Download als PDF - Grüne Fraktion im Stadtrat Saarbrücken

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grün: konkret.

Politik mit Biss im Saarbrücker Stadtrat

konkret: Der Saarbrücker Müllskandal ++ Ophüls-Taumel und Filmstadt-Diskussion

++ Grüne Energiepolitik 2006 ++ Filmdreh im Rathaus ++ Diskussion ums DHZ ++ Zoo

braucht Konzept ++ Kreuzstruktur der Saarbahn nutzen ++ Einzelhandels- und Zentrenkonzept

für Saarbrücken ++ Manfred Jost will Stadtverbandspräsident werden

Nr. 1 / 2006


Impressum

Herausgeber: Bündnis 90/Die Grünen

Stadtratsfraktion Saarbrücken

Rathaus-Carrée

66104 Saarbrücken

Tel.: 0681/905-1207; Fax: 0681/905-1603

E-Mail: fraktion.diegruenen@saarbruecken.de

Internet: www.gruene-fraktion-sb.de

Redaktion (Text und Bild): Tina Schöpfer, Fraktionsgeschäftsführerin

V.i.S.d.P.: Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Saarbrücken, Fraktionsvorsitzender Thomas Brück

Druck: COD, Saarbrücken

Auflage: 4000 Expl.

Erscheinungsdatum: März 2006

Titelbild: Marisa Villareale

Editorial

Aus der grünen Redaktion ............................. 2

Der grüne Standpunkt ................................... 2

Aktuell & Brisant

Der Saarbrücker Müllskandal ........................ 3

Ceska musste gehen ....................................... 4

Zooleitung berichtet transparenter

über EEP-Tiere ................................................. 4

Zookonzept wichtiger als Standortfrage ...... 5

CDU vom Heiligen Geist sozialpolitisch

befruchtet ....................................................... 5

Deutschsprachiger Islamunterricht

für mehr Integration ...................................... 6

Willi Graf-Büste bekommt

Informationsbroschüre ................................... 6

Ausstellung „Deportierte jüdische Kinder“ .. 6

Gesundheitspolitik

Diskussion ums Drogenhilfezentrum .............7

Kultur & Schule

Saarbrücken im Ophüls-Taumel:

Sind wir Filmstadt? ......................................... 8

Die Grünen vor Ort:

Filmdreh über das Grundgesetz .................. 10

Grundschuldiskussion in Malstatt ................ 12

Umwelt & Verkehr

Einzelhandels- und Zentrenkonzept ist

dringend nötig .............................................. 13

„König von Bayern“ ist zu auffällig -

Ehrmanntraut überliest Kleingedrucktes .... 13

Saarbahn-Ausbau:

Potenzial der Kreuzstruktur nutzen ............ 14

Die CDU und die Müllverwiegung .............. 14

Global denken, lokal handeln:

Grüne Energiepolitik 2006 ........................... 15

Saartal-Nutzung wird integrativ geplant ... 15

Stadtentwicklung

ECE-Einkaufscenter: Nicht ohne

Einzelhandel und Denkmalschutz ............... 16

Grüne anderswo

Gastbeitrag aus dem Landtag:

Die Verschuldung Jugendlicher

verstärkt bekämpfen .....................................17

Studiengebühren: Hochschulstandort

Saarbrücken in Gefahr ................................. 18

Gastbeitrag aus dem Stadtverband:

Manfred Jost, Kandidat für das Amt des

Stadtverbandspräsidenten im Interview ..... 18

Die letzte Seite

Glosse: 400 Jahre strategische Unterwanderung

mit neuem Höhepunkt ............ 20

2

EDITORIAL

INHALT

grün: konkret. 1 / 2006

Aus der grünen Redaktion

Liebe Leserin, lieber Leser,

viel ist derzeit zu lesen und zu hören über das, was Saarbrücken ist oder werden soll.

Zu den Schlagwörtern der „Stadt am Fluss“ und der „Universitätsstadt“ gesellt sich das

von der Verwaltung neuerdings gerne gebrauchte Schlagwort der „Filmstadt“. Aus der

Begeisterung über das gelungene Max Ophüls Festival und den Dreh des Films „GG

19“ in Saarbrücken heraus mag das verständlich sein. Aber sind wir wirklich Filmstadt?

Oder auf dem Weg dahin? Wir wollen diese Diskussion konstruktiv begleiten und

„Filmgeschäft, Müllskandal

und die Wahl des

Stadtverbandspräsidenten

sind einige Themen der

aktuellen Ausgabe.“

TINA SCHÖPFER

FRAKTIONSGESCHÄFTSFÜHRERIN

unsere Ideen dazu einbringen. Zwei Artikel

in diesem Heft befassen sich daher

mit dem Filmgeschäft.

In den ersten beiden Monaten dieses

Jahres ist in Saarbrücken schon Einiges

passiert. In der Diskussion um das Drogenhilfezentrum

haben wir uns klar zum

Standpunkt in der Brauerstraße bekannt

und Lösungen aufgezeigt, wie die damit verbundenen Probleme für die AnwohnerInnen

entschärft werden können. Seit einigen Wochen beschäftigt uns der Saarbrücker

Müllskandal. Wir haben dafür gesorgt, dass darüber nicht nur hinter den verschlossenen

Türen der Aufsichtsräte debattiert wird, sondern öffentlich im Stadtrat. Denn die

BürgerInnen haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie es mit den Müllgebühren weitergeht

und warum diese so hoch sind. Im März wird der Stadtverbandspräsident

gewählt, der wichtige Zuständigkeiten im sozialen und im Arbeitsmarktbereich hat.

Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, sind neue Ideen und viel Kreativität gefragt.

Ein Interview mit dem grünen Kandidaten Manfred Jost lesen Sie in diesem Heft. In

weiteren Artikeln informieren wir Sie über unsere Anträge in den verschiedenen Ausschüssen

und im Stadtrat sowie über aktuelle Themen, die uns beschäftigen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

DER GRÜNE STANDPUNKT

„Wir sehen einer

juristischen Auseinandersetzung

zur Klärung der

historischen Fakten mit

Spannung entgegen.“

THOMAS BRÜCK

FRAKTIONSVORSITZENDER

Nachklapp. Die Ausgabe 2/2005 von

grün: konkret. hat für einigen Wirbel

gesorgt. Der Saarbrücker Rechtsanwalt

Heinz R. Schneider will juristisch gegen

unsere Stadtratsfraktion und gegen

die Heinrich Böll Stiftung vorgehen. In

einem Schreiben an uns und die Stiftung

führt Schneider u.a. aus: „…gehe ich von

Wiederholungsgefahr aus und werde alle

mir notwendig erscheinenden gerichtlichen

Maßnahmen in die Wege leiten.“

Und weiter: „In dem Artikel (gemeint ist

ein Kommentar) werden weitere beleidigende

und verleumderische Behauptungen

aufgestellt, die nicht nur gegen das

Pressegesetz, sondern insbesondere auch

gegen die Vorschriften des § 189 STGB

verstoßen.“ Was versetzt den ansonsten

sicherlich honorigen Anwalt Schneider

dermaßen in Rage? Heinz R. Schneider

ist der Sohn von Heinrich Schneider. Der

war seinerzeit Vorsitzender der „Demokratischen

Partei Saar“. In einem Gastkommentar

geht der Geschäftsführer der

Böll Stiftung, Erich Später, der Frage nach,

welche Rolle Heini Schneider im „Abstimmungskampf“

1955 spielte. Die Rolle

Schneiders in dieser, wie in der 20 Jahre

vorher stattgefundenen Volksbefragung

(„Heim ins Reich!“) wurde in der saarländischen

Öffentlichkeit noch nie so schonungslos

offen gelegt wie in diesem Beitrag.

Sieht man mal von der Veröffentlichung

des gleichen Autors in den „Saarbrücker

Heften“ von 2003 ab.

Durch seine Mitgliedschaft in der NSDAP

(Mitgliedsnummer 419405), aber vor

allem durch seine zahlreichen antidemokratischen

und antisemitischen Ausfälle

ist die Person Schneider denkbar ungeeignet

als Traditionsbestand einer demo


Wo bleiben die Synergieeffekte der städtischen Töchter?

Der Saarbrücker Müllskandal

„CDU und FDP

verhindern Maßnahmen

für eine transparente

Gebührenkalkulation

der Abfallentsorgung.“

CLAUDIA WILLGER-LAMBERT

FRAKTIONSVORSITZENDE

Alles wird besser! Die Bürgerinnen

und Bürger bekommen den Service

für Versorgung und Entsorgung aus

einer Hand und das auch noch zu

wesentlich günstigeren Gebühren!

So lautete das Versprechen der

Mehrheiten im Saarbrücker Stadtrat

im Jahre 2003 und auch des Vorstandes

der Versorgungs- und

Verkehrsgesellschaft Saarbrücken

(VVS), also einer städtischen Tochter.

Wir hatten gegen diese Zusagen schon

damals erhebliche Bedenken und auf

schwerwiegende und ernst zu nehmende

Probleme bei diesem Integrationskonzept

hingewiesen. Diese Bedenken

wurden einfach vom Tisch gewischt

und mit großartigen Synergieeffekt-Ver-

kratischen Partei wie der heutigen FDP.

Noch haben wir, außer einem Schreiben

von Schneider jun., keine weitere

Reaktion erfahren. Wir sehen aber der

von Schneider angekündigten juristischen

Auseinandersetzung mit Spannung

entgegen. Kommt es doch so

hoffentlich zu einer offenen und ehrlichen

Klärung der historischen Fakten.

Zitieren muss ich an dieser Stelle noch

aus dem Nachlass Heinrich Schneiders

(Depot Nr. 52, Landesarchiv des

Saarlandes), Brief an das „Kreisgericht

III, Saarbrücken“ vom 26. Januar

1938. Schneider legt darin Beschwerde

gegen ein aus parteiinternen Rivalitäten

entstandenes Parteiverfahren

gegen seine Person ein: „Ich (Schneider)

habe von Anfang an die Vertretung

von jüdischen Mandanten abgelehnt.

Das kann ich in vielen Fällen ausdrücklich

unter Beweis stellen.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

sprechen gegen gerechnet. Seit April

2004 ist die Integration erfolgt. Im Jahr

2006 sollten sich Synergieeffekte in Millionenhöhe

zeigen und dann kontinuierlich

steigen. Nur kam alles anders und

wir haben leider mit unseren Bedenken

Recht behalten: Statt einer Entlastung

für die Stadt Saarbrücken sind nun Kalkulationen

präsentiert worden, die über

5 Millionen Euro über der Eigenkalkulation

des Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetriebs

(ZKE) von den Stadtwerken

liegen. Allein die Präsentation dieser

Kalkulation verstößt bereits gegen Entscheidungen

des Stadtrates zu früheren

Zeiten, sowie gegen Verträge und Entscheidungsgrundlagen.

Für uns ist dies

Anlass, mit allem Nachdruck zu fragen:

Warum halten sich hier die Geschäftsführungen

der Töchter wieder einmal

nicht an Vorgaben ihrer Mutter, nämlich

der Landeshauptstadt Saarbrücken

und des Stadtrates? Wir müssen mit

allem Nachdruck darauf drängen, dass

die versprochenen Effekte auch eingehalten

werden. Denn letztendlich ist es

egal, ob die 5 Millionen Euro auf die Bürgerinnen

und Bürger als MüllgebührenzahlerInnen

umgelegt werden, oder ob

es sie als SteuerzahlerInnen trifft. Denn

als SteuerzahlerInnen würde es sie auch

treffen, wenn die Stadtwerke nicht in der

vorgesehenen Höhe ihre Gewinne an die

Stadt ausschütten würden und damit die

Verschuldung der Stadt weiter steigen

würde. Es ist daher ganz selbstverständ-

AKTUELL & BRISANT

lich unsere Aufgabe, im Sinne der Saarbrückerinnen

und Saarbrücker tätig zu

werden.

Geschäftsführungen laufen aus

dem Ruder

In diesem Kontext haben wir auch die

Aufgabe, die Geschäftsführungen unserer

Töchter zu hinterfragen. Es ist umso

FOTO: IRIS MAURER

Wenn die

versprochenen

Synergieeffekte

nicht eingehalten

werden, steigen

die Kosten für

die Müllabfuhr

zu Lasten der

Saarbrücker

BürgerInnen.

erschreckender, dass wir hier auf eine

Wagenburg-Mentalität stoßen. Insbesondere

der Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft

Saarbrücken

(ASS) lässt jedes Verständnis und jede

Rücksicht auf Gesellschafter und Aufsichtsrat

vermissen. Es gibt kein einziges

Wort, das eine Änderung seines Verhaltens

in der Zukunft erwarten ließe. Nein,

umgekehrt: Obwohl wir eine ähnliche

Auseinandersetzung um eine Prämienausschüttung

hatten, gab es auch keine

Information der Gesellschafterin und des

Aufsichtsrates über die Beteiligung an

einer Ausschreibung des Entsorgungsverbandes

Saar (EVS), wofür dieser dann

in der Folge von der Vergabekammer

des Wirtschaftsministeriums ein verheerendes

Urteil kassieren musste. Dieser

Geschäftsführer meint, er müsse nicht

erklären, warum es ihm im Umland möglich

ist, dass ein Müllwerker fast doppelt

so viele Müllgefäße entleeren kann

wie in Saarbrücken, dass Müllfahrzeuge

besser bis zur Kapazitätsgrenze ausgelastet

werden können als in Saarbrücken

und Ähnliches mehr und dass diese

grün: konkret. 1 / 2006 3


AKTUELL & BRISANT

4

ganze Arbeit dann auch noch zu weniger

Lohn zu haben ist als in Saarbrücken.

Die Vergabekammer hat die Angebote

als nicht auskömmlich bezeichnet und

die städtische Tochter von einem weiteren

Ausschreibungsverfahren ausgeschlossen.

Hinzu kommt noch die groteske

Situation, dass aus dem gleichen

Konzern nicht nur ein Angebot der ASS

sondern auch der Stadtwerke abgegeben

wurde und bis heute jede Erklärung

fehlt für den Sinn einer solchen Vorgehensweise.

Ablenken statt Aufklären: Das

Fehlverhalten von CDU und FDP

Trotz dieser erheblichen Geschäftsrisiken,

die mutwillig zu Lasten der Saarbrücker

Bürgerinnen und Bürger eingegangen

werden sollten, haben CDU und

FDP keine Veranlassung gesehen, einzuschreiten,

sondern decken das Verhalten,

indem sie ein Ablenkungsmanöver

nach dem nächsten vollführen, Fragen

aufwerfen, die längst beantwortet sind,

sowie Prüfungen durchführen lassen

wollen über Dinge, die längst geprüft

sind. Ihr Ziel ist es, offensichtlich nicht im

Sinne der BürgerInnen zu agieren, sondern

auf Teufel komm raus den Versuch

fortzusetzen, die Verantwortung für den

großen Schaden, der auf die Stadt zurollt,

der Oberbürgermeisterin oder dem Bürgermeister

anzulasten. Gleichzeitig verhindert

diese Koalition systematisch

Maßnahmen für eine transparente und

kostengerechte Gebührenkalkulation

der Abfallentsorgung. Sie verweigert

dem ZKE, einem Eigenbetrieb der Landeshauptstadt,

eine ausreichende Personalisierung,

die auch gewährleistet, dass

die Interessen der GebührenzahlerInnen,

nämlich eine möglichst kostengünstige

Bereitstellung von Leistungen, überhaupt

vertreten werden können. So hat

nämlich der ZKE die Aufgabe, die Berechnungen

der Stadtwerke zu überprüfen

und damit als Auftraggeber den Auftragnehmer

zu kontrollieren. Mit einer

vorwärts gerichteten Politik und einer

Lösung der anstehenden Probleme hat

diese Koalition weiterhin nichts zu tun.

So bleibt es unsere Aufgabe, hier kräftig

gegen zu halten und wirklich nachhaltige

Zukunftskonzepte für Saarbrücken

weiter zu entwickeln.

grün: konkret. 1 / 2006

Stadtrat wählt umstrittenen Zoodirektor ab

Ceska musste gehen

Im Dezember hat der Stadtrat in geheimer

Abstimmung mit einer Stimme

Mehrheit die Abwahl von Dr. Vaclav

Ceska als Zoodirektor beschlossen. Aufgrund

der ungeklärten Vorgänge um den

Jahresabschluss 2003 und den umstrittenen

Gorilla-Transport nach Shanghai

hatten wir mehrmals öffentlich Konsequenzen

gefordert (siehe „grün: konkret.“

2/2005) und gemeinsam mit der SPD

im Stadtrat am 6. Dezember 2005 einen

Antrag zur Abwahl des Zoodirektors eingebracht.

Mit 31 gegen 30 Stimmen war

unser Antrag in geheimer Abstimmung

erfolgreich. Das heißt im Klartext, dass

ein Abweichler oder eine Abweichlerin

aus den Reihen der CDU-FDP-Koalition,

die trotz der ungeheuerlichen Vorgänge

im Zoo stets ihre schützende Hand über

Ceska gehalten hatte, offensichtlich

Gewissensbisse verspürt hat und nicht

bereit war, den umstrittenen Zoodirektor

länger im Amt zu halten.

KARL-HEINZ GUGGENBERGER

SPRECHER IM WERKSAUSSCHUSS ZGS

Zooleitung berichtet

transparenter über EEP-Tiere

Wir freuen uns, dass die Verwaltung

und die Werkleitung Zoo bereit sind,

künftig regelmäßig über den Bestand

und den Tausch von so genannten

„Zuchtleihgaben“ aus dem Europäischen

Erhaltungszuchtprogramm

(EEP) zu berichten. Dies hatten wir aufgrund

der schlechten Informationspolitik

der Verwaltung

und der Zoo-Leitung

im Zusammenhang

mit dem Transport der

Gorilla-Dame Quenta

nach Shanghai (siehe

„grün: konkret.“ 2/2005)

beantragt. Der Antrag wurde

im Werksausschuss ZGS einstimmig

verabschiedet. Damit

wird die Tierhaltung in Zukunft hoffentlich

transparenter. Denn da der

Zoo städtische Zuschüsse erhält, mit

denen auch die Infrastruktur für die

Zuchtleihgaben finanziert wird, haben

die Fraktionen unserer Meinung nach

ein Anrecht darauf, zu erfahren, was

mit den Tieren passiert, um sicherzustellen,

dass die Zuschüsse zum Wohle

der Tiere eingesetzt werden. Eine Verschleierung

wie im Fall Quenta darf es

nicht mehr geben. Wir werden nun ein

Auge darauf haben, dass die Versprechungen

von Verwaltung und Zooleitung

eingehalten werden. Hier sehen

wir den für den Zoo zuständigen Kul-

turdezernenten Walter Schwarz-Paqué

in der Pflicht, der in der Sitzung deutlich

gemacht hat, dass

er unseren Antrag

nach mehr Trans-

parenz in der Tierhaltung

unterstützt.

Nun muss der Kulturdezernent

dafür

sorgen, dass der

künftige

Zoodirektor

seiner

vom Werksausschuss

ZGS

verabschiedetenInformationspflichtnachkommt.

KARL-HEINZ

GUGGENBERGER,

SPRECHER IM

WERKSAUSSCHUSS ZGS

FOTO: LANDESHAUPTSTADT SAARBRÜCKEN


Schwarz-Paqué muss nun handeln statt nur laut nachzudenken

Ein Zookonzept ist wichtiger

als die Standortfrage

„Wir halten weiter an

unserem Vorschlag

einer saarländischen

Zooträgergesellschaft

fest.“

KARL-HEINZ GUGGENBERGER

MITGLIED IM WERKSAUSSCHUSS ZGS

Wir freuen uns, dass in die Diskussion

um den Saarbrücker Zoo neue

Bewegung gekommen ist. Der

Vorschlag des Kulturdezernenten

Walter Schwarz-Paqué, den Zoo in

den Deutsch-Französischen Garten

zu verlegen, ist interessant und

diskussionswürdig.

Um darüber ernsthaft beraten zu

können, fehlen uns aber fundierte

Informationen und vor allem ein

Zookonzept. Ein lautes Nachdenken

des Kulturdezernenten,

der

sich zwischen

Weihnachten

und

Neujahr

mit dem

kaufmännischen

Leiter im stillen Kämmerlein

beraten hat,

reicht hier nicht aus.

Bevor über einen neuen

Standort diskutiert werden

kann, muss ein schlüssiges

Zookonzept auf den Tisch.

Dieses muss auch kurzfristig

Lösungen für die finanziellen

Probleme des Zoos aufzeigen.

Sobald dieses Konzept

vorliegt, sind wir bereit zu diskutieren

und werden uns auch einem

neuen Standort nicht verschließen.

Und wenn Schwarz-Paqué sich schon

Gedanken über die Zukunft des Deutsch-

Französischen Gartens macht, dann

soll er sich auch überlegen, ob dort

das Abenteuermuseum untergebracht

werden kann.

Damit das Zookonzept innerhalb eines

überschaubaren Zeitrahmens fertig

wird, haben wir im Stadtrat einen Antrag

gestellt, der die Verwaltung beauftragt,

innerhalb des nächsten halben Jahres

ein Konzept für den Saarbrücker Zoo zu

erarbeiten und dem Stadtrat vorzulegen.

Bei Stimmenthaltung von CDU und FDP

wurde unser Antrag mehrheitlich verabschiedet.

Wir halten weiterhin an unserem Vorschlag

einer gemeinsamen Betriebsführung

der beiden saarländischen Zoos mit

dem langfristigen Ziel, eine Zoo-Trägergesellschaft

zu gründen, fest.

KARL-HEINZ GUGGENBERGER

SPRECHER IM WERKAUSSCHUSS ZGS

AKTUELL & BRISANT

FOTO: LANDESHAUPTSTADT SAARBRÜCKEN

CDU vom Heiligen Geist

sozialpolitisch befruchtet

Wir freuen uns, dass die CDU anlässlich

ihres Neujahrsempfangs (Bericht der

SZ vom 26.01.2006) über Nacht plötzlich

ihr soziales Gewissen entdeckt

hat. Offenbar wurden die Christdemokraten

vom Heiligen Geist sozialpolitisch

befruchtet. Denn die CDU ist laut

Karren immerhin die Partei „die sich am

christlichen Menschenbild zu orientieren

hat.“ Und das entdeckt die CDU just

wenige Monate vor dem Katholikentag

in Saarbrücken. Wir hoffen, dass

sich dahinter nicht die Disziplinierung

der katholischen StammwählerInnen

verbirgt, sondern eine wahre sozialpolitische

Läuterung.

In den letzten eineinhalb Jahren ist

von dem sozialpolitischen Gewissen

der CDU nämlich nichts zu sehen und

zu hören gewesen. Gerade die massiven

Kürzungen im Bereich der Wärmestube

und die Sparvorschläge bei den

Gemeinwesenprojekten haben deutlich

gezeigt, dass es mit dem Gerechtigkeitssinn

und den sozialen Taten der

CDU nicht weit her ist. Wir hoffen, dass

es sich jetzt nicht nur um eine wohl formulierte

Neujahrspredigt von Karren

handelt, sondern dass dem Wort nun

auch die Tat folgt. Wir sind jedenfalls

gerne bereit, im Rahmen des Katholikentags

mit der CDU ernsthaft über

Gerechtigkeit in Saarbrücken zu diskutieren.

CLAUDIA WILLGER-LAMBERT

FRAKTIONSVORSITZENDE

grün: konkret. 1 / 2006 5


AKTUELL & BRISANT

6

Europa braucht einen aufgeklärten Islam

Deutschsprachiger Islamunterricht

für mehr Integration

Im Gegensatz zwischen Zentrumspartei,

katholischen Kirchenführern und einer

liberalen Reichstagsmehrheit, zusammen

mit Kanzler Bismarck, in Fragen der

staatlichen Verfasstheit entwickelte sich

im Jahr 1871 der sog. Kulturkampf. Er

polarisierte die deutsche Gesellschaft bis

in die späten 1880er Jahre und war u.a.

durch die Debatte um das Schulaufsichtsgesetz,

welches katholische Ordensangehörige

vom Lehrberuf an öffentlichen

Schulen ausschloss, geprägt.

Zurück ins Jetzt. Vorigen Monat versammelten

sich mehrere hundert junger

dänischer Muslime in einer Moschee in

der Nähe von Kopenhagen und hörten

einen Vortrag, wie die westlichen Ideen

und Werte die islamische Welt verderben

(Weltwoche, 16.2.06). Die westlichen

Gesellschaften und v.a. die islamischen

Gemeinden müssen reagieren. Europa

braucht einen aufgeklärten Islam. So

wie in der Vergangenheit kann und darf

es nicht weitergehen. Der Streit um die

Mohammed-Karikaturen zeigt, welchen

Druck islamistische Gruppen und Staaten

ausüben können.

Es muss uns auch durch kommunale

Maßnahmen gelingen, die einwandernden

Muslime von der Gültigkeit der aufgeklärten

Moderne zu überzeugen und

sie kulturell zu assimilieren. Die Kampflinie

verläuft nicht zwischen Moslems

und Christen, zwischen Arabern und

Juden, sie verläuft zwischen Mördern

und Demokraten, schrieb jüngst Nils

Minkmar in der Frankfurter Allgemeinen

Sonntagszeitung.

Einen wesentlichen Schlüssel zum

Erfolg stellt aus unserer Sicht die Integration

der ImmigrantInnen durch Schule

und Universität dar. Wir fordern den

deutschsprachigen Religionsunterricht

an unseren Schulen. Hier muss der saarländische

Kultusminister endlich aktiv

werden. Die Hochschulausbildung zum

Islamlehrer, analog zu den beiden christlichen

Gemeinschaften, muss das Ziel

einer solchen Initiative sein. Auch muss

die islamische Community sich bewegen

grün: konkret. 1 / 2006

und endlich einen institutionellen Partner

benennen, mit dem ein Staatsvertrag

zu beschließen wäre. In Folge ist an

der Universität des Saarlandes ein Lehrstuhl

einzurichten. Damit es nicht wieder

zu einem Kulturkampf kommt, muss es

Bald erscheint eine Informations-Broschüre

über den katholischen Widerstandskämpfer

Willi Graf, dem 2003

posthum die Ehrenbürgerschaft der

Stadt Saarbrücken verliehen wurde.

Dies hatten wir im Hauptausschuss

im November letzten

Jahres beantragt. Inzwischen

liegt uns der Text- und Layoutentwurf

vor. Wir freuen uns,

dass endlich Informationen

zum Leben und Wirken von

Willi Graf in einer Broschüre

zusammengetragen wurden.

Bahn muss sich endlich der Verantwortung stellen

Ausstellung

„Deportierte

jüdische Kinder“

gehört in den

Hauptbahnhof

Die Deutsche Bahn AG weigert sich, die

Wanderausstellung „Deportierte jüdische

Kinder“ zu zeigen. Die Fotos der

Kinder, welche die Pariser Organisatorin

Beate Klarsfeld gesammelt hat, wurden

bereits in 20 Bahnhöfen in Frankreich

gezeigt. Wir finden, dass die Ausstellung

in den Saarbrücker Hauptbahnhof gehört

und haben uns im Stadtrat dafür stark

gemacht, dass alle Fraktionen an einem

Strang ziehen und sich gemeinsam für

die Ausstellung im Saarbrücker Hauptbahnhof

einsetzen. Unser Antrag dazu

heute unsere Aufgabe sein, zumindest

den deutschsprachigen Islamunterricht

an Regelschulen einzuführen.

THOMAS BRÜCK

FRAKTIONSVORSITZENDER

Willi Graf-Büste bekommt Info-Broschüre

Denn bereits seit zwei Jahren befindet

sich im Rathaus auf dem Treppenaufgang

zum Rathausfestsaal eine

Büste des Widerstandskämpfers.

Weitere Informationen fehlten an

dieser Stelle bisher. Aufgrund

unseres Antrags wird sich das

nun ändern.

THOMAS BRÜCK

Die Büste des

Widerstandskämpfers

Willi Graf befindet sich

im Rathaus St. Johann.

wurde einstimmig beschlossen und die

Oberbürgermeisterin damit beauftragt,

zusammen mit dem Bahnbeauftragten

Reinhard Klimmt erneut in Verhandlungen

mit der Bahn zu treten. Denn es wird

Zeit, dass sich die Bahn ihrer historischen

Verantwortung stellt. Ohne die Infrastruktur

der deutschen Reichsbahn wäre

die Deportation jüdischer Kinder so nicht

möglich gewesen. Über den Bahnhof

Saarbrücken sind auch viele Saarbrücker

Kinder in die Vernichtungslager im Osten

transportiert worden. Den Vorschlag von

Reinhard Klimmt, die Ausstellung in der

Saarbrücker Volkshochschule zu zeigen,

halten wir für nicht redlich, zumal die

Volkshochschule offenbar nichts von der

Abmachung gewusst hat. Wir begrüßen

ausdrücklich das Engagement der Pariser

Organisatorin Beate Klarsfeld, deren

Ausstellung in Frankreich zu Recht viel

Beachtung fand.

THOMAS BRÜCK

FRAKTIONSVORSITZENDER


Interessenausgleich zwischen AnwohnerInnen und Suchtkranken finden

Diskussion ums

Drogenhilfezentrum

„Wir nehmen die

Belange der Anwohner-

Innen ernst ohne das

DHZ in Frage zu stellen.“

KARIN BURKART

GESUNDHEITSPOLITISCHE SPRECHERIN

In die Diskussion um das Drogenhilfezentrum

(DHZ) ist durch die

Gründung einer Bürgerinitiative,

die auf die Probleme der AnwohnerInnen

in der Brauerstraße und

Umgebung aufmerksam macht,

erneut Bewegung gekommen. Wir

haben bezüglich des Drogenhilfezentrums

immer eine klare Linie

vertreten: nämlich dass Saarbrücken

dieses Drogenhilfezentrum braucht.

Da kein neuer Standort realistisch

ist, setzen wir uns dafür ein, die

berechtigten Anliegen der AnwohnerInnen

ernst zu nehmen und die

Situation in der Brauerstraße zu

entschärfen. Alles andere wäre

populistisch.

Wir haben in der aktuellen Diskussion

Verständnis für beide Seiten. Einerseits

für das Drogenhilfezentrum, das eine

wichtige Überlebens- und Ausstiegshilfe

leistet. Qualifizierte Sozialarbeiter stellen

dort umfassende Therapieangebote zur

Verfügung. Täglich werden weit mehr als

1000 Spritzen getauscht, wodurch Infektionskrankheiten

wie Hepatitis und Aids

zurückgedrängt werden. Außerdem hat

das Drogenhilfezentrum eine ordnungspolitische

Funktion, indem es dafür sorgt,

dass es keine offene Drogenszene wie

früher z.B. am Max-Ophüls-Platz mehr

gibt.

Um andererseits den Anliegen der

AnwohnerInnen Rechnung zu tragen,

sind dringend Maßnahmen erforderlich,

um die Wohnqualität wiederherzustellen.

Erste Maßnahmen hat das Drogenhilfezentrum

mit dem Projekt „Sauberes

Umfeld Drogenhilfezentrum“ im März

letzten Jahres gestartet. Dazu gehören

Müllsammelaktionen, die dreimal täglich

in verschiedenen Bezirken von einem

Mitarbeiter und Klienten des DHZ durchgeführt

werden. Dafür können sich die

Klienten freiwillig melden und erhalten

einen Stundenlohn von 1,50 Euro und

eine warme Mahlzeit. Zusätzlich wurde

der Hofdienst verdoppelt. Zwei Sozialarbeiter

sind nun dafür zuständig, den

Außenkonsum zu verhindern. Es muss

aber noch mehr getan werden. Z.B. im

Umgang mit der Prostitution. Wir fordern

eine verkehrspolitische Lösung, die den

starken Ringverkehr, der abends und

nachts durch Freier, die auf der Suche

nach Prostituierten sind, verringert. Sinnvoll

erscheint uns auch eine Entzerrung.

Wir setzen uns dafür ein, dass den Prostituierten

ein anderer Platz angeboten

wird, wo sie ihrem Gewerbe nachgehen

können. Vorstellbar ist z.B. eine Lösung

nach dem Vorbild des Kölner Straßenstrichs,

der vom Sozialdienst katholi-

GESUNDHEITSPOLITIK

FOTO: IRIS MAURER

Im Druckraum des DHZ können sich

Suchtkranke unter hygienischen

Bedingungen Spritzen setzen.

scher Frauen betreut wird. Dort können

sich drogenabhängige Frauen geschützt

prostituieren. Dies löst nicht nur das Problem

der AnwohnerInnen, die durch den

Autoverkehr belästigt werden, sondern

hilft auch den drogenabhängigen

Frauen, die nicht mehr zu

jedem Fahrer in den Wagen steigen

müssen. Die meisten Frauen

So sehen die so genannten

„Verrichtungsboxen“ des

Kölner Straßenstrichs aus.

FOTO: STADT KÖLN

arbeiten inzwischen mit Kondomen. Vergewaltigungen

und Misshandlungen

sind eklatant zurückgegangen. In Köln

ist das Projekt sehr erfolgreich.

Außerdem setzen wir was die Drogenpolitik

betrifft auf verstärkte Prävention

und fordern eine stärkere Vernetzung

und Förderung der Institutionen, die in

diesem Bereich wertvolle Arbeit leisten.

Und eins ist auch klar: das Land muss

stärker in die Pflicht genommen werden,

denn es gibt saarlandweit nur ein DHZ,

das Leistungen weit über Saarbrücken

hinaus erbringt.

grün: konkret. 1 / 2006 7


8

KULTUR & SCHULE

Saarbrücken im Max Ophüls-Taumel:

Sind wir Filmstadt?

Das Max Ophüls-Festival war in

diesem Jahr nicht nur vom Medienecho,

sondern auch bezüglich der

Besucherzahlen ein großer Erfolg.

32.163 BesucherInnen kamen zur 27.

Auflage des Festivals. Das sind 3.361

mehr als im letzten Jahr. Dies lässt

die Verwaltung nun von der „Filmstadt

Saarbrücken“ träumen. Hat

Saarbrücken das Zeug dazu?

Ein Woche lang strahlende Gesichter

und Menschen im Filmfieber wohin

man blickte. Egal ob auf der Eröffnungsfeier,

den Filmvorführungen in den verschiedenen

Kinos, den Schaltern im K 4

forum am St. Johanner Markt, wo man

stets freundlich und kompetent bedient

wurde, der Preisverleihung im Staatsthe-

ater oder den Partys

in Lolas Bistro in der

Garage: Die SaarbrückerInnen

waren im Ophüls-Fieber.

Lediglich die doch etwas zu techno-lastige

Musik auf der Filmparty samstags

dürfte einige genervt haben.

In Feierlaune waren dementsprechend

auch die Beteiligten der Stadtpressekonferenz,

die sich mit der Bilanz des Festivals

beschäftigte. Festivalleiterin Birgit Johnson

gab bekannt, dass jedes der Festivalkinos

CineStar, Filmhaus und Kino 8 ½

höhere Zuschauerzahlen als 2005 verbuchte.

Das Arthouse-Kino Camera zwo

war als neue Spielstätte mit zwei Sälen

erstmals dabei.

Und da stand sie dann auch wieder im

Raum - die Idee der Filmstadt. Was ist

eigentlich eine Filmstadt? Reichen ein

kommunales Kino und ein erfolgreiches

Nachwuchsfilmfestival aus, um sich als

Filmstadt zu bezeichnen? Oder braucht

man nicht beispielsweise auch Filmstudios?

Die gibt es in Saarbrücken nicht.

Dafür hat sich die Stadt etwas anderes

einfallen lassen: den Location-Guide.

Saarbrücker Drehorte

Schon mal daran gedacht hier bei uns

ihren Film zu drehen? Diese Frage steht

am Anfang einer DVD, die die Stadtpressestelle

herausgegeben hat. Zu sehen

sind darauf verschiedene Drehorte mit

Hinweisen zur Lage der Locations, den

grün: konkret. 1 / 2006

„Das Ophüls-Festival hat auch

ohne George Clooney Charme.“

Drehbedingungen vor Ort und den

AnsprechpartnerInnen. Von der Uni, dem

Saarbrücker Schloss, den AW-Hallen, der

Bergehalde Grühlingsstraße über das

Rathaus St. Johann, die Johanneskirche

und den Zoo werden 25 potenzielle Drehorte

detailliert bis auf die für FilmemacherInnen

wichtige Geräuschsituation

beschrieben. „Autobahnzubringerbrücke

führt über den Park“ heißt es z.B. in

der Beschreibung des Bürgerparks. Auf

dem Max-Ophüls-Festival hat die Stadt

die DVD an 160 akkreditierte FachbesucherInnen

verteilt. Elf Filmleute haben

an einer Location-Tour der Stadt teilgenommen,

um die Schauplätze persönlich

in Augenschein zu nehmen. Dass in

Saarbrücken die nötige Infrastruktur für

eine Filmstadt fehle, monierte dabei eine

Stuttgarter Szenenbildnerin.

So

gäbe es z.B. keinen

Requisitenfundus und keine Absperrfirma

für Drehorte, weshalb die Filmteams

alles selbst mitbringen müssten

(SZ, 30.01.06). Da sind sie also, die ganz

realen Probleme, die dem Image der

Filmstadt im Wege stehen. Sie zeigen,

dass noch Einiges zu tun ist, wenn Saarbrücken

wirklich Filmstadt werden will.

Es sind sowohl eine Spezialisierung als

auch entsprechende finanzielle Weichenstellungen

von Nöten bevor man mit

einem schönen Schlagwort um sich wirft.

Dabei geht es ganz konkret auch um die

Alleinstellungsmerkmale Saarbrückens.

Denn es kann nicht das Ziel sein, eine Art

provinzielle Berlinale zu werden. Lernen

von den „Großen“ gerne, aber nur wenn

die eigene Identität bestehen bleibt. Nur

dann bleibt die potenzielle „Filmstadt“

Saarbrücken authentisch.

Saarländischen Charme

ausnutzen

Dass sie die kleinen Filmfestivals eigentlich

viel lieber mag, hat mir auf der diesjährigen

Berlinale eine Mitarbeiterin

eines Berliner Filmverleihs erzählt. Denn

in Berlin müsse man ewig anstehen, um

Karten für einen Film zu bekommen, der

danach meist ohnehin bald in die Kinos

komme. Was ich bestätigen kann. Denn

nach über zwei Stunden vergeblichen

Wartens an verschiedenen Schaltern

musste auch ich einsehen, dass man sich

„Elementarteilchen“ wohl besser regulär

im Kino ansieht. Zu viele Leute fühlten

sich da offensichtlich von Oskar Roehlers

Verfilmung des viel diskutierten Sex-

Romans von Michel Houellebecq angezogen.

Da nutzt es dann auch wenig, wenn

Uwe Ochsenknecht und andere Hauptdarsteller

wenige Meter entfernt von

einem vorbei defilieren. Aber nicht nur

„sex sells“ – auch bei den anderen Filmen

hat man oft kaum Chancen auf eine

Karte oder muss stundenlang anstehen.

Selbst um die Kontingente, die kurz vor

der Vorstellung noch freigegeben und

zum halben Preis verkauft werden, konkurriert

man mit zig anderen, die natürlich

auf dieselbe glorreiche Idee gekommen

sind, sich dafür anzustellen. Im Saarbrücker

K 4 forum dauert so eine Karten-

Beschaffungsmaßnahme erfahrungsgemäß

zwischen fünf und 20 Minuten, was

ganz auf die Tageszeit ankommt, nette

Beratung inklusive. Auch in Saarbrücken

waren fast alle Filme ausverkauft,

was für die Qualität des Festivals spricht.

Hier gibt es aber auch die typisch saarländische

Lösung. Soll heißen notfalls

wird ein Film wegen zu großen Andrangs

auch mal in zwei Sälen gezeigt wie beispielsweise

der Preisträgerfilm „Schläfer“

im CineStar oder man kann noch Plätze

auf der Treppe ergattern wie z.B. im Filmhaus.

Dafür gibt es in Saarbrücken aber natürlich

auch weitaus weniger Starrummel.

Machen wir uns nichts vor: Dass George

Clooney in den nächsten Jahren über

den blauen Teppich vorm Cinestar läuft,

ist nicht zu erwarten. Auch wenn viele

Frauen es wie ich schade finden werden.


Das Festival

Das Filmfestival Max

Ophüls Preis wurde

1980 von Albrecht Stuby

begründet. Damals startete

das Festival mit 700 BesucherInnen.

Der Namensgeber Max Ophüls

(1902-1957) gilt als einer der großen

europäischen Regisseure des 20. Jahrhunderts.

Der gebürtige Saarbrücker

verließ als junger Mann seine Heimatstadt,

um an verschiedenen Theatern

in Deutschland zu wirken. In Berlin entstanden

seine ersten filmischen Arbeiten.

1933 emigrierte der jüdischstämmige

Regisseur nach Frankreich, später

in die USA. In den 1950er Jahren kehrte

Ophüls nach Europa zurück, um Film-

und Theaterprojekte in Frankreich und

Deutschland zu realisieren.

Für die jungen FilmemacherInnen ist

die Teilnahme am Max Ophüls-Festival

oft ein bedeutender Schritt in ihre

professionelle Zukunft. Auszeichnungen

und Preise in der Kategorie Kurzfilm

ebnen den Machern häufig den

weg zu ihrem ersten langen Spielfilm.

Die Wettbewerbskategorien Langfilm

und Kurzfilm zeigen, was junge KünstlerInnen

bewegt, mit welchen aktuellen

Themen sie sich konfrontiert sehen.

Aber das Max Ophüls-Festival hat auch

ohne George Clooney Charme. Denn

hier werden eben viele Filme gezeigt, die

man sich nicht überall anschauen kann.

Filme von jungen Filmemachern, die sich

mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen

auseinandersetzen. Die zum ersten

Mal die Chance haben, ihr Werk einem

interessierten Publikum zugänglich zu

machen. Saarbrücken ist nicht Berlin und

das Max Ophüls-Festival ist nicht die Berlinale.

Und das ist auch gut so, denn jedes

Festival sollte seinen eigenen Charakter

entfalten. In Saarbrücken ist dies der

Charme des „jungen Films“.

Stadt des jungen Films

Saarbrücken hat sich als Nachwuchsfilmfestival

einen Namen gemacht und ist in

der ganzen Republik und auch über die

Landesgrenzen hinweg dafür bekannt.

Auf diese Karte sollte man setzen und

weiter an diesem Image arbeiten. Wie

wäre es statt dem plakativen Wort „Filmstadt“

mit dem Label „Saarbrücken

Stadt des jungen Films“. Dann ist auch zu

PreisträgerInnen 2006

Max-Ophüls-Preis: Schläfer; Regie:

Benjamin Heisenberg

Preis für die beste Nachwuchsdarstellerin:

Anna Fischer für ihre Rolle als

Alma in „Liebeskind“

Preis für den besten Nachwuchsdarsteller:

Ludwig Trepte für seine Rolle

als Paul in „Keller“

Filmpreis des saarländischen Ministerpräsidenten:

Prinzessin; Regie:

Birgit Grosskopf

Dokumentarfilmpreis: Mañana al mar;

Regie: Ines Thomsen

Kurzfilmpreis: 37 ohne Zwiebeln;

Regie: André Erkau

SR/ZDF-Drehbuchpreis: Schläfer;

Buch: Benjamin Heisenberg

„Vision Kino macht Schule“ Preis -

Preis der Schülerjury: Between the

lines; Regie: Thomas Wartmann

Filmmusikpreis der Saarland Medien

GmbH: Schläfer; Musik: Lorenz Dangel

Interfilmpreis: 37 ohne Zwiebeln;

Regie: André Erkau

Publikumspreis: Mondscheinkinder;

Regie: Manuela Stacke

Förderpreis der DEFA-Stiftung: Vater

und Feind; Regie: Susanne Jäger

überlegen, wie die Hochschulen mit eingebunden

können. Wie wäre es z.B. mit

einem Max-Ophüls-Lehrstuhl für Filmwissenschaft?

Wenn Saarbrücken es mit

der Filmstadt wirklich ernst meint, ist dies

eine Überlegung wert. Und um die Filmstadt

über die Grenzen hinaus bekannt zu

IRIS MAURER

KULTUR & SCHULE

machen, ist dringend weiteres Infomaterial

von Nöten. Die Pressearbeit des Max-

Ophüls-Festivals klappt prima und die

Broschüren und Plakate waren in diesem

Jahr sehr übersichtlich und ansprechend.

Aber es gab sie nur auf deutsch und –

wegen der Grenznähe natürlich verständlich-

französisch. Wo aber bleibt das englische

Infomaterial? Auch auf der Homepage

bekommt man nur deutsche und

französische Informationen. Will Saarbrücken

wirklich Filmstadt werden, muss

sich das ändern. Wir werden uns im Kulturausschuss

dafür einsetzen. Und eins

muss ebenfalls klar sein: das Bekenntnis

zur Filmstadt muss sich auch im Haushalt

niederschlagen. Dilettantische Zuschuss-

Kürzungen von Seiten der CDU und FDP-

Koalitionäre, die dann im Nachhinein zu

einer überplanmäßigen Mittelbereitstellung

führen, weil die Festivalleitung mit

dem Geld gerechnet hat und weil so ein

Festival einfach auch Geld kostet, darf es

dann nicht mehr geben. So eine „Filmstadt“

kann nur funktionieren, wenn sich

alle dazu bekennen und die Festivalleiterin

und den Kulturdezernenten unterstützen.

Wir tun das gerne, wenn die

Idee mit der Filmstadt ernst gemeint ist

und es sich nicht nur um eine Worthülse,

geboren aus der Euphorie über die schönen

Filmabende im Januar, handelt.

TINA SCHÖPFER

FRAKTIONSGESCHÄFTSFÜHRERIN

Die glücklichen PreisträgerInnen

waren im Staatstheater in Feierlaune

grün: konkret. 1 / 2006 9


10

KULTUR & SCHULE

Die Grünen vor Ort

Arbeitskampf in Saarbrücken:

ein Film über das Grundgesetz

„Der Grundgesetzfilm ist

eine gute Sache für das

Image unserer Stadt. Er

verschafft ihr nächstes

Jahr bundesweit Präsenz.“

TINA SCHÖPFER

FRAKTIONSGESCHÄFTSFÜHRERIN

Mittwochmorgen, 25.01.2006, auf

dem Gustav-Regler-Platz in Saarbrücken:

Feuerwehrautos und ein

Einsatzwagen der Polizei stehen im

Innenhof des Rathaus-Carrées. Eine

Menschentraube schaut entsetzt

zum Dach des Bürgeramtes hoch.

Dort steht ein verzweifelter Mann,

bereit zu springen. Ein Wagen mit

einem Drehteam des Saarländischen

Rundfunks hält mit quietschenden

Reifen. Schnell wird die Kamera

aufgebaut, die Reporterin bringt

sich in Position.

Was so spektakulär aussieht ist kein

echter Einsatz von Hilfskräften und Journalisten.

Es handelt sich um die Dreharbeiten

zum Film „GG 19“, einem Episodenfilm

über das Grundgesetz, der

nächstes Jahr in die Kinos kommen soll.

Grund genug, bei den Dreharbeiten, die

so nah an meinem Büro stattfinden, vorbeizuschauen.

Human Ressources – Die Story

der Saarbrücker Episode

19 Episoden hat der Film „GG 19“ entsprechend

den 19 Grundrechten aus

dem Grundgesetz. Jede Episode wird in

einer anderen Stadt mit einem anderen

Team gedreht. Mit dabei sind u.a. Hamburg,

Langenfeld, Halle, Bremen, Wuppertal,

Berlin und Daun. Es sei ihm ganz

bewusst darum gegangen, nicht nur

Großstädte zu zeigen und auf keinen

Fall alle Episoden in einer Stadt abzudrehen,

erklärt der Produzent Hans Siebler.

Inspiriert von dem polnischen Regisseur

Krzysztof Kiesloswski, bekannt u.a.

durch die Filmtrilogie „Drei Farben“, sei er

grün: konkret. 1 / 2006

auf die Idee mit der Episodenverfilmung

des Grundgesetzes gekommen. Das

Thema hat er gewählt, weil ihm aufgefallen

sei, wie wenig er selbst über die einzelnen

Artikel des Grundgesetzes wisse.

Und das könne natürlich nicht angehen,

denn schließlich seien darin ja die wichtigsten

Regeln und Werte unserer Gesellschaft

festgelegt und diese gingen alle

an. Fußball spiele man schließlich normalerweise

auch nicht, ohne die Regeln des

Spiels zu kennen.

Um Arbeitskampf geht es in der Saarbrücker

Episode und Siebler ist der Meinung,

dass das gut zur saarländischen

Landeshauptstadt passe. Im Grundgesetz

entspricht die Episode Artikel 9, in dem

das „Recht auf Bildung von Vereinigungen

zur Wahrung der Arbeitsbedingungen“

festgeschrieben ist. 6 bis 7 Minuten

wird die Episode dauern, für die viele Vorbereitungen

zu treffen waren. Bereits seit

November hat die Stadtpressestelle den

Dreh gemeinsam mit dem Film-Team

geplant, Locations gesichtet und Verhandlungen

mit Polizei und Behörden

geführt, da auch Straßen für kurze Zeit

gesperrt werden mussten. Die Episode

dreht sich um Harry Möller, einen ehemaligen

Arbeitsvermittler beim Arbeitsamt,

der nun arbeitslos ist und seinem Leben

aus Verzweiflung mit einem Sprung vom

Dach des Arbeitsamtes ein Ende setzen

will. Als ehemalige Kollegen, die Polizei

und die Feuerwehr ihn von seinem Vor-

Schaupieler

Waldemar Kobus

auf dem Dach des

Bürgeramtes

FOTO: GRÜNE

Bei eisigen Temperaturen

wurde auf dem

Gustav-Regler-Platz

gedreht.

FOTOS: GRÜNE

haben abbringen wollen, erwacht in ihm

ein nie gekannter Lebenswille und er tritt

in den Streik. Mehr noch: Er fordert die

Arbeitslosen auf, es ihm gleich zu tun

und wird zum „Erfinder“ der Kampfarbeit.

Diese Forderung hat solch ungeheure

Folgen, dass sie schließlich sogar den

Bundeskanzler und seine Kontrahentin

auf den Plan ruft.

Sitzstreik im sonnigen Büro

– die erste Klappe

Am ersten Drehtag soll eigentlich um

9.30 Uhr die erste Klappe fallen. So wird

es in der Pressekonferenz, die kurz davor

stattfindet, angekündigt. Dort erklären

die beiden jungen Regisseure im Alter

von 26 und 28 Jahren, Johannes Hart

und Philipp von Werther, auch die Faszination

des Projekts. Die bestehe darin,

ein solch abstraktes Thema wie das

Grundgesetz, das jeden betreffe, filmisch

spannend und unterhaltsam darzustellen.

Fast schon frech die Frage eines Journalisten,

ob die meist älteren Schauspieler

auf die jungen Regisseure denn auch

hören. Das versichert Sven Walser, der in

dem Film den Direktor der Arbeitsagentur

spielt. Nach der Pressekonferenz geht

es in ein Büro des Beteiligungsmanagements

der Stadt Saarbrücken in der dritten

Etage des Rathaus-Carrées. Dieses

dient nun für drei Tage als Büro des Chefs

der Agentur für Arbeit.

Gut gelaunt betritt ein blonder, etwas

kräftiger Herr im beigen Anzug das Büro.

Irgendwie kommt er mir bekannt vor. Es

ist Waldemar Kobus, bekannt durch die

Filme „Sonnenallee“ und „(T)raumschiff

Surprise“. Freundlich begrüßt er die Journalisten.

Die müssen dafür auf die erste

Klappe noch etwas warten. Denn Kobus,

der den arbeitslosen Harry Möller spielt,

trägt zu seinem Anzug noch grüne Turnschuhe

mit grauen Socken und Hosenträger

fehlen ihm auch noch. Die Hose

von Sven Walser ist dafür etwas zu lang

und wird mit Kreppband um ein paar

Zentimeter gekürzt. Einige Nasen sind

auch noch zu pudern. Viel zu tun also


für die Kostüm- und MaskenbildnerInnen

und die Requisite. Die sind aber alle

gut gelaunt und haben sichtlich Spaß an

ihrer Arbeit.

Einen schönen Ausblick über die

Dächer des St. Johanner Marktes hat

man von dem karg eingerichteten Büro

aus. Wenig harmonisch geht es jedoch in

der Filmszene zu, die mehrmals geprobt

wird. Herr Möller belagert darin den

Schreibtisch des Leiters der Agentur für

Arbeit. Im Schneidersitz probt er trotzig

den Aufstand. Ach ja, der Schreibtisch:

der wirkt ziemlich edel. Ist aber kein

Mahagoni oder so, sondern Plastik, am

Tag zuvor überzogen mit einer speziellen

Folie, die auch noch eine Blase wirft,

wenn man genau hinschaut. Um 11 Uhr

fällt dann die erste Klappe. Die Journalisten,

Fotografen und Gäste, an deren

großem Interesse zu spüren ist, dass ein

Filmdreh in Saarbrücken (noch) eine

große Besonderheit ist, müssen nun den

Raum verlassen, da es sonst zu laut wäre.

Aber nach einigen Probedurchläufen ist

klar, um was es in der Szene geht.

Action im eisigen Innenhof

Am zweiten Drehtag ist richtig Action

angesagt. Dafür müssen alle Beteiligten

frostige Temperaturen in Kauf nehmen.

Auf dem Plan steht der Außendreh auf

dem Gustav Regler Platz, der aufgrund

der Erkrankung der Maskenbildnerin

mit einiger Verzögerung beginnt. Als

um 11.30 Uhr die Proben beginnen, ist

die Luft eisig. Ich stelle mich zum Produzenten

Hans Siebler, der dick vermummt

in schwarzen Klamotten mit schwarzer

Sonnenbrille da steht. Sein Blick geht

hoch zum Dach des Bürgeramts, wo sich

Waldemar Kobus eine dicke rote Jacke

über seinen Anzug zieht. Es wird schließlich

noch etwas dauern bis er springt. Um

das Sprungtuch der Feuerwehr im Innenhof

stehen rund 40 Komparsen, darunter

Feuerwehrleute und Polizei, junge

und ältere Menschen, die bei dem Film

mitspielen. Und ein Kamerateam des SR

ist auch dabei. Die spielen in dem Film

sich selbst. Die Proben ziehen sich in die

Länge, die Komparsen hüpfen auf und ab,

um sich zu wärmen. Ich lerne, dass beim

Filme drehen Geduld gefragt ist. Wenn

Sie bei dieser Gelegenheit die Leute vom

Set fragen, wann es los geht und die

„gleich“ antworten, dann ist das in etwa so

wie wenn Ihnen in Italien einer sagt, dass

der nächste Bus bestimmt gleich komme.

Es kann also dauern. Ich nutze die Wartezeit

zum Plausch mit Harald Siebler und

erzähle ihm, dass ich nicht für die Zeitung,

sondern für unser „grün konkret“

schreibe. Das gehe schon in Ordnung,

falls ich alle Namen richtig schreibe,

findet der Produzent. Und freut sich

über mein Interesse. Denn nicht überall

sei man erfreut über den Film. Was kann

man denn gegen einen Film über das

Grundgesetz haben? Vieles meint Siebler,

denn schließlich werde in der Realität

von einigen Leuten nicht umgesetzt, was

da schwarz auf weiß steht. Da muss ich

ihm leider Recht geben. Umso sympathischer

ist mir dieses Projekt.

Dann geht es endlich los. Der arbeitslose

Möller will sich vom Dach stürzen,

die Menge übt sich in entsetzten Schreien

und das Auto des SR hält zum dritten Mal

mit quietschenden Reifen an der Markierung,

die auf dem Boden aufgezeichnet

ist. Nach mehrmaligen Proben wird die

Szene gedreht. Diesmal dürfen Journalisten

und Interessierte dabei bleiben. Alle

erhalten Anweisungen, wo sie zu stehen

haben, damit keine ungewollten Reflexe

in die Szene kommen. Alles läuft glatt,

wenig später ist die Szene im Kasten. Es

werden an diesem und am nächsten Tag

noch einige Szenen folgen.

Projekt und Finanzierung

Neben der Saarbrücker Episode, bei der

es sich um eine Groteske handelt, gibt es

FOTO: FBS

18 weitere Geschichten, die die Grundrechte

mal dramatisch, mal komisch,

mal originell oder berührend behandeln

und zum Nachdenken anregen. So

soll ein Film von 120 Minuten Länge entstehen.

Die Brücke zwischen den einzelnen

Episoden bauen die Grundgesetzartikel

selbst – dargestellt in Wort und

Bild. Die einzelnen Episoden sollen vom

Publikum unter der inhaltlichen Vorgabe

des jeweiligen Artikels gesehen werden.

Über 1000 Menschen wirken an dem

Projekt „GG 19“ mit, darunter bekannte

SchauspielerInnen wie Marion Kracht,

Anna Thalbach und Kurt Krömer.

So ein Film kostet natürlich auch viel

Geld. Das kommt in erster Linie von kulturpolitischen

Institutionen sowie nationalen

und regionalen Fördereinrichtungen.

Zusätzlich gibt es ein Patenschaftskonzept

für Städte. Diese unterstützen

die Filmteams bei den Dreharbeiten.

In Saarbrücken durften die Filmemacher

beispielsweise das Rathaus kostenlos

nutzen und die Feuerwehr war mit

einem Einsatzwagen am Set. Viele SchauspielerInnen

verzichten auch erst mal auf

die Gage, wollen nur Geld, wenn der Film

auch erfolgreich ist. Unter dem Motto

„100 für 19 – rechnen Sie mit dem Grundgesetz“

läuft seit Februar 2005 eine weitere

ungewöhnliche Finanzierungskampagne

für das Projekt. Mit einem Beitrag

von 100 Euro kann jede Bürgerin und

jeder Bürger mithelfen das Projekt „GG

19“ zu finanzieren und erhält dafür eine

Karte für die Premiere des Films. Außerdem

werden alle Financiers auch im

Abspann genannt. Gezeigt wird der Film

2007 auf der Berlinale und dann soll es

laut Siebler eine „Premiere-Karawane“

durch die beteiligten Städte geben. Ich

bin gespannt darauf.

Weitere Infos gibt’s übrigens im Internet

unter www.gg19.de.

grün: konkret. 1 / 2006 11


12

KULTUR & SCHULE

Grundschuldiskussion in Malstatt

Kirchberg und Wallenbaum

bleiben eigenständig

Aufgeschreckt durch einen Artikel

in der SZ im November vergangenen

Jahres herrschte große Aufregung

in den Grundschulen

Kirchberg und Wallenbaum. Zwar

waren im Rahmen der Schulstrukturreform

des Landes vom Kultusministerium

bereits Überlegungen

angestellt worden, beide Standorte

zu einem Bezirk zusammen zu

fassen, doch dieses Mal kam die

Vorgabe vom Schulverwaltungsamt

und führte zu großer Unruhe.

Durch den Weggang der Erweiterten

Realschule (ERS) in der Kirchbergschule

wurden Räumlichkeiten frei, und man

überlegte verschiedene Varianten, die

Schulen neu zu ordnen und zugleich

Mietkosten zu sparen. Kollegien der

Schulen und Elternvertretungen wurden

aktiv und viele interne Gespräche

geführt. Entspannung erfuhr die Situation

durch eine Presseerklärung, in der

sich die Oberbürgermeisterin für den

Erhalt der beiden Grundschulen Kirchberg

und Wallenbaum aussprach.

Im 4. „Molschder Bürgerforum“ wurde

FOTO: IRIS MAURER

grün: konkret. 1 / 2006

über die geplante Zusammenlegung

oder die Umgestaltung der Grundschulen

in Malstatt diskutiert. VertreterInnen

aller Fraktionen, SchulleiterInnen, Schulrat,

Leiter des Amtes für Kinder, Bildung,

Kultur und Stefan Deppen vom SR als

Moderator stellten sich den Fragen der

Eltern und BürgerInnen. Schon nach der

ersten Runde gab es „Entwarnung“. Alle

Beteiligten sprachen sich für die Erhaltung

der beiden Schulen an ihrem jetzigen

Standort aus, die Verwaltungen in

beiden Schulen sollen nicht wegfallen.

Dies wurde dann auch im Stadtrat einstimmig

so beschlossen.

Malstatt braucht eine echte

Ganztagsschule

Die Grundschule Kirchberg - über Jahrzehnte

durch Hauptschule und später

ERS eingeengt - erhofft sich durch die

neue Regelung eine positive Veränderung

ihrer räumlichen Situation. Bei der

geplanten Vermietung von Räumen wird

die katholische Fachschule für Soziales

favorisiert. Mit dieser kann man sich eine

gedeihliche Zusammenarbeit durchaus

vorstellen.

Vorteilhaft wäre es aus unserer Sicht,

wenn den Kollegien ausreichend Freiraum

bei Überlegungen und Entscheidungen

im Hinblick auf eine Weiterentwicklung

der Schulen gewährt würde.

Die Einrichtung einer Ganztagsschule

sollte weiter betrieben werden.

Schön wäre es, wenn sich Schule so

entwickeln würde, wie in dem Film

„Treibhäuser der Zukunft“ von Reinhard

Kahl, in dem aufgezeigt wird, wie erfolgreiches

Lernen stattfindet, wenn Schulen

Lebensorte sind. Das wünschen wir uns

auch für die Saarbrücker SchülerInnen

und LehrerInnen und unterstützen sie

bei der Umsetzung.

KARIN BURKART

SCHULPOLITISCHE SPRECHERIN

„König von Bayern“

ist zu auffällig

Ehrmanntraut

überliest Kleingedrucktes

Dass das Werbeschild für den „König

von Bayern“, das am Gustav-Regler-Platz

zwischen Rathaus und Stadtbibliothek

in überdimensionalem Ausmaß auf die

neue Ratskeller-Gastronomie aufmerksam

macht, zu groß geraten ist, ist inzwischen

auch der Stadtverwaltung aufgefallen.

Die hat offenbar den Pachtvertrag

mit dem Betreiber des Ratskellers, der

Bayerischen Gastronomie AG mit Sitz im

baden-württembergischen Ulm, nicht

richtig gelesen. Das musste Baudezernent

Dieter Ehrmanntraut zugeben, den

wir in der Fragestunde des Stadtrates

um eine Stellungnahme gebeten hatten.

Denn wir waren sehr verwundert, dass

eine kommerzielle Werbung in dieser

Form zulässig sein soll, während sich

andere öffentliche Einrichtungen am

gleichen Ort wie z.B. die Stadtbibliothek

mit Schriftzügen und Hinweisen am


Versorgungstechnische Entkernung der Stadt nicht zulassen

Einzelhandels- und Zentrenkonzept

ist dringend nötig

Saarbrücken

braucht ein klares

Einzelhandels- und

Zentrenkonzept.“

GUIDO VOGEL

BAUPOLITISCHER SPRECHER

Ein mehrheitlicher Beschluss des

Ausschusses für Bau- und Verkehr

und Freiflächen sieht die Genehmigung

eines Lebensmitteldiscounters

zwischen Brebach und Fechingen

auf der grünen Wiese vor. Wir

waren die einzigen, die sowohl im

Bauausschuss als auch im Bezirksrat

Halberg aus guten Gründen gegen

dieses Projekt gestimmt haben.

Gebäude wohltuend zurückhalten. Ehrmanntraut

gab zu, dass auch er das Schild

überdimensioniert finde und meinte, die

Stadt habe das Schild weder direkt genehmigt

noch bekäme sie Geld dafür. Heißt

im Klartext, dass Herr Ehrmanntraut offensichtlich

das Kleingedruckte im Vertrag

mit dem Betreiber überlesen hat. Denn

dort hieße es, das Schild diene als Hinweis

auf den Biergarten, der im Sommer

entstehen soll. Ansprüche der Stadt seien

durch den Pachtzins abgegolten, so der

Baudezernent auf unsere Anfrage. Nun

Denn der Standort ist weder städtebaulich

integriert noch verkehrstechnisch

sicher. In dem betroffenen Bereich zwischen

Brebach und Fechingen gibt es

bereits ein Problem mit Staus, das durch

den Lebensmitteldiscounter verschärft

würde.

Wieder einmal hat der Ausschuss

durch seine Entscheidung außerdem

mit dazu beigetragen, die Stadt und

ihre Teile versorgungstechnisch zu entkernen.

Das ist ökologisch und ökonomisch

das falsche Signal für eine positive

Stadtentwicklung. Denn wenn wir

solche Märkte weiterhin zulassen, tragen

wir mit dazu bei, die Stadtteilkerne zu

veröden und die Umwelt zu belasten, da

die Leute ihr Auto nehmen müssen, um

sucht man laut Ehrmanntraut gemeinsam

mit dem Betreiber nach Alternativen

und Oberbürgermeisterin Charlotte

Britz ist sich sicher, dass die Stadt

„das schon hinkriegt“. Künftig werde er

beim Abschluss von Pachtverträgen

auch besser auf solche Klauseln achten,

versprach Ehrmanntraut. Dies bleibt

im Sinne eines harmonischen Stadtbildes

zu hoffen.

GUIDO VOGEL

BAUPOLITISCHER SPRECHER

UMWELT & VERKEHR

den weiteren Weg an den Stadtrand zu

nehmen. Besonders irritiert sind wir über

das Abstimmungsverhalten des FDP-Vertreters

im Ausschuss, der sich zu Anfang

der Diskussion noch gegen die verkehrstechnische

Lösung, die den Bau des Discounters

ermöglichen soll, ausgesprochen

hat, aber im Laufe der Diskussion

gekippt ist, ohne dass sich eine Verbesserung

der Lage ergeben hat.

Tabu-Kriterien zum Schutz der

bestehenden Zentren

Wir bleiben bei diesem Thema auf jeden

Fall am Ball. Da sich das Problem grundsätzlich

stellt, weil die Stadtverwaltung

fast täglich in dieser Sache von interessierten

Lebensmittelketten angesprochen

wird, ist ein klares Einzelhandels-

und Zentrenkonzept von Nöten. Das

Stadtplanungsamt bemüht sich zwar

beispielsweise durch Veränderungssperren

bei Bebauungsplänen, das Problem

der Discounter auf der grünen

Wiese zu begrenzen, dennoch kommt es

immer wieder zu solchen Vorlagen wie in

Fechingen, die deutlich machen, dass ein

Gesamtkonzept für die Stadt notwendig

ist. Wesentlicher Bestandteil eines Zentrenkonzeptes

ist die Typisierung der

Standorte und Zentren sowie die Festlegung

von Tabu-Kriterien für die Ansiedlung

von Vorhaben mit schädlichen Auswirkungen

auf das bestehende Zentrengefüge.

Dies ist die Grundlage für eine

erfolgreiche Standortsteuerung aus den

nicht integrierten Standortlagen heraus,

die jedoch auch eine Abwehrplanung

notwendig macht. Es gilt, die bestehenden

integrierten Standorte zu pflegen

und durch gut geordnete Erweiterungsflächen

zu ergänzen. Ziel muss die Stärkung

der ausgewiesenen Zentren sein.

grün: konkret. 1 / 2006 13


UMWELT & VERKEHR

14

Saarbahn bis nach Neuscheidt ausbauen

Potenzial der Kreuzstruktur nutzen

Aus aktuellem Anlass haben wir

unsere Forderung nach einer

Achsenstruktur für die Saarbahn mit

Abzweigungen nach Nord, Süd, Ost

und West bekräftigt.

Die aufwendige Infrastruktur für die

Saarbahn ist auf eine Kreuzstruktur ange-

legt. Der große Umsteigebahnhof

am Hauptbahnhof

und die aufwendige

Einfädelung

auf die Strecke der Deutschen Bahn in

Malstatt sind da, um mindestens zwei

Linien zu bedienen. Deshalb macht die

Saarbahn nur Sinn, wenn langfristig

dieses Potenzial optimal ausgeschöpft

wird, ansonsten war sie eine Fehlinvestition.

Wir wollen daher den sofortigen Weiterbau

bis nach Neuscheidt. Hier sind die

Planungen am weitesten gediehen und

ein wirklicher Qualitätssprung im ÖPNV

durch die Saarbahn erreichbar. Falls sich

bei der geplanten Kosten-Nutzen-Analyse

herausstellt, dass die Strecke nach Völklingen

wirtschaftlich rentabler von einer

S-Bahn statt von der Saarbahn bedient

werden kann, wollen wir eine Machbarkeitsstudie

für Alternativen. Hier ist aber

das Verhalten der Stadtbahn GmbH mit

ihrem Generalvollbemächtigten Manfred

Backes vollkommen unglaubwürdig.

Anstatt kreativ und innovativ den

Saarbahnfortentwicklungsprozess voranzutreiben

und sich auch um Alternativen

zur Völklingen-Strecke zu bemühen,

scheint es, dass sich die Verantwortlichen

lieber hinter neuen Wirtschaftlichkeitsberechnungen

verstecken, um die

eigene Ratlosigkeit zu verschleiern. Dass

die Saarbahn nicht das billigste öffentliche

Verkehrsmittel ist, weiß man schon

seit etlichen Jahren. Man hat sich in der

Stadt aber bewusst für dieses hochwertige

ÖPNV-System entschieden, um die

Stadt langfristig von dem übermäßigen

Auto-Verkehr zu entlasten.

In der Konsequenz ist also nicht Zaudern

und Zögern angesagt, sondern

ein mutiges Entwickeln von Planungsalternativen.

Wir können uns beispielsweise

den Ausbau der Saarbahnstrecke

grün: konkret. 1 / 2006

nach Forbach gut vorstellen. Denn die

Saarbahn hat ihre Stärken vor allem im

grenzüberschreitenden Verkehr. Gerade

die Linie 1 nach Saargemünd hat deutlich

gezeigt, wie in hochwertiges ÖPNV-

System sich positiv auf das Zusammenwachsen

der Grenzregion auswirkt. In

einer solchen europäischen Kernregion

scheint uns die Förderungswürdigkeit

durch die Europäische

Union gegeben.

Die Linie nach Forbach würde außerdem

auch dazu beitragen, den innerstädtischen

Verkehr zu entlasten, wenn z.B.

„Der Weiterbau der Saarbahn

nach Neuscheidt wäre ein

Qualitätssprung für den ÖPNV.“

ein Haltepunkt am Calypso-Bad gebaut

werden würde.

In Stadt und Land muss man sich endlich

darüber klar werden, wo eine S-Bahn

und wo die Saarbahn optimale Einsatzmöglichkeiten

haben. Verheerend wäre

es, wenn beide Verkehrsträger aus parteipolitischen

Erwägungen heraus gegeneinander

ausgespielt würden.

GUIDO VOGEL

VERKEHRSPOLITISCHER SPRECHER

Baustelle Ostspange: Der Saarbahn-

Bahnsteig für die Strecke nach Neuscheidt

ist schon da - die Gleise nicht.

FOTO: GRÜNE

CDU bewegt sich bei der Müllverwiegung

So langsam wollen sie es auch…

Das Prinzip „Weniger Müll = weniger

Gebühren“ scheint auch die CDU mehr

und mehr zum Nachrechnen zu bewegen.

Nachdem die SPD ihren Schlingerkurs

verlassen hat und offen für die

Müllverwiegung wirbt, will nun auch

die CDU darüber nachdenken. Dies

zeigte bereits ihr Einlenken bei der Einführung

einer Grund- und Leistungsgebühr

(„grün: konkret. 2/2005). Im Werksausschuss

des Zentralen kommuna-

len Entsorgungsbetriebs (ZKE) und im

Stadtrat wurde einstimmig beschlossen,

dass sich eine beim ZKE ansässige

Arbeitsgruppe auch mit der Müllverwiegung

auseinandersetzt. Ziel ist

es, das System der Müllverwiegung an

die städtischen Strukturen anzupassen

und zeitnah einzuführen.

GUIDO VOGEL

UMWELTPOLITISCHER SPRECHER


Global denken, lokal handeln:

Grüne Energiepolitik 2006

„Von Energie-

Sparmaßnahmen

profitiert auch der

städtische Haushalt.“

GUIDO VOGEL

UMWELTPOLITISCHER SPRECHER

Auch in diesem Jahr werden wir uns

verstärkt für den Ausbau Erneuerbarer

Energien, die Nutzung von

Energiesparpotenzialen sowie den

Einsatz möglichst effizienter Technologien

der Energieumwandlung

einsetzen. Im Sinne der Nachhaltigkeit

und der Generationengerechtigkeit

ist es dringend erforderlich,

das Tempo der Änderung unserer

Energie-, Verkehrs- und Informationssysteme

hin zu nachhaltigen

Strukturen zu beschleunigen.

Leider wurden unsere Vorschläge im

Rahmen der Haushaltsverhandlungen

2005 zur Energieeinsparung in den städtischen

Gebäuden wie Schulen, Sporthallen

oder Kindergärten von der CDU-

FDP-Koalition konsequent abgeblockt.

Hier wird wohl gern übersehen, dass uns

die Zukunft mit hohen Energiepreisen

längst eingeholt hat und somit Erneuerbare

Energien und Maßnahmen zur Ener-

Suche nach Alternativ-Standort für Biergarten

Saartal-Nutzung

wird integrativ

geplant

Die Diskussion um den geplanten Biergarten

der Karlsberg-Brauerei auf der

Wiese vor dem Staatstheater hat wieder

einmal deutlich gemacht, dass das Saartal

dringend eine integrative Nutzungsplanung

braucht, die deutlich Vorrangflächen

für verschiedene Nutzungsarten

benennt. Wir sind nicht gegen den Biergarten,

allerdings gegen den Standort in

dem kulturell sensiblen Bereich vor dem

Staatstheater. Außerdem liegt der Biergarten

zu nahe am St. Johanner Markt,

gieeinsparung oft aus wirtschaftlichen

Gründen den konventionellen Lösungen,

basierend auf fossilen und atomaren

Energien, überlegen sind. Klarheit

hierüber könnten Energiekonzepte liefern,

deren Nutzen jedoch nicht erkannt

wurde und deren Finanzierung die Koalitionäre

im städtischen Haushalt verweigert

haben.

Und es kam leider noch schlimmer als

befürchtet, denn CDU und FDP verhinderten

nicht nur den nachhaltigen Fortschritt,

sondern strichen auch die Finanzierung

erfolgreicher Projekte wie „Ökologische

Schule“ oder „Ökologischer Kindergarten“,

nachdem sie der Fortführung

zuvor im Umweltausschuss zugestimmt

hatten. Die Projekte, die Kindergärten

und Grundschulen für ein ökologisch

sinnvolles Verhalten belohnen, führten

nach Abzug der Prämie zu einer jährlichen

Einsparung von 22.500 Euro.

In einer Presseerklärung im Dezember

2005 nahmen wir hierzu Stellung

und informierten die Öffentlichkeit darüber,

dass derzeit in der Energiepolitik der

Stadt die Weichen falsch gestellt werden,

was den Saarbrücker Haushalt in Zukunft

durch hohe Energiekosten stark belasten

wird. Auch werden die Möglichkeiten,

Arbeitsplätze in der Region zu schaffen,

nicht genutzt, denn Energieeinsparung

wo schon ohne die neue Konkurrenzsituation

ein Kneipensterben

zu konstatieren ist. Im Stadtrat

haben wir deshalb einen Antrag

eingebracht, der die Verwaltung

beauftragt, eine entsprechende

Nutzungsplanung zu erarbeiten,

die in allen Dezernaten abgestimmt

werden soll. Ein besonderer

Schwerpunkt soll dabei beim

Kulturdezernat liegen. Unser

Antrag, der die Verwaltung des

Weiteren beauftragt, einen Alternativstandort

für den Biergarten

zu suchen, wurde im Stadtrat einstimmig

beschlossen.

GUIDO VOGEL

BAUPOLITISCHER SPRECHER

FOTO: GRÜNE

UMWELT & VERKEHR

FOTO: GRÜNE

Autobahnbrücke in Güdingen

mit Lärmschutzwand

und Photovoltaik-Anlage

und der Einsatz Erneuerbarer Energien

schaffen regional Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit.

Wir werden auch in diesem Jahr weiter

auf Energiethemen aufmerksam machen

und Versäumnisse der Koalitionäre CDU

und FDP aufzeigen. Wir werden dazu

Fachgespräche führen und mit der

Stabsstelle für wirtschaftliches Energiemanagement

in Kontakt bleiben. Denn

wir sind die einzigen, die erkannt haben,

dass Ökologie und Ökonomie keine

Gegensätze sind und halten uns an den

Grundsatz „Global denken, lokal handeln.“

Ein Biergarten gehört nicht vor das

Staatstheater. Bei der Nutzungsplanung

für das Saartal soll

ein besonderer

Schwerpunkt beim

Kulturdezernat

liegen.

grün: konkret. 1 / 2006 15


STADTENTWICKLUNG

16

Investor ECE muss verantwortlich mit Bergwerksdirektion umgehen

Nicht ohne Einzelhandel

und Denkmalschutz

Wir haben uns dafür eingesetzt,

dass die ehemalige Bergwerksdirektion

und die Saargalerie zu einem

großen Einkaufszentrum umgebaut

werden. Aber der Investor muss den

Belangen des Denkmalschutzes

Rechnung tragen und gemeinsam

mit den EinzelhändlerInnen für

eine attraktive Innenstadt sorgen.

In dem geplanten Einkaufscenter in der

Nähe des Hauptbahnhofs sehen wir eine

Chance, die Attraktivität Saarbrückens

zu steigern. Die Fußgängerzone hat

dann an beiden Enden zwei Highlights,

Die Bergwerksdirektion nach dem Umbau zum

Einkaufszentrum in einer Simulation von ECE.

grün: konkret. 1 / 2006

mit denen sie punkten kann. Folgt man

dem so genannten ‚Knochenprinzip’, das

davon ausgeht, dass eine Einkaufsstraße

dann besonders gut funktioniert, wenn

sie oben und unten ein dickes Ende hat

wie ein Knochen, d.h., dass dort Publikumsmagneten

platziert sind, muss man

das Einkaufscenter befürworten. Es steht

damit keinesfalls in Konkurrenz zum St.

Johanner Markt, sondern stellt eine sinnvolle

Ergänzung dar. Das Einkaufszentrum

gibt sicherlich auch einen wichtigen

Impuls für die Geschäfte auf der gegenüberliegenden

Seite in der Bahnhofstraße.

Auch der entstehende Eurobahnhof wird

dadurch aufgewertet.

Einzelhandel muss

mit ins Boot

Dennoch ist darauf zu

achten, dass der Aufwand

im richtigen Verhältnis

zum Ertrag steht. Konkret

geht es darum, innerstädtische

Verkaufsangebote

nicht totzuschlagen, sondern

sinnvoll zu ergänzen.

Deshalb müssen die EinzelhändlerInnen

bei den

weiteren Planungen unbedingt

mit ins Boot. Denn die

Landeshauptstadt braucht

auch weiterhin eine attraktive

Einkaufsstraße. Es

bringt Saarbrücken keinen

Mehrwert, wenn die Filialisten,

die momentan in

der Bahnhofstraße ihren

Laden haben, in das neue

Einkaufszentrum umziehen.

Diesen Effekt, den

das Saarpark-Center in

Neunkirchen gehabt hat,

müssen wir in Saarbrücken

verhindern. Bei der Größenordnung

des neuen

Einkaufscenters steht es

zu befürchten, dass viele

Ketten dorthin umziehen,

ohne dass viele neue

Geschäfte entstehen. Deshalb ist es dringend

geboten, nun EinzelhändlerInnen

und Verantwortliche des Einkaufscenters

an einen Tisch zu bringen. Sinnvoll

und fair wäre es, wenn die Filialisten ihre

Verträge frühzeitig offen legen würden

bevor Geschäfte aus der Stadt „plötzlich“

aus der Bahnhofstraße verschwinden

und man sie im neuen Einkaufszentrum

wieder findet. Nur wenn die Stadt jetzt

rechtzeitig handelt, braucht sie später

kein Leerstands-Management zu betreiben.

In der Pflicht sehen wir auch die City-

Management GmbH. Denn wenn sich

die Landeshauptstadt schon eine City-

Management GmbH leistet, dann muss

diese sich auch um die Integration des

neuen Einkaufszentrums kümmern. Es

darf nicht passieren, dass das Einkaufszentrum

eine Konkurrenzveranstaltung

zum Einzelhandel wird.

Bauhistorischen Wert der

Bergwerksdirektion erhalten

Der Denkmalschutz muss beim Umbau

der Bergwerksdirektion unbedingt

berücksichtigt werden. Es reicht mit

Sicherheit nicht aus, nur die Fassade zu

erhalten. Für ein solches „Disneyland“

sind wir nicht zu haben. Vielmehr muss

es darum gehen, den bauhistorischen

Wert zu erhalten. Und das geht nur,

wenn die denkmalgeschützten Teile an

Ort und Stelle bleiben, weil sie nur dort

ihren vollen Wert haben. Soll heißen, beispielsweise

eine Treppe abzubauen und

woanders wieder aufzubauen oder die

Mosaiken herauszureißen und woanders

zu verlegen, ist nicht im Sinne eines verantwortungsvollen

Denkmalschutzes.

Das wäre ungefähr so absurd, wie wenn

man die Ludwigskirche abreißen würde,

um sie an anderer Stelle wieder aufzubauen.

Nun ist erst mal die Denkmalbehörde

am Zug. Und ECE in der Pflicht, auf

die Denkmalschützer zu hören. Nur dann

kann ein interessantes Ensemble aus Alt

und Neu entstehen, das die Innenstadt

aufwertet.

GUIDO VOGEL

BAUPOLITISCHER SPRECHER


Grüner Gastbeitrag aus dem Landtag

Die Verschuldung

Jugendlicher

verstärkt bekämpfen

„Überteuerte Angebote,

die zur Verschuldung

Jugendlicher führen,

haben keine Schonung

verdient.“

CLAUDIA WILLGER-LAMBERT,

FRAKTIONSVORSITZENDE

Die Landtagsfraktion der Grünen

hat die Landesregierung aufgefordert,

der Verschuldung von Jugendlichen

entschieden entgegenzu-

treten und einen entsprechenden

Beschlussantrag eingebracht. Die

Fakten: Obwohl das verfügbare

Einkommen bei Jugendlichen steigt,

steigt auch die Zahl der jungen

Menschen mit Schulden stetig an

und zwar überproportional.

Gerade Handyrechnungen sind eine

große Schuldenfalle bei Jugendlichen.

Im Jahre 2003 haben Jugendliche unter

18 Jahren bereits 72 Millionen Euro

monatlich für Handys ausgegeben. Verschiedene

Studien belegen, dass bei der

Altersgruppe der 20 bis 25-Jährigen die

Zahlungsschwierigkeiten am stärksten

zugenommen haben und junge Menschen

durchschnittlich bereits mit knapp

5.000 Euro im Minus stehen. Dabei ist die

Schuldenneigung umso größer je geringer

das Zahlungswissen und der Bildungsstandard

sind und je jünger die

betroffenen Menschen sind. Diese bundesweiten

Fakten entsprechen nach Auskunft

der SCHUFA auch der saarländischen

Situation. Die Verschuldung junger

Menschen ist deswegen so problematisch,

weil sie den Start in ein selbstständiges

Leben prägt. So hat man ebenfalls

festgestellt, dass 80 Prozent der Verschuldeten

dies bereits zum ersten Mal vor

ihrem 25. Lebensjahr waren. Nicht selten

führt die persönliche Zahlungschwierigkeit

auch zu einem Ausbildungsabbruch.

Der besser bezahlte Job wird als kurzfris-

tige Alternative zu der Ausbildung gesehen,

obwohl eine derartige Kurzschlussreaktion

langfristig erhebliche Nachteile

bewirkt. Fakt ist ebenso, dass es eine „vererbte

Armut“ gibt, da junge Menschen in

ihren Herkunftsfamilien lernen „über die

eigenen Verhältnisse“ hinaus zu konsumieren.

Dies ist umso dramatischer als

gerade Haushalte mit Kindern überproportional

von einer Verschuldung betroffen

sind.

Die Ursachen liegen in aggressiver

Werbung, vielfach unkritischem Konsumverhalten

und übersteigertem Markenbewusstsein

und ganz besonders in

der extensiven und unkritischen Nutzung

von Mobiltelefon und den „Mehrwertdiensten“.

CDU, CSU und FDP lassen Gesetz

gegen Abzocker scheitern

In Anbetracht dieser Situation ist es

unverantwortlich, dass CDU, CSU und

FDP im Vermittlungsausschuss ein Bundesgesetz

gegen Telefonabzocker haben

scheitern lassen. Nach diesem rot-grünen

Gesetzesentwurf aus der letzten Legislaturperiode

hätten Telekommunikationsanbieter

ihre Endkunden über die Kosten

von Mehrwertdiensten umfassend unterrichten

müssen. Ein Warnhinweis war

vorgesehen, wenn bei Abos mehr als 20

Euro im Monat veranschlagt werden. Die

Preishöchstgrenze für Mehrwertdienste

im Mobilfunk sollte auf 3,00 Euro angehoben

werden.

Für uns ist dies völlig inakzeptabel, da

untransparente und überteuerte Angebote,

die zur Verschuldung Jugendlicher

beitragen, keinerlei Schonung verdienen.

Die Zunahme der Verschuldungen

gerade bei jungen Menschen zeigt aber

auch, dass die bisherigen Konzepte nicht

reichen. Notwendig sind koordinierte

Maßnahmen, die die Fähigkeit, kontrolliert

mit Geld umzugehen, in Familie,

Schule und außerschulischer Jugend-

GRÜNE ANDERSWO

arbeit fördern. Aber auch mit Verbraucherorganisationen

und Schuldnerberatungsstellen

sind Konzepte auszubauen,

die an den Ursachen anknüpfen und

sowohl mehr Lebens- als auch Verbraucherkompetenz

vermitteln. Wir müssen

viel stärker informieren und sensibilisieren

und auch gegensteuern, zumal die

Wirtschaft mit ihren Werbestrategen auf

immer ausgefeiltere und undurchschaubare

Strategien setzt, um jungen Menschen

nicht nur das Geld aus der Tasche

zu ziehen, sondern sie in langjährige,

katastrophale Abhängigkeiten zu zwingen.

Ausdrücklich gelobt werden muss,

dass es in anderen Bundesländern gelungen

ist, die Wirtschaft an Projektmaßnahmen

gegen die Verschuldung von

Jugendlichen zu beteiligen. Derartige

Projekte müssen unbedingt auch hier

zum Einsatz kommen, da die Verschuldung

zu Ausgrenzung, Verstärkung von

Suchtverhalten, Leistungseinbrüchen

und auch Beschaffungskriminalität führt.

FOTO: GRÜNE

grün: konkret. 1 / 2006 17

FOTO: GRÜNE


GRÜNE ANDERSWO

18

Studiengebühren

Hochschulstandort

Saarbrücken in Gefahr

Die Landtagsfraktion der Grünen

lehnt die jetzt von der Landesregierung

angekündigte Einführung von

allgemeinen Studiengebühren im

Saarland strickt ab. Ab dem Jahr

2007 sollen einheitlich 500 Euro pro

Semester für das Studium an den

Saar-Hochschulen bezahlt werden.

Wir wollen alles daran zu setzen, dass das

Studium im Saarland auch weiterhin kostenfrei

bleibt. Studiengebühren schrecken

viele junge Menschen davor ab, ein

Studium zu beginnen. Das können wir

uns gerade in der Phase des Strukturwandels

im Saarland nicht erlauben.

Nach unserer Ansicht verschärfen Studiengebühren

die Selektion im Bildungsbereich

nach sozialen Gesichtspunkten.

Die Zukunft des Landes liegt jedoch in

den Köpfen und deshalb kann es sich

das Saarland nicht leisten, die Hürden

zur Erlangung eines Hochschulabschlusses

so hoch zu legen, dass es beispiels-

FOTO: LANDESHAUPTSTADT SAARBRÜCKEN

grün: konkret. 1 / 2006

weise für Kinder aus sozial schwächeren

Familien nicht mehr möglich ist, zu studieren.

Wir wollen eine grundlegende Reform

der Hochschulfinanzierung, die vorsieht,

Bildungsgutscheine für ein kostenfreies

Erststudium einzuführen. Die Zuweisungen

an die Universitäten sollen dann in

Abhängigkeit von Qualität und Quantität

der besuchten Lehrveranstaltungen

erfolgen. Diese „Studiencredits“ würden

sich nicht an der Studienzeit orientieren,

sondern an der tatsächlich in Anspruch

genommenen Leistung.

Wichtig ist, dass die Studierenden

dieses System mittragen würden. Wir

befürchten insbesondere Nachteile im

Wettbewerb für die Saar-Universität,

wenn allgemeine Studiengebühren im

Saarland kommen. Die Folge wird die

Abwanderung ins benachbarte Rheinland-Pfalz

sein, das auf die Erhebung auf

Studiengebühren verzichten will.

CLAUDIA WILLGER-LAMBERT

LANDTAGSABGEORDNETE

Manfred Jost, grüner Kandidat

„Der Stadtv

Erneuerbar

Am 12. März findet die Wahl zum

Stadtverbandspräsidenten statt.

Der hat wichtige Kompetenzen im

sozialen und im Arbeitsmarktbereich.

Um diesen Aufgaben gerecht

zu werden, sind neue Ideen und

viel Kreativität gefragt. Die Grünen

setzen dabei auf Manfred Jost. Der

55-Jährige Regierungsangestellte

hat sich als Vorsitzender der

Bergbaubetroffenen einen Namen

gemacht. Über seine Ziele und

Visionen sprach er mit Tina Schöpfer.

grün: konkret.: Was hat Dich dazu

bewogen, bei der Wahl zum Stadtverbandspräsidenten

zu kandidieren?

Manfred Jost: Politik wird in den kommenden

Jahren auf vielen Ebenen so

gefordert sein wie nie. Probleme wie

Arbeitslosigkeit, demografische Entwicklung,

die Integration unserer ausländischen

MitbürgerInnen und der

zukünftige Energieeinsatz müssen

gelöst werden, wenn wir Zukunft gewinnen

wollen. Diesen Aufgaben möchte

ich mich stellen.

grün: konkret.: Seit wann bist Du

bei den Grünen und was reizt Dich an

grüner Politik?

Manfred Jost: Ich habe bereits in den

80er Jahren politische Erfahrungen

gemacht. Von 1991 bis 1997 habe ich

„ein Sabbatjahr“ eingelegt, um mich

dann bei den Grünen einzubringen. Seit

nunmehr 12 Jahren gewinne ich große

Teile meiner häuslichen Wärme aus der

Sonne, seit 6 Jahren zapfe ich die Sonne

zur Stromerzeugung an. Mit meiner

Familie bin ich seit 4 Jahren stolzer Besitzer

eines Familienheimes mit „Grüner

Hausnummer“. Braucht es noch mehr

Gründe?

grün: konkret.: Aus ökologischer

Sicht sind das bereits sehr gute Gründe.

Aber es gibt natürlich auch noch wei-


für das Amt des Stadtverbandspräsidenten:

erband soll Zentrum

er Energien werden“

tere Themen. Wofür willst Du Dich stark

machen?

Manfred Jost: Ich will viele Schwerpunkte

setzen. Die wichtigsten sind die

Sozial- und Bildungspolitik, sowie die

Arbeitsmarktpolitik (ARGE). Ein wichtiges

Anliegen ist mir die barrierefreie

Gestaltung des gesamten Stadtverbandes,

damit behinderte und ältere Menschen

am gesellschaftlichen Leben teilhaben

können. Ferner liegt mir eine bessere

Integration der ausländischen MitbürgerInnen

am Herzen. Den Stadtverband

will ich zu einem Zentrum der Erneuerbaren

Energien ausbauen. Die Kulturarbeit

sowie die touristische Vermarktung

unserer Highlights wie „Alte Völklinger

Hütte“ und Saarbrücker Schloss müssen

verbessert werden. Und den Aufbau einer

echten Zweisprachigkeit in der Grenzregion

will ich unterstützen.

grün: konkret.: Wie schätzt Du die Entwicklung

des Stadtverbands ein? Welche

großen Zukunftsaufgaben sind zu bewältigen?

Manfred Jost: Ich bin zutiefst davon

überzeugt, dass weder das Saarland,

schon gar nicht der Stadtverband eine

„schwächelnde Landeshauptstadt“ Saarbrücken

vertragen. Demzufolge muss die

Position der „Stadt am Fluss“ nachhaltig

gestärkt werden. Ich sehe auch den historischen

Auftrag aus der Gebiets- und

Verwaltungsreform 1974. Das heißt, wir

kommen gar nicht umhin zu verändern,

Doppelstrukturen abzuschaffen, zu hinterfragen,

ob ein Stadtverband tatsächlich

drei hauptamtliche Führungskräfte

mit jeweils eigenem Stab benötigt, während

die Landkreise von einem Landrat

oder einer Landrätin geführt werden.

Meine Vision, die allerdings 15 bis 20

Jahre für die Umsetzung braucht, ist die

Großstadt Saarbrücken und eine Stadt,

die sich aus den Gemeinden des Warndt,

Völklingen und Püttlingen zusammensetzt.

Hinzu kommen natürlich die Verringerung

der Arbeitslosigkeit und die

Umkehr der Bevölkerungsentwicklung.

grün: konkret.: Wie sieht Dein Wahlkampf

aus? Hast Du einen vollen Terminkalender?

Manfred Jost: Ich diskutiere viel, werde

oft angesprochen, erfahre viel Zustimmung.

Es scheint, dass meine politischen

Thesen zur Diskussion herausfordern.

Über Langeweile kann ich nicht

klagen, viele Termine, innerparteilich

aber auch bei Vereinen und Institutionen,

gilt es wahrzunehmen.

grün: konkret.: Wo können die Leute

Dich im Wahlkampf treffen?

Manfred Jost: In den kommenden

Wochen trifft man mich beim Straßenwahlkampf

in den Gemeinden des Stadtverbandes

oder unter www.jost2006.de.

grün: konkret.: Wofür steht der Politiker

Manfred Jost?

Manfred Jost: Für Zuverlässigkeit und

Geradlinigkeit, aber auch für die Fähigkeit

„quer zu denken“.

grün: konkret.: Und wie sieht es mit

dem Privatmenschen aus? Was machst

Du in Deiner Freizeit?

Manfred Jost: Privat suche ich Zuflucht

in meinem persönlichen „grünen

Bereich“, meinem Garten. Mit Wanderungen

an der Steilküste der Bretagne

lade ich meine Batterien auf.

grün: konkret.: Du hast Dir als Vorsitzender

der Bergbaubetroffenen einen

Namen gemacht. Was nimmst Du aus

dieser Zeit für Deine jetzige Kandidatur

mit?

Manfred Jost: Mein Stehvermögen,

nämlich auch dann Bodenhaftung zu

behalten, wenn einem der Wind mitten

ins Gesicht bläst, und keine Angst vor

„großen Tieren“ zu haben.

grün: konkret.: Was ist Dein Lebensmotto?

Manfred Jost: Es findet sich immer ein

Weg!

GRÜNE ANDERSWO

grün: konkret.: Von welchem Wahlergebnis

träumst Du?

Manfred Jost: Einem Wahlsieg!

FOTO: GRÜNE

Zur Person

55 Jahre alt, geboren und wohnhaft in

Völklingen, verheiratet und Vater von

drei Kindern, stolzer Besitzer eines

Hauses mit grüner Hausnummer.

Beruf: Regierungsangestellter

Ehrenamtliches Engagement:

• Gründer und Vorsitzender der

Bergschadensgemeinschaft

Gemeindebezirk Völklingen e.V.

• Mitbegründer und Sprecher des

Landesverbandes der saarländischen

Bergbaubetroffenen

• Mitglied im Präsidium des Deutschen

Siedlerbundes, Gesamtverband

• Vorsitzender des Deutschen Siedlerbundes,

Landesverband Saarland

Surftipp: www.jost2006.de

FOTO: GRÜNE

grün: konkret. 1 / 2006 19


Die letzte Seite

Glosse: 400 Jahre strategische Unterwanderung

mit neuem Höhepunkt

„Das Nauwieser Viertel

ist längst Ziel einer

Nobelsanierungsoffensive

nach Schwabinger

Vorbild geworden.“

MARCUS BITTERLICH

FINANZPOLITISCHER SPRECHER

Zum Jahreswechsel öffnete im Ratskeller

ein gastronomischer Horchposten der

bayrischen Staatsregierung seine Tore.

Die Operation unter dem Decknamen

„König von Bayern“ ist dabei nur ein Höhepunkt

in der nun schon Jahrhunderte

andauernden kulturellen, wirtschaftlichen

und gastronomischen Unterwanderung

der Metropole am Saarufer. Bereits

zu Beginn des 17.Jahrhunderts setzte der

damalige Graf Ludwig (!) sprachliche wie

bauliche Zeichen: Er ließ das Ludwigs(!)-

Gymnasium bauen. Dieser bildungspolitische

Aufgalopp zur Umerziehung des

störrischen para-gallischen Völkchens

fand in einem Kulturkampf ohne Gleichen

seine Fortsetzung. Die Verstaatlichung

der Kohlengruben in der Folge

des Amtsantritts von Fürst Wilhelm-Hein-

rich im Jahre 1741 gab dabei nur einen

Vorgeschmack auf die industriepolitische

Bajuwarisierung, deren Ausläufer bis in

die Gegenwart (Stichwort: Maxhütte) im

Stammlande der süddeutschen Ursupatoren

zu beobachten sind.

In der Folge der Französischen Revolution

von 1789 gelangten die Saarbrücker

unter die Fittiche der Grande Nation,

nach der Niederlage Osk..., äh, Napoleons

bei Waterloo erbarmte sich Preußen

der in der Vergangenheit von dem diebischen

Bergvolk im Süden Deutschlands

so arg Bedrängten. Jedoch geht erneut

von einem Bauwerk im Herzen der Stadt

- diesmal auf der rechten Saarseite - ein

Fanal aus. Die Errichtung des Rathauses

St.Johann unter der Ägide des Architekten

Hauberisser macht deutlich, wer in

Saarbrücken in Zukunft die Lederhosen

anzuhaben vorhat. Denn der Repräsentativbau

ist nicht mehr und nicht weniger

als eine stilistische Kopie des Rathauses

der Stadt München!

Kurz ist nur das Aufatmen jeweils

nach den Weltkriegen: Für jeweils ein

paar Jahre schlüpft erneut die Doppelstadt

unter die Fittiche des lukullisch wie

grün: konkret. 1 / 2006

arbeitsethisch bewunderten Nachbarn

Frankreichs. Doch letztlich waren die

annektorischen Bestrebungen der Alpenrandbewohner

stärker. Schon mit der

Wahl Franz-Josef (!) Röders zum Ministerpräsidenten

1958, erst recht durch die

Eingemeindung der ehemals bayrisch

regierten Umlandgemeinden im Zuge

der Gebietsreform 1974 waren die Weichen

gestellt. Trotz eines letztes Aufbäumens

(Wahl Oskar Lafontaines, Städtepartnerschaft

mit der damals sozialistischen

Stadt Tbilissi) konnte letztlich der

schieren Finanzgewalt nichts mehr entgegengesetzt

werden. So ist längst die

Bayrische Landesbank Herr im Hause der

SaarLB, tagen regelmäßig bayrisches und

saarländisches Kabinett gemeinsam und

ist das Nauwieser Viertel Ziel einer Nobelsanierungsoffensive

nach Schwabinger

Vorbild geworden.

Jetzt erfolgte also letztlich nur der letzte

Schritt in Richtung totaler Kontrolle,

indem die Saarbrücker nunmehr auch

im Rahmen unausweichlicher Nahrungsaufnahme

in flüssiger wie fester Form

auf Helles, Haxn und Obatzden geprägt

werden. Tu felix Sarabrucca!

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