aufgaben und fragen zu thematischen schwerpunkten des films

file.api.dsb.educa.ch

aufgaben und fragen zu thematischen schwerpunkten des films

Quelle:

Text aus dem Referat «Meinung, Macht und

Manipulation – Medien unter Anklage»

von Prof. Dr. Roger Blum, Institut für

Kommunikations- und Medienwissenschaft

der Universität Bern

gehalten am AAM-Breakfast Meeting,

28. August 2008 in Bern

Meinung, Macht, Manipulation –

wie wirksam sind die Medien?

2

Meinung. Die Medien veröffentlichen Meinungen – in der Form von redaktionellen Kommentaren,

Beiträgen aussenstehender Kolumnisten, Interviews oder Zitate gesellschaftlicher Akteure oder Leserbriefen

und Blogbeiträgen. Die Wirkung solcher Meinungen wird allerdings meist überschätzt.

Zwar können Medien, die über lange Zeit immer wieder ins gleiche Horn stossen, ein bestimmtes

Meinungsklima schaffen. Aber es gelingt den Medien nicht, mit ihren Kommentaren Volksmehrheiten

umzustimmen. Die Schweizer Medien waren 1986 fast unisono für den Uno-Beitritt der

Schweiz – der Souverän sagte mit 75,7 Prozent Nein. Die Schweizer Medien waren 1992 fast

unisono für den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Der Souverän sagte mit 50,3

Prozent Nein. In der Meinungsbildung spielen eben nicht nur die Medien eine Rolle, sondern auch

die Prädispositionen der Leute sowie die Meinungen von Opinion Leaders. Diese informieren sich

zwar auch durch Medien, nutzen aber noch andere Quellen. Dadurch, dass die Medien Meinungen

veröffentlichen, missbrauchen sie ihre Macht nicht. Wichtig ist, dass die Fakten alle auf dem Tisch

liegen und dass das Medienkonzert aus einer Vielfalt von Meinungen besteht.

Macht. Den Medien kommt eine erhebliche Macht zu – ähnlich wie der staatlichen Verwaltung,

der Armee, den Banken, der Wirtschaft, den Gerichten, der Polizei. Weil die Medien Öffentlichkeit

herstellen, üben sie Macht aus. Ihre Macht besteht in der Selektionsmacht, Thematisierungsmacht

und Skandalisierungsmacht.

Mit ihrer Selektionsmacht können sie entscheiden, worüber nicht berichtet wird.

Mit der Thematisierungsmacht können sie das Gespräch der Leute beeinflussen und bestimmten

Themen enormes Gewicht verschaffen.

Mit der Skandalisierungsmacht können sie echte oder angebliche Missstände brandmarken und

Personen oder Sachverhalte mit einem negativen Image versehen. Mit diesen drei Facetten der

Macht können Medien sehr viel Schaden anrichten. Sie können diese Macht brutal ausnützen,

wenn sie darauf aus sind, jede Woche eine andere Sau durchs Dorf zu jagen. Sie können diese

Macht aber auch sehr verantwortungsbewusst ausüben und nur dann voll ausspielen, wenn es

schwerwiegende Missstände anzuprangern gilt.

Manipulation. Die Medien manipulieren, wenn sie Skandale je nach politischer Couleur oder je

nach geografischem Standort eines Unternehmens entweder dramatisieren oder herunterspielen.

Sie manipulieren, wenn sie Thesenjournalismus betreiben, also nur jene Befragten zitieren, die ihre

These stützen, und die anderen unterdrücken. Sie manipulieren, wenn sie wichtige Strömungen,

Meinungen und Bewegungen in der Bevölkerung nicht zur Geltung bringen. Solche Manipulationen

können nur die Redaktionen selber vermeiden – durch verantwortungsbewusste, sorgfältige,

umsichtige journalistische Arbeit und durch die Rücksicht auf die Regeln der Medienethik.

2 AUFGABEN UND FRAGEN ZU THEMATISCHEN SCHWERPUNKTEN DES FILMS SEITE 7

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine