P. T. MAGAZIN 04/2013
Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung
Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung
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Offizielles Magazin<br />
des Wettbewerbes<br />
„Großer Preis<br />
des Mittelstandes“ P.T.<br />
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<strong>MAGAZIN</strong><br />
für Wirtschaft und Gesellschaft<br />
Vertrauen<br />
gibt’s nicht zum Nulltarif –<br />
Über Dollars, Bundestag, Steuern,<br />
Versicherungen & Straßenverkehr<br />
US-Aufschwung<br />
Die vermeintliche Reindustrialisierung<br />
der Weltmacht<br />
Nachfolgeregelung<br />
So verkaufen Sie Ihr<br />
Unternehmen richtig<br />
Steuerhinterziehung Deluxe<br />
Schenken, Erben, Steuern<br />
vermeiden<br />
Versicherungen der Zukunft<br />
Denkanstöße für eine<br />
konservative Branche<br />
9. Jahrgang | Ausgabe 4 | <strong>2013</strong> | ISSN 1860-501x | 3 Euro
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Was ist Vertrauen?<br />
Was für eine dumme Frage, werden<br />
Sie denken, das weiß doch jedes Kind:<br />
Ohne ein Mindestmaß an Vertrauen<br />
ist weder Kommunikation noch Zusammenarbeit<br />
möglich. In einer Welt ohne<br />
Vertrauen herrscht totales Misstrauen,<br />
Gesinnungsterror. Eine solche Welt ist<br />
die Hölle. Diese Hölle gab es auf Erden<br />
schon öfter. Gesellschaften, in denen<br />
„Die Gedanken sind frei“ nur für Gedanken<br />
galt, die nicht „böse“ waren. Gesinnungsterror<br />
führte zu Scheiterhaufen,<br />
Konzentrations- und Vernichtungslagern<br />
und Gulags. Und oft begann<br />
„Der Weg zur Knechtschaft“ (Friedrich<br />
August von Hayek) mit den besten<br />
Absichten.<br />
Unser Alltag ist durchdrungen von<br />
gegenseitigem Vertrauen. Für uns ist<br />
das meist völlig selbstverständlich. Wir<br />
nehmen das so wenig wahr, wie der<br />
Fisch das ihn umgebende Wasser. Wenn<br />
wir am zweiten Tag im Hotel nach<br />
einem Spaziergang unseren Zimmerschlüssel<br />
verlangen, erwarten wir, dass<br />
der Azubi an der Rezeption uns nicht für<br />
Betrüger hält. Im Restaurant erwarten<br />
wir eine unbeschwerte, lockere Atmosphäre.<br />
Würde der Kellner ständig hinter<br />
uns stehen, damit wir nicht die<br />
Zeche prellen, ginge uns das ziemlich<br />
auf die Nerven. Und beim Arzt erwarten<br />
wir selbstverständlich, dass dieser alle<br />
nötigen Ausbildungen und Lizenzen hat<br />
und uns nicht – wie der Hochstapler<br />
Gerd Postel – einen Arzt bloß vorspielt.<br />
Unser Mitarbeiter Heiner K. (Name<br />
geändert) ist chronisch krank und<br />
steht auf der Warteliste für eine Nierenspende.<br />
Er vertraut darauf, dass bei<br />
diesem System alles mit rechten Dingen<br />
zugeht. Er vertraut darauf, dass<br />
er solange dreimal wöchentlich zur<br />
Blutwäsche gehen kann, bis er „an der<br />
Reihe“ ist und ein passender Spender<br />
gefunden ist. Die Ärzte, die im Organspende-Skandal<br />
Wartelisten manipulierten,<br />
missbrauchten sein Vertrauen.<br />
Doch auch die Journalisten, deren<br />
skandalisierende Berichterstattung die<br />
Spenderbereitschaft dramatisch einbre-<br />
chen ließ, missbrauchten das Vertrauen<br />
von Heiner K. Denn seine Chancen sind<br />
durch die Art dieser Berichterstattung<br />
noch weiter gesunken.<br />
Im vorliegenden P.T. Magazin Nr.<br />
4/<strong>2013</strong> nähern wir uns dem Thema Vertrauen<br />
von mehreren Seiten. Fiat Money<br />
ohne Deckung ist – Vertrauen auf Gott.<br />
Solange wir alle bunte Papierscheine<br />
als Geld ansehen, können wir damit<br />
einkaufen. Wie lange dies für den Dollar<br />
noch gilt, ist nach Paul Craig Roberts<br />
völlig offen.<br />
Vor einem Jahr berichteten wir im<br />
Beitrag „Aufstand der Scheinheiligen“<br />
über regelwidrige Abstimmungen im<br />
Bundestag. Bundestagsvizepräsident<br />
Hermann Otto Solms (FDP) versucht im<br />
vorliegenden Heft mit einem Namensartikel<br />
Vertrauen in die parlamentarische<br />
Arbeitsweise zurückzugewinnen.<br />
„Den Politikern“ wird immer weniger<br />
vertraut, wie Europas größte Verbraucherstudie<br />
ergab. Feuerwehrleute, Krankenschwestern,<br />
Piloten sind die drei<br />
vertrauenswürdigsten Berufe Deutschlands.<br />
Wer Risiken absichern will, muss<br />
Versicherungen vertrauen. Wie offen<br />
deren Zukunft selbst ist, beschreibt<br />
Dozent Jörg Wallner.<br />
Sollten sich alte und neue Unsicherheiten<br />
zu einer „Misstrauensgesellschaft“<br />
weiter verdichten, dann sieht<br />
Ansgar Lange die „(Wut)Bürger auf den<br />
Barrikaden“. Kein Wunder, wenn sogar<br />
90 Prozent der Steuerbescheide bei<br />
Schenkungsvorgängen falsch sind, wie<br />
Rechtsanwalt Johannes Fiala berichtet<br />
oder sich Deutschlands Autofahrer wie<br />
Zitronen fühlen, die von konzeptionslosen<br />
Politikern ausgepresst werden,<br />
wie Prof. Arnd Joachim Garth glossiert.<br />
Es gibt wirklich viel zu tun. Packen wir es<br />
an: Im September ist Bundestagswahl. n<br />
Dr. Helfried Schmidt<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 3<br />
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Seite 42<br />
Steuerhinterziehung Deluxe<br />
Steuerpflicht bei Schenkungen - Fallstricke<br />
für Schenker, Beschenkte und Behörden<br />
Balleinladung... Seite 26<br />
… für die Auszeichnungsveranstaltungen<br />
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Euro 140,– zzgl. MwSt. pro Karte*<br />
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Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen<br />
Euro 140,– zzgl. MwSt. pro Karte*<br />
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n 26. Oktober <strong>2013</strong>, Maritim Hotel Berlin<br />
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Bundesball – Verleihung der Sonderpreise und Ehrenplaketten<br />
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Die von mir bestellte(n) Karte(n) bezahle ich per Überweisung an:<br />
Raiffeisen Landesbank Oberösterreich ZNdl Süddeutschland<br />
BLZ 740 20 100 • Konto-Nr. 830 4313<br />
(Kennwort: „Großer Preis des Mittelstandes“)<br />
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Wochen vor der jeweiligen Veranstaltung berechnen wir eine Stornogebühr von 100%. Bei sonstigen Stornierungen berechnen wir<br />
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Preis regulär: 240,- zzgl. MwSt., Berlin 250,- zzgl. MwSt. (Alle Preise in Euro)<br />
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Ort/Datum Unterschrift<br />
(Foto: Howard Dickins/Flickr.com)<br />
In diesem Heft<br />
Seite 10<br />
Gesellschaft<br />
6 Wirtschaftshype made in USA<br />
Die vermeintliche Reindustrialisierung<br />
der Weltmacht<br />
8 Nährboden für Korruption<br />
Die Wirtschaftskrise Europas erhöht<br />
den finanziellen Druck<br />
10 Ein schwerfälliges Verfahren<br />
Die parlamentarische Arbeitsweise<br />
muss besser erklärt werden<br />
12 Was mich nicht umbringt<br />
Asiatische Marienkäfer sind weltweit<br />
auf dem Vormarsch<br />
14 Big Data – Big Irrtum<br />
Auch der Spiegel beerdigt die<br />
Zukunft – Dabei gilt: Gewiss ist nur<br />
die Ungewissheit<br />
16 Entfesselte Bildung<br />
Das Streben nach dem individuellen<br />
Glück<br />
Oskar-Patzelt-Stiftung<br />
18 Anleitung zum Unternehmens-<br />
verkauf<br />
Und für den Notfall: Tipps für eine<br />
ungeplante Nachfolge<br />
Ein schwerfälliges Verfahren<br />
Die parlamentarische Arbeitsweise<br />
muss besser erklärt werden<br />
Seite 54<br />
Phantasie schlägt Preis<br />
Wie Sie sich auf einem gesättigten<br />
Markt etablieren und der<br />
Preisschlacht ausweichen<br />
20 Unternehmens-Steuerung<br />
Viele Führungskräfte steuern ihr<br />
Unternehmen im Blindflug<br />
21 Judorolle gegen Krise<br />
Neues Risikomanagement für das<br />
resiliente Unternehmen<br />
22 Die vertrauenswürdigsten Berufe<br />
Deutsche vertrauen Apothekern,<br />
Krankenschwestern und der Feuerwehr<br />
23 Es kommt nicht auf die Größe an<br />
Die wertvollsten Städte Deutschlands<br />
in der Börsenliga<br />
Wirtschaft<br />
30 Die Zukunft der Versicherungen<br />
Herausforderungen für eine konservative<br />
Branche, die die neuen Unsicherheiten<br />
der Gesellschaft verkennt<br />
32 Schlüsseltechnologie Selbstzündung<br />
Chancen für den europäischen<br />
Markt für erdgasbetriebene Nutzfahrzeuge<br />
34 Afrikanisches Jahrhundert<br />
Südafrika’s neue Mittelschicht: jung,<br />
gebildet und konsumfreudig<br />
(Foto: Deutscher Bundestag/Marc-Steffen Unger)<br />
(Foto: Henry./Flickr.com)<br />
Die Zukunft der Versicherungen<br />
Herausforderung für eine<br />
konservative Branche<br />
36 Schwule retten Reisewirtschaft<br />
Der Tourismus profitiert von zahlungskräftigen<br />
homosexuellen Reisenden<br />
38 Bürger auf den Barrikaden<br />
Und die Politik handelt weiter nach<br />
dem Mikado-Prinzip<br />
42 Steuerhinterziehung Deluxe<br />
Vernetzte Fahrzeuge machen den<br />
Verkehr sicherer<br />
45 Autos müssen chatten<br />
Steuerpflicht bei Schenkungen - Fallstricke<br />
für Schenker, Beschenkte und<br />
Behörden<br />
46 Drohnen und Solar<br />
Wärmebildkameras vom Weltmarktführer<br />
für erneuerbare Energien<br />
50 Die richtigen Fragen<br />
Mitarbeiter mobilisieren, sie zu<br />
kostenlosen Unternehmensberatern<br />
machen und von ihnen lernen<br />
54 Fantasie schlägt Preis<br />
Wie Sie sich auf einem gesättigten<br />
Markt etablieren und der Preisschlacht<br />
ausweichen<br />
56 Die optimale Produktion<br />
Einsparpotentiale einer Dienstleistungsgesellschaft<br />
Seite 30<br />
Spezial | Regional<br />
Nordrhein-Westfalen<br />
58 Von guten Beispielen lernen<br />
Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister<br />
Garrelt Duin über Mittelstandsnahe<br />
Wirtschaftspolitik<br />
59 Vom Minijobber zum Marktmanager<br />
Wer Vertrauen säht wird Leistung<br />
ernten<br />
60 Im Zeichen der Zukunft<br />
Essen ehrt seinen Mittelstand – auf<br />
dem Mittelstandsempfang <strong>2013</strong><br />
62 Mittelstand im Rampenlicht<br />
Die IHK und die regionale Servicestelle<br />
des Kreises Bonn/Rhein-Sieg<br />
küren ihren Mittelstand<br />
Lifestyle | Auto<br />
64 Ohne Gegenleistung<br />
Deutschlands Autofahrer sind Zitronen.<br />
Die Politik presst sie gerne aus.<br />
Leserbriefe | Impressum<br />
66 Lob und Kritik zum letzten Heft<br />
(Foto: vorsprach/Flickr.com)<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 5<br />
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Gesellschaft<br />
Wirtschaftshype made in USA<br />
Vater Staat belagert die Geisterstädte<br />
Derzeit veröffentlichen die Medien fast<br />
täglich Berichte, in den Vereinigten Staaten<br />
habe ein breiter wirtschaftlicher Aufschwung<br />
eingesetzt und das Land stehe<br />
vor einer allmählichen Reindustrialisierung.<br />
Vor allem der „wettbewerbsfähige“<br />
Wechselkurs des US-Dollars und die<br />
Schiefergasrevolution mit Hilfe des Frackings,<br />
die im Inland eine neue, kostengünstigere<br />
Energiequelle erschließen soll,<br />
werden als treibende Kräfte einer für die<br />
USA günstigen wirtschaftlichen Entwicklung<br />
ausgemacht. Und diese gehe zu<br />
Lasten der Schwellenländer.<br />
Medienberichten zufolge hat beispielsweise<br />
Manoj Pradhan, „Schwellenländerexperte“<br />
bei Morgan Stanley, gegenüber<br />
der Nachrichtenagentur Reuters<br />
gesagt: „Vor dem Hintergrund des Schuldenabbaus<br />
der US-Haushalte könnte es<br />
gut sein, dass Investitionen und Produktion<br />
zu einem nachhaltigen Wachstum<br />
führen. Denken Sie einen Augenblick darüber<br />
nach, was das für die Schwellenländer<br />
bedeutet: Die USA werden als Wettbewerber<br />
– nicht als Konsument – zu<br />
nachhaltigem Wachstum zurückkehren.“<br />
Ein beeindruckendes Statement. Doch<br />
wie sieht die Realität aus?<br />
Das BIP wird überschätzt<br />
Entgegen den Medienberichten steckt<br />
die US-Wirtschaft nach wie vor in der Rezession.<br />
Ein realer Aufschwung ist nicht<br />
in Sicht. Nur zwei ökonomische Kennziffern<br />
weisen auf eine wirtschaftliche<br />
Erholung hin: das offizielle reale BIP und<br />
die U-3-Arbeitslosenquote (Prozentanteil<br />
der über 25 Jahre alten Arbeitslosen an<br />
der über 25 Jahre alten zivilen Erwerbsbevölkerung).<br />
Das offizielle BIP ist um eine<br />
unrealistisch niedrige Inflationsrate deflationiert.<br />
Statt der offiziell gemeldeten<br />
Inflationsrate von zwei Prozent (CPI-U)<br />
sieht Statistiker John Williams von Shadowstats.com<br />
die wahre US-Inflationsrate<br />
aktuell bei 9,6 Prozent (er misst die<br />
Inflationsrate weiterhin anhand der Methode,<br />
mit der die US-Regierung sie noch<br />
1990 offiziell gemessen hat).<br />
Mit anderen Worten: Die Höhe des<br />
realen BIP wird überschätzt. Die U-3-Arbeitslosenquote<br />
sinkt nur deshalb, weil<br />
sie nicht all jene Arbeitskräfte mitzählt,<br />
die ihre Arbeitsplatzsuche entmutigt<br />
aufgegeben haben. Vielmehr beträgt<br />
die tatsächliche Arbeitslosenquote das<br />
Zwei- bis Dreifache der offiziell gemeldeten<br />
Quote.<br />
Die Mittelklasse löst sich auf<br />
Keine andere ökonomische Kennzahl<br />
deutet auf eine Erholung der US-Wirtschaft<br />
hin – weder die realen Einzelhandelsumsätze<br />
noch der Haus- und Wohnungsbau,<br />
das Konsumentenvertrauen,<br />
die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung<br />
oder die durchschnittlichen<br />
Wochenlöhne und -gehälter.<br />
Die realen Einkommen der Konsumenten<br />
in den USA stagnieren oder<br />
fallen sogar. Ohne wachsende Konsumnachfrage<br />
kann eine Volkswirtschaft, die<br />
von der Konsumnachfrage abhängig ist,<br />
allerdings nicht vorankommen. Die De-<br />
Industrialisierung hat den Vereinigten<br />
Staaten das Genick gebrochen. Im Zuge<br />
des Offshorings – der Verlagerung der<br />
Produktion von Waren für den amerikanischen<br />
Markt in Billiglohnländer, um<br />
Lohnunterschiede auszunutzen – wurden<br />
bereits Millionen Arbeitsplätze der<br />
amerikanischen Mittelklasse vernichtet.<br />
Die einst so dynamische Mittelklasse löst<br />
sich auf. Die Dimensionen sind gewaltiger,<br />
als das in Europa in aller Regel<br />
wahrgenommen wird: Laut Manufacturing<br />
and Technology News vom September<br />
2011 wurden in den USA innerhalb<br />
von zehn Jahren knapp 55.000 Fabriken<br />
stillgelegt. Die Zahl der Arbeitnehmer<br />
in der verarbeitenden Industrie ging um<br />
fünf Mio. Menschen zurück.<br />
Arbeitsplätze werden ins Ausland<br />
verlagert<br />
Der Arbeitsplatzabbau beschränkt sich<br />
nicht auf die Produktion von Waren.<br />
Vielmehr folgen viele Arbeitsplätze des<br />
Dienstleistungssektors den ins Ausland<br />
verlagerten Jobs des produzierenden<br />
Sektors. Innovation findet dort statt, wo<br />
produziert wird.<br />
Der Business in China Survey <strong>2013</strong><br />
der China Europe International Business<br />
School (CEIBS) nennt Zahlen: Demnach<br />
verfügen 52 Prozent der in China angesiedelten<br />
Unternehmen, die Ausländern<br />
gehören und sich an dem Survey beteiligt<br />
haben, bereits über R&D-Aktivitäten<br />
in China. Knapp zwei Drittel der<br />
aus- und inländischen Unternehmen in<br />
China planen, ihre Investitionen in R&D<br />
in den kommenden drei Jahren aufzustocken.<br />
Arbeitsplätze werden heute in den<br />
USA fast nur noch in schlecht bezahlten<br />
Service-Bereichen für den heimischen<br />
(Foto: Яick Harris/Flickr.com)<br />
Wer immer noch glaubt, die Einführung von „fiat money“ nach dem Bruch des Goldstandards durch Richard Nixon würde systematischen<br />
Finanzschocks vorbeugen, sollte zum Arzt gehen<br />
Markt geschaffen, an denen weder handelbare<br />
Güter noch handelbare Dienstleistungen<br />
entstehen, die exportiert<br />
werden können. Die „Neue Ökonomie“<br />
Amerikas ist in Wahrheit die „Offshored<br />
Economy“, stellt auch Nobelpreisträger<br />
Michael Spence fest. Die ehemaligen<br />
Einkommen von Millionen Amerikanern<br />
sind heute die Einkommen von Chinesen<br />
und Indern sowie die Kapitalgewinne<br />
der Aktionäre und die Millionen-Boni<br />
der Vorstände, die die Arbeitsplätze ins<br />
Ausland verlagert haben.<br />
Von Downtown zur Geisterstadt<br />
Mehr und mehr US-Bürger geraten in<br />
wirtschaftliche Not. Städte verfallen.<br />
Aus Downtowns werden Notowns. Die<br />
„Modern Day“ Geisterstadt Gary in Indiana<br />
ist kein Einzelfall. „Americas Newest<br />
Ghost Town“, „Ghost Towns Popping<br />
up Everywhere“ sind die Titel beklemmender<br />
Videos im Internet.<br />
Inzwischen rüstet die US-Staatssicherheitsbehörde<br />
Homeland Security<br />
auf, bewaffnet sich mit Panzerfahrzeugen<br />
und Munition. Und sie bildet Jugendliche<br />
zu FEMA Corps aus. Sind das<br />
Vorbereitungen, um soziale Unruhen<br />
niederzuschlagen? Am 7. März <strong>2013</strong> legte<br />
der republikanische US-Senator Paul<br />
Cruz dem Kongress Bill S. 505 vor – ein<br />
Gesetz, dass verbieten soll, dass Drohnen<br />
in den Vereinigten Staaten zum Töten<br />
amerikanischer Bürger eingesetzt<br />
werden. Wo bleiben Berichte dazu in<br />
den europäischen Mainstream-Medien?<br />
Aber Hauptsache, die Europäer sind über<br />
den Aufschwung der US-Volkswirtschaft<br />
und die Wunderwirkung des Frackings<br />
informiert. Die Perspektiven für einen<br />
Wiederaufbau der entindustrialisierten<br />
Volkswirtschaften, die glaubten, schlau<br />
daran zu tun, auf die Dienstleistungsbranche<br />
zu setzen, verschlechtern sich<br />
kontinuierlich. Der Wettbewerb aus<br />
China und aus anderen Schwellenländern<br />
bläst der hoch verschuldeten<br />
westlichen Welt zunehmend ins Gesicht.<br />
China arbeitet unter Hochdruck daran,<br />
die USA als Weltwirtschaftsmacht abzulösen.<br />
Amerika hat wohl kaum noch das<br />
Potenzial, das zu verhindern.<br />
Der Untergang des US-Dollars<br />
Im Gegenteil: Die Federal Reserve (Fed)<br />
fördert diese Entwicklung nach Kräften.<br />
Mit dem Aufkauf von US-Staatsanleihen<br />
und hypothekenbesicherter Finanzinstrumente<br />
monetarisiert sie alljährlich<br />
Schulden in einer Größenordnung von<br />
mehr als einer Billion US-Dollar.<br />
Gerade erst hat der Federal Reserve-<br />
Vorsitzende Ben Bernanke bestätigt: Bis<br />
auf weiteres bleibt es dabei. Ein verzweifelter<br />
Versuch, den völligen Absturz der<br />
US-Wirtschaft möglichst lange hinauszuschieben,<br />
mit dem die Federal Reserve<br />
den Wert des Greenbacks allerdings<br />
weiter untergräbt. Früher oder später<br />
muss es zur Flucht aus der US-Währung<br />
kommen. Ungeachtet der verheerenden<br />
ökologischen Folgen des Frackings, das<br />
der Umwelt hohe externe Kosten aufer-<br />
legt – sowohl die vermeintlich immense<br />
Bedeutung des Frackings für eine Reindustrialisierung<br />
der USA als auch der<br />
angeblich in der Breite einsetzende Aufschwung<br />
der US-Ökonomie sind nichts<br />
als Hypes, die den USA gut ins Konzept<br />
passen. Je mehr die Welt an den<br />
Wiederaufstieg Amerikas als führende<br />
Wirtschaftsmacht der Welt glaubt, desto<br />
eher gelingt es Washington, seine<br />
Staatsanleihen an den Finanzmärkten<br />
zu platzieren.<br />
Nichts muss Amerika so fürchten,<br />
wie den Untergang des US-Dollars als<br />
Leit- und Reservewährung der Welt. Denn<br />
dann droht Amerika die Zahlungsunfähigkeit,<br />
kann das Land seinen Konsum<br />
und seine Kriege nicht mehr mit selbst<br />
bedrucktem Papier finanzieren – das<br />
Ende der Hegemonialmacht Amerika. n<br />
Paul Craig Roberts<br />
und Johannes Maruschzik<br />
Dieser Artikel erschien zuerst ungekürzt<br />
auf www.antikrieg.com<br />
Über den Autor<br />
n Paul Craig Roberts war Assistent<br />
des Finanzministers unter Präsident<br />
Ronald Reagan. Er gilt als<br />
einer der besten sieben Journalisten<br />
der USA.<br />
6 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong> 4/20 13 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 7
Gesellschaft<br />
Korruption ist in Europas Wirtschaft immer<br />
noch überraschend weit verbreitet.<br />
Nach Meinung von 39 Prozent der Manager<br />
ist Bestechung in ihrem Land an<br />
der Tagesordnung. Slowenien, die Ukraine<br />
und Griechenland belegen einen<br />
„Diskrepanz in der Wahrnehmung von Korruption“<br />
(Grafik: ssoosay/Flickr.com)<br />
Bestechung/korruptes<br />
Verhalten sind in diesem<br />
Staat weit verbreitet<br />
Nährboden für Korruption<br />
Die Wirtschaftskrise Europas erhöht<br />
den finanziellen Druck<br />
unrühmlichen Spitzenplatz im Europa-<br />
Ranking: Dort liegt der Anteil der Befragten,<br />
die Korruption in ihrem Land für<br />
üblich halten, bei 96, 85 bzw. 84 Prozent<br />
und damit etwa auf dem Niveau von<br />
Kenia und Nigeria. Deutschland liegt<br />
mit 30 Prozent unter dem europäischen<br />
Durchschnitt. Am wenigsten verbreitet<br />
ist Korruption aber in der Schweiz: Hier<br />
geben nur zehn Prozent der Befragten<br />
an, Bestechung sei in ihrem Wirtschaftsleben<br />
gängig. Finnland und Schweden<br />
liegen jeweils bei 12 Prozent, Norwegen<br />
bei 17 Prozent.<br />
In Westeuropa hält jeder siebte Manager<br />
es in der eigenen Branche für<br />
übliche Praxis, Aufträge mithilfe von Bestechung<br />
zu gewinnen. In Deutschland<br />
sagen das immerhin noch neun Prozent<br />
der Befragten. Und erstaunlich viele Manager<br />
können sich vorstellen, in Notsituationen<br />
dem Geschäftserfolg mit unlauteren<br />
Mitteln nachzuhelfen: So halten<br />
In unserem Gebiet ist es<br />
gemeine Praxis, mit Bestechung<br />
Aufträge zu erkaufen<br />
% Zustimmungen<br />
Kenya 94 34<br />
Griechenland 84 29<br />
Südafrika 65 19<br />
Slovakei 84 41<br />
Ungarn 70 29<br />
Polen 59 22<br />
Italien 60 27<br />
Alle Befragten 57 26<br />
Großbritanien 37 6<br />
Russland 82 56<br />
Indien 69 44<br />
Deutschland 30 9<br />
Frankreich 27 7<br />
Saudi Arabien 66 46<br />
Türkei 55 39<br />
Ernst&Young)<br />
Schweden 12 4<br />
Schweiz 10 7 (Grafik:<br />
von den westeuropäischen Managern<br />
13 Prozent (Deutschland: sieben Prozent)<br />
Bestechung von Geschäftspartnern für<br />
gerechtfertigt, wenn auf diese Weise ein<br />
Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung<br />
hinweggerettet werden kann<br />
– obwohl die Mehrheit der Unternehmen<br />
in der Folge einiger Skandale schon<br />
umfassende Antikorruptionsregeln eingeführt<br />
haben. Zu diesen Ergebnissen<br />
kommt eine Studie der Prüfungs- und<br />
Beratungsgesellschaft Ernst & Young.<br />
Hohe Ansprüche der Investoren<br />
Trotz der lahmenden Konjunktur sind<br />
die Erwartungen an die Unternehmen,<br />
mit Umsatz- und Gewinnzuwächsen zu<br />
glänzen, hoch: 55 Prozent der deutschen<br />
Manager berichten von steigendem<br />
Druck, mit guten Quartalszahlen den<br />
hohen Ansprüchen der Investoren und<br />
Anteilseigner gerecht zu werden. In<br />
Westeuropa liegt der Anteil mit 71 Prozent<br />
noch höher.<br />
Um diesen hohen Erwartungen zu<br />
genügen, werden offenbar immer wieder<br />
auch Zahlen geschönt: So geben in<br />
Deutschland 34 Prozent der Manager<br />
an, dass Unternehmen Geschäftszahlen<br />
oftmals besser aussehen lassen, als sie<br />
tatsächlich sind. Das liegt über dem<br />
westeuropäischen Durchschnitt von<br />
31 Prozent. Besonders verbreitet ist ein<br />
solches Verhalten der Umfrage zufolge<br />
in Kroatien (58 Prozent), in Spanien und<br />
Russland (jeweils 61 Prozent) sowie in<br />
Slowenien (65 Prozent).<br />
Und wenn es darum geht, neue Aufträge<br />
zu akquirieren, ist Bestechung in<br />
einigen europäischen Ländern durchaus<br />
an der Tagesordnung. „In vielen Märkten<br />
ist die Zahlung von Schmiergeldern<br />
nach wie vor üblich“, beobachtet Stefan<br />
Heißner, Leader Fraud Investigation<br />
& Dispute Services EMEIA Central<br />
Zone bei Ernst & Young. „Die Manager<br />
international agierender Konzerne stehen<br />
in solchen Ländern vor erheblichen<br />
Herausforderungen: Wenn sie sich an die<br />
geltenden Regeln und Gesetze halten,<br />
entgeht ihnen Geschäft – mit der Folge,<br />
dass sie womöglich ihre Umsatzziele<br />
verfehlen.“<br />
8 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
Da braucht es glasklare unternehmensinterne<br />
Vorgaben, um zu verhindern,<br />
dass Mitarbeiter der Versuchung erliegen,<br />
dem Erfolg mit Schmiergeldzahlungen<br />
nachzuhelfen.“ Denn zu einer<br />
klaren Antikorruptionspolitik gibt es<br />
keine Alternative. Die Herausforderung<br />
bestehe nun darin sicherzustellen, dass<br />
die Richtlinien immer und von allen Mitarbeitern<br />
tatsächlich befolgt werden.<br />
Korruption auch in Deutschland<br />
Heißner betont, dass viele deutsche<br />
Unternehmen in den letzten Jahren<br />
massive Anstrengungen unternommen<br />
haben, Korruption im eigenen Haus zu<br />
verhindern. In der Befragung gaben 64<br />
Prozent der deutschen Manager an, das<br />
3/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 9<br />
gehobene Management habe ein klares<br />
Bekenntnis zu Antibestechungsrichtlinien<br />
abgegeben. Die Bekämpfung von<br />
Korruption bleibe eine wichtige Aufgabe<br />
für die Unternehmenslenker, so Heißner:<br />
„Nach unserer Erfahrung ist das Problem<br />
der Korruption auch in deutschen Unternehmen<br />
noch lange nicht vom Tisch.<br />
Es ist erstaunlich, dass offenbar immer<br />
noch so viele große Unternehmen auf<br />
diesem Auge blind sind.<br />
Inzwischen sollten sich die erheblichen<br />
Risiken herumgesprochen haben,<br />
die die Antikorruptionsgesetze etwa der<br />
USA und Großbritanniens auch für die<br />
Muttergesellschaften und die Auftraggeber<br />
regionaler Vertretungen mit sich<br />
bringen.“<br />
Schwächen beim Einsatz von Kontrollwerkzeugen<br />
In diesem Jahr haben 61 Prozent der<br />
deutschen (und 55 Prozent aller befragten<br />
westeuropäischen) Manager zu<br />
Protokoll gegeben, dass in ihrem Unternehmen<br />
Antikorruptionsrichtlinien<br />
bestünden.<br />
Von einer „Whistleblowing“-Hotline<br />
zum Melden von Betrug, Bestechung<br />
oder Korruption berichteten hingegen<br />
nur 45 Prozent der deutschen Manager<br />
(Westeuropa: 37 Prozent). Ob<br />
aller dings das eigene Unternehmen<br />
„Whistleblower“ – also Mitarbeiter, die<br />
Verdachtsfälle melden – im Ernstfall<br />
auch unterstützen würde, scheint vielen<br />
Beschäftigten fraglich. n<br />
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Gesellschaft<br />
Ein schwerfälliges Verfahren<br />
Die parlamentarische Arbeitsweise muss besser erklärt werden<br />
Debatten vor nahezu leeren Bänken.<br />
Fehlende Abgeordnete bei wichtigen<br />
Abstimmungen. Parteipolitische<br />
Vorgaben statt freier Gewissensentscheidung.<br />
Bei solchen Eindrücken aus<br />
dem parlamentarischen Alltag heißt es<br />
schnell, die Abgeordneten seien unfähig<br />
und faul, sie würden nur abnicken und<br />
durchwinken, was ihnen vorgesetzt<br />
wird. Obwohl ebenso platt wie falsch,<br />
prägen solche Vorurteile die öffentliche<br />
Meinung. Gegen diese Mixtur aus<br />
Unkenntnis und Anmaßung müssen<br />
wir Parlamentarier uns selbstbewusst<br />
wehren aber zugleich unsere Arbeitsweise<br />
deutlich besser darstellen und<br />
erklären.<br />
Ein modernes Arbeitsparlament<br />
funktioniert anders<br />
Auch wenn es ohne Sitzfleisch nicht geht<br />
- Kompetenz und Fleiß der Abgeordneten<br />
lassen sich nicht anhand leerer<br />
Sitze messen. Im Gegenteil: Würde das<br />
Parlament von morgens bis abends stets<br />
in voller Besetzung debattieren, käme<br />
die Gesetzgebung schnell zum Erliegen.<br />
Nicht mehr, sondern weniger würde<br />
beraten und entschieden. Winston Churchill<br />
soll gesagt haben: „Am faulsten<br />
sind die Parlamente, die am stärksten<br />
besetzt sind.“ Der Nationale Volkskongress<br />
der Volksrepublik China entspricht<br />
dem Wunschbild eines vollbesetzten Plenums.<br />
Ein modernes Arbeitsparlament<br />
Die wesentliche Arbeit des Parlamentarismus geschieht in den „Werkstätten“, den<br />
Arbeitsausschüssen und dort wird auch bereits entschieden<br />
10 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
(Foto: Lichtblick/Achim Melde)<br />
(Foto: Deutscher Bundestag/Marc-Steffen Unger)<br />
in einer Demokratie funktioniert anders.<br />
Der Deutsche Bundestag ist hochgradig<br />
arbeitsteilig organisiert. Anders könnte<br />
er seine vielfältigen Aufgaben, die weit<br />
über die eigentliche Gesetzgebungsarbeit<br />
hinausgehen, gar nicht bewältigen.<br />
Das Plenum ist die „gute Stube“ des Parlamentarismus,<br />
die wesentliche Arbeit<br />
geschieht aber in den „Werkstätten“<br />
und in der Regel wird dort auch bereits<br />
entschieden. Wenn schließlich im Plenum<br />
des Bundestages vor den Augen der<br />
Fernsehkameras öffentlich debattiert<br />
und abgestimmt wird, sind die Positionen<br />
meist schon festgelegt und die<br />
Entscheidungen getroffen. Dieser Vorlauf<br />
bleibt in der öffentlichen Bewertung<br />
und Berichterstattung weitgehend<br />
unbeachtet. So entsteht zwangsläufig<br />
ein schiefes Bild.<br />
Entgegen weit verbreiteten Vorstellungen<br />
dient die Plenardebatte weniger<br />
dazu, den politischen Gegner zu überzeugen<br />
als vielmehr die unterschiedlichen<br />
Argumente und Bewertungen<br />
in die Öffentlichkeit zu transportieren.<br />
Deshalb lässt die Geschäftsordnung des<br />
Deutschen Bundestages es auch zu, dass<br />
im Normalfall relativ wenig Abgeordnete<br />
an einer Plenumsdebatte teilnehmen.<br />
Intern Spezialist, nach außen Generalist<br />
Ein Parlament ist keine Ansammlung<br />
von Einzelkämpfern. Parlamentarische<br />
Arbeit kann nur in der Gemeinschaft<br />
politisch gleichgesinnter, nach Fraktionen<br />
formierter und nach Fach- und<br />
Sachwissen spezialisierter Parlamentsmitglieder<br />
sinnvoll erledigt werden –<br />
also in einer besonderen Form spezifischer<br />
Teamarbeit. Niemand ist in der<br />
Lage, sich pro Wahlperiode mit ca. 1.000<br />
Gesetzentwürfen, über 3.000 kleinen<br />
und großen Anfragen und etwa 2.000<br />
Anträgen zu den unterschiedlichsten<br />
Themen zu befassen. Deshalb werden<br />
die Arbeitsfelder aufgeteilt. Der Abgeordnete<br />
ist intern Spezialist, nach außen<br />
hin aber Generalist. In Berlin wird er für<br />
die Kollegen, die Fach- und Medienöffentlichkeit<br />
der sachkundige Experte. In<br />
seinem Wahlkreis und für sein Bundesland<br />
bleibt er aber der Ansprechpartner<br />
für alles und jedes. Dieser Spagat<br />
lässt sich nur mit wechselseitiger Hilfe<br />
bewältigen. Und dafür braucht es ein<br />
Mindestmaß an Vertrauen in die Kompetenz,<br />
Integrität und Verlässlichkeit der<br />
Fraktionskollegen.<br />
Langes Wochenende ohne Freizeit<br />
Wenn im Plenum die Fachpolitiker<br />
sprechen, haben sie sich zuvor in den<br />
Ausschüssen des Bundestages und den<br />
Arbeitsgruppen der Fraktionen eingehend,<br />
nicht selten monatelang, mit<br />
einem Thema beschäftigt. Sie haben in<br />
den Fraktionsvollversammlungen allen<br />
Kolleginnen und Kollegen hierzu Rede<br />
und Antwort gestanden. Währenddessen<br />
kümmern sich die übrigen Abgeordneten<br />
um andere Themen. Das kann im<br />
Büro sein, in Arbeitstreffen mit Sachverständigen<br />
aus Wirtschaft, Wissenschaft<br />
oder Gesellschaft, im Gespräch mit Kollegen<br />
oder mit Interessensvertretern.<br />
Hat ein Politiker noch zusätzliche<br />
Führungsaufgaben in den Gremien der<br />
Fraktion oder Partei, ist während der<br />
Sitzungswochen sein Terminkalender<br />
von Montag bis Freitag dicht gefüllt.<br />
Wenn er am Freitag Berlin verlässt, hat<br />
er zwar ein langes Wochenende vor sich,<br />
aber keineswegs Freizeit. Als Festredner<br />
bei Veranstaltungen und Jubiläen,<br />
bei Begegnungen und Besichtigungen<br />
vor Ort steht er seinem Wahlkreis oder<br />
Landesverband zur Verfügung. Wenn<br />
man dieses Arbeitspensum in einen<br />
Stundenlohn umrechnet, relativiert sich<br />
30,1<br />
LInke<br />
20,1<br />
SPD<br />
die angeblich so üppige Bezahlung der<br />
Parlamentarier deutlich. Bei 60 bis 70<br />
Arbeitsstunden pro Woche ergibt sich<br />
dann ein Stundenlohn in der Größenordnung<br />
eines Facharbeiters in der<br />
Automobilbranche.<br />
Mühselig und wenig populär<br />
Da ein Großteil der parlamentarischen<br />
Arbeit unterhalb der öffentlichen Wahrnehmung<br />
abläuft, ist das Bild nach<br />
außen oft lückenhaft. Das gilt besonders<br />
für die Rolle der Fraktionen, die<br />
eine Schlüsselstellung haben, wenn es<br />
darum geht, die Repräsentationsfunktion<br />
des Parlaments zu erfüllen. Die<br />
Fraktionen wirken hier als organisatorische<br />
Klammer. Grundsätzlich soll jeder<br />
einzelne Abgeordneten an der politischen<br />
Willensbildung zu allen anstehenden<br />
Themen mitwirken. In seiner<br />
Fraktion kann er auch die großen Linien<br />
der Politik beeinflussen und seiner Aufgabe<br />
gerecht werden, den Wählerwillen<br />
über die ganze Bandbreite politischer<br />
Themen zu vertreten. Entsprechend kontrovers<br />
wird mitunter diskutiert. Das ist<br />
intern häufig mühselig und nach außen<br />
wenig populär. Aber es ist wertvoll, denn<br />
der politische Streit beflügelt das Auffinden<br />
der besten Lösungen. Es würde sich<br />
lohnen, intensiv darüber nachzudenken,<br />
in welchem Umfang in einem formalisierten<br />
Verfahren auch die Diskussionen<br />
in den Fraktionsgremien öffentlich<br />
abgebildet werden könnten. Zu überlegen<br />
wäre auch, die Fach-Ausschüsse des<br />
Bundestages stärker für die Öffentlich-<br />
12,8<br />
Grüne<br />
Linke Schwänzer<br />
Versäumte Abstimmungen pro<br />
Abgeordneten nach Parteien<br />
11,3<br />
FDP<br />
keit zu öffnen, indem man das bisherige<br />
Regel-Ausnahme-Verhältnis umkehrt<br />
und Ausschusssitzungen grundsätzlich<br />
öffentlich durchführt.<br />
Diffamierung und platte Polemiken<br />
Mehr Transparenz kann Vorurteilen den<br />
Nährboden entziehen. Wir müssen die<br />
komplexen und vielfältigen Entscheidungsprozesse<br />
lebendig und lebensnah<br />
vermitteln. Hier sind erhebliche Verbesserungen<br />
möglich. Das gilt für den Deutschen<br />
Bundestag als Organ wie für jeden<br />
Abgeordneten persönlich. Ansehen und<br />
Reputation des Hauses dürfen im politischen<br />
Streit nicht leiden. Persönliche<br />
Diffamierungen müssen tabu sein. Und<br />
schließlich sind die Parlamentskorrespondenten<br />
und Berichterstatter der<br />
Medien gefordert. Sie lassen sich allzu<br />
häufig zu platten Polemiken hinreißen,<br />
auch wenn sie es besser wissen oder<br />
zumindest wissen sollten. n<br />
Hermann Otto Solms<br />
Über den Autor<br />
10,8<br />
CDU/CSU<br />
n Dr. Hermann Otto Prinz zu Solms-<br />
Hohensolms-Lich ist ein deutscher<br />
Politiker der FDP. Er war von<br />
1991 bis 1998 Vorsitzender der<br />
FDP-Bundestagsfraktion und ist<br />
seit 1998 Vizepräsident des Deutschen<br />
Bundestages.<br />
(Foto: Dr. Hermann Otto Solms)<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 11<br />
(Grafik: Focus/Statista <strong>2013</strong>)
© Minerva Studio - Fotolia.com<br />
Gesellschaft<br />
Was mich nicht umbringt<br />
Asiatische Marienkäfer sind weltweit auf dem Vormarsch.<br />
Die Invasoren setzen auf biologische Kriegsführung.<br />
Aus Menschensicht sind Marienkäfer<br />
hübsch anzusehen, harmlos und obendrein<br />
noch nützlich, denn sie fressen<br />
Blattläuse und andere Pflanzenschädlinge.<br />
Besonders gefräßig ist der Asiatische<br />
Marienkäfer alias Harmonia axyridis:<br />
Weil er bis zu 200 Blattläuse pro<br />
Tag verputzt, haben ihn findige Biobauern<br />
vor Jahrzehnten zwecks biologischer<br />
Schädlingsbekämpfung auf Felder und<br />
in Gewächshäuser geholt – erst nach<br />
Nordamerika, dann nach Europa.<br />
Doch seit den 1990er Jahren werden<br />
die kleinen Helfer selbst zum Problem.<br />
Sie vermehren sich hemmungslos und<br />
gelten mittlerweile als Musterbeispiel<br />
einer invasiven Art. Auch in Deutschland<br />
haben die Fremdlinge Fuß gefasst<br />
und machen den etwa 80 einheimischen<br />
Marienkäfern das Leben schwer.<br />
„Wenn das so weitergeht, werden viele<br />
dieser Arten verschwinden“, fürchtet<br />
Professor Andreas Vilcinskas.<br />
Der Biologe leitet das Institut für<br />
Phytopathologie und Angewandte Zoologie<br />
der Universität Gießen. 2010 hat er<br />
zudem die Projektgruppe Bio-Ressourcen<br />
am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie<br />
und Angewandte Ökologie<br />
IME aufgebaut, deren Finanzierung das<br />
Land Hessen über das Exzellenzinitiativ-Programm<br />
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onen Euro unterstützt. „Wir wollen die<br />
enor me Biodiversität der Insekten nutzbar<br />
machen.<br />
Diese Tiergruppe verfügt über eine<br />
Vielzahl von Biomolekülen mit Potenzial<br />
für medizinische oder biotechnologische<br />
Anwendungen“, betont Vilcinskas.<br />
Effizientes Antibiotikum<br />
Invasive Arten wie den Asiatischen<br />
Marienkäfer hält der Fraunhofer-Forscher<br />
für besonders vielversprechend:<br />
„Wenn sich eine Art weltweit durchsetzen<br />
kann, dann muss sie eine starke<br />
Immunabwehr besitzen. Denn in den<br />
neuen Lebensräumen ist sie ständig<br />
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mit anderen Krankheitserregern konfrontiert“.<br />
Ein Vergleich des eingeschleppten<br />
Käfers mit zwei heimischen<br />
Arten – dem Siebenpunkt und dem<br />
Zweipunkt-Marienkäfer – gibt dem Biologen<br />
Recht: Im Reagenzglas vermag<br />
das Blut der fremdländischen Insekten<br />
Bakterien deutlich stärker abzuwehren,<br />
als das Blut der beiden europäischen<br />
Arten.<br />
Als Wirkstoff identifizierten Vilcinskas<br />
Mitarbeiter eine Substanz namens<br />
Harmonin; sie wird ausschließlich von<br />
Harmonia hergestellt und erwies sich<br />
im Experiment als effizientes Antibiotikum<br />
– unter anderem gegen die Erreger<br />
von Tuberkulose und Malaria.<br />
Harmonin ist jedoch nur eine von<br />
vielen chemischen Waffen, mit denen<br />
sich Asiatische Marienkäfer gegen<br />
Mikroorganismen zur Wehr setzen.<br />
Massive Angriffe von Bakterien kontern<br />
die exotischen Krabbler mit über 50<br />
Substanzen aus der Klasse der Peptide.<br />
Das ergaben aufwändige molekularbiologische<br />
Analysen von Dr. Heiko Vogel<br />
am Max-Planck-Institut für Chemische<br />
Ökologie in Jena.<br />
„Damit hält Harmonia den Rekord.<br />
Kein anderes Tier produziert so viele<br />
antimikrobielle Peptide“, betont Vilcinskas.<br />
So sichern sich die Invasoren einen<br />
Wettbewerbsvorteil gegenüber Siebenpunkt<br />
& Co. Doch die erhöhte Widerstandskraft<br />
erklärt noch nicht ihre<br />
enorme Durchsetzungsfähigkeit. Auch<br />
aus direkten Auseinandersetzungen<br />
mit ihren Verwandten gehen sie stets<br />
als Sieger hervor.<br />
Im Blut der Invasoren<br />
Eine verblüffende Beobachtung führte<br />
das Fraunhofer-Team zum eigentlichen<br />
Erfolgsrezept von Harmonia: Im Kampf<br />
um Nahrung und Lebensraum fressen<br />
Marienkäfer nicht selten Larven und Eier<br />
ihrer Konkurrenten.<br />
Macht sich ein Siebenpunkt-<br />
Marienkäfer über die Jugendstadien<br />
des Fremdlings her, so stirbt er daran.<br />
Vergreift sich aber ein asiatischer<br />
Käfer am heimischen Nachwuchs, so<br />
bekommt ihm das bestens.<br />
Des Rätsels Lösung liegt im Blut<br />
der Invasoren: Es ist voll mit sporenförmigen<br />
Parasiten. Sie ließen sich<br />
nach gut 18-monatiger molekularbiologischer<br />
Detektivarbeit einer Gruppe<br />
pilzähnlicher Einzeller namens Nosema<br />
zuordnen.<br />
„Inzwischen haben wir uns Asiatische<br />
Marienkäfer aus der ganzen<br />
Welt angesehen. In jeder Population,<br />
in jedem einzelnen Tier, selbst in den<br />
Eiern finden wir Mikrosporidien“, so<br />
Vilcinskas. Wenn ein Siebenpunkt ein<br />
Harmonia-Ei verspeist, infiziert er sich<br />
also unweigerlich mit den Erregern. Die<br />
Mikrosporidien vermehren sich in ihrem<br />
neuen Wirt und bringen ihn schließlich<br />
um. Warum sie ihren asiatischen Wirten<br />
nichts anhaben können, wissen die IME-<br />
Forscher noch nicht.<br />
Eine heiße Spur gibt es aber schon,<br />
verrät Andreas Vilcinskas: „Vermutlich<br />
schützen sich die Käfer mit Harmonin.<br />
Wir glauben, dass sie damit die Vermehrung<br />
der Mikrosporidien auf einem<br />
ungefährlichen Niveau halten“. n<br />
12 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong> 4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 13<br />
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Großer Preis des<br />
MITTELSTANDES<br />
(Foto: Andreas Vilcinskas/Fraunhofer IME)<br />
Überblick der Neozoen in Deutschland<br />
Säugetiere Artenzahl etabliert nicht etabliert Status fraglich BfN)<br />
-<br />
Säugetiere 22 8 14 0<br />
Vögel 163 15 138 10<br />
Naturschutz für<br />
Reptilien 14 0 13 1<br />
Amphibien 8 1 7 0<br />
Bundesamt<br />
Knochenfische 54 8 21 25<br />
Gesamt 1149 264 443 442 (Grafik:<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 13<br />
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Gesellschaft<br />
Nun widmet sich auch der Spiegel in<br />
einer Titelgeschichte dem Phänomen<br />
„Big Data“ und man hat den Eindruck,<br />
dass die Verheißungen von Big Data-<br />
Gurus bei einigen Journalisten die Sinnesorgane<br />
vernebeln. Vom Ende des<br />
Big Data – Big Irrtum<br />
Auch der Spiegel beerdigt die Zukunft – Dabei gilt:<br />
Gewiss ist nur die Ungewissheit<br />
Zufalls ist da die Rede, von der Lenkung<br />
des Lebens oder von der präzisen<br />
Vorhersage menschlichen Verhaltens.<br />
Schaut man genauer hin, sind es in<br />
der Regel aggregierte Daten, die recht<br />
nützliche aber doch simple Vorhersagen<br />
machen. Von einer Steuerung unserer<br />
Zukunft in allen Lebenslagen kann nicht<br />
die Rede sein – da sollte man den Werbebroschüren<br />
von Big Data-Anbietern<br />
schon etwas kritischer entgegentreten.<br />
Das klingt anmaßend<br />
Wenn es um die Auslastung eines Container-Hafens<br />
geht, kann die Auswertung<br />
von Daten logistische Abläufe verbessern.<br />
Kreditkartenfirmen können Kunden<br />
warnen, wenn sie ungewöhnliche<br />
Nutzungsmuster wahrnehmen, die auf<br />
betrügerische Aktionen schließen lassen.<br />
Warenbestellsysteme könnten mit der<br />
Echtzeitanalyse von Daten präziser arbeiten.<br />
Fahnder können schneller Diebe aufspüren<br />
durch die Clusterung von Bewe-<br />
Die FELUWA Pumpen GmbH liefert<br />
sechs MULTISAFE-Vierlingspumpen nach China.<br />
Die erste MULTISAFE-Pumpe in Quadruplex-<br />
Ausführung auf dem Prüfstand.<br />
Mürlenbach. Für das Großprojekt Salt Lake in der chinesischen<br />
Provinz Qinghai mit einem Auftragswert von 2,7 Millionen Euro<br />
wurden bei FELUWA sechs Pumpen der Baureihe ZGL350/250 –<br />
2K200-4DS 100HD montiert und vor Auslieferung auf dem Prüfstand<br />
erfolgreich getestet. Die ersten vierköpfigen MULTISAFE<br />
Doppel-Schlauchmembranpumpen werden in einer Kohlevergasungsanlage<br />
pro Stunde jeweils 78 m 3 Kohleschlamm mit einem<br />
Druck von 96 bar in den Reaktor speisen.<br />
Die Pumpen dienen als Speisepumpen für eine Multi-Elementanlage<br />
mit vier Brennern. Insgesamt 32 Transportkisten mit einem<br />
Gesamtgewicht von 192 Tonnen wurden im Hamburger Containerhafen<br />
nach China verschifft und beim Kunden nach einer sechswöchigen<br />
Reise eintreffen.<br />
gungsprofilen. Aber wird mein Denken<br />
über Big Data determiniert? Das klingt<br />
genauso anmaßend wie die maschinenbeseelten<br />
Börsenbubis, die über Algorithmen<br />
die Finanzmärkte steuern wollten<br />
und damit kräftig auf die Schnauze<br />
gefallen sind.<br />
Weniger Versprechungen, mehr<br />
Entwicklungen<br />
Auch hier waren es übrigens wie bei Big<br />
Data in der Regel Naturwissenschaftler<br />
(einige von ihnen konvertierten zu den<br />
sozialwissenschaftlichen Disziplinen),<br />
die sich mit ihren kruden Modellen ausgetobt<br />
haben und immer noch austoben.<br />
Angeblich krempelt Big Data zurzeit<br />
die komplette Wirtschaft um, so der<br />
Spiegel. Auf dem Personalmarkt sieht es<br />
ganz anders aus: „Die Zahl der Vakanzen<br />
steigt vor allem bei Sales und Consulting“,<br />
so der Düsseldorfer Personalberater<br />
Karsten Berge von SearchConsult.<br />
Wirklich smarte Apps muss man<br />
mit der Lupe suchen<br />
Es geht um Verkauf und sehr wenig um<br />
wirklich nutzbringende Netzintelligenz.<br />
Insofern sollten sich die Big Data-Apologeten<br />
mit ihren Versprechungen etwas<br />
mehr zurückhalten und Programme<br />
entwickeln, die man im Alltag nützlich<br />
einsetzen kann. Punktuell, situativ und<br />
nur dann, wenn ich es als Anwender<br />
auch zulasse.<br />
Die Frage ist, ob die App-Anbieter<br />
sich in diese Richtung bewegen<br />
Beispielsweise über wirklich smarte<br />
Apps, die man allerdings mit der Lupe<br />
suchen muss: „Die Kombination von Apps<br />
zu größeren Applikationen ist bislang<br />
ausgeblieben. Jede App ist autark und<br />
macht nicht viel mit anderen Diensten.<br />
Es gibt zwar einige einfache Kombinationen<br />
wie den Kalender auf dem iPhone.<br />
Aber so richtig begeistert hat mich das<br />
nicht. Man sieht nichts von komplexeren<br />
Software-Architekturen wie man das in<br />
der traditionellen Software-Entwicklung<br />
kennt. Da ist noch ziemlich viel Luft nach<br />
oben. Die Frage ist, ob die App-Anbieter<br />
sich überhaupt in diese Richtung bewegen“,<br />
so Bloggercamp-Kollege Bernd<br />
Stahl von Nash Technologies. Es müsste<br />
möglich sein, ein größeres System in<br />
einem Framework aus vielen Applikationen<br />
zusammenzubauen. Also die Überwindung<br />
der Software-Krise durch die<br />
Schaffung von einfach nutzbaren Apps.<br />
„Irgendwie klappt es mit der Modularisierung<br />
von Apps nicht so, wie man<br />
sich das anfänglich vorgestellt hat”, sagt<br />
Stahl. Von wirklich personalisierten und<br />
interagierenden Diensten sei man noch<br />
weit entfernt – mit und ohne Apps.<br />
Wir leben in einer Welt des Risikos<br />
Bislang laufen die Analyse-Systeme eher<br />
auf Cookie-Niveau und elektrisieren vor<br />
allem die Werbeindustrie. Ausführlich<br />
nachzulesen unter: Über die Sehnsüchte<br />
der Controlling-Gichtlinge: Big Data und<br />
das Himmelreich der Planbarkeit. Vielleicht<br />
sollte man eher der Empfehlung<br />
von Frank Schirrmacher folgen und sich<br />
mit den Arbeiten von Professor Gerd<br />
Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-<br />
Institut für Bildungsforschung, beschäftigen:<br />
„Nur eines ist gewiss: Wir leben<br />
in einer Welt der Ungewissheit und des<br />
Risikos.“ Schirrmacher hält es für notwendig,<br />
sich in der Maschinenwelt stärker<br />
der Unberechenbarkeit zu widmen<br />
und seiner Intuition zu vertrauen. Das<br />
sagte er im Gespräch mit Frank Rieger<br />
und Fefe (so nach zwei Stunden und 30<br />
Minuten). n<br />
Gunnar Sohn<br />
Über den Autor<br />
n Gunnar Sohn ist Wirtschaftspublizist<br />
und Medienberater und<br />
Chefredakteur des Onlinemagazins<br />
NeueNachricht<br />
(Fotos: Gunnar Sohn)<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 15<br />
Ein mittelständisches Unternehmen<br />
mit Blick in die Zukunft!<br />
Unsere Leistungen umfassen u.a. die<br />
Qualifizierung und Requalifizierung von<br />
Reinräumen in den Bereichen Pharmazie,<br />
Industrie und Krankenhäusern durch<br />
geschultes und zertifiziertes Personal.<br />
Bereich Pharmazie :<br />
■ Dichtsitz und Leckagemessung nach<br />
EN ISO 14644 Teil 3 und VDI 2083<br />
■ Bestimmung der Reinraumklassen<br />
gemäß GMP Annex 1 Bestimmung<br />
der clean-up-Phase<br />
■ Visualisierung Strömungsverhalten<br />
■ Bestimmung Raumluftwechsel<br />
■ Messung Schallpegel und Beleuchtungsstärke<br />
Bereich Industrie:<br />
■ Dichtsitz und Leckagemessung gemäß<br />
EN ISO 14644 Teil 3 und VDI 2083<br />
■ Bestimmung Reinraumklassen gemäß<br />
EN ISO 14644<br />
■ Bestimmung clean-up-Phase<br />
■ Visualisierung Strömungsverhalten<br />
■ Messung Schallpegel und Beleuchtungsstärke<br />
Bereich Krankenhaus:<br />
■ Dichtsitz und Leckagemessung gemäß<br />
DIN 1946 Teil 4<br />
■ Messung der partikulären Belastung<br />
der Zuluft an OP-Decken gemäß<br />
DIN 1946 Teil 4<br />
■ Überprüfung Laminar<br />
■ Flow an OP-Decken<br />
■ Messung Abströmgeschwindigkeit<br />
Und in allen vorgenannten Bereichen:<br />
■ Messung Temperatur/Luftfeuchte<br />
■ Überprüfung Raumdrücke<br />
■ Auswertung und Dokumentation<br />
■ Handlungsempfehlungen<br />
Kontakt<br />
ASI Anlagen, Service, Instandhaltung GmbH<br />
Geschäftsführer: Gerhard Schade<br />
Göschwitzer Straße 22<br />
07745 Jena<br />
Tel.: 03641 686-102<br />
Fax: 03641 686-109<br />
gerhard.schade@asi-jena.de<br />
www.asi-jena.de<br />
2007 ausgezeichnet mit dem<br />
„Großen Preis des Mittelstandes“
Gesellschaft<br />
Entfesselte Bildung<br />
Das Streben nach individueller Verwirklichung<br />
Wer sich heute bilden will, braucht keinen<br />
Lehrer mehr. Jedenfalls keinen aus<br />
Fleisch und Blut. Bildung und Weiterbildung<br />
werden in Zeiten von Internet und<br />
Free Tutorials völlig neu definiert. Junge<br />
Menschen streben heute nicht mehr vorrangig<br />
nach Geld und Statussymbolen,<br />
sondern nach individueller Freiheit und<br />
persönlichem Glück. Ein individueller<br />
Lebensstil ist wichtiger als die Karriere.<br />
Nicht zuletzt das Internet ermöglicht<br />
es, dass sich dieser Wunsch zunehmend<br />
auch verwirklichen lässt. Trends wie<br />
E-Learning, Open-Education oder situatives<br />
Wissensmanagement erleichtern<br />
es, permanent und von sich aus neue<br />
Fähigkeiten zu erlernen und beseitigen<br />
frühere Grenzen beruflicher Selbstverwirklichung.<br />
Der Wunsch nach persönlicher<br />
Verwirklichung bringt Menschen,<br />
Bildungseinrichtungen und Unternehmen<br />
neue Möglichkeiten und Folgen.<br />
Bildung kostenlos, immer, überall<br />
Die Integration des Internet in unseren<br />
Alltag ist allgegenwärtig. Auch der<br />
Umgang mit dem eigenen Wissen und<br />
Fähigkeiten ist ein anderer geworden.<br />
Beim „Smart Teaching“ werden Lernfortschritte<br />
mithilfe von digitalen Tracking-Tools<br />
erfasst und ausgewertet.<br />
Bildung findet längst nicht mehr nur<br />
an Schulen statt. LearnZillion beispielweise<br />
ist eine Internetplattform, die<br />
Lehrvideos, Prüfungen und die Dokumentation<br />
des individuellen Lernfortschritts<br />
miteinander vereint. Für jede<br />
Schulstunde wird eine „Playlist“ erstellt,<br />
die neben den Schülern auch Eltern und<br />
Nachhilfelehrer bei den Hausaufgaben<br />
unterstützt. Die Hausaufgaben selbst<br />
werden automatisch bewertet und<br />
dokumentiert. Individuell abrufbare<br />
16 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
Lehrvideos stehen auch im Zentrum der<br />
Khan Academy – eine nicht-kommerziell<br />
betriebene Website. Alle Inhalte werden<br />
kostenlos zur Verfügung gestellt. Der<br />
Gründer Salman Khan hat es sich zum<br />
Ziel gesetzt, Bildung für alle Menschen<br />
kostenfrei zugänglich zu machen.<br />
Schlüssel individueller<br />
Lebensgestaltung<br />
Für den Gründer des Zukunftsinstitutes,<br />
Matthias Horx, ist die wichtigste Ressource<br />
die Aneignung von Problemlö-<br />
Hacker zerstören nicht, sondern<br />
schaffen neue Orte<br />
sungskompetenz. Mit Hilfe verschiedenster<br />
Internet-Dienste ist es heute<br />
möglich, sich einer Vielzahl beruflicher<br />
und privater Herausforderungen auch<br />
ohne vorherige institutionelle Ausbildung<br />
oder Inanspruchnahme externer<br />
Hilfe zu stellen. Das notwendige Knowhow<br />
können sich die Betroffenen auf<br />
unterschiedlichstem Wege im Internet<br />
beschaffen, selbstmotiviert und ohne<br />
formale Erlaubnis. Da durch solche informellen<br />
Bildungsmaßnahmen berufliche<br />
Werdegänge nicht mehr zwangsweise<br />
an den vorherigen Bildungsweg gekoppelt<br />
sind, können individuelle Lernentwürfe<br />
deutlich leichter realisiert werden.<br />
Hacking wird zur Kulturtechnik<br />
Die Hacker erobern den Alltag. Dabei<br />
umfasst der Begriff „Hacking“ nicht<br />
mehr nur die technikaffinen Computer-<br />
Nerds, sondern eine Lebenseinstellung.<br />
Mit gesunder Respektlosigkeit werden<br />
auf kreative Art und Weise die Regeln<br />
von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft<br />
gebrochen. Die im Netz praktizierten<br />
Prinzipien des Teilens, Tauschens<br />
und Transformierens werden in den<br />
Alltag integriert. Hacking meint weniger<br />
die Zerstörung von etwas, vielmehr<br />
rüttelt eine junge Generation, die auf<br />
(Foto: CollegeDegrees360/Flickr.com)<br />
(Grafik: Eurobarometer 2009)<br />
Beteiligung und Transparenz setzt, am<br />
Status quo. Gehackt werden Situationen,<br />
Kampagnen und das Alltagsleben. Die<br />
Urban Hacker zerstören nicht, sondern<br />
schaffen auf fantasievolle Art neue<br />
Orte. Aus der genormten Stadt werden<br />
neue Städte der Begegnungen. Durch<br />
unzählige kleine Maßnahmen wird der<br />
öffentliche Raum personalisiert. Das<br />
Ergebnis sind höchst ungewöhnliche<br />
Sofortverbesserungen im Stadtraum<br />
ohne langwierigen Planungsaufwand.<br />
Doch sind es bei weitem nicht nur junge<br />
arbeitssuchende Individualisten, die<br />
von den Vorzügen der digitalen Revolution<br />
profitieren können. Ein zentrales<br />
Stichwort lautet „Open Education – der<br />
freie Zugang zu Lehrinhalten“. Im Zuge<br />
Als Anbieter von Systemlösungen für die<br />
Nutzfahrzeugelektronik hat sich Fahrzeugtechnik<br />
Miunske längst international<br />
einen Namen gemacht. Doch auch in<br />
der Region hat das Großpostwitzer Unternehmen<br />
einen guten Ruf. Verantwortung<br />
und Nachhaltigkeit prägen das unternehmerische<br />
Handeln der Firma –<br />
als Arbeitgeber oder Sponsor für Jugend-<br />
und Kulturprojekte ebenso wie beim<br />
Umweltschutz.<br />
So produziert Miunske seit Sommer 2012<br />
eigenen Strom. Mit einer Photovoltaikan-<br />
des technischen Fortschritts müssen althergebrachte<br />
Lehrmethoden überdacht<br />
und neue Kulturtechniken in die Ausbildung<br />
integriert werden. Das Konzept<br />
des „Flipped Classrooms” bricht daher<br />
mit der alten Lehrmethode des Frontal-<br />
Die ganze Welt im virtuellen<br />
Klassenzimmer<br />
vortrags im Klassenzimmer und ermöglicht<br />
es Schülern, die Vorträge ihrer<br />
Lehrer per Online-Video zu Hause anzusehen.<br />
Auf diese Weise sind die Schüler<br />
in der Lage, die Geschwindigkeit des<br />
Unterrichts ihrem eigenen Lerntempo<br />
lage auf dem Dach des neuen Fertigungs-<br />
und Logistikzentrums wird so viel Energie<br />
gewonnen, wie das Unternehmen<br />
selbst verbraucht. Der Neubau und weitere<br />
Hallen werden mit Erdwärme beheizt.<br />
Inzwischen läuft das nächste Bauprojekt:<br />
neue Sozialräume mit Kantine für<br />
die Mitarbeiter. Denn ihre Verantwortung<br />
gegenüber den Beschäftigten<br />
nimmt Familie Miunske besonders ernst.<br />
Natürlich stehen sichere Arbeitsplätze<br />
an erster Stelle, doch auch ein gutes sozi-<br />
anzupassen und schwierige Passagen<br />
gegebenenfalls einfach zu wiederholen.<br />
Des Weiteren besitzen neue internetbasierte<br />
Bildungsangebote das Potenzial,<br />
benachteiligten Gesellschaftsschichten<br />
einen leichteren Zugang zu Wissen zu<br />
verschaffen und tragen somit auch zu<br />
mehr Bildungsgerechtigkeit bei. Mit Hilfe<br />
von Online-Videos ist es bereits heute<br />
möglich, Universitätsvorlesungen nicht<br />
nur einem kleinen Kreis von Studenten,<br />
sondern für jedermann zugänglich im<br />
Internet anzubieten. Zukünftig reicht<br />
ein Internetzugang, um an universitäres<br />
Wissen zu gelangen und notwendige<br />
Prüfungen abzulegen. So entsteht die<br />
Vision der „ganzen Welt“ in einem einzigen<br />
virtuellen Klassenzimmer. n<br />
Nachhaltigkeit wird großgeschrieben<br />
Fahrzeugtechnik Miunske stellt sich seiner unternehmerischen Verantwortung<br />
ales Umfeld und ein partnerschaftliches Miteinander<br />
sind der Firmenleitung wichtig. Dafür<br />
setzt der Familienbetrieb auf<br />
Beständigkeit und ein langsames, aber stetiges<br />
Wachstum. Die Ausbildung von Fachkräften<br />
richtet sich nach dem eigenen Bedarf, sodass<br />
die Azubis in aller Regel übernommen<br />
werden.<br />
Firmenchef Johannes Miunske ist überzeugt:<br />
„Erfolgreich sind wir nur, wenn wir unserer unternehmerischen<br />
Verantwortung gerecht<br />
werden“.<br />
www.miunske.com
Oskar-Patzelt-Stiftung<br />
Anleitung zum Unternehmensverkauf<br />
Und für den Notfall: Tipps für eine ungeplante Nachfolge<br />
Die mittelständischen Unternehmen, die<br />
zum „Großen Preis des Mittelstandes“<br />
nominiert werden zeichnen sich nicht<br />
allein durch Erfolg aus. Sie stehen für<br />
Erfolg über Generationen hinweg. Einige<br />
existieren seit Jahrzehnten, andere überdauerten<br />
bereits Jahrhunderte. Über<br />
ihr Fortbestehen entscheiden weniger<br />
Naturkatastrophen oder politische<br />
Veränderungen, sondern vielmehr der<br />
Übergang zur nächsten Generation. In<br />
Deutschland sehen sich derzeit zahlreiche<br />
Unternehmen der Herausforderung<br />
des Generationenwechsels im<br />
Chefsessel gegenübergestellt: Nach einer<br />
Umfrage des Instituts für Mittelstandsforschung<br />
Bonn werden allein in der Zeit<br />
von 2010 bis 2014 rund 110.000 Unternehmen<br />
in Deutschland übergeben. Aber:<br />
Viele Senior-Unternehmer unterschätzen<br />
das Großprojekt „Unternehmensübergabe“<br />
und bereiten die Übergabe nicht<br />
rechtzeitig vor. Wie diese professionell<br />
abgewickelt werden, welche rechtlichen<br />
Die zehn wichtigsten Tipps für den Notfall<br />
01 Bevollmächtigen Sie einen<br />
Stellvertreter<br />
02 Verfassen Sie einen Vertretungsplan<br />
und definieren Sie genaue<br />
Verantwortungsbereiche<br />
03 Hinterlegen Sie private (z. B. Pati-<br />
entenverfügung) und geschäftliche<br />
Vollmachten (z. B. Prokura)<br />
<strong>04</strong> Legen Sie Gesellschaftsverträge,<br />
Dienst- bzw. Arbeitsverträge für den<br />
Notfall zurück<br />
05 Fügen Sie dem Notfallkoffer Bank<br />
verbindungen, Kreditverträge,<br />
Versicherungspolicen ebenso bei<br />
wie Patente und Schutzrechte<br />
06 Fassen Sie wichtiges unternehmens-<br />
(Fotos: KellyB./Flickr.com)<br />
Voraussetzungen erfüllt und wie häufige<br />
Stolperfallen vermieden werden können,<br />
erläutert Dr. Christian Löhr, Rechtsanwalt<br />
und Notar der renommierten Essener<br />
Wirtschaftskanzlei Kümmerlein.<br />
P.T.: Immer mehr Unternehmer stehen<br />
vor der Frage einer sinnvollen Nachfolgeregelung.<br />
Die richtige Antwort hierauf<br />
wird aber häufig viel zu spät gesucht.<br />
Was ist der Grund dafür, dass Senior-<br />
Unternehmer die Übergabe nicht rechtzeitig<br />
vorbereiten?<br />
C. Löhr: Ein Unternehmen zu verkaufen<br />
und an einen Nachfolger zu übergeben,<br />
heißt auch loslassen zu müssen.<br />
Das fällt vielen Gesellschaftern schwer.<br />
Schließlich geht es gerade im Mittelstand<br />
häufig um das eigene Lebenswerk.<br />
Schnell setzt sich da die Überzeugung<br />
fest, keiner könne den Betrieb so gut<br />
führen wie man selbst. Viele verpassen<br />
den richtigen Zeitpunkt auch, weil sie<br />
sich selbst noch jung genug und der Auf-<br />
spezifisches Wissen zusammen<br />
(z. B. besondere Fertigungsver<br />
fahren, Rezepturen etc.)<br />
07 Listen Sie die wichtigsten Geschäfts-<br />
partner, Kunden bzw.<br />
Lieferanten auf<br />
08 Sammeln Sie alle relevanten<br />
Zugangscodes, Passwörter, PIN/<br />
TAN-Listen und legen wichtige<br />
Zweitschlüssel bereit<br />
09 Verfassen Sie eine Checkliste zum<br />
Vorgehen im Notfall<br />
10 Hinterlegen Sie den Notfallkoffer<br />
bei einem Rechtsanwalt/Notar,<br />
einem Steuerberater oder einer<br />
anderen Person ihres Vertrauens<br />
gabe gewachsen fühlen. Hinzu kommt<br />
der Arbeitsaufwand, der mit einer Unternehmenstransaktion<br />
verbunden ist.<br />
P.T.: Welche Konsequenzen kann das für<br />
das Unternehmen haben?<br />
C. Löhr: Gerät der Unternehmer unter<br />
Zeitdruck, wird häufig übereilt und<br />
irrational gehandelt. Der Betrieb wird<br />
un überlegt vielen Käufern „angepriesen“.<br />
Dadurch verringert sich der Marktwert<br />
des Unternehmens. Das gefährdet<br />
die Nachfolge und lässt im schlimmsten<br />
Fall auch den Verkauf scheitern. Für viele<br />
Unternehmer ist das von existentieller<br />
Bedeutung: Ihr Betrieb ist schließlich<br />
ihre Altersvorsorge.<br />
P.T.: Welche Gedanken sollte sich ein Verkäufer<br />
im Hinblick auf den potenziellen<br />
Käufer machen?<br />
C. Löhr: Zunächst muss der mögliche<br />
Käuferkreis definiert werden: Gibt es<br />
jemanden in der Familie, der übernimmt?<br />
Oder jemanden aus dem Management<br />
mit entsprechendem finanziellen Background?<br />
Sind strategische Investoren<br />
oder Finanzinvestoren interessiert? Oder<br />
kommt der Wettbewerber als Käufer in<br />
Frage? Sind diese Fragen erst einmal<br />
beantwortet, ist eine erste Grundlage<br />
für die Käuferansprache gelegt.<br />
Aber: Die potenziellen Käufer sollten<br />
keinesfalls wahllos kontaktiert und<br />
angefragt werden. Das macht die Transaktion<br />
kaputt. Ein professioneller Käufer<br />
erwartet eine professionelle Ansprache.<br />
Daher ist es immer sinnvoll, sich mit<br />
einem Berater abzustimmen.<br />
P.T.: Was macht denn den eigentlichen<br />
Wert des Unternehmens aus?<br />
C. Löhr: Der Wert eines Unternehmens<br />
besteht darin, finanzielle Überschüsse zu<br />
erwirtschaften. In aller Regel wird er also<br />
anhand eines Ertragswert- oder DCF-Verfahrens<br />
(Discounted-Cashflow) ermittelt.<br />
Um Überschüsse erzielen zu können,<br />
sind natürlich die werttragenden Assets<br />
des Unternehmens ein wesentlicher Faktor.<br />
Diese sind aber nicht auf die Firmengebäude,<br />
moderne Maschinen- oder<br />
Fuhrparks begrenzt. Die Qualität der<br />
Mitarbeiter, die bestehenden Kundenverträge<br />
und Aufträge, unternehmensspezifisches<br />
Wissen sowie gewerbliche<br />
Schutzrechte (z. B. Patente) sind häufig<br />
genauso wichtig. Diesen Wert bezahlt<br />
der Käufer und möchte ihn natürlich<br />
auch nach Vertragsabschluss erhalten<br />
können. Aus diesem Grund muss der Verkäufer<br />
so genannte Garantien abgeben.<br />
P.T.: Was sind typische Fehler, die<br />
gemacht werden, wenn das Projekt<br />
Unternehmensverkauf aktuell wird?<br />
C. Löhr: Der häufigste Fehler, den ich<br />
immer wieder erlebe: Es gibt kein ganzheitliches,<br />
schlüssiges Verkaufskonzept.<br />
Eine Unternehmenstransaktion ist ein<br />
komplexer, aber auch klar strukturierter<br />
Prozess. Dieses methodische Wissen<br />
fehlt vielen Verkäufern. Gerade Unternehmer<br />
aus dem Mittelstand sind hier<br />
im Nachteil: Für sie ist der Verkauf ihres<br />
Unternehmens wahrscheinlich die größte<br />
Transaktion ihres Berufslebens.<br />
P.T.: Was sind die wichtigsten rechtlichen<br />
Schritte auf dem Weg zu einem erfolgreichen<br />
Unternehmensverkauf?<br />
C. Löhr: Am Anfang steht häufig das<br />
Informationsmemorandum. Es ist quasi<br />
der „Appetitmacher“ für den potenziellen<br />
Käufer und fasst grundsätzliche<br />
Fakten zusammen. Hier sollte wohl überlegt<br />
sein, was in welcher Form öffentlich<br />
gemacht wird. Der nächste Schritt sind<br />
Vertraulichkeitsvereinbarungen, die mit<br />
interessierten Käufern geschlossen werden.<br />
Sie sollten die Bedingung sein, um<br />
weitere Interna offen legen zu können.<br />
Möchte der Interessent konkret über<br />
einen Verkauf verhandeln, wird dies im<br />
Rahmen eines „Letter of Intent“ geregelt,<br />
einer Absichtserklärung. Dieser enthält<br />
häufig auch schon erste Eckdaten der<br />
Transaktion. Hier können auch weitere<br />
Details geregelt werden, wie zum Beispiel<br />
eine vorübergehende Exklusivität<br />
der Verhandlungen.<br />
Herzstück eines jeden Verkaufsprozesses<br />
wird die „Due Diligence“ sein.<br />
Sofern der Verkäufer nicht bereits zuvor<br />
selbst eine so genannte „Vendor-Due-<br />
Diligence“ durchgeführt hat, übergibt er<br />
Hemmnisse bei der Unternehmensnachfolge<br />
dem Kaufinteressenten die von diesem<br />
angeforderten Dokumente zur Prüfung.<br />
Alle rechtlich, steuerlich und betriebswirtschaftlich<br />
relevanten Fragen werden<br />
hier genau geprüft. Schließlich sind<br />
die Ergebnisse der Due Dilligence auch<br />
Basis für mögliche Garantien, die der<br />
Verkäufer geben muss.<br />
Im Anschluss gehen beide Parteien<br />
in die Vertragsverhandlungen.<br />
P.T.: Wo liegen die größten rechtlichen<br />
Risiken einer Unternehmens-Transaktion<br />
und wie können diese vermieden<br />
werden?<br />
C. Löhr: Uns sprechen mittelständische<br />
Unternehmer oft an, wenn der Käufer<br />
und Kaufpreis aus Sicht des Unternehmers<br />
feststehen und ein entsprechender<br />
Vertrag aufgesetzt werden soll.<br />
Bis zu diesem Punkt ist aber oftmals ein<br />
wesentlicher Aspekt nicht einkalkuliert<br />
worden: der Garantiekatalog. Und hier<br />
sehe ich ein enormes Risikopotenzial.<br />
Denn in jedem ernstzunehmenden Kaufvertrag<br />
gibt der Verkäufer Garantien,<br />
zum Beispiel auf laufende Verträge mit<br />
Großkunden, auf gewerbliche Schutzrechte<br />
oder auf eine komplett lizenzierte<br />
Software. Das macht ja schließlich<br />
auch den Wert des Unternehmens aus.<br />
Erstellt wird so ein Garantiekatalog aus<br />
den Ergebnissen der Due Diligence. Die-<br />
ses Risiko muss einkalkuliert werden<br />
– auch in den Kaufpreis des Unternehmens.<br />
Sonst bleibt von der eingeplanten<br />
Altersvorsorge im Fall einer Garantieverletzung<br />
nicht mehr viel übrig.<br />
P.T.: Wann ist ein Unternehmer Ihrer<br />
Erfahrung nach optimal für einen Verkauf<br />
aufgestellt?<br />
C. Löhr: Immer dann, wenn er rechtzeitig<br />
handelt: Wenn der Unternehmer<br />
zu einem möglichst frühen Zeitpunkt<br />
beginnt, über die Nachfolgeregelung<br />
nachzudenken. Wenn er das Projekt<br />
Unternehmensverkauf mindestens fünf<br />
bis sieben Jahre vor dem geplanten Ausscheiden<br />
angeht. Dann sind die Weichen<br />
für einen erfolgreichen Unternehmensverkauf<br />
gestellt. n<br />
Über den<br />
Interviewpartner<br />
n Dr. Christian Löhr ist Rechtsanwalt<br />
und Notar bei der Essener<br />
Wirtschaftskanzlei Kümmerlein.<br />
Schwerpunkte seiner Arbeit sind<br />
neben dem Gesellschaftsrecht<br />
und dem Notariat Unternehmenstransaktionen<br />
und die Beratung<br />
bei Gesellschafterstreitigkeiten.<br />
(Foto: Dr. Christian Löhr)<br />
18 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong> 4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 19<br />
46%<br />
keine<br />
Vorbereitung<br />
41%<br />
emotionale<br />
Gebundenheit kein<br />
Nachfolger<br />
37% 36%<br />
überhöhter<br />
Kaufpreis<br />
25% 25%<br />
steuerliche<br />
Belastung<br />
Altersvorsorge<br />
erhöhen<br />
7%<br />
andere<br />
(Grafik: DIHK/Statista)
Oskar-Patzelt-Stiftung<br />
Unternehmens-Steuerung<br />
Kein Pilot kommt auf die Idee, sein Flugzeug ohne Instrumentenanzeige zu<br />
steuern. Viele Führungskräfte aber steuern ihr Unternehmen im Blindflug.<br />
Die Wirtschaftswelt wird immer komplexer<br />
und volatiler. Wie es Unternehmen<br />
gelingt, ihre Navigationsinstrumente<br />
den sich rasch verändernden Bedingungen<br />
anzupassen, die Steuerungsqualität<br />
zu verbessern und Instrumente zur<br />
Krisenprävention einzuführen, zeigt das<br />
im SpringerGabler Verlag neu erschienene<br />
Buch „Das Unternehmenscockpit“<br />
von Arnold Weissman, Tobias Augsten<br />
und Alexander Artmann. Von Praktikern<br />
für Praktiker geschrieben, schöpft es<br />
aus einem soliden Erfahrungsschatz<br />
konkreter Unternehmensprojekte der<br />
WeissmanGruppe.<br />
Ein nahezu unmögliches Unterfangen<br />
Wie ein Pilot im Cockpit steuern Führungskräfte<br />
ihr Unternehmen durch Turbulenzen.<br />
Ohne Instrumentenanzeige<br />
ein nahezu unmögliches Unterfangen.<br />
Buchtipp<br />
20 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
n Arnold Weissman, Tobias Augsten,<br />
Alexander Artmann: Das Unternehmenscockpit:<br />
Erfolgreiches<br />
Navigieren in schwierigen Märkten.<br />
Springer Gabler Verlag, 35,95<br />
Euro, ISBN: 978-3-8349-4126-8.<br />
Das Unternehmenscockpit bildet im<br />
Sinne einer Landkarte ein Managementsystem<br />
ab, das mit den Bereichen Markt/<br />
Kunde, Prozesse, Mitarbeiter/Lernen<br />
und Finanzen, abstrakte Strategien in<br />
Handlungen umsetzt und damit direkte<br />
Wirkung innerhalb der Organisationen<br />
entfaltet. Das Unternehmenscockpit<br />
gestaltet den gesamten Planungs-, Steuerungs-<br />
und Kontrollprozess des Unternehmens<br />
und schließt dabei die Lücke<br />
zwischen strategischer Planung und operativer<br />
Umsetzung. Es liefert nicht nur<br />
Finanzkennzahlen, sondern zeigt auf, wie<br />
das Unternehmen wirklich funktioniert<br />
und wo es zwischen verabschiedeter<br />
Strategie und formuliertem Ziel steht.<br />
Dabei lenkt das Buch den Blick auch auf<br />
qualitative Einflüsse der Zukunft – neben<br />
finanziellen Messgrößen wichtigste Indizes<br />
für die strategische Steuerung. Die<br />
Über die Autoren<br />
Unternehmensführung wird in die Lage<br />
versetzt, die Notwendigkeit strategisch<br />
relevanter Investitionen zu erkennen und<br />
diese zur Sicherung der Überlebensfähigkeit<br />
des Unternehmens auch umzusetzen.<br />
Unternehmen, die sich allein auf<br />
klassische Kennzahlen verlassen, neigen<br />
zu einer vergangenheitsorientierten,<br />
kurzfristigen Sichtweise, da traditionelle<br />
Kennzahlensysteme Spätindikatoren<br />
verkörpern und wesentliche Zusammenhänge<br />
der Wirklichkeit nicht abbilden.<br />
Das Unternehmenscockpit macht<br />
die Komplexität der strategischen Unternehmenssteuerung<br />
beherrschbar, lenkt<br />
die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche,<br />
formuliert Ziele, macht diese messbar<br />
und versetzt den Leser in die Lage, eigene<br />
Strategien zu entwickeln und diese konsequent<br />
umzusetzen beziehungsweise<br />
deren Status stetig abzugleichen. n<br />
n Prof. Dr. Arnold Weissman ist Professor für Unternehmensführung an der Hochschule<br />
Regensburg, geschäftsführender Gesellschafter von Weissman & Cie. und Erfolgsstratege<br />
für inhaber- und familiengeführte Unternehmen.<br />
n Tobias Augsten, Gesellschafter von Weissman & Cie. und Dr. Alexander Artmann sind Experten<br />
im Bereich „Unternehmenssteuerung“ und haben Erfahrung aus über zehn Jahren beraterischer<br />
Praxis für Familienunternehmen.<br />
(Foto: faire-pi-pi/Flickr.com)<br />
Judorolle gegen Krise<br />
Neues Risikomanagement für das<br />
resiliente Unternehmen<br />
Ein heftiger Schlag ins Gesicht reißt den<br />
Judoka von seinen Füßen. Er fällt. Trainierte<br />
Kämpfer sind auf diese Situation<br />
vorbereitet. Sie beherrschen Falltechniken,<br />
um sich bei Stürzen nicht zu verletzen<br />
und schnell wieder auf die Beine<br />
zu kommen. Für Unternehmen gilt das<br />
nicht. Katastrophen wie der Super-Gau<br />
in Fukushima oder die Terroranschläge<br />
am 11. September 2001 treffen die meisten<br />
Firmen völlig unvorbereitet. Bricht<br />
der Umsatz durch eine andauernde<br />
katas trophale Störung drastisch ein,<br />
schmelzen die liquiden Mittel binnen<br />
kürzester Zeit dahin. Das Unternehmen<br />
fällt, die Insolvenz ist unvermeidbar. Der<br />
Katastrophe von 9/11 folgte eine regelrechte<br />
Pleitewelle. Nahezu alle US-Fluglinien<br />
flüchteten unter Gläubigerschutz,<br />
die europäischen Gesellschaften Sabena<br />
und Swiss meldeten Insolvenz an.<br />
Nur die Deutsche Lufthansa behauptete<br />
sich und ging nach vier Jahren Rezession<br />
gestärkt aus der Krise hervor. Im Opinion<br />
Paper „Fallen lernen“ erklären Berater<br />
der ICT-Managementberatung Detecon,<br />
welche Maßnahmen der Luftfahrtkonzern<br />
ergriff und wie sich Unternehmen<br />
auf lang anhaltende katastrophale Störungen<br />
vorbereiten, um im Ernstfall<br />
handlungsfähig und liquide zu bleiben.<br />
Frühwarnsystem für Global Player<br />
Echte Katastrophen berücksichtigt<br />
das Risikomanagement bislang nicht,<br />
da sie durch eine mathematisierende<br />
Betrachtung des Risikos als unbedeutend<br />
erscheinen. „Das ist falsch“, sagt<br />
(Foto: SOPHOCO/Flickr.com)<br />
Peter Robert Zillekens, Berater bei Detecon<br />
und Ko-Autor der Untersuchung.<br />
Die globale Ökonomie erzeugt aufgrund<br />
ihrer vielfältigen Wechselbeziehungen<br />
unvermeidbar andauernde katastrophale<br />
Störungen. „International operierende<br />
Unternehmen müssen damit<br />
rechnen, auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit<br />
gering ist.“<br />
Kommt es zur Krise, muss ein Unternehmen<br />
schnell und koordiniert reagieren.<br />
Das ist nur möglich, wenn es zuvor<br />
Maßnahmen detailliert ausgearbeitet<br />
und erprobt hat. „Jeder Global Player“,<br />
sagt Zillekens, „braucht ein Frühwarnsystem.“<br />
Schlägt das Sensorium Alarm,<br />
ermittelt das Unternehmen den Schweregrad<br />
der Störung. Dann senkt es systematisch<br />
seinen Ressourcenverbrauch,<br />
um den Umsatzrückgang auszugleichen.<br />
„Es gibt vier Handlungsfelder“, erläutert<br />
Zillekens, „um die Liquidität zu schützen:<br />
Menschen, Anlagegüter, Projekte<br />
und Kontrakte.“ Unternehmen können<br />
etwa gezielt Kurzarbeit einführen,<br />
bestimmte Projekte stoppen, Anlagegüter<br />
virtualisieren und den Leistungsbezug<br />
verschiedener Ressourcen variabel<br />
gestalten. Diese Maßnahmen erhalten<br />
aber nur dann die Liquidität, wenn sie<br />
aufeinander abgestimmt oder gekoppelt<br />
werden. Die Optimierung einzelner<br />
Faktoren ist nicht sinnvoll. „Diese Aktivitäten<br />
müssen so ausgeprägt werden,<br />
dass sie gekoppelt einen Umsatzrückgang<br />
in Höhe von 20 Prozent und mehr<br />
innerhalb eines zuvor definierten Zeitraums<br />
ausgleichen“, rät Zillekens. n<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 21<br />
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Oskar-Patzelt-Stiftung<br />
Die vertrauenswürdigsten Berufe<br />
Deutsche vertrauen Apothekern, Krankenschwestern und der Feuerwehr<br />
Feuerwehrleute, Krankenschwestern<br />
und Piloten sind die drei vertrauenswürdigsten<br />
Berufe Deutschlands. Das Spitzentrio<br />
hat seine hohen Vertrauenswerte<br />
in Europas größter Verbraucherstudie,<br />
durchgeführt vom Magazin Reader’s<br />
Digest, gegenüber den Vorjahren verteidigen<br />
können. Mit wenig Abstand folgen<br />
Apotheker und Ärzte. Ganz offensichtlich<br />
wissen die Deutschen genau, auf wen sie<br />
sich verlassen können, wenn es darauf<br />
ankommt. Nicht zu toppen sind da über<br />
Jahre die Feuerwehrleute. Sie schafften<br />
es in allen zwölf untersuchten Ländern,<br />
den höchsten Vertrauenswert zu<br />
Rang/Beruf Deutschland Alle Länder<br />
1. Feuerwehr 92% 92%<br />
2. Krankenschwestern 89% 82%<br />
3. Piloten 88% 86%<br />
4. Apotheker 85% 80%<br />
5. Ärzte 80% 76%<br />
17. Fußballspieler 20% 20%<br />
18. Autoverkäufer 16% 18%<br />
19. Finanzberater 14% 22%<br />
20. Politiker 10% 7%<br />
(Grafik: Reader’s Digest)<br />
erzielen. In Deutschland sprachen 92 Prozent<br />
der Befragten den Feuerwehrleuten<br />
ein „sehr hohes“ bzw. „ziemlich hohes“<br />
Vertrauen aus. Die Krankenschwestern<br />
folgen mit 89 Prozent, die Piloten mit 88<br />
Prozent, wobei für diesen Berufsstand in<br />
Deutschland erstmals ein Rückgang an<br />
Zustimmung zu verzeichnen ist. Bemerkenswert<br />
außerdem, dass die Landwirte<br />
mit 74 Prozent einen hohen Stellenwert<br />
im Vertrauen der Bevölkerung genießen.<br />
Und das ist in fast allen Ländern<br />
so. Am höchsten in den Niederlanden<br />
(84 Prozent) und in Finnland (82 Prozent).<br />
Apotheker und Ärzte erzielten in<br />
Deutschland einen Vertrauenswert von<br />
85 Prozent bzw. 80 Prozent. Auf den letzten<br />
Plätzen landeten Politiker, Autoverkäufer,<br />
Fußballspieler und Finanzberater.<br />
Vertrauen in Politiker auf Tiefststand<br />
Spannend sind einige Ergebnisse aus<br />
dem Mittelfeld. Können sich beispielsweise<br />
die Richter in Deutschland über<br />
58 Prozent Zustimmung freuen, kommen<br />
sie im europäischen Durchschnitt<br />
nur auf 39 Prozent – ein Prozentpunkt<br />
mehr als die Rechtsanwälte, deren Ruf in<br />
Deutschland mit 52 Prozent um einiges<br />
besser als im Länderschnitt ausfällt. Weiter<br />
abwärts geht es mit dem Ansehen<br />
der Finanzberater. In Deutschland ist<br />
das Vertrauen nur noch bei 14 Prozent<br />
der Befragten hoch bzw. ziemlich hoch<br />
(nach 17 Prozent im Vorjahr), im restlichen<br />
befragten Europa immerhin noch<br />
22 Prozent (Vorjahr: 26 Prozent). Gesamt<br />
gesehen schrumpfte das Ansehen der<br />
Politiker noch einmal um einen Prozentpunkt<br />
(von acht Prozent auf sieben Prozent),<br />
während es sich in Deutschland<br />
leicht verbesserte: von neun Prozent auf<br />
zehn Prozent. In den osteuropäischen<br />
Ländern zeigt sich das Vertrauen in Politiker<br />
auf einem Tiefststand. Unter 50<br />
Prozent bleiben in allen Ländern außerdem<br />
noch Reiseveranstalter, Journalisten,<br />
Gewerkschaftsführer, Fußballspieler,<br />
Autoverkäufer und Priester/Pfarrer.<br />
In Deutschland hat sich allerdings das<br />
Vertrauen bei den Kirchenvertretern im<br />
Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert<br />
(von 37 Prozent auf 48 Prozent) und<br />
damit liegen die Deutschen mit ihrer<br />
Zustimmung auch weit über dem Länderdurchschnitt.<br />
Vielleicht eine Folge der<br />
Bemühungen um mehr Transparenz und<br />
Verantwortung für die aufgedeckten<br />
Skandalfälle. Die Studie „European Trusted<br />
Brands <strong>2013</strong>“ beleuchtet zudem,<br />
warum Verbraucher bestimmten Marken<br />
mehr als anderen vertrauen. In den<br />
Produktkategorien von A wie Automobile<br />
bis Z wie Zahnpasta/Mundpflege<br />
stehen an der Spitze der vertrauenswürdigsten<br />
Marken: Allianz, Aral, Aspirin,<br />
C & A, Frosch, Haribo, Miele, Persil,<br />
Sparkasse, TUI, Odol, Volkswagen und<br />
Wick. Erstmals gelangten in der jährlich<br />
durchgeführten Studie Nestlé, Nordhäuser,<br />
Samsung, Schauma und Sony an die<br />
Spitze ihrer Produktkategorien. n<br />
22 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong> 4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 23<br />
(Foto: Paul-Georg Meister/pixelio.de)<br />
Es kommt nicht auf die Größe an<br />
Die wertvollsten Städte Deutschlands in der Börsenliga<br />
München ist nach wie vor Deutschlands<br />
wertvollste Stadt, in diesem Jahr gefolgt<br />
von Walldorf, Leverkusen, Düsseldorf<br />
und Wolfsburg. Das ergibt die Börsenliga<br />
der globalen Strategieberatung Simon-<br />
Kucher & Partners, die seit 2005 jährlich<br />
zusammengestellt wird. München<br />
ist seit 2005 der Börsengigant auf Platz<br />
Eins: Die Werte der dortigen elf Unternehmen<br />
sind in der Summe dreimal so<br />
hoch wie die der vier nachfolgenden<br />
Städte. „München ist für große Unternehmen<br />
sehr attraktiv, hier macht sich<br />
nicht zuletzt die konsequente Industriepolitik<br />
der letzten Jahrzehnte bemerkbar.<br />
Dort gibt es auch genügend hochqualifizierte<br />
Mitarbeiter, da die Region nicht<br />
nur bei Unternehmen, sondern auch bei<br />
den Menschen sehr beliebt ist“, erklärt<br />
Dr. Georg Tacke, CEO von Simon-Kucher.<br />
Unter anderem tragen Schwergewichte<br />
wie Allianz, BMW und Siemens zum<br />
Ligaerfolg Münchens bei. Das zweitplatzierte<br />
Walldorf ist quasi schon ein Synonym<br />
für SAP und seit 2011 unter den<br />
ersten drei Städten. Ähnlich verhält es<br />
sich bei Wolfsburg mit VW. Leverkusen<br />
– im letzten Jahr noch auf Rang Acht –<br />
überrascht in diesem Jahr mit Rang Drei,<br />
dank des guten Ergebnisses des Bayer-<br />
Konzerns. Düsseldorf hat ebenfalls einen<br />
Stammplatz unter den Top-Positionen<br />
der Börsenliga: Im letzten Jahr noch auf<br />
Rang Zwei, heute auf Rang Vier. Der<br />
Verlierer in diesem Jahr ist Bonn: Die<br />
ehemalige Bundeshauptstadt fliegt zum<br />
ersten Mal in der Geschichte der Börsenliga<br />
aus den Top Fünf und ist auf Rang<br />
Sieben zu finden. „Das liegt aber nicht<br />
etwa an absolut schlechten Ergebnissen<br />
von Telekom und Post. Andere haben<br />
sich in diesem Jahr einfach besser entwickelt<br />
und sind dadurch im Ranking<br />
hochgerutscht“, so Tacke.<br />
Wirtschaftskraft auch auf dem Land<br />
Große Städte belegen in der Börsenliga<br />
nicht immer automatisch einen Spitzenplatz.<br />
Das wird am Beispiel Köln und<br />
Berlin deutlich. Deren Position ist auch<br />
in diesem Jahr mit Rang 19 für die Domstadt<br />
und Rang 24 für die Hauptstadt<br />
äußerst schwach. „Größe allein reicht<br />
nicht aus, um bedeutende Börsenunternehmen<br />
anzuziehen“, sagt Tacke.<br />
Die starke Dezentralisierung der Wirtschaftskraft<br />
ist ein typisch deutsches<br />
Phänomen. Während sich beispielsweise<br />
in Frankreich oder England die Unternehmen<br />
in einem einzigen Ballungs-<br />
PREISTRÄGER<br />
Großer Preis des<br />
MITTELSTANDES 2010<br />
raum konzentrieren, ziehen Großunternehmen<br />
in Deutschland sogar aufs<br />
Land. Bad Homburg (Rang Elf) mit Fresenius,<br />
oder Herzogenaurach (Rang 14)<br />
mit Puma und Adidas bestätigen: es<br />
kommt nicht immer auf die Größe der<br />
Stadt an. n
Oskar-Patzelt-Stiftung<br />
(Fotos: Igor Pastierovik, eventDiary, Boris Löffert, Darvin Taylor)<br />
Wer einen wirklich unvergesslichen<br />
Abend erleben will, der sollte im September/Oktober<br />
zur Preisverleihung „Großer<br />
Preis des Mittelstandes“ mit anschließendem<br />
Mittelstands-Ball kommen.<br />
17:00 Uhr Sektempfang: Man trifft<br />
sich. Man redet. Man ist gespannt. 18:00<br />
Uhr Preisverleihung: Traditionell knistert<br />
der Galaabend vor Spannung: Für den<br />
wichtigsten deutschen Mittelstandswettbewerb<br />
wurden <strong>2013</strong> bundesweit<br />
4.035 Unternehmen nominiert. Doch<br />
keiner der Teilnehmer erfährt vorher,<br />
wen die über 100 Juroren in zwölf Regio-<br />
naljurys als Preisträger oder Finalist ausgewählt<br />
haben. Erst auf der glanzvollen<br />
Auszeichnungsgala werden die Auszuzeichnenden<br />
mit dem Satz „Ich bitte<br />
nach vorn...“ öffentlich bekannt gegeben.<br />
Das sind die Momente, in denen<br />
starke Frauen und gestandene Männer<br />
den Tränen nah sind – vor Glück.<br />
Die Highlights der Ballsaison<br />
Um 20:00 Uhr sorgt das Buffet für<br />
eine emotionale Pause und für kulinarische<br />
Leckerbissen. Dann, um neun,<br />
wird das Deckenlicht im Saal gedimmt.<br />
Tiefe Gongschläge, mitreißende Musik<br />
und furiose Videoclips leiten zum<br />
nächsten Teil des Abends über: zum<br />
Mittelstands-Ball. In Magdeburg und<br />
Dresden, in Berlin und Bremen, in Würzburg<br />
und Düsseldorf haben sich die<br />
Bälle der Oskar-Patzelt-Stiftung einen<br />
Ruf als wahres Highlight der Ballsaison<br />
erworben. Das Motto des Abends ist<br />
„Erfolg für Alle“ bzw. „Zukunfts-Optimisten“.<br />
Durchs Programm führen mit<br />
bewährtem Charme, Witz und Noblesse<br />
die Fernsehmoderatoren Anja Koebel<br />
bzw. Axel Bulthaupt.<br />
Dieser Faszination kann sich<br />
niemand entziehen<br />
Gleich nach dem Eröffnungswalzer erobern<br />
die Gäste die Tanzfläche. Die Band<br />
Princess Jo begleitet das Publikum durch<br />
den Abend und in romantische und rockige<br />
Tanzrunden. Angeheizt durch die spielerische<br />
Raffinesse der Musiker - jeder für<br />
sich ein exzellenter Solist - kann sich dieser<br />
Faszination niemand entziehen. Dann<br />
der Höhepunkt: Edwina de Pooter verzaubert<br />
das Publikum mit ihrer betören-<br />
den Stimme. Mehrfach tanzen sich die<br />
Damen und Herren vom Showballett<br />
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Bremen, Schleswig-Holstein/Hamburg und Rheinland-Pfalz/Saarland<br />
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BLZ 740 20 100 Konto-Nr. 830 4313<br />
(Kennwort: „Großer Preis des Mittelstandes“)<br />
Anzahl:<br />
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Die Karten werden ab 1. Juli <strong>2013</strong> und nach Zahlungseingang versandt. Die Anzahl der Plätze ist beschränkt. Bei Stornierung ab vier<br />
Wochen vor der jeweiligen Veranstaltung berechnen wir eine Stornogebühr von 100%. Bei sonstigen Stornierungen berechnen wir<br />
eine Bearbeitungsgebühr von 20%. Generell bitten wir um Kartenrücksendung bei Stornierungen. Rechnungslegung erfolgt durch die<br />
OPS Netzwerk GmbH im Auftrag der Oskar-Patzelt-Stiftung.<br />
* ermäßigter Preis, gilt nur für Wettbewerbsteilnehmer und Partner der Oskar-Patzelt-Stiftung.<br />
Preis regulär: 240,- zzgl. MwSt., Berlin 250,- zzgl. MwSt. (Alle Preise in Euro)<br />
* * Die Reservierung der Hotelzimmer erfolgt nur direkt bei den Maritim Hotels<br />
bis spätestens vier Wochen vor Veranstaltung. (Kennwort: „Großer Preis des Mittelstandes“)<br />
Ort/Datum Unterschrift<br />
Alle mittelständischen Unternehmer<br />
haben einmal klein angefangen. Einige<br />
werden groß und entwachsen dem Mittelstand,<br />
andere bleiben klein und wollen<br />
auch klein bleiben. Der Mittelstand<br />
ist so vielseitig wie das Leben selbst. Und<br />
doch haben sie alle eines gemeinsam:<br />
sie engagieren sich für ihre Region. Denn<br />
zwischen einem Unternehmen und seinem<br />
Umfeld herrscht eine natürliche<br />
Synergie. Eine sichere Zukunft ist das<br />
Versprechen, das sie sich gegenseitig<br />
geben.<br />
Nun ist dieser Kreislauf in einigen<br />
Regionen in Deutschland vom Hochwasser<br />
massiv gestört worden. Nicht nur Privathaushalte<br />
stehen vor den Trümmern<br />
Kraft und Zuversicht<br />
ihrer Existenz, auch Unternehmen haben<br />
ihre Produktionshallen, Lager, Fuhrparks<br />
oder auch Nutztiere verloren. Die Schäden<br />
sind immens und Versicherungen<br />
und staatliche Hilfen reichen bei weitem<br />
nicht aus, um alle Schäden abzudecken.<br />
In diesen Zeiten zeigt sich der wahre<br />
Zusammenhalt der Menschen. Wenn<br />
Mitarbeiter am Wochenende ihren<br />
Betrieb vom Schlamm befreien und<br />
Unternehmen ihren Kunden den Alltag<br />
erleichtern, indem sie z. B. kostenlos Telefonnummern<br />
umschalten, dann zeigt<br />
sich der wahre Charakter der mittelständischen<br />
Gemeinschaft. Dann zeugt auch<br />
die kleinste Geste von einem großen<br />
Herzen.<br />
Besonders dramatisch ist die jetzige<br />
Situation für diejenigen, die bereits vom<br />
Jahrhunderthochwasser 2002 betroffen<br />
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waren. Es ist geradezu unvorstellbar, was<br />
für eine Belastung der zweite Wiederaufbau<br />
in nur elf Jahren bedeutet. Diese<br />
Herausforderung ist nur zu bewältigen,<br />
wenn man Unterstützung von allen Seiten<br />
erhält. Mit den richtigen Menschen<br />
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vielen freiwilligen Hilfen dieser Tage<br />
lässt die Menschen neuen Mut für einen<br />
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Wirtschaft<br />
Die Zukunft der Versicherungen<br />
Herausforderung für eine konservative Branche<br />
Die deutsche Versicherungswirtschaft<br />
wächst im weltweiten Vergleich auch<br />
weiterhin langsamer als der Durchschnitt.<br />
Marktsättigung reicht als Erklärung<br />
nicht aus, obgleich eine deutliche<br />
Mehrheit angibt, bei ihren Versicherungen<br />
bereits alles Nötige geregelt zu<br />
haben. Denn zugleich erklärt jeder Fünfte<br />
auf Nachfrage, nicht ausreichend abgesichert<br />
zu sein. Zeit- und Geldmangel sind<br />
dafür ebenso ausschlaggebend wie die<br />
hohe Komplexität des Themas und ein<br />
mangelndes Vertrauen zu den Anbietern.<br />
Aus Kundensicht haben sich die Versicherungsunternehmen<br />
und ihre Angebote<br />
in den letzten beiden Jahrzehnten,<br />
also nach Ende der strikten staatlichen<br />
Regulierung, nicht entscheidend verändert<br />
bzw. verbessert. Eine konservative<br />
Grundhaltung und vorsichtiger Umgang<br />
mit Innovationen sind immer noch kennzeichnend<br />
für weite Teile der Branche.<br />
Was aber während der Krise 2008 geholfen<br />
hat am Markt zu bleiben, wird heute<br />
zunehmend zum Problem, denn es hindert<br />
die Unternehmen daran, die notwendige<br />
Flexibilität und Geschwindigkeit zu<br />
entwickeln, um den immer schnelleren<br />
Veränderungen Rechnung zu tragen.<br />
Die Branche muss sich stellen<br />
Dass es auch anders geht zeigen Versicherungen<br />
wie die L&T General Insurance<br />
Company, insurethebox, die Met-<br />
Life Insurance Company oder die ERGO<br />
Direkt mit ihren laufenden Innovationsprojekten.<br />
Markttreiber sind neben<br />
Naturgefahren und technologischen<br />
Veränderungen vor allem die politischen,<br />
gesellschaftlichen und ökonomischen<br />
Entwicklungen. Standardisierungsbestrebungen,<br />
demografischer Wandel,<br />
(digitale) Transparenz und Vertrauen,<br />
tiefes Zinsniveau und Vulnerabilität an<br />
den Finanzmärkten sind hier nur einige<br />
der Stichworte für Entwicklungen und<br />
Trends, denen sich die Branche stellen<br />
muss. Und die das Potenzial haben, die<br />
Kunden-, Unternehmens- und Branchenstrukturen<br />
erheblich zu verändern<br />
und neue Märkte entstehen zu lassen.<br />
Die etablierten Versicherer werden sich<br />
sowohl in ihren heutigen als auch in den<br />
neuen Märkten mit neuen Anbietern mit<br />
neuen Leistungsangeboten und Wertschöpfungsmodellen<br />
auseinandersetzen<br />
müssen. Eine Auseinandersetzung, bei<br />
der ihre traditionelle Stärke im Bereich<br />
der Datenanalyse nicht viel helfen wird,<br />
denn Märkte, die erst neu entstehen<br />
oder geschaffen werden, lassen sich<br />
damit weder erfassen noch verstehen.<br />
Die wichtigsten Trends für Versicherer:<br />
Kundendialog/Vertrieb<br />
Wer das Internet nur als weiteren Marketing-<br />
und Vertriebskanal versteht, der<br />
verkennt das Geschäftspotenzial. Das<br />
Internet verändert die Produkte. Kunden<br />
erwarten, dass sie durch das Internet<br />
bessere Produkte bekommen.<br />
Produkte Dienstleistungen<br />
Kundenerwartungen und geändertes<br />
Kaufverhalten führen zu einer deutlichen<br />
Polarisierung des Marktes. Im Massenmarkt<br />
werden zunehmend Produkte und<br />
Dienstleistungen nachgefragt, die situationsbezogen<br />
und adaptiv auf neue Nutzungssituationen<br />
reagieren. Produkte<br />
und Dienstleistungen müssen konfigurierbar<br />
und skalierbar sein, gleichzeitig<br />
müssen die Vertriebswege und<br />
die Prozesse dahinter so schlank sein,<br />
dass dadurch kein renditeschmälernder<br />
Mehraufwand entsteht.<br />
Geschäftsmodelle<br />
Je weiter die Digitalisierung um sich<br />
greift, desto aggressiver entkoppeln Overthe-top-Angebote<br />
(OTT) das Geschäftsmodell<br />
von der Infrastruktur und drängen<br />
die etablierten Infrastrukturanbieter<br />
skrupellos an den Rand. Die Versicherungen<br />
konkurrieren nicht mehr untereinander,<br />
sondern mit der Internetbranche,<br />
die große Kompetenzvorsprünge im Verständnis<br />
des digitalen Kunden hat.<br />
Unsicherheit<br />
In neuen, bisher unbesetzten Bereichen<br />
der „Unsicherheit“ ergeben sich neue<br />
Geschäftsmöglichkeiten. Es ist offensichtlich,<br />
dass die Versicherungsbranche<br />
droht, die Zeichen des gesellschaftlichen<br />
Wandels zu verkennen. Seit<br />
einigen Jahren verzeichnet unsere Welt<br />
eine gestiegene Unsicherheit unter den<br />
Konsumenten.<br />
Diese Unsicherheit entstand deshalb,<br />
weil die Versicherungsbranche<br />
zwar nach wie vor die alten Gefahren<br />
(Feuer, Wasser, Sturm) professionell mit<br />
Rechenmodellen hinterlegt und versicherbar<br />
macht. Jedoch verkennt sie,<br />
dass die neuen Unsicherheit der Gesellschaft<br />
aus anderen Bereichen kommen:<br />
Bildung, Daten, Netzwerke, etc.<br />
Online-Vergleichsportale<br />
Im Versicherungsbereich sind Online-<br />
Vergleichsportale nicht aufzuhalten.<br />
Das Entscheidungsverhalten der Kunden<br />
geht zunehmend über Portale. Der englische<br />
Markt ist hier in der Umsetzung<br />
deutlich weiter als wir in Deutschland,<br />
z. B. können Suchportale dort bereits<br />
beauftragt werden, immer den billigsten<br />
Anbieter herauszusuchen und Verträge<br />
entsprechend umzuschichten.<br />
(Foto: vorsprach/Flickr.com)<br />
Neue Mitbewerber<br />
Google ist in den USA und in England<br />
bereits in das Vergleichsportal-Geschäft<br />
für Versicherungen eingestiegen und<br />
wird Mitte diesen Jahres voraussichtlich<br />
auch in Deutschland damit an den Start<br />
gehen. Da Google (zumindest perspektivisch)<br />
die üblichen Daten, die über die<br />
Eingabemasken abgefragt werden, mit<br />
seinem umfassende Wissen über Nutzergewohnheiten,<br />
-vorlieben etc. kombinieren<br />
kann, ist nicht nur eine bessere<br />
Qualität (im Sinne von gefühlter Relevanz)<br />
der Ergebnisse möglich, sondern<br />
auch die Entwicklung komplett neuer<br />
Versicherungsangebote - entweder als<br />
Anbieter oder als Mittler in Kooperation<br />
mit Premium-Partnern.<br />
Kampf um den POS<br />
Autohersteller bieten heute durchgehend<br />
auch Finanzierungen und Versicherungen,<br />
häufig auch im „Rundum-Sorglos-Paket“<br />
mit Garantie(verlängerungen)<br />
etc. an - und greifen damit die Agenturen<br />
der klassischen Versicherungen an.<br />
Der Innovations-Anspruch: von Best<br />
Practice zu Next Practice<br />
Die Grundlogik der Versicherungsbranche<br />
und ihrer Wertschöpfung wird heute<br />
schon in Teilbereichen durch Innovatoren<br />
angegriffen. Bestehende Erfolgsmuster<br />
der Versicherer können sehr schnell ihre<br />
Gültigkeit verlieren. Entsprechend dringlich<br />
ist die Suche nach Wegen zur Erneuerung<br />
des Geschäftsmodells, für die<br />
wiederum die Innovationsfähigkeit eine<br />
wesentliche Voraussetzung ist. Erfolgreiche<br />
Innovation verlangt neben der<br />
engen Abstimmung mit der Unternehmensstrategie<br />
und dem Commitment<br />
der Unternehmensführung nach klaren<br />
Regelungen für den eigentlichen Innovationsprozess<br />
und seine Verankerung im<br />
Unternehmen. Der Fokus kann dabei - in<br />
Anlehnung an die Typologie von Clayton<br />
Christensen - auf verschiedene Arten<br />
von Innovation gelegt werden<br />
• „Empowering Innovations“ sind häufig<br />
disruptive Innovationen, die neue<br />
Märkte schaffen oder bestehende<br />
Märk te (deutlich) vergrößern<br />
Der Kampf um die Kunden, muss auf mehreren Ebenen stattfinden<br />
• „Sustaining Innovations“ sind im Kern<br />
inkrementelle Verbesserungen von bestehenden<br />
Produkten und Dienstleistungen<br />
• „Efficiency Innovations“ reduzieren die<br />
Produktions- oder Distributionskosten<br />
für angebotene Leistungen<br />
Mit ihrer Erfahrung und ihren Kompetenzen<br />
sind Versicherungsunternehmen<br />
in der Regel gut aufgestellt, um<br />
Produkte und Dienstleistungen zu verbessern<br />
und die Effizienz der Leistungserbringung<br />
zu steigern. Aber auch für<br />
disruptive Innovationen in der Versicherungsbranche<br />
gibt es eine wachsende<br />
Zahl von Beispielen.<br />
Weitere absehbare Regelbrüche<br />
im Markt<br />
Versicherungen versichern Risiken, bevor<br />
ein Schaden eintritt. Oder auch neuerdings<br />
danach. Bsp.: ERGO Direkt: hier lassen<br />
sich Versicherungen noch abschließen,<br />
wenn der Schadensfall bereits<br />
eingetreten ist, so bei der Zahnzusatzversicherung.<br />
Versicherungen werden sich zunehmend<br />
nicht nur als Schadensregulierer,<br />
sondern zugleich als Präventionsdienstleister<br />
verstehen - etwa im Bereich der<br />
heute nicht abgebildeten Unsicherheiten,<br />
aber auch beispielsweise durch<br />
Hinweise der Telematik-Systeme für<br />
besseres, sicheres Fahren. Versicherungsunternehmen<br />
werden zu Identitätsmanagern<br />
ihrer Kunden, wenn sie sich als<br />
kompetente, wissende Dienstleister mit<br />
einer klaren Ausrichtung an Leitlinien<br />
(ethisch, gesellschaftlich, ökologisch, ...)<br />
positionieren. Die Grundlogik des Provisionsmodells<br />
wird voraussichtlich in<br />
Teilbereichen aufgelöst, wie dies etwa<br />
die Quirin-Bank als „Honorarberater“ im<br />
Finanzsektor seit einigen Jahren praktiziert.<br />
Versicherungsvertreter und -makler<br />
erhalten damit die Chance, sich sehr<br />
viel glaubhafter als „im Sinne des Kunden“<br />
handelnd zu positionieren. n<br />
Jörg Wallner<br />
Über den Autor<br />
n Dr. Jörg Wallner entwickelt als<br />
„Director Innovation Management<br />
& Consulting“ bei dem 2b AHEAD<br />
ThinkTank Innovationsstrategien<br />
und Geschäftsmodelle der<br />
Zukunft. Als Dozent lehrt er am<br />
Competence Center Digital Economics<br />
in Hamburg.<br />
(Foto: Jörg Wallner)<br />
30 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong> 4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 31<br />
(Foto: library_mistress/Flickr.com)
Wirtschaft<br />
Schlüsseltechnologie Selbstzündung<br />
Chancen für den europäischen Markt für erdgasbetriebene Nutzfahrzeuge<br />
Angetrieben von Energiepreisschwankungen,<br />
verschärften Emissionsnormen<br />
und der Schiefergas-Revolution in den<br />
USA gewinnt der Markt für erdgasbetriebene<br />
Fahrzeuge erheblich an Dynamik.<br />
Von allen alternativen Erdgastechnologien<br />
üben Druckgas (CNG)- und Biomethan-Technologien<br />
den geringsten<br />
Veränderungsdruck auf die bestehende<br />
Infrastruktur aus. Bis zum Jahr 2018 dürfte<br />
der europäische Erdgasmarkt Produktionsmengen<br />
von fast 18.000 Einheiten<br />
erreichen. Laut einer aktuellen Studie<br />
von Frost & Sullivan wird der Europamarkt<br />
für mittelschwere bis schwere<br />
erdgasbetriebene Nutzfahrzeuge, Lkws<br />
und Busse eine Marktdurchdringung von<br />
geschätzten 3,4 Prozent bzw. 12,7 Prozent<br />
bis 2018 erreichen. Die Funkenzündung<br />
wird rund 90 Prozent der gewerblich<br />
hergestellten erdgasbetriebenen Busse<br />
ausmachen, wohingegen die Selbstzündung<br />
den Flüssiggas (LNG)-Lkw-Markt<br />
mit rund 60 Prozent beherrschen wird.<br />
Im Schwerlastsegment werden erdgasbetriebene<br />
Lkws mit LNG mit 75 Prozent<br />
der Verkäufe die marktdominierende<br />
Brennstoffvariante bilden.<br />
Untragbare Ausgaben<br />
„OEMs müssen den Markt sowie anwendungsfokussierte<br />
Technologien entwickeln,<br />
um den gegenwärtigen Stand der<br />
Erdgasinfrastruktur durch eine nachfol-<br />
Bestand an Erdgastankstellen in Deutschland<br />
203<br />
2001<br />
301<br />
2002<br />
379<br />
2003<br />
32 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
528<br />
20<strong>04</strong><br />
639<br />
2005<br />
723<br />
2006<br />
769<br />
2007<br />
814<br />
2008<br />
860<br />
2009<br />
(Foto: Wikimedia/CC-3.0/Latschari)<br />
von 2001 bis 2012<br />
900<br />
2010<br />
9<strong>04</strong><br />
2011<br />
906<br />
2012<br />
(Grafik: Initiative Erdgasmobilität Mineralölwirtschaftsverband/Statista)<br />
gende zukunftsfähige CNG/LNG-Infrastruktur<br />
zu ergänzen. Der Fokus sollte auf<br />
den Lieferketten liegen, um die Vorlaufkosten<br />
für diese Fahrzeuge zu senken, denn<br />
derzeit nehmen viele potentielle Kunden<br />
die Ausgaben noch als untragbar hoch<br />
wahr“, erklärt Frost & Sullivan Automotive<br />
& Transportation Consulting Analyst,<br />
Saideep Sudhakar. „OEMs und Zulieferer<br />
arbeiten jedoch unabhängig und synergistisch<br />
daran, durch eine Kombination<br />
aus vertikaler und virtueller Integration<br />
für Wachstumsdynamik in diesem sich<br />
stabil entwickelnden Marktsegment zu<br />
sorgen.“ Die Bereitschaft der OEMs, Produkte<br />
durch Technologiepartnerschaften<br />
zu differenzieren, führt zur zunehmenden<br />
Fokussierung auf Selbstzündungs- und<br />
dualen Brennstofftechnologien, so<br />
genannte Dual-Fuel-Technologies. Selbstzündung<br />
macht erdgasbetriebene Fahrzeuge<br />
langstreckentauglich, wodurch<br />
die höheren Vorlaufkosten ausgeglichen<br />
würden – allerdings unter der Voraussetzung,<br />
dass Kraftstoffinfrastruktur und<br />
Diesel-Erdgas-Preisgefälle existieren.<br />
Fokus auf die vertikale Integration<br />
In Zukunft werden die Margen für Modul-<br />
Zulieferer schrumpfen, und dasselbe wird<br />
auch bei Komponenten-Zulieferern passieren,<br />
wenn OEMs Preisdruck ausüben,<br />
sobald die Mengen anwachsen. Beschränkungen<br />
im Hinblick auf den Betriebszyklus<br />
der erdgasbetriebenen Fahrzeuge<br />
können überwunden werden, wenn<br />
gemeinschaftliche Strategien auf die Entwicklung<br />
von Fahrzeugen und Produkten<br />
abzielen, die höchste Effizienz in bestimmten<br />
gezielten Berufen und Betriebszyklen<br />
zusammen mit der notwendigen Kraftstoffinfrastruktur<br />
bereitstellen. „OEMs<br />
müssen Betriebszyklen entwickeln, die<br />
sich auf Produktplattformen konzentrieren,<br />
und mit Kraftstofflieferanten und<br />
Regierungen zusammenarbeiten, um<br />
ein günstiges Umfeld für die Annahme<br />
der erdgasbetriebenen Fahrzeuge durch<br />
Fuhrparkbetreiber zu schaffen“, rät Sudhakar.<br />
„Lieferanten müssen sich auf die<br />
vertikale Integration fokussieren, um ein<br />
nachhaltiges Wachsen und Entwickeln<br />
des Marktes zu gewährleisten.“ n<br />
Ein Traditionsunternehmen<br />
mit dem Schlüssel zum Erfolg<br />
Das Familienunternehmen WILKA<br />
Schließtechnik GmbH blickt auf eine<br />
lange Tradition zurück. Bereits seit fünf<br />
Generationen befasst sich das 1865<br />
gegründete Urgestein der Branche mit<br />
Schlössern und Schließtechnik. Angefangen<br />
bei Möbelschlössern, folgten im<br />
Laufe der Unternehmensgeschichte die<br />
Produktbereiche Rohrrahmenschlossproduktion,<br />
Türschlossproduktion, Zylinderproduktion<br />
und Elektronikzylinder.<br />
Obgleich das Unternehmen auf eine<br />
lange Tradition zurückblicken kann, hat<br />
es sich ebenso für die Zukunft aufgestellt.<br />
Am Unternehmenssitz in Velbert<br />
veränderte sich im Zuge eines Neubaus<br />
im Bereich der Produktion im letzten Jahr<br />
einiges. Ende November 2012 wurde ein<br />
neues Gebäude in Betrieb genommen.<br />
Dieses beherbergt nun die weltgrößte<br />
Räumbank für Zylinderkerne. „1.000<br />
scharfe Messer sind dort im Einsatz und<br />
schaffen eine hohe Zahl an Profilen. So<br />
fertigen wir bei optimalen Bedingungen<br />
unsere großen Schließanlagen“, erklärt<br />
Geschäftsführer Wolfgang Schlieper.<br />
WILKA bekennt sich zum Standort<br />
Deutschland und ist Teil und Mitinitiator<br />
der Schlüsselregion e.V. Das ambitionierte<br />
Ziel aller Vereinsmitglieder ist<br />
der Aufbau eines Forschungsinstituts in<br />
der Schlüsselregion Velbert/Heiligenhaus.<br />
Darüber hinaus ist WILKA auch mit<br />
einem Tochterunternehmen in Polen am<br />
Markt erfolgreich. Die WILKA Polska in<br />
Leszno beschäftigt 40 Mitarbeiter und<br />
hat sich dort seit zwölf Jahren im Premiumsegment<br />
der mechanischen Schließzylinder<br />
als Marktführer etabliert.<br />
Mitarbeiter mit einer hohen Firmen-<br />
Identifikation sind für WILKA das wichtigste<br />
Kapital. Weil Kundenzufriedenheit<br />
die Basis für Wachstum ist, setzt<br />
das Unternehmen auf seine Mitarbeiter<br />
sowie langfristige Geschäftsbeziehungen<br />
mit Lieferanten und Dienstleistern.<br />
Insgesamt 245 Mitarbeiter<br />
arbeiten am Hauptsitz in Velbert an<br />
hochwertigen Sicherheitslösungen. Die<br />
hohe Motivation der Mitarbeiter und<br />
umfassende Weiterbildungsangebote<br />
sind der Garant für eine breite und qualitativ<br />
hochwertige Produktpalette. n
Wirtschaft<br />
Afrikanisches Jahrhundert<br />
Südafrika’s neue Mittelschicht: jung, gebildet und konsumfreudig<br />
Südafrika ist seit Jahren die stärkste<br />
Wachstumsregion Afrikas und steht<br />
auch weltweit an der Spitze des Investitionswachstums.<br />
Laut Prognosen von<br />
Natürliche Konzepte für:<br />
Mit cdVet geht es uns gut,<br />
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McKinsey für das Jahr 2030 werden<br />
die 18 größten afrikanischen Städte<br />
Konsum ausgaben von 1,3 Mrd. US Dollar<br />
(ca. 1 Mrd. EUR) generieren. Nicht<br />
zuletzt durch eine immer stärker wachsende<br />
neue Mittelschicht.<br />
Die neue Mittelschicht ist jung<br />
und gebildet und stellt die Grundlage<br />
für gesellschaftlichen Wohlstand<br />
und Erfolg dar. Die Bildungselite hat<br />
in den vergangenen acht Jahren stetig<br />
an Zuwachs gewonnen. Südafrikas<br />
schnell wachsende Metropolregionen<br />
Johannesburg, Kapstadt oder Durban<br />
ziehen die neue Konsumentengeneration<br />
ganz besonders an. Sie bündeln<br />
Talente, neue Technologien und Innovationen<br />
und bieten somit einen optimalen<br />
Nährboden für zukunftsweisende<br />
Veränderungen. Auffallend positiv hat<br />
sich dabei vor allem Südafrikas schwarze<br />
Mittelschicht entwickelt. Neuen<br />
Forschungsergebnissen des UCT Uni<br />
Die Mounting Systems GmbH in Rangsdorf ist<br />
eines der weltweit führenden Unter nehmen<br />
in der Entwicklung und Produktion von Befestigungssystemen<br />
für Solar anwendungen.<br />
Mit 20 Jahren Erfahrung gehören wir zu<br />
den innovativsten Herstellern auf diesem Gebiet.<br />
Mit höchstem Anspruch an Kundenzufriedenheit<br />
und Qualität sind wir mit über<br />
250 Mitarbeitern an unseren Standorten<br />
in Frankreich, Großbritannien und den USA<br />
sowie an unserem Hauptsitz in Rangsdorf<br />
bei Berlin tätig.<br />
lever Institute of Strategic Marketing<br />
zufolge stieg die Anzahl schwarzer Mittelschichtler<br />
von 1,7 Millionen im Jahr<br />
20<strong>04</strong> auf 4,2 Millionen im Jahr 2012.<br />
Den Europäern voraus<br />
Die jüngste Studie des Unilever Institute<br />
„4 Million and Rising“ zeigt, dass<br />
die jährlichen Ausgaben der schwarzen<br />
Mittelschicht die der weißen Mittelschicht<br />
im Jahr 2008 erstmals übertrafen<br />
und seither rasant auf aktuell<br />
400 Mrd. Rand (31 Mrd. EUR) jährlich<br />
angestiegen sind. „Trotz der Rückschläge,<br />
die Südafrika im Zuge der jüngsten<br />
Rezession erlitt, breitet sich die schwarze<br />
Mittelschicht des Landes rasch aus<br />
und ist einflussreicher und mächtiger<br />
als je zuvor“, erklärte der Direktor des<br />
Unilever Institute, John Simp son. „Im<br />
Gegensatz dazu stagnierte die weiße<br />
Mittelschicht in diesem Zeitraum<br />
ungefähr auf dem gleichen Niveau: Die<br />
Mounting Systems ist DIN ISO 9001 zertifiziert.<br />
In den letzten Jahren war das Unternehmen<br />
regelmäßig für Unter nehmens und<br />
Qualitätspreise nominiert und hat diverse<br />
Auszeichnungen gewonnen. Umsatz, Gewinn<br />
und Mit arbeiter zahlen wurden in den letzten<br />
Jahren ebenso nachhaltig gesteigert wie das<br />
soziale Engagement vor Ort.<br />
Mounting Systems GmbH • Mittenwalder Straße 9a<br />
D 15834 Rangsdorf www.mounting-systems.com<br />
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(Foto: whiteafrican/Flickr.com)<br />
weiße Bevölkerung wuchs von 2,8 Millionen<br />
im Jahr 20<strong>04</strong> auf 3 Millionen im<br />
Jahr 2012.“<br />
„Es ist ausschlaggebend für die<br />
Zukunft und die positive Entwicklung<br />
der Wirtschaft, dass dieser Markt weiterhin<br />
wächst und gedeiht. Die schwarze<br />
Mittelschicht trägt zum Aufbau einer<br />
dynamischen, stabilen Gesellschaft bei,<br />
indem sie die Qualifikationsbasis des<br />
Landes stärkt, das Angebot an Arbeitsplätzen<br />
sowie die Steuereinnahmen<br />
erhöht.“<br />
Während die Europäer sich<br />
noch sträuben<br />
Simpson erklärte weiter, eine der wichtigsten<br />
Entwicklungen, der letzten zehn<br />
Jahre sei der Vernetzungsgrad im Kundenmarkt.<br />
Schätzungen zufolge verfügen<br />
95 Prozent aller südafrikanischen<br />
Bürger der schwarzen Mittelschicht<br />
über ein Mobilfunktelefon, im Vergleich<br />
zu 64 Prozent im Jahr 20<strong>04</strong>. Dementsprechend<br />
führte das Aufkommen der<br />
Smartphones und die zunehmende Verbreitung<br />
von Breitbandverbindungen<br />
im gleichen Zeitraum zu einer Vervierfachung<br />
der Internetnutzung. Damit<br />
verbunden ist auch der starke Anstieg<br />
der Mobile Economy.<br />
Während die Europäer sich noch<br />
sträuben Bankgeschäfte mithilfe von<br />
Mobiltelefonen abzuwickeln, tätigen<br />
viele Afrikaner heute schon ganz selbstverständlich<br />
ihre Geldtransfers via Handy.<br />
Der bargeldlose Geldverkehr könnte<br />
außerdem helfen die Korruption in Afrika<br />
einzudämmen.<br />
Verändertes Konsumentenverhalten<br />
Die neue Studie zeigt außerdem bedeutende<br />
Veränderungen in der Haltung<br />
der Konsumenten gegenüber Markenprodukten.<br />
Während die Teilnehmer im<br />
Jahr 2000 dazu tendierten, sich über<br />
Marken zu definieren, gab der Großteil<br />
der Befragten in der aktuellen Studie<br />
an, Marken eher als Erweiterung ihrer<br />
Identität zu betrachten. Trotz der leichten<br />
Konjunkturdämpfung, ist dennoch<br />
ein vergleichsweise starker Konsumwille<br />
innerhalb der südafrikanischen Mit<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 35<br />
telschicht zu verzeichnen. Immer mehr<br />
Großkonzerne erkennen dieses Potenzial<br />
und passen ihre Güter und Dienstleistungen<br />
bedarfsgerecht an. Auch die<br />
deutsche Wirtschaft hat das Potential<br />
des Landes erkannt. Südafrika ist außerhalb<br />
Europas inzwischen der siebtgrößte<br />
Handelspartner der Bundesrepublik.<br />
Deutschland steht gar an zweiter Stelle<br />
der wichtigsten wirtschaftlichen Kooperationspartner<br />
für Südafrika.<br />
Seit der Fußballweltmeisterschaft<br />
2010 verzeichnet das Land einen starken<br />
Aufwärtstrend. Im Bereich Infrastruktur<br />
und Energie werden die größten<br />
Summen investiert. Dank des guten<br />
Rufes von Produkten „made in Germany“<br />
werden auch weiterhin Aufträge<br />
an deutsche Firmen vergeben werden.<br />
Aktivitäten deutscher Unternehmen<br />
in Südafrika sind häufig das Sprungbrett<br />
in andere Länder des südlichen<br />
Afrika, wie Namibia, Angola, Tansania,<br />
Sambia oder Mozambik. Die zum Teil<br />
sehr hohen Wachstumsraten stimulieren<br />
stets mehr deutsche Unternehmen,<br />
auch in diesen Regionen tätig zu werden.<br />
Ob Hersteller von Energieanlagen,<br />
Anbieter von Lebensmitteln oder Experten<br />
im Bereich Wassertechnik, die Chancen<br />
für deutsche Unternehmen am Kap<br />
sind gut.<br />
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts<br />
steht der Löwenstaat Afrikas auf dem<br />
Sprung in eine neue und hoffnungsvolle<br />
Zukunft. n<br />
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Wirtschaft<br />
Schwule retten Reisewirtschaft<br />
Der Tourismus profitiert von zahlungskräftigen homosexuellen Reisenden<br />
Thema Gay & Lesbian Travel auf der<br />
ITB Berlin <strong>2013</strong><br />
Am Strand von Capocotta in Italien hat man<br />
bereits auf die Marktlücke reagiert<br />
(Foto: dbking/Flickr.com)<br />
(Foto: <strong>2013</strong> Messe Berlin GmbH)<br />
(Fotos: Wikimedia/CC-2.0/Anthony M.)<br />
LGBT-Reisende geben durchschnittlich 57 Prozent<br />
mehr Geld im Urlaub aus<br />
Gay-Strände sind bereits in vielen<br />
Urlaubsländern etabliert<br />
(Foto: blmurch/Flickr.com)<br />
(Foto: Globalism Pictures/Flickr.com)<br />
(Wikimedia/CC-2.0/David Sim)<br />
Schwule und lesbische Hotelgäste<br />
geben im Urlaub durchschnittlich 57<br />
Prozent mehr Geld aus als heterosexuelle<br />
Reisende. Das belegt eine aktuelle<br />
Studie des ITB Berlin Partners Community<br />
Marketing Inc., die von Rika Jean-<br />
Francois, CSR Beauftragte der ITB Berlin<br />
und Vorstandsmitglied bei der International<br />
Gay & Lesbian Travel Association<br />
(IGLTA) auf dem ITB Berlin Kongress<br />
sowie kürzlich auf einer Strategietagung<br />
von Wien Tourismus vorgestellt wurde.<br />
Insgesamt 5.700 Personen wurden bei<br />
der Umfrage von Community Marketing<br />
Inc. Ende vergangenen Jahres in den USA<br />
zu ihren Reisegewohnheiten befragt.<br />
Neben den Hotels profitiert der Studie<br />
zufolge auch die gesamte Destination<br />
von den sogenannten LGBT-Reisenden<br />
(Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender).<br />
Sonnenschein und Erholung im Urlaub<br />
am wichtigsten<br />
Die Tatsache, ob ein Reiseziel sich als<br />
freundlich („gay-friendly“) gegenüber<br />
LGBT-Urlaubern präsentiert, zählt laut<br />
der Umfrage für 40 Prozent der schwulen<br />
und für knapp ebenso viele lesbische<br />
Befragte aus den USA zu den wichtigsten<br />
Beweggründen bei der Wahl<br />
der Destination. Bei den Ansprüchen<br />
an den Urlaub liegt bei 67 Prozent der<br />
schwulen und 66 Prozent der lesbischen<br />
Reisenden das warme Wetter an der<br />
Spitze, gefolgt von kulturellen Angeboten,<br />
Strand und Kulinarik.<br />
Zu den Hauptinteressen auf Reisen<br />
zählen für über die Hälfte der Studienteilnehmer<br />
Erholung. Auf dem zweiten<br />
Platz liegt bei schwulen Reisenden mit<br />
35 Prozent der Besuch von Freunden<br />
und Familie, lesbische Paare nannten<br />
mit 32 Prozent, Zeit mit ihrer Partnerin<br />
zu verbringen. Bei der Auswahl eines<br />
Hotels zählte die Lage für 33 Prozent der<br />
schwulen und 30 Prozent der lesbischen<br />
Befragten zu den ausschlaggebenden<br />
Gründen.<br />
Der Preis landete mit rund 30<br />
Prozent bei beiden Zielgruppen auf<br />
Platz zwei. LGBT-Reisende sind sehr<br />
internetaffin: Bei der Informationssuche<br />
rund um ihre Reise vertrauen 59 Prozent<br />
der lesbischen und 54 Prozent der<br />
schwulen nordamerikanischen Reisenden<br />
auf Empfehlungen von Freunden<br />
und Familie. Danach folgen Reise-<br />
Websites. Werbung, die sich speziell an<br />
die LGBT-Zielgruppe richtet, wurde von<br />
41 Prozent der schwulen und 36 Prozent<br />
der lesbischen Reisenden bei der Suche<br />
nach Informationen genutzt.<br />
Engagement für LGBT-Reisende<br />
Die ITB Berlin setzt sich im Rahmen<br />
ihres CSR Selbstverständnisses bereits<br />
seit Jahren für Menschenrechte im<br />
Tourismus ein, also auch für Toleranz<br />
und Diversität und engagiert sich zum<br />
Beispiel als Mitglied der International<br />
Gay & Lesbian Travel Association (IGLTA).<br />
2003 präsentierten sich erstmals<br />
Aussteller aus dem LGBT-Bereich auf<br />
der weltgrößten Reisemesse. Seit drei<br />
Jahren finden im Rahmen des ITB Berlin<br />
Kongress auch Vorträge und Diskussionen<br />
zum Thema statt und LGBT-Travel<br />
wurde eines von 15 eigenständigen<br />
Segmenten auf der weltweit größten<br />
Reisemesse.<br />
Es verzeichnet seitdem eine stetig<br />
steigende Nachfrage. Heute hat die ITB<br />
Berlin das größte Angebot an LGBT-<br />
Reiseprodukten und Destinationen aller<br />
Tourismusmessen weltweit. Mit einem<br />
großen „Gay & Lesbian Travel Pavillion“,<br />
der ITB TomOnTour-Party und verschiedenen<br />
weiteren begleitenden LGBT-<br />
Events setzt die ITB Berlin ein Zeichen<br />
für Toleranz und gleiche Rechte. Mit<br />
Seminaren über LGBT-Tourismus in<br />
Indien im Jahr 2011, einem Informationsstand<br />
auf der ITB Asia 2012 in Singapur,<br />
einem LGBT-Informationstand auf<br />
der ABAV <strong>2013</strong> in Rio und internationalen<br />
Seminaren und Symposien weltweit<br />
fördert die ITB Berlin mit der ITB<br />
Academy auch die Enttabuisierung und<br />
Entwicklung dieses wichtigen Marktsegments<br />
in anderen Ländern.<br />
Wien Tourismus hat auf der ITB<br />
Berlin <strong>2013</strong> eine strategische Partnerschaft<br />
mit der ITB Berlin zum LGBT-<br />
Segment geschlossen, um dieses künftig<br />
gemeinsam global zu fördern und<br />
weiterzuentwickeln. n<br />
36 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong> 4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 37<br />
(Foto: TheGirlsNY/Flickr.com)<br />
(Foto: Wikimedia/CC-3.0/Surrogacy-UK)<br />
: (Foto: Ewan-M/Flickr.com)
Wirtschaft<br />
Bürger auf den Barrikaden<br />
Und die Politik handelt weiter nach dem Mikado-Prinzip<br />
Immer mehr Bürger sind wütend.<br />
Zumeist richtet sich ihr Zorn gegen<br />
Infrastrukturmaßnahmen oder Stadtentwicklungsprojekte.<br />
Man möchte<br />
den modernisierten Bahnhof, das neue<br />
Gewerbegebiet oder einen weiteren<br />
Flughafen nicht vor der eigenen Haustür<br />
haben: frei nach dem Prinzip: „Heiliger<br />
Sankt Florian / Verschon' mein Haus /<br />
Zünd' andre an“.<br />
Warum gehen Bürger auf die Barrikaden?<br />
Diese Frage hat sich der Göttinger<br />
Politikwissenschaftler Franz Walter<br />
mit einem Team junger Wissenschaftler<br />
seines Instituts für Demokratieforschung<br />
gestellt. Untersucht wurden Bürgerproteste<br />
gegen Bauprojekte im Zuge<br />
der Energiewende, Proteste im Bereich<br />
der Bildungspolitik, die Anti-Atomkraft-<br />
Bewegung, Occupy, Anti-Euro-Proteste<br />
etc. Laut Bernhard Shaw sind alte Männer<br />
deshalb gefährlich, weil „ihnen die<br />
Zukunft egal“ ist. Dies trifft offenbar<br />
auch auf die deutsche Protestbewegung<br />
zu, die vornehmlich im Milieu der Kinderlosen<br />
stattfindet. Bürger, die dauernd<br />
in Wut sind, haben viel Tagesfreizeit.<br />
Arbeiter sind kaum unter den<br />
Protestierenden zu finden<br />
38 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
(Foto: Khairul Abdullah/Flickr.com)<br />
(Foto: Libertinus/Flickr.com)<br />
So finden sich in der Riege der Erregten<br />
besonders viele Hausmänner, Teilzeitangestellte,<br />
Freiberufler, Schüler, Pastoren<br />
und Lehrer, aber auch – siehe Shaw –<br />
eine Vielzahl an Vorruheständlern, Pensionären<br />
und Rentnern. Heutzutage sind<br />
Wutbürger meist studierte Leute, oft<br />
Ingenieure oder andere Angehörige der<br />
technischen Intelligenz. Arbeiter sind<br />
kaum unter den Protestierenden zu finden.<br />
Die Kluft zu den Angehörigen nichtakademischer<br />
Schichten wächst also.<br />
Entwicklung zur<br />
„Misstrauensgesellschaft“<br />
„Protest und Kritik sind wichtige Elemente<br />
einer lebendigen Demokratie. Ich<br />
halte es allerdings ähnlich wie Walter<br />
für problematisch, wenn wir uns hin<br />
zu einer „Misstrauensgesellschaft“ entwickeln.<br />
Ohne Medien, Lobbyisten und<br />
Parteipolitiker ist nun mal kein Staat zu<br />
machen. Nach dem Parteitag der Liberalen<br />
findet die Bundesregierung nun<br />
vielleicht endlich mal wieder die Kraft für<br />
Reformen und mutiges Regieren. Kanzler<br />
Schröder hat vor fast auf den Tag genau<br />
zehn Jahren mit seiner „Agenda 2010“<br />
bewiesen, wie man gut und nachhaltig<br />
regieren kann, ohne immer nach dem<br />
Wähler zu schielen. Unsere Wirtschaft<br />
und unser Land profitieren noch heute<br />
von den damals eingeleiteten Maßnahmen.<br />
Sollte diese Regierung weiter nach<br />
dem Mikado-Prinzip „Wer sich bewegt,<br />
hat verloren“ regieren, dann wird an<br />
greifbaren Erfolgen nicht viel übrig bleiben“,<br />
sagt der Personalexperte Michael<br />
Zondler. Das politische Geschäft ist nun<br />
einmal mühsam, und die einfachsten<br />
Lösungen sind nicht immer die besten.<br />
Es braut sich was zusammen<br />
Ein Beispiel für weit verbreiteten<br />
Unmut der Bevölkerung ist die Euro-<br />
Politik. Die „Wahlalternative <strong>2013</strong>“, die<br />
von verschiedenen Volkswirtschaftsprofessoren<br />
und konservativen Publizisten<br />
wie Konrad Adam oder Alexander<br />
Gauland getragen wird, macht zurzeit<br />
Furore. Dort sammelt sich laut FAZ der<br />
Protest von Anwälten, Professoren, Pensionären<br />
und Beamten gegen die Politik<br />
der Bundesregierung und der gesamten<br />
Euro-Rettung. „Es ist augenscheinlich,<br />
dass sich hier etwas zusammenbraut,<br />
auch wenn ein solches Bündnis aufgrund<br />
eines prominenten Zugpferds an<br />
der Spitze bei Wahlen vielleicht keine<br />
große Chance hat. Als Unternehmer ist<br />
man gewohnt, schnell Entscheidungen<br />
zu treffen. Als Volkswirtschaftsprofessor<br />
oder Journalist kann man die reine<br />
Lehre hochhalten. Da haben es Politiker<br />
schwerer. Allerdings ist die Art, wie die<br />
Politik momentan Probleme aussitzt<br />
und lieber Personalkämpfe betreibt, mit<br />
verantwortlich für das Anwachsen der<br />
„Wutbürger“. n<br />
Über den Autor<br />
Ansgar Lange<br />
n Ansgar Lange ist Politikwissenschaftler<br />
und Publizist. Er<br />
studierte Politische Wissenschaft,<br />
Geschichte und Germanistik in<br />
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Ob Flughäfen, Autobahnen oder Tanklager.<br />
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für Verkehrsflächen<br />
und Anlagen zum Lagern, Abfüllen und<br />
Umschlagen wassergefährdender Stoffe.<br />
www.saft-polymertechnik.de<br />
EDUR-Pumpenfabrik<br />
Eduard Redlien GmbH<br />
& Co. KG<br />
SAFT<br />
Polymertechnik<br />
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OPS Netzwerk GmbH<br />
www.pt-magazin.de<br />
Die Oskar-Patzelt-Stiftung<br />
www.mittelstandspreis.com<br />
OPS GmbH<br />
Netzwerk<br />
Betreibt das Kompetenznetz-Mittelstand,<br />
verlegt das bundesweite P.T. Magazin<br />
und ist Hauptsponsor des Wettbewerbs<br />
„Großer Preis des Mittelstandes“.<br />
Die Oskar-Patzelt-Stiftung mit Sitz in<br />
Leipzig nimmt sich bundesweit der<br />
Würdigung hervorragender Leistungen<br />
mittelständischer Unternehmen an und<br />
verleiht jährlich im Herbst den Wirtschaftspreis<br />
„Großer Preis des Mittelstandes”.<br />
Netzwerken auf höchstem Niveau<br />
Großer Preis des<br />
MITTELSTANDES<br />
Oskar-Patzelt-Stiftung<br />
Die Arbeit im Netzwerk der Besten, im Kreis der Teilnehmer des Wettbewerbs „Großer Preis des<br />
Mittelstandes“ der Oskar-Patzelt-Stiftung entwickelt sich zum 5-Sterne-Netzwerken. Der Begriff<br />
OPWERKEN lehnt sich bewusst an die Oskar-Patzelt-Stiftung und deren Servicegesellschaft, die<br />
OPS Netzwerk GmbH, an. OPWERKEN verbindet vier Tätigkeitsbereiche:<br />
• Empfehlungsmarketing<br />
• Positionierung<br />
• Kommunizieren<br />
• Führen und Gestalten<br />
Gefragt sind Kreativität und Konsequenz in der Nutzung dieser Instrumente.<br />
Empfehlungsmarketing<br />
Zum Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ kann man sich nicht selbst bewerben, sondern<br />
muss von Dritten nominiert werden. Da es weder Teilnahme- noch Bearbeitungsgebühren gibt,<br />
kann man sich auch nicht „einkaufen“. Firmen zum Wettbewerb zu nominieren, ist daher Empfehlungsmarketing<br />
pur.<br />
Positionierung<br />
Man kann Firmenprofile auf www.kompetenznetz-mittelstand.de pflegen und mit Inhalten<br />
anreichern. Man kann sich in den Medien und Websites des Wettbewerbs präsentieren. Und<br />
man kann auf Tagungen und Veranstaltungen des Wettbewerbs auftreten, und und und… Nicht<br />
umsonst berichten bereits mehr als 40 Bücher über den Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“.<br />
Kommunizieren<br />
Man muss miteinander reden, wenn man sich wirklich kennenlernen und miteinander ins Geschäft<br />
kommen will. Dafür bieten der Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ mit seinen Websites,<br />
Veranstaltungsformaten und Medien eine hervorragende Plattform. Natürlich auch im Web2.0:<br />
• www.youtube.com/opsnetzwerk<br />
• www.flickr.com/photos/opwerk<br />
• http://twitter.com/#!/opsnetzwerk<br />
• www.xing.com/companies/oskar-patzelt-stiftung<br />
• www.facebook.com/opwerk<br />
• http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Preis_des_Mittelstandes<br />
Führen und Gestalten<br />
In fünf Wettbewerbskriterien erfassen die Juryfragebögen ein Unternehmen als Ganzes und in<br />
seiner Rolle in der Gesellschaft. Bereits seit Jahren werden die Juryunterlagen daher als ergänzendes<br />
Führungs- und Managementinstrument benutzt. Das will die Stiftung künftig noch besser<br />
unterstützen. Künftig kann auf ausgewählte Unternehmensberater zurückgegriffen werden, die als<br />
„Autorisierte Berater der OPS Netzwerk GmbH“ frei tätig sind.<br />
• Christian Kalkbrenner,<br />
KALKBRENNER-Unternehmensberatung,<br />
88131 Lindau, Tel. 083 82 - 409 301,<br />
www.ub-kalkbrenner.de<br />
• Volkmar Redlich, REDLICH - Unternehmen beraten,<br />
15838 Am Mellensee, Tel.: 033703/687-78,<br />
www.redlich-beraten.de<br />
• Wolf-Helmut Sieg, Sieg-Consulting Si.C,<br />
23899 Gudow, Tel. <strong>04</strong>547 159 303,<br />
www.sieg-consulting.com<br />
• Christian Wewezow,<br />
69120 Heidelberg, Tel.: 06221- 778 20 08,<br />
www.clockwise-consulting.de<br />
• Wolfram Kuhnen, IMB GmbH & Co. KG,<br />
41516 Grevenbroich, Tel. 02181 70 54 70,<br />
www.imb-beratung.de<br />
(Satz und Layout: © OPS Netzwerk GmbH, Foto: © Andres Rodriguez/Fotolia.com)
Wirtschaft<br />
Steuerhinterziehung Deluxe<br />
Steuerpflicht bei Schenkungen - Fallstricke für<br />
Schenker, Beschenkte und Behörden<br />
Bei Schenkungen braucht niemand eine<br />
Steuererklärung abgeben, solange keine<br />
Aufforderung der Finanzverwaltung<br />
erfolgt ist. Jedoch besteht für Schenker<br />
und Erwerber die Pflicht, die Schenkung<br />
dem Finanzamt anzuzeigen (laut<br />
§30 Erbschaftsteuergesetz). Auch wer<br />
sich sicher ist, dass keine Steuer anfällt,<br />
sollte sich ein „Negativtestat“ – also eine<br />
Bestätigung, dass keine Steuer anfällt<br />
– vom zuständigen Finanzamt geben lassen.<br />
Wer besonders gewissenhaft ist, und<br />
legal diese Abgaben mindern möchte,<br />
sollte insbesondere bei Schenkung von<br />
Immobilien und Versicherungen – schon<br />
gar, wenn dabei zur Steueroptimierung<br />
Leibrenten-, Pflege- u. ä. Zusagen vorbehalten<br />
sind – einen Sachverständigen mit<br />
der Bewertung beauftragen.<br />
Schenkungssteuerpflicht bei einem<br />
Anknüpfungspunkt im Inland<br />
Meist beträgt die Steuerersparnis durch<br />
Einschaltung von Beratern ein Vielfaches<br />
(Foto: Howard Dickins/Flickr.com)<br />
der Kosten, und dies nicht nur wenn<br />
es um legale Steuervermeidung durch<br />
Gestaltungen innerhalb der Familie geht.<br />
Die deutsche Schenkungsteuer setzt<br />
alternativ voraus, dass der Schenker oder<br />
der Beschenkte oder das Schenkungsobjekt<br />
(meist eine Immobilie) sich in<br />
Deutschland befindet. Auch im Voraus<br />
bezahlter Unterhalt, wie auch eine Unterhaltsabfindung<br />
vor Eheschließung für<br />
den Fall späterer Scheidung wird zumeist<br />
als Schenkung zu behandeln sein, denn<br />
dann liegt (zeitlich) eben noch kein fälliger<br />
Anspruch auf derartigen Unterhalt<br />
vor. Schenker und Beschenkte haften für<br />
anfallende Steuern. Eine Steuerklausel<br />
im Schenkungsvertrag wird die Abgabenbelastung<br />
spürbar senken.<br />
Steuerbescheide nach 30 Jahren<br />
Erfolgt die Anzeige der Schenkung,<br />
beginnt zum darauf folgenden Jahresende<br />
eine vierjährige Verjährung. Erfährt<br />
das Finanzamt nichts von der Schenkung,<br />
so beginnt die Verjährung erst mit dem<br />
Ende des Jahres in dem der Schenker<br />
verstirbt und beträgt dann noch bis zu<br />
sieben Jahre. In der Praxis kann man dem<br />
Beschenkten nur raten, den Steuerbescheid<br />
entsprechend lange aufzubewahren,<br />
denn nach Vernichtung von Akten<br />
beim Notar und/oder Finanzamt könnte<br />
es zu Beweisproblemen kommen – und<br />
damit zur doppelten Festsetzung von<br />
Schenkungsteuer.<br />
Schenkungswiderruf bei Verarmung<br />
Vielfach besteht der Wunsch mit warmen<br />
Händen zu geben. Kommt es später<br />
jedoch zur Verarmung des Schenkers,<br />
wird der Beschenkte vielfach verpflichtet<br />
sein, einen Wertersatz zu leisten,<br />
etwa eine Geldrente als Unterhalt für<br />
den Schenker. Überraschend kann es<br />
auch dazu kommen, dass das Sozialamt<br />
diese Forderung auf Geldzahlung eintreibt<br />
– eine Rückgabe des Geschenkes<br />
beim Widerruf wegen Verarmung ist<br />
im Gesetz nicht vorgesehen. Bei Schenkungen,<br />
auch solchen unter Vorbehalt<br />
weitergehender Immobiliennutzung,<br />
bedarf es zumeist einer Regelung des<br />
Unterhaltes. Hinzu kommt die Notwendigkeit<br />
etwa beim Nießbrauchsvorbehalt<br />
die vielfachen negativen steuerlichen<br />
Folgen zu bedenken. Derartige<br />
Beratungen wird man so gut wie nie von<br />
einem Notar erwarten dürfen.<br />
Anfechtung durch Gläubiger<br />
Wer versucht, durch Schenkung den Rest<br />
seines Vermögens dem Zugriff seiner<br />
Gläubiger zu entziehen, macht sich im<br />
Zweifel genauso strafbar, wie jene Helfer<br />
aus dem In- oder Ausland die dafür<br />
Gestaltungen über Stiftungen, Trusts<br />
und Lebensversicherungen propagieren.<br />
Vielfach misslingt bereits die Rechtswahl,<br />
um beispielsweise das sogenannte<br />
Konkursprivileg im ausländischen Recht<br />
wirksam zu vereinbaren. Kommt es bei<br />
derartigen Tarnkonstrukten lediglich<br />
auch zur Steuerverkürzung, werden derartige<br />
Gestaltungen im Inland gar nicht<br />
erst anerkannt – nahezu jedwede Gestaltung<br />
einer vorweggenommenen Erbfolge<br />
durch Schenkung bleibt damit von<br />
Anfang an null und nichtig. Vielfach ist<br />
den in- und ausländischen Treuhändern<br />
ihre persönliche Haftung für Strafen und<br />
Steuern solange nicht bekannt, bis sie<br />
sich einer Vollstreckung bzw. Exekution<br />
ausgesetzt sehen. Auch die üblichen Vertragsangebote<br />
aus dem Ausland oder von<br />
der Stange erweisen sich in aller Regel<br />
als rechtlich höchst unsicher, denn sie<br />
werden üblicherweise etwa von Experten<br />
im Vertrieb und Marketing gestaltet.<br />
Rechtsfolgen sind dann häufig Anfechtung,<br />
Rückabwicklung oder Haftung auf<br />
Wertersatz. Eine Selbstanzeige scheitert<br />
vielfach daran, dass der Treuhänder im<br />
Ausland das Geld beispielsweise für die<br />
Bezahlung der Steuern erst gar nicht<br />
mehr zur Verfügung stellt.<br />
Absicherung durch Auskunft<br />
Wer bei der Gestaltung rechtlich schwieriger<br />
Sachverhalte sichergehen möchte,<br />
wird seinen steuerlichen Berater bitten<br />
müssen, eine verbindliche Auskunft vom<br />
Finanzamt einzuholen. Für den Steuerpflichtigen<br />
wird es zudem entscheidend<br />
sein, ob er den Rat angeblicher Steuerfreiheit<br />
von seinem Berater schriftlich<br />
erhält, und für den Fall eines Rechtsirrtums<br />
eine ausreichende Versicherungsdeckung<br />
besteht.<br />
90 Prozent falsche Steuerbescheide<br />
In weiten Teilen der Bevölkerung besteht<br />
ein Misstrauen gegenüber der Obrigkeit,<br />
so dass gerade solche Berater hoch<br />
im Kurs stehen, die vermeintlich legale<br />
Gestaltungen als angebliche Geheim-<br />
Tipps verkaufen. So berichtet mancher<br />
Mittelständler, dass er sein Geld bereits zu<br />
Hause in bar aufbewahrt, damit sich jeder<br />
Begünstigte eines der mit Geld befüllten<br />
namentlich beschrifteten Kuverts nach<br />
dem Todesfall einfach mitnehmen<br />
könne – denn sonst würde beim sauer<br />
verdienten Geld auch noch eine Steuer<br />
abgezogen. Nachlassverwalter, Insolvenztreuhänder,<br />
Vormünder, Betreuer, Nachlasspfleger<br />
und Testamentsvollstrecker<br />
haben dann alle Mühe solche Irrtümer zu<br />
bereinigen – faktisch als amtlich bestellte<br />
Steuereintreiber, um nicht in eigener Person<br />
in eine Steuerhaftung zu geraten.<br />
Erbschaften und Schenkungen in Deutschland<br />
141.848 141.196 133.836<br />
Willfährige Helfer bei illegaler<br />
Steuerverkürzung<br />
Seit Jahrzehnten unterhalten Finanzbehörden<br />
eigene Datenbanken, in welchen<br />
sich amtlich bekannte Helfer beim Tricksen,<br />
Tarnen und Täuschen wiederfinden<br />
– etwa weil hunderte von Tarnfirmen<br />
den gleichen Telefaxanschluss verwenden.<br />
Dann werden Scheinrechnungen für<br />
angebliche Beratungen anlässlich von<br />
Betriebsprüfungen meist sofort erkannt.<br />
Dieses Wissen der Finanzämter hat jedoch<br />
vielfach noch nicht den Weg zu den<br />
Finanzämtern für Grundbesitzabgaben<br />
und Schenkungsteuer gefunden. Würden<br />
in die üblichen Meldepflichten auch<br />
Grundbuchämter und Notare eingebunden<br />
und etwa ein bundesweiter Abgleich<br />
mit den „Onshore-Leak-Datenbanken“<br />
der Betriebsprüfer zu den üblichen Verdächtigen<br />
stattfinden, so könnte hierzulande<br />
die Steuerbelastung normaler<br />
Einkommensbezieher um geschätzt bis<br />
zu mehr als 50 Prozent gesenkt werden.<br />
50 Jahre steuerfrei leben<br />
Ein guter Kunde einer zyprischen Bank<br />
kaufte sich eine Immobilie mit Seegrund.<br />
Natürlich bedient er sich einer schein-<br />
bar anonymen Gesellschaft als Käuferin,<br />
welche durch einen weltweit (nicht<br />
nur durch Offshore-Leaks) bekannten<br />
Treuhänder vertreten wird. Seine Hausbanken<br />
– auch in Deutschland – haben<br />
ihm über 1.000 Anwälte und Steuerberater<br />
im In- und Ausland benannt, welche<br />
seit Jahrzehnten renommiert und erfahren<br />
in der nur scheinbar legalen Steuervermeidung<br />
sind. Ein Notar beurkundet<br />
den Verkauf – dass der Treuhänder einschlägig<br />
bekannt ist, kann er nicht wissen<br />
– vermutlich auch nicht der Sachbearbeiter<br />
beim Finanzamt für Schenkung<br />
und Erbschaftsteuern. Ähnlich ergeht es<br />
dem Fall beim Grundbuchamt, so dass<br />
auch keine Kommune informiert wird,<br />
einmal zu schauen, wer denn die Immobilie<br />
bewohnt und sein Welteinkommen<br />
hier zu Lande zu versteuern hätte. Der<br />
„kreative Berater“ von der Bank oder aus<br />
der Beraterzunft hatte selbstverständlich<br />
davon abgeraten, sich bei der Gemeinde<br />
ordentlich anzumelden – nicht mal als<br />
Hausmeister und Hüter des Fahrzeugparks<br />
für den meist abwesenden Hausherrn<br />
aus dem Ausland. Bis zu mehr als<br />
50 Jahre steuerfrei in Deutschland zu<br />
leben ist damit völlig problemlos – bis zur<br />
42 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong> 4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 43<br />
45.449<br />
49.378<br />
42,856<br />
110.810<br />
28.718<br />
110.595<br />
2007 2008 2009 2010<br />
2011<br />
Erbschaften Schenkungen<br />
26.825<br />
(Grafik: Statistisches Bundesamt/Statista)
Wirtschaft<br />
Entdeckung. Man darf auch nicht erwarten,<br />
dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht<br />
so etwas beachtet,<br />
denn schließlich handelt es sich um<br />
eine Einrichtung zum Schutz der Finanzhäuser<br />
vor dem eigenen Untergang.<br />
Steuerhinterziehung Deluxe<br />
Nun gibt es die politische Meinung,<br />
dass man solche Steuerprobleme „erst<br />
international lösen müsse“, und dass es<br />
notwendig sei die Selbstanzeige abzuschaffen,<br />
oder die Strafen zu erhöhen.<br />
Diese Argumente erscheinen als Nebelkerzen,<br />
denn es bedürfte schlicht der<br />
systematischen Zusammenführung solcher<br />
Daten, die amtlich bekannt und/<br />
oder öffentlich zugänglich sind. Die<br />
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„üblichen Verdächtigen“ findet man<br />
zumeist durch Auswertung der Anklagen<br />
gegen Bank(st)er und „Berater“ der<br />
US-Steuerbehörden, ihre Vita und die<br />
Kaderschmieden deren Besuch sie sich<br />
berühmen.<br />
Keine Schenkungsteuer bezahlen?<br />
Wenn es zutrifft, dass es eine massenhafte<br />
Steuerhinterziehung ohne nachhaltige<br />
effiziente Kontrolle durch den Staat<br />
gäbe, dann wäre die Frage nach der Steuergerechtigkeit<br />
berührt. Nicht Einzelfälle<br />
in bestimmten Bundesländern, sondern<br />
die faktische Ungleichbehandlung wäre<br />
als Einladung zu verstehen, (abermals)<br />
beim Bundesverfassungsgericht die Erbschaft-<br />
und Schenkungsteuer „wegen<br />
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eines strukturellen Vollzugsdefizits oder<br />
verfassungswidriger Fehlbesteuerung“<br />
auf den Prüfstand stellen zu lassen. Frei<br />
nach dem Motto: Warum soll eigentlich<br />
der Steuerehrliche der Dumme sein? n<br />
Johannes Fiala und Peter A. Schramm Fahrer dürfen am Lenkrad nicht telefonieren.<br />
Aber ihre Autos sollten selbständig<br />
miteinander und mit Verkehrseinrichtungen<br />
kommunizieren. Das ist das<br />
Zu Johannes<br />
Fiala<br />
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n Dr. Johannes Fiala ist Rechtsanwalt<br />
mit Hauptkanzlei in München<br />
und u. a. tätig im Rechtsausschuss<br />
des Europaverbands<br />
der Selbständigen sowie an der<br />
Dualen Hochschule Baden-Württemberg<br />
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Autos sollten chatten<br />
Vernetzte Fahrzeuge machen den Verkehr sicherer<br />
klare Ergebnis eines der größten Feldversuche<br />
zur Car-to-X-Kommunikation.<br />
Forschungsinstitute, Unternehmen und<br />
öffentliche Einrichtungen testeten das<br />
gemeinsam entwickelte System simTD<br />
mit 500 Versuchsfahrern im laufenden<br />
Verkehr. Rund 120 Fahrzeuge waren ein<br />
halbes Jahr lang auf Autobahnen, Land-<br />
und Stadtstraßen in Hessen unterwegs<br />
und legten rund 1,6 Millionen Kilometer<br />
zurück. Die „Drehbücher“ mit verschiedenen<br />
Szenarien des Feldversuchs wurden<br />
maßgeblich von Verkehrstechnikern<br />
der TU München konzipiert. Sie haben<br />
auch die gesammelten Daten ausgewertet<br />
– mit einem Volumen von mehr als<br />
vier Terabyte. Dabei simulierten die Wissenschaftler,<br />
wie sich der Verkehr entwickeln<br />
würde, wenn bestimmte Anteile<br />
sämtlicher Fahrzeuge mit dem System<br />
ausgestattet wären.<br />
Elf Milliarden Euro Nutzen<br />
Das Ergebnis kann sich sehen lassen:<br />
Der jährliche volkswirtschaftliche Nutzen<br />
beträgt 6,5 Milliarden Euro durch<br />
Unfallvermeidung und weitere fünf<br />
Milliarden Euro durch Stauvermeidung<br />
und sinkende Umweltbelastung. „Die<br />
Car-to-X-Technologie ist nun bereit für<br />
den Markt“, sagt Projektkoordinator<br />
Dr. Christian Weiß. Ab 2015 soll simTD<br />
daher erstmals in der Praxis zum Einsatz<br />
kommen. Ein Korridor von Rotterdam bis<br />
Wien wird Baustellenwarnungen mithilfe<br />
dieser Technologie vornehmen. Das<br />
System des Projekts „Sichere Intelligente<br />
Mobilität – Testfeld Deutschland (simTD)“<br />
vernetzt Fahrzeuge und die Infrastruktur<br />
elektronisch miteinander. Autos und<br />
Motorräder sowie an den Straßen installierte<br />
Stationen nehmen über Sensoren<br />
das Verkehrsgeschehen und äußere Einflüsse<br />
wie die Witterung wahr. Mit einer<br />
eigens entwickelten Funktechnik, die auf<br />
dem WLAN-Standard aufbaut, tauschen<br />
sie sich unmittelbar untereinander aus.<br />
Außerdem übermitteln sie Informationen<br />
anonymisiert an eine Verkehrszentrale,<br />
die dann die Entwicklung des Verkehrs<br />
prognostiziert und steuert.<br />
Jeder zweite Unfall an Kreuzungen<br />
wäre vermeidbar<br />
Mehr als die Hälfte der Unfälle in Kreuzungsbereichen<br />
können verhindert werden,<br />
wären alle Fahrzeuge mit dem simTD-<br />
System ausgestattet. Der Assistent weist<br />
Fahrer im Stadtverkehr bereits deutlich<br />
vor einer Kreuzung auf Fahrzeuge hin,<br />
die sich aus der anderen Straße nähern.<br />
Die Fahrer werden mit simTD in die Lage<br />
versetzt, deutlich vorausschauender zu<br />
fahren. Sie bekommen auf einem Display<br />
zum einen Vorschläge für die aktuell<br />
günstigste Route und Empfehlungen wie<br />
etwa zur optimalen Geschwindigkeit für<br />
eine grüne Welle.<br />
Schnellstmögliche Reaktion<br />
Zum anderen werden die Fahrer akustisch<br />
und visuell vor drohenden Gefahren<br />
gewarnt. Beispielsweise zeigt ein Lichtsignal<br />
an, wenn ein vorausfahrendes Auto<br />
stark bremst – auch wenn sich zwischen<br />
dem bremsenden und dem eigenen Auto<br />
mehrere andere Fahrzeuge befinden. So<br />
kann der Fahrer schon reagieren, selbst<br />
wenn er die Gefahr noch gar nicht sehen<br />
kann. Frühzeitig kündigt der Assistent<br />
auch Stauenden, Rettungsfahrzeuge oder<br />
verlorene Ladung an. „Der Feldversuch<br />
hat eindeutig gezeigt, dass das System<br />
zu mehr Sicherheit, Effizienz und Komfort<br />
im Straßenverkehr führt“, sagt Prof. Fitz<br />
Busch vom TUM-Lehrstuhl für Verkehrstechnik.<br />
„Aufgrund der Informationen<br />
haben die Fahrer Geschwindigkeit und<br />
Fahrweise frühzeitiger an die Verkehrslage<br />
angepasst. Vor allem in Situationen, in<br />
denen versteckte Gefahren lauern, ist der<br />
Nutzen der Vernetzung groß.“ n<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 45<br />
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480 Pixeln können große Solarflächen<br />
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Pixel bietet FLIR das Modell FLIR T440bx<br />
an. Die Kamera ist mit der innovativen<br />
Funktion „Multi Spectral Dynamic Imaging<br />
(MSX)“ ausgestattet, die für sehr<br />
detailreiche Bilder sorgt. MSX verbessert<br />
die Struktur eines Wärmebildes.<br />
Dank dieser neuen Funktion lassen<br />
sich mehr Anomalien entdecken, de-<br />
taillierte Analysen durchführen und<br />
Bewertungen im Bruchteil einer<br />
Sekunde abgeben.<br />
Sowohl auf dem Wärmebild als<br />
auch auf dem Tageslichtbild lassen sich<br />
relevante Bereiche durch einfaches Skizzieren<br />
auf dem Touchscreen der FLIR<br />
T440bx hervorheben. Ein „Sofortbericht“<br />
der Inspektion, mit Skizzen oder<br />
schriftlichen Kommentaren, kann direkt<br />
in der T440bx generiert werden.<br />
In die T440bx ist auch ein Kompass<br />
eingebaut. So wird jedem Bild automatisch<br />
beigefügt, in welche Richtung die<br />
Kamera schaut. Mithilfe dieser Funktion<br />
lassen sich mögliche Anomalien<br />
noch besser und genauer erkennen und<br />
dokumentieren.<br />
Kameras mit Vollausstattung<br />
Auflösungen mit einer noch höheren<br />
Bildqualität von bis zu 640 x 480<br />
Pixeln ermöglichen die Kameras der<br />
600er Modelle der Tbx-Serie von FLIR<br />
(T620bx und T640bx). Sie kommen bei<br />
anspruchsvollen bauthermografischen<br />
Untersuchungen zum Einsatz und eignen<br />
sich auch für die Untersuchung von<br />
photovoltaischen Solarmodulen und<br />
-anlagen. Die Kameras der Tbx-Serie<br />
von FLIR verfügen über viele speziell<br />
für Gebäudeinspektionen äußerst nützliche<br />
Funktionen:<br />
46 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
(Fotos: FLIR Systems)<br />
• Bei der Bild-im-Bild-Funktion werden<br />
Realbild und Wärmebild überlagert<br />
• Die innovative Funktion Multi Spectral<br />
Dynamic Imaging (MSX) sorgt für sehr<br />
detailreiche Bilder. MSX verbessert die<br />
Struktur eines Wärmebildes.<br />
• Die Thermal Fusion-Funktion führt<br />
Tageslicht- und Wärmebilder zusammen<br />
und bietet damit bessere Auswertungsmöglichkeiten<br />
• Ausführliche Kommentarfunktion<br />
• Permanenter Autofokus<br />
• Erkennung von Bereichen, bei denen<br />
die Anforderungen an die Gebäudedämmung<br />
nicht erfüllt werden<br />
• Mit der Funktion „Skizzierte Kommentare“<br />
erstellen Anwender Skizzen zum<br />
Bild direkt auf dem Touchscreen<br />
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• Drahtlose Übertragung von Daten<br />
eines Extech-Feuchtemessgerät zur<br />
Wärmebildkamera<br />
• Berichterstellung direkt in der Kamera<br />
• Drahtloses Senden von Bildern zu<br />
einem PC, Tablet PC oder Smartphone<br />
sowie Nutzung zur Fernsteuerung<br />
der Kamera<br />
• Ein Kompass mit dem der Anwender<br />
erkennen kann, in welche Richtung<br />
er schaut und wie zum Beispiel eine<br />
Mauer ausgerichtet ist. Diese Information<br />
kann bei Gebäudeinspektionen<br />
eine wichtige Rolle spielen.<br />
Die Kameras FLIR T620bx/T640bx verfügen<br />
außerdem über eine GPS-Funktion,<br />
mit der Wärmebildern eine Georeferenz<br />
zugeordnet werden kann, um ihre geographische<br />
Position zu bestimmen. So<br />
lassen sich mögliche Problemstellen oft<br />
einfach und genau wiederfinden. Eine<br />
Lösung mit zwei Digitalkameras ermöglicht<br />
einen stufenlosen Autofokus für die<br />
Wärmebilder.<br />
Der stufenlose Autofokus macht<br />
die FLIR T640bx zur ersten vollautomatischen<br />
Wärmebildkamera auf dem<br />
Markt. Jede Wärmebildkamera der Tbx-<br />
Serie wird mit der Software FLIR Tools<br />
ausgeliefert. Damit lassen sich Wärmebilder<br />
direkt von der FLIR Tbx-Serie<br />
auf einen PC übertragen Dort kann der<br />
Anwender dann grundlegende Funktionen<br />
zu Analyse und Berichterstellung<br />
seiner Entdeckungen ausführen. n<br />
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Mehr Potential als benötigt<br />
Über ein Zehntel der Landesfläche eignet sich<br />
prinzipiell für Windenergieanlagen<br />
In Deutschland bieten sich mehr Möglichkeiten<br />
für die Windenergie an Land<br />
als bisher angenommen. Bis zu 13,8 Prozent<br />
der deutschen Landesfläche lassen<br />
www.stahlbau-naegele.de<br />
(Foto: steve p2008/Flickr.com)<br />
sich auf der Basis der getroffenen Annahmen<br />
und modernster Anlagen nach einer<br />
neuen Studie des Umweltbundesamtes<br />
(UBA) für die Windenergie nutzen –<br />
ohne sensible Schutzgebiete erheblich<br />
zu beeinträchtigen oder Abstriche beim<br />
gesetzlichen Lärmschutz zu machen.<br />
Theo retisch ließe sich auf dieser Fläche<br />
eine Strommenge erzeugen, die den<br />
in bisherigen Szenarien angenommen<br />
Bedarf an landseitiger Windenergie<br />
übersteigt. Das zeigt: „Grundsätzlich ist<br />
für den Ausbau der Windenergie an Land<br />
mehr Platz vorhanden als wir praktisch<br />
brauchen, selbst dann, wenn man innerhalb<br />
des Erneuerbaren-Energiemixes<br />
den Anteil der Windenergie an Land vergrößert.<br />
Wir müssen das Potenzial nur<br />
zu einem kleinen Teil ausschöpfen, um<br />
unsere Klimaziele zu erreichen. Bundesweit<br />
betrachtet besteht damit ein<br />
großer Gestaltungsspielraum für den<br />
Ausbau der Windenergie an Land und<br />
für den künftigen erneuerbaren Ener-<br />
giemix insgesamt,“ sagt UBA-Präsident<br />
Jochen Flasbarth. Die Ergebnisse stellen<br />
die Windkraft auf See und deren weitere<br />
Förderung nicht in Frage. Bis zur Mitte<br />
des Jahrhunderts müsse aber darüber<br />
nachgedacht werden, in welcher Größenordnung<br />
der Ausbau der Windkraft auf<br />
See erfolgen soll.<br />
Einhundert Prozent Ökostrom<br />
Um eine vollständige Stromversorgung<br />
aus erneuerbaren Energiequellen<br />
zu erreichen, ist der Ausbau von Windenergieanlagen<br />
besonders wichtig. Die<br />
Windenergie an Land ist nach der Wasserkraft<br />
die günstigste erneuerbare Energieform.<br />
Schon heute produzieren diese<br />
Windenergieanlagen im Schnitt Strom<br />
zu acht Cent je Kilowattstunde, also zu<br />
einem Preis, der nur knapp über dem von<br />
Strom aus Kohle und Gas liegt. Derzeit<br />
sind an Land rund 30 Gigawatt Windenergie<br />
installiert, die bereits acht Prozent<br />
des deutschen Stroms liefern. Das<br />
Fraunhofer-Institut für Windenergie und<br />
Energiesystemtechnik (IWES) hat im Auftrag<br />
des UBA berechnet, welche Fläche in<br />
Deutschland sich prinzipiell für die Windenergienutzung<br />
eignet. Das Ergebnis: Es<br />
ließen sich theoretisch 13,8 Prozent der<br />
Landesfläche für Windenergieanlagen<br />
nutzen. Das entspricht einer Leistung von<br />
1.200 Gigawatt. Diese Menge übersteigt<br />
bei Weitem die Leistung an Windkraft, die<br />
das UBA im Jahr 2010 in einem Szenario<br />
zu Grunde gelegt hatte, um die Stromerzeugung<br />
zu 100 Prozent auf erneuerbare<br />
Energien umzustellen – zusammen<br />
Verteilung nutzbarer Flächen für<br />
Windenergie in Deutschland<br />
4,4%<br />
Nutzbarer<br />
Wald ohne<br />
Schutzgebiete<br />
7,9%<br />
Flächen ohne<br />
Restriktionen<br />
mit Offshore-Windenergie, Photovoltaik,<br />
Wasserkraft und Geothermie. Demnach<br />
würde man im Jahr 2050 60 Gigawatt<br />
Windenergie an Land benötigen.<br />
Neue Technik, mehr Leistung<br />
Die Berechnungen in der Potenzialstudie<br />
basieren auf folgenden zwei Anlagentypen:<br />
eine Starkwindanlage, welche<br />
über eine Leistung von 3,4 Megawatt<br />
verfügt. Ferner eine Schwachwindanlage,<br />
mit einer Leistung von 3,2 Megawatt.<br />
Mit dieser modernen Anlagentechnik<br />
lässt sich im Bundesdurchschnitt eine<br />
hohe Auslastung erzielen, von ca. 2.400<br />
Volllaststunden im Jahr. Heute liegt der<br />
Durchschnitt aller bestehenden Windenergieanlagen<br />
bei 1.700 Volllaststunden.<br />
Diese Technik ermöglicht einen verhältnismäßig<br />
geringen Abstand zwischen<br />
Windenergieanlage und Wohnbebauung.<br />
Aus den gesetzlichen Vorgaben<br />
ergibt sich für diese Windenergieanlagen<br />
ein Mindestabstand von 600 Metern.<br />
Damit lassen sich die geltenden Lärmrichtwerte<br />
auch in der Nacht einhalten.<br />
Das errechnete Flächenpotenzial ist an<br />
detaillierte Annahmen geknüpft. Neben<br />
den Siedlungsbereichen wurden Nationalparke<br />
und andere Schutzgebiete, die<br />
für den Naturschutz relevant sind, ausgeschlossen<br />
sowie Straßen, Wasserflächen<br />
und Flughäfen.<br />
10,1%<br />
Nutzbare<br />
Schutzgebiete<br />
77,6%<br />
Nicht nutzbare<br />
Flächen<br />
Stromversorgung nur mit<br />
Technologiemix<br />
In der Realität ergeben sich vor Ort noch<br />
weitere Einschränkungen des ermittelten<br />
Potenzials. „Eine bundesweite<br />
Studie kann natürlich nicht alle wichtigen<br />
Aspekte – vor allem Akzeptanz in<br />
der Bevölkerung vor Ort oder die Wirtschaftlichkeit<br />
eines konkreten Projektes<br />
– berücksichtigen“, sagt Flasbarth. Die<br />
Genehmigung einer Windenergieanlage<br />
ist letztlich immer eine Einzelfallentscheidung,<br />
die vor Ort zu treffen ist.<br />
Der UBA-Präsident warnte davor, die<br />
Ergebnisse so zu interpretieren, als ob<br />
die Windenergie an Land die anderen<br />
erneuerbaren Energietechniken in den<br />
Hintergrund dränge: „Trotz des hohen<br />
Windenergiepotenzials an Land ist die<br />
Kombination mit anderen regenerativen<br />
Energiequellen, wie Photovoltaik und<br />
Windenergie auf See, wichtig und sinnvoll.“<br />
Verschiedene Studien zeigen, dass<br />
ein hoher Anteil an erneuerbaren Energien<br />
an der Stromversorgung nur mit<br />
einem geeigneten Technologiemix<br />
erreichbar ist, um die fluktuierende Verfügbarkeit<br />
unterschiedlicher erneuerbarer<br />
Energiequellen auszugleichen. Die<br />
Potenzialstudie zeigt aber, dass beim<br />
Ausbau der Windenergie an Land Spielraum<br />
besteht. n<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 49<br />
(Grafik: Fraunhofer/IWES/Statista)<br />
Natürlich. Besser. Leben.<br />
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Mitarbeiter zu kostenlosen Unternehmensberatern<br />
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kluge Fragen. Dieser Beitrag zeigt jenseits<br />
von öden Jahresgesprächen und<br />
klassischen Zufriedenheitsfragebögen,<br />
wie das funktioniert.<br />
Wie in einem Unternehmen Exzellenz<br />
entsteht? Tom Peters, einer der weltweit<br />
angesehensten Managementdenker<br />
und Verfasser des Buches „Auf der<br />
Suche nach Spitzenleistungen“, hat das<br />
in einem Vortrag einmal wie folgt ausgedrückt:<br />
„Organisationen sind nichts<br />
weniger als Kathedralen, in denen die<br />
unterschiedlichsten Menschen mit der<br />
entfesselten Macht ihrer Fantasie, ihres<br />
Geistes und ihres angeborenen unternehmerischen<br />
Gespürs leidenschaftlich<br />
nach Spitzenleistungen streben.“<br />
Um dieses Ziel zu erreichen, kann<br />
man entsprechende Anweisungen<br />
geben – oder die Mitarbeiter fragen, wo<br />
es nur geht.<br />
50 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
Den Mitarbeitern kluge Fragen stellen<br />
Um die Ist-Situation an den einzelnen<br />
Punkten der Zusammenarbeit zu reflektieren,<br />
können Führungskräfte ihre Mitarbeiter<br />
jederzeit schriftlich befragen.<br />
Dazu legt man dem Mitarbeiter zum<br />
Beispiel folgende Fragen vor, die sich<br />
auch anonym beantworten lassen:<br />
• Was mir bei uns am besten gefällt, ist:<br />
• Was mir bei uns am meisten fehlt, ist:<br />
• Was sich an meinem Arbeitsplatz konkret<br />
verbessern ließe:<br />
• Ich biete an, folgende Aufgaben zu<br />
übernehmen:<br />
• Ich biete an, folgende Aufgaben abzugeben:<br />
• Mein größter Wunsch an meine Führungskraft<br />
ist:<br />
• Was wir für die Kunden noch tun<br />
könnten:<br />
• Warum mir unser Unternehmen so<br />
wichtig ist:<br />
• Was ich Außenstehenden über uns<br />
sagen würde:<br />
• Woran ich bei mir selber arbeiten<br />
möchte:<br />
(Foto: Jinx!/Flickr.com)<br />
• Wo ich mir Unterstützung wünsche:<br />
• Was mich bewegen könnte, noch<br />
lange hier zu bleiben:<br />
• Was ich immer schon mal sagen<br />
wollte:<br />
• Was mir besonders am Herzen liegt:<br />
• Was man beim nächsten Mal noch<br />
fragen könnte:<br />
Schließlich gibt es eine ultimative Frage,<br />
die jederzeit auch solo gestellt werden<br />
kann: Würden Sie sich heute wieder für<br />
unser Unternehmen entscheiden? Und<br />
wenn ja, aus welchen Hauptgründen?<br />
Und wenn nein, weshalb nicht?<br />
Wie die Mitarbeiterloyalität<br />
ermittelt wird<br />
Loyale Mitarbeiter sind solche, die sich<br />
engagieren, ihrem Arbeitgeber emotional<br />
verbunden sind sowie draußen als<br />
Botschafter agieren. Solche Mitarbeiterloyalität<br />
lässt sich wie folgt erfragen:<br />
• Ich kann mir gut vorstellen, noch länger<br />
hier zu arbeiten. Und dies, weil:<br />
• Ich spreche mit Dritten (Bekannte,<br />
Freunde, Kunden und anderen Stake-<br />
holdern) positiv über uns. Und dies,<br />
weil:<br />
• Ich ermutige Interessenten, bei uns<br />
Kunde zu werden. Und dies, weil:<br />
• Ich ermutige potenzielle Mitarbeiter,<br />
sich bei uns zu bewerben. Und dies,<br />
weil:<br />
• Ich tue all dies nicht, weil:<br />
Solche offenen Fragen zwingen den<br />
Mitarbeiter nicht in ein festes Antwortschema<br />
und sie degradieren ihn auch<br />
nicht zum Kreuzchenmacher.<br />
Sie geben ihm vielmehr die Möglichkeit,<br />
sich frei auszudrücken. So wird<br />
er sich intensiver mit den einzelnen<br />
Punkten auseinandersetzen – und das<br />
Unternehmen erhält brauchbarere<br />
Antworten.<br />
Fragen wie diese dienen auch dazu,<br />
den Mitarbeiter aktiv einzubinden. So<br />
gewinnt dieser das gute Gefühl, den<br />
Dingen nicht ohnmächtig ausgeliefert<br />
zu sein. Vielmehr wird er zum Mitgestalter<br />
werden und kann wertvolle Beiträge<br />
leis ten. Verantwortungsbewusstsein<br />
und auch Akzeptanz entwickeln sich<br />
dabei fast wie von selbst. Und der Führungskraft<br />
verhelfen die Antworten zu<br />
wertvollen Informationen für zukünftig<br />
bessere Arbeitsergebnisse.<br />
Sehr effizient: die Gewissenfrage<br />
Meine Lieblingsfrage in diesem Zusammenhang<br />
ist übrigens die „Gewissensfrage“,<br />
und die geht so: „Lieber Mitarbeiter,<br />
stellen Sie sich vor, Sie wären unser<br />
FERNSEHEN . INTERNET . TELEFON<br />
Unternehmensgewissen. Was würden<br />
Sie uns sagen?“ Wird die Gewissensfrage<br />
schriftlich gestellt, so kann dazu eine<br />
fiktive Person gezeichnet werden, bei der<br />
ein Engelchen und ein Teufelchen rechts<br />
und links auf der Schulter sitzen. Je nachdem<br />
lässt sich sogar ein Portraitfoto der<br />
befragten Person einbauen. Das macht<br />
die Sache noch emotionaler.<br />
Die Antworten können vieles ans<br />
Licht bringen, was man vielleicht schon<br />
immer mal gerne wissen wollte: Zum<br />
Beispiel, wie sich der Mitarbeiter in einer<br />
ganz bestimmten Situation fühlte. Oder<br />
was der Kunde dann und dann gesagt<br />
hat und aus welchem Grund. Womöglich<br />
wird der Chef so endlich auch erfahren,<br />
was gerüchtemäßig außer ihm schon<br />
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alle wussten, und was die eigentlichen<br />
Gründe für hartnäckige Probleme<br />
sind. Sowas ist kostbar wie Gold, denn<br />
nur, wer die wahren Ursachen kennt,<br />
kann auch die richtigen korrigierenden<br />
Schritte einleiten.<br />
Engagierte Kunden geben ja oft die<br />
wertvollsten Tipps, was sich wie verbessern<br />
ließe. Und diese werden insbesondere<br />
bei den Mitarbeitern deponiert, mit<br />
denen man vertrauensvoll zusammen<br />
arbeitet. Doch das meiste davon verschwindet<br />
lieblos auf Zettel gekritzelt im<br />
Eingesetzte Maßnahmen<br />
zur Mitarbeiterbindung<br />
28,6%<br />
Gesundheitsförderung<br />
20,7% 20,4%<br />
Aufstiegsprogramme<br />
Vereinbarkeit<br />
von Familie<br />
und Beruf<br />
Verkaufskoffer, in irgendwelchen Aktenordnern,<br />
in nicht mehr auffindbaren<br />
Dateien und schließlich im Papierkorb.<br />
Weil sich „oben“ niemand für die Ideen<br />
von „unten“ interessiert.<br />
Fokussierende Fragen stellen<br />
Jeder Mitarbeiter ist auf seine Weise<br />
zu Lust auf Leistung zu motivieren. Mit<br />
fokussierenden Fragen kommen Sie seinen<br />
wahren Beweggründen am schnellsten<br />
näher – ohne ihm dabei zu nahe zu<br />
treten. Eine solche Frage geht beispiels-<br />
weise so: Welches sind die drei Dinge,<br />
die Sie sich von Ihrem Vorgesetzten am<br />
meisten wünschen?<br />
Nach dieser Frage machen Sie unbedingt<br />
eine ausführliche Pause. Lassen Sie<br />
Ihrem Gesprächspartner Zeit, in seinem<br />
Oberstübchen Klarheit zu schaffen, um<br />
seine Antwort formulieren zu können.<br />
Beantworten Sie Ihre Frage auch dann<br />
nicht selbst, wenn das etwas dauert.<br />
Seien Sie offen für alles. Denn nicht selten<br />
spürt der Gefragte latente Erwartungen,<br />
die er heraushört und womöglich dann<br />
auf erwünschte Art und Weise bedient.<br />
Mitarbeiter werden immer auch ins<br />
Kalkül ziehen, was der Chef wohl gerne<br />
hören will. Sie werden ihm sogar dann<br />
gefallen wollen, wenn es für das Unternehmen<br />
kontraproduktiv ist. Es ist eine<br />
naive Illusion, zu glauben, man bekäme<br />
von seinen Leuten die ganze Wahrheit.<br />
Denn letztlich entscheidet der Chef<br />
über das „Leben und Sterben“ eines Mitarbeiters.<br />
Noch mehr fokussierende Fragen<br />
Damit Mitarbeiter im Kern ihrer Talente<br />
arbeiten können, bieten sich folgende<br />
Fragen an:<br />
WWW.CORTRONIK.dE<br />
EIN UNTERNEHmEN dER BIOTRONIK-GRUPPE<br />
MetallkoMpetenzzentruM<br />
für die Produktion & Entwicklung von Stents in Rostock-Warnemünde<br />
Der Medizintechnikstandort in M-V durch Symbiose mit hochschulnahem Forschungsnetzwerk<br />
CORTRONIK GmbH | Friedrich-Barnewitz-Str. 4a | 18119 Rostock-Warnemünde | info@cortronik.de<br />
12,6%<br />
Programme<br />
für ältere<br />
Arbeitnehmer<br />
• Wenn es eine Sache gibt, die Sie in<br />
Zukunft unbedingt übernehmen<br />
wollten, was wäre das für Sie?<br />
• Wenn es eine Sache gibt, die Ihnen in<br />
Hinblick auf Ihre Arbeit als besonders<br />
nutzlos erscheint, die also wirklich niemandem<br />
etwas bringt, was wäre das<br />
für Sie?<br />
• Und wenn es eine Sache gibt, die wir<br />
im Interesse der Kunden unbedingt<br />
verändern sollten, was wäre da aus<br />
Kundensicht betrachtet das Wichtigste<br />
für Sie?<br />
So erhalten Sie (hoffentlich) endlich<br />
wichtige Informationen über schlechte<br />
Arbeitsplatzbedingungen, über betriebliche<br />
Zwänge, räumliche Enge, Doppelarbeit<br />
und Zeiträuber, über Kom-<br />
www.renexpo.de<br />
munikations-, Schnittstellen- und<br />
Kundenprobleme und damit über die<br />
eigene Betriebsblindheit, deren Wirkung<br />
auf die Loyalität der Mitarbeiter<br />
und Kunden Sie womöglich deutlich<br />
unterschätzt hatten. Ein weiterer Vor-<br />
Über die Autorin<br />
n Anne M. Schüller ist Europas<br />
führende Expertin für Loyalitätsmarketing.<br />
In ihrem Buch<br />
„Touchpoints“ erklärt sie Managementstrategien<br />
für unsere neue<br />
Businesswelt.<br />
teil: Sie werden schnell. Heute gefragt<br />
kann morgen schon was geändert werden.<br />
Und nicht vergessen: Ehrliche und<br />
mutige Mitarbeiter haben ein dickes<br />
Danke verdient. n<br />
Anne M. Schüller<br />
Das Hörbuch<br />
zum Thema<br />
n Anne M. Schüller: Touchpoints<br />
- Auf Tuchfühlung mit dem<br />
Kunden von heute. Managementstrategien<br />
für unsere neue<br />
Businesswelt, 8 CDs, ISBN 978-3-<br />
86936-501-5, € 49,90.<br />
Energiezukunft durch Innovation<br />
14. Internationale Fachmesse für<br />
Erneuerbare Energien & Energieeffizienz<br />
26. – 29.09.<strong>2013</strong><br />
Messe Augsburg
Wirtschaft<br />
Fantasie schlägt Preis<br />
Wege aus preissensiblen Märkten<br />
Ob Ausschreibungen, Profi-Einkäufer in<br />
Großunternehmen oder Preisvergleiche<br />
im Internet: bei manchen Aufträgen<br />
führt kein Weg am Preis vorbei. Und<br />
doch gelingt es manchen Unternehmen,<br />
diesem Ablauf erfolgreich ein<br />
Schnippchen zu schlagen, eine eigene<br />
Preisstrategie aufzubauen und dabei<br />
ansprechende Gewinne zu machen.<br />
Wecken oder bedienen Sie Bedürfnisse<br />
Die große Schraube, an der das Unternehmen<br />
drehen muss, um der Schlacht<br />
um den billigsten Preis zu entkommen,<br />
heißt Marketing. Marketing ist weit<br />
mehr als Werbung. Es ist die Kunst, ein<br />
Unternehmen nach den Bedürfnissen<br />
des Marktes zu führen.<br />
Ist der Wettbewerb groß und befinden<br />
sich die Preise im Keller, ist das<br />
als Alarmsignal erster Güte zu werten.<br />
Die Bedürfnisbefriedigung findet nur<br />
noch auf niedrigem Niveau statt. Ohne<br />
besonderes Know-how, ohne tieferen<br />
Zusatznutzen. In dieser Situation stehen<br />
prinzipiell zwei verschiedene Wege<br />
zur Verfügung. Es können sowohl vorhandene<br />
Bedürfnisse bedient als auch<br />
noch nicht vorhandene Bedürfnisse<br />
geweckt werden.<br />
Erfolgsbeispiele weisen den Weg<br />
• Das iPhone rollte einen gesättigten<br />
Markt völlig neu auf, indem es aus<br />
einem Kommunikationswerkzeug<br />
ganz konsequent ein Unterhaltungsinstrument<br />
machte.<br />
• Kein Stadtmensch hat auf einen SUV<br />
gewartet. Doch seit die Autos da sind,<br />
finden Sie reißenden Absatz. Der<br />
Gesamtmarkt SUV wächst seit Jahren.<br />
• In Luzern erfreut sich das Jailhotel<br />
Löwengraben zunehmender Beliebtheit.<br />
Urlaub in der bizarren und kargen<br />
Atmosphäre des Knasts. Wo während<br />
mehr als 135 Jahren tausende<br />
von Fluchtplänen geschmiedet wurden,<br />
genießen heute Touristen die<br />
unwirtliche Atmosphäre.<br />
Die Beispiele zeigen, dass abseits des<br />
Mainstreams genügend Möglichkeiten<br />
darauf warten, gewinnbringend umgesetzt<br />
zu werden. Sie aufzuspüren ist die<br />
Schwierigkeit dabei.<br />
Bedürfnisse werden mit<br />
der Zielgruppe verknüpft<br />
Um Ihren neuen Markt zu entdecken,<br />
können Sie in zwei Schritten vorgehen.<br />
Zunächst müssen Sie die Bedürfnisse<br />
festlegen, die Sie befriedigen wollen<br />
und dann Ihre geeignete Zielgruppe<br />
bestimmen.<br />
Step 1: Die sieben Bedürfnisse<br />
kennen und kombinieren<br />
Im Prinzip lassen sich alle Produkte und<br />
Dienstleistungen auf sieben verschiedene<br />
Bedürfnisse, die sie befriedigen,<br />
reduzieren:<br />
1. Sicherheit<br />
2. Einfachheit<br />
3. Sportlichkeit<br />
4. Vergnügen<br />
5. Wissen<br />
6. Kommunikation<br />
7. Ausdruck der Persönlichkeit<br />
Neue Lösungen lassen sich am einfachsten<br />
entwickeln, wenn Sie zwei oder drei<br />
Bedürfnisse miteinander kombinieren.<br />
Im Beispiel des iPhones sind es Kommunikation,<br />
Einfachheit und Ausdruck<br />
der Persönlichkeit. Im Falle der SUVs<br />
werden Sicherheit, Vergnügen und Aus-<br />
druck der Persönlichkeit bedient und<br />
das Jailhotel kombiniert Einfachheit,<br />
Wissen und Vergnügen.<br />
Step 2: Die Zielgruppe quantitativ und<br />
qualitativ segmentieren<br />
Für welche Gruppe von Menschen soll Ihr<br />
Angebot besonders anziehend wirken:<br />
• Welches Geschlecht haben sie?<br />
• Wie alt sind sie?<br />
• Wie leben sie?<br />
• Wo wohnen sie?<br />
• Was verdienen sie? etc.<br />
Diese Komponenten sind alle quantitativer<br />
Art. Die qualitativen Komponenten<br />
Ihrer künftigen Zielgruppe können sie<br />
wie folgt ermitteln:<br />
• Welche Vorlieben haben sie?<br />
• Was machen sie in Ihrer Freizeit?<br />
• Sind sie sportlich oder musisch interessiert,<br />
wissensorientiert oder actionbetont?<br />
• Verbringen sie ihre Zeit lieber alleine<br />
oder in Gruppen?<br />
Wenn Sie nun beide Komponenten<br />
kombinieren, haben Sie das Profil Ihrer<br />
Zielgruppe.<br />
Beispiel Reisemobilhersteller<br />
Der Reisemobilhersteller Carthago spielt<br />
auf dem Gesamtmarkt eine untergeordnete<br />
Rolle. Aber im Markt der exklusiven<br />
Reisemobile ist er in Europa der Platzhirsch<br />
mit über 60 Prozent Marktanteil.<br />
Die Kunden sind wohlhabende Best-<br />
Ager jenseits der 60, die meist schon die<br />
ganze Welt per Flugzeug bereist haben<br />
und sich nun Zeit nehmen, Land, Leute<br />
und Kulturen kennenzulernen – so präzise<br />
lassen sich Zielgruppen beschreiben.<br />
Auf diese Weise bauen sich clevere<br />
Unternehmer heute eine Monopolstel-<br />
lung im Wettbewerb auf. Wurde diese<br />
früher meist nur über das Produkt<br />
erreicht, gelingt dies heute auch über<br />
die Bedürfnisse für eine klar umrissene<br />
Zielgruppe.<br />
Und der Clou dabei: nichts ist so<br />
begehrenswert wie die Kirschen in<br />
Nachbars Garten. Also keine Sorge<br />
vor kleinen Zielgruppen, der Kreis der<br />
Bewunderer und Fans wird automatisch<br />
größer. Plötzlich kommen Kunden auf<br />
Sie zu, mit denen Sie vor ein paar Jahren<br />
nie gerechnet hätten.<br />
B2B folgt B2C<br />
Das Ganze funktioniert im B2B-Bereich<br />
ebenso wie im B2C-Markt. Suchen Sie<br />
sich auch hier die Zielgruppe heraus,<br />
die nach quantitativen und qualitativen<br />
Gesichtspunkten am besten zu Ihnen<br />
passt. Kombinieren Sie die Bedürfnisse<br />
neu und bieten Sie Ihre Leistungen und<br />
Produkte so an, dass sich in diesem<br />
Markt nur eine überschaubare Anzahl<br />
an Kunden tummelt. Wenn Sie diesen<br />
Markt dann vollständig abdecken, lassen<br />
sich die besten Preise erzielen.<br />
Beispiel Messebauer<br />
Als Messebauer könnten Sie sich z. B. auf<br />
inhabergeführte, erfolgreiche Unternehmen<br />
konzentrieren, die pro Jahr an über<br />
zehn Messen teilnehmen und denen ein<br />
gleichmäßiger, professioneller Auftritt<br />
sehr wichtig ist. Die Bedürfniskombination,<br />
die Sie bedienen, setzt sich aus<br />
Sicherheit, Einfachheit und Ausdruck<br />
der Persönlichkeit zusammen. Natürlich<br />
brauchen Sie dazu ein neues Produktpaket<br />
und vermutlich eine passende EDV-<br />
Über den Autor<br />
n Christian Kalkbrenner, Dipl.-Kfm.<br />
(univ.) verhilft Unternehmen mit<br />
seinem prämierten Strategieansatz<br />
„Bambus-Code“ zu neuen<br />
Kunden und mehr Nachfrage. Er<br />
ist Strategieberater, Autor mehrerer<br />
Fachbücher und Redner.<br />
54 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong> 4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 55<br />
(Foto: Henry./Flickr.com)<br />
Lösung. Aber dann sind sie raus aus der<br />
Menge. Und können mit Fug und Recht<br />
behaupten: „Phantasie schlägt Preis“.<br />
Fazit<br />
Schaffen Sie aktiv Nachfrage. Nicht nur<br />
nach Ihren Standardprodukten, sondern<br />
auch nach neuen Produkten. Tun Sie das<br />
Unerwartete und setzen Sie einen Trend<br />
für ein fest umrissenes Marktsegment.<br />
Dann stimmt der Preis und damit auch<br />
der Gewinn. n<br />
Christian Kalkbrenner<br />
Exzellente Pumpentechnologie<br />
für internationale Märkte<br />
| Bergbau<br />
| Energiesektor<br />
| Öl & Gas<br />
| Chemische Industrie<br />
| Lebensmittel & Pharmazie<br />
| Abwasser<br />
FELUWA Pumpen GmbH | Tel. +49 (0) 6594.10-0 | www.feluwa.de
Wirtschaft<br />
Dienstleistungen sind heute die vorrangige<br />
Erwerbsquelle in den Industriestaaten<br />
und haben ein erhebliches<br />
Wachstums- und Innovationspotenzial.<br />
Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für<br />
System- und Innovationsforschung ISI<br />
zeigt, dass durch die Integration von<br />
Dienstleistungsmodellen in die Wertschöpfungsprozesse<br />
nicht nur Wettbewerbsvorteile<br />
realisiert, sondern auch<br />
Rohstoffe eingespart werden können.<br />
Dienstleistungsmodelle (DLM) dienen<br />
der Lösung kundenspezifischer Probleme.<br />
Dabei wird die Verantwortung<br />
für bestimmte Prozesse oder Ergebnisse<br />
an einen Spezialisten delegiert, wodurch<br />
die Unternehmen ihre Aufmerksamkeit<br />
stärker auf ihre Kernkompetenzen richten<br />
können. Diese Konzentration ermöglicht<br />
den Aufbau dauerhafter Wettbewerbsvorteile<br />
und führt zu höheren und<br />
stabileren Erträgen.<br />
Es fehlt die Erfahrung<br />
Die Studie „Ressourceneinsparpotenziale<br />
durch den Einsatz von Dienstleistungsmodellen<br />
in rohstoffnahen Produktionssystemen“<br />
entstand im Rahmen des<br />
BMBF- Förderschwerpunkts „Innovative<br />
Technologien für Ressourceneffizienz –<br />
rohstoffintensive Produktionsprozesse“.<br />
Das Fraunhofer ISI befragte Experten aus<br />
56 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
Die optimale Produktion<br />
Einsparpotentiale einer Dienstleistungsgesellschaft<br />
(Foto: RDECOM/Flickr.com)<br />
den Bereichen Stahl- und Metallproduktion,<br />
Chemische Industrie/Beschichtung<br />
sowie Recycling. Dabei stellten die Wissenschaftlerinnen<br />
und Wissenschaftler<br />
fest, dass in Deutschland in den untersuchten<br />
Industrien vorrangig klassische<br />
Geschäftsmodelle eingesetzt werden,<br />
bei denen alle Eigentumsrechte sowie<br />
die Verantwortung für alle Produktionsprozesse<br />
allein beim produzierenden<br />
Unternehmen liegen. Im Gegensatz zu<br />
den klassischen Geschäftsmodellen ist<br />
bei DLM eine deutlich höhere Integration<br />
und Interaktion mit Prozessen des<br />
Kunden erforderlich, im Gegenzug profitieren<br />
sowohl Anbieter als auch Kunden<br />
von dem Modell.<br />
An den richtigen Stellen integrieren<br />
Risiken sehen die Kunden sowohl in der<br />
Abhängigkeit von Anbietern als auch<br />
im Verlust von Know-how in teilweise<br />
betriebskritischen Verantwortungsbereichen.<br />
Nicht zuletzt schrecken einige<br />
potenzielle Kunden vor dem organisatorischen<br />
Aufwand für die Einrichtung, Planung<br />
und Gestaltung der Rahmenbedingungen<br />
für DLM zurück. Die Studie zeigt<br />
jedoch, dass DLM wirtschaftlich attraktiv<br />
sind und zudem einen Beitrag zur Einsparung<br />
von Rohstoffen leisten können,<br />
wenn sie an den richtigen Stellen im Pro-<br />
zess integriert werden. Die bislang fehlende<br />
Erfahrung mit der Auslegung und<br />
Organisation von DLM erfordert eine<br />
systematische Herangehensweise an die<br />
Thematik. Das Fraunhofer ISI empfiehlt<br />
daher, in sechs Schritten vorzugehen:<br />
1. Heutige Situation<br />
In Schulungen oder Workshops lässt sich<br />
das grundsätzliche Konzept von DLM<br />
vermitteln und die Akzeptanz im Unternehmen<br />
fördern. Nach einer internen<br />
Ideengenerierung und Sensibilisierung<br />
für das Konzept ist ein Austausch zwischen<br />
Anbietern und Kunden ratsam,<br />
um mögliche DLM zielgerichtet zu diskutieren.<br />
2. Nutzenversprechen<br />
Im zweiten Schritt ist es wichtig, eine<br />
Win-win-Situation zu genieren. Kundenseitig<br />
bedeutet dies beispielsweise<br />
einen umfassenden Kostenvergleich<br />
zwischen dem DLM und dem traditionellen<br />
Geschäftsmodell.<br />
3. Ertragsmodelle und<br />
Wertschöpfungsarchitekturen<br />
Im dritten Schritt gilt es, das Ertragsmodell<br />
und die Wertschöpfungsarchitektur<br />
zu konkretisieren und eine Win-win-<br />
Situation zwischen Anbieter und Kunde<br />
zu beschreiben.<br />
4. Technische Eigenschaften<br />
Bei der Integration des DLM in die bestehenden<br />
Prozesse übernehmen insbesondere<br />
die technischen Abteilungen<br />
die Aufgabe, dass bestehende Prozesse<br />
nicht beeinträchtigt werden.<br />
5. Bewertung von Alternativen und<br />
6. Auswahl Geschäftsmodell<br />
Im fünften und sechsten Schritt werden<br />
die erarbeiteten Alternativen einander<br />
gegenübergestellt, und ein DLM wird<br />
ausgewählt. Entscheidungskriterien können<br />
Quantität und Qualität, „Total Cost<br />
of Ownership“, Abhängigkeit gegenüber<br />
einem Geschäftspartner, Nutzung externer<br />
Expertise, Know-how-Verlust, Materialeffizienz<br />
sowie die nachhaltige Sicherung<br />
der Wettbewerbsfähigkeit sein. n<br />
Mit Herz und Verstand<br />
So jung wie die Branche selbst präsentiert<br />
sich das Unternehmen BioConstruct<br />
aus Melle bei Osnabrück. Seit nun mehr<br />
als zehn Jahren entwirft und baut das<br />
Unternehmen schlüsselfertige Biogasanlagen.<br />
So unterschiedlich wie die Anforderungen<br />
der Kunden sind, so individuell<br />
erfolgt auch die Konzeption dieser<br />
umweltfreundlichen Anlagen. Fast 100<br />
Mitarbeiter verfolgen das Ziel, für jedes<br />
bioenergetische Substrat und jegliche<br />
Art von Infrastruktur, für jeden Energieversorger<br />
und – Rentabilität vorausgesetzt<br />
– für jeden landwirtschaftlichen<br />
Betrieb ein maßgeschneidertes Konzept<br />
zu entwickeln. BioConstruct zeichnet<br />
sich durch kundenspezifische Konstruktionen,<br />
von der Idee bis zur Realisierung,<br />
aus: Angefangen bei einer Wirtschaftlichkeitsprognose,<br />
der Grundlage aller<br />
Berechnungen, werden neben Art und<br />
Verfügbarkeit der benötigten Substrate<br />
auch Angaben über die Gegebenheiten<br />
des zukünftigen Standortes sowie die<br />
Verfügbarkeit von landwirtschaftlichen<br />
Flächen zur Ausbringung der ausgegorenen<br />
Substrate berücksichtigt.<br />
Umfangreiche technische Kenntnisse<br />
in verschiedensten Disziplinen sind<br />
die Grundvoraussetzung bei der Planung<br />
und Realisierung von Energieprojekten<br />
wie komplexen Biogasanlagen. Bei Bio-<br />
Construct sind Mitarbeiter aus der Landwirtschaft,<br />
der Energieanlagentechnik<br />
sowie Bauingenieure, Umwelttechniker<br />
und Angestellte aus dem Rechtswesen<br />
gefragt. Der besondere Mix aus langjähriger<br />
Erfahrung gepaart mit frischen<br />
Denkanstößen verwirklicht auch die<br />
außergewöhnlichsten Anforderungen an<br />
die jeweiligen Biogasanlagen.<br />
Energie der nächsten Generation<br />
Klimaschutz wird heutzutage großgeschrieben.<br />
Biogasanlagen von Bio-<br />
Construct erzeugen nachhaltig und<br />
sauber Strom und Wärme aus Abfällen<br />
und heimischen Rohstoffen. Die Anlagen<br />
überzeugen durch erstklassige<br />
Auslastungszahlen, können aber auch<br />
bedarfsgerecht gefahren werden. Selbstverständlich<br />
bezieht auch BioConstruct<br />
selbst ausschließlich Strom aus 100 Prozent<br />
Erneuerbaren Energien.<br />
Lösungen mit Weitblick<br />
Das Unternehmen aus Melle betreibt<br />
zudem eigene Biogasanlagen und stellt<br />
seinen Kunden das so gewonnene Knowhow<br />
zur Verfügung. Für die maximale<br />
Rentabilität und Betriebssicherheit aller<br />
erbauten Biogasanlagen werden ausschließlich<br />
Komponenten eingesetzt,<br />
die sich im langjährigen Einsatz bereits<br />
erfolgreich bewährt haben.<br />
Geplant und erbaut werden die Biogasanlagen<br />
mit Weitblick in die Zukunft.<br />
So ist es bei Anlagen von BioConstruct<br />
beispielsweise mit vergleichsweise geringem<br />
Aufwand möglich, auf alternative<br />
Substrate umzustellen. Auch wenn Biogasanlagen<br />
aus dem Hause BioConstruct<br />
langlebig und wartungsarm konzipiert<br />
werden, wird der Service nach der Errichtung<br />
groß geschrieben. Nach der erfolgreichen<br />
Beendigung des Probebetriebs<br />
fungiert das Unternehmen als Ansprechpartner<br />
und berät in Fragen zur Auswahl<br />
neuer Inputstoffe, bei der Analyse von<br />
Störungen in der Gasproduktion oder<br />
bei technischen Problemen. 365 Tage im<br />
Jahr steht das Meller Unternehmen als<br />
verlässlicher Partner zur Verfügung. n<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 57<br />
▪ Objektbau<br />
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Von guten Beispielen lernen<br />
Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin<br />
über mittelstandsnahe Wirtschaftspolitik<br />
Kleine und mittlere Unternehmen<br />
sind das Kraftzentrum der Wirtschaft<br />
unseres Landes. Sie stellen mit 99,6 Prozent<br />
das Gros unserer Unternehmen,<br />
bei ihnen arbeiten 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtig<br />
Beschäftigten.<br />
Der Mittelstand ist ein wichtiger Stabilitätsanker<br />
für unseren Wirtschaftsstandort<br />
sowie von elementarer Bedeutung<br />
für die Schaffung und den Erhalt von<br />
Arbeitsplätzen.<br />
Attraktiv und lebenswert<br />
Die Bedeutung von Investitionen des<br />
Mittelstands wird in der Öffentlichkeit<br />
häufig unterschätzt. Investitionsvorhaben<br />
der Unternehmen, oder Infrastrukturprojekte<br />
für Unternehmen, werden<br />
oft einseitig negativ wahrgenommen.<br />
Gute Politik zeichnet sich durch einen<br />
Interessenausgleich aus. Dazu müssen<br />
wir unseren Blick verstärkt auf<br />
die Chancen lenken, die erfolgreiche<br />
Unternehmen für unser Land und die<br />
Gesellschaft bieten. Wir wollen, dass<br />
Unternehmen optimal gestaltete Rahmenbedingungen<br />
für Innovation und<br />
Wachstum vorfinden und gleichzeitig<br />
auf sozial gerechtes und ökologisch verträgliches<br />
Wirtschaften achten. Unser<br />
58 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
Wirtschaftsstandort soll für die Unternehmen<br />
attraktiv und für die Menschen<br />
lebenswert sein.<br />
Eng verzahnt<br />
Diese Rahmenbedingungen schaffen<br />
wir in Nordrhein-Westfalen u. a. durch<br />
unser neues Mittelstandsförderungsgesetz.<br />
Damit werden die Interessen des<br />
Mittelstandes eng mit dem Handeln von<br />
Markenzeichen nordrhein-westfälischer<br />
Wirtschaftspolitik<br />
Politik und Verwaltung verzahnt. Ziel ist<br />
es, alle relevanten Gesetzes- und Verordnungsvorhaben<br />
der Landesregierung<br />
frühzeitig über sogenannte Clearingverfahren<br />
auf ihre Mittelstandsfreundlichkeit<br />
hin zu überprüfen.<br />
Dazu wird eine Clearingstelle Mittelstand<br />
außerhalb der Landesverwaltung<br />
eingerichtet. Mittelstandsgerechte<br />
Regelungen, flexible Verfahren und eine<br />
dauerhaft unternehmensnahe Verwaltungspraxis<br />
sollen zum bundesweit<br />
anerkannten Markenzeichen nordrhein-<br />
westfälischer Wirtschaftspolitik werden.<br />
Von guten Beispielen lernen<br />
Wie werden Unternehmen fit für die<br />
Zukunft? Wie schaffen sie den Spagat<br />
zwischen einer gleichermaßen effizienten<br />
und flexiblen Unternehmenssteuerung?<br />
Antworten auf diese Fragen gibt<br />
es viele. Daher ist es entscheidend, sich<br />
neben der Theorie auch an der Praxis<br />
zu orientieren. Das bedeutet, von guten<br />
Beispielen zu lernen - und das kann<br />
man besonders gut bei den Gewinnern<br />
des Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“.<br />
Ich darf den Preisträgern<br />
schon jetzt gratulieren. Sie alle sind Vorbilder,<br />
die unserem erfolgreichen Wirt-<br />
Über den Autor<br />
n Der gebürtige Ostfriese Garrelt<br />
Duin ist seit dem 21. Juni 2012<br />
Minister für Wirtschaft, Energie,<br />
Industrie, Mittelstand und<br />
Handwerk des Landes Nordrhein-<br />
Westfalen<br />
(Foto: Ralph Sondermann )<br />
(Foto: Wikimedia/CC-SA-3.0/Raimond Spekking)<br />
Vom Minijobber zum Marktmanager<br />
Wer Vertrauen säht wird Leistung ernten<br />
Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />
im Unternehmen für Führungsaufgaben<br />
zu finden und zu halten ist besonders<br />
in der Dienstleistungsbranche schwierig.<br />
Das Unternehmen „Teamwork – Die Büttgen<br />
GmbH“ geht hier mit ihrem Qualifizierungsprogramm<br />
neue Wege. Über<br />
130 Minijobber haben seit 2011 dieses<br />
Programm erfolgreich abgeschlossen<br />
und Führungsaufgaben als Marktmanager<br />
übernommen. „Ich bin ausgebildeter<br />
Marktmanager des Dienstleistungsunternehmens<br />
Teamwork – Die Büttgen<br />
GmbH. Mein Werdegang dorthin (zum<br />
Marktmanager) war einfach klasse!“<br />
so berichtet Alexander B. und er fährt<br />
fort: „Ich habe beruflich gerne mal aufs<br />
falsche Pferd gesetzt und auch meine<br />
Arbeitsmoral in den vorherigen Jobs ließ<br />
zu wünschen übrig. Auch die Motivation<br />
und das Durchhaltevermögen fehlten mir<br />
oft, als ich im November 2011 bei der<br />
(Foto: Keees/Flickr.com)<br />
Firma Teamwork als Minijobber anfing.<br />
Nach kurzer Zeit wurde ich wegen guter<br />
Arbeits leistung ausgezeichnet und plötzlich<br />
ging alles ganz schnell. Mir wurde<br />
die Stelle eines Teamchefs angeboten. Ich<br />
nahm die Herausforderung an. Ich hatte<br />
mir geschworen, sie zu überzeugen. Dies<br />
war meine Chance bei Teamwork Fuß zu<br />
fassen und mich zu beweisen. Endlich<br />
hatte ich in meinem Leben das Gefühl<br />
etwas wirklich gut machen zu können.“<br />
Sie alle haben die Chance genutzt<br />
Als Lohn für seine Arbeit wurde Alexander<br />
B. für die Fortbildung zum Marktmanager<br />
vorgeschlagen und diese Fortbildung<br />
hat er erfolgreich mit einem Zertifikat<br />
abgeschlossen. „Sie möchten jeden tatkräftigen<br />
Mitarbeiter unterstützen und<br />
fördern, egal wie sein Leben vor Teamwork<br />
war!“ begründet Alexander B. seinen<br />
Werdegang. So oder ähnlich wie Alexander<br />
ging es dem Ehepaar Sergej und<br />
Gaby von M., Saide O., Saskia W. und über<br />
100 inzwischen zertifizierten Marktmanagerinnen<br />
und Marktmanagern. Es sind<br />
Menschen mit Migrationshintergrund,<br />
oder auch Menschen, die in der Selbständigkeit<br />
gescheitert sind. Menschen die<br />
keine Vollzeitarbeit gefunden haben,<br />
(Foto: martinroell/Flickr.com)<br />
Menschen die während der Elternzeit<br />
einen Nebenjob gesucht haben oder nach<br />
der Elternzeit keine passende Arbeit mehr<br />
gefunden haben. Menschen mit Berufsabschluss<br />
und Menschen ohne Berufsabschluss.<br />
Sie alle haben die Chance genutzt<br />
mehr aus sich zu machen.<br />
Fit for Future<br />
„Fit for Future“, so heißt das Programm,<br />
das Minijobbern die Chance bietet Führungsaufgaben<br />
als Vollzeitkraft oder<br />
Teilzeitkraft zu übernehmen. Hintergrund<br />
für dieses Programm war und<br />
sind die steigenden Anforderungen an<br />
den Bereich der Instore Logistik. Die langen<br />
Öffnungszeiten der Märkte erfordern<br />
eine immer größere Flexibilität. Die<br />
Qualitätsansprüche der Kunden werden<br />
immer höher und die Personalfindung<br />
immer schwieriger. Vor diesem Hintergrund<br />
wurde im Herbst 2010 durch das<br />
„Fit for Future“-Programm eine Qualifizierungsoffensive<br />
für die Teamchefs/<br />
Teamchefinnen gestartet und die Weiterbildung<br />
zum Marktmanager angeboten.<br />
Das Fortbildungsprogramm um-<br />
fasst die Themen: Administration, Führung,<br />
Instore Logistik, Auswahl und<br />
Einstellung von Mitarbeitern und<br />
(Foto: gruenenrw/Flickr.com)<br />
Mitarbeiterinnen, Zeit-und Selbstmanagement.<br />
Referenten sind erfahrene<br />
Praktiker, die diese Themen „vor Ort“ bzw.<br />
in Seminarveranstaltungen vermitteln.<br />
Nach erfolgreicher Abschlussprüfung<br />
wird das Zertifikat „Marktmanager“<br />
erteilt und der oder die Kandidat/in als<br />
Marktmanager/in für mehrere Märkte<br />
eingesetzt.<br />
Basis für eine sichere Zukunft<br />
„Die Karrierechancen im Unternehmen<br />
sind ausgesprochen gut!“ so urteilen<br />
Sergej und Gaby von M. Beide befinden<br />
sich jetzt schon wieder in einer<br />
weiteren Fortbildungsmaßnahme, der<br />
Fortbildung Teammanager. Der Teammanager<br />
ist Chef von ca. 30 Teamchefs<br />
und Marktmanagern und für ca. 300<br />
Mitarbeiter/innen verantwortlich. Ziel<br />
der Maßnahme ist es, die Führungsstrukturen,<br />
der in den verschiedenen<br />
Orten tätigen Teams so zu verändern,<br />
dass möglichst vielen Minijobbern die<br />
Chance zur Qualifizierung zum Marktmanager<br />
geboten werden kann. Zurzeit<br />
sind weitere 90 Minijobber in Ausbildung.<br />
Ende des Jahres <strong>2013</strong> werden über<br />
200 Minijobber die Zertifizierung zum<br />
Marktmanager abgeschlossen haben<br />
und damit die Basis für eine sichere<br />
berufliche Zukunft gelegt haben. n<br />
4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 59
Spezial | Regional<br />
Im Zeichen der Zukunft<br />
Essen ehrt seinen Mittelstand – auf dem Mittelstandsempfang <strong>2013</strong><br />
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Große Bühne für den Mittelstand in Essen:<br />
Rund 500 Akteure aus dem Essener Wirtschaftsleben,<br />
der Politik und Verwaltung<br />
folgten der Einladung der EWG - Essener<br />
Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH<br />
(EWG) zum Essener Mittelstandsempfang<br />
<strong>2013</strong> am 6. Mai <strong>2013</strong> im Colosseum<br />
Theater Essen. Im Mittelpunkt der<br />
2008 von der EWG ins Leben gerufenen<br />
Veranstaltung stand in diesem Jahr<br />
der Strategieprozess Essen.2030. Unter<br />
dem Motto „Essen.erfolgreich“ diskutierten<br />
die geladenen Gäste, was Essen<br />
bieten muss, um auch im Jahr 2030<br />
ein gefragter Unternehmensstand-<br />
ort und attraktiver Wohn- und Arbeitsort<br />
zu sein.<br />
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Gesellschaftliche Verantwortung<br />
Dem starken Essener Mittelstand<br />
kommt dabei eine besondere Rolle zu.<br />
Essens Oberbürgermeister Reinhard<br />
Paß betonte in seiner Begrüßungsrede,<br />
dass es in Zeiten des demographischen<br />
Wandels und des Fachkräftemangels<br />
unerlässlich sei, sich auf Essens Stärken<br />
zu besinnen und Maßnahmen zu<br />
ergreifen, um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit<br />
des Standortes zu<br />
stärken und auf Dauer zu sichern. Deshalb<br />
sei es ihm ein besonderes Anliegen,<br />
die kleinen und mittelständischen<br />
Unternehmen und Handwerksbetriebe<br />
in den Strategieprozess Essen.2030 einzubinden:<br />
„Sie kennen den Standort,<br />
sie wissen um die Anforderungen, die<br />
ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />
an den Arbeitsort stellen, sie übernehmen<br />
gesellschaftliche Verantwortung<br />
und sorgen durch die Ausbildung junger<br />
Menschen dafür, dass die Stadt<br />
zukunftsfähig bleibt. Auf ihr Wissen<br />
und ihre Erfahrungen können und wollen<br />
wir nicht verzichten“, so Paß.<br />
Die tragenden Säulen der Stadt<br />
Dr. Dietmar Düdden, Geschäftsführer<br />
der EWG - Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft<br />
mbH, stellte<br />
daraufhin die Bedeutung des Essener<br />
Mittelstandes für die wirtschaftliche<br />
Leistungsfähigkeit des Standortes<br />
Essen heraus: „Die rund 12.600 kleinen<br />
und mittelständischen Unternehmen<br />
und Handwerksbetriebe sind die tra-<br />
Mit<br />
dem größten<br />
Gira Revox Studio<br />
in NRW<br />
gende Säule des Wirtschaftswachstums<br />
unserer Stadt. Und das ist beachtlich.<br />
Zwischen 2008 und 2010 verzeichnete<br />
Essen beim Bruttoinlandsprodukt und<br />
bei der Bruttowertschöpfung Steigerungen<br />
von über 15 Prozent. Im Vergleich<br />
der zehn größten Städte Deutschlands<br />
ist das absolute Spitze. Im kürzlich veröffentlichen<br />
Städteranking des renommierten<br />
Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts<br />
HWWI gehört Essen zu<br />
den zukunftsfähigen Großstädten in<br />
Deutschland. Das verdanken wir auch<br />
dem Essener Mittelstand, der mit seiner<br />
hohen Produktivität maßgeblich zu diesem<br />
positiven Ranking unseres Standortes<br />
beigetragen hat.“ Unternehmen,<br />
die in vorbildlicher Weise außerge-<br />
Wir fördern Energieeffizienz.<br />
ENERGIE<br />
EFFIZIENZ<br />
LOHNT SICH<br />
(v.l.) Alexander Pramschüfer (Dipl.-Ing.<br />
Scherzer GmbH), Manuel Schneider<br />
(ratiotec GmbH & Co. KG) Reinhard Paß,<br />
Moritz Mintrop (Mintrops Land Hotel<br />
GmbH & Co.KG) Robert Schramm (Westdeutsche<br />
Farbengesellschaft Brüche &<br />
Co. GmbH & Co. KG), Harald Mintrop, Dr.<br />
Dietmar Düdden<br />
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3/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 67<br />
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wöhnliche unternehmerische Leistungen<br />
mit gesellschaftlichem Engagement<br />
verbinden, erhielten während des<br />
anschließenden Essener Unternehmertalks<br />
die gebührende Anerkennung: die<br />
Dipl.-Ing. Scherzer GmbH, die Mintrops<br />
Land Hotel GmbH & Co. KG, die ratiotec<br />
GmbH & Co. KG und die Westdeutsche<br />
Farbengesellschaft Brüche & Co. GmbH<br />
& Co. KG. Oberbürgermeister Reinhard<br />
Paß nominierte auf Vorschlag der EWG<br />
die vier Mittelständler für den „Großen<br />
Preis des Mittelstandes <strong>2013</strong>“ in der<br />
Wettbewerbsregion Nordrhein-Westfalen.<br />
Der von der Oskar-Patzelt-Stiftung<br />
jährlich vergebene Preis gilt deutschlandweit<br />
als eine der begehrtesten<br />
Wirtschaftsauszeichnungen. n<br />
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Spezial | Regional<br />
Mittelstand im Rampenlicht<br />
Die IHK und die regionale Servicestelle Bonn/Rhein-Sieg küren ihren Mittelstand<br />
Die Region Bonn steht für bekannte<br />
Großunternehmen wie Deutsche Post<br />
DHL, Telekom, Postbank, oder Haribo.<br />
Doch auch hier ist der eigentliche Träger<br />
der wirtschaftlichen Entwicklung der<br />
unternehmerische Mittelstand, über<br />
den viel zu wenig bekannt ist und der<br />
zu selten im Mittelpunkt steht. Um das<br />
zu ändern, setzt sich die Oskar-Patzelt-<br />
Stiftung bundesweit mit dem Wettbewerb<br />
mittelständischer Unternehmen,<br />
Signalverstärker<br />
dem „Großen Preis des Mittelstandes“<br />
für Respekt und Anerkennung des Mittelstandes<br />
ein.<br />
Am 4. September 2012 fand aus<br />
diesem Grund im Hause der IHK Bonn/<br />
Rhein-Sieg eine Auftaktveranstaltung<br />
unter Schirmherrschaft der IHK statt.<br />
Interessierte Mittelständler wurden mit<br />
den Möglichkeiten vertraut gemacht,<br />
die die Initiative der Oskar-Patzelt-Stiftung<br />
bietet. <strong>2013</strong> findet bereits der 19.<br />
Wettbewerb statt. Bundesweit wurden<br />
diesmal 4.035 Unternehmen nominiert.<br />
Davon erreichten 670 die zweite Runde,<br />
die Juryliste. Sie stehen vor der letzten<br />
Wettbewerbshürde dieses Jahres. Denn<br />
aus diesen Firmen wählen die zwölf<br />
Länderjurys die Preisträger und Finalisten<br />
dieses Jahres aus.<br />
Für ganz Nordrhein-Westfalen sind<br />
noch 99 Unternehmen im Rennen um die<br />
begehrte Trophäe. Allein in Bonn/Rhein-<br />
Ihr Spezialist für Lichtwellenleiter-Technik.<br />
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Sieg erreichten neun der elf nominierten<br />
Unternehmen die zweite Runde. Sie wurden<br />
am 27. Mai dafür auf einer separaten<br />
Veranstaltung mit einer Urkunde zum<br />
Erreichen der Jurystufe geehrt.<br />
Während sich beim „Großen Preis<br />
des Mittelstandes“ die Firmen bundesweit<br />
messen, entwickelte der Kreis<br />
Bonn/Rhein-Sieg auf regionaler Ebene<br />
den „Ludwig“ zur Würdigung des Mittelstandes:<br />
Gerade für kleine, unbekanntere<br />
Unternehmen, die sich oft<br />
auch gar nicht trauen, sich in den Vordergrund<br />
zu stellen. Der Name ist eine<br />
Hommage an den großen Bonner Ludwig<br />
van Beethoven.<br />
Unternehmen eine Bühne bieten!<br />
So erhöhen die regionalen Unternehmen<br />
spürbar ihre Chance, vor allem<br />
in der Region bekannt zu werden. Die<br />
Idee, einen eigenen Preis ins Leben zu<br />
rufen hatte der engagierte Pressesprecher<br />
der IHK Bonn/Rhein-Sieg, Michael<br />
Pieck. Der aktive Promoter des „Großen<br />
Preises“ nimmt seine Aufgabe ernst<br />
und ist sich sicher, dass eine derart<br />
regionale Veranstaltung eben vor allem<br />
die Medien der Region interessiert, die<br />
so automatisch mit im Boot sind. „Mit<br />
einer eigenen regionalen Preisverleihung,<br />
die - unabhängig von der bundesweiten<br />
Auszeichnung - von der IHK<br />
Bonn/Rhein-Sieg und der regionalen<br />
Servicestelle in der Rhein-Sieg-Halle<br />
in Siegburg ausgerichtet wird, wollen<br />
wir unseren Unternehmen eine Bühne<br />
bieten und ihnen eine Auszeichnung<br />
für ihr Engagement zukommen lassen“,<br />
sagt Michael Pieck.<br />
Michael Pieck wird gemeinsam<br />
mit Dr. Christine Lötters (SCL Bonn und<br />
Servicestelle Bonn der Oskar-Patzelt-<br />
Stiftung), Frank Baake (Geschäftsführer<br />
Rhein-Sieg-Halle) und Michael Ramlau<br />
(Center TV) unter regionalen Gesichtspunkten<br />
die besten Mittelständler der<br />
Region auswählen. „Gewonnen haben<br />
bereits jetzt alle mitmachenden Unternehmen,<br />
denn sie leisten mit ihrer<br />
Tätigkeit einen wichtigen Beitrag zum<br />
Wachstum am Standort. Dies wollen<br />
wir mit unserem zusätzlichen ‚Ludwig‘<br />
unterstreichen“, erläutert Christine Lötters<br />
für die regionale Servicestelle.<br />
Aktives Networking ist angesagt<br />
Zur Mittelstandsveranstaltung am<br />
9. Juli, 18:00 Uhr in der Rhein.-Sieg-<br />
Halle sind alle Unternehmerinnen und<br />
Unternehmer sowie interessierte Bürger<br />
der Region eingeladen. Der Eintritt ist<br />
frei. Aktives Networking ist angesagt.<br />
„Wir sind sicher, mit der aktiven Unterstützung<br />
des ‚Großen Preis des Mittelstandes‘<br />
einen wichtigen Beitrag zur<br />
Förderung des Mittelstandes bei uns in<br />
der Region zu leisten“, betont Michael<br />
Pieck. „Nutzen Sie die Chance, die Ihnen<br />
der Wettbewerb bietet. Machen Sie sich<br />
bekannt und zeigen Sie, was der Mittelstand<br />
kann“, ergänzt Christine Lötters.<br />
Es bleibt spannend<br />
Auf die Entscheidung der Landesjury für<br />
Nordrhein-Westfalen haben die regionalen<br />
Juroren aus Bonn/Rhein-Sieg keinen<br />
Einfluss. Ganz Nordrhein-Westfalen<br />
im Blick, entscheiden die Landesjuroren<br />
unabhängig. Es bleibt daher auch nach<br />
dem 9. Juli spannend. Die nordrheinwestfälischen<br />
Finalisten und Preisträger<br />
des „Großen Preises des Mittelstandes“<br />
werden erst am 21. September in Düsseldorf<br />
ausgezeichnet. Dort werden<br />
auch die Preisträger und Finalisten aus<br />
Rehinland-Pfalz/Saarland, Niedersachsen/Bremen<br />
und Hamburg/Schleswig-<br />
Holstein gekürt. n<br />
Unternehmen aus Bonn/<br />
Rhein-Sieg in der Juryliste<br />
n Berndt & Brungs Software GmbH<br />
n Christoph Kappes – Die Erlebnisgastronomie<br />
GmbH<br />
n Forest Finance Group<br />
n Hairstylers Heaven<br />
Haircare GmbH<br />
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4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 63<br />
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Ohne Gegenleistung<br />
Deutschlands Autofahrer sind Zitronen.<br />
Die Politik presst sie gerne aus.<br />
Blühende Landschaften<br />
Sie sind auf dieser Doppelseite gewöhnt,<br />
über großartige, automobile Leistungen<br />
in Punkto Ingenieurskunst und Design<br />
zu lesen. Aus aktuellem Anlass der bevorstehenden<br />
Bundestagswahl in Deutschland<br />
beschäftigt uns diesmal ein anderes<br />
Thema: Der Zustand unserer Straßen,<br />
die Lösungen der gewählten Vertreter<br />
unseres Volkes aus der Politik und die<br />
Frage nach den Autofeinden in diesem<br />
Lande, obwohl jeder sechste Arbeitsplatz<br />
in Deutschland an das Automobil<br />
gebunden ist. Es fehlt an Lösungen, an<br />
Geld und am Willen.<br />
Als ich neulich auf einer der zahlreichen<br />
Berliner Straßen fuhr, die die<br />
Automobilindustrie inzwischen als Teststrecken<br />
nutzen könnten, um Schlaglochresistenz<br />
und besondere Beanspruchungen<br />
von Fahrwerken zu testen,<br />
traf ich auf ein Schild: Achtung Straßenschäden.<br />
Das erinnerte mich an die<br />
DDR, deren Straßen denen des heutigen<br />
Deutschlands glichen. Mit diesen Schildern<br />
übertrug man die Verantwortung<br />
auf den Autofahrer.<br />
Autofahrer- verteufelter Zahlmeister<br />
der Nation<br />
Hierzulande ist der Autofahrer der Zahlmeister<br />
der Nation. Er wird besteuert,<br />
bestraft, entmündigt und für dumm<br />
verkauft. Schlagloch-Slalom auf Straßen<br />
- die Infrastruktur in Deutschland wird<br />
auf Verschleiß genutzt. Die jahrzehntelange<br />
Vernachlässigung rächt sich.<br />
„Das deutsche Straßennetz wird von<br />
Jahr zu Jahr älter und älter“, kritisiert<br />
Stefan Kooths, Forscher des Kieler Instituts<br />
für Weltwirtschaft (IfW). Zehn Jahre<br />
lang reichten die staatlichen Investitionen<br />
schon nicht einmal mehr aus, um<br />
den jährlichen Verschleiß zu beheben.<br />
Waren die Straßenbeläge in Deutschland<br />
Anfang der 1990er-Jahre im Schnitt<br />
20 Jahre alt, so sind es heute bereits 26<br />
Jahre. Bei den Schienen und Wasserstraßen<br />
ist es nicht weniger dramatisch. Der<br />
harte Winter geht an die Substanz. Er<br />
fördert zutage: Die Verkehrsinfrastruktur<br />
braucht dringend Pflege. Auf einigen<br />
Straßen werden kurzerhand Spuren<br />
gesperrt, anstatt die Winterschäden zu<br />
beseitigen. Ab und an werden notdürftig<br />
Löcher gestopft, Schilder und Kegel<br />
aufgestellt. Eine nachhaltige Sanierung<br />
geben die öffentlichen Verkehrsetats<br />
nicht mehr her. Die Infrastruktur wird<br />
auf Maximal-Verschleiß genutzt.<br />
Für die Unternehmen, die auf eine<br />
gute Infrastruktur der Transportwege<br />
angewiesen sind, ist das ein Dilemma:<br />
„Die deutsche Wirtschaft ist mehr als<br />
andere von funktionierenden Verkehrsadern<br />
abhängig“, sagt Kooths – zum<br />
einen wegen der Lage im Zentrum Europas,<br />
zum anderen wegen des großen<br />
Industriesektors. Wegen der Schuldenbremse<br />
fehlt dem Staat das Geld für<br />
seine Schienen und Straßen. Die Infrastruktur<br />
wird in den kommenden Jahren<br />
enorm an Wert verlieren. Zu dieser<br />
Einschätzung kommt das IfW in seiner<br />
neuesten Mittelfristprognose.<br />
Krokodilstränen sind in der Politik ein<br />
Kommunikationsmittel<br />
Ein Grund neben Steuerverschwendungen:<br />
Um die Schuldenbremse einhalten<br />
zu können, spart der Staat vor allem<br />
bei den Investitionen, nicht aber bei den<br />
Ausgaben für Soziales und Verwaltung.<br />
Da weder Steuererhöhungen, noch neue<br />
Schulden, noch Kürzungen beim Sozialstaat<br />
politisch denkbar seien, werde<br />
sich dieser zerstörerische Trend weiter<br />
fortsetzen, erwartet das IfW. Dieser Winter<br />
war für Städte und Gemeinden teuer.<br />
Das merkt jeder Autofahrer instinktiv,<br />
wenn er nach der Schneeperiode des<br />
vergangenen Winters die Schlagloch-<br />
Tour durch seinen Heimatort fährt und<br />
Kfz-Werkstätten eine Zunahme von<br />
Geschäft für Reparaturen am Fahrwerk<br />
verbuchen. Schon jetzt weiß mancher<br />
Bürgermeister oder Kämmerer, dass<br />
seine Stadt nicht das Geld besitzt, um<br />
all die Schäden, die der Frost geschlagen<br />
hat, so auszubessern, wie dies eigentlich<br />
notwendig wäre, oder wie es im Verhältnis<br />
zum Steueraufkommen durch die<br />
Autofahrer finanziert werden könnte.<br />
Das war in den vergangenen Jahren<br />
nicht anders. Weil Städte, Gemeinden<br />
und Kreise, die 95 Prozent des Straßennetzes<br />
in Deutschland unterhalten, bei<br />
der Straßensanierung improvisierten,<br />
verkommen heute ganze Straßenzüge.<br />
An vielen Stellen wurden Löcher nur<br />
notdürftig geflickt und nicht, wie es<br />
sinnvoll wäre, substantiell erneuert.<br />
Allein im vergangenen Winter sind<br />
erneut Straßenschäden von etwa 2,3<br />
Milliarden Euro entstanden, berichtet<br />
Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra<br />
Roth (CDU). Die kommunale Verkehrsinfrastruktur<br />
ist fast im gesamten Lande<br />
unterfinanziert, dabei stellen Straßen<br />
und Verkehrswege einen bedeutenden<br />
Standortfaktor dar. Die vorausgesagte<br />
Zunahme des Güterverkehrs, Fachleute<br />
rechnen damit, dass bis 2030 der<br />
Schwerlastverkehr auf den Straßen um<br />
50 Prozent wachsen wird, gilt als finstere<br />
Prognose.<br />
Konzeptionslosigkeit heißt<br />
Steuererhöhung<br />
Was Staatshoheit besitzt, verkommt,<br />
verfällt oder wird ideologisiert. Das<br />
Bildungswesen hat es uns gelehrt bzw.<br />
sollte es uns lehren. Wenn die Ideologen<br />
in den Parteien immer mehr die<br />
Oberhand gewinnen, dann fahren wir<br />
eines Tages wieder so etwas wie einen<br />
Trabant und jede Tempoüberlegung<br />
hat sich dann sowieso erledigt, weil der<br />
Trabbi nur noch eine ideologisch vorbestimmte<br />
Höchstgeschwindigkeit fahren<br />
kann, begründet mit Klimawandel, CO2<br />
Auflagen und dem Energiegewissen der<br />
Gedankenpolizei nach Orwell.<br />
Die Politik hat „Lösungen“. Konzeptionslos<br />
wie gewohnt. Gerade erst<br />
forderte SPD-Chefideologe Sigmar<br />
Gabriel die Einführung von Tempo 120<br />
auf deutschen Autobahnen. „Der Rest<br />
der Welt macht es ja längst so“, sagte<br />
er oberschlau der „Rheinischen Post“.<br />
„Tempo 120 auf der Autobahn halte<br />
ich für sinnvoll, weil alle Unfallstatistiken<br />
zeigen, dass damit die Zahl der<br />
schweren Unfälle und der Todesfälle<br />
sinkt“, sagte Gabriel zukunftsweisend.<br />
Abgeschaut hat er das von Forderungen<br />
im autofeindlichen Grünen-Wahlprogramm.<br />
Im SPD-Wahlprogramm wurde<br />
das von Gabriel unterstützte Tempolimit<br />
nicht aufgenommen. Die SPD hatte sich<br />
auf ihrem Hamburger Parteitag 2007<br />
für ein Tempolimit von 130 Km/h ausgesprochen<br />
- aber im aktuellen Wahlprogramm<br />
taucht diese Forderung nicht<br />
auf. Bleibt also da noch ein Koalitionsversprechen<br />
an bösen Überraschungen<br />
für den Wähler?<br />
Einige Europa-Abgeordnete wollen<br />
Tempo 120 sogar in ganz Europa – Grund<br />
genug, für die Politiker hierzulande,<br />
Musterknabe zu spielen. Vielleicht gibt<br />
es dann einen Verkehrswandel neben<br />
dem Klimawandel oder eine politisch<br />
korrekte Fahrweise. In der Verkehrspolitik<br />
ist es wie in anderen Dingen<br />
der veröffentlichten Meinung der<br />
politischen Kaste. Wir bestrafen Steuersünder,<br />
aber Steuerverschwender<br />
nicht. Im Verkehrsrecht bestrafen wir<br />
Drängler, aber Behinderer nicht. Das<br />
Benzin bezahlen wir mit Mineralölsteuer,<br />
Dreistufiger Ökosteuer und der<br />
Mehrwertsteuer, aber an Geld für den<br />
Erhalt der Straßen fehlt es. Stattdessen<br />
denkt sich Herr Ramsauer (CDU) ein<br />
besonders perfides Strafsystem aus, was<br />
dem Autofahrer als Flensburg-Reform<br />
verkauft wird. Der Autofahrer wird für<br />
dumm verkauft, aber wie er sich schließlich<br />
verkaufen lässt, entscheidet jeder<br />
an der Wahlurne selbst, vielleicht gibt es<br />
Alternativen für Deutschland. n<br />
Prof. Arnd Joachim Garth<br />
Sigmar Gabriels Statement Die DDR lässt grüßen<br />
… und niemand geht auf die Straße<br />
64 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong> 4/<strong>2013</strong> P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 65<br />
(Fotos: A. J. Garth)
Leserbriefe | Impressum<br />
Leserbrief<br />
Die Zeit läuft ab<br />
Am 22. September <strong>2013</strong> ist Bundestagswahl<br />
und die „Partei der Nichtwähler“<br />
hat wieder einmal die Chance, die meisten<br />
Stimmen zu bekommen. Mit dem<br />
offenbar gerne akzeptierten Dogma, das<br />
eigene Handeln sei alternativlos, hat<br />
die Bundeskanzlerin als eine Art postmoderne<br />
Monarchin in der letzten Jahren<br />
Anhänger und Opposition wirksam<br />
gelähmt. Trotz Rekordsteuereinnahmen<br />
kennt die Verschuldung nur den Weg<br />
nach oben. Die gesamten Maßnahmen<br />
zur Bankenrettung haben die Probleme<br />
in der Gemengelage aus Bankenkrise<br />
und Staatsschuldenkrise nicht verändert.<br />
Ganz im Gegenteil: Mit den Geldkanonen<br />
der Zentralbanken rollt noch<br />
viel mehr Geld in die Finanzmärkte als<br />
im Zeitraum vor 2007.<br />
Realwirtschaftlich wirkungslos<br />
Während die meisten Teile der Presse also<br />
verkünden, endlich sei Ruhe, die Eurokrise<br />
und die Finanzkrise seien vorbei,<br />
während Kanzlerin Angela Merkel Spieler<br />
des FC Bayern herzt, Pinguine füttert<br />
und Ulli Hoeneß wieder die Hand gibt,<br />
baut sich der gesamte „Mist“, der bereits<br />
zur Finanzkrise führte, wieder auf: Die<br />
Geldkanone der EZB ist realwirtschaftlich<br />
wirkungslos, so dass man plant,<br />
den Verbriefungsmarkt wieder zu beleben,<br />
also genau jener Markt, mit dem<br />
toxische Wertpapiere um den ganzen<br />
Globus verteilt wurden. Die Geldkanonen<br />
sind zur Vermeidung der Inflation<br />
so gebaut, dass die Geldmengen nur in<br />
die Welt (der Spekulationsgeschäfte) der<br />
abgehobenen Finanzwirtschaft fließen,<br />
nicht in die Realwirtschaft. Wer Vermögen<br />
der Realwirtschaft „sicher“ anlegen<br />
will, erhält Realzinsen unterhalb der<br />
Inflationsrate. Da die Staaten die von<br />
Ihnen selbst immer mehr gegängelte<br />
LeserTelefon: 0341 240 6100 | LeserFax: 0341 240 6166<br />
Leserbriefe auch unter www.pt-magazin.de/service/leserbriefe<br />
66 P.T. <strong>MAGAZIN</strong> 4/<strong>2013</strong><br />
(Foto: obs/dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH)<br />
Auf dem Weg ins<br />
Kanzleramt: Das<br />
Foto des Jahres<br />
2011 in der Kategorie<br />
Politik zeigt<br />
die Kanzlerin mit<br />
Gefolgschaft. Wird<br />
sie dieses Jahr<br />
wieder gewählt?<br />
Rechtsanwalt Volker<br />
Gallandi kandidiert<br />
im September als<br />
Direktkandidat der<br />
Freien Wähler im<br />
Wahlkreis 188 für<br />
den Bundestag.<br />
und abgewürgte Eigeninitiative der Privatwirtschaft<br />
ausgleichen, indem sie zur<br />
Beruhigung der Wähler Geld verteilen<br />
und Schulden machen, verzerren sie die<br />
wirtschaftliche Entwicklung weiter. Die<br />
Preise der Währungen, der Anleihen,<br />
der Aktien etc. sind staatlich manipuliert<br />
und jeder weiß, dass die staatliche<br />
Verschuldung regulär nicht rückführbar<br />
ist. Von daher überrascht es überhaupt<br />
nicht, dass z. B. das Staatsvermögen<br />
Griechenlands auf dem Markt wenig<br />
wert ist.<br />
Kontrollwahn und Moraloffensive<br />
Seit Zypern ist daher klar: Du musst<br />
kein Steuerhinterzieher sein, damit der<br />
Staat Dein Geld wegnimmt, ein Status<br />
als Steuerzahler/Rentner oder ein Konto<br />
mit 100.000 Euro bei einer Debakelbank<br />
reicht. Staat und Gesellschaft reagieren<br />
auf die logische Kapitalflucht mit Kontrollwahn<br />
und einer Moraloffensive.<br />
Die Veränderung einer Gesellschaft,<br />
bei der der Zentralstaat versagt hat<br />
und mit seiner Machtfülle gerade im<br />
wirtschaftlichen Bereich immer neues<br />
Unheil anrichtet, kann nur durch eine<br />
Belebung der Vitalkräfte von Demokratie<br />
und Wirtschaft erfolgen. Die Gemeinden,<br />
die Regionen, der Mittelstand und<br />
die dortigen Banken sind die Kraftquellen<br />
der Wirtschaft, nur diese schaffen<br />
Arbeitsplätze. Der Irrweg, Europa müsse<br />
aus einer gemischten Diktatur aus<br />
Europäischer Kommission, Regierungen<br />
und EZB bestehen, muss schnellstens<br />
korrigiert werden, durch Engagement<br />
von unten und einer Veränderung der<br />
Machtverhältnisse in Berlin. n<br />
Volker Gallandi<br />
Den ungekürzten<br />
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P.T. <strong>MAGAZIN</strong><br />
für Wirtschaft und Gesellschaft<br />
Impressum<br />
ISSN 1860501x | 9. Jahrgang<br />
Ausgabe 4/<strong>2013</strong><br />
Verlag: OPS Netzwerk GmbH,<br />
Melscher Str. 1, <strong>04</strong>299 Leipzig,<br />
Tel. 0341 240 61 00, Fax 0341 240 61 66,<br />
info@op-pt.de | www.pt-magazin.de<br />
Das P. T. Magazin ist das offizielle Maga zin<br />
des Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“<br />
der OskarPatzeltStiftung, eingetragen<br />
im Stiftungsregister des Re gierungs<br />
be zir kes Leipzig unter Nr. 2/1998.<br />
Geschäftsführer:<br />
Petra Tröger, Dr. Helfried Schmidt<br />
Redaktion:<br />
Dr. Helfried Schmidt (V.i.S.d.P.)<br />
Boris Kunofski<br />
Autoren/Interviewpartner:<br />
Tobias Augsten, Alexander Artmann, Garrelt<br />
Duin, Johannes Fiala, Volker Gallandi,<br />
Arnd Joachim Garth, Christian Kalkbrenner,<br />
Ansgar Lange, Christian Löhr, Johannes<br />
Maruschzik, Paul Craig Roberts, Helfried<br />
Schmidt, Peter A. Schramm, Anne M. Schüller,<br />
Gunnar Sohn, Hermann Otto Solms,<br />
Petra Tröger, Jörg Wallner, Arnold Weissman<br />
Korrespondenten:<br />
Bernd Schenke (Berlin)<br />
DROLF Becker (Halle)<br />
Satz/Layout:<br />
Frank Heinitz, Lydia Franke<br />
Cover: DAVIN TAYLOR<br />
Markenkommunikation GmbH<br />
Anzeigen:<br />
Petra Tröger (V.i.S.d.P., Anzeigenleitung)<br />
Jana Susann Wolfram, Beatrice Schulze<br />
Druck:<br />
Druckerei Vetters GmbH & Co. KG<br />
Gutenbergstraße 2, 01471 Radeburg<br />
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seit 01.11.2012.<br />
© <strong>2013</strong> OPS Netzwerk GmbH. Nachdruck<br />
nur mit schrift licher Genehmigung des<br />
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