Grundriss der Geschichtswissenschaft zur Einführung in das ...

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Grundriss der Geschichtswissenschaft zur Einführung in das ...

Vorwort zur ersten Auflage.

Im gegenwärtigen Momente die Verfassungsgeschichte der früheren Jahrhunderte

darstellen zu wollen in der Weise, daß die Darstellung die für einen

Grundriß nötigen klaren Bilder liefert, war ein schwieriges Unternehmen. Es ist

in den letzten Jahren eindringender Forschung so manches in eine andere Per-

spektive gerückt als wie es früher erschien; scheinbar völlig gesicherte Ergebnisse

sind wieder ins Wanken geraten und teilweise ganz neue Probleme tauchten in

plötzlicher, scharfer Beleuchtung aus der grauen Verschwommenheit auf. Ich

habe mich bemüht, die für die Zwecke des Grundriß einigermaßen gesicherten

Positionen zu gewinnen und in den Kontroversgebieten, in denen der Boden

schwankte, eine solche Stellung zu nehmen, daß der Leser die Haltbarkeit meines

Standortes selbst zu prüfen und über das Streitobjekt sich zu orientieren in die

Lage gesetzt wurde. Hierzu waren reiche Literaturnachweise notwendig, die bis

zur letzten Korrektur das Neueste mit Auswahl zusammentrugen. Ganz scharf

war eine Scheidung der Verfassungsgeschichte von der Wirtschaftsgeschichte nicht

überall durchzuführen, da der Verfassungshistoriker der wirtschaftlichen Momente

zur Erklärung verfassungsrechtlicher Bildungen nicht entbehren kann. Auch die

Grenze gegen die Bearbeitung der neueren Verfassungsgeschichte sollte nicht

schroff gezogen werden, da sich die verfassungsgeschicbtliche Entwickelung doch

eigentlich nicht ohne Zwangsmittel in die übliche Trennung von Mittelalter und

Neuzeit scheiden läßt. Deshalb ist auch in unserer Behandlungsart der größere

Einschnitt im 13. Jahrhundert gemacht worden. Nach dem 13. Jahrhundert ist

nur in einigen Hauptrichtungen bis ins 15. Jahrhundert hinübergegriffen worden,

während andererseits der Bearbeiter der neueren Verfassungsgeschichte hier ausholend

zurückgreifen und Nachlese halten wird.

Meister.

Vorwort zur zweiten Auflage.

Über anaerthalb Jahr ist die „Verfassungsgeschichte" im Buchhandel ver-

griffen gewesen. Ein Jahr Dekanat und darauf ein Jahr Rektorat haben es ver-

schuldet, daß die Umarbeitung nicht rechtzeitig fertig war, und die zweite Auf-

lage so verspätet erscheint.

An der Art der Bearbeitung ist Einiges geändert. Den Hauptabschnitten

sind einleitende Bemerkungen vorausgeschickt worden, in denen größere Gesichtspunkte

hervorgekehrt und die Zusammenhänge hergestellt sind. Die ganze Anlage

zu ändern, konnte ich mich nicht entschließen, da sie mir so, wie sie ist, am

besten pädagogischen Anforderungen zu entsprechen seheint und die Zwecke des

Grundrisses besser erfüllt, als eine historische Erzählung und Einflechtung in den

Rahmen der politischen Geschichte.

Man wird die bessernde Hand wohl erkennen. Zu den neuen Fragen habe

ich Stellung genommen und mit meiner Meinung nicht zurückgehalten.

So möge denn die zweite Auflage eine gleich wohlwollende Aufnahme er-

fahren wie die erste. Ich danke allen denen, die durch ihre Kritik die Sache ge-

fördert haben.

Münster, 16. Juni 1913. Meister.

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