Römerlager Anreppen - Geschichte wird erlebbar - Delbrück

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Römerlager Anreppen - Geschichte wird erlebbar - Delbrück

RÖMERLAGER

ANREPPEN

www.anreppen.de

Bronzemünze aus dem

Römerlager Anreppen

des Kaisers Augustus.

In seiner Regierungszeit

(27 v. Chr. bis 14 n. Chr.)

begann der langwierige Krieg

gegen die rechtsrheinischen

Germanenstämme.


Das Römerlager

in Delbrück-Anreppen

Das Römerlager Anreppen wurde erst im Jahre 1968 entdeckt.

Dank der über Jahrzehnte durchgeführten Grabungen

des Westfälischen Museums für Archäologie zählt heute das

Römerlager Anreppen zu den wichtigsten frührömischen

Denkmälern in Deutschland. Das 23 ha große Lager liegt

direkt am heutigen Südufer der Lippe und hatte die Form

eines unregelmäßigen, langgestreckten Ovals. Etwa 500 m

bzw. 700 m östlich des Lagers wurden Teilstücke von zwei

römischen Verkehrswegen gefunden.

Vor 2000 Jahren führte Rom Krieg gegen die Germanen

(12 v. Chr. - 16 n. Chr.). Konkrete Kriegsziele sind nicht überliefert.

Andererseits teilen uns die antiken Historiker viele

Einzelheiten über den Kriegsverlauf, über die inneren Verhältnisse

in Germanien und über die handelnden Personen

auf Seiten der Germanen (u.a. Arminius) mit.

In diesem Krieg lassen sich vier Hauptphasen ablesen: die

Feldzüge des Drusus (12 - 9 v. Chr.), die Feldzüge des Vinicius

und Tiberius (1 - 5 n. Chr.), die des Varus (7 - 9 n. Chr.) und in

Reaktion auf die katastrophale Varusschlacht die Rachefeldzüge

des Germanicus (14 -16 n. Chr.). Im Jahre 16 wurden

auf Anordnung Kaisers Tiberius die Kampfhandlungen eingestellt.

Das Gelände des Römerlagers aus der Luft. In perspektivisch verkürzter Sicht sind die äußeren

Abgrenzungen und – soweit durch Grabungen nachgewiesen – der Straßenverlauf, die

Kasernen, das große Kommandeursgebäude und die Speicher in Nähe des östlichen Lagertores

skizziert.

Im Verlauf des Krieges entstanden an der Lippe römische

Militärlager: in Dorsten-Holsterhausen, in Haltern am See,

in Bergkamen-Oberaden und in Delbrück-Anreppen. Diese

Lager wurden zu unterschiedlichen Zeiten erbaut und auch

wieder geräumt. Es sind sog. Holz-Erde-Lager. Alle Bauwerke

waren als Fachwerk- oder reine Holzkonstruktionen ohne

Verwendung von Steinen errichtet worden.

Römische Militärlager an Rhein und Lippe zur Zeit der augusteisch-frühtiberischen Germanenkriege.

Das Römerlager von Anreppen ist erst nach der Zeitenwende

entstanden. Der römische Historiker Velleius Paterculus (II,

105) berichtet zum Jahr 4 vom Bau eines Winterlagers am

Oberlauf der Lippe. Dazu passen mehrere ins Jahr Chr. zu

datierende Bauhölzer von einer Mannschaftslatrine und

einem Brunnen. Zuvor hat es eine etwas ältere Militäranlage

gegeben, denn im Ostteil des Lagers wurde ein römischer

Wehrgraben ausgegraben. Das Enddatum des Römerlager

Anreppens ist weniger eindeutig zu bestimmen. Nach neuesten

Erkenntnissen wurde das Lager kurz nach dem Ende der

Feldzüge des Tiberius geräumt. Unter den etwa 400 Fundmünzen

des Lagers gibt es keine einzige, die mit der Statthalterschaft

des Varus in Verbindung gebracht werden kann.

Zurzeit der Varusschlacht im Jahre 9 wuchs über den Ruinen

des Römerlagers Anreppen bereits seit etwa drei Jahren das

sprichwörtliche Gras.

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Im Verlauf der Ausgrabungen wurde etwa ein Drittel der

Lagerfläche wissenschaftlich untersucht. Im einzelnen sind

dabei die Grundrisse des Kommandeursgebäudes (praetorium)

mit benachbarten Gartenanlagen und repräsentativen

Wohngebäuden freigelegt worden.

Vereinfachter Plan des Römerlagers: 1: praetorium. 2–3: Wohn- und

Dienstgebäude, z. T. hoher Offiziere. 4: Centurionenhäuser. 4a: Kasernen.

5: Thermen. 6: Gebäude seitlich der Tore. 7: Kasernen. 8 und 9: Getreide-

und Materialspeicher. A: Südtor. B: Osttor.

Hinzu kamen weiterhin das Lagerbad mit mehrfach erneuerter

Ofenanlage, mehrere Mannschaftsquartiere an der

südlichen Lagerfront und in der Nähe der via praetoria, das

südliche und östliche Lagertor und mehrere Getreide- und

Materialspeicher.

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Grabung innerhalb des Prätoriums. Die im hellen Sand sichtbaren dunklen Verfärbungen gehen

auf die Fundamentierungsarbeiten für das Gebäude zurück.

Von herausragender Bedeutung ist der architektonische

Entwurf des Kommandeursgebäudes, das palastartige

Ausmaße (ca. 47,5 m x 71 m) aufwies. Für einen normalen

Kommandeur wäre ein solcher Prachtbau völlig überdimensioniert

gewesen, nicht aber für den Oberbefehlshaber

Tiberius, der inzwischen offiziell als künftiger Nachfolger

des Kaisers Augustus galt.

Einzigartig unter den Römerlagern Westfalens ist auch

das ca. 23,5 m x 42 m große Militärbad. Hier wurde den

Soldaten auf einfache Weise der übliche Badeablauf

angeboten. Der Badegast betrat zunächst das Kaltbad

(frigidarium), anschließend ging er zum Aufwärmen in

das Warmbad (tepidarium) und danach schritt er weiter

in den heißesten Raum, das Heißbad (caldarium). Das

Anreppener Militärbad fungierte in erster Linie als hygienische

Einrichtung, nicht als Stätte des Vergnügens.

Blick von Süden auf die Lagerthermen. Im Vordergrund ist der Eingangshof zu sehen.

Die eigentlichen Baderäume liegen in der hinteren Bildhälfte.

Einzigartig unter den Römerlagern Westfalens ist auch das

ca. 23,5 m x 42 m große Militärbad. Hier wurde den Soldaten

auf einfache Weise der übliche Badeablauf angeboten.

Der Badegast betrat zunächst das Kaltbad (frigidarium),

anschließend ging er zum Aufwärmen in das Warmbad

(tepidarium) und danach schritt er weiter in den heißesten

Raum, das Heißbad (caldarium). Das Anreppener Militärbad

fungierte in erster Linie als hygienische Einrichtung, nicht als

Stätte des Vergnügens.

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Modell der Getreide- und Materialspeicher am Osttor.

Auch die Menge an Speichergebäuden stellt eine Besonderheit

dar. Die Speicher standen in Nähe des Süd- und des

Osttores. Direkt am Südtor lag ein riesiger 56 m x 68 m großer

Speicher. Am Osttor dagegen entstand eine regelrechte

Speicherstadt, in der mehrere Getreide- und Materialspeicher

durch eine hölzerne Palisade vom übrigen Lagerareal

abgetrennt waren. Wegen dieser einzigartigen Häufung an

Magazinen, die den Eigenbedarf der Lagerbesatzung bei

Weitem übertrafen, muss das Lager von Anreppen neben

der Rolle als Truppenlager noch eine weitere Funktion

gehabt haben: die Aufgabe eines logistischen Stützpunktes,

von dem aus die weit im Osten Germaniens kämpfenden

Truppen versorgt wurden.

Bei den Grabungen im Römerlager Anreppen wurden zahlreiche

Funde entdeckt, die in erster Linie als Abfall in den

Boden gelangten. Bei den Funden handelt es sich um tägliche

Gebrauchsgegenstände der Soldaten, vor allem um zerbrochenes

Keramikgeschirr. Zu den Fundobjekten zählen auch

Vorrats- und Kochgefäße, Metallobjekte wie Werkzeuge,

Nägel und Ausrüstungsteile der Bewaffnung. Die repräsentativen

Fundstücke sind im LWL - Römermuseum in Haltern am

See ausgestellt.

Groteske Terrakottafigur eines Gladiators.

Das Stück wurde im Umfeld der Soldatenunterkünfte

gefunden. Produziert wurde die kleine Figur in einer

Militärtöpferei des Hauptlagers Haltern.

Dolchscheide. Der Dolch selbst ist verloren.

Römerlager Anreppen

- Geschichte wird erlebbar

Bislang war im Römerlager lediglich nur Weniges erkennbar:

ein Straßenname „Am Römerlager“, einige Wegweiser und

ein Informationspavillon. Der Laie sah ansonsten im Gelände

nichts, was er direkt mit diesem wichtigen Bodendenkmal

hätte in Verbindung bringen können.

Eine Reihe von Initiatoren will für die Bürger vor Ort und für

auswärtige Besucher die Historizität des Ortes augenfällig

machen und gleichzeitig die Bedeutung dieses für die westfälische

Landesgeschichte wichtigen Denkmals verdeutlichen.

Das Ideenkonzept sieht zunächst folgende Maßnahmen vor:

die Wiederherstellung der Lagergräben, die Anlage eines

Straßengevierts, die Errichtung eines Centurionenhauses

und die Realisierung eines archäologischen Lehrpfades.

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Wiederhergestellter

Wehrgraben im Westen des

südlichen Lagertores.

Abbildung einer wiederhergestellten

Straße im Römerlager Anreppen.

Im Juli des Jahres 2008 erfolgte der erste Spatenstich für die

Errichtung des Römerparks Anreppen. Der Anfang wurde mit

den römischen Wehrgräben in unmittelbarer Nähe des Südtores

gemacht. Mittlerweile sind der 7,5 m breite Hauptgraben

und der 4,5 m breite Vorgraben auf einer Länge von 75

m in ihrer ursprünglichen Form wieder sichtbar. In eindrucksvoller

Weise erkennt jeder Besucher mit einem Blick die

abwehrende Wirkungsweise dieses mächtigen Hindernisses.

Die Lagergräben waren nicht mit Wasser gefüllt, lediglich bei

hohem Grundwasserpegel stand in der Grabenspitze Wasser.

Im Mai 2009 begannen die Arbeiten zur Wiederherstellung

eines Straßengevierts. Inzwischen ist der Bau der Straßen

vollendet. Die gesamte Straßenfläche beläuft sich auf 3600 m².

Angelegt wurde auf einer Länge von ca. 100 m die Mittelzone

der via principalis mit einer Breite von 12 m (Gesamtbreite

ursprünglich 36 m), die durchs Südtor nach außen führende

Straße, weiterhin auf einer Länge von ca. 185 m die via

decumana dextra mit einer Breite von 9 m, eine von dieser

abgehende 9 m breite Straße, die einst zwischen dem Stabsgebäude

und dem Kommandeurspalast verlief sowie ein

Teilstück der ebenfalls 9 m breiten via quintana. Die enormen

Abmessungen der römischen Lagerstraßen werden durch

den Vergleich mit der unmittelbar daneben verlaufenden

Asphaltstraße besonders augenfällig.

Innerhalb dieses Straßengevierts (insula) lagen einst mehrere

Kasernen und sieben Häuser, die für Offiziere bestimmt waren.

Bei diesen Offizieren handelte es sich um Centurionen,

die jeweils eine Hundertschaft befehligten. Geplant ist in

absehbarer Zukunft unter Beachtung der noch zu erarbeitenden

wissenschaftlichen Grundlagen die Rekonstruktion eines

dieser Centurionenhäuser, vorausgesetzt das Vorhaben lässt

sich durch öffentliche Mittel und durch Sponsorengelder

auch finanzieren.

Zeichnerische Darstellung der Mannschaftskasernen und

separaten Centurionenhäuser an der südlichen Holz Erde Mauer.

Die Spuren eines Centurionenhauses. Von den Holz und Fachwerkgebäuden

blieb im Boden nur die Eingrabung der Fundamentierung erhalten.

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Weiterhin sind die konzeptionellen Arbeiten für die Realisierung

eines archäologischen Lehrpfades in Auftrag gegeben.

Dieses Informationssystem soll den Besuchern die Geschichte

Anreppens zur römischen Zeit vermitteln und Einblicke ins

römische Lagerleben bieten.

Auf Wunsch werden auf dem Gelände des Römerlagers

Gruppenführungen durch den Heimatverein Anreppen

durchgeführt. Diese können nach vorheriger Terminabsprache

über den Heimatverein Anreppen, Herrn Hubert

Lenzmeier, Holzweg 8, 33129 Delbrück-Anreppen, Telefon

05250/8828 bzw. Email hubert.lenzmeier@anreppen.de

gebucht werden.

Text:

Dr. Johann-Sebastian Kühlborn, Hauptkonservator a. D.

Email: ateius@gmx.de

Herausgeber:

Arbeitskreis Römerlager Anreppen

Bildnachweis:

LWL - Archäologie für Westfalen

Altertumskommission für Westfalen

Geographische Kommission für Westfalen

Dr. Johann-Sebastian Kühlborn

Literatur zum Einstieg:

Johann-Sebastian Kühlborn, Anreppen, Stadt Delbrück,

Kreis Paderborn. Römerlager in Westfalen 4 (Münster 2009),

ISSN: 1866 - 640 X

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