Farbenfroher Sch metterl ing statt gra uer Nachtfa lter - Andrea Nusser

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Farbenfroher Sch metterl ing statt gra uer Nachtfa lter - Andrea Nusser

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Farbenfroher Sch metterl ing statt gra uer Nachtfa lter

| | | umin ierte h istorische Gotteshäuser i n der Fran kentha ler Kultu rnacht

1 An den Innenmauern der Erkenbert-Ruine

wehte zartes Organza. Strahler mit dichroitischen

Filtern und rot glühendes Licht in den

Fensteröffnungen setzten darauf dramatiscne

Effekte.

2 Die Details des Hauptportals wurden mit

Bühnenscheinwerfern und N iedervolt-Strahlern

ausgeleuchtet. ,

158

Petra Lasar

Zum Abschluss der diesjährigen Frankenthaler

Kulturtage stand wieder ein buchstäbliches

Highlight auf dem Programm.

Für eine Nacht brachte Lichtdesignerin

Aruonen Nussrn das historische Kirchenensemble

im Ortskern von Frankenthal

zum Strahlen. Dabei entfaltete sich die

ehrwürdige Erkenbert-Ruine zu einem

sch illernden Schmetterling.

Petra Lasar, Rösrath

Fotos..Thomas Herter, Liederbach am Taunus

Als Herzstück des Kirchenensembles in

' Frankenthals Zentrum stellt die Erkenbert-

Ruine das älteste Baudenkmal des Pf älzer

Städtchens dar. Den Namen erhielt das Bau-

werk - die ehemalige Stiftskirche St. Maria

Magdalena - vom Volk, das damit auf den

Wormser Adeligen Erkenbert verweist, der

das Gotteshaus vor fast 900 Jahren als

Aug ustinerchorherrenstift gegrü ndet hat.

Bis heute erhalten sind die eindrucksvolle

Westfassade, die nördliche Wand des Seiten-

schiffs, der spätgotische Lettner und ein

Turmunterteil, das in den Bau der benach-

ba rten Zwölf-Apostel-Ki rche i ntegrrert ist.

Das Säu lenstufen portal der Westfassade,

formal dem Nordportal des Wormser Domes

verwandt, zeigt a usgereifte Blattwerk-Orna-

mente und Tierfiguren an Kämpfern und

Archivolten.

Ein zarter Hauch für die Ruine

Doch nachts sind alle Katzen grau und trotz

ihres prächtigen Portalschmuckes wirkt die

Ruine in der Dunkelheit eher wie ein unauf-

falliger Nachtfalter. Mit einer Kombination

aus L,icht und Organza verwandelte Aruonrn

Nussrn von lighting & interior design, Gei-

senheim, den Falter für eine Nacht in einen

farbenprächtigen Schmetterling.

Dazu wurden sieben Stoffbahnen des trans-

parenten Gewebes über das acht Meter

hohe historische Mauerwerk drapiert. Der

hart-weiche Materialkontrast aus dem leichten,

schillernden Organza und der groben

Struktur des Mauersteins wurde verstärkt

durch den Einsatz von 15O-W-strahlern mit

dichroiden Filtern, die das mehr als ein

Meter dicke Mauerwerk in Teilbereichen

zum Leuchten brachten. Rotes Licht in den

kleinen bogenförmigen Fensteröffnungen

im oberen Teil der Mauer ließen den transoa-

renten Stoff changieren.

Konträr zu der lebendigen, dynamisch wir-

kenden Inszenierung des Innenraums der

Ruine erwies AruoRrn Nusse R bei der Beleuchtung

der Außenmauern dem Alter und oer

Morbidität des Bauwerks Referenz. indem

sie die zum Teil verwitterte Fassade in ein

moosgrünes Licht tauchte.

Das mächtige Hauptportal, das verschlossen

blieb, wurde währenddessen mehrfarbiq

3/2008 FfmTf


etont. Dazu wurde jedes Baudetail in

u ntersch ied I ich fa rbiges Licht verschiedener

Intensitäten getaucht. Zum Einsatz kamen

5OO-W-Bühnenstrahler mit unterschied-

lichen Optiken und 50-W-Niedervolt-Strah-

ler zur Akzentuierunq.

Kosmetik für die alte Dame

Auch die teilweise verwitterte Fassade der

Pfarrkirche St. Dreifaltigkeit aus dem frühen

18. Jahrhundert, die nach der Zerstörunq im

Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut worden

war, verstand Anonrn Nussrn wieder über-

zeugend zu inszenieren. In warmes Licht

gehullt, wusste das Bauwerk die Risse und

abblätternde Farbe wohl zu verbergen und

wirkte für eine Nacht makellos und erhaben.

Zu diesem Effekt trug auch der mit einem

250-W-Superspot-Strahler illuminierte Zwiebelturm

ber, der aufgrund seiner schwarzen

Farbe normalerweise mit dem Dunkel der

Nacht verschmilzt. lm Kirchen-lnnenraum

schuf die Lichtplanerin erneut einen ungewöhnlichen

Kontrast, indem sie nur den

Altarbereich und die Untersicht der Kanzel in

mystischem Blau erstrahlen ließ.

Dem Himmel nah

Schließlich stimulierten auch die Lichtak-

zente an und in der Zwölf-Apostelkirche von

1823 mehr als nur die visuelle Wahrnehmung.

Die in blau getauchten Säulen des

Portikus unterstrichen dessen Monumenta-

lität, während das wie gleißendes Sonnen-

licht wirkende Weiß im Dreieck des Vordachgiebels

Erhabenheit und Himmelsnähe

signalisierte. Die Leuchtkraft der rot illumi-

nierten Fenster wurde durch die blau ange-

strahlte Fassade verstärkt. lm Innenraum

setzten sich die Farben Weiß, Rot, Blau

kontrastreich fort. Während die blau

beleuchteten Stützen von dem wärmenden

Rot der Fenster eingerahmt wurden, kamen

im Altarbereich - der dem abendlichen Konzertprogramm

als feierliche Kulisse diente -

neutralweiße Strahler zum Einsatz.

Bffi r'zool

O,bjektinfoi;ma;lo1**

Konzept und Realisation Andrea /Vusser

lighting&intertor design, Geisenheim

Mitarbeiter. Kathri n Stettler Christian

Hillgärtner, Johannes Henn, Sonia Bernhardt,

Carolin Fu hrmanski, Thorsten

Louis und viele freiwilllige Helfer

in Zusammenarbeit mit: Sound Factory

Eventtech n i k, F ra n kenth a I

Eingesetzte Technik. 190 Strahlet

diverse Filter und Stative

PLANUNG

3 Die Außenansicht der Erkenbert-Ruine wurde

von moosgrünem Licht erhellt, hier ein Blick

auf den Lettner.

4 Der Portikus der Zwölf-Apostelkirche

erstrahlte in Blau und Weiß.

5 Rot illuminierte Fenster und blau angestrahlte

Fassade gaben der Zwölf-Apostelkirche für eine

Nacht ein ungewöhnliches Außeres.

6 lm Innenraum der Zwölf-Apostelkirche griff

die Planerin die Farben der Außenansicht wieder

auf . Rotes, blaues und weißes Licht schufen

eine stimmüngsvolle Kulisse für ein Konzert.

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*il

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