Archiv für österreichische Geschichte

scans.library.utoronto.ca

Archiv für österreichische Geschichte

6

Als jetzt allein bekannter Repräsentant der Legenda

maior ist die Handschrift Nr. 3662 der Wiener Hofbibliothek

zu nennen.^ Dieselbe rührt aus Mondsee her und

wird daher gewöhnhch als Codex Lunaelacensis citiert. In ihr

sind ausser vielen anderen Legenden Bl. 87 a bis 104 b die

Stephanlegende von Hartwich, ferner die Legenden Emerichs,

Gerhards und Ladislaus' enthalten. Die Gerhardlegende reicht

von Bl. 95 b bis 102 b. Aus ihr hat zunächst der Bischof Ignaz

Graf de Batthiäny die Legende in seiner ausführlichen Arbeit

publiciert (S. 301—359), die unter dem Titel ,Sancti Gerhardi

episcopi Chanadiensis Scripta et Acta hactenus inedita, cum

Serie episcoporum Chanadiensium' zu ,Albo-Carolinae' 1790

erschien. Hiezu sind seine Ausführungen S. XLII zu vergleichen.

Auch mag darauf verwiesen werden, dass Batthiäny die Les-

arten der älteren Drucke der Gerhardslegende (Wien, Surius,

Acta Sanctorum) verzeichnet. Ein Wiederabdruck derselben

Redaction findet sich bei Endlicher, Mon. Arp. I, S. 205 ff.

Ausser der Wiener Handschrift enthielt die Legenda maior

auch ein nun verschollener Codex, welcher dem Benedictinermönche

Wion am Ende des 16. Jahrhunderts in Venedig vorlag.

Von den fünf Hauptquellen, welche nach seinen oben citierten

Mittheilungen ihm zugänglich waren, enthielten die zwei Drucke

und eine Handschrift die Legenda minor (wahrscheinlich in

ihrem ganzen Umfange); die zweite Handschrift war ein Auszug

aus dieser; die dritte Handschrift war aber unsere Legenda

maior. Dies geht aus folgenden Umständen hervor. Aus seinen

Ausführungen in den ,Annotationes^, Bl. la und b ist es klar,

dass in seinem ,Archetypon praecipuum^ oder ,principale' der

Eingang ,Gaudia quae Christi participibus dies hodierna con-

tulit . . .' nicht vorhanden war; er hat ihn der Legende ,ex

alijs quatuor exemplaribus, duobus manuscriptis et duobus impressis'

vorgesetzt. Nun ist aber dieser Eingang der Legenda

minor und allen mit ihr zusammenhängenden Redactionen eigen,

nicht aber der Legenda maior. Diese beginnt sofort mit den

Nachrichten über den Vater des Heiligen, wie dies in der

Wiener Handschrift der Fall ist, und wie dies auch aus den

Ueber die Handschrift vergleiche man Tabulae codicum mann scriptorum in

Bibl. Pal. Vind. III, 48 f. Dass ich diese Handschrift in Czernowitz

benutzen konnte, verdanke ich dem gütigen Entgegenkommen der Direction

der Hofbibliothek, der ich auch an dieser Stelle meinen besten Dank sage.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine