Archiv für österreichische Geschichte

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erzählt wird, durchaus glaubwürdig.^ Diese Verhältnisse berührt

von den uns bekannten ungarischen Quellen nur noch der anonyme

Notar, wie dies bereits in der Studie IX, S. 378 ausführlich darge-

than worden ist. Wir sind dort zum Schlüsse gekommen, dass der

Anonymus entweder die Legende des heil. Gerhard oder, was

wohl das Richtigere ist, eine dieser nahestehende Quelle vor sich

hatte; im letzteren Falle hätte man jedenfalls an die Aufzeichnung

zu denken, der auch der Interpolator der Legende seine Nach-

richten entnahm. Eine genauere Untersuchung des Verhält-

nisses scheitert an dem Umstände, dass der Anonymus die mit

Achtum zusammenhängenden Nachrichten nur in vorgreifenden

Bemerkungen berührt, seine Darstellung aber nicht mehr in

dessen Zeiten reicht; so bieten sich zu wenig Vergleichspunkte

dar. Ebenso erscheint die Erzählung der Legenda maior über

den Heidenaufstand, dem der Heihge zum Opfer fiel, völlig

glaubwürdig.^ Die Erzählung der Legende stimmte offenbar

in den Hauptzügen mit jenen ,Antiqui libri de gestis Hungarorum'

zusammen, welche der Verfasser der nationalen Grund-

chronik neben der Legende benutzt hat, und aus deaen

er nur noch in wenigen Zügen die Darstellung der Le-

gende vervollständigte. Es ist darüber bereits oben gehandelt

worden.

Schliesslich mag noch bemerkt werden, dass aus der

Kürze der älteren Legendenredaction, insbesondere deren ge-

ringerer Fülle an Nachrichten zur politischen Geschichte, durch-

aus kein Zweifel gegen ihr höheres Alter entstehen kann. Ist

^ Hiezu sind meine »Beiträge zur älteren ungarischen Geschichte' (Wien,

1893), besonders Nr. I und II, zu vergleichen. — Die ältere Eedaction

der Gerhardlegeude nennt Achtum nicht und geht überhaupt über diese

Verhältnisse rasch hinweg. Im § 3 lesen wir bloss (S. 722): Interim

praefatus rex Stephanus ut robustissimus Josue impietatum gentium delevit

crudelesqixe paganorum mores superavit ac plurimorum corda ad recipienda

sanctae fidei semina praeparavit. Videns autem rex regnum suum

pacis tranquillitatem adeptum servum domini ab heremo revocavit . . .

'^ Aba wird in der älteren Legende nicht mit Namen genannt. Wir lesen

in derselben, § 7 (S. 723), nur: . . . fidem ac dilectionem conjurassent,

unus ex iis dejecto rege regalem cathedram injuriose usurpavit. — Der

Aufstand der heidnischen Partei wird nur kurz erzählt, § 10 (S. 723):

Uno lustro evoluto secundoque inchoante, praedicta seditio exorta est.

In qua dum ad Albam regiam urbem vir Dei remearet, in eccle.siam

sanctae Sabinianae . . .

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