Dominanz – ein oft missverstandener Begriff

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Dominanz – ein oft missverstandener Begriff

Dominanz ein oft

missverstandener Begriff

von Silvia Imholz

Wir kennen es alle, das so genannte dominanteVerhalten,das

Machogehabe einiger

Hunde: Sie markieren den Boss

und provozieren inner- und zwischenartliche

Machtkämpfe. Ihre meist

rüpelhaften Umgangsformen führen zu

regelmässigen Problemen in der Hund-

Mensch-Beziehung. Ausserdem entstehen

bei Alltagsbegegnungen mit anderen

Hunden unangenehme aggressionsgespickte

Situationen, die sowohl für

die Hundehalter selbst als auch für die

Hunde zur dauerhaften Belastung werden.

Mit diesem Artikel möchte ich auf diese bis

anhin oft missverstandene Verhaltensauffälligkeit

unserer Hunde näher eingehen und

die Zusammenhänge aufzeigen. Sehr oft

wird nämlich ein solcher Hund als dominant

bezeichnet,was jedoch aus verhaltenskundlicher

Sicht in den meisten Fällen nicht wirklich

zutrifft. Dem BegriffDominanz“ wird

folglich die falsche Bedeutung zugemessen.

Alltägliche Verhaltensweisen, die wir bisher

als logisch akzeptierten und von denen wir

oft meinen, sie seien angeboren, widerspiegeln

bei näherer Betrachtung etwas ganz anderes.

So gehe ich in diesem Beitrag vor allem

zwei Fragen nach:Was bedeutet Dominanz?

Und: Warum zeigen gewisse Hunde

ein Machogehabe?

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Dominanz in der Verhaltenskunde

Aus dem Lexikon der verhaltensbiologischen

kynologischen Begriffe von Andrea

Weidt (SHM 7/01) zitiere ich auszugsweise

den BegriffDominanz“: „In der Verhaltenskunde

wird der Begriff Dominanz zur Kennzeichnung

der Stellung eines Individuums

innerhalb einer sozialen Rangordnung benutzt.

Dabei wird das jeweils überlegene

Tier als dominant bezeichnet. Rangordnungsstrukturen,

auch als Dominanzhierarchien

benannt, finden sich bei vielen Wirbeltieren.

Auch bei unseren Hunden treten

sowohl zwischen Artgenossen als auch zwischen

dem Hund und dem Menschen Dominanzhierarchien

auf. Dominanzhierarchien

sind dabei nicht einfach vorhanden, sondern

bilden sich erst in einer Sozialstruktur

wie beispielsweise zwischen dem heran-

Innerhalb eines Sozialverbands bilden sich Dominanzhierarchien, d. h. Rangordnungsstrukturen aus. Hier

abgebildet ist die Mutterhündin (hinten) mit einem ihrer Welpen sowie ihre erwachsene Tochter. Foto: J. Giger

Foto: Maudi


wachsenden Hund und dem Hundehalter

aus. Dominanzbeziehungen sind daran erkennbar,

dass das eine Individuum den Interaktionspartner

überlegen oder unterlegen

behandelt. Dominante Individuen weisen

dabei so genanntes Dominanzverhalten,

wie beispielsweise Drohen oder rangklärendes

Kämpfen,auf.Untergeordnete Interaktionspartner

zeigen dagegen in der Regel Unterlegenheitsverhalten,

wie Ausweichen,

aber auch aggressive Selbstverteidigung.Bereits

beim Spiel der Welpen wird die ganze

Bandbreite des Dominanz- und Unterordnungsverhaltens

,durchgespielt’.“

Demzufolge kann bei flüchtigen und gelegentlichen

Hundebegegnungen, wie wir

sie meist täglich erleben, nicht von Dominanz

gesprochen werden, weil diese sich ja

nur in einer Sozialstruktur entwickeln kann!

Hier offenbart sich rein begrifflich also ein

folgenschweres Missverständnis,was bisher

viele Hundehalter als so genanntes dominantesVerhalten

bezeichneten,wurde falsch

interpretiert. Bei gewöhnlichen Hundebegegnungen

kommt somit nicht die

Dominanz, sondern die Fähigkeiten der

Hunde zum Ausdruck, die Signale des Gegenübers

zu erkennen,zu verstehen,richtig

einzuordnen und durch angemessenes Ver-

Bei flüchtigen oder gelegentlichen Hundebegegnungen

kann nicht von Dominanz gesprochen

werden. Foto: H. Scherrer

Verhalten

Bei schwächeren Welpen hinterlässt ein rüpelhafter Macho Eindruck sein unsoziales Verhalten führt bei

diesen Welpen zum Erfolg. Foto: J. Giger

halten darauf zu reagieren. Ein ganz natürlicherAblauf

also.Wie Individuen aufeinander

reagieren,hängt von vielen Faktoren ab,beispielsweise

dem frühen sozialen Lernen und

den dadurch gemachten Erfahrungen, der

sozialenWahrnehmungsfähigkeit insgesamt,

der momentanen Situation und insbesondere

auch vom Verhalten der Hundebesitzer.

Dominanzstrebend auf der Suche nach

Sicherheit und Grenzen

Es liegt in der Natur des Hundes, dass er bereits

im Welpenalter versucht, seine Bedürfnisse

und Interessen durchzusetzen sowie

seine Stellung in der Rangordnung innerhalb

der Wurfgemeinschaft zu „verbessern“. Das

Streben nach Dominanz ist ein natürlicher

Vorgang. Selbstverständlich gibt es dabei

grosse Unterschiede,die von Rasse zu Rasse

oder auch von Hund zu Hund verschieden

stark ausgeprägt sind. Um sich jedoch in einer

Gemeinschaft einordnen zu können,

werden schon den Welpen von der Mutterhündin

klare Grenzen gesetzt. Es entstehen

und festigen sich Rangordnungsstrukturen.

Andernfalls kann unter natürlichen Bedingungen

ein Rudel nicht auf Dauer bestehen.

Lebt der Welpe in keiner gefestigten Sozialstruktur,

entwickeln sich bei ihm Verhaltensweisen,

die wir in der Umgangssprache

Machogehabe nennen,und die wir bei unserenVerhaltensanalysen

als Dominanzstreben

bezeichnen.Im so genannten Machogehabe

erkennen wir also ein unkontrolliertes und

nicht kanalisiertes Dominanzstreben.

Wir leben in einer anspruchsvollen Zeit sowie

auf dicht besiedeltem Raum, wo Begegnungen

zwischen Hunden und Menschen

ohne Belastungen ablaufen sollten.Für Hunde,

die sich verträglich in unserer Gesellschaft

einordnen sollten, ist es deshalb notwendig,

dass ihnen durch soziales Lernen

die Grenzen gegenüber ihren Artgenossen

und den Menschen vermittelt werden.

An den Muster- und Modellprägungsspieltagen

in Zürich beobachten und analysieren

seit etlichen Jahren Dina Berlowitz, Heinz

Weidt sowie deren Teammitglieder das Verhalten

vonWelpen und suchen nach den Ursprüngen

von erwünschten oder unerwünschten

Verhaltensweisen. Unter anderem

beschäftigen sie sich mit der

Fragestellung und den Verhaltenstendenzen

von Welpen, die Dominanzstreben zeigen.

AlsTeammitglied befasse ich mich ebenfalls

mit diesem Thema, indem ich mich im Wesentlichen

auf das Filmen,Beobachten sowie

Analysieren der Anzeichen des Dominanzstrebens

konzentriere.

Wie und woran erkennen wir das unkontrollierte

und nicht kanalisierte Dominanzstreben

frühzeitig? Warum und wie können

wir dem entgegenwirken? Wie können wir

dem Welpen in tiergerechter Weise ein sicheres

Sozialverhalten vermitteln, sodass er

auf den richtigen Weg kommt und wir diesbezüglich

keine Schwierigkeiten in der Haltung

mit dem erwachsenen Hund haben?

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Verhalten

Ein Anzeichen des Dominanzstrebens ist beispielsweise, dass sich ein solcher Welpe mit seinem ganzen

Körpergewicht auf den Schwächeren legt. Foto: J. Giger

Ansätze rechtzeitig erkennen

Um das Verhalten eines dominanzstrebenden

Welpen aufzuzeigen, beobachten wir

den 10-wöchigen Luno.Er ist seit 4Tagen bei

seiner neuen Familie,hat sich dort schon etwas

eingewöhnt und kommt zum ersten Mal

in eine Prägungsspielstunde. Der weitere

Verlauf wird am Beispiel eines fiktiven Geschehens

dargestellt.

Wir stehen am Anfang einer Prägungsspielstunde,

resp.Welpenspielstunde. Die ganze

Familie ist mit Luno anwesend.In dieser Prägungsspielstunde

lernen sich die

Neuankömmlinge zuerst auf der Einspielwiese

näher kennen, indem sie sich z. B. gegenseitig

beschnuppern oder beobachten

können. Luno läuft auffallend breitbeinig,

mit hoch erhobener Rute in der Welpengruppe

und zwischen den Menschenbeinen

umher. Er hat die Nackenhaare gestellt. Ein

unkundiger Beobachter könnte dieses Ausdrucksverhalten

wie folgt interpretieren:Luno

läuft stolz umher und motiviert die anderen

Welpen zum Spielen.

Dann macht Luno Jagd- und Rennspiele mit

den anderen Welpen, wobei er sie anrempelt.

Dadurch findet er schnell heraus, welches

die Schwächeren unter ihnen sind,weil

sie durch seine Rempelei beeindruckt sind

und sich deshalb kaum zu wehren vermögen.

Einem von ihnen rennt er nach, macht

einen Bodycheck, packt ihn am Hals oder

Hinterteil, wirft ihn zu Boden und legt sich

mit seinem ganzen Körpergewicht auf ihn.

Obwohl sich der Welpe artgerecht, auf dem

Rücken ruhig liegend,ergeben hat,bleibt Luno

noch länger auf ihm liegen.

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Schweizer Hunde Magazin 2/03

Sofort, nachdem Luno den scheinbar

Schwächeren wieder hat aufstehen lassen,

rennt er ihm wieder nach, und sein Machogehabe,

also das ungebremste Dominanz

streben geht von neuem los.Zwischendurch

schnüffelt er alleine,scheinbar uninteressiert

herum und sucht sich währenddem ein

„neues Opfer“ aus. Er rennt dem Welpen

nach,packt ihn,wirft ihn zu Boden und liegt

wieder mit seinem ganzen Körpergewicht

auf ihm. Es fällt auf, dass Luno immer oben

draufliegt und/oder darüber steht, er selbst

liegt nie auf dem Rücken.Es findet kein wirkliches

Spielen statt,kein Rollenspiel,d.h.einmal

unten liegen,einmal oben stehen.Wir beobachten

nur Renn-,Zerr- und Rempelspiele

mit schwächeren Artgenossen.

Der Gruppenleiter fordert die Besitzer (d.h.

die Hauptbezugspersonen) auf, die Welpen

zu sich zu locken. Das sollen sie mit fröhlichem

„Indianergeheul“ tun oder mit dem

Lockruf des Züchters.

Lunos Hauptbezugsperson ruft ihn zu sich,

aber Luno rennt an ihr vorbei.Trotz wiederholtem

Rufen und Locken scheint es, dass

Luno sie weder sieht noch hört.Stattdessen

schnüffelt er auf Distanz interessiert am Boden.

Die Hauptbezugsperson schaut ihm zu

und wartet.Nun ruft sie ihn erneut.DerWelpe

läuft auf sie zu, macht aber kurz vor ihr

einen Bogen.Die Hauptbezugsperson rennt

in die entgegengesetzte Richtung,kniet sich

in die Hocke und ruft wieder.Bevor Luno erneut

an ihr vorbeirennen kann,streckt sie ihreArme

aus und fängt Luno mit den Händen

ein.Luno scheint nicht zu wissen,wo er hingehört.

Wie entsteht unkontrolliertes und

nicht kanalisiertes Dominanzstreben?

Aus unzähligen Beobachtungen zeigt sich in

der Regel ein gemeinsames Muster: Dominanzstrebende

Welpen sind sehr unsicher,

da sie bisher noch keine sichere Bindung zu

ihrer Hauptbezugsperson aufbauen konnten.

Sie befinden sich in einem gewissermassen

haltlosen Gefüge,ohne stabilisierende

Leitplanken. Das gegenseitige Vertrauensverhältnis

ist nicht ausreichend

gewachsen, die Rangordnung ist nicht geregelt

von beidem müsste jedoch mehr sichtund

spürbar sein, damit eine sichere Verhaltensentwicklung

der Welpen gewährleistet

wäre. Die fehlende innere Sicherheit ihrer

Bezugsperson vermittelt ihnen Unsicherheit.

Es fehlt die Stütze,die sie bräuchten,um

ihr Umfeld spielerisch entspannt erkunden

zu können.

Dominanzstrebende Welpen haben noch

nicht ausreichend die Möglichkeit bekommen,

ihre natürlichen Ängste und Unsicherheiten

selber zu bewältigen und dadurch an

innerer Sicherheit zu gewinnen.Das ist auch

der Grund, weshalb neue Situationen, aber

Eine sichere Bindung zu seiner Hauptbezugsperson

würde diesem Welpen helfen, spielerisch und entspannt

sein Umfeld zu erkunden. Foto: J. Giger


auch schon vertraute Begebenheiten, für

diese Welpen zu einer kaum lösbaren Belastung

werden. Hier läuft im Versteckten eine

ungünstige Entwicklung ab:Aufgrund ihrer

Unsicherheit und Angst (Angst ist vielfach

die Ursache für Aggression) entsteht

bei solchen Welpen eine Verhaltensweise,

mit der sie Eindruck hinterlassen und bei

Schwächeren auch Erfolg haben. Sie jagen

schwächere Welpen, attackieren sie, drücken

sie zu Boden und legen sich mit ihrem

ganzen Körpergewicht auf sie. Jeder weitere

Erfolg ihrerTaktik bestärkt ihrTun.Dieses

Verhalten wird sich immer stärker festigen,

sofern nicht durch unser Wissen und entsprechenden

Umgang entgegengewirkt

wird.

Zeigen Welpen innerartlich ein Dominanzstreben,

so äussert sich dieses oft auch

sichtbar gegenüber der Hauptbezugsperson.Wir

beobachten es beispielsweise beim

Kontaktspiel (spielerisches Trennen und

wieder Zusammenfinden von Welpe und

Hauptbezugsperson). Der Welpe rennt an

der Bezugsperson vorbei und schnüffelt ein

paar Meter entfernt vor ihr am Boden.Beim

Vertrauensbeweis (entspanntes Auf-dem-

Rücken-Liegen vor der Hauptbezugsperson)

kann derWelpe oft nicht entspannt auf

dem Rücken liegen.Wir haben auch festgestellt,

dass ein dominanzstrebender Welpe

mehr oder weniger tun und machen kann,

was er will. Seine Hauptbezugsperson ist

nicht ausreichend konsequent, verliert deshalb

die Kontrolle über ihn,was früher oder

später unweigerlich zu Problemen führt.

Manchen Welpenbesitzern scheint das egal

zu sein,manche haben gar Freude an ihrem

Macho.

Woran erkennt man

das Dominanzstreben?

Nach jahrelangen Beobachtungen und

spannenden Diskussionen haben wir unter

anderem mehrere Ausdrucksformen und

Verhaltensweisen herauskristallisiert, die

bei einem dominanzstrebenden Welpen situationsabhängig

einzeln oder kombiniert

auftreten können:

Innerartlich (zwischen Hunden)

• Breitbeiniges Laufen und hoch getragene

Rute

• Stellt oft und längere Zeit das Nackenfell

• Vorwiegend einseitige Renn-, Rempelund

Jagdspiele

• Meistens kein Rollenspiel möglich, d. h.

das einmal oben Stehen und ein anderes

Verhalten

Dominanzstrebende Welpen nützen Zeichen der Unsicherheit und Konfliktreaktionen von Artgenossen aus,

um erneut zu attackieren. Foto: J. Giger

Mal unten Liegen findet nicht statt

• Reagiert oft auf die Unterwerfungssignale

des unter ihm Liegenden nicht

• Bodycheck gegen andere Welpen

• Attacken gegen andere Welpen

• Sucht sich regelmässig schwächere Welpen

als Opfer aus

• Legt sich immer wieder mit seinem

ganzen Körpergewicht auf den unter ihm

liegenden Welpen

• Nutzt Zeichen der Unsicherheit und Konfliktreaktionen

von Artgenossen aus, um

erneut zu attackieren

Zwischenartlich (zwischen Mensch und

Hund)

• Aufbau einer sicheren Bindung zur Hauptbezugsperson

ist mangelhaft

• Rangordnung ist nicht geregelt

• Klare Linie und Konsequenz der Hauptbezugsperson

fehlt

• Über- oder Unterforderung des Welpen

• Gemeinsames Spielen bereitetWelpe und

Hauptbezugsperson Mühe

• Kontaktspiel klappt nicht

• Unzureichende Reaktion vom Welpen,

wenn er von der Hauptbezugsperson gerufen

wird.Welpe macht einen Bogen um

diese und schnüffelt irgendwo am Boden

Breitbeiniges Laufen, Rute hoch getragen, Nacken- und Rückenhaare längere Zeit gestellt; dies sind eindeutige

Ausdrucksformen für dominanzstrebende Welpen. Foto: J. Giger

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Verhalten

Ein entspanntes „Auf-dem-Rücken-liegen“ bei der Hauptbezugsperson ist nur möglich, wenn das gegenseitige

Vertrauen und die Bindung sicher sind. Foto: J. Giger

• Nähe zu Hauptbezugsperson bereitet ihm

Probleme und er zeigt dabei Konfliktreaktionen

(Züngeln, Gähnen etc.)

Hilfestellung für Welpenbesitzer

Damit sich oben genannteVerhaltensweisen

und somit unkontrolliertes Dominanzstreben

nicht festigen können, ist es sehr wichtig,

dass Welpenbesitzer mit ihren

Neuankömmlingen eine sichere Bindung

aufbauen. Dem Welpen muss die Möglichkeit

gegeben werden, seine Ängste selber

bewältigen zu können, damit er an Sicherheit

gewinnt. Welpenbesitzer sind für eine

klare Sozialstruktur verantwortlich,d.h.beispielsweise

für die gegenseitige Vertrauensbildung,

Konsequenz und Regelung der

Rangordnung innerhalb der Familie.DieTeilnahme

an fachkundigen Prägungsspieltagen

oder Welpenspielstunden wird sehr empfohlen,

weil hier vieles in die richtigen Bahnen

gelenkt werden kann.

Hilfestellung für Spielgruppenleiter

An kompetent geführten Prägungsspieltagen

werden die Welpen nach ihrem biologischen

Reifegrad in kleinere Gruppen eingeteilt.

Die Spielgruppenleiter müssen situations-

und tiergerecht Einfluss auf die

richtigen Lernmöglichkeiten an Prägungsspieltagen

nehmen. Wird festgestellt, dass

einWelpe über- oder unterfordert ist,wird er

in eine andere, seinem Reifegrad entsprechende

Gruppe umgeteilt. Das gilt gleichermassen

auch beim Erkennen von einem un-

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kontrolliert dominanzstrebendenWelpen.Er

muss mit Welpen, die eine ähnliche körperliche

Verfassung haben wie er und etwas

fortgeschrittener im natürlichen Reifegrad

sind, konfrontiert werden und sich mit ihnen

auseinander setzen. Sie setzen ihm innerartlich

Leitplanken und vermitteln ihm

somit, dass sein unsoziales Verhalten nicht

ankommt. Dadurch wird ohne direkte

menschliche Zurechtweisung am Welpen

verhindert, dass sich unerwünschte Verhal-

Werden dem ungebremst dominanzstrebenden Welpen innerartlich Leitplanken gesetzt und ihm somit vermittelt,

dass sein unsoziales Verhalten nicht ankommt, wendet sich sehr schnell das Blatt und ein freies

Rollenspiel wird stattfinden. Dadurch kann der Welpe sein Sozialverhalten auf eine normale Weise entwickeln.

Foto: J. Giger

tensweisen festigen können. Wir konnten

viele Male beobachten und feststellen, wie

schnell sich hier das Blatt wendet und das

ungebremste Dominanzstreben aufhört!

Bald findet ein freies Rollenspielen statt und

ein solcher Welpe wird sein Sozialverhalten

auf normale Weise weiterentwickeln. Vom

sozialen Lernen in einer harmonischen

Gruppe profitieren somit alle Welpen.

Das Fallbeispiel Luno ist eines von vielen.Es

ist wichtig,dass die Bezugsperson über ihre

mangelhafte Mitwirkung beim Aufbau einer

sicheren Bindung aufgeklärt wird und entsprechende

Hilfestellungen bekommt. Ausserdem

darf der verunsicherte Luno in seinem

Tun keinen weiteren Erfolg mehr haben,

damit er sich dadurch keine

Bestätigung holen kann. Im Sinne einer tiergerechten

Massnahme müssen zu diesem

Zeitpunkt innerartlich Grenzen gesetzt werden,

da ansonsten ernsthafte Probleme im

Sozialverhalten vorprogrammiert sind.

Fazit

Zum Schluss sollen die anfangs gestellten

Fragen im Sinne einer Zusammenfassung beantwortet

werden:Was bedeutet Dominanz?

Wir haben festgestellt,dass Dominanz in der

Verhaltenskunde als Bestimmung für die

Stellung eines Individuums


innerhalb der sozialen Rangordnung verwendet

wird. Nur in diesem Zusammenhang

wird das überlegeneTier als dominant

bezeichnet. Dominanz kann also nur dort

zum Ausdruck kommen, wo Lebewesen in

einer länger dauernden Gemeinschaft leben.

Weshalb zeigen gewisse Hunde ein Machogehabe?

Das Machogehabe darf nicht mit

Dominanz verwechselt werden. Dominanzstreben

ist aus verhaltenskundlicher Sicht

der wohl treffendste Begriff für das Machogehabe.

Unkontrolliertes und nicht kanalisiertes

Dominanzstreben zeigt beimWelpen,

dass es zwischen ihm und seiner Bezugsperson

an innerer Sicherheit und

einer klaren Sozialstruktur fehlt. Dieses

Gefüge verunsichert denWelpen stark,er ist

beispielsweise nicht in der Lage,seine natürlichen

Ängste zu bewältigen.Er lernt deshalb

auch nicht, sich sozial richtig zu verhalten.

Aus innerer Überforderung, Belastung und

Haltlosigkeit entwickelt derWelpe während

Begegnungen mit anderen Welpen zwangsläufig

Strategien und rüpelhafte Verhaltensweisen.

Bei Erfolg werden so seine Ängste

und Unsicherheiten überspielt.Die Strategien,

die ein dominanzstrebender Welpe entwickelt,

sind prägende Lerneffekte (Einflüsse,

die imWelpenalter des Hundes dauerhaft

auf sein Verhalten und Wesen wirken. Vergleichen

Sie dazu den Beitrag „Lernen und

Verhalten, Prägende Lerneffekte“, SHM 1/03,

von D.Berlowitz und H.Weidt).

Dies führt zu der wichtigen Erkenntnis,dass

der Ursprung eines dominanzstrebenden

Welpen nicht nur in (rassespezifischen)Verhaltenstendenzen

des Hundes, sondern

«Pflanzenkraft

wirkt tiefer, als

man denkt»

ARI, Afghanischer Windhund

auch in der Unsicherheit des Welpenbesitzers

zu suchen ist.Wenn wir also gemeinsam

mit unserem Neuankömmling eine sichere

Bindung aufbauen,Verantwortung übernehmen,

die Rangordnung regeln und ihm

natürliche Entfaltungsmöglichkeiten bieten,

setzen wir den Grundstein,dass sich derWelpe

problemlos ins soziale Gefüge einordnen

kann.

Quellenhinweise:

• Lexikon der verhaltenskundlichen kynologischen

Begriffe, SHM 7/01, von A.Weidt.

• SHM-Sonderdruck Nr.1, „Spielend vomWel-

tomcat.ch

Verhalten

pen zum Hund“, von D. Berlowitz und H.

Weidt.

• SHM-Sonderdruck Nr. 2, „Hunde verstehen

Signale rechtzeitig sehen“, von D. Berlowitz

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