer hohen Luftfeuchtigkeit und

einer hohen Lufttemperatur ausgesetzt sind. Es ist ihnen dann kaum mehr möglich, Körperwärme

abzugeben. Zudem fördert eine hohe Luftfeuchtigkeit die Vermehrung von Bakterien, Parasiten und vor

allem Schimmelpilzen.

Kritisch können auch Situationen sein, in denen durchnässte Tiere über längere Zeit bei hoher

Luftfeuchtigkeit und tiefen Lufttemperaturen gehalten werden.

Eine tiefe Luftfeuchtigkeit, wie sie in geheizten Ställen während des Winters oft vorkommt, kann die

Schleimhäute der Atmungswege austrocknen und für Infektionen anfälliger machen. Sie begünstigt auch

die Staubbildung im Stall.

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Optimale relative Luftfeuchtigkeit

Die optimale relative Feuchtigkeit liegt für landwirtschaftliche Nutztiere im Bereich von 50 % bis 80 %.

Messung der Luftfeuchtigkeit

Für die Bestimmung der relativen Luftfeuchtigkeit eignet sich ein Psychrometer. Für eine aussagekräftige

Beurteilung sollen über einen genügend langen Zeitraum quasikontinuierliche Messungen (Messintervall

< eine Stunde) vorgenommen werden. Hierfür eignen sich Datenerfassungs- und Speichergeräte

(Datalogger) mit Feuchtigkeitsfühlern.

Indikatoren für Mängel bei der Luftfeuchtigkeit

Eine zu geringe Luftfeuchtigkeit ist oft mit hohen Staubkonzentrationen verbunden und verursacht so

einige Zeit nach Betreten des Stalles Hustenreiz.

Auch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit wird vom Menschen als unangenehm empfunden. In Kombination mit

hoher Lufttemperatur erinnert das Klima im Stall bei zu hoher Luftfeuchtigkeit an das Klima in einem

Dampfbad, während in Kombination mit tiefer Lufttemperatur Assoziationen zum Klima in einem Keller

geweckt werden. Deutliche Anzeichen für eine zu hohe Luftfeuchtigkeit sind Kondenswasser an der

Decke oder an den Wänden sowie schlecht trocknende Stallböden, bei langfristig zu hoher

Luftfeuchtigkeit auch graue oder schwarze, verschimmelte Wände und Decken.

3. Luftbewegung

Die Luftbewegung hat in Kombination mit der Lufttemperatur einen entscheidenden Einfluss darauf, wie

gut die Tiere bei Hitze Wärme abgeben und bei Kälte eine Unterkühlung vermeiden können. Aus diesem

Grund sollte bei hohen Lufttemperaturen die Luftgeschwindigkeit angemessen erhöht werden. Bei tiefen

Lufttemperaturen wiederum sollten zugfreie Rückzugsmöglichkeiten angeboten werden.

Hohe Luftgeschwindigkeiten haben eine zweifache Wirkung. Einerseits erhöhen sie den Wärmeübergang

pro Grad Temperaturdifferenz zwischen Tieroberfläche und Luft, anderseits verringern sie die

Wärmedämmung durch Zerstörung des schützenden Luftfilms im Haarkleid. Am meisten wird das

Wohlbefinden beeinträchtigt, wenn die bewegte Luft eine geringere Temperatur als die Raumluft hat und

vorwiegend aus einer bestimmten Richtung einen Körperteil trifft. Man spricht in diesem Fall von Zugluft.

Dabei spielt nicht nur die Luftgeschwindigkeit, sondern auch das Ausmass der Luftturbulenz eine Rolle. Je

höher die Luftturbulenz, desto stärker ist das „Luftzugempfinden“.

Optimalwerte für die Luftbewegung

Das Optimum der Luftgeschwindigkeit hängt wesentlich von der Lufttemperatur ab. So kann im Sommer

zur Verhinderung eines Wärmestaus eine Abkühlung der Tiere durch eine angemessen hohe

Luftbewegung willkommen sein. Im Winter dagegen kann eine zu hohe Luftgeschwindigkeit zu starken

Wärmeverlusten führen. Bei gleicher Lufttemperatur ist die Abkühlung umso stärker, je grösser die

Luftgeschwindigkeit ist.

Zugluft ist bei allen Nutztierarten möglichst zu vermeiden. Besonders wichtig ist Zugfreiheit auf dem

Liegeplatz, damit sich die Tiere bei Bedarf vor Wärmeverlusten schützen können, sowie bei durchnässten

Tieren, die tiefen Temperaturen ausgesetzt sind.

Messung der Luftbewegung

Die Luftbewegung kann mit einem Hitzdrahtanemometer gemessen werden. Das Gerät erlaubt

Messungen ab zirka 0,1 m/s, eignet sich also speziell für kleine Geschwindigkeiten. Die Messwerte sind

richtungsunabhängig.

Höhere Luftgeschwindigkeiten kann ein Flügelradanemometer messen. Dieses Gerät ist allerdings nicht

für turbulente Strömungen im Stallraum geeignet. Die Messwerte sind richtungsabhängig.

Falls notwendig, kann die Strömungsrichtung der Luft mit Hilfe von Nebelproben (zum Beispiel

Strömungsprüfröhrchen, Nebelmaschine) festgestellt werden.

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Indikatoren für Mängel bei der Luftbewegung

Die Luftbewegung muss grundsätzlich im Aufenthaltsbereich der Tiere beurteilt werden. Es darf nicht von

Zugluft im Stallgang auf die Luftbewegung in den einzelnen Buchten geschlossen werden. Zugluft wird

vom Menschen insbesondere beim Auftreffen auf den Nacken oder auf den Handrücken empfunden.

Zugluft im Liegebereich von Schweinen kann dazu führen, dass sie diesen Bereich meiden oder trotz

angenehmer Lufttemperatur dort nur Liegen in Bauchlage oder gar Haufenlagerung zeigen. Zugluft im

Liegebereich kann bei verschiedenen Nutztierarten die Ursache von verminderter Leistung oder erhöhter

Krankheitsanfälligkeit sein.

Mangelnde Luftbewegung in einzelnen Stallbereichen kann vom Menschen anhand lokal erhöhter

Schadgaskonzentrationen (Ammoniak) wahrgenommen werden. Eine zu geringe Luftbewegung als Folge

einer ungenügend dimensionierten Lüftung oder einer ungeeigneten Luftführung kann auch dazu führen,

dass die Stallluft als stickig (feucht) oder staubig empfunden wird. In Ställen mit künstlicher Lüftung sollte

in solchen Fällen der Leistungsgrad der Lüftung bzw. die Zu- und Abluftführung überprüft werden.

4. Schadgase

Hohe Konzentrationen der in Ställen typischen Schadgase treten in der Natur nicht auf, weshalb unsere

Nutztierarten sich solchen Situationen nicht anpassen können. Längerfristig einwirkende hohe

Konzentrationen beeinträchtigen das Wohlbefinden der Tiere und führen zu Gesundheitsschäden. Sie

sind daher unbedingt zu vermeiden.

Erfahrungsgemäss treten hohe Schadgaskonzentrationen insbesondere in Warmställen mit

unzureichender Lüftung auf, während Aussenklimaställe mit hohen Luftraten in dieser Hinsicht kaum

Probleme verursachen. Die Lagerung von Gülle im Stallraum unter Spaltenboden kann für die

Stalllufthygiene problematisch sein.

Kohlendioxid (CO2) ist ein Atmungsgas, das schwerer als Luft ist, sich aber relativ gut im Stallraum

verteilt. Bei den in Ställen üblichen Konzentrationen ist CO2 nicht toxisch.

Ammoniak (NH3) ist ein Gas, das aus Harnstoff durch Urease-Spaltung entsteht. Es ist leichter als Luft.

Trotzdem herrschen am Boden, auf dem der Mist liegt und das Gas entsteht, zumeist die grösseren

Konzentrationen als unter der Decke, unter der es durch Thermik und Luftströmungen verdünnt und

abgeführt wird. NH3 wirkt bei Tier und Mensch vor allem stark irritierend auf Schleimhäute und Atemwege.

Schwefelwasserstoff (H2S) ist ein sehr giftiges Verrottungsgas, das in Gülle entsteht. Es ist schwerer als

Luft und bildet an den tiefsten Stellen - also in den Güllekanälen und Gruben - eigentliche Seen. Sobald

messbare Konzentrationen vorhanden sind, können Mensch und Tier gefährdet werden. Beim Aufrühren

oder Umspülen von Gülle wird H2S freigesetzt und häufig schwallartig (Wolkenbildung) in die Stallluft

abgegeben. Unter diesen Umständen können lebensgefährliche H2S Konzentrationen auftreten.

Zur Vermeidung von zu hohen Schadgaskonzentrationen ist wesentlich, dass die Güllekanäle zur Grube

siphoniert sind und dass beim Aufrühren oder Ablassen der Gülle für eine ausreichende Durchlüftung des

Stalles gesorgt ist. Bei Flüssigmistsystemen sollen die Grundsätze gemäss BUL zur Vermeidung von

Schadgasen beachtet werden.

Neben diesen drei wichtigsten Schadgasen können im Stall noch weitere Gase gebildet werden (zum

Beispiel Methan, Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid). Durch die Kombination mehrerer Gase können

schädliche Synergie-Effekte auftreten. Die Schadgaswerte sind deshalb generell möglichst tief zu halten.

Bei der Verwendung von Gasstrahlern besteht die Gefahr, dass giftiges Kohlenmonoxid (CO) entsteht.

Sie sind daher häufig zu kontrollieren und regelmässig zu warten. Wichtig ist eine einwandfreie Brenner-

Einstellung und Frischluftzufuhr.

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Maximal zulässige Schadgaskonzentrationen

Tabelle 3 enthält Maximalkonzentrationen für die drei Schadgase CO2, NH3 und H2S,

wie sie vom

"Scientific Veterinary Commitee" (1997) empfohlen wurden. Grundsätzlich ist anzustreben, dass Lüftung

und Entmistung so konzipiert werden, dass das Auftreten von zu hohen Schadgaswerten vermieden wird.

Tab. 3: Maximalkonzentrationen für die drei wichtigsten Schadgase, empfohlen vom „Scientific Veterinary

Committee“ (1997)

Schadgas Maximalkonzentration

CO2 (Kohlendioxid)

3000 ppm

NH3

(Ammoniak)

10 ppm

H S (Schwefelwasserstoff)

0,5 ppm (während Entmistung kurzfristig 5 ppm)

2

Gemäss Artikel 11 Absatz 2 der TSchV muss bei geschlossenen Räumen mit künstlicher Lüftung die

Frischluftzufuhr auch bei Ausfall der Anlage gesichert sein. Dies kann mit einer funktionstüchtigen

Alarmanlage, mit selbstöffnenden Fenstern (zum Beispiel mit Magnetschaltern) oder mit einem

Notstromaggregat gewährleistet werden.

Messung der Schadgaskonzentrationen

Kohlendioxid (CO2) kann relativ zuverlässig durch Infrarot-Analyse oder mit Dräger-Röhrchen gemessen

werden. Ammoniak (NH3) lässt sich mit verschiedenen Methoden messen: nach dem nass-chemischen

Prinzip (Absorptionsflaschen), mit Infrarot-Analyse, mit elektrochemischem Sensor (eine Redox-Reaktion

generiert einen elektrischen Strom), mit Dräger-Röhrchen oder nach dem Chemoluminesenz-Prinzip. Zur

Messung von Schwefelwasserstoff (H2S)

können elektrochemische Zellen (Messbereich 1-1000 ppm)

oder Dräger-Röhrchen verwendet werden.

Da die Konzentrationen von Schadgasen in einem Stall sowohl räumlich als auch zeitlich grosse

Schwankungen aufweisen können, macht es für eine aussagekräftige Beurteilung des Stallklimas wenig

Sinn, punktuelle Einzelmessungen von Schadgasen vorzunehmen. Bei begründetem Verdacht sehr hoher

Schadgaskonzentrationen sollten quasikontinuierliche Messungen (zum Beispiel mit Hilfe von

Gasanalysatoren) durchgeführt werden. Punktuelle aktive Messungen sind gegebenenfalls für

Schwefelwasserstoff beim Umspülen oder Rührvorgängen nötig. Die Maximalkonzentrationen sollten nicht

dauernd überschritten werden, das heisst, dass diese Werte nicht permanent länger als an einem Tag pro

Woche überstiegen werden sollten. Die längerfristigen Messungen in einem Stall sollten somit einen

Zeitraum von mindestens einer Woche umfassen.

Erfahrungsgemäss treten permanent hohe Schadgaskonzentrationen insbesondere in wärmegedämmten

Ställen in den Wintermonaten auf, wenn die Lüftungsrate gedrosselt wird, um Wärmeverluste zu

minimieren. Es ist jedoch zu fordern, dass auch in solchen Stallungen die vorgegebenen

Maximalkonzentrationen nicht dauernd überschritten werden. Bei bestehenden Ställen kann es im

Einzelfall angezeigt sein, die Lüftungsrate (evtl. über eine Zeitschaltuhr gesteuert) tagsüber in

regelmässigen Abständen für kurze Zeit zu erhöhen, so dass die Schadgaskonzentrationen unter die

Maximalwerte reduziert werden.

Indikatoren für Mängel bei den Schadgaskonzentrationen

Ammoniak wird in geringer Konzentration vom Menschen als leicht stechender Geruch wahrgenommen.

In höheren Konzentrationen bewirkt dieses Schadgas Beissen in den Augen und auf den Schleimhäuten

der Atemwege. Die Augen beginnen zu tränen, und es tritt Hustenreiz auf.

Kohlendioxid ist geruchlos. Eine hohe Konzentration dieses Gases ist jedoch mit einer ungenügenden

Lüftung verbunden, weshalb die Stallluft dann als stickig empfunden wird.

Schwefelwasserstoff riecht nach faulen Eiern. Erhöhte Konzentrationen dieses Schadgases dürften nur

kurzfristig beim Umspülen von Gülle auftreten. Hohe Konzentrationen können geruchlich nicht mehr

wahrgenommen werden, da sie die Geruchsnerven beeinträchtigen, und sind für Tier und Mensch tödlich.

Hohe Schadgaskonzentrationen wecken beim Menschen das Bedürfnis, den Stall möglichst bald wieder

verlassen zu können. Es ist dann angezeigt, sowohl die Lüftung als auch die Entmistung zu überprüfen.

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5. Staub

Auch vor längerfristig hohen Schwebstaubkonzentrationen können sich Nutztiere nicht schützen, da sie im

Laufe der Evolution dagegen keine Schutzmechanismen entwickelt haben. Der Staub in der Stallluft setzt

sich vorwiegend aus einem Gemisch von organischen Partikeln aus Einstreu, Futter, Haut-/Haar-

/Federbestandteilen und Kot zusammen. Für die biologische Wirkung des Staubes ist neben dessen

spezifischer Zusammensetzung insbesondere die Partikelgrösse von grosser Bedeutung. Für die

Gesundheit von Tierhaltenden und Nutztieren besonders belastend ist Feinstaub, der in die feinsten

Verästelungen der Lunge vordringen kann (sogenannter alveolengängiger Feinstaub; Partikelgrösse

< 5 µm). Dieser kann sich in der Lunge absetzen und dort zu mechanischen und physikochemischen

Reizungen mit Folgeschäden führen, weshalb permanent hohe Konzentrationen von Staubpartikeln nicht

zuletzt auch im Interesse des Tierhaltenden vermieden werden sollten.

Die schädigende Wirkung des Staubes wird dadurch verschärft, dass Schadgase (zum Beispiel

Ammoniak), Mikroorganismen und von Bakterien stammende Giftstoffe (Endotoxine) an Staubpartikel

gebunden in die Lunge transportiert werden können. Besonders hoch sind die Staubkonzentrationen in

Geflügelmastställen, gefolgt von Schweinemastställen, Legehennenställen, Schweinezuchtställen und

Rinderställen. Auch in einstreulosen Haltungssystemen können hohe Schwebstaubkonzentrationen

auftreten.

Maximal zulässige Staubkonzentration

Zur Zeit existieren in der Schweiz keine gesetzlichen Bestimmungen zur maximalen Konzentration von

Staub in Tierställen. In Schweden gilt für organische Staubpartikel (Gesamtstaub) in Tierställen ein

Grenzwert von 10 mg/m 3 , in Dänemark beträgt er hingegen nur 3 mg/m 3

.

Messung der Staubkonzentration

Zur Messung des Verlaufs der Schwebstaubkonzentration können zum Beispiel Streulichtphotometer oder

TEOM-Messgeräte eingesetzt werden. TEOM-Messgeräte erfassen ohne regelmässige Kalibrierung

kontinuierlich den Staubgehalt der Luft. Das Messverfahren beruht auf der Frequenzänderung eines

Schwingstabes, die durch die Staubablagerung verursacht wird.

Da die Schwebstaubkonzentration sowohl im Tagesverlauf als auch von Tag zu Tag Schwankungen

aufweisen kann, ist mit quasikontinuierlichen Messungen über mindestens eine Woche eine

durchschnittliche Konzentration pro 24 Stunden zu ermitteln. Gemessen werden muss die einatembare

Fraktion des Staubes (Partikelgrösse < 10 µm).

Indikatoren für Mängel bei der Staubkonzentration

Hohe Staubkonzentrationen lösen beim Menschen Husten und Niesen aus. Im einfallenden Licht können

schwebende Staubpartikel erkannt werden. Bei hohen Staubkonzentrationen kann es in grossen Hallen

schwierig sein, das Stallende klar wahrzunehmen. Ein weiterer Indikator für hohe Staubkonzentrationen in

der Luft sind dicke Staubablagerungen auf den Einrichtungen im Stall. Beim Abschluss des Stallbesuchs

sind auch die Schreibunterlage und die Kleider voll Staub.

6. Beleuchtung

Tageslicht ermöglicht nicht nur die visuelle Orientierung der Tiere im Raum, sondern erfüllt auch andere

physiologisch wichtige Funktionen (UV-Strahlung, Tag-Nacht-Rhythmus, Stimulierung der

Geschlechtsdrüsen). Das Sonnenlicht kann durch die Stallbeleuchtung nicht vollständig ersetzt werden.

Eine zu geringe Strahlungsintensität wirkt sich negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Der Hell-Dunkel-Wechsel

und Schwankungen in der Helligkeit erhöhen das Reizangebot für die Tiere.

Minimale Beleuchtungsstärke

Räume, in denen sich die Tiere überwiegend aufhalten, müssen durch Tageslicht beleuchtet werden (Art.

33, Abs. 2 TSchV). Die Beleuchtungsstärke muss tagsüber mindestens 15 Lux betragen, ausgenommen

in Ruhe- und Rückzugsbereichen sowie in Nestern, sofern die Tiere permanent einen andern,

ausreichend hellen Standort aufsuchen können; die Beleuchtungsstärke für HausgefIügel richtet sich nach

Artikel 67 (Art. 33, Abs. 3 TSchV). Die Lichtphase darf nicht künstlich über 16 Stunden pro Tag

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ausgedehnt werden (Art. 33, Abs. 5 TSchV). Beleuchtungsprogramme mit mehr als einer Dunkelphase

pro 24 Stunden sind verboten (Art. 33, Abs. 6 TSchV).

Mit der geforderten minimalen Beleuchtung soll den Tieren eine visuelle Orientierung im Raum ermöglicht

werden. Die Mindestwerte gelten für jene Stallbereiche, in denen die Tiere vorwiegend aktiv sind und

sollen im Kopfbereich der Tiere erreicht werden. Sofern ein Stall in mehrere Buchten unterteilt ist, müssen

sie in jeder Bucht erfüllt sein.

Wird mit Tageslicht die Beleuchtungsstärke in am 1. September 2008 bestehenden Räumen mit

zumutbarem Aufwand an Kosten und Arbeit für den Einbau von Fenstern oder lichtdurchlässigen Flächen

nicht erreicht, so sind zusätzlich geeignete künstliche Lichtquellen einzusetzen (Art. 33, Abs. 4 TSchV). Es

gibt keine Vorschriften, dass in solchen Fällen die Beleuchtung mit Kunstlicht über eine Zeitschaltuhr

gesteuert sein muss. Im Einzelfall kann es jedoch angebracht sein, eine solche Steuerung zu fordern,

sofern nicht gewährleistet ist, dass der Tierhaltende das Kunstlicht von Hand bedarfsgerecht ein- und

ausschaltet.

Die Verwendung von UVC-Lampen (Ultraviolett) zur Desinfektion der Stalluft bildet keinen Ersatz für das

Tageslicht, da das Spektrum der Wellenlängen von UVC-Lampen nicht dem Spektrum des Tageslichts

entspricht, bei dem eine visuelle Orientierung möglich ist. Es ist darauf zu achten, dass der Abstand

zwischen Lampe (unterster Teil) und Tieren (Rücken bzw. Kopf) mindestens 1,2 m beträgt. Namentlich in

niedrigen Ställen müssen die Tiere durch Blenden (Abschirmplatten unten an Lampen) vor direkter

Bestrahlung auf zu kurze Distanz geschützt werden. Ferner sollen die Tiere nur einer indirekten

Bestrahlung ausgesetzt werden, so dass sie nur von Streustrahlen getroffen werden. Die direkte

Bestrahlung auf Auge und Haut bei Tier oder Mensch kann in Abhängigkeit individueller Empfindlichkeit

sowie der Bestrahlungsdosis Entzündungen des Bindehautgewebes (Conjunctivitis) sowie

Erythembildung (entzündliche Rötung der Haut) hervorrufen. Die Strahler sollen deshalb nicht in Betrieb

sein, wenn das Stallpersonal den Stall betritt (Sicherheitsschaltung als Tür-Kontaktschalter). Der Abstand

zwischen den UVC-Strahlern hängt von der jeweiligen Strahlerleistung und damit der Strahlungsintensität

ab, die zwischen den angebotenen Fabrikaten unterschiedlich ist.

Messung der Beleuchtung

Eine Beleuchtungsstärke von 15 Lux bedeutet für den Menschen eine visuelle Orientierungsmöglichkeit,

aber nur knapp genügend Licht, um längere Zeit lesen oder schreiben zu können.

Die Messung der Beleuchtungsstärke soll im Kopfbereich der Tiere mit einem farbkorrigierten,

kosinusgerechten Luxmeter erfolgen. Um den gesamten auf das Tier einwirkenden Lichteinfall zu

ermitteln, ist die sogenannte Sechs-Ebenen-Messung anzuwenden. Das bedeutet, dass das Fotoelement

in Tierkopfhöhe nach oben und nach unten sowie in alle vier Himmelsrichtungen gehalten wird. Aus den

sechs Einzelwerten ist der Durchschnittswert zu bilden.

Indikatoren für Mängel bei der Beleuchtung

Die Beleuchtungsintensität muss im Aufenthaltsbereich der Tiere und auf Tierhöhe beurteilt werden. Bei

unzureichender Intensität ist es dort schwierig, über längere Zeit zu lesen oder zu schreiben. Eine

eingehende Beurteilung der Beleuchtungsintensität ist insbesondere angezeigt, wenn die für Tageslicht

durchlässige Gesamtfläche in Wänden oder Decke weniger als einem Zwanzigstel der Bodenfläche

entspricht, wenn die Fensterflächen bei tiefen Ställen nur einseitig angeordnet sind oder wenn die

Fensterflächen verschmutzt oder mit Gegenständen verstellt sind.

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Literatur

- Bianca W., 1976. The significance of meteorology in animal production. International Journal of

Biometeorology 20, 139-156.

- Bianca W., 1979. Nutztier und Klima. Der Tierzüchter 31, 188-192.

- Blendl H.M., 1985. UV-Strahler in der Schweinehaltung, Handbuch Schweine 3, Kap. 23, 199-206.

- BUL, 1995a. Baudokumentation. BUL, Schöftland.

- BUL, 1995b. Gasgefahren in der Landwirtschaft. BUL, Schöftland.

- Clarke A.F., 1993. Stable dust – threshold limiting values, exposures variables and host risk factors.

Equine Vet. J. 25, 172-174.

- Danuser B., Weber C., Künzli N., Schindler C. und Nowak D., 2001. Respiratory symptoms in Swiss

farmers: an epidemiological study of risk factors. Am. J. Ind. Med. 39, 410-418.

- Driemer J. und Van den Weghe H., 1997. Der Einsatz eines gravimetrischen Messgerätes zur

kontinuierlichen Bestimmung der Schwebstaubkonzentrationen in Stallungen. Tagung: Bau, Technik

und Umwelt in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung, 11.-12. März 1997, D-Kiel.

- Jakobsson C., 1999. Ammonia emissions – current legislation affecting the agricultural sector in

Sweden. In: Kunisch M. und Eckel H. (Hrsg.) Regulation of animal production in Europe. KTBL-

Arbeitspapier 270, 208-213.

- Janeczek W., Hibner A. und Lukaszewski Z., 1985. Einfluss der Beleuchtungsstärke im Kuhstall auf

einige Parameter der Kühefertilität. Proceedings of International Congress on Animal Hygiene, D-

Hannover 1985, 429-433.

- Kunz P. und Montandon G., 1985. Vergleichende Untersuchungen zur Haltung von Kälbern im Warmund

Kaltstall während der ersten 100 Lebenstage. FAT-Schriftenreihe Nr. 26, FAT, Tänikon.

- Mayer C., 1999. Stallklimatische, ethologische und klinische Untersuchungen zur Tiergerechtheit

unterschiedlicher Haltungssysteme in der Schweinemast. FAT-Schriftenreihe Nr. 50, FAT, Tänikon.

- Nosal D. und Steiner T., 1986. Flüssigmistsysteme: Funktion und Schadgasentwicklung, FAT-Berichte

Nr. 292, FAT, Tänikon.

- Nosal D., 1997. Schadgase in Milchvieh-Laufställen: Vorkommen von Schwefelwasserstoff (H2S) bei

der Güllenlagerung unter Spaltenböden in offenen Ställen und Laufhöfen, FAT-Berichte Nr. 500, FAT,

Tänikon.

- Schweizerische Stallklimakommission, 1983. Schweizerische Stallklimanorm. Institut für

-

Nutztierwissenschaften, ETH Zürich. 41 S.

Scientific Veterinary Committee, 1997. The welfare of intensively kept pigs. European Commission,

Brussels. 187 S.

- Takai H. et al., 1998. Concentrations and emissions of airborne dust in livestock buildings in Northern

Europe. Journal of Agricultural Engineering Research 70, 59-77.

- Van Caenegem L. und Wechsler B., 2000. Stallklimawerte und ihre Messung. FAT-Schriftenreihe Nr.

51, FAT, Tänikon.

- Zeitler-Feicht M.H., 1993. Mindestanforderungen an die Beleuchtung und Stalluft in der Pferdehaltung

unter Tierschutzgesichtspunkten. Tierärztl. Umschau 48, 311-317.

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Gesetzliche Grundlagen

Tierschutzgesetz (TSchG), Tierschutzverordnung (TSchV) und Nutz- und Haustierverordnung

(Nutz- und HaustierV)

Art. 11 TSchV Raumklima

1

In Räumen und Innengehegen muss ein den Tieren angepasstes Klima herrschen.

2

Bei geschlossenen Räumen mit künstlicher Lüftung muss die Frischluftzufuhr auch bei Ausfall der Anlage

gesichert sein.

Art. 33 TSchV Beleuchtung

1

Haustiere dürfen nicht dauernd im Dunkeln gehalten werden

2

Räume, in denen sich die Tiere überwiegend aufhalten, müssen durch Tageslicht beleuchtet werden.

3

Die Beleuchtungsstärke muss tagsüber mindestens 15 Lux betragen, ausgenommen in Ruhe- und

Rückzugsbereichen sowie in Nestern, sofern die Tiere permanent einen andern, ausreichend hellen Standort

aufsuchen können; die Beleuchtungsstärke für Hausgeflügel richtet sich nach Art. 67.

4

Wird mit Tageslicht die Beleuchtungsstärke in am 1. September 2008 bestehenden Räumen mit zumutbarem

Aufwand an Kosten oder Arbeit für den Einbau von Fenstern oder lichtdurchlässigen Flächen nicht erreicht, so sind

zusätzlich geeignete künstliche Lichtquellen einzusetzen.

5

Die Lichtphase darf nicht künstlich über 16 Stunden pro Tag ausgedehnt werden, ausgenommen bei Küken

während der ersten drei Lebenstage, in denen die Lichtphase auf 24 Stunden verlängert werden darf. Bei der

Verwendung von Beleuchtungsprogrammen kann die Lichtphase in der Legehennenaufzucht verkürzt werden.

6

Beleuchtungsprogramme mit mehr als einer Dunkelphase pro 24 Stunden sind verboten.

Art. 46 TSchV Schutz vor Hitze

In neu eingerichteten Ställen müssen bei Hitze für Schweine ab 25 kg in Gruppenhaltung sowie Eber

Abkühlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Art. 27 Nutz- und HaustierV Schutz vor Kälte

1

Beim Unterschreiten folgender Temperaturen im Liegebereich muss der Boden im Liegebereich wärmegedämmt,

ausreichend eingestreut oder mit einer Heizung versehen sein:

a. 24 °C für Ferkel bis zum Absetzen;

b. 20°C für Ferkel vom Absetzen bis 25 kg;

c. 15°C für Schweine von 25 bis 60 kg;

d. 9°C für Schweine ab 60 kg.

2

Die Temperatur im Ferkelnest muss in den ersten Tagen nach der Geburt mindestens 30°C betragen.

3

Saugferkel müssen jederzeit Zugang zum Ferkelnest haben.

4

In Aussenklimaställen muss eine Liegekiste oder eine ähnliche Einrichtung vorhanden sein oder die Schweine

müssen die Möglichkeit haben, sich im Tiefstreubett einzugraben.

Art. 28 Nutz- und HaustierV Schutz vor Hitze

1Übersteigt die Temperatur in neu eingerichteten Ställen für Schweine ab 25 kg in Gruppenhaltung und für Eber

25°C, so ist den Tieren eine Abkühlungsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen.

2 Als Abkühlungsmöglichkeiten gelten Erdwärmetauscher, Zuluftkühlung, Bodenkühlung, Verneblungsanlagen

sowie mit Feuchtigkeit auf das Tier einwirkende Einrichtungen wie Duschen oder Suhlen.

3 Für Schweine in Freilandhaltung muss ab einer Lufttemperatur im Schatten von 25°C eine Suhle und bei starker

Sonneneinstrahlung eine ausreichend grosse beschattete Fläche ausserhalb der Liegehütten vorhanden sein.

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Nr. 8.7_(1)_d | Oktober 2009

Abschleifen der Zahnspitzen bei Ferkeln

Neugeborene Ferkel haben spitze Eckzähne, die beim Säugen zur Verteidigung der Zitze gegen

Wurfgeschwister eingesetzt werden können. Zur Vermeidung von Kopfverletzungen der Ferkel und

Bissverletzungen an den Zitzen der Muttersau wurden häufig diese Zähne durch Abklemmen

gekürzt. Das Abklemmen kann jedoch bei den Saugferkeln zur Zersplitterung des Zahnhalses, zur

Eröffnung der Zahnhöhle und zu Verletzungen des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut führen.

Solche Schädigungen stellen eine Eintrittspforte für Krankheitserreger dar. Zudem haben Ergebnisse

wissenschaftlicher Untersuchungen und Erfahrungen aus der Praxis in den letzten Jahren gezeigt,

dass die Nachteile des Eingriffs im Allgemeinen schwerer wiegen als die Vorteile.

Aus diesen Gründen ist das Abklemmen der Zähne bei Ferkeln verboten (Art. 18 TSchV). Erlaubt

bleibt das Abschleifen von Zahnspitzen (Art. 15 Abs. 2 Buchstabe f TSchV).

Geeignete Geräte

Zum Abschleifen der Zahnspitzen dürfen nur hierzu vorgesehene Geräte mit einem für diesen Zweck

vorgesehenen Schleifstein verwendet werden (Art. 29 Nutztier und HaustierV). Winkelschleifer,

Bohrmaschinen, Akkuschrauber etc. sind ungeeignet und dürfen nicht eingesetzt werden.

Fachgerechtes Abschleifen

Beim Einkürzen der Zähne durch Abschleifen und einer Beschränkung des Eingriffs auf die Zahnspitzen

können die Nachteile des Abklemmens weitgehend vermieden werden. Grundsätzlich ist es nicht

notwendig, den Eingriff im Bestand generell oder vorbeugend vorzunehmen. Das Abschleifen der

Zahnspitzen sollte sich auf begründete Einzelfälle, z.B. bei Milchmangel der Muttersau oder bei Verletzungen

des Gesäuges, beschränken.

Beim fachgerechten Abschleifen wird die Zahnspitze des Eckzahnes bis auf die Höhe der nebenstehenden

Zähne mit dem Schleifgerät entfernt. Kleine drehende Handbewegungen während des

Schleifvorgangs sorgen dafür, dass keine scharfen Ränder oder Kanten an den Zähnen entstehen.

Um Verletzungen der Ferkel durch ein Abrutschen mit dem Schleifgerät zu vermeiden, ist darauf zu

achten, dass die Tiere während des Eingriffs sicher fixiert sind.

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Gesetzliche Grundlagen

Tierschutzgesetz (TSchG), Tierschutzverordnung (TSchV) sowie Nutztier und

Haustierverordnung (Nutztier und HaustierV)

Art. 15 TSchV

1 Eine Schmerzausschaltung ist für Eingriffe nicht erforderlich, wenn sie nach tierärztlichem Urteil unzweckmässig

oder aus medizinischen Gründen nicht durchführbar erscheint.

2 Fachkundige Personen dürfen folgende Eingriffe ohne Schmerzausschaltung vornehmen:

....

f. das Abschleifen der Zahnspitzen bei Ferkeln.

3 Als fachkundig gelten Personen, die sich unter kundiger Anleitung und Aufsicht die notwendigen Kenntnisse und

die praktische Erfahrung mit einem Eingriff aneignen konnten und diesen regelmässig vornehmen.

Art. 18 TSchV Verbotene Handlungen bei Schweinen

a. das Coupieren des Schwanzes;

b. das Abklemmen der Zähne bei Ferkeln;

c. das Einsetzen von Nasenringen sowie Klammern und Drähten in die Rüsselscheibe.

Art. 29 Nutztier und HaustierV Abschleifen der Zahnspitzen

Zum Abschleifen der Zahnspitzen von Saugferkeln dürfen nur hierzu vorgesehene Geräte mit einem für diesen

Zweck vorgesehenen Schleifstein verwendet werden.

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Nr. 8.8_(1)_d | Oktober 2009

Wasserversorgung von Schweinen

Eine ausreichende Wasserversorgung ist für Schweine sehr wichtig. Wasser ist ein unverzichtbarer

Bestandteil verschiedener Körperflüssigkeiten und für die Temperaturregulation, den

Nährstofftransport im Blut und die Stoffwechselprozesse in den Zellen von entscheidender

Bedeutung. Es erstaunt daher nicht, dass sich ein Wassermangel sofort negativ auf die Zucht- und

Mastleistungen von Schweinen auswirkt.

Neben dem Wasser, das Schweine an der Tränke trinken, können sie je nach

Futterzusammensetzung auch mit der Nahrung kleinere oder grössere Mengen Wasser aufnehmen.

Darüber hinaus entsteht bei Stoffwechselprozessen als Ergebnis von biochemischen Reaktionen

Wasser, allerdings in relativ geringem Ausmass.

Zwischen Wasseraufnahme und Wasserverlust muss ein Gleichgewicht herrschen. Schweine

verlieren nicht nur Wasser über den Harn und den Kot. Auch beim Ausatmen geht Wasser verloren.

Die Tierschutzverordnung schreibt deshalb vor, dass Schweine jederzeit Zugang zu Wasser haben

müssen (Art. 45 Abs. 1 TSchV). Zu dieser Vorschrift besteht eine Übergangsfrist bis zum 31. August

2013 (Anhang 5 Ziffer 18 TSchV). Während dieser Übergangsfrist müssen die Schweine in jedem

Fall täglich Zugang zu Wasser haben.

Ausgenommen vom "jederzeitigen Zugang" zu Wasser sind Schweine in der Freilandhaltung, wenn

sie mehrmals täglich mit Wasser getränkt werden (Art. 45 Abs. 1 TSchV).

Wasserbedarf

Der Wasserbedarf pro Tag ist abhängig vom Alter, Gewicht und Zustand der Tiere (siehe Tabelle).

Besonders viel Wasser brauchen säugende Sauen. Die Bandbreite bei den in der Tabelle

aufgeführten Erfahrungswerten zeigt zudem, dass die Wasseraufnahme je nach

Haltungsbedingungen um bis zu 50% erhöht sein kann. So ist beispielsweise bei Hitze der

Wasserbedarf deutlich höher. Die Schweine geben dann bedingt durch eine Steigerung der

Atemfrequenz oder gar durch Hecheln viel Wasser mit der Atemluft ab. Ebenfalls erhöht ist der

Wasserbedarf, wenn die Schweine mit trockenem statt mit breiförmigem oder flüssigem Futter

gefüttert werden.

Besonders kritisch ist bei der Fütterung der Einsatz von stark salzigen Molkereiprodukten. Sofern

hier nicht genügend Wasser zur freien Aufnahme zur Verfügung steht, kann es zu schwerwiegenden

Stoffwechselstörungen mit Todesfolge kommen.

Bei der Wasserversorgung ist zudem zu beachten, dass es von Schwein zu Schwein grosse

Unterschiede im Wasserbedarf geben kann. In der Praxis kann es durchaus sein, dass ein einzelnes

Schwein, zum Beispiel wenn es Durchfall hat, ausserordentlich viel Wasser braucht. Die in der

Tabelle aufgeführten Wassermengen können daher nur als Richtwerte gelten. Um für alle Schweine

jederzeit eine ausreichende Wasserversorgung garantieren zu können, muss den Tieren permanent

Wasser zur freien Aufnahme angeboten werden.

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Fachinformation Tierschutz Nr. 8.8_(1)_d | Oktober 2009

Regelmässige Kontrollen der Tränken

Neben der Wassermenge ist auch die Wasserqualität wichtig. Deshalb sollten Tierhaltende

regelmässig kontrollieren, ob die Tränken funktionieren oder übermässig verschmutzt sind. Bei

solchen Kontrollen würde auch auffallen, wenn eine Tränke leck ist und Wasser unnötig verbraucht

würde.

Wasserbedarf in Liter pro Tier und Tag

Saugferkel inkl. Milch 1-2

Absetzferkel 1-3,5

Mastschwein 30 kg 3-4

Mastschwein 70 kg 6-8

Jungsau 120 kg 5-10

Trächtige Sau 12-20

Säugende Sau 25-35

Quelle: www.bal.bmlf.gv.at/publikationen/bautag99/schafzah99.pdf

Gesetzliche Grundlagen

Tierschutzgesetz (TSchG), Tierschutzverordnung (TSchV) sowie Nutztier und

Haustierverordnung (Nutztier und HaustierV)

Art. 4 TSchV Fütterung

1 Tiere sind regelmässig und ausreichend mit geeignetem Futter und mit Wasser zu versorgen. Werden Tiere in

Gruppen gehalten, so muss die Tierhalterin oder der Tierhalter dafür sorgen, dass jedes Tier genügend Futter und

Wasser erhält.

2 Den Tieren ist die mit der Nahrungsaufnahme verbundene arttypische Beschäftigung zu ermöglichen.

3 Lebende Tiere dürfen nur für Wildtiere als Futter verwendet werden. Voraussetzung dafür ist, dass das Wildtier

normales Fang- und Tötungsverhalten zeigt und:

a. die Ernährung nicht mit toten Tieren oder anderem Futter sichergestellt werden kann;

b. eine Auswilderung vorgesehen ist; oder

c. Wildtier und Beutetier in einem gemeinsamen Gehege gehalten werden, wobei das Gehege auch für das

Beutetier tiergerecht eingerichtet sein muss.

Art. 45 TSchV Fütterung

1 Schweine müssen jederzeit Zugang zu Wasser haben, ausgenommen bei Freilandhaltung, wenn sie mehrmals

täglich mit Wasser getränkt werden.

2 Bei der Gruppenhaltung muss bei Trockenfütterung pro 12 Tiere und bei Flüssigfütterung pro 24 Tiere eine

Tränkestelle vorhanden sein.

3 Rationiert gefütterten Zuchtsauen, Zuchtremonten und Ebern muss in Ergänzung zum Kraftfutter ausreichend

Futter mit hohem Rohfaseranteil zur Verfügung stehen.

Art. 7 Nutztier und HaustierV Dauernde Haltung im Freien: Kontrolle der Tiere, Einstallung bei Geburt

1 Der Gesundheitszustand und das Wohlergehen der Tiere sind täglich zu kontrollieren, insbesondere der

Allgemeinzustand und das Auftreten von Verletzungen, Lahmheiten, Durchfall und anderen Krankheitsanzeichen.

Ist die Versorgung der Tiere mit Wasser und Futter sicher gestellt, kann ausnahmsweise auf den Kontrollgang

verzichtet werden.

....

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Nr. 8.9_(1)_d | Oktober 2009

Schutz vor Kälte und Anforderungen

an Liegekisten für Schweine

Schutz vor Kälte

In nicht-isolierten Ställen, so genannten Kaltställen, fühlen sich Schweine wohl. Die Halter müssen

den Stall jedoch so einrichten, dass die Tiere nicht frieren und ihren Liegebereich nicht verkoten.

Besonders kleine und leichte Schweine frieren bei tiefen Temperaturen rasch. Sie zeigen dies, indem

sie nicht mehr in entspannter Seitenlage ruhen, sondern sich in Bauchlage auf die Gelenke

abstützen. Dadurch verringern die Tiere den auskühlenden Bodenkontakt. Ist ihre Kälte-Toleranz gar

überschritten, legen sie sich in Haufen übereinander, um die Körperwärme der Buchtengenossen zu

nutzen. Bei besonders arger Kälte verfallen die Tiere in Kältezittern.

So weit darf es auch in einem Kaltstall nicht kommen. Wichtig für den Schutz vor Kälte ist die

Ausgestaltung des Liegebereichs. Dieser darf keine Zugluft aufweisen und muss den

Temperaturbedürfnissen der Schweine Rechnung tragen. In Aussenklimaställen müssen deshalb

Liegekisten oder ähnliche Einrichtungen vorhanden sein, in denen Temperaturen wie im Warmstall

erreicht werden können, oder die Schweine müssen die Möglichkeit haben, sich im Tiefstreubett

einzugraben (Art. 27 Abs. 4 Nutztier und HaustierV).

Unterhalb welcher Temperatur, die im Liegebereich oder in der Liegekiste herrscht, Massnahmen

ergriffen werden müssen, ist in Art. 27 Abs. 1 der Nutz- und Haustierverordnung festgelegt (siehe

Tabelle). Werden diese Temperaturen unterschritten, muss der Boden im Liegebereich

wärmegedämmt, ausreichend eingestreut oder mit einer Heizung versehen sein. Die Isolierung des

Bodens kann analog einer Tiefstreuliegefläche mit Stroh, Sägemehl, Chinaschilf oder ähnlichem

(Holzboden) erfolgen.

Beim Unterschreiten folgender Temperaturen im Liegebereich muss der Boden im Liegebereich

wärmegedämmt, ausreichend eingestreut oder mit einer Heizung versehen sein (Art. 27 Absatz 1

Nutz- und HaustierV):

Temperaturgrenzen

im Liegebereich

Ferkel bis

zum Absetzen

Absetzferkel

bis 25 kg

Schweine

25 - 60 kg

Schweine

ab 60 kg

24 O C 20 O C 15 O C 9 O C

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Liegebereich und Liegekisten

Ein warmer Liebebereich nützt aber nicht nur den Schweinen. Die Massnahmen fördern auch die

Sauberkeit im Stall. Nur wenn sich die Tiere genügend aufwärmen können, verlassen sie in

Kaltzeiten den Liegebereich zum Koten und Harnen und halten ihn so sauber.

Darüber hinaus ist die Grösse der Liegekisten entscheidend für deren Sauberkeit.Sie sollen nicht zu

gross bemessen sein, so dass die Schweine die Kisten für das Koten und Harnen verlassen.

Deshalb darf bei der Verwendung von Liegekisten ein Teil der vorgeschriebenen Liegefläche

ausserhalb der Kisten liegen (Art. 25 Abs. 2 Nutz- und HaustierV). Mit dieser Regelung haben die

Schweine in der warmen Jahreszeit die Möglichkeit, auch Bereiche ausserhalb der Kiste als

Liegefläche zu nutzen. Die Fläche in der Kiste muss aber mindestens so bemessen sein, dass darin

alle Tiere einer Bucht gleichzeitig darauf liegen können (Art. 25 Abs. 1 Nutz- und HaustierV).

Gesetzliche Grundlagen

Tierschutzgesetz (TSchG), Tierschutzverordnung (TSchV) sowie Nutztier und

Haustierverordnung (Nutz- und HaustierV)

Art. 11 TSchV Raumklima

1 In Räumen und Innengehegen muss ein den Tieren angepasstes Klima herrschen.

2 Bei geschlossenen Räumen mit künstlicher Lüftung muss die Frischluftzufuhr auch bei Ausfall der Anlage

gesichert sein.

Art. 25 Nutz- und HaustierV Liegeflächen

1 Wird der Liegebereich in Haltungssystemen für abgesetzte Ferkel und Mastschweine nach Anhang 1 Tabelle 3

Anmerkung 8 TSchV verkleinert, so muss der Liegebereich so gross sein, dass alle Tiere einer Bucht gleichzeitig

nebeneinander darauf liegen können.

2 Entspricht in Haltungssystemen mit Liegekisten die Fläche des Liegebereichs in den Liegekisten nicht den

Mindestanforderungen nach Anhang 1 Tabelle 3 Ziffern 32, 321–323 TSchV, so muss ausserhalb der Liegekisten

noch genügend Liegefläche vorhanden sein, um diesen Mindestanforderungen zu genügen.

Art. 27 Nutz- und HaustierV Schutz vor Kälte

1 Beim Unterschreiten folgender Temperaturen im Liegebereich muss der Boden im Liegebereich wärmegedämmt,

ausreichend eingestreut oder mit einer Heizung versehen sein:

a. 24° C für Ferkel bis zum Absetzen;

b. 20° C für Ferkel vom Absetzen bis 25 kg;

c. 15° C für Schweine von 25 bis 60 kg;

d. 9° C für Schweine ab 60 kg.

2 Die Temperatur im Ferkelnest muss in den ersten drei Tagen nach der Geburt mindestens 30° C betragen.

3 Saugferkel müssen jederzeit Zugang zum Ferkelnest haben.

4 In Aussenklimaställen muss eine Liegekiste oder eine ähnliche Einrichtung vorhanden sein oder die Schweine

müssen die Möglichkeit haben, sich im Tiefstreubett einzugraben.

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Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement EVD

Bundesamt für Veterinärwesen BVET

Kommunikation (KOM)

SCHWEINE: Was sich mit der neuen Tierschutzgesetzgebung ändert

Die neue Tierschutzgesetzgebung zeigt die Schweinehaltung der Zukunft auf. Im Zentrum steht

die Verantwortung der Tierhaltenden: Sie müssen die Bedürfnisse ihrer Tiere kennen. Schweine

sollen künftig ständig Zugang zu Beschäftigungsmaterialien und Wasser haben und sie

sollen auf tiergerechten Böden liegen können. Für bauliche Anpassungen haben Schweinehaltende

teilweise bis zu 15 Jahren Zeit.

Die Bedürfnisse von Tieren zu kennen, ist die Grundlage einer tiergerechten Haltung. Künftige

Schweinehaltende müssen sich deshalb ausbilden. Wer mehr als 10 Grossvieheinheiten hat, braucht

eine landwirtschaftliche Ausbildung. Bei mehr als drei Schweinen, aber weniger als 10 Grossvieheinheiten,

reicht eine Basisausbildung (Sachkundenachweis). Schweinehaltende sollen sich immer wieder

informieren. Auf dem Portal „Tiere richtig halten“ schildert das Bundesamt für Veterinärwesen die

Tierschutzvorgaben. Das Angebot wird laufend ausgebaut durch Fachinformationen, Grafiken, Videos

und mehr. Per Newsletter bleiben Schweinehaltende auf dem Laufenden.

Beschäftigung und Fressen

Schweine müssen nicht nur genügend Futter aufnehmen können, um ihren Hunger zu stillen. Das

Fressen ist auch eine wichtige Beschäftigung für die Tiere. Bei Mangel an geeigneten Beschäftigungsmaterialien

können schwere Verhaltungsstörungen auftreten: Die Schweine beginnen in Stangen

oder sich gegenseitig in die Schwänze zu beissen. Deshalb sollen Schweine in Zukunft jederzeit

Zugang zu Beschäftigungsmaterialien haben. Bei rationierter Fütterung, wenn Schweinen nicht unbegrenzt

Nahrung angeboten wird, stellt sich ein weiteres Problem. Das Kraftfutter liefert zwar die nötigen

Kalorien, nur durch ausreichend Rohfaser ist auch der Hunger der Schweine gestillt. Neu muss

rationiert gefütterten Zuchtsauen und Ebern deshalb neben Kraftfutter ausreichend rohfaserreiches

Futter angeboten werden.

Gegen Überhitzung und Durst

Schweine können nicht schwitzen und sind deshalb besonders hitzeempfindlich. In neu eingerichteten

Ställen müssen deshalb Abkühlungsmöglichkeiten wie Duschen, Erdwärmetauscher, Bodenkühlung

oder Vernebelungsanlagen eingebaut werden. Zudem brauchen Schweine ab 2013 ständig Zugang

zu Wasser.

Auf den Boden kommts an

Der Boden ist im wörtlichen Sinn die Grundlage einer guten Tierhaltung. Dort, wo die Tiere abliegen,

darf er ab 2018 nicht mehr voll perforiert sein. Diese Vorschrift ist an sich nicht neu – sie galt bereits

seit 1997 für Um- und Neubauten.

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Ferkel schonend kastrieren

Das Tierschutzgesetz verbietet die Kastration von Ferkeln ohne Schmerzausschaltung auf Anfang

2009, mit der Möglichkeit, bis zu zwei Jahren für die Einführung der neuen Methoden zu geben. Das

ist seit 2005 bekannt. Jetzt hat der Bundesrat entschieden: Ab dem 1. Januar 2010 dürfen Ferkel nur

noch unter Schmerzausschaltung kastriert werden. Bis Ende 2008 werden mehrere taugliche Methoden

entwickelt sein, um den Ebergeruch zu verhindern, der bei unkastrierten Ebern auftreten kann.

Zum einen können Ferkel nach einer Gasnarkose und verabreichtem Schmerzmittel kastriert werden.

Zum andern steht auch eine Methode zur Verfügung, die ohne chirurgische Kastration auskommt. Der

Ebergeruch wird durch eine Impfung verhindert. Für die Einführung der Methoden haben Schweinehaltende

bis Ende 2009 Zeit.

Für die Zukunft gewappnet

Mit der neuen Tierschutzgesetzgebung erreicht die Schweiz auch künftig ein hohes Niveau in der

Tierhaltung. Gut zu unseren Tieren zu schauen, ist aus ethischer Sicht wichtig. Aber auch aus ökonomischer

Sicht wird das zentral sein. KonsumentInnen wollen Produkte von gut gehaltenen Tieren.

Das soll für Schweizer Lebensmittel generell gelten und wird der Landwirtschaft helfen, ihre Produkte

im In- und Ausland zu verkaufen.

Klarere Vorschriften

Die neue Tierschutzgesetzgebung ist klarer. Bisher waren weitere Bestimmungen für Schweine in

Richtlinien ausformuliert. Dabei war rechtlich nie ganz eindeutig, ob dies nun Vorschriften oder Empfehlungen

waren. Die Richtlinien werden deshalb abgeschafft. Neu finden sich die Bestimmungen in

der Tierschutzverordnung und in Amts- beziehungsweise Departementsverordnungen. Damit ist auch

für Tierhaltende nun deutlicher, was wirklich vorgeschrieben ist.

Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick

Schweine müssen sich jederzeit beschäftigen können. Dies beugt schweren Verhaltungsstörungen

vor. Für bauliche Anpassungen bleibt Zeit bis 2013.

Schweine brauchen ab 2013 jederzeit Zugang zu Wasser.

• Bei rationierter Fütterung brauchen Zuchtsauen, Zuchtremonten und Eber ausreichend rohfaserreiches

Futter.

• In neu eingerichteten Ställen müssen für Schweine über 25 Kilogramm Abkühlungsmöglichkeiten

eingerichtet werden.

• Ab 2018 darf der Boden in Mastschweineställen nicht mehr voll perforiert sein, sondern nur noch

einen geringen Perforationsanteil zum Abfliessen von Flüssigkeiten aufweisen.

• Ab 2010 dürfen Ferkel nur noch unter Schmerzausschaltung kastriert werden.

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