Archiv für österreichische Geschichte

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der Chronik die allein richtige ist. Das wäre doch ein ganz

eigenthümlicher, ja unerkläi-licher Vorgang. Wir dürfen daraus

schliessen, dass die Chronik dem Legendenschreiber nicht vorlag,

denn es ist gar kein Grund vorhanden, dass derselbe gegenüber

seiner Quelle gerade die von derselben auf das bestimmteste

verworfene Ansicht aufgenommen hätte, da ihm doch dieselbe

Quelle eine für ihn ebenso annehmbare andere bot. Zieht man

ferner den Umstand in Betracht, dass die Polemik gegen die

Abstammung der drei Arpaden von Vazul sich in Keza und

in der Nationalchronik findet, so kann man mit grosser Wahr-

scheinlichkeit annehmen, dass dieselbe bereits in der gemeinsamen

Quelle beider, den oft genannten Gesta Hungarorum

vetera, stand. In diesem Falle wären die eben besprochenen

Stellen ebenso wie die vorhergehende ein Beweis auch für den

Umstand, dass die Legende auch nicht die Gesta vetera aus-

schrieb. Für jeden Fall ist ganz offenbar die Anschauung, dass

die drei arpadischen Brüder Söhne des Vazul waren, die ältere;

denn gegen sie streitet bereits Keza und die Nationalchronik,

und vielleicht kämpften dagegen bereits auch die älteren Gesta

Hungarorum, wie eben ausgeführt worden ist. Dagegen ist die

Behauptung, dass diese drei Arpaden Söhne des Zar Ladislaus

seien, ganz offenbar die jüngere oder erst später in die Jahrbücher

aufgenommene. Dass aber diese, wenigstens seit Keza

(1270) verbreitetere Version, trotzdem der Gerhardlegende (auch

in der erweiterten Form) nicht bekannt ist, spricht für deren

Entstehung im 13. Jahrhundert.

Keza, S. 83.

Schliesslich sind noch folgende Stellen in Betracht zu ziehen:

Qui (Andreas, Bela

et Lewenta) cum in

Pest advenissent ab-

sconse sicut poterant,

statim

Chr. Budense, S. 92—94.

Cum autem (Endre et

Levente) venissent ad

Novum Castrum, quod

Aba rex construxerat,

ecce universa multitudo

Hungarorum cater-

vatim confluxit ad ipsos

et instinctu diabolico

inflammati, pervicaciter

petiverunt ab Endre et Le-

vente, quod permitterent

Legende, S. 227 f.

Sicque Bela ibidem

(Polonia) remanente,

Endre et Leventhe ad

Ungariam venerunt.

Confluxitque ad eos

universa multitudo

Un g a r r um in civitate

Pest. Qui instinctu

diabolico. . . .

fast wörtlich das-

selbe: nur steht neben

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