PONTISCHE VASEN - L'Erma di Bretschneider

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PONTISCHE VASEN - L'Erma di Bretschneider

PONTISCHE VASEN

DJE sogenannten pontischen Vasen kommen alle aus italienischem Boden, genauer, soweit Beglaubi-

gung vorliegt, aus Etrurien; voran steht als Fundplatz pontischer Vasen die Nekropole von Vulci, an

zweiter Stelle Cervetri. Sonderbar ist die Benennung der Gattung, sie geht auf Ferdinand Dümmlert

zurück, der sie als erster vollständig behandelte. Auf der Amphora des Museo Gregoriano (III, 1) sah er in Taf. 8a-9a

den nach Art der asiatischer Bogenschützen gekleideten drei Reitern, die fliehend mit dem Bogen auf ihre Ver-

folger zu Pferde schießen, den Beweis für die Verfertigung dieser Vasen in einer unbestimmten griechischen

Kolonie des Schwarzen Meeres, weil diese barbarischen Reiter nach seiner Meinung nichts anderes als

Skythen sein konnten, nach einer Her οdοtstelle (VII, 64). Daher der Name „Pontische Vasen". Er hat,

obwohl völlig konventionell und auf eine falsche Annahme gegründet, Glück gehabt und ist geblieben.

Welch anderer könnte ihn ersetzen, der spezifischen Charakter hätte und nicht zu allgemein wäre?

Schon beim blοßen Gedanken an die ausschließliche Herkunft der Gattung aus Mittelitalien (Etrurien)

erhellt das Absurde der Dümmlerschen Hypothese. Zwischen dem Schwarzen Meer und Etrurien gab es

wahrlich zahlreiche Zentren griechischer Keramik, die leicht den Etruskern Vasen genug aus eigener

Werkstatt liefern konnten, ohne daß die Schi ffer sich bis zu jenen ungastlichen Gestaden bemühten und

Vasenfracht holten 2 .

Die angeblichen Skythen Dümmlers erscheinen zunächst in der kleinasiatisch-jonischen Keramik : das

bekannteste Beispiel ist der klazomenische Sarkophag des British Museum 3 mit einer Schlacht, in der die

Dümmlerschen Skythen, d. h. asiatische Reiter gegen griechische Hopliten kämpfen. Diese asiatische

Tracht findet sich auch bei Bogenschützen zu Fuß 4, auch im attischen Bereich 3.

Von allen pontischen Amphoren — die Amphora ist die vorwiegende Form der Gattung — ist die bekann-

teste die Münchener aus Vulci (I, 1). Auch heute, nach dreißig Jahren, kann man fast nur Adolf Furt- Taf. 1-2

wänglers bleibenden Kommentar wiederholene.

Zunächst die Vasenform. Sie ist archaisch, hat noch etwas unbestimmtes, nicht gefestigtes in dem

Fehlen klarer Sonderurig zwischen Henkeln und Vasenkörper, zwischen Hals, Bauch und Fuß, im Vergleich

mit korinthischen, chalkidischen, attischen Amphoren. Unsere pontische Amphora nähert sich den Tyrrhe-

nischen, auch in der Art der Friessetzung, aber die Tyrrhenischen, die eine Klasse attischer Keramik der

Ι RI. 2 1887, 171ff. und ΚΙ. Schriften 3, 239 11.; gleichzeitig E. Pottier in Dumont-Chaplain, Les céramiques de la Grèce

propre 1 (1888), 269ff.

2 Gelegentlichen Handelsverkehr zwischen Etrurien und dem Pontus gab es. Für etruskische Bronzen und Gemmen in S lidruBland

s. Jacobsthal-Langsdorff, Bronzeschnabelkannen 46, 6. Umgekehrt ist wohl über den Pontus nach Praeneste aus dem

Kaukasus die bronzene Panterprotome Mühlestein Abb. 114/115 gekommen.

' Murray, Terracotta sarcophagi pl. I; Pfuhl 1, 169 Abb. 139. Hier ist der Re flex der dem jonisch-asiatischen Kreis eigenen

Schlachten, vom Bilde des Bularchos von Samos aus dem 7. Jahrhundert init dem Kampf der Kimmerierhorden gegen die Magnesier

bis zu dem Gemälde des Kalliphron von Samos mit dem Homerischen Kampf bei den Schiffen. Vielleicht ist ein fernerer

Nachklang solcher Richtung jonisch-asiatischer Malerei auf der oben genannten Vatikanischen Amphora. Vgl. R. Zahn, Die

Darstellung der Barbaren (Diss. Heidelberg 1896.).

4 Auf dem Oberstreifen einer etruskischen Amphora in Wilrzburg (ost. Jahr. 13 1910 Taf. 5-8); auf einem Bronzeblech von

Castelli S. Mariano im Museum von Perugia (Ant. Denkm. 2 Taf. 14). Und auf ionischen Vasen die Amazonentracht. S. die

Fragmente von Tell Defenneh im British Museum (Ant. Denkm. 2 Taf. 21, 3).

8 Sf. und rf. Schale des Andokides in Palermo BAI 8 Nr. 12; sf. Amphora Berlin F. 1865.

s FR. 1, S. 93 ff.

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