Die Netzhaut ist keineswegs mit einem Bildschirm ... - Kaden Verlag

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Die Netzhaut ist keineswegs mit einem Bildschirm ... - Kaden Verlag

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Die Netzhaut ist keineswegs mit einem Bildschirm oder Fotofilm zu

vergleichen. Sie ist ein vorgeschobener Teil des Zwischenhirns, d.h.

sie stellt eine modifizierte Hirnrinde dar, eine Besonderheit innerhalb

der Sinnessysteme, die nur für das Sehorgan zutrifft. Durch

die Hirnstruktur der Netzhaut ergibt sich die Möglichkeit, die

Sinnesreize bereits innerhalb des Auges zu verarbeiten.

Immunohistochemische Färbung eines Sagittalschnittes

durch die Netzhaut. Doppel-Immunfluoreszenzfärbung

von Zapfenfotorezeptoren (grün)

und von Bipolarzellen (rot). Die Zapfenfotorezeptoren

wurden mit PNA (Peanut-Agglutinin) markiert,

die Bipolarzellen mit einem Antikörper

gegen das kalziumbindende Protein CaB5.

Für die Überlassung des Fotos danken wir Herrn Prof. Brandstätter,

Zoologisches Institut der Universität Erlangen-Nürnberg .


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Die von den Fotorezeptoren (1) aufgenommenen Lichtreize erzeugen

Erregungen, die innerhalb der Netzhaut durch zwei nachgeschaltete,

in den inneren Schichten lokalisierte Neuronensysteme

– die Bipolaren (2) und die Optikusganglienzellen (3) – sowie

durch Verschaltung in der Horizontalebene durch Horizontalzellen

und amakrine Zellen verarbeitet werden. Die Axone der Optikusganglienzellen

leiten diese Erregungen dann über den Sehnerven

(N. opticus) zu den visuellen Zentren des Gehirns weiter.

blau = Müllerzellen

grün = Horizontalzellen

rot = Amakrine Zellen

Sagittalschnitt durch die periphere Netzhaut.

Doppel-Immunfluoreszenzfärbung von Zapfenfotorezeptoren

und Bipolarzellen (rot) und von

Horizontal-, Amakrin- und Ganglienzellen (grün).

Die Zapfenfotorezeptoren und Bipolarzellen wurden

mit einem Antikörper gegen PKC alpha (Proteinkinase

C alpha) markiert, die Horizontal-,Amakrinund

Ganglienzellen mit einem Antikörper gegen

das kalziumbindende Protein Calbindin.

Für die Überlassung des Fotos danken wir Herrn Prof. Brandstätter,

Zoologisches Institut der Universität Erlangen-Nürnberg .


Die Linse besteht aus den zellulären, weichen

Linsenfasern (1), die vorne und hinten

in den Linsensternen (2) verankert sind.

Sie ist von einem elastischen Kapselsack

umgeben, so daß die Linse unbeeinflußt

eine Kugelform einnimmt. Die Flexibilität der

Brechkraft der Linse wird dadurch erreicht,

daß ein aktiv veränderlicher Muskel (Ziliar-

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muskel) über Haltefasern (Zonulafasersystem),

die an diesem Kapselsack peripher

befestigt sind, auf die Form der Linse einwirken

kann.

Der Ziliarkörper bildet in seinem vorderen

Bereich etwa 80 blattartige Fortsätze (Pars

plicata) aus, während der hintere Teil bis

zum Übergang zur Netzhaut mehr flächen-

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haft strukturiert ist (Pars plana). Die Ziliarfortsätze

ragen aus dem Zonulafasersystem

heraus und dienen hauptsächlich

der Bildung des transparenten Kammerwassers,

das die Augenlinse umspült und

u. a. auch für die Ernährung von Linse und

Hornhaut eine Rolle spielt.

Vordere Hälfte des Auges nach Entfernung des

Glaskörpers, von innen betrachtet. Man erkennt

die von den Zonulafasern gehaltene Linse, die

durch die Fixation des Auges nicht mehr transparent

ist und grau erscheint, sowie die strahlenartig

angeordneten Ziliarfortsätze der Pars plicata,

die peripherwärts in die Pars plana des Ziliarkörpers

übergehen.


Das Zonulafasersystem stellt kein einheitliches,

von der Pars plana bogenförmig zur

Linse verlaufendes Fasersystem dar, wie

dies meist im Rahmen der Helmholtzschen

Akkommodationstheorie beschrieben wird,

sondern es besteht aus zwei gerade

gespannten Systemen (1), die in der Mitte

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mit dem sog. Plexus (2) in den Ziliartälern

fixiert sind. Durch die Kontraktionsbewegung

des Ziliarmuskels (3) wird der Zonulaplexus

etwas nach vorne-innen verlagert,

so daß die Fasern der Zonulagabel vorne

entspannt werden und der Zug der Zonulafasern

an der Linsenkapsel nachläßt.

Desakkommodation

Akkommodation

Dadurch kann sich der elastische Kapselsack

zusammenziehen, so daß die Linse,

die vorher durch den Zug der Zonulafasern

abgeflacht war (Desakkommodation), eine

mehr kugelförmige Gestalt mit erhöhter

Brechkraft annimmt (Akkommodation).

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme des

Ziliarkörpers mit mehreren Ziliarfortsätzen und

dazwischen liegenden Zonulafaserbündeln, die

nach vorne (oberer Bildrand) in die Zonulagabel

übergehen.Am unteren Bildrand ist der Übergang

zur Pars plana des Ziliarkörpers mit den hier in

einer Ebene verlaufenden Zonulafasern zu erkennen.

Da die Glaskörpergrenzmembran entfernt

wurde, ist das zelluläre Relief des Ziliarepithels zu

sehen.


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Stromablatt

mit Gefäßen

V

Die Blutgefäße der Iris (rot im Schema) sind

systemgerecht in das gitterartige Bindegewebssystem

eingebaut, Das Vorderblatt

der Iris (V) ist besonders im Pupillarbereich

perforiert, so daß das Stroma hier mit dem

Kammerwasser in Kontakt kommt.

Stärkere Vergrößerung des Häutchenpräparates

der auf Seite 67 dargestellten Iris. Die CGRP-positiven

Nervenfasern bilden ein dichtes Geflecht,

das zum M. dilatator pupillae, zu den Irisgefäßen

und zur Irisvorderfläche zieht.


Das mechanische Filter des Trabekelwerkes

bestimmt die Kammerwasserabflußrate.

Abflußrate und Sekretionsrate im Bereich der

Ziliarfortsätze bestimmen im Wesentlichen

das Volumen des intraokulären Kammer-

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SK

wassers und damit die Höhe des Augeninnendruckes.

Das mechanische Filter wird

vor allem von dem äußeren Anteil des Trabekelwerkes

gebildet, das an den Schlemmschen

Kanal (SK) angrenzt. Die Innenwand

V

SK

des SK ist durch Zellfortsätze sowie durch

elastische Fasernetze (rot) mit der Elastika der

Trabekellamellen (unten im Bild) verbunden.

V = Giant vacuola

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme des

Innenwandendothels des Schlemmschen Kanals,

vom Lumen des Kanals aus betrachtet. Die vorspringenden

Zellabschnitte enthalten die Zellkerne

oder die großen Vakuolen (Giant vacuoles,

V im Schema).


Die Menge des Kammerwasserabflusses

pro Zeiteinheit – die Fazilität – kann durch

den Ziliarmuskel beeinflußt werden. Die

vorderen Sehnen des Muskels setzen nicht

nur am Sklerasporn und an der Kornea an,

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sondern feine Sehnen ziehen auch in das

elastische Netz des Trabekelwerkes (1) und

unter die subendotheliale Region des

Schlemmschen Kanals (2). Bewegt sich der

Ziliarmuskel (3) bei der Kontraktion nach

vorne-innen, wird mit Hilfe dieser Sehnen

das Trabekelwerk entfaltet, das Lumen des

Kanals erweitert und die Fazilität („Abflußleichtigkeit“)

erhöht.

Flachschnitt durch das äußere Trabekelwerk

(modifizierte Resorzin-Fuchsinfärbung zur Darstellung

elastischer Fasern). Eine senkrecht im

Bild verlaufende Sehne des Ziliarmuskels setzt

fächerförmig an den mehr horizontal verlaufenden

elastischen Fasern des Trabekelwerkes an.

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