DKB_5_10_Vollversion - Kranken Boten

jesusfreaks.de

DKB_5_10_Vollversion - Kranken Boten

DAS JUBILÄUM

DER KRANKE BOTE

WIRD 15 JAHRE ALT

– DAS FEIERN WIR

SINNVOLLE ZEIT

WAS MACHEN WIR

MIT UNSERER ZEIT

AUF ERDEN?

Nr. 5/2010

Oktober/November

2,50 Euro

ZEIT

FÜR

DIE

EWIGKEIT

KAFFEE MIT MIRKO

ANEKDOTEN VON

DEN ANFÄNGEN DER

FREAKBEWEGUNG


5 Convoy >>> Eine Einladung an alle Gemeinden

6 Freaks vor Ort >>> Das Leiter-Verwöhn-Wochenende

7 Freakstock >>> Neu erlebt nach 5 Jahren Pause

8 SLOT >>> Ein persönlicher Festivalreport

10 Titel >>> Zeit für die Ewigkeit

12 >>> Zeitgeist im Glauben

14 >>> Zeit sinnvoll nutzen

16 >>> Zeit im Kloster

18 >>> Stille Zeit

19 Ratgeber >>> Life-Work-Balance

20 Schöne Seiten >>> Boten-Cover-Show

22 Titel >>> Familien-Zeitmanagement

24 Freaks weltweit >>> Auszeit in den USA

26 Jubiläum >>> Die Botengeschichte

30 Fred >>> Der Kühlschrank

32 Ich habe einen Traum >>> Bauwagen im Norden Berlins

33 Gebet >>> Kleine Happen

34 Jubiläum >>> Juppi jubelt

35 Dr. K. Bote >>> Telefonterror

35 Impressum >>> Alles über Abos, Anzeigen und die Redaktion

36 Gottesdienst >>> Innovativ unterwegs in Marburg

37 Kaffee mit Mirko >>> Die neue Rubrik

38 Musik >>> Abrocken mit Praiser

39 Rezensionen >>> Zeit kreativ planen / Zeit als Paar haben

Inhalt 4 Meldungen >>> Neues aus der Freak-Bewegung


Liebe Leserin,

lieber Leser,

seit 15 Jahren begleitet

der Bote die Jesus Freaks, nur

vier Jahre weniger als die Bewegung

alt ist. Anlass für uns

seine Geschichte zu erzählen

und statt Schönen Seiten eine

Boten-Cover-Show zu zeigen.

Apropos Cover, bevor

die Nachfragen kommen:

Ja, das Cover hat eine Frau

ausgesucht. Und ja, es ist

kitischig, aber zu Geburtstagen

muss das erlaubt sein.

Weiter im Programm: Bei

einer Tasse Kaff ee erzählt

Mirko ab sofort Anekdoten

von den turbulenten Anfängen

der Freakbewegung. Auch

neu ist die Musikseite, auf

der wir von Bands und ihrer

Musik berichten werden.

Aber wir wollen nicht nur

unser Jubiläum feiern, sondern

widmen uns auch einem stets

aktuellen Th ema: der Zeit.

Was der Zeitgeist mit unserem

Glauben anstellt, darüber

berichtet Tobias Faix. Gleich

mehrere Autoren beschäftigen

sich mit der Frage,

wie wir mit unserer Zeit

sinnvoll umgehen können.

Wem das alles zu viel wird,

der kann sich eine Auszeit

gönnen und über Nicoles

Tour durch die USA lesen.

Eine kleine Weisheit zum

Schluss: Zeit hat man nicht,

Zeit muss man sich nehmen.

Also nimm Dir die Zeit in

dieser Ausgabe zu schmökern

und vielleicht sogar selber mal

was zu schreiben. Ich freue

mich drauf, von Dir zu lesen

– sei es per Post, E-Mail

oder Facebook-Kommentar

Bettina fürs DKB-Team

[dkb_lektorin@gmx.de]

Bettina Kammer

(31) wohnt

mit ihrer Familie

in Berlin und

arbeitet als freie

Journalistin. Editorial


Meldungen

Deutschlandtreffen

Vom 22. bis 24.10.10 triff t sich

der Leitungskreis wieder zum

JFD-Treff en in der alten Kaserne

in Borgentreich. Wenn du

das Treff en mit Gebet unterstützen

willst oder prophetische

Eindrücke von Gott für die Bewegung

bekommen hast, dann

komm vorbei! Anmeldungen

unter: de.jesusfreaks.com/anmeldung/deutschlandtreffenoktober-2010

Wir suchen noch Mitarbeiter_innen!

Falls du dir vorstellen

kannst, dich in der

Kinderbetreuung oder bei

Aufbau und Technik einzubringen,

melde dich bitte so

bald wie möglich beim Ü-

Team: [ueteam@jesufreaks.de]

Jesuskonferenz

2010

Vom 8.10. bis 10.10.2010

fi ndet in den Räumen der Jesus

Freaks Remscheid die Jesuskonferenz

statt. Die Konferenz

will ihren Schwerpunkt auf

„geistliche“ Dinge setzen. Das

bedeutet, es soll keine langen

Ansagen geben, keine theologische

Lehre für das Hirn, kein

Gott hat sich in Gestalt

seines Sohnes

zum Menschen

gemacht. Doch nach Jesu

Himmelfahrt weilt er – wie

der Name schon sagt – im

Himmel. Doch was tut Gott

da den ganzen Tag? Wie

verbringt er die Zeit bis zu

seiner offi ziellen Wiederkunft

auf Erden? Wir haben unsere

Leser auf Facebook gefragt.

4 5/2010

Oktober/November

konzertmäßiger Lobpreis, dafür

viel Raum zum Experimentieren

für das Prophetische. Ganz

bewusst werden im Vorfeld keine

großen Namen genannt, die

auf der Jesuskonferenz predigen.

Keiner soll kommen, um

mal Bill Johnsen, Walter Heidenreich

oder Reinhard Bonnke

live zu erleben, sondern alle

sollen wegen Jesus da sein. Es

wird damit gerechnet, dass viele

eine krasse Sehnsucht nach Jesus

haben, diese Sehnsucht aber

entweder verschüttet ist oder

nirgends gestillt wurde. In den

drei Tagen wird es die Möglichkeit

geben, seinen Glauben

einmal zu „resetten“. Das

Programm: Tag 1: Vergangenheit:

Vergeben, innere Heilung,

Vergebung bekommen, Leben

aufräumen. Tag 2: Gegenwart:

Jesus zur Nr. 1 machen, Hingabe

aller Lebensbereiche, aller

Begabungen und Schwächen.

Tag 3: Zukunft: Aussendung,

Berufung, prophetische Ansagen

von Gott bekommen.

Kosten: 29 Euro. Anmeldung

unter: www.jesuskonferenz.de

Titel-Gewinner

Für diese Jubiläumsausgabe

haben wir die alte Botentradi-

tion der wechselnden Namen

wiederbelebt. Den Titel „Der

Backe Kuchen“ hat sich Simon

aus Berlin ausgedacht. Er bekommt

ein Rezensionsexemplar

seiner Wahl zugeschickt. Wir

danken allen anderen, die

an der Titelsuche auf Facebook

teilgenommen haben.

Der Bote auf

Facebook

Der Kranke Bote ist mittlerweile

auch auf Facebook zu fi nden.

Dort werden die neusten

Meldungen der Redaktion

bekannt gegeben, Th emen und

Artikel diskutiert, Meinungen

gepostet, Gewinnspiele, Um-

und Anfragen gestartet usw.

Also schau einfach mal vorbei

unter: http://redir.ec/bote

Der nächste

Kranke Bote

In Ausgabe Nr. 6/2010 beschäftigen

wir uns mit dem

Th ema „Nachhaltigkeit“. Wer

mitarbeiten möchte, melde sich

möglichst bis zum 20.10.10

bei Bettina: [dkb_lektorin@

gmx.de] Der Einsendeschluss

für alle Texte ist der 10.11.10

Was macht Gott gerade?

Was wir schon immer mal wissen wollten

Er ist.

Punkt.

Minigolf

spielen.

Lächeln.

Bei mir leider

zu wenig!

Vielleicht wirft

er sich ne Valium

ein, damit er nicht

ausfl ippen muss,

wenn er auf uns

runterguckt.

Popcorn essen

und zuschauen?

E-Mails

checken.

Atmen.

Ganz sicher.

24-Stunden-

Rundum-

Betreuung

Uns lieben!!!!

Also arbeiten.


Das, was er vor dem

Anfang und nach dem

Ende, sprich die ganze

Zeit, von Ewigkeit zu

Ewigkeit macht: An

uns denken – und er

hat gute Gedanken.

Gott ist

ein Verb!


Habt ihr Interesse

an Evangelisation?

Sucht ihr Verstärkung

für eure Gemeinde? Wollt

ihr, dass der Convoy 2011 bei

euch Station macht? Wir vom

Plenum „Convoy 2011“ wollen

euch darüber informieren, was

der Convoy eigentlich ist, was

wir tun können und wollen

und was ihr tun müsst, damit

wir euch besuchen kommen.

/ Was ist

ein Convoy? /

Der Convoy ist eine Gruppe

Jesus Freaks die sechs Wochen

durch Deutschland fahren

und Station in verschiedenen

Städten machen werden, wo

wir durch Aufsehen erregende

Aktionen mit Menschen ins

Gespräch über Gott kommen

wollen. Außerdem wollen

wir die Gemeinden vor Ort

stärken und ermutigen.

/ Wann startet

der Convoy 2011? /

Der Convoy wird sechs

Wochen vor Freakstock

starten und zum Freakstockaufbau

enden.

/ Was sind

unsere Ziele? /

Gemeinde: Wir wollen

dieses Mal in erster Linie die

Gemeinden stärken. Es bringt

nichts, in eine Stadt zu gehen,

schrille Aktionen zu starten

und die Leute mit einer überforderten

oder uninteressierten

Gemeinde zurückzulassen.

Daher fragen wir an, welche

Gruppen Lust darauf haben.

Wir wollen aber auch wissen,

ob es Bereiche gibt, in denen

wir euch ganz konkret dienen

können in den Tagen, die

wir da sind. Wir werden uns

Seminare und Workshops im

Vorfeld überlegen, die wir dann

nach Wunsch in euren Gemeinden

halten können. Dabei

denken wir u.a. an Prediger-

Seminar, Seelsorger-Schule,

Gebetsdienst, Konfl iktlösung,

Street-Work-Seminar usw.

Wenn es bestimmte Bedürfnisse

in eurer Gemeinde gibt,

können wir im Vorfeld auch

qualifi zierte Leute motivieren,

dazu etwas zu sagen. Vielleicht

möchtet ihr auch einfach nur

einen Gastprediger oder eine

Lobpreisband? Kein Problem.

Stadt: Ganz klar, Convoyaner

wollen rausgehen! Wir

wollen Aktionen in eurer Stadt

machen um die Botschaft von

Jesus und der Liebe Gottes

klar zu machen. Das kann

von Ort zu Ort sehr unterschiedlich

aussehen und wir

wollen daher in Rücksprache

mit euch etwas planen, was

für die Stadt angebracht ist.

Es könnte schrill und laut

sein – wie damals die Kreuzigung

auf der Reeperbahn oder

auch eher traditionell – Flyer

verteilen und zum Godi

einladen und natürlich alles

dazwischen. Uns ist es wichtig

den Style eurer Gemeinde

damit widerzuspiegeln und

nicht gegen euch zu kämpfen,

sondern mit euch!

Convoy

Konkret krasser Convoy

Eine Einladung an alle Gemeinden

/ Was müsst ihr

dafür tun? /

Redet als Gemeindeleitung

darüber und betet, ob der

Convoy für eure Stadt dran

wäre. Dann meldet euch bei

mir bis Oktober, ob ihr uns

gaaaaaanz sicher haben wollt

oder ob es für euch nur prinzipiell

in Frage käm, oder ob wir

eure Stadt lieber meiden sollten.

Falls ihr euch entscheidet,

dass es gut wäre den Convoy

einzuladen, werden wir euch

um weitere Hilfe bitten. Kein

Angst, schlimm ist es nicht.

Wir müssten halt wissen, wo

wir unseren Stellplatz haben,

wo wir Wasser und Toiletten

benutzen können, und

wer unsere Ansprechpartner

sind. Diese Sachen müssten

bis spätestens Willo Freak

(Himmelfahrt 2011) klar sein.

Dann würden wir mit dem

Ansprechpartner ein bisschen

über die Gemeinde und Stadt

reden und was die Bedürfnisse

und Interessen wären.

/ Wer kann

mitfahren? /

Vielleicht habt ihr auch Leute

in euren Gemeinden, die selbst

gern beim Convoy mitfahren

wollen? Super! Es kann (fast)

jeder mitmachen! Am besten

melden sich die Leute bei

unserem Convoy-reloaded Pool

auf der jesusfreaks.de-Seite an

oder sie schreiben mir direkt.

Cate McMillan

[sklavejesus@web.de]

5/2010

5

Oktober/November


Freaks vor Ort

Vom Papa verwöhnt

Impressionen vom Leiter-Verwöhn-

Wochenende der Jesus Freaks Sachsen

Vom 10. bis 12. September

trafen wir uns

nach längerer Zeit mal

wieder als Leiterfamilie zum

„Verwöhn-Wochenende“ im

„[H]aus Zeit“ unterhalb der

Burg Scharfenstein. Der Titel

sagt eigentlich schon viel aus.

Man merkte sofort, dass das

hier kein Arbeitstreff en wird.

Wir wurden von der Sonne und

von einer strahlenden Madlen

und Raff aello begrüßt. Danach

viel Hallo, denn wie bei jedem

Familientreff en, gab es auch

hier neue Gesichter und solche,

die man vermisste. Leute aus

angrenzenden Gruppen und

Gemeinden waren gekommen

und sofort ein Teil von uns.

Beim Beziehen der Stockbetten

und Matratzen wurden

Erinnerungen an Kindheitstage

wach. Zeiten, in denen

es zuletzt die Vorschrift gab

Hausschuhe mitzubringen.

Damit waren einige sichtlich

überfordert. Wie auch sonst,

wenn sie über Jahre gewöhnt

waren, aus dem Zelt in ihre

Boots zu steigen. Wir fi ngen

an, im Garten rumzuhängen,

uns auf Sofas zu fl äzen, den

Tischkicker warmzuspielen

oder aber Unmengen an Saft

aus Ilts Ello ins Haus zu tragen.

Das Abendessen: Steaks und

Roster (für Nichtsachsen gemeinhin

als Bratwurst bekannt).

Frei nach dem Motto „Man

muss dem Leib etwas Gutes

gönnen, damit die Seele Lust

hat darin zu wohnen“ hatten

sich Ulli und Didi bereit erklärt,

uns das ganze Wochenende

kulinarisch zu verwöhnen.

Ein großes Dankeschön

an dieser Stelle an die beiden.

Für das Soulfood quälte

sich Mr. Worship himself aus

Hamburg durch die Staus

Mitteldeutschlands. Kristian

Reschke hat uns durch geilen

6 5/2010

Oktober/November

Lobpreis zu Daddy geleitet und

unseren Spirit erfrischt. Zudem

waren Alan und Tina Nord

bereit, uns bei diesem Treff en

zu lieben und zu ermutigen.

Jetzt ging es zum Lobpreis und

zum ersten Input des Treff ens.

Dass sowohl das Treff en als

auch Kristians Input genau

richtig platziert waren, merkte

ich daran, dass es fast geschlossen

nach vorne ging, als es hieß

sein „erneutes, eigenes Pfi ngsten“

zu erleben. Die Leiter

Sachsens waren hungrig nach

Gott und nach seiner Berührung.

Viele wollten von Gott

abgeholt werden, dort wo sie

gerade sind und Daddy kam

mit seinem Familienbus und

lud alle ein. Wir ließen den

Abend mit Gesprächen, Bier

und Doppelkopf ausklingen.

„Leiten und im Segen leben“

war das Motto, unter das

Kristian seine Inputs gestellt

hatte. Nach einem reichhaltigen

Brunch und einer Worshipzeit

erklärte Kristian, wie

man in der Zeit, die man hat,

die Liebesbeziehung zu seinem

Papa aufrecht erhält und es

wurde mir wieder mal deutlich,

wie wichtig das ist. Gott rührte

echt unsere Herzen an und

wir fühlten uns seit langem

mal wieder als Daddys Kinder,

nicht nur als Arbeiter. Wir hatten

Bock füreinander zu beten

und zu hören, was Gott sagt.

Um das Soulfood zu verdauen,

wurde unseren Leibern

wieder viel geboten, leckerer

Eintopf, Mittagsschlaf, Spaziergänge,

Tischtennis und

Gespräche. Die Hände von

Marika massierten und andere

bebeteten. Zu Kaff ee und

Apfelstrudel gabs die News der

Region und der Bewegung.

Nach dem Abendessen gab es

eine der geilsten Worshipzeiten,

die ich je erlebt habe. Gott gab

uns an dem Abend eine fette

Einheit, die man hören und

spüren konnte. Die Familie

pries ihren Daddy gemeinsam.

Und Gott ließ seine Stimme

durch Eindrücke und Alans

Input hören. Als Alan und

Tina anboten, dass sie sich die

Zeit nehmen würden, für uns

zu beten und diejenigen zu

segnen, die Bock drauf hätten,

war die Schlange echt lang.

Anschließend hieß es bei Kaminfeuer

und Bier den großen

Sternenhimmel zu bestaunen.

Am nächsten Vormittag gab

es einen Input über „geistliche

Kulturen“, die uns helfen,

die Zeit mit unserem Daddy

zu einem festen Bestandteil

unseres Lebens zu machen.

Insgesamt zeigte die kurze

Auswertungsrunde, dass

dies wirklich ein Verwöhn-

Wochenende war, an dem uns

unser Papa sowohl geistlich als

auch körperlich verwöhnte.

Ich denke, wir alle haben

diese Zeit mit unserem Papa

genossen und sind mit einem

dicken Knutschfl eck von Jesus

nach Hause gefahren.

Echt ne gute Zeit,

die hoff entlich noch

lange nachwirkt.

Björn Kroll (30) dient zusammen

mit seiner Frau

den Jesus Freaks Halle

(Saale). Er liebt die Region

Sachsen und die

Familie und lernt grade

das Vaterherz Gottes für

sich und andere kennen.


Ich bin schon ganz hibbelig.

Fünf Jahre ist das

her, seit ich zum letzten

Mal auf Freakstock war und

jetzt ist es tatsächlich soweit.

Ich befi nde mich wirklich und

wahrhaftig in unserer Familienkutsche

auf dem Weg zu

diesem Koptengelände. Soll

ja cool sein. Na, mal sehen.

Gefunden hab ich es dann

auch schnell. Inklusive

einem super Parkplatz, der

mir im Laufe des Wochenendes

aber von einem Ordner

abgeschwatzt wird. Wir

sind ja fromm und machen

was die Obrigkeit sagt.

Es ist unbeschreiblich. Ich

bin da und ich bin wieder

daheim. Auch wenn ich nach

der langen Zeit nicht mehr

alle kenne, fühle ich mich

absolut richtig hier. Natürlich

muss ich das neue Gelände

erkunden. Ich komme nur

nicht weit. Alte Freunde laufen

einem über den Weg. Ist das

genial! Wir sind alle älter geworden

... Aber ich freu mich

über jeden so sehr, der noch

dabei ist. Vor allem nach dieser

Wort-und-Geist-Geschichte.

Viele sind jetzt Familie und

haben ihre Kinder mit. Das

ist schon interessant. Einige

kannte ich noch als Singles

oder war auf ihrer Hochzeit

und dann ist der Kontakt

abgerissen. Und jetzt bestaune

ich die kleinen Exemplare,

die neben ihnen rumhüpfen.

Gott ist einfach nur gut.

Freakstock

Wiedersehen

macht Freude

Das Gelände soll ja jetzt

familienfreundlich sein. Mit

eigenen Zimmern und Betten

und so. Die Gesichter der

Mamas und Papas, die aus den

Zimmern kommen, sehen noch

ganz entspannt aus. Ich bin

äußerst angetan von diesem

Kidsstock und dem riesigen

Spielezimmer für die Kleineren.

Also meine Mädels krieg ich

hier schon mal untergebracht.

Mir wird angeboten in einem

Familienzimmer für eine Nacht

zu übernachten. Das nehme ich

gerne an, um auszuprobieren,

ob diese Zimmer für meine Familie

tauglich wären. Ich kenne

schließlich die Ruhebedürfnisse

meiner besseren Hälfte.

Allerdings, um es hier mal

vorzuziehen, hatte ich Pech.

Ich schlief mit meinem Bett

direkt an der Wand zu den

Sanitäranlagen. Ich wusste

nicht, dass Toiletten solche

Geräusche machen können.

Das muss irgendwie am Unterdruck

beim Ansaugen vom

Spülwasser liegen ... Ich dachte,

neben mir starten ein Jet oder

so was. Egal, es ist Freakstock!

Es macht wieder richtig Spaß.

Hier bin ich einfach richtig.

Die Mitarbeiter machen ihren

Job auf dem Festival gut. Dabei

fällt mir auf, sie sich nicht mehr

so stressen lassen. Das war vor

ein paar Jahren noch anders.

Nachts um vier gehe ich

ins Bett. Nicht weil ich müde

bin, sondern weil ich jetzt

vernünftig geworden bin.

Ich habe morgen schließlich

eine lange Fahrt vor mir.

Ich habe an diesem Wochenende

sehr viele alte Freunde

wiedergetroff en und habe

gemerkt, dass ich zu dieser Bewegung

dazugehöre. Natürlich

ist mir aufgefallen, dass wir ruhiger

geworden sind. Einerseits,

weil das eine natürliche Sache

ist, ein Zeichen von Wachstum

in Jesus. Andererseits merkt

man die Ruhe, die aus einer Erschöpfung

und vom Ausbrennen

kommt. Wir haben nicht

nur Federn gelassen, wir haben

auch sehr gute Freunde an eine

zweifelhafte Sache verloren und

das steckt man nicht einfach

so weg. Um so genialer, dass

es weitergeht. Dafür konnte

sich jeder selbst entscheiden:

Weitermachen mit Jesus und in

der Bewegung. Das hat schon

wieder etwas Kraft gekostet.

Dafür sind die, die jetzt da sind,

wirklich da. Gott sieht das.

Und das ist und wird sehr gut.

Die Frage kam auf, ob wir

unser Feuer verloren hätten.

Ich habe das Feuer auf Freakstock

nicht vermisst. Ich habe

es in sehr vielen Menschen

brennen sehen. Es ist vielleicht

mehr eine Glut, aber sie wird

vom Einzelnen mehr beschützt,

so habe ich es empfunden.

Die Glut ist heißer als Feuer.

Ein bisschen Glut reicht aus,

um an brennbare Sachen die

Flammen wieder hochschlagen

zu lassen. Gott kümmert sich

um uns. Die Jesus Freaks sind

sein Ding. Was er anfängt,

das bringt er auch zu Ende.

Ich fi nde es mittlerweile als

Jesus Freak nicht mehr erstrebenswert

lichterloh zu brennen.

Früher wurde alles „geburnt“,

was unheilig war, aber dieses

Werk hat Gott schon getan.

Jetzt wird darauf aufgebaut.

Wenn ich diesem Feuer hinterher

heule, sage ich ja fast,

dass das Werk, das Gott an

mir getan hat, gar nicht stattgefunden

hat oder jetzt nicht

mehr taugt. Aber wenn Gott

etwas tut, dann ist das perfekt.

Calle Oltrop

5/2010

7

Oktober/November


SLOT

Ein eigener Kosmos

Ein persönlicher Bericht vom SLOT 2010

Jedes Jahr seit mittlerweile

18 Jahren fi ndet in einer

kleinen Ortschaft in der

Nähe von Breslau das SLOT

Art Festival statt. Obwohl das

Festival offi ziell nicht als christlich

gilt, lässt sich diese Th ese

gar nicht bestreiten, sobald

wir zum SLOT gelangen. Das

Festival besteht aus Workshops,

Konzerten, Lobpreis

und „Vorlesungen“ und einer

unbeschreiblichen Atmosphäre,

die zum großen Teil dem sehr

schönen und alten Gelände,

ein ehemaliges Dominikaner-

Kloster, zu verdanken ist.

Die Veranstaltung ist unter

vielerlei Hinsicht außerordentlich:

Erstens ist es ein alternatives

Festival, das in Polen

stattfi ndet. Zur Erinnerung:

Polen ist ein relativ großes

Land östlich von Deutschland,

das – keine Ahnung wie – das

Pensum von 90 Prozent Katholiken

erreicht. Von diesen

Milliarden Katholiken kann

man auch alles sagen, alles

8 5/2010

Oktober/November

bis darauf, dass sie in irgendwelcher

Weise alternativ sind.

Zweitens lässt sich die Atmosphäre

des SLOTs nur schwer

wiedergeben. Nichtdestotrotz

möchte ich es versuchen. Alles

wofür ich Gott danken möchte:

/ Unerwartete

Zeugnisse /

Am besten fange ich von

hinten an. Am Sonntag, dem

letzten Tag des Festivals, saß

ich mit einem Freund früh

am Morgen nach einer

kurzen Nacht in einer „Kneipe“.

Da er praktisch schon

eingeschlafen war, nahm ich

seine Bibel und versuchte

zu lesen. Schnell wusste

ich nicht mehr, wer wessen

Sohn und wer wessen Vater

in dem Bibelabschnitt ist,

außerdem interessierte mich

nun etwas ganz anderes viel

mehr, und zwar zwei Männer,

die am Nachbartisch

saßen und sich miteinander

unterhielten. Der eine war

ein Klavierspieler, der beim

Morgen-Lobpreis mitgemacht

hatte, den anderen kannte ich

nicht. Unterhalten haben sie

sich grob gesagt über Gott

und genauer gesagt über die

Bereitschaft, ihm nachzufolgen.

Doch es ging nicht um

ein rein „katholisches“ Nachfolgen,

so wie ich es kenne

– also darum, wie man am

verschneitem Sonntag den Weg

zur Kirche fi ndet –, sondern

darum, in jeder Sekunde des

menschlichen

Lebens bereit

zu sein, das

eigene Haus

zu verkaufen

und neu

anzufangen,

„nur“ deswegen,

weil Gott

einen gerufen

hat. Das war

das Schönste

und Lebendigste, was ich je

von einem Menschen gehört

habe und das total spontan.

Manchmal lohnt es sich, die

Bibel zur Seite zu legen.

/ Echo in der Kathedrale

/

Alle Workshops des SLOT

Art Festivals wurden in drei

Gruppen gegliedert. Einer der

vielen Workshops der ersten

Gruppe – das heißt früh am

Morgen hätte ich stolz sagen

wollen, wenn das nicht um

11 Uhr gewesen wäre – war

ein Gospelworkshop. Wir

sangen und zwar so, dass

das ganze Gebäude gezittert

hat. Mit Liebe, Freude und

dem eindeutigen Willen Gott

persönlich im Himmel zu

erreichen. Und mit Sicherheit

haben wir es schaff en.

/ Slackline /

Unter dem geheimnisvollen

Wort „Slackline“ versteckt sich

ein fußbreites Band, das ziemlich

hoch über der Erde zwischen

zwei Bäumen hängt und

worauf man „läuft“. Offi ziell

diente es auch dem Meditieren

(während des Laufens). Leider

wurde diese Tätigkeit dadurch

ein bisschen erschwert, dass

man nur etwa fünf Sekunden

hatte bis man runter fi el. Für

mich war Slackline ein ganz

persönliches Erlebnis, weil ich

Höhenangst habe und zwar,

wie es sich herausgestellt hat

auf JEDER Höhe. Demzu-


folge war mein Enthusiasmus

der Sportart gegenüber nicht

riesig. Als mir ein Freund vorschlug,

mich dabei zu begleiten,

wurde mein Enthusiasmus

auch nicht wirklich größer.

Nichtsdestotrotz habe ich es

versucht und mich gefühlt, als

würde mich Gott nochmals zu

einem Lebensabenteuer mit

ihm einladen. So sehr hat die

Slackline gewackelt und ich

gezittert, doch bis zur Hälfte

der Band hab ich es geschaff t.

Natürlich „nur“ mit Hilfe.

/ Ein Kätzchen namens

Kebab ... /

… die auf unserem Zeltplatz

gewohnt hat und gar

keine Angst vor uns hatte.

/ Metanoja /

„Metanoja“, aus dem Griechischen

„Verwandlung“, ist

der Name eines der SLOT

Cafés und zwar für ein ganz

spezielles. Insgesamt besteht

es aus drei Räumen: einem

Gebetsraum, einem Lobpreislabor

und eben dem Café vor

der Hauptbühne. Dort konnte

man sich ausruhen und die

Zeit mit Gott genießen. Im

Lobpreislabor konnte man

auch eigene „Lobpreisideen“

ausprobieren. Ich persönlich

werde wohl nie die Frau vergessen,

die spät in der Nacht

sich selbst an die Wand projizieren

ließ und auf eine ganz

einzigartige Weise mit ihrem

eigenem Körper gebetet hat.

/ Country Dancing

/

Genauso wie Gospelsingen

kann jeder auf dem SLOT

tanzen lernen, und zwar

alles Mögliche: von Modern

Dance bis zu jüdischen

Tänze. Ich fand Country

Dancing besonders toll. Es

ist schließlich keine alltägliche

Gelegenheit zu sehen,

wie ungefähr 50 erwachsene

Menschen sich zur Country

Musik amüsieren. Außerdem

hat man natürlich

auch nicht jeden Tag die

Gelegenheit mitzumachen

/ Improvisationstheater

in

der Nacht /

Apropos Tanzen, auf dem

Festival konnte praktisch

jeder seine „Kunst“ vorstellen.

Und so erschien eines

Tages in der Kathedrale ein

handgemaltes Poster, auf dem

stand, dass an diesem Tag ein

Impro-Tanztheater auftreten

wird. Und zwar um 1 Uhr 30

nachts! Hier eine kleine Aufklärung:

in der Nacht passiert

auf SLOT einfach ALLES. Es

werden Filme gezeigt, Konzerte

gespielt, ich glaube, nur

Workshops gibt es am helligen

Tag. Und ich, ich liebe

es zu schlafen … Genauso,

wie ich SLOT meine erste

durchgemachte Nacht zu verdanken

habe, habe ich dem

Festival auch das Tanztheater

zu verdanken. Keine Ahnung,

aber für mich ist es schon

merkwürdig, dass sich relativ

viele Menschen mitten in der

Nacht versammeln, um sich

ein total unbekanntes „Tanztheater“

anzuschauen. Zum

Glück war es ein sehr gutes!

/ Ein Konzert um

5 Uhr früh /

Noch mal was zum Nachtleben.

Was die Musik anbetriff

t, gab es die Hauptbühne,

wo aber die Lautstärke

zumindest meine Grenzen

überschritt. Dort spielten

die berühmtesten (und die

SLOT

lautesten) Bands. Aber es gab

noch andere Bühnen. Ein

Konzert werde ich der unbeschreiblichen

Atmosphäre

wegen nie vergessen. Am

letzten Tag bin ich nämlich

an einem ganz kleinen Zelt

vorbeigegangen, wo um 5 Uhr

früh zwei Jungs im Alter von

vielleicht 17 Jahren gespielt

haben. Einer spielte Gitarre,

der andere hatte einen Trommel.

Ohne Soundanlage oder

großen Lärm, einfach so für

sich selbst. Zugehört haben insgesamt

vielleicht zehn Personen

und die Sonne ging gerade über

dem Zelt und über Lubiaz auf.

Das war meine Aufl istung.

Ich bin mir sicher, jeder von

uns ist für etwas total Eigenes

dankbar. Und genau

das ist an SLOT so schön!

Łucja Matysiak (25) wohnt in

Warschau. Die Germanistin und

Deutschlehrerin war während ihres

Erasmus-

Aufenthaltes

in

Deutschland

bei

den Jesus

Freaks in

Leipzig.

5/2010

9

Oktober/November


Zeit

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Über die Auferstehung, die

Zeit und die Ewigkeit

Denkt man über

Zeit, Ewigkeit und

Auferstehung nach,

dann ist das immer mit einer

ganz klaren Frage verbunden,

nämlich der Frage nach dem

Absoluten. Wer steht nicht vor

ihr? Irgendwann. Irgendwo.

Jeder und jede. Denn es gibt

eine Absolutheit. Auch wenn

die immer wieder umgedeutet,

verniedlicht, verdrängt

und verschwiegen wird: Der

Tod. Und dieses Absolute steht

immer und überall mit dem in

Beziehung, was wir mit Leben

bezeichnen. Also auch Zeit,

Ewigkeit und Neuanfänge.

Zeit ist relativ – seit Einstein

wissen wir das. Leben

in seiner Qualität und Dauer

ebenso. Auferstehung – gibt’s

so was? Die Christen glauben

es, sie leben daraus, sie hoff en

dahin. Aber es ginge doch

auch, dass sich alles wiederholte.

Zyklische Lebenswelten.

Wie Frühjahr, Sommer, Herbst

und Winter. Leben, sterben,

wiedergeboren werden und

sterben … round and round.

Und all diese Gedankenwelten

eben nur, weil es das Absolute

gibt, weil die Frage nach

dem Leben und seinem jähen

Ende dazu zwingt, sich mit

Zeit, Ewigkeit und Auferstehung

auseinander zu setzen.

Aus biblischer Sicht über

die Zeit nachzudenken ist

insofern spannend, weil die

Bibel eben kein zyklisches, ein

sich wiederholendes Bild der

Weltgeschichte zeichnet. Das

haben erst die alten Griechen

erfunden. Sondern die Bibel

denkt sich die Welt mit Anfang

und Ende. Einer Initiation

von Gott her und einem Ziel

in Gott am Ende der Zeiten.

Der Kirchenvater Augustinus

geht davon aus, dass die Zeit

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Oktober/November

mit der Welt erst

geschaff en wurde.

Vorher gab es die

Zeit, so wie sie

heute erlebt und

gemessen wird,

nicht. Gott schuf

die Welt aus dem

Nichts. Er schuf sie

nicht in der Zeit,

sonder mit ihr die

Zeit. Allein das zu

denken, übersteigt

das menschliche

Denkvermögen.

Und zum

Schluss? Man weiß

es nicht, man

weiß es nicht …

Der mittelalterliche

Th eologe und

Mönch Th omas

von Aquin sagte

einmal: „Das Ewige

Leben besteht

in voll gestillter

Sehnsucht; denn

dort besitzt jeder

Selige mehr als

er sich ersehnte

und erhoff te. Das

kommt daher,

dass niemand im

irdischen Leben

seine Sehnsucht

stillen kann und

dass etwas Geschaff

enes niemals

das Verlangen des

Menschen erfüllt.“

Und das berührt

den Punkt, von

dem ich ausgehe,

dass er der (für

mich) gerade

glaubwürdigste

und denkbarste ist.

Die Ewigkeit – so

behaupten einige

Th eologen – sei

im Reich Gottes

sowohl „jetzt

schon“ verborgen


gegenwärtig als auch in seiner

sichtbaren Vollgestalt „noch

nicht“ gegenwärtig. Es ist also

„zugleich“ da und auch nicht da.

Also allein der Glaube daran

ruft es ins Dasein, die war-

tende Hoff nung darauf verlegt

es aber noch ins Fernsein.

Solche Vorstellungen vom

„jetzt schon“ und vom „noch

nicht“ sind in meinen Augen

aber für das Reich Gottes nicht

brauchbar. Denn wenn das

Reich Gottes in der Ewigkeit

ist, dann sind unsere Kategorien

der vergänglichen

Zeit unangemessen, etwas

Ewiges ermessen zu wollen.

Doch auch das hinkt, denn

als Christen glauben wir,

dass der ewige Gott in Jesus

von Nazareth in die Zeit

kam. Sich der Zeit und ihrer

Folgen unterwarf: Vergänglichkeit,

Leid und ja, Tod.

Von daher stimmt es, was

der Th eologe Jürgen Moltmann

sagte: „Hebt die Ewigkeit

Gottes die Geschichte auf,

dann hebt sie damit auch die

Geschichte Christi auf.“ Er

argumentierte mit Off enbarung

1,4 „Friede von dem, der

da ist, und der da war, und

der da kommt.“ Man erwartet,

dass es heißt: „... und der da

sein wird“, aber Moltmann

sagt, Gottes Sein ist im Kommen,

nicht in Werden und

Vergehen. Von daher gibt es

vergangene Zukunft, gegenwärtige

Zukunft und zukünftige

Zukunft. Die Zukunft

des Reiches Gottes bestimmt

und beseelt also Gestern,

Heute und Morgen; Vergangenheit,

Gegenwart und

Zukunft. Darum kann dieser

Augenblick von Gott her verstanden

nicht nur allen Tagen

der unserer vergehenden Zeit

nachzeitig, er muss auch allen

Tagen gleichzeitig sein. Klar?

/ Den Tod

überwinden /

Nun, wie wirkt sich das

auf mich oder auch auf dich

aus? Aus der Philosophie

kennt man zwei Bilder der

Hoff nung angesichts des

Todes: das antike Bild von

der unsterblichen Seele und

das biblische Bild von der

Auferstehung der Toten. Das

ist auf der einen Seite die

Selbstgewissheit der unver-

Zeit

wundbaren Seele und auf der

anderen Seite die Glaubensgewissheit,

dass Gott aus dem

Tod neues Leben schaff en wird.

Die Unsterblichkeit der Seele

ist eine Einsicht, die Auferstehung

der Toten eine Hoff nung.

Das erste ist ein Vertrauen auf

etwas Unsterbliches im Menschen,

das zweite ein Vertrauen

auf den Gott, der das Nichtseiende

ins Sein ruft und die

Toten lebendig macht. Im Vertrauen

auf die unsterbliche Seele

akzeptieren wir den Tod und

nehmen ihn in gewisser Weise

vorweg. Im Vertrauen auf den

Leben schaff enden Gott warten

wir auf die Überwindung des

Todes: „Verschlungen ist der

Tod vom Sieg“ (1. Korinther

15,54) und ein ewiges Leben,

in dem der „Tod nicht mehr

sein wird“ (Off enbarung 21,4).

Die Überwindung des Todes

wird durch die Auferstehung

Jesu Christi geschaff t. Die

christliche Hoff nung ist durch

die Erfahrung des Sterbens und

des Todes Christi und durch

die Erscheinungen des auferstandenen

Christus geprägt.

Auferstehung ist keine Rückkehr

in dieses sterbliche Leben

oder ein anderes sterbliches

Leben, sondern Eintritt in das

ewige Leben. Und darin fallen

Zeit und Ewigkeit zusammen.

Denn die Auferstehung Christi

ist ja sowohl ein historisches

wie auch ein eschatologisches

Geschehen am Gekreuzigten.

Er ist darum die Auferstehung

und das Leben in Person

(Johannesevangelium 11,25).

Die Frage nach der Zukunft

der Toten wird christologisch,

vom Jesus her beantwortet. Im

Zentrum der Hoff nung stehen

weder das Ich noch die Welt,

sondern Gott, der uns in Christus

seine Zukunft geöff net hat.

Dr. Norbert Roth

fühlt sich bei

den Jesus Freaks

München wohl

und ist Pfarrer

der St. Matthäus

Gemeinde in

der Münchner

Innenstadt.

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11

Oktober/November


Zeit

Kommt der Zeitgeist

durch die Hintertür?

Individualisierung statt Gemeinschaftssinn

Ja wo ist er denn der liebe

Zeitgeist? Tür auf machen

und den Zeitgeist

sehen? Ja, so einfach ist das

nicht. Oder doch? Eigentlich

schon, denn der Zeitgeist ist

an uns selbst zu beobachten,

an unserem Denken, Fühlen

und Handeln. Es geht dabei

von Mode und Musik bis zur

alltäglichen Lebensgestaltung,

unseren Familien, unserer

Arbeit und unseren Glauben.

Unser Glaube abhängig vom

Zeitgeist? Eigentlich logisch,

denn unser Glaube ist immer

abhängig von der Zeit in der

wir leben oder betet heute noch

jemand in Latein wie es über

Jahrhunderte für Christen üblich

war? Nein natürlich nicht

und wie müssen auch nicht so

lange zurückgehen. Vor 20 Jahren

wäre es undenkbar gewesen,

in einem Gebet „Papa“ oder

„Daddy“ zu Gott zu sagen, heute

fast eine Selbstverständlichkeit.

Zufall? Bestimmt nicht,

eher eine Sache des Zeitgeist.

Und doch ist der Zeitgeist

gerade für Christen oft angstbesetzt

und unheimlich. Man

sagt, dass man dem Zeitgeist

widerstehen soll oder wir

dürfen uns als Christen nicht

vom Zeitgeist einlullen lassen.

Und dann werden warnende

Predigten geschrieben, schlaue

Bücher und die stellen fest,

dass wir in einer zunehmenden

Individualisierung leben in

sich jeder selbst der Nächste

ist. Das ist nicht gut, denn

der Christ an sich liebt die

Gemeinschaft. Außerdem geht

es in unserer Gesellschaft nur

noch um den Konsum. Alles

muss alles muss schnell, vertraut

und leicht verdaulich sein

– „McDonaldierung“ überall.

So weit – so richtig, die Warnungen

werden vernommen,

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Oktober/November

der „Feind“ scheint gestellt, die

Konsumgesellschaft enttarnt.

Das Problem, zumindest bei

mir, bleibt: Dieses ständige

Gefühl des „haben wollenes“

und Vergleichens mit denen,

die mehr haben, ist dennoch

präsent und vergiftet meine

Gedanken und verdirbt den

Charakter. Diese vergifteten

Gedanken sind hartnäckiger

als es mir lieb ist und wenn

ich dann auf mein Leben

schaue, merke ich, dass sich

dieses Gift durch ganz viele

Bereiche meines Lebens zieht.

Ich bin mit dem, was ich

erreicht habe, nicht zufrieden

und vergleiche mich immer

mit den Leuten, die genau

das als Gabe haben, was mir

noch fehlt. Statt das, was ich

bin und habe, mit anderen zu

teilen, neide ich es den anderen.

/ Das Gift des ständigen

Habenwollen /

Individualisierte Konsumgesellschaft

heißt, ich will immer

das haben, was mir fehlt, und

übersehe dabei leicht das, was

ich schon habe. Aber dieses

Gift bleibt nicht bei gesellschaftlichen

Fragen stehen,

sondern zieht seine Kreise

bis tief in unser christliches

Leben. Wie und für was bete

ich? Ich bin erschrocken, als

ich mal eine Woche lang meine

Gebete aufgeschrieben

habe. Zusammenfassend

könnte ich dazu sagen:

„Herr segne was ich

mache“ – statt:

„Herr ich will

das tun, was

du segnest“!

Mit was für

einer Einstellung

gehe ich in die

Gottesdienste?

Manchmal

Gemeinde

Lobpreis

ertappe ich mich dabei wie

ich reingehe, mich setze und

etwas distanziert die ganze

Sache beobachte. Die Moderation,

den Lobpreis, die Predigt

und was auch sonst immer so

geboten wird. Dabei überlege

ich, was mir was „bringt“ und

werte es nach meinen subjektiven

Maßstäben. Der Lobpreis

ist dann gut, wenn er mich

berührt. Die Predigt hat dann

Tiefe, wenn sie meiner Th eologie

entspricht und überhaupt,

geht es ja nur um mich. Konsumgesellschaft

mitten im Herz

der Gemeinde. Ein elendliches

Gift, das seine Wirkung nicht

verfehlt. Die Identifi kation

wird langsam betäubt und

stirbt Stück und Stück ab.

„Die Gemeinde bringt mir

nichts mehr“, so ein junger

Mann in einem Gespräch vor

einigen Wochen. „Ich komme

ab und zu mal in den Gottesdienst.

Immer dann, wenn

Pastor X predigt, der ist echt

gut drauf“. Da ist er. Herzlich

Willkommen du schnöder

Zeitgeist. Während wir ihn

draußen vor der Tür scheinbar

enttarnt haben, ist er durch die

Hintertür längst reingekommen

und hat es sich gemütlich

gemacht. Wir gehen in die

Gemeinde mit der Erwartung,

wie sie uns dienen kann, statt

mit der Frage, wie wir der

Gemeinde dienen können.

Bei allen guten, gabenorientierten

Ansätzen kann es

doch nicht sein, se dass

manch eine Gemeinde Gem

fünf Lobpreisteams

aufmachen

und die di

Predigt

Gemeinde

Arbeit Arb mit

Kindern

dafür


Abhängabend

schließen muss. Und wie sagte

eine Frau mittleren Alters zu

mir: „Wissen Sie, der Herr hat

mir den Lobpreis aufs Herz

gelegt.“ Nun ja, es steht mir

nicht zu das zu be- oder gar

verurteilen, aber es bereitet mir

zumindest Sorgen, dass der

Herr zurzeit vielen Leuten Lobpreis

aufs Herz legt und ganz

andere Teil der Gemeindearbeit

brach liegen. Passt eigentlich

gar nicht zu ihm. Wir können

uns dieses Verhalten scheinbar

leisten, da es uns materiell gut,

nein sehr gut geht, was schon

ein verrückter Widerspruch

ist. Die Folgen sind fatal.

Gefällt es mir in meiner

Gemeinde nicht mehr, suche

ich eben die Nächste, es muss

ja schließlich mir gut gehen

oder ich werde zum „Wanderer

zwischen den geistlichen

Angeboten“, mal hier ein

Abhängabend, mal da ein

Lobpreiskonzert, dann ein

Freakstock, das hält sogar ein

paar Wochen. Dabei werden

meine geistlichen Erwartungen

ständig hoch gehalten, denn

es geht ja um mich, um mein

geistliches Leben und mein

geistlichen Wohlfühlfaktor, der

muss schließlich stimmen.

Übertrieben? Vielleicht,

vielleicht aber nur ein bisschen,

denn die Folgen dieser

christlichen Konsumhaltung

ebnet den Boden für Bewegungen

wie „Wort und Geist“,

die genau diese Bedürfnisse

perfekt bedienen. Komm zu

uns und alles wird gut. Deine

geistlichen Sehnsüchte werden

endlich gestillt. Du musst dich

um nichts mehr kümmern,

wir füttern dich schon durch,

konsumgerecht in kleinen

geistlichen Happen, jeden Tag

35 Minuten und alles wird

gut. Da ist er der Zeitgeist,

in frommen Gewand,

direkt neben mir

Sehnsüchte

Gemeinde

Geistliche Happen

Ansprüche

und fl üstert mir zu: Komm,

du bist wichtig, hier kommst

du endlich nicht zu kurz, hier

werden deine Bedürfnisse

endlich ernst genommen.

/ Die Chance der

Entgiftung /

Ich merke, vor allem an mir

selber, wie tief diese Konsumgesellschaft

sich in mich hineingefressen

hat und wie nötig ich

eine Entgiftung brauche. Ein

Wegsehen von mir selbst und

ein Aufblicken zu Jesus. Der ist

seinerzeit hart mit dem ganzen

geistlichen Konsum ins Gericht

gegangen, hat die Händler aus

dem Vorhof der Heiden gejagt

und hat das Gift der falschen

Motivation gnadenlos aufgedeckt.

Aber bei „Vorhof der

Heiden“ und „Händler“ fühlen

sich die wenigsten Christen

angesprochen, aber genau

das sollten wir, da die oben

beschriebenen Egoismen und

das ständige zu kurz kommen,

werten und richten uns am

wahren Gottesdienst hindern:

Nämlich Gott anzubeten.

Und ich frage mich: Wenn

Jesus durch den Tempel meines

Leben gehen würde, was

würde er rausschmeißen? Was

ist daran überfl üssig? Was

vergiftet? Was hinderlich? Ich

merke, dass da einiges zusammenkommt

und mir es schwer

fällt auf Dinge zu verzichten

und die wahre Motivation

meines Denkens und Handelns

off en zu legen. Aber ich

merke auch, dass ich dadurch

den Gedanken Jesu näher

komme. Sein Reich ist nicht

von dieser Welt, ja nicht nur

das, es verdreht die Maßstäbe

und Maßeinheiten unserer

Gesellschaft und stellt neue

Ansprüche, die so gar nicht

in den Mainstream meines

bequemen Lebens passen.

Die Ersten werden die Letzten

sein und statt Macht

auszuüben, sollen wir den

anderen dienen

Habenwollen

Predigt

Lobpreiskonzert

Zeit

(Markus 9,33-35). Statt sein

eigenes Recht durchzusetzen,

sollen wir sogar unsere Feinde

lieben (Matthäus 5,43-38) und

anstatt zu konsumieren, sollen

wir teilen und uns um die Armen

kümmern, als wäre es Jesus

selbst (Matthäus 25,31-46).

So breitet sich durch uns

das Reich Gottes mitten in der

Konsumgesellschaft aus und

das Gegengift Jesu fängt in mir

selbst an zu wirken. Wenn ich

das zu leben beginne, da merke

ich, wie ich unter „Entzug“

leide und wie schwer es fällt auf

Dinge zu verzichten. Nicht weil

sie mir Gott nicht gönnt und

ich es gar nicht haben dürfte,

sondern weil ich es mir zur Gewohnheit

gemacht habe, sie als

selbstverständlich zu nehmen

und ich nicht gemerkt habe,

wie sie an Macht gewonnen

haben, sie haben mein Herz

erreicht und plötzlich begreife

ich, dass es bei dem reichen

Jüngling nicht nur um die

Menge des Reichtums gegangen

ist, sondern um die Einstellung

zu Besitz, Reichtum und

Konsum (Markus 10,17-27).

Dass es Jesus in seinem Reich

tatsächlich um einen neuen

Lebensstil geht, den wir von

der Perspektive „Ewigkeit“ her

leben sollen und der sich in

unseren Familien, Freundeskreisen,

Arbeitsplätzen und

Gemeinden ausbreiten sollen.

Dieses Reich Gottes lebt

weder im Konjunktiv, noch im

Futur, sondern ist hier, mitten

unter uns (Markus 1,15). Es

wird Zeit, dass es in meinem

Leben wieder sichtbar wird.

Tobias Faix ist verheiratet und hat

zwei Töchter. Er leitet

das StudienprogrammGesellschaftstransformation

und das institut

empirica für Jugendkultur

und Religion in

Marburg.

Freakstock

Konsum

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Oktober/November

13


Zeit

Entscheidungen

treffen

Wie lebe ich

mein Leben

sinnvoll?

Morgens 7.30

Uhr vor einer

der Chemnitzer

Elitegrundschulen. An

der Straße parken Wagen der

Marken Mercedes, BMW und

Audi. Geschäftig eilen Männer

in teuren Anzügen hin

und her, schnell ein Kuss auf

die Wange, danach wird der

Kleine in die Schule hinein

geschoben. Dazwischen stehe

ich in H&M Klamotten

und halte meine Tochter an

der Hand. Im Gegensatz zu

anderen Eltern haben wir uns

dieses Bildungsinstitut nicht

ausgesucht, um den Lebensweg

des Kindes bestmöglich zu

planen. Nein, diese Schule ist

für uns zuständig und (leider?)

hat es dem Kind sofort

gefallen, hierher zu gehen.

Lebenssinn – eine straff e

Bildung, Erfolg, Geld, und

Anerkennung? Dazu solange

wie möglich jung aussehen, fi t

bleiben und guten Sex haben

ist ein mögliches Konzept. In

christlichen Kreisen habe ich

jedoch gelernt, mich selbst

prinzipiell hinten ran zu stellen

und zuerst nach dem Wohlergehen

der Anderen zu fragen.

Zwei konträre Welten, die ich

beide in ihrer absoluten Form

ablehne. Ich fragte einige

Freunde und Bekannte im

Alter zwischen 30 und 40 nach

ihren Antworten zu sinnvollem

Leben. Ihre Aussagen sind:

• authentisch leben

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Oktober/November

• mich am richtigen Platz

wissen, egal, was um

mich herum los ist

• mich in meinem Körper

wohl fühlen, um das zu

erreichen viel Sport machen

• Glück empfi nden, auch

wenn die Zeiten vielleicht

schwierig sind

• mich mit dem Leben

aussöhnen, die guten

Seiten genießen und die

schlechten annehmen

• leben im Hier und Jetzt

• die Verantwortung für mein

Leben selbst übernehmen

• etwas für Andere tun,

ohne eine Gegenleistung

dafür zu erwarten

• Freude über Kleinigkeiten

eines ganz normalen Tages

• am Ende zufrieden

auf das Leben zurückblicken

zu können

Wie kann ich am Ende

meines Lebens zufrieden auf

das zurück blicken, was war?

So abgedroschen es klingt,

jeder Mensch ist einmalig. Das

heißt, jeder hat seine eigenen,

ganz besonderen Fähigkeiten.

Das Schwierige ist nur, diese

Einzigartigkeit zu entdecken

und zu leben. Die Prägung

für Werte und Ziele beginnt

schon früh im Elternhaus.

Und das kann sich bekanntlich

keiner aussuchen. Was

meinen Eltern wichtig war,

wirkt sich auf mich aus. Wie

fi nde ich denn dann zu mir?

Ich glaube an Gott als

den Ursprung des Lebens.

Das heißt, ich gehe davon

aus, dass er sich jeden Menschen

als einmaliges Wesen

wünscht. Und ich glaube

weiter, dass in dieser Einzigartigkeit

der Lebenssinn und

das Lebensglück liegt. Klingt

komplex ist es aber nicht.

Ich versuche es an einem

Beispiel zu erklären. In meiner

Herkunftsfamilie regieren die

Helferberufe. Mein Vater ist

ein sehr guter Psychiater, meine

Mutter, meine Schwestern und

ich sind Krankenschwestern.

Inzwischen hat eine Schwester

Psychologie studiert und

die andere spezialisierte sich

zur Fachkrankenschwester für

Krebserkrankungen. Einer

meiner Schwager leitet eine

Rettungswache, der andere

wird Lehrer. In meiner weiteren

Verwandtschaft haben wir

eine Hebamme, alle Formen

der Sucht-Th erapeuten, Prediger

und mein Mann arbeitet

auf dem Friedhof. Man

kann sagen, dass wir von der

Wiege bis zur Bahre fast alle

sozialen Dienste mit unserer

Familie managen können.

Es war nicht leicht für mich,

in dieser „Dynastie des Helfens“

meinen ganz eigenen Lebensweg

zu fi nden. Dieser führte

über den „Umweg“ Krankenpfl

egeausbildung zum Sozialarbeitsstudium

und danach in

mehrere Jahre Berufstätigkeit

im sozialen Sektor. In beiden


Berufen konnte ich viel leisten

und erhielt die Anerkennung

meiner Chefs, aber innerlich

wurde ich immer unzufriedener

und fühlte mich fehl am

Platz. Ich begann nach dem

zu suchen, was mir gefällt und

was ich längerfristig arbeiten

möchte. Diese Suche brachte

mich zum Schreiben und

damit auch zum Journalismus.

Seit letztem Jahr mache ich

ein Fernstudium und fühle

mich endlich „richtig“. Neben

Familie und Job ist das eine

größere Herausforderung. Aber

weil das Schreiben die Sache

ist, die mich erfüllt, habe

ich die nötige Energie und

den Willen, es zu schaff en.

Manchen Menschen fällt es

leicht, ihre Wünsche und Ziele

zu fi nden. Andere, so wie ich,

brauchen dazu länger. Doch ist

es immer ein Aha-Erlebnis, bei

sich selber anzukommen. Für

mich bedeutet dieses Ankommen,

im Einklang mit Gott

dem Schöpfer zu leben. Denn

wenn ich meinen „Herzenswunsch“

entdecke, lande ich

bei ihm, dem Geber des Lebens.

Natürlich kann man fragen,

ob das nicht zu egoistisch ist

und wenn jeder nur an sich

denkt, wo bliebe dann die

gegenseitige Unterstützung.

Aber da bitte ich, genauer

hinzusehen. Zu oft wurde

Gott vorgeschoben, um das

Machtstreben Einzelner durchzusetzen

und Menschen klein

zu halten. Nächstenliebe war

und ist ein Schlagwort, das

verunsichern kann. Wie liebe

ich den Anderen, wenn ich

meinen Helferberuf tief im

Herzen hasse, das aber wegen

des Drucks meiner Umgebung

nicht zugeben darf oder will?

Es ist eine schöne und tiefe

Erfahrung, den eigenen Lebensweg

zu fi nden. Auch

wenn Krisen kommen, hilft

der „richtige Platz“, wie es mir

eine Frau zurück meldete, die

schweren Zeiten zu überstehen.

Dabei zeigt sich an den Ergeb-

nissen, was der richtige Weg

ist. Wenn ich im Einklang mit

meinem Herzen bin, werde ich

innerlich ausgeglichener und

kann mit meiner Umgebung

besser umgehen. Ein Mensch,

der an sich und seinen Begabungen

vorbei lebt und nur

die Erwartungen der Anderen

erfüllt, wird mit der Zeit

unzufrieden und rastlos. Fazit:

ich nutze meine Zeit sinnvoll,

indem ich zu mir selbst fi nde

und meinen Traum lebe.

Zum Lebenssinn gehört

jedoch noch mehr. Das schöne

und zugleich schwierige

Zusammenleben mit anderen

Menschen. Auch wenn man

manchmal lieber allein und

unabhängig leben möchte,

dauerhafte Isolation tut niemandem

gut. Immer wieder

muss ich Entscheidungen treffen,

wie ich mit den mir nahe

stehenden Personen umgehe.

Mit Ignoranz und Rückzug

oder Off enheit und Mut zu

Konfl ikten, wenn es nötig ist?

Spreche ich aus, was ich denke

und wie ich mich fühle? Und

halte ich es auch aus, wenn

der Andere zu mir ehrlich ist?

Diese Verantwortung für

mein Leben nimmt mir keiner

ab. Spätestens mit dem

Erwachsensein muss ich selbst

entscheiden, wie ich leben

will. Weder der Partner noch

die Kinder, Freunde, Kollegen

oder die Leute aus der Gemeinde

haben die Aufgabe, mich

glücklich zu machen. Natürlich

hilft ein guter Umgang miteinander

zum Glücklichsein aber

kein anderer Mensch kann mir

dauerhaft die Bestätigung und

Liebe geben, die ich gerne hätte.

Im Juni diesen Jahres besuchte

ich einen Vortrag des

Benediktinermönchs Anselm

Grün zum Th ema Lebensträume.

Die Besucher drängelten

in die Kirche, die sonst im

Gottesdienst sehr viel weniger

Zulauf hat, als an diesem

Montagabend. Autoschlangen

bildeten sich und einige hupten

Zeit

genervt, weil ein vorsichtiger

Fahrer bedächtig seine Parklücke

suchte. Die Drängler

merkten nicht, dass der „Langsame“,

auf den sie schimpften,

der Referent des Abends war,

der versuchte, sich in der fremden

Umgebung zu orientieren.

Kurz darauf stieg ein müder,

äußerlich unscheinbarer Pater

auf die Kanzel. Er fand ganz

einfache und verständliche

Worte. Lebensträume sagte er,

sind die Dinge, die Menschen

tief in ihrem Herzen ansprechen

und bewegen. Sachen,

bei denen Menschen sich

lebendig fühlen und glücklich

sind. Diese Träume können

zerbrechen, weil das Leben

anders wurde, als man es sich

wünschte. Er riet, die Trauer

darüber nicht zu überspringen.

Nur wer sich dem Schmerz

über seine kaputten Träume

stellt, meistert seine Krisen.

Danach heißt es, aufstehen

und weiter leben – ehrlich und

seinem Herzen entsprechend.

Auf die Frage, welche Inschrift

Anselm Grün einmal

auf seinem Grabstein haben

möchte, antwortete er, „das

er ein weites Herz hatte und

das er Gott und die Menschen

geliebt hat“. Gott und die

Menschen zu lieben, besser

kann man Lebenssinn meiner

Ansicht nach kaum ausdrücken.

Für mich persönlich

beinhaltet das zwei Sachen.

Erstens nach meiner Begabung

zu suchen und diese zu leben.

Und zweitens, ehrlich und

achtsam mit den Menschen

zu sein, die mich umgeben.

Conny (35)

lebt mit ihrem

Mann

und ihren

bald zwei

Kindern in

Chemnitz.

Sie studiert

Journalismus.

5/2010

15

Oktober/November


Zeit

Von der Morgenhore bis

zum Komplet

Sieben Tage im Kloster Maria Laach

Es nun schon drei Jahre

her da habe ich es wie

durch ein Wunder

geschaff t, mein Studium erfolgreich

abzuschließen. Dann kam

aber auch schnell die Frage auf:

Was nun? Wohin soll ich jetzt

gehen? Was will Gott von mir?

Soll ich mir einen Job suchen

oder doch weiter meine ganze

Kraft ins Reich Gottes investieren?

Da ich zuhause durch

Internet und Fernsehen einfach

zu abgelenkt bin, wollte ich

für eine Woche in ein Kloster

fahren, um Gott zu suchen. Ich

kam auf Maria Laach eigentlich

nur über Google, bis dahin

hatte ich von niemandem

gehört, der dort gewesen ist.

Das Kloster liegt an einem

sehr großen See. Ein riesiger

Gebäudekomplex. Neben dem

Kloster ist die Klosterkirche,

die vor 900 Jahren gebaut wurde.

Das Leitwort des Gründers

war dabei: „Damit in allem

Gott verherrlicht würde“.

Mein Zimmer wirkt so ein

bisschen wie eine Jugendherberge

vor 50 Jahren. Drei

Betten, Uraltperser am Boden,

eine Tischlampe aus dem

Zweiten Weltkrieg und etwas

muffi g riecht es auch. Mir wird

mein Gastpater vorgestellt:

16 5/2010

Oktober/November

Bruder Timotheus. Er soll eine

Art Betreuer oder Seelsorger

für mich in der Zeit hier sein.

Auf dem im Zimmer liegenden

Plan steht für diese

Uhrzeit „Vesper“. „Schön, es

gibt was zu essen!“, dachte

ich so bei mir. Renne zum

Essensraum. Komisch, keiner

da. Nur ein älteres Ehepaar aus

Italien sitzt im Vorraum. Auf

die Frage: „Is there no Vesper

today?“ sehen die mich ganz

entgeistert an. Als ich dann

auf den Plan verweise, zeigt

der Mann in Richtung Klosterkirche:

„Vesper, Vesper!“

Es handelt sich also um

einen Gottesdienst. Vorne, in

einem abgegrenzten Bereich,

stehen sich etwa 40 Mönche,

in langen schwarzen Kutten, in

Dreierreihen gegenüber. Zur

Orgelmusik werden Gesänge

meist im Wechsel vorgetragen.

Zum Teil stehen die Godi-Besucher

immer mal wieder auf,

dann knien sie sich wieder hin.

Ich versuche mich irgendwie

an den anderen zu orientieren.

Irgendwann schließe ich die

Augen und möchte einfach

Gott spüren. Sein Geist ist für

mich deutlich anwesend, es ist

eine ganz angenehme, liebliche

Atmosphäre, so wie ich sie von

guten Lobpreiszeiten her kenne.

Mittagessen. Hinter einer

sehr großen Holztür

befi ndet sich ein großer

Saal, der ein wenig an

alte Ritterfi lme erinnert.

An den Wänden stehen

lange, schwarze Holzbänke

und Tische, an denen

die Mönche in ihren

Kutten sitzen. In der

Mitte sitzen wir Gäste an

einem Extratisch. Rechts

und links zwei sehr alte

Wandgemälde, auf denen

das letzte Abendmahl

mit Jesus und seinen

Jüngern abgebildet ist.

Während der Essenszeit

wird geschwiegen.

Kaum sitze ich,

kommt ein jüngerer

Mönch und schüttet uns

Tee in die Tassen. Leider habe

ich nicht geschnallt, dass man

diese vorher umdrehen muss.

Darum gehe ich diese Runde

leer aus. Ich schaue ein wenig

in die Gesichter der alten

Männer. Sind sie glücklich?

Sind sie erfüllt? Fühlen sie

sich Gott nahe? Ist es cool für

sie hier als Mönch zu leben?

Auf einer Art Kanzel steht ein

jüngerer Mönch, der während

des Essens wohlbetont Predigten

vorliest. Heute ging es

um Vergebung. Frage mich,

ob ich noch irgendjemanden

vergeben sollte, komme aber,

trotz grübeln, auf keinen.

Während eines langen Spaziergangs

im Wald verlaufe

ich mich fast. Im Abendgottesdienst

denke ich weiter

über meine Zukunft nach.

Die Nacht habe ich gut

geschlafen und bin schon vor

dem Weckerklingeln aufgewacht.

Der Engel ist leider

nicht aufgetaucht. „Morgenhore“

um 5 Uhr 30 habe ich

doch nicht gepackt, aber beim

„Konventamt“ um 7 Uhr 30

war ich am Start. Während

die Gemeinde und Besucher

in der Kirche sitzen, erklingt

das Orgelvorspiel und die 30

Mönche ziehen in den Altarraum

ein. Die zwei ersten

haben einen hellen Talar mit

grünen Banderolen, die hinteren

kommen wie immer ganz

in schwarz. Ein Priester liest ein

Gebet und ein Stück aus der

Bibel. Die Orgel klingt einfach

geil. Wenn die Sonne durch die


Kirchenfenster scheint, leuchtet

die Figur beim Altar ganz irre.

Beim Abendessen bin ich

sehr gelöst. Bekomme zum

ersten Mal ein Lächeln von

dem Gästepater, der neben mit

sitzt. Plötzlich kriege ich mit,

dass in der Hintergrundlesung

genau die Stelle vorgetragen

wird, die ich gerade in meinem

Zimmer gelesen habe: 1. Könige.

Aber was das bedeuten

könnte? Keine Ahnung.

Während des „Komplet“

am Abend, wieder so ein

Gottesdienstding, kommen

in meinem Kopf

Sachen zusammen, die

sich auf dem anschließenden

Spaziergang um

den Laacher See noch

mehr verfestigen. Es ist

im Grunde genau das,

warum ich hergekommen

bin. Der Beginn

von einer Antwort auf

die Frage nach

meiner Zukunft.

Heute geh

ich schon um

zehn Uhr pennen. Der

lange Spaziergang hat

mich geschlaucht und

ich will versuchen,

morgen ganz radikal

Jesus-Freaks-mäßig

zum Morgengebet zu

gehen. So klingelt mein Wecker

pünktlich 5 Uhr. Shit,

„Morgenhore“? Muss doch

nicht sein oder? Aber nachher

ist es eine verpasste Chance

und Gott wollte mir gerade

da begegnen. Quatschgedanke,

aber trotzdem: hoch!

Seltsamerweise wurde

wieder eine Stelle aus dem

ersten Buch der Könige vorgelesen,

die ich gerade gestern

selbst gelesen hatte. Sie liegt

sogar noch aufgeschlagen

auf meinem Schreibtisch. 1.

Könige, 2, 13-27. Aber was

hat das jetzt zu bedeuten?

Nach der Tageshore werden

wir Gäste über einen Nebeneingang

wieder in den Saal geführt,

wo wir das Mittagessen

mit den Mönchen einnehmen.

Der Gast soll bei den Benediktinern

eine Hauptrolle einneh-

men und extrem freundlich behandelt

werden, erklärt mir ein

Typ nach dem Essen im Flur.

Ansonsten das normale Programm.

Beim Kaff ee ein heftiges

Gespräch mit dem Tischnachbarn

gehabt. Er meinte:

„Der Papst hat ja auch gesagt, es

ist doch eigentlich alles gleich,

ob man nun an Buddha oder

Allah oder Jesus glaubt! Das

fi nde ich gut.“ „NEIN!“ meinte

ich „Ist es nicht! Oder ist Gott

schizophren und sagt dem

einen, dass er will, dass wir

unsere Feinde lieben und dem

anderen, dass es eine gute Idee

ist, sich ne Bombe um Bauch

zu binden und die im Bus zu

zünden, wenn ein Feind drin

sitzt? Wenn Jesus sagt: ‚Ich bin

der Weg, die Wahrheit und das

Leben, niemand kommt zum

Vater als durch mich‘, dann

ist auch nur ER der Weg“.

Am nächsten Morgen habe

ich den ganz frühen Gottesdienst

verpennt, dafür gehe ich

zum zweiten. Anschließend

gehe ich drei Stunden mit

einem jungen Lehrer aus Holland

spazieren. Wir haben über

so ziemlich alles geschnackt,

was man so bereden kann: Beruf,

Frauen, Religion, Hobbys.

12 Uhr „Hore“ Gottesdienst

und dann essen. Spaghetti

mit Hacksoße, aber so lecker

gewürzt, einmalig gut! Heute

haben uns ganz überraschend

fünf Patres in schwarzen

Roben am Tisch gegenüber

gesessen. Der eine hat mit

leicht verzogener Mine mein

Volxbibel-T-Shirt betrachtet.

Die erste wirklich gute

Gebetszeit im Zimmer. Jesus

war da und ich hab ihm

mein Herz ausgeschüttet.

Am Abend habe ich Bruder

Timotheus getroff en und mich

mit ihm verabredet! Über eine

Stunde konnten wir uns sehr

geil unterhalten. Hab ihm

viel erzählt, Volxbibel kannte

er nicht, aber die Jesus Freaks.

Er hat mir zwei gute Tipps

gegeben und mich nach meiner

dritten Vision gefragt. So

wurde er der erste, dem ich

davon erzählt habe. Er war

Zeit

anscheinend so begeistert,

dass er gleich sagte: „Kann

ich da auch mitmachen?“

Timotheus hat mich gefragt,

ob ich denn überhaupt mit

dem Ganzen hier was anfangen

konnte. Ich hab ihm dann

von meinen Erlebnissen mit

Gott erzählt und ich glaube, er

hat sich darüber gefreut. Am

Ende hat er mir dann noch

die Hände aufgelegt und für

mich vollmächtig gebetet.

Der letzte Tag ist angebrochen.

Super geschlafen und

heftigen Traum gehabt. Ich

kann mich nicht mehr an

den Inhalt erinnern, aber die

Aussage war so: „Immer Gott

treu bleiben, egal was passiert!“

Die Zeit in Maria Laach war

sehr besonders. Unsere alte

Kirche mit ihren Traditionen

hat was, wenn man in der Lage

ist, diese Traditionen mit Geist

zu füllen und sich Inhalte zu

übersetzen. Schaff t man das

nicht, ist es leer. (Aber gilt das

nicht auch für die neuste charismatische

Turbogemeinde?)

Ich war hier, um Weisung

von Jesus zu bekommen. Ich

denke, er hat mir hier eine

konkrete Sache klargemacht,

nämlich dass ich das Volxbibel

AT schreiben werde.

Wer mal die alte Kirche am

Wirken sehen will, wer Gott

erlebt bei Spaziergängen und

in richtig alten Kapellen, wem

Rituale und alte Bräuche des

Glaubens helfen, wer es cool

fi ndet Gottesdienste in Lateinisch

zu hören, wer einfach mal

seine Ruhe in sicherer Umgebung

haben will, für den ist

Mariaa Laach ein genialer Ort.

Da ich keine konkreten Erwartungen

hatte, war die Zeit

für mich sehr geil. Ich gehe

mit einem warmen Gefühl im

Bauch nach

Hause und

mit einigen

Worten, die

mir helfen

werden, Entscheidungen

zu treff en.

Martin Dreyer

5/2010

17

Oktober/November


Zeit

Auf den Grund sehen

Wie ein Pater seine Freundschaft

mit Gott pflegt

Stille Zeit ist, als würdest

du dich ans Ufer eines

kleines Sees setzen. Der

sandige Boden ist aufgewühlt,

das Wasser trüb, in der Tiefe

ist nichts zu erkennen. Aber du

sitzt da am Ufer und wartest.

Du nimmst dir Zeit. Und

langsam setzen sich Sand und

Schlamm, langsam wird das

Wasser klarer. Du erkennst,

wie tief es ist, wir frisch und

rein und schließlich, wenn

du genau hinschaust, siehst

du kleine Fische am Grund

schwimmen, Pfl anzen wachsen,

Krebse krabbeln. So ist es mit

deiner Seele, auch sie braucht

manchmal Ruhe, damit du in

ihre Tiefen blicken kannst.

Es ist ein Bild für Stille Zeit,

also die Auszeit von der Hektik

des Alltags, in der wir zur Ruhe

kommen sollen. Im Franziskanerkloster

Marienthal gehört

Stille Zeit und das regelmäßige

Beisammensein mit Gott zum

normalen Tagesablauf. Seit

mehr als vierzig Jahre lebe ich

im Kloster, seit zwölf Jahren

hier in Marienthal. Um 6.30

Uhr feiere ich in unserer Kapelle

mit anderen Brüdern und

Gläubigen aus der Umgebung

– auch Kindern und Jugendlichen

– die Eucharistie. So ist

der Anfang des Tages zugleich

auch der Höhepunkt. Die

Laudes um 7, die Sext um 12

18 5/2010

Oktober/November

und die Vesper um 18 Uhr, sowie

das Nachtgebet nach dem

Abendessen gehören dazu. Für

das persönliche Beten bleibt

dann noch genügend Raum,

nämlich die gesamte übrige

Zeit des Tages. Jesus sagt: „Betet

allezeit“, was soviel bedeutet

wie: „Bleibt immer in der persönlichen

Beziehung, im persönlichen

Gespräch mit mir.“

Das ist eine Sache der Übung,

der Praxis und der Gnade.

„Beten ist Gespräch mit dem

Freund“, sagte Th eresa von

Avila. Eine Freundschaft, wenn

sie beharrlich – in guten und

in schlechten Tagen – gepfl egt

wird, wächst, wandelt sich,

verdichtet und vertieft sich und

bleibt jeden Tag neu und frisch.

Die tägliche Meditation aus

der Heiligen Schrift oder aus

einem geistlichen Text gehört

genauso dazu wie die kurzen

Stoßgebete während des Tages,

die Herzenserhebungen, das

Fragen nach dem Was und dem

Wie des Willens Gottes und das

„Für dich, Jesus!“ bei den Tätigkeiten,

Mühen und Leiden des

Tages. Auch die Begegnungen

mit den Menschen, in denen

ich Jesus erkenne, gehören zum

Gespräch mit dem Freund

und sind deshalb auch Gebet.

Letztlich geht es darum, das

Gespräch mit Jesus (im eignen

Herzen und in anderen Menschen)

während des Auf und

Ab des Tages nicht abreißen zu

lassen. Dabei bemerke ich, dass

das gemeinsame und das persönliche

Beten sich gegenseitig

befruchten: Die Psalmen und

übrigen Schriftentexte sowie

die Feier der Eucharistie helfen

mir, Jesus tiefer zu erkennen.

Andererseits werde ich die Psalmen

umso inniger beten und

Jesus in der Heiligen Schrift

umso tiefer erkennen, je inniger

meine persönliche Beziehung

zu Jesus ist. Beides zusammen

gibt meinem Leben eine klare

Ausrichtung auf Jesus, Intimität,

Gelassenheit und Festigkeit

in den Stürmen des Lebens

und die Freude auf das Ziel: die

endgültige Begegnung mit Jesus

von Angesicht zu Angesicht

und das ewige Leben mit Ihm.

Pater Rainer gehört

seit 40 Jahren

zu den Franziskanern,

liebt

Jesus und fühlt

sich daher mit

den Jesus Freaks

verbunden. Denn

er ist ja selbst einer,

wenn auch

von einer anderen „Abteilung“.


Work-Life-Balance

Ratgeber: Wie lebe ich ausgewogen?

Eine schwierige Frage,

mit der ich mich oft

konfrontiert fühle. Die

Anforderungen des Alltags sind

ständig allgegenwärtig: Eine

Vollzeitstelle, oft Überstunden,

wenig Zeit für Freunde,

Hobbys, Engagement in der

Gemeinde und eventuell bald

noch ein freiwilliges Aufbaustudium.

Werde ich das alles unter

einen Hut bringen? Nun würde

ich gerne meine Vollzeitstelle

auf eine 30-Stunden-Stelle

reduzieren. Spielt da meine

Chefi n mit? Erst vor einer Woche

habe ich erfahren, dass ich

mich ab nächster Woche einem

neuen Projekt widmen darf. Da

wird eigentlich eine Vollzeitstelle

gebraucht. Und jetzt?

Die so genannte „Work-

Life-Balance“ beschreibt einen

Zustand, in dem Arbeit und

Privatleben miteinander im

Einklang stehen. Dies sieht

natürlich bei jedem anders

aus und jeder empfi ndet einen

solchen Einklang anders. Vielleicht

triff t es auch eher die

Beschreibung, dass es sich um

eine subjektiv ausgewogene

Priorisierung der verschiedenen

Lebensbereiche geht. Letztendlich

liegt also dann eine

Balance vor, wenn die jeweilige

Person mit der Verteilung der

Zeit auf die verschiedenen

Lebensbereich zufrieden

ist. Und das ist je nach Alter,

Lebensphase und der persönlichen

Einstellung zum Sinn

des Lebens unterschiedlich:

Während beispielsweise der

junge, erfolgsorientierte 25-jährige

BWL-Student vielleicht

kein Problem mit einer 50 bis

60-Stunden-Arbeitswoche hat,

sieht das bei dem 45-jährigen

Hausmann in einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt

sicherlich ganz anders aus.

Die eigene Balance ist außerdem

je nach den Lebensumständen

immer im Wandel

und einer stetigen Dynamik

unterworfen. Was vor zehn

Jahren für mich gut und

wichtig war, hat heute mit

größter Wahrscheinlichkeit

einen ganz anderen Stellenwert.

Von einer nicht gelungenen

Balance spricht man auf

jeden Fall, wenn man einem

Burn Out (Ausgebranntsein)

oder einem Bore Out

(Gefühl krankmachender

Langweile) nahe kommt

oder schon darunter leidet.

Einige Konzerne versuchen

einer krankmachenden Lebensweise

mit ihrer Firmenpolitik

entgegenzuwirken: So

gibt es das Angebot, von zu

Hause aus zu arbeiten oder

fl exible Arbeitszeiten wahrzunehmen,

an Jobsharing

oder einem präventiven Klinikaufenthalt

teilzunehmen.

Bei meinem Silvesteraufenthalt

2009 in der Abtei

Münsterschwarzach, der

Wirkungsstätte von Amseln

Grün, ging es um „Zeitlosigkeit“.

Unser Umgang mit Zeit

war da zwangsläufi g Th ema.

Ein wichtiger Aspekt war dabei

die Achtsamkeit sich selbst

und Gott gegenüber. Höre ich

auf mich? Höre ich auf Gott?

Nehme ich mir Zeit für beides?

Nur dadurch komme ich immer

wieder an den Punkt herauszufi

nden, was ich eigentlich

will und was Gott von mir will.

Und Gott ist sicherlich kein

„Stressmaker“. Er will uns nicht

in ein völlig gestresstes oder

total langweiliges Leben führen.

Amseln Grün äußerte zudem

in einem seiner Vorträge,

dass Burn Out nicht dadurch

begründet ist, dass man zu

wenig Zeit hat, sondern in dem

Nichtbeachten des eigenen

inneren Rhythmus, der eigenen

Maßlosigkeit oder dem

Druck, den man sich selbst

macht oder machen lässt. Die

Zeit ist immer die Gleiche, aber

Zeit

mit welchen Dingen fülle ich

sie bzw. lasse ich sie füllen?

Selbstverständlich sind

auch solche Faktoren wie

Beziehungspfl ege, ausreichend

Schlaf, viel Bewegung, gesunde

Ernährung und Entspannung

maßgeblich an einer Work-

Life-Balance beteiligt. Letztendlich

hängt aber alles an dem

Grundstock: Der Achtsamkeit

Gott und mir gegenüber. Zeit,

die ich mit Gott verbringe,

ist keine verschwendete Zeit,

sondern schenkt mir vielmehr

Zeit zurück. In dieser

Zeit komme ich auch endlich

wieder zu dem Gefühl, selbst

zu leben und nicht gelebt

zu werden. Nicht bestimmt

zu werden von den äußeren

Faktoren oder Erwartungen.

Dies macht mich auch wieder

achtsamer mir selbst gegenüber.

Was sind meine Ziele? Was

ist meine Berufung? Was ist

zurzeit in meinem Leben dran?

Wo sind meine Prioritäten?

Habe ich diese richtig gesetzt?

Hier ist immer wieder ein

ehrliches Hinterfragen nötig

– aber ohne Druck und

zu hohen Erwartungen

mir selbst gegenüber.

Die Achtsamkeit mir selbst

gegenüber führt automatisch

auch zu einer höheren Achtsamkeit

dem Anderen gegenüber.

Dies kann für meinen

Nächsten auf den ersten Blick

erstmal anders wirken: Wenn

ich mich selbst geliebt fühle,

muss ich mich nicht beliebt

machen und sage vielleicht

auch mal nein. Das kann zu

Irritationen führen und einige

Leute werden sich vor den

Kopf gestoßen fühlen. Letztendlich

erweise ich dadurch

aber den Menschen, denen

ich Aufmerksamkeit schenken

will, meine ungeteilte

und volle Aufmerksamkeit.

Diana Eberwein

19

5/2010

Oktober/November19

0 5/2010 0

Oktober/Novemb November

ovember


BoTEN

CoVER

SHoW

1995 - 2008


Ratgeber

Pünktlich und praktisch

Zeitmanagement für Familien

Eigentlich könnten wir

euch jetzt mit wunderbar

tollen theoretisch

super funktionierenden

Ratschlägen zumüllen, aber

wir dachten, dass wir euch

lieber aus unserem Alltag

erzählen und davon könnt ihr

euch ein paar Tipps ableiten.

Sonst sind wir auch sehr

off en für weitere Vorschläge

von euch in Form von Leserbriefen

oder sollen wir doch

noch eine Familienecke im

Kranken Boten einrichten?

Zu unseren Familiensituationen:

Moni und Micha haben

ein Kind das 19 Monate

alt ist. Moni hatte bis jetzt

Elternzeit und fängt demnächst

eine Weiterbildung

an. Micha hatte bis August

Umschulung und tritt demnächst

eine neue Stelle an.

Ronny und Isabel haben

zwei Kinder (11 Monate

und 5 Jahre). Ronny ist

im Moment in Elternzeit,

Isabel hat ihr Studium beendet

und steht kurz vor

ihrem Berufseinstieg.

Wie bekommt ihr eure

Termine in den Griff ?

Moni: Ich habe sie meist im

Kopf, falls kein Familienkalender

existiert oder ein

Zettel. Das kann natürlich

auch schief gehen und hoffentlich

denkt Micha dran,

mich über seine Termine zu

informieren und umgekehrt.

Ronny: Mit meinem Handy,

das die Termine automatisch

mit dem Google Kalender

abgleicht, auf den wiederum

auch Isabel Zugriff hat.

22 5/2010

Gibt es einen zentralen Ort,

wo ihr alle Infos verwaltet?

Moni: Entweder Zettel an der

Pinnwand oder ein Eintrag im

selbst gebastelten Familienkalender

mit drei Spalten, d.h.

für jede Person eine Spalte,

die groß genug ist auch für

Oktober/November

Änderungen und ein bisschen

mehr Details. Es ist fast

schon ein kleines Tagebuch.

Ronny: Wir haben einen

Küchenkalender. Seit einiger

Zeit nutzen wir aber

öfter den Googlekalender.

Wie stimmt ihr euch ab?

Moni: Durch kurze Gespräche

über den Tag. Meistens gibt

es eine Grobplanung für den

Tag wie z.B. morgens Haushalt,

nachmittags Garten, abends ...

Wobei wenn Micha arbeitet

klar ist, dass ich nur Sachen

machen kann, bei denen

ich Marvin nicht gefährde.

Ronny: Google, Telefon,

Gespräch. In dieser Reihenfolge.

Für größere Planungen

wie Urlaub oder Kurztrips

nehmen wir uns den Papierkalender

und Zeit.

Wie pünktlich seid ihr?

Ronny: Pünktlich?! Was ist

das? Im Ernst, es kommt auf

den Termin an. Je wichtiger

desto pünktlicher, aber meistens

auch umso stressiger. Ich

habe bei regelmäßigen Terminen,

wie unseren Sohn in den

Kindergarten bringen, größere

Probleme. Dafür bin ich

bei besonderen Anlässen wie

Hochzeiten der „Zeitdiktator“.

Moni: Ich hab auch Probleme

mit der Pünktlichkeit. Mich

ärgert es dann total, wenn ich

mir selbst in die Quere komme

und es nicht schaff e pünktlich

z.B. beim Chor zu sein. Andererseits,

wenn es mir wichtig

ist und Micha ist unpünktlich,

möchte ich lieber nicht

Micha sein und umgekehrt.

Wie wichtig ist euch

Pünktlichkeit?

Ronny: Wenn wir merken, dass

es andere extrem stört, dass wir

unpünktlich sind, bemühen

wir uns keinen Anlass zum

Ärger zu geben. Durch die

modernen Kommunikationsmittel

ist es einfacher gewor-

den rechtzeitig Bescheid zu

geben, wenn ein Termin nicht

mehr gehalten werden kann.

Moni: Auf Arbeit rechtzeitig

zu sein steht ganz oben auf der

Prioritätenliste, bei Freunden

bin ich leider zu oft „Irlandgeschädigt“,

d.h. oft unpünktlich,

obwohl ich es eigentlich nicht

will, dafür bin ich andererseits

sehr tolerant bei Verspätungen

von Freunden. Das

Einzige, was ich nicht mag,

ist, wenn Leute sich gar nicht

melden und sagen was los ist.

Meist denke ich, andere Familien

haben das alle viel besser

als ich im Griff , aber in Wahrheit

geht es ihnen oft genauso

wie uns. Trotzdem erstaunt

es mich in Deutschland immer

wieder, wie pünktlich

die Leute auch privat sind.

Wie geht es euch mit den

Verpfl ichtungen außer Haus?

Ronny: Beim Kindergarten

gibt es harte Vorgaben. Da

bekomme ich schnell Ärger,

wenn ich zu spät dran bin. Mit

Kindern ist ein Mindestmaß an

Pünktlichkeit und Zeitplanung

notwendig. Spätestens mit

Beginn der Schule ist Schluss

mit lustig. Die Konsequenzen

der eigenen Schludrigkeit

müsste dann das Kind tragen.

Moni: Ich hoff e, dass es mit

dem Kindergarten ab Oktober

gut laufen wird. Bei

der Krabbelgruppe hat es oft

nicht hingehauen, da Marvin

und ich beide Langschläfer

sind und es selten schaff en

um 9 Uhr 30 irgendwo zu

sein. Nun müssen wir beide

Frühaufstehen trainieren.

Wieviel l Freizeit

bzw. Paarzeit aarzeit

habt ihr? r?

Moni:

Freizeit

– soll

so was

sein

für


Singles, hab ich gehört. Es ist

unglaublich schwer, sich Zeit

frei zu schaufeln, am besten

klappt es mit festen Terminen.

Da ich auch ein bissl was von

einem Workaholic habe, muss

ich mich manchmal selber treten,

um frei zu machen. Micha

kann besser chillen als ich. Aber

wir haben es in letzter Zeit

hin und wieder geschaff t, freie

Sonntage zu haben und arbeiten

daran, mehr Paarzeit zu

haben. Babysitter zu fi nden ist

schwierig, wenn man sie nicht

bezahlen kann und ausnutzen

will ich auch niemanden.

Ronny: Natürlich gibt es den

Familienausfl ug. Dann hat

jeder Zeit für sich und seine

Freunde. Und es gibt die

Einzelbetreuung, bei der ich

z.B. mit meinem Großen eine

Tour mache. Viel zu selten

haben wir Zeit, wo wir nur

als Ehepaar etwas unternehmen.

Im Alltag gibt es aber

viele kleine Paar-Oasen, wo

wir gemütlich auf dem Balkon

oder auf der Couch sitzen.

Gibt es feste Rituale im

Tagesablauf z.B. beim

Essen und Schlafen?

Ronny: Im Kindergarten. Zu

Hause ist der Zeitplan dehnbar

wir Kaugummi. Feste Essenszeiten

kennen wir seit unserer

Studentenzeit nicht mehr. Es

gibt bei uns eher Zeitfenster.

Im Winter merkt man früher,

wenn es dunkel wird und die

Kinder ins Bett sollten. Das

Einschlafen ist auch fl exibel,

mal ist mehr Zeit mal weniger.

Moni: Der Einzige, der wirklich

konsequent mit seinen

Essenszeiten ist, ist Marvin.

Wir versuchen wenigstens ein

gemeinsames Abendessen auf

die Beine zu stellen, aber das ist

manchmal schwieriger als man

denkt. Aber ich versuche v

gerade mit MMarvin

eine rege regelmä-

ßige MMit

tags tags- und

Absce

Abend-

schlafzeiteinzuüben,

genauso wie ein festes

Einschlafritual.

Wie sieht ein typischer

freier Tag aus?

Ronny: Am Vormittag wird

gegammelt, spät Frühstück

gegessen und kurz vor Mittag

beratschlagt, was wir nachmittags

unternehmen. Wichtig

ist für uns, dass wir irgendwie

raus kommen. Denn das

Wochenende sollte sich unserer

Meinung nach vom Rest der

Woche unterscheiden. Ich kann

mich noch gut daran erinnern,

dass mir als Kind gerade am

Sonntag oft langweilig war. Das

will ich meinen Kindern und

mir selbst ersparen, auch wenn

ich als Erwachsener manchmal

auch nur einfach abhängen will.

Moni: Nach Möglichkeit

schläft einer aus oder alle,

ausruhen soweit es geht, vielleicht

noch was unternehmen,

Godi um 16 Uhr ist bei Micha

eigentlich Pfl icht, abends meist

noch chillen auf dem Hof mit

Mitbewohnern des Hauses.

Wie sieht ein typischer

Alltag aus?

Ronny: Anthony muss bis

9 Uhr im Kindergarten sein.

Danach kann ich in Ruhe

frühstücken und Zeitung lesen.

Die restlichen fünf Stunden

bis zum Abholen werden für

Orgazeug und Hausarbeit

verwendet. Die Zeit verrinnt

aber oft wie Sand zwischen

den Fingern, weil auch viele

kleine Dinge zu erledigen sind.

Moni: Morgens geht Micha zur

Arbeit, ich stehe mit Marvin

auf. Marvin spielt, entdeckt,

will raus ... und ich versuche

so nebenbei, Haushalt zu

machen, Telefonate, Mails

und Orgasachen zu erledigen,

Obst und Gemüse einzukochen,

die Pfl anzen zu betreuen

... Abends übernimmt meist

Micha die Kinderbetreuung.

Wer macht was bei euch?

Wie ist die Arbeitsteilung?

Ronny: Als ich noch Vollzeit

gearbeitet hatte, teilten

wir Haushalt und Kinder

so 30:70. Jetzt in meinem

Ratgeber

Elternjahr ist der Anteil auf

über die Hälfte gestiegen. Bei

uns kann sich auch der/die

Familienernährer/in nicht der

Hausarbeit entziehen, denn

davon gibt es (leider) immer

zu viel. Generell versuchen

wir so zu planen, dass nicht an

einem alles hängen bleibt. Da

spielt auch die längerfristige

Karriereplanung eine Rolle.

Moni: Micha wird zunächst

der Geldverdiener, da er jetzt

fertig ist mit der Umschulung.

Außerdem ist er für handwerkliche

Sachen zuständig.

Ich selbst werde hoff entlich

bald Geld verdienen, aber

erstmal bin ich noch in Elternzeit

und möchte meine

Weiterbildung abschließen.

Zuhause kümmere ich mich

um handarbeitliche Sachen,

den Haushalt, den Papierkram,

die Gemüsepfl ege und deren

Verarbeitung. Gemeinsam

stemmen wir größere Projekte,

sei es die Möbel umzuräumen

oder ein Zimmer zu streichen.

Wie seht ihr euer Zeitmanagement

insgesamt?

Ronny: Meiner Meinung nach

ist die Planung die halbe Miete.

Neben den eigenen Terminen

haben auch Kinder ihre

wichtigen Tage (Kindergartenfeste,

Geburtstage, Musikschule).

Im Familienalltag

gibt es dann viele Dinge, die

unvorhersehbar sind, wenn

z.B. ein Kind krank wird. Mit

einem gut geführten Kalender

kann man sich und seinen

Kindern viel Ärger ersparen.

Moni: Alles in allem nützt es

sehr viel, wenn man konsequent

einen Familienkalender

führt und feste Termine hat

oder sich nimmt, damit jeder

mal einen Abend entspannen

kann oder man auch mal was

zu zweit unternehmen kann.

Super wichtig ist es, sich an

Absprachen zu halten und so

wenig wie möglich spontane

Änderungen zuzulassen, da

man sonst oft nicht mit langfristigen

Projekten weiterkommt.

Moni Jahme und

Ronny Schellenberg

5/2010

23

Oktober/November


Zeit

Und Tschüss

Wie eine Auszeit ein

Leben verändern kann

11. Klasse. Die

Sommerferien

stehen vor

der Tür. Lange hat sie darauf

gewartet und nun sind es

nur noch ein paar Wochen.

Wird alles klappen? Wie sind

die da drüben drauf? Nicole

Meier schiebt die Bedenken

beiseite. Die Abenteuerlust

überwiegt. Sie freut sich

einfach auf die Wildnis, den

Ozean und die Begegnungen.

Ein paar Wochen später

steht sie am Flughafen. In

den Fahrradtaschen das Gepäck

und in einem geblümten

Bettbezug Zelt, Isomatte und

Schlafsack. Die Angestellten

der Lufthansa staunen nicht

schlecht. Es geht nach Kanada.

Genauer gesagt nach

Vancouver. Hier will Nicole

mit ihrem Fahrrad die Küste

Richtung USA entlang fahren.

Die Idee für diese Tour

entstand in der achten Klasse.

Nicole und ein Klassenkamerad

sind begeistert über eine

Geschichte im Englischbuch:

Ein Pilot, der mit seiner Cessna

die USA von Ost nach West

überfl ogen hat, erzählt seine

Story. Das Feuer ist entfacht.

Nicole ist

Cape Perpetua, Oregon Coast

24 5/2010

Oktober/November

fasziniert von

den USA. Beide

Klassenkameraden

halten fest, dass

sie während der

Oberstufe mit

dem Rad eine

Tour durch die

Staaten machen

wollen.

Ein paar Jahre

später will der

Klassenkamerad nicht mehr

mit, aber Nicole hält an der

Idee fest: Mit dem Fahrrad

die USA erkunden.

Gesagt, getan: Nicole macht

ihren Plan zur Wirklichkeit.

Innerhalb von sechs Wochen

fährt sie von Vancouver bis

zur mexikanischen Grenze.

Immer die Küste entlang.

Großartig trainiert habe sie

nicht, erzählt Nicole. Die

Strecke habe es aber in sich:

Die berühmte Küstenstraße

hält sich mit Steigungen

nicht zurück und ein bisschen

Kondition brauche man schon.

Nicole beißt sich durch.

Sie ist von der Natur und

dem Ozean hingerissen, aber

ganz besonders prä-

Pirate Cove at Sunset Bay

State Park, Oregon

Nicole am Strand, Nord Californien

gen

sie die Begegnungen

mit den Menschen.

Eine solche Off enheit habe

sie nicht erwartet, gibt Nicole

rückblickend zu. So kommt

es beispielsweise auch öfters

vor, dass sie statt im Zelt auf

einem der zahlreichen Biker-

Camps, bei Einheimischen zu

Gast ist. Diese Leute hat sie

vielleicht nur nach dem Weg

gefragt und prompt folgt eine

Einladung. Nicole ist begeistert

von dieser Gastfreundschaft

und weiß am Ende der

Tour: Ich komme wieder.

Ein Jahr später, gleicher

Schauplatz: Nicole macht es

wahr und reist wieder für die

gesamten Sommerferien in die

USA. Wieder die gleiche Route.

Wieder mit dem Fahrrad. Aber

ddieses

Mal passiert etwas,

was Nicoles Leben

kräftig umkrempeln

wird. Wieder zu Gast

bei einer Familie merkt

Pirate Cove at Sunset Bay

State Park, Oregon


Gründe für eine Auszeit

• mehr Zeit für die Familie haben

• den Horizont erweitern

• fremde Länder kennenlernen

• Förderung der persönlichen

Entwicklung

• Erholung vom Arbeitsalltag

• schöpferische Pause

• private oder berufliche

Neuorientierung

• Neues sehen und erleben

sie, dass dort etwas anders ist.

„Es war wie nach Hause kommen“,

beschreibt Nicole das

Gefühl bei ihren Gastgebern.

Einerseits war es ihr etwas

unheimlich, andererseits auch

ähnlich familiär wie bei den

Waltons. Sie bleibt länger als

geplant und kommt mit den

Leuten auf Gott zu sprechen.

Eines Abends beschleicht sie

ein komisches Gefühl. „Eine

Angstattacke“, interpretiert Nicole

dies heute. In diesem Moment

der Schwäche und Angst

spricht Gott zu ihr. Nicole

ist überwältigt. Sie triff t eine

Entscheidung für Gott. „Das

hat mich völlig aus den Socken

gehauen“, beschreibt Nicole

die Situation. „Ich wurde

gefühlsmäßig runderneuert“, so

Nicole. Dies spüren auch nach

ihrer Rückkehr alle Bekannten

in Deutschland. Sie sei auf

einmal total anders gewesen.

Nach dem Abi zieht es sie

dann für ein Jahr in die USA.

Sie will weg. Dem Hamsterrad

entfl iehen. Sie ist zu Gast bei

der Familie, bei der

sie sich

Vancouver Island, Canada

White Sands National Monument

New Mexico

bekehrt

hat.

Auf der

Farm

des

älteren

Ehepaars

packt sie

mit an

oder kümmert

um

die Kinder

eines

jungen

Ehepaars.

Vier Jahre pendelt

Nicole zwischen Deutschland

und den USA hin und her:

„1998 hatte ich dann endlich

das Gefühl, dass ich jetzt hier

in Deutschland angekommen

bin“. Nicole lebt fortan wieder

Dettmold. Ein Jahr habe sie gebraucht,

um den deutschen Alltag

wieder zu ertragen. „Vorher

fand ich alles immer sehr erdrückend“,

begründet sie ihr Pendeln

zwischen den zwei Kontinenten.

Außerdem liefe immer

Haystack Rock, Cannon Beach,

Oregon

Zeit

Grand Canyon, Arizona

8 der 10 Kinder, bei deren Familie

Nicole zwischen 1994-98 gelebt hat

5/2010

Oktober/November

alles

in vorgefertigtenBahnen.

Die

Zeit in

den USA

habe ihr

dabei

geholfen

auszubrechen,

so

Nicole.

Sie

habe

sehr viel

über die Menschen und sich

selbst gelernt. Dies lässt sie

auch in ihren jetzigen Beruf

mit einfl ießen: Seit kurzem

betreibt sie einen Regionalwarenladen

und die Erweiterung

um ein Café ist geplant.

Diana Eberwein

(31) träumt auch

gerade von einer

Auszeit ... mit

dem Fahrrad in

Neuseeland oder

von einer Tour auf

dem Highway No. 1.

25

Seelöwen, Astoria, Oregon


Jubiläum

Vom Fanzine

zur richtigen Zeitung

Die Geschichte des Kranken Boten

Warum heißt der

Kranke Bote denn

eigentlich so wie er

heißt? Und was ist das überhaupt?

Diese Fragen bekommt

man häufi ger zu hören, wenn

es um das Magazin von & für

Jesus Freaks geht. Gehen wir

dem Mythos auf den Grund.

Mehr erfahren habe ich im

Gespräch mit dem Gründungsmitglied

Mirko Sander und den

späteren Chefredakteuren Jocky

Spörl und Frank Hartkopf.

Zur Vorgeschichte: Irgendwann

im Jahre 1995 ist die

Heimstatt der Hamburger

Jesus Freaks das Marquee, ein

gemieteter Club. Im Keller

befi nden sich die Büroräume

und die Schlafplätze der

Praktikanten. Mutige Leute,

denn der Keller war ziemlich

abgefuckt und musste mit

mehreren Mäusefamilien geteilt

werden. Mirkos Kommentar

dazu: „Ein echt übler Ort.“

26 5/2010 5/ 5 20 2010 10

Oktober/November

Ok Okto to tobe be ber/ r/ r/No No Nove ve vemb mb m er

Jedenfalls hatten Mirko,

Taade, ebenfalls aus Hamburg,

und Andi aus Bayreuth die

Idee ein Fanzine herauszubringen.

Davon gab es schon

etliche, die sich verschiedenen

Subkulturen oder Musikstilen

widmeten. Ihr Ziel war es, eine

echt coole Zeitung zu machen.

Also schickten sie einen Aufruf

an alle Freak-Gruppen, in

dem sie darum baten eine Seite

zu ihrer Gruppe zu schreiben,

wie es ihnen so geht, was sie

machen, welche Gebetsanliegen

sie haben usw. Das Ganze

sollte regelmäßig erfolgen

und – ja, auch damals schon

– es wurden Einsendeschlüsse

vorgegeben. Das Erstaunliche

daran war, und man merkt

Mirko die bis heute anhaltende

Begeisterung darüber an: „Die

Leute haben das gemacht.“

Die Zuschriften trafen in

Hamburg ein und das Sammelsurium

brauchte einen

Namen. Ein kleiner Exkurs:

Die Namensgebungen der

Jesus Freaks waren zu

jener Zeit ... sagen wir

außergewöhnlich. Ihre

Kneipe in Hamburg

hieß „GNLPSW-

XYBD“, das Jesus Festival

„Freakstock“ und

die Münchner Gruppe

„Wrzlbrmft“. So gesehen

ist „Der Kranke Bote“

noch relativ normal.

In Anlehnung an

diverse Gemeindeblätter

und christliche Zeitschriften,

wie zum Beispiel

„Der Herold“, den

sie in Hamburg damals

wirklich gelesen haben,

begaben sich die drei auf

die Suche nach einem

„fi esen christlichen Namen“.

Daraus und aus der Assoziation

mit Götterbote wurde dann

„Der Kranke Bote“. Dieser

Name zierte in Frakturschrift

zusammen mit dem Untertitel

„Nachrichten und Neuigkeiten

aus der Jesus Freak Szene“ die

ersten Ausgaben. In Ausgabe

2/ 1996 tauchte erstmals

ein abgewandelter Name

auf – „Die Kranke Pfote“.

Der ständige Namenswechsel

bürgerte sich ein, wie ihr an

der Boten-Cover-Show auf den

Seiten 20/21 sehen könnt.

/ Erste Schritte /

Jetzt hatten die Jesus Freaks

ein Medium und das wollte

gefüllt werden. Es war und

ist schon immer ein Problem

gewesen, wenn mehrere Menschen

zum gleichen Tag ihren

Beitrag schicken sollen. Doch

irgendwie gelang es, dass der

Bote ungefähr alle zwei Monate

erschien. Der Bote beschränkte

sich in der Anfangszeit darauf

die gesammelten Zuschriften

zu kopieren und mit einem

launischen Vorwort zu versehen.

Die redaktionelle Arbeit

entwickelte sich langsam mit

Beiträgen von Martin Dreyer,

Mirko und Dr. Zummer.

Korrektur oder gar Zensur

wurde strikt vermieden. Dafür

war der Bote dicht an der Bewegung

dran und man wusste

nach der Lektüre ziemlich

genau, was in den einzelnen

Gruppen passierte. Die Freaks

bauten Beziehungen zueinander

auf, obwohl sie sich

teilweise noch nicht einmal

persönlich getroff en hatten.

Die Arbeit rund um die Zeitschrift

war trotzdem anstrengend.

Die ganze Kopiererei und

der Versand kosteten viel Zeit,

die nur teilweise von Praktikanten

mitgetragen wurden.

Schließlich kannte sich keiner

mit Abonnentenverwaltung,

Preiskalkulationen und Druckherstellung

aus. Unbedarft


haben die Freaks einfach viel

ausprobiert und versucht

das Beste draus zu machen.

/ Stilvielfalt /

Waren die ersten Cover noch

sehr textlastig, drehte man

schnell auf: Fotomontagen,

Grafi ken und Verballhornungen

eroberten den Boten.

Im Innenteil fand sich eine

große stilistische Bandbreite.

Nüchterne Schreibmaschinenschriften

existierten neben

mehr oder weniger leserlichen

Handschriften, Comics und

Collagen warben um Aufmerksamkeit,

Fotoreportagen

und typografi sche Meisterwerke

gaben dem Boten ein

unverwechselbares Antlitz.

Je nachdem wie viele und

was für Einsendungen kamen,

variierte der Umfang und auch

die Qualität. Nach und nach

etablierten sich feste Rubriken

wie „Spruch des Monats“, „Ist

das jemand aus deiner Freakgruppe?“

(was allein durch

das Kopieren zum Rätsel

wurde) und Kolumnen von

Mirko und Morti Haltenhoff .

/ Dr. Zummer /

Der eine oder andere wird

sich an die abstrusen Fragen

und launigen Antworten vom

Dr. Zummer Team erinnern.

Anlässlich der Jubiläumsausgabe

wollen wir das Geheimnis

lüften, wer hinter der Bravo-

Verarsche steckte ... Während

Mirko fl eißig im Keller vom

Marquee am neusten Kranken

Boten arbeitete, vertrieben sich

Kim und Simone aus Hamburg

die Zeit damit, sich unsinnige

Fragen auszudenken – frei

nach dem Motto „Was wäre

mal interessant?“ oder auch

„Was ist einfach nur lustig?“.

Daraufhin kugelten sich vor

Lachen am Boden und wollten

anschließend die Bewegung

daran teilhaben lassen.

Zu ihrem Leidwesen teilten

nicht alle Freaks ihren

Humor und so kamen auch

böse Leserbriefe, die natürlich

sofort verwurstet wurden. Von

einer solch unseriösen Vorgehensweise

distanziert sich der

momentane Ratgeber Dr. K.

Bote natürlich ausdrücklich.

Auch die Kleinanzeigen und

Editorials folgten keinen journalistischen

oder moralischen

Ansprüchen, sondern den Launen

der Herausgeber, Ältesten

und Praktikanten. Was viele

Leser damals schon ahnten,

gibt Mirko heute unumwunden

zu: „Ich selbst habe oft

versteckte Nachrichten an Leute

mit in den Boten gepackt.“

/ Stabwechsel /

In Ausgabe 6/1997 kündigte

Mirko das dramatische Ende

des Kranken Boten an, nachdem

sich auf vorhergehende

Hilferufe niemand gemeldet

hatte. Und siehe da, es hoben

sich die Hände und der Bote

konnte weiterleben. Um in

Erfahrung zu bringen, ob ein

Jobanwärter wusste, worum

es bei den Freaks geht, fragte

Mirko gewöhnlich: „Bist du

in einer Jesus-Freaks-Gruppe?

Warst du schon mal auf dem

Freakstock?“ Das konnte Jocky

bejahen und schon hatte er

den Job. Dieses Prozedere steht

für viele Personalentscheidungen

bei den Freaks. Den

Job bekommt derjenige, der

entweder einfach da ist oder

aber mit Leidenschaft dabei ist.

So übernahm Jocky Spörl

aus München die Leitung. Er

hatte schon vorher zahlreiche

Cartoons und ein Cover

beigesteuert, war also kein

Unbekannter. Die Übernahme

war auch optisch sofort zu

erkennen: Sein Einstand war

„Der Mente Ele“ und führte die

Freaks in die Siebente Kunst

ein. Fortan dienten zahlreiche

Filme als Vorlage für das

Cover. An der Media Design

Akademie scannte Jocky die

Beiträge, Collagen und andere

Schnittwerke ein und setzte

sie mit QuarkXPress zusammen.

Anschließend schickte er

die fertige Ausgabe auf Zip-

Diskette – so hieß das damals

– nach Hamburg, wo der

Bote von fl eißigen

Mitarbeitern kopiert

und versandt wurde.

Die Aboverwaltung

kämpfte nicht

nur mit den Umzügen

der Abonnenten,

sondern

wechselte selber

häufi ger, was

einige Ausfälle

in der Lieferung

begründete. Nach

seiner Ausbildung

gingen Jocky

und sein Mitbewohner

Markus

Merkle zur

Handarbeit über

und klebten,

schnitten und

bastelten wahre

Wunderwerke.

/ Zwangspause /

Nach dem Convoy 2000 ging

dem Kranken Boten die Puste

aus. Ein letztes Aufbäumen

war die Convoyausgabe vom

März 2001. Für Jocky war die

Arbeit zunehmend frustrierend:

die Artikel kamen spät oder

nie, die Abläufe wurden durch

die dezentrale Aufgabenteilung

erschwert, die Abonnenten

beschwerten sich über fehlende

Ausgaben und er wusste nicht,

wo es hing. Das Traurige daran

war, dass sich nur wenige Leute

engagierten, obwohl es ein

großes Potenzial an Kreativität

in der Bewegung gab und gibt.

Innerhalb der Bewegung

kamen neue Kommunikationsplattformen

hinzu. War

der Bote zunächst eine Konstante

als das Medium der

Freak-Bewegung, gab es nun

Homepages von JFI, einzelnen

Freakgruppen und Privatleuten,

Foren und später Blogs. Seltsamerweise

erschienen die letzten

Ausgaben unter dem ursprünglichen

Titel „Der

Kranke Bote“.

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news&

dates /

Doch so

ganz ohne

alles, ging es

natürlich nicht.

Infos von JFI und

dem Ä-Team mussten

schließlich irgendwie an die

Bewegung weitergeleitet werden.

So starteten Michi, Hagen

und Mirko „news&dates“ vom

Büro in Hamburg aus. Das

reine Infoblatt wurde per Mail

an die Gemeinden geschickt

und sollte in ausgedruckter

Form

alle Freaks

erreichen. Da

das Ä-Team

nicht die Zeit und Kraft

hatte news&dates regelmäßig

herauszubringen, fragten sie

den Journalismusstudenten

Frank Hartkopf, der 2001

schon die faz (freakstock allgemeine

zeitung) geleitet hatte.

Frank stellte die redaktionelle

Arbeit sicher, fi ng an

eine Redaktion aufzubauen

und trat dem Ä-Kreis auf die

Füße, damit sie ihre Texte

pünktlich abgaben. Doch

der Mailversand durch das

Büro und das Ausdrucken

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in den Gemeinden funktionierten

nie richtig, was angesichts

der hinein gesteckten

Arbeit sehr ärgerlich war.

Deswegen vertrat die Redaktion

die Meinung, dass ein

Papier in der Hand besser ist

als eine Mail. Das erklärte Ziel,

alle in der Bewegung zu erreichen,

würde sich nur mit einer

Printausgabe realisieren lassen.

Mit der Zusage von Balti aus

Stendal, den Versand zu übernehmen,

wurde die Verbreitung

2005 von digital auf analog

umgestellt und die Gemeinden

konnten news&dates abonnieren.

Das Blatt legte an redaktionellem

Inhalt zu, es wurde

mehr über die Bewegung

berichtet als dass Ansagen an

die Bewegung gemacht wurden.

Unterdessen erfreuten

sich die alten

Boten-Ausgaben immer

noch großer Beliebtheit

und so regte sich

die Sehnsucht nach

dem Kranken Boten.

/ Relaunch /

Unterschwellig fi ng

es an in der Bewegung

zu kriseln. Zum Willo

Freak 2005 kam Frank

der Gedanke „Wir müssen

miteinander reden“, denn

die Kommunikation in der

Bewegung funktionierte

nicht optimal. Der Ä-Kreis

versuchte das schon zu

verbessern und gab regelmäßig

Infos heraus, aber Frank

hatte das Gefühl, dass es nicht

reicht. Mehr Interaktion war

nötig und mehr Debatten

sollten innerhalb der Bewegung

geführt werden. Dazu

brauchte man allerdings mehr

als ein Infoblatt, und so plante

die Redaktion news&dates

als Plattform auszubauen.

Der Aufruf nach einem neuem

Namen erbrachte allerdings

nur wenige Rücklauf, trotz

des ausgesetzten Preises – ein

Dönerdinner mit der Redaktion.

Gewonnen hat schließlich

Mirko mit seinem Vorschlag

„Der Kranke Bote“ (Wie wäre

es mit einer Einlösung zum

Freakstock 2011?). Ausschlaggebend

für die Entscheidung

war vermutlich das von Frank

besuchte Seminar über Soziologie

der Marken. Darin ging

es grob gesagt darum, dass

Marken mehr transportieren als

ihren Namen und die Produktbeschreibung.

Die Marke „Der

Kranke Bote“ war etabliert

und beliebt, warum also nicht

die Legende wiederbeleben?

Auf der ersten Redaktionskonferenz

in Leipzig im Januar

2006 wurden die Vision und

die Ziele des neu gegründeten

Bereichs Medien niedergeschrieben.

Der Kranke Bote

sollte ein Magazin für alle Jesus

Freaks werden, eine Plattform

für verschiedene Meinungen

der Jesus Freaks bieten und

nicht nur der Vermittlung von

Input von oben nach unten

dienen. Als Plädoyer für einen

wirklichen Austausch sollte

der Pluralismus der Bewegung

widergespiegelt werden. Nach

einer Probeausgabe an alle

Gemeinden ging es in den

regulären Abo-Betrieb, der

ebenso wie Druck und Versand

vom JFI-Büro geregelt wurde.

/ Newsblog /

Mit der Erweiterung von

news&dates bzw. dem Wiedererscheinen

des Kranken

Boten herrschte natürlich nicht

sofort eitel Sonnenschein. Die

Kommunikation zwischen der

Leitung, den Gemeinden und

einzelnen Freaks war vielen

noch nicht transparent genug.

Viele Infos bekam man

nur, wenn man jemanden aus

dem Leitungskreis oder dessen

Umfeld kannte. Deshalb registrierte

Marco Schellenberg im

neuen jesusfreak.de-Blogsystem

die Seite news.jesusfreak.de

und startete den Ur-Newsblog.

Er trug Infos zusammen und

machte sie öff entlich. Allerdings

zog er die heiklen

Th emen in undiplomatischer

Weise aus dem Dunklen, so

dass die guten Ambitionen eher

zerstörerisch wirkten, zumal

der Konzilprozess langsam


anlief. So wurde der Blog von

der Leitung geschlossen.

Um den Wunsch nach

Informationen zu befriedigen

und gleichzeitig die Gerüchteküche

kaltzustellen, machten

sich Micha Jahme und Frank

Hartkopf daran den Newsblog

in geregelte Bahnen zu lenken.

Die Nachrichten wurden

sorgfältig recherchiert und

erhielten einen gewissen Standard.

Der offi zielle Newsblog

ging im November 2006 an

den Start und wurde schnell

zu einer wichtigen Infoquelle

für alle Freaks. Mittlerweile

ist er auf die Startseite von

jesusfreaks.de umgezogen.

/ Der heutige Bote /

Eine Umfrage unter ehemaligen

Chefredakteuren,

wie sie den heutigen Boten

fi nden und was ihn vom

früheren Boten unterscheidet,

fi el zwiegespalten aus.

Als Gründer und Namensgeber

vermisst Mirko das Gefühl

mit anderen Freaks durch den

Boten verbunden zu sein und

den vielfältigen

Stil. Dafür

lobt er die

professionelle

Organisation,

auch wenn

das mehr

Stress für ihn

als Autor

bedeutet.

Sein Fazit:

„Der

Kranke

Bote

hat das

Zeug

‚ne

richtige

Zeitung zu

werden.“

Ein Becher voller Boten

Achtung Merchandising!

Demnächst kannst du zu deiner

Lieblingslektüre aus dem

Original-Kranker-Bote-Becher

trinken. Details folgen unter:

www.jesusfreaks.de

››› Der Kranke Bote

Archiv-Ausgaben

Dir fehlt noch die eine oder

andere Ausgabe? Dann wende

dich an Julia Pfläging (siehe Impressum).

Die Hefte von 2006

bis heute gibt es für 1 Euro zzgl.

Versandkosten. Ältere Ausgaben

wollen wir digitalisieren.

Mit der Neugründung vom

Kranken Boten hat Jocky auf

einen neuen Namen gehoff t,

um zu vermeiden, dass der

Name zum Programm wird.

Deswegen fehlen ihm auch die

verrückten Namenswechsel.

Nichtsdestotrotz betont er, dass

der Bote an Qualität gewonnen

hat, vor allem durch die Th emen,

ein ordentliches Layout

und regelmäßige Autoren.

Für Frank ist die Unterscheidung

völlig klar: „Cool und

cool.“ Jede Ausprägung hat

bzw. hatte ihren Grund. Das

ganz Spontane der Anfangstage,

als es darum ging ein

Zusammengehörigkeitsgefühl

zu transportieren ebenso wie

der organisierte Auftritt heute.

Denn man muss schon mehr

Aufwand betreiben, um eine

größere und ältere Bewegung

zu refl ektieren. Den professionellen

Anspruch, der von fast

allen Seiten positiv bewertet

wird, hat Frank durch sein

Studium mit eingebracht. Am

neuen Boten schätzt er, dass

inzwischen ein festes Team

herangewachsen ist und dass

durch den Boten Schreibtalente

gefördert werden. Allerdings

könnte der Boten

vielfältiger werden und er

würde gerne mehr von den

Freaks vor Ort mitbekommen

– ein bisschen so wie früher.

/ Schlusswort /

Die Freaksche Jobvergabe

funktionierte auch in meinem

Fall. Ich war einfach dabei,

als mein Mann Andreas das

Layout für news&dates und

dann auch für den Kranken

Boten verantwortete. Weil ich

die diversen Rechtschreib- und

Ausdrucksfehler nicht mitansehen

konnte, übernahm ich das

Lektorat. Von dort war es nur

Die Nummer 1

In der Heftmitte seht ihr alle

uns bekannten Ausgaben bis

2008 (und ein news&dates).

Allerdings fehlt die erste

Ausgabe. Wer sie hat und uns

leihweise zur Verfügung stellen

könnte, melde sich bitte.

Es winkt eine Belohnung!

ein kleiner Schritt zur Schlussredaktion

und als Frank sich

intensiv um seine Diplomarbeit

kümmern wollte, wurde ich

auf der Redaktionsklausur im

Januar 2007 zur Interimschefi n.

Die ganze Arbeit rund um den

Boten machte mir viel Spaß

und off ensichtlich lief es ganz

gut, so dass ich zur regulären

Chefredakteurin aufstieg.

Inzwischen gibt es eine eigene

Abo- und Anzeigenverwaltung,

ein gemischtes Redaktionsteam,

feste Gastautoren, einen Pool

von Fotografen und Layoutern.

Dass es immer noch an der regelmäßigen

Mitarbeit mangelt,

war ja schon immer ein Problem

vom Kranken Boten. Seit

Dezember 2008 erscheint der

Bote in DIN A4 und seit Juni

2009 mit farbigem Cover – wie

ein richtiges Magazin – und der

Umwelt zuliebe

Back to the roots

Wir sind keine Nostalgiker, aber die rege

Beteiligung der Bewegung war gut und könnte

im kleinen Maßstab wiederbelebt werden.

Daher rufen wir jede Gemeinde, jeden

Hauskreis und jeden einzelnen Freak auf,

uns an ihrem/seinem Leben teilhaben

zu lassen. Wie geht es euch, was macht

ihr so, welche Gebetsanliegen habt ihr usw.?

Schickt euren Beitrag an den Kranken Boten.

Adressen und Einsendeschlüsse findet ihr im

Impressum S. 35

auf Recyclingpapier.

Die Rubriken sind zahlreich

und die Mitmachmöglichkeiten

auch. Also, mach

den Boten zu

deiner Plattform.

Bettina Kammer

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Steckbrief

Matze (19), JF Löbau, Mechatroniker

Gleichberechtigung ist, wenn ...

... Gnade herrscht.

Wie fi ndest du deine Gemeinde?

Ganz in Ordnung, aber es kann immer noch besser werden.

werden.

Wie fi ndet dich deine Gemeinde?

Ich glaube, die mögen mich.

Warum bist du bei den Freaks?

Weil mich meine Schwester mal mitgeschleppt hat.

lustiges

tieresuchen

Den gesuchten Esel aus Ausgabe

4/2010 entdeckte Cornelius

aus Leipzig. Herzlichen Glückwunsch!

Er bekommt einen

Wilmer-Button zugeschickt.

Was wolltest du der Bewegung immer schon mal sagen?

Passt auf, dass ihr das Ziel nicht verfehlt.

Was ist dein Traum für die Bewegung?

Dass wir irgendwann den Willen Gottes erfüllen können.

Eine gute Fee gewährt dir 3 Wünsche, um die Welt zu verbessern.

1. 10 Millarden Euro für Missionsgesellschaften

2. dass Fleisch auf Bäumen wächst

3. dass mein erster Blitzerbescheide für ungültig erklärt wird.

Wie sieht dein persönliches Anti-Aging-Programm aus?

Haare wachsen lassen, damit später genug da sind,

wenn sie wieder ausfallen.

Was würdest du Jesus fragen, wenn du dereinst vor ihm stehst?

Warum bin ich dir in der Landeskirche nie wirklich begegnet?

Seltsame

theologische

Fragen:

Folge 19650

Kann man Gott

als Lehrer dienen?

Wer bist du, und wenn ja wie viele?

ein Kind Gottes und nie allein.

Was wünschst du dir zum Geburtstag?

Eine Rundumüberholung für meinen Vento.

Nachts einschafen.

Welche Frage sollte auf dem nächsten Fragebogen stehen?

Heißt es die oder das Nutella?

Wie möchtest du am liebsten sterben?


Das jüngste Gericht:

Folge 6 ...

... muss leider ausfallen, da der Koch

auf Diät ist und die Küche nicht

betreten darf.

Spruch des MMonats

„Ich muss mich

nur noch anmelden!“

Antwort eines Freaks auf die Frage,

ob er ein bestimmtes Seminar

oder o Event besuchen wird.

Jesus vorm Richter

Stell dir vor, Jesus steht auf dem Meldorfer Marktplatz

und heilt die anwesenden Menschen. Super

Sache sollte man meinen, aber weit gefehlt es könnte

durchaus passieren, dass er von Heilpraktikern

verklagt wird. Der Grund: die fehlende Zulassung.

Gott sei Dank wären die deutschen Richter auf

seiner Seite. Sie entschieden in einem solchen Fall:

„Ein Wunderheiler, dessen Behandlung hauptsächlich

daraus besteht, sich mit erhobenen Händen

und betend vor die Menschen zu stellen,

bedarf keiner entsprechenden Erlaubnis nach

dem Heilpraktikergesetz, weil das bloße geistige

Heilen keine ‚Ausübung der Heilkunde‘ darstellt.

Er macht sich in solchen Fällen nicht strafbar.“

Wir heften es an Fred – den Kühlschrank.

» dein schlimmstes christliches Kindheitserlebnis

» deinen Steckbrief mit Foto

» deine Sprüche und Versprecher

» seltsame Bibelstellen oder theologische Fragen

» deinen Freak-Heiligen

Wir drucken es im Kranken Boten.

» deinen Traum

» deinen Gottesdienstbesuch

» deine Kurzgeschichte

Schreib an: [dkb_lektorin@gmx.de]

Unter allen Einsendern verlosen wir

Rezensionsexemplare.

+++ VERLOSUNG +++

Komplizierter würde es, wenn Jesus anfi

nge zu reden und die Leute mit Heilungsversprechen

anlocken würde. Dann könnte

er doch noch juristisch belangt werden:

„Es besteht jedoch grundsätzlich die Möglichkeit,

dass der Wunderheiler sich wegen

irreführender Werbung strafbar macht.“

(Amtsgericht Meldorf, Urteil v. 18.05.2010

- Az.: 29 Ds 315 Js 27580/09)

(Bitte Namen und Adresse angeben.)


Projekt Bauwagen

32 5/2010

Endlich – dieses Jahr

habe ich es geschaff t

zum Freakstock zu

fahren. Obwohl ich mehr oder

weniger krank war, konnte

ich mich auf das Treff en

einlassen und Verschiedenes

mitnehmen, u.a. die Info, dass

Gemeinschaften und Projekte

im Norden von Berlin gesucht

werden. Den Gedanken, mich

mit meinem Arbeits- und

Lebensprojekt vorzustellen und

evtl. Gleichgesinnte zu fi nden,

fi nde ich ganz prickelnd.

Ich lebe im Norden von

Eberswalde und arbeite seit

15 Jahren handwerklich in

privaten Haushalten, repariere

und überführen Bauwagen. Seit

geraumer Zeit habe ich die

Idee im Kopf, ein Arbeits- und

Lebensprojekt im Hintergrund

aufzubauen. Ich habe einen

festen christlich-freikirchlichen

Hintergrund und habe mit

meinem Projekt verschiedene

Höfe und Gemeinschaften

für ein bis zwei Jahre besucht.

Seit einem Jahr stehe ich mit

meinen Wagen auf einem alten

Bahngelände bei Eberswalde.

In Zusammenarbeit mit dem

Amt für Liegenschaften und

Umwelt Eberswalde und einem

Architekten erstelle ich gerade

einen Flächennutzungsplan,

um mich hier fest einzurichten,

denn die Bedingungen sind

ideal. Ich habe guten Kontakt

zum Bürgermeister und anderen

Leuten im Dorf, die mich

mit meiner Lebensform akzeptieren.

Der Platz liegt ein wenig

versteckt am Waldrand. Die

Bahnstation ist 500m entfernt.

Vier Seen sind zu Fuß zu erreichen

(mit einer frei zugänglichen

Sauna – geht´s noch?).

Die Anbindung zur Gemein-

Oktober/November

Ich ch

habe

einen

schaft und Gemeinde im

Nachbardorf ist gut. Einkaufen

ist mit dem Rad möglich. Ich

kann die LKW-Werkstatt bei

der Firma, hinter der ich stehe,

mit nutzen. Post, Strom und

Wasser kommen ebenfalls von

dort. Sogar der Holzhandel

und Maschinen-Verleih ist vor

der Tür. Außerdem arbeite

ich mit einem Tauschring in

Berlin zusammen. Im Vergleich

zu meinen früheren

Erlebnissen ist es wirklich gut.

Ich bin so, dass ich im Vertrauen

auf Gott Sachen einfach

mache bzw. wenn die Notwendigkeit

dazu besteht, Dinge

kaufe, so haben sich über die

Jahre ein Haufen Werkzeuge,

ein Küchen- und Toilettenwagen,

ein Trecker, ein Materialwagen

usw. angesammelt. Mein

Leben kann ich durch meine

Arbeit fi nanzieren, denn die

Nachfrage in Sachen Bauwagen

und handwerkliche Arbeit

ist vorhanden. Außerdem

komme ich bei meiner Arbeit

mit ganz vielen Menschen aus

verschiedenen Lebensbereichen

zusammen. Vom Junkie, der in

einem heruntergekommenen

Wagen lebt, bis zum Architekten,

der sich einen Wagen

neben sein „Schloss“ auf Rügen

stellen möchte. Manchmal

kann ich Leuten in problematischen

Lebenssituationen

Denkanstöße und Hilfe geben.

Auch das ist einer der Gründe,

warum ich so arbeiten mag.

Zwei bis drei Leute wohnen

z.Z. in dem Projekt mit. Sie

sind aber nicht immer da

und wollen sich eher von der

Stadt erholen als mitmachen.

So positiv sich das alles

anhört, es ist relativ schwierig,

Leute zu fi nden, die Lust

Traum raum

haben, richtig mitzuwirken. Es

gibt ewig viele, die das ganz toll

fi nden und darauf total Lust

haben und einfach nicht aus‘m

Knick kommen. Die Stadt

hält zu sehr fest, die Sicherheit

der Gesellschaft und – nur die

Aussicht – auf eine feste Arbeit

hält so sehr als das Leute sich

davon lossagen können. Auch

Christen fi nden das wirklich

cool, sich auf Gott, sein Halten

und Wirken einzulassen – und

können die Ideen der Gesellschaft

nicht los lassen – so

was kann schon enttäuschen.

Tatsächlich sehe ich mich

gerade mehr und mehr in

der Landeskirche vor Ort in

Joachimsthal eingebunden, die

viel Jugendarbeit und Workshops

macht, freikirchliche

Gospel-Einfl üsse mit in den

Gottesdienst einfl ießen lässt

und Projektideen sehr aufgeschlossen

gegenüber ist.

Mein Traum ist es, hier ein

christliches Projekt auf die Beine

zu stellen. Wichtig ist mir

dabei ein drogenfreier Raum

und die Akzeptanz gegenüber

einer ganzheitlichen und nachhaltigen

Lebens- und Denkweise.

Ohne eine feste Gemeinschaft,

die das Projekt mitträgt,

wird das aber nicht möglich

sein. Wer das jetzt „ganz schön

interessant“ fi ndet, melde sich

einfach bei mir. Ideen gibt

es viele – doch auf‘s Land in

einen Wagen zu ziehen ist fast

schon so eine umwälzende

Entscheidung wie die für Jesus,

aber es lohnt sich.

Hans Dierks

Mehr Infos: [W50-

Hans@gmx.de],

0174/7513211, www.

myspace.com/w50hans


Wenn der Kopf voll ist

Gebet: Lektionen von Daniel

Im Moment fällt es mir

schwer, Zeit it und Muße

zum Beten zu fi nden. Wir

ziehen um, das heißt: viel

Kram, zwei Büros os und sehr

viele Bücher einpapacken. Während die

eine Wohnung

leer wird, füllt sich ich

die andere. Nir-

gendwo ist man n

zuhause, selbst

die Anschläge der er

Tastatur hallen in

meinem leeren

Arbeitszimmer.

Am schlimmsten n

fi nde ich, dass

ich den Kopf so

voll habe und es s

mir schwer fällt, ,

mich auf Jesus

zu konzentrieren. n.

Aber gut, es gibt ibt auch solche

Phasen, und d ich habe

Gott mein ganzes es Leben

geweiht – gute und schlechte

Zeiten, Freud und nd Leid, mit

Haut und Haar und allem was

dazu gehört. In dieser Zeit ist

Daniel mein Vorbild, rbild, und ich

kehre in Gedanken ken oft zu ihm

zurück. Wie hat t Daniel es

geschaff t, bei seiner iner

Verantwortung,

drohender Verfololgung und einem m

vollen Terminka- a-am

lender drei mal am

Tag zu beten? Sicher icher

waren es keine langen angen

Gebete; er wird wohl keine

ganze Stunde gebetet ebetet haben.

Die Gebete im Danielbuch

sind voller Mut und Anbetung.

Daniel war ein Mann,

der seinen Gott kannte. Zu

seiner Zeit war es schwieriger,

andere Götter nicht anzubeten

als Gott die Ehre zu geben.

Jeder musste sich vor einem

heidnischen Gott niederwerfen,

wer es nicht tat, wurde getötet.

Vermutlich hätte Daniel weiter-

hin im stillen Kämmerlein den

Gott Israels anbeten können,

wenn er auch das

Standbild ange

betet hätte.

Das zeigt

mir ein paar pa

Dinge über übe

Daniel, die

bemerkens

wert waren waren: Er

hatte Stress St

und aallen

Gru Grund

zur

An Angst.

In

dieser Situ Situa-

tion war ddie

Versuchun Versuchung

groß, Kom

promisse ein einzu-

gehen oder dden

Glauben an den

Nagel zu hän

gen. Was ihm

Mut und Kr Kraft

gegeben hat, hat

waren kleine klein

regelmäßige regelmäßi

Dosen

Gebet und u

Anbetung. Anbetun

Wenn

die Zeit Z

knapp kna

ist

und un

man

seelisch

schwäch schwächelt,

ist die die

Gefahr groß,

dass man im Glaube

Glauben

rückwärts geht. Die Versuchung

ist da, den „lieben

Gott einen guten Mann sein

zu lassen“ und sich um seinen

eigenen Kram zu kümmern.

Man kann die Perspektive

verlieren und meinen, dass es

eine zusätzliche Belastung ist,

jetzt auch noch zu beten und

Zeit mit Gott zu verbringen.

Dabei ist Gebet, wenigstens

Gebet

in kleinen Dosen, die Kraftquelle,

die in anstrengenden

Zeiten wichtiger denn je ist.

Ich nehme mir immer wieder

mal zwischendurch ein paar

Minuten, um an Jesus zu denken,

über einen Vers zu beten

oder einfach nur in Sprachen

vor mich hin zu plappern. Das

ist nicht viel, aber es ist eine

enorme Kraftquelle und ein

Anker für den Geist. Zusätzlich

hält es die Vorfreude darauf

wach, später wieder Zeit zu haben,

sich in das Wort zu vertiefen,

Jesus in der Anbetung zu

begegnen oder ganz allgemein

mit ihm Zeit zu verbringen.

Auch Daniels Leben hatte

nicht nur anstrengende Zeiten.

Es gab auch Phasen, in denen

er einen ganzen Monat fasten

und über eine theologische

Frage beten konnte. Ich denke,

dass diese Phasen ihn dafür

stark gemacht haben, eine

Weile von kleinen Happen

zu leben, und dass die Happen

ihn vorbereitet haben,

wieder richtig viel Zeit mit

Gott zu verbringen, als die

Möglichkeit dazu bestand.

Ein erfülltes Leben mit

dem Herrn kennt beides,

und das ist gut so.

Storch heißt schon so lange so, dass

er sich auch nicht mehr erinnern

kann, warum. Er ist glücklich mit

Alex verheiratet und lebt als Pastor,

Autor, Prediger, Musiker und Jesus

Freak nah am Harkortsee, einem

der besten Orte

überhaupt. Privat

trifft man

ihn oft lesend,

spazierend, betend

oder musizierend

und

meistens mit

den Gedanken

woanders an.

www.pastorstorch.de

5/2010

33

Oktober/November


Jubiläum

Das Juppiläum

Eine total seriöse Vorhersage sage

In manchen Regionen

unserer schönen Republik

(damit ist Deutschland

gemeint) wird mein schöner

Name nicht mit den erforderlichen

zwei ‚P‘ ausgesprochen,

sondern in verschiedenen

Lautschattierungen mit dem

landestypischen „harten B“.

Das kann unter Umständen

zu Missverständnissen führen.

So wurde in der Vorbereitung

auf die vorliegende Ausgabe

des Kranken Boten mehrfach

das Wort „Jubiläum“ bemüht,

und irgendwann war es

dann soweit, der Gesprächspartner

fragte verwundert

nach: „Das Juppiläum?!“

Das bringt mich natürlich

in die einmalige Position,

auch ohne Coverfoto das

Covergirl sein zu können –

schließlich widmet sich fast

die ganze Ausgabe mir.

Ich nutze dieses Juppiläum,

um mal ausführlich in die

Zukunft zu schauen, denn mit

der Zukunft kenne ich mich

aus. Immerhin war der grandiose

Jahresvorausrückblick

in Heft 1/2008 auch von mir.

Davon ist fast alles eingetroff en

– nun gut eigentlich gar nichts,

aber darum geht es nicht.

Worum will ich mich besonders

kümmern? Nein, es

soll nicht um die nächsten 10

Jahre der Bewegung gehen,

das wäre vielleicht doch ein

bisschen zu viel. Die nächsten

17½ Ausgaben des Kranken

Boten? Der ist so krank, da

kann man ruhig die 17½ als

Jubilierzahl nehmen. Aber auch

darum soll es hier nicht gehen.

Nein, ich will über meine

nächsten Beiträge nachdenken.

Das kann man nicht früh

genug tun, denn der Einsendeschluss

ist noch immer schneller

gekommen als man fertig

geschrieben hatte. Die kluge

Frau sorgt vor … los geht’s.

34 5/2010

Oktober/November

Da die nächste Ausgabe be

nicht „Die Ölkrise und was wir

daraus lernen müssen“ heißen

wird, wird sich mein in

nächster Artikel auch

nicht den Erdölspekulationen

an der New

Yorker Börse widmen.

Nein, ich bevorzuge ohnehin hi

eher erneuerbare Energien.

Der wachsenden Gruppe der

Gartenfreunde will ich erklären,

worauf beim Anlegen eines

Komposthaufens zu achten

ist, welche organischen Stoff e

man bevorzugt nehmen sollte

und welche lieber nicht. Es ist

übrigens ein Märchen, dass die

Reste von Banane, Zitrone &

Co. den Mikrowesen im Haufen

schaden. Das tun sie nur,

wenn du eine dreimonatige

Ananasdiät an dir vollstreckst

und die Schalen sämtlich zu

kompostieren gedenkst. Wäre

ich ein Mikrokosmos, würde

ich dann auch meine Siebensachen

packen und zu einen

angenehmeren Haufen pilgern.

Weitere Ausführungen

führen zu weit, es ging ja nur

um eine grobe Übersicht.

Folgend will ich etwas für

die ebenfalls wachsenden

Gruppe der Freunde des

Selbstgestrickten schreiben.

Das dürfte ungefähr die Februar/März-Ausgabe

sein,

also der ideale Zeitpunkt für

eine Strickanleitung im Heft.

Stricken kann man fast immer

und überall, außer vielleicht

beim Häkeln. Außerdem

fördert es die Koordination,

das Fingerspitzengefühl sowie

die sensorische Integration.

Im restlichen Jahr 2011 will

ich dann über Musik schreiben.

Wenn meine Bestechungsversuche

gelingen, werden statt

der Schönen Seiten Saiten und

Sperrholzteile in der Mitte

des Heftes heften, die korrekt

zusammengebaut eine Gitarre

ergeben. Erste Lieder und Unterweisungen

der musikalischen

Th Theorie

inklusive. inklus

Gart Garten, Stri-

cken cken, Musik

– kommen ko

da vielleicht

leich auch

noch ein

paar

Ab- handlungen fürs

eher handfeste Volk, wirst du

dich fragen. Und ich kann dir

voller Freunde antworten: Ja!

Gleich das nächste Heft soll

einen Kettensägeneinsteigerkurs

enthalten. Nach dem

Lesen der Beiträge und der

Übungsanleitungen wird es dir

ein Leichtes sein, die Postkarte

samt Briefmarke säuberlich

aus einem Eichenblock (nicht

im Heft enthalten) auszusägen

und mit deinen Erfahrungen

an die Redaktion zu schicken.

Sollte das mit dem Eichenblock

eher ein Eigentor gewesen

sein und du schließlich nur

noch auf anderthalb Füßen

durchs Leben humpeln, ist

sicher das folgende Titelthema

etwas für dich: „Erste Hilfe in

der Hobbywerkstatt“. Unter

der fachkundigen Anleitung

von Dr. K. Bote sollen zahlreiche

Tipps zusammengetragen

werden, wie man aus

dem Ideal der „Arbeitssicherheit“

Tatsachen entstehen

lassen kann. Heilsgewissheit

darf keine Ausrede für vermeidbare

Gefahren sein.

Um Arbeitssicherheit geht es

dann auch im nächsten Heft.

Und um Abstieg, aber nicht

den deines Lieblingsvereins aus

der Bundesliga, sondern deines

eigenen in Tiefen unterhalb

von 200 Metern. Wir fahren

ein in den Berg und begucken

uns die Radieschen von unten.

Dann dürfte etwa Heft

6/2012 erreicht sein, und bis

es soweit ist, habe ich glücklicherweise

etwas Zeit, mir

neue Th emen auszudenken.

Juppi Pfläging


Lieber Lieber Hans,

DDr.

Bote,

zu dieser Frage habe ich,

mir m ist meine natürlich total anonym, mei-

Anfrage A f ganz unangene Kollegin Sonja Erichsen

nehm – mein Handy ist vom zu Rate gezogen, da ich

Geist der Rebellion gegen die mich mit diesen neuartigen

Jesus Freaks befallen. Jedes Mal, Malaisen des elektronischen

wenn ich z.B. per SMS schrei- Krimskrams’ nicht auskenne.

ben möchte „bin im Jesus Freak Ihrer Ansicht nach gehört

Godi“ fragt es mich, ob ich „Je- dem Handy mal gründlich der

sus Dreck Indi“ meine. Zuerst Akku versohlt (das waren ihre

erkläre ich ihm noch freund- Worte!), und alles andere

lich, dass es sich dabei um sehr ehr lie liege nicht am

anständige Menschen han-

Gerät, sondern

delt, aber auch das „Freak-

am Nutzer.

stock“ interpretiert es als

„Dreckstock“ – meint es

Damit hat sie

damit einen etwas herunter

dden

Fall wieder

gekommen Weinstock? Ich

aan

mich zurück-

bin schon ganz traurig, darf

ggegeben, denn

ich denn mit meinem Foni

dder

Nutzer ist ein

weiter telefonieren – oder

MMensch,

somit

muss ich es jetzt beim näch-

mmein

Fachgesten

Aufruf verbrennen ... ?

bbiet.

Der Nutzer,

da das bist Du.

Ein ganz verzweifelter

Mein Freund,

Hans aus Wiesloch

ich

muss wohl

Impressum

Dr. K. Bote

Telefonterror

Praktische Hilfe in allen

Lebenslagen von Dr. K. Bote

Herausgeber: Jesus Freaks International e. V. – Bereich Medien,

Holländische Straße 270, 34127 Kassel, [headoffi ce@jesusfreaks.de],

www.jesusfreaks.de bzw. www.jesusfreaks.com

Redaktionsleitung: Bettina Kammer (V.i.S.d.P.), Dubliner Str. 1,

13349 Berlin, (030)45025203, [dkb_lektorin@gmx.de]

Redaktion: Diana Eberwein, Micha Jahme, Calle Oltrop, Julia

Pfl äging, Anja Reumschüssel, Norbert Roth,Ronny Schellenberg

Layout: Andreas und Bettina Kammer, Jocky Spörl

Bildnachweis: Photocase: S. 1 (cydonna), 10 (carlitos), 18 (Ryu-

Tako), 34 (youcantstealmylove); Wikipedia: S. 2 (A.L.Garcia), 12,

15 (Kallerna), 16 (Goldi64), 17 (P.Crossmann), 19, 35 (KMJ),

40 unten; T. Ziegenthaler S. 14; Muck S. 33, 37;

M. Hühnerhoff S. 5, 11; restliche Bilder privat

Leserbriefe und Texte an: [dkb_lektorin@gmx.de]

Einsendeschluss für die nächste Ausgabe: 10. November 2010

Anzeigen- und Leser-Service: Julia Pfl äging, Talsperrenweg 27,

42897 Remscheid, (02191) 5682354, [julia.pfl aeging@gmx.de]

Bezugsbedingungen: Der Kranke Bote erscheint sechsmal im Jahr.

Das Abonnement verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn es

nicht 6 Wochen vor Jahresende gekündigt wird. Das Abonnement

endet außerdem, wenn eine Sendung wegen falscher Adresse zurück

kommt. (Das heißt, bei Umzug bitte rechtzeitig Bescheid sagen!)

davon ausgehen, dass Deine

Liebe zur Jesus Freak Bewegung

Heuchelei ist. Das Mobiltelefon

spiegelt nur, was

ohnehin in Deinem Kopf

und Deinem Herzen ist.

Jesus Dreck, Dreckstock – ich

empfehle Dir dringend, beim

nächsten Aufruf zum Mikro

zu gehen und Deine schlechten

Gedanken öff entlich zu

bekennen und Buße zu tun.

Das Handy wird eines Tages

keine weiteren „Fehlermeldungen“

beim SMS-Schreiben

anzeigen, und bis dahin solltest

Du regelmäßig bekennen, was

in Deinem Inneren schwelt.

Ich hoff e Dir damit geholfen

zu haben.

Herzlichst

Ihr Dr. K. Bot e

Fragen an Dr. K. Bote werden von

der Redaktion an ihn weitergeleitet.

Menge Jahresabo Versand Preis pro Exemplar

1 bis 4 15 € je Exemplar 5,10 € 2,50 €

5 74,10 € 8,40 € 2,47 €

10 114,00 € 23,40 € 1,90 €

20 204,00 € 46,80 € 1,70 €

30 288,00 € 46,80 € 1,60 €

Andere Stückzahlen liefern wir natürlich gerne.

Die Versandkosten für EU-Länder betragen derzeit 16,20 €

pro Exemplar im Jahr. Verbindliche Preise auf Anfrage.

Geschenk-Abos (15 € zzgl. Versand) enden automatisch

nach sechs Ausgaben. Bei der Bestellung bitte Liefer- und

Rechnungsadresse angeben.

Ein Sozial-Abo (11 € zzgl. Versand) erhältst du gegen Vorlage

eines Alg-II-Bescheides. Finanziert werden soll dieses Angebot

durch Spenden, z.B. 4 € zusätzlich zum normalen Abopreis.

Wer Geld spenden möchte, um die Arbeit des Kranken Boten

zu unterstützen, sollte bei der Überweisung Name und Adresse

angeben, um eine Spendenbescheinigung zur Vorlage beim

Finanzamt zu erhalten.

Bank: JFI e. V., Ev. Kreditgenossenschaft EG, BLZ 520 604 10,

Konto 3502295, IBAN: DE75520604100003502295

BIC: GENODEF1EK1, Zweck: Kranker Bote, Name, Kundennr.

Homepage: http://jesusfreaks.de Der Kranke Bote

5/2010

35

Oktober/November


Gottesdienst

Mit allen Sinnen

Gott erfahren

Unterwegs mit den Jesus Freaks Marburg

Bin ich schon zu spät?

Völlig ohne Wegbeschreibung

und nur

mit groben Anhaltspunkten

fahre ich dieses Mal nach Marburg.

Etwas versteckt in einer

Seitenstraße entdecke ich sie

dann endlich: Die berühmt berüchtigte

Kneipe „Knubbel“, in

der sonntagabends die Marburger

Freaks ihr Unwesen treiben.

Ein alter Bruchsteinbau mit

Wildwuchs umgeben – das ist

also Knubbel. Im Inneren geht

es so „wildwüchsig“ weiter: Ein

großer, verwinkelter Raum im

dämmrigen Licht empfängt

mich. Aber wo sind die Freaks?

Im hinteren Bereich der

Kneipe sehe ich sie dann

endlich: In einer Art von

halben Stuhlkreis sitzen und

stehen ein paar Leute. Ein

paar bekannte Gesichter

ggrinsen mich an. Und prompt, p p ,

36 5/2010

Name und Ort: Jesus Freaks Marburg

Godi: Sonntag 17 Uhr 30

Pünktlichkeit: ca. 15 Min. später

Godi-Besucher: ca. 15 bis 20

Predigt: Godi wird von den

Hauskreisen organisiert

Verköstigung: Spaghetti

Location: „Knubbel“, eine alternative

Kneipe bzw. eine Art Kulturzentrum

mit Konzerten und Salsa-Abenden

Besonderheiten: Die Verköstigung

läuft über die Kneipe. Der Kneipenchef

bekocht die Freaks jeden Sonntag.

Für die, die zum 5/ 5ersten 20 2 10 10Mal

da sind,

kostenlos. Ansonsten Oktober/November

Ok O to tobe be bfür r/ r/No 2,50 No Nove €.

ve vemb m err

fast schon pünktlich, geht

es mit den Ansagen los.

Ein „interaktiver“ Gottesdienst

wird für heute angekündigt.

Mein kleines Pädagogenherz

verkrampft sich leicht

und ich denke still und leise:

Hilfe! Was kommt jetzt? Ist

der Stuhlkreis hier Methode?

Wir sehen uns zusammen

ein Video an, das einen Gang

durch einen Wald zeigt. Jeder

darf dazu seine Eindrücke

loswerden. Joshua trägt im

Anschluss daran Psalm 104 vor.

Geplant ist eine kleine Pilgertour

durch Marburg, bei der

wir anhand von verschiedenen

Aktionen dem Abbild der

Natur des Psalms nachspüren.

Wow, so was habe ich allerdings

wirklich noch nicht gemacht.

Und so gehen wir mit einem

kurzen Fußmarsch zu einem

kleinen Park in der Nähe. Hier

stimmt uns Rosi mit dem

Rilke Gedicht „Landschaften“

auf eine ganz bewusste Zeit

in der Natur ein. Zeit zum

Fühlen, zum Riechen, zum

Spüren – die Natur und Gott

mit allen Sinnen erleben. Die

Gruppe zerstreut sich im

Park. Einzelne Leute nutzen

die Zeit, um mit den Füßen

durch den Brunnen zu gehen

oder den Blick von der Parkbank

aus schweifen zu lassen.

In letzter Zeit gebe es

häufi ger solche interaktiven

Gottesdienste, erklärt mir Benjamin

Heins. So habe es vor

kurzem anstatt einer Predigt

auch eine off ene Diskussionsrunde

gegeben. „Wir haben

hier eine große Freiheit in der

Gemeinde – jeder kann hier

seine Ideen ausprobieren“, so

kommentiert Ben den Abend.

Die drei Hauskreise der Gemeinde

organisieren immer

abwechselnd den Gottesdienst.

Diesen Sommer erlebe

die Gemeinde einen krassen

Einschnitt: Zehn Leute aus

der Gemeinde ziehen weg. Ben

sieht dies aber auch als Chance,

neu wachsen zu können und

neue Visionen zu entwickeln.

Die nächste Station ist dran:

Lobpreis am Sandkasten.

Eine kurze Lobpreiszeit lässt

alle „Naturerkundler“ wieder

zusammen kommen. Danach

verteilt Rosi einzelne Verse von

Psalm 104 und wir machen

uns im stillen Meditationsgang

wieder zurück zum Knubbel.

Hier geht’s dann überraschenderweise

ganz klassisch

weiter: Ein Abendmahl mit

Wein und Brot bildet mit

dem Segen den Abschluss des

Gottesdienstes. Wobei, nicht

ganz. Ein Teil der Gemeinde

genießt noch die Spaghetti, die

der Kneipenchef jeden Sonntag

für die Freaks vorbereitet.

Wohl genährt begebe ich

mich wieder Richtung Heimat.

Während der Motor so vor sich

hinbrummelt und Radiohead

mir von der CD zusäuselt,

denke ich unweigerlich noch

weiter über meinen gezogenen

Bibelvers nach. „Mein Reden

möge ihm wohl gefallen.

Ich freue mich des Herrn.“

Diana Eberwein


Diese neue Rubrik

will an die Traditionen

des Geschichtenerzählens

– neudeutsch:

Storytelling – anknüpfen.

Also stell dir vor, du sitzt mit

Mirko in einem Café und er

erzählt, wie es damals bei den

Freaks so zugegangen ist ...

Wir schreiben das Jahr 1996.

In der Freaks-eigenen Kneipe

GNLPSWXYBD stehen

Zu „Hör mir doch

auf mit Jesus!“

Ich erwarte vom Kranken

Boten nicht, dass er nur Th emen

anspricht und Meinungen

vertritt, die mich theologisch

bauchpinseln. Aber der Artikel

von Micha Jahme ist so was

von daneben, das geht gar nicht

mehr. Er behauptet, dass er

Missionsphobie als Tabuthema

ansprechen möchte, aber das

glaube ich ihm nicht. Das steht

ja erst ganz am Ende seines Artikels,

und vorher hat er schon

zeilenlang darüber gemault,

was ihm persönlich an Mission

alles nicht passt. Außerdem

bleibt er in der Analyse des

Problems doch sehr oberfl ächlich.

Also kommt es mir eher

so vor, als wollte Micha nur

mal seinen persönlichen Frust

in der Öff entlichkeit auskotzen.

Schade, dass der Kranke

Bote sich für so was hergibt.

Ich kann die kritischen

Gedanken wie „Muss Mission

so teuer sein?“ und „Was tue

ich als Missionar einer fremden

Kultur an?“ zwar nachvollzie-

Kaffee mit Mirko / Leserbriefe

Spok und Captain Kirk als

Türsteher vor dem Klo. Die

Grillen zirpen. Zwei 16-jährige

Girlies verbringen einige

Zeit in Hamburg, schlafen

im Keller-Büro und versuchen,

die jungen Jesus Freaks

tatkräftig zu unterstützen.

Mirko, damals im Leitungsteam

der JF Hamburg,

schwelgt mit einem der Mädels

in Erinnerungen. Das Gespräch

driftet zu Mirkos Modesünden

– viel zu enge Röhrenjeans.

Schnell lenkt er ab und schneidet

ein anderes Th ema an.

Was die Mädels denn für

Aufgaben für die Freaks erledigt

hätten damals, will er

wissen. In der Küche geholfen,

Backgammon gezockt und

Aufgaben fürs Büro erledigt.

Einmal, zum Beispiel, sollten

sie da dieses Paket abliefern.

Irgendwo in Hamburg. Dem

hen. Und ich glaube auch, dass

es viele Menschen gibt, die so

denken wie Micha. Darüber

muss man natürlich off en reden

und versuchen, Lösungen

und Antworten zu fi nden. Das

scheint ihm aber egal zu sein,

denn Lösungsansätze bietet er

nicht an. Mit theologischen

Winkelzügen wie „Die Jünger

haben ja auch die Kinder

weggejagt“ redet er sich raus.

Alex aus Remscheid

Zu „Stolz und mutig“

In Martin Dreyers Artikel hat

mich Punkt 3 „Glaube funktioniert

auf Dauer nur, wenn er

sich auch vermehrt“ an eigene

Gedanken erinnert, die ich als

Ergänzung betrachten würde:

Kann Glauben verwesen?!

Ich bin mal wieder am

Lesen und bleibe natürlich

an meinen Standardthemen

hängen. Das Buch weist darauf

hin, dass es als Christ nicht

reicht das eigene Seelenheil

aufzupolieren, sondern dass

der Glaube im Dienst nach

Paket lag ein Stadtplan bei,

die Lieferadresse war deutlich

markiert. Anderthalb Stunden

waren die Girlies in der Großstadt

unterwegs. Irgendwie in

einer zwielichtigen Seitenstraße

warfen sie das Paket gewissenhaft

und pfl ichtgetreu in einen

schäbigen Briefkasten. Wieder

eine Aufgabe für die Jesus

Freaks erfolgreich ausgeführt!

Mirko wundert sich: „Solche

Aufgaben gab es bei uns

gar nicht. Wir hatten doch

schon damals einen Postausgang.“

– Aber Moment! Da

war mal was mit diesem Typen,

der mit Drogen gedealt hat!

Vom Jesus Freak Büro aus!

Jahre später kommt die Wahrheit

ans Licht – unschuldige

Jesus-Freak-Praktikantinnen

als Drogendealer missbraucht!

Aufgezeichnet von

Anja Reumschüssel

Leserbriefe zu Ausgabe 4/2010

außen getragen werden muss.

Ich weiß, das ist wahrlich

nix Neues. Aber anscheinend

verkümmert der Glauben /

die Beziehung zu Gott, wenn

man sie nicht in der Auseinandersetzung

beansprucht.

Also, was ich meine ist: Wenn

ich nur für mich glaube, dass

Gott mächtig ist und etwas

verändern kann, dann habe

ich das zwar in meinem Leben

erfahren, aber ich fange an das

zu vergessen. Und irgendwann

können Zweifel daran aufkommen.

Wenn ich aber immer

wieder in Situationen gehe, in

denen ich auf die Hilfe Gottes

angewiesen bin und sie erlebe,

dann wächst mein Vertrauen in

ihn. Quasi wie einen Muskel,

den ich trainieren kann. Oder

eben auch nicht. Wenn ich ihn

nicht nutze, wird er einfach

abgebaut. Wenn ich meinen

Glauben nicht nutze, geht er

ein – innerliche, geistliche Verwesung!

Kein Wunder, dass mir

mein Leben manchmal stinkt!

Tobias aus Nordhorn

5/2010

37

Oktober/November


Musik

Vom Preacher zum

blessed to be punk

Nichts ist so beständig

wie der Wandel.

Diesen schlauen

Satz gab mir mein ehemaliger

Hauswirtschaftslehrer mit

auf den steinigen Lebensweg

und irgendwie kann man ihn

auch überall verwenden. Zum

Beispiel wenn man eine Einleitung

für einen Artikel braucht.

Objektive Berichterstattung

kann allerdings nicht erwartet

werden, ich bin seit gut einem

halben Jahr total vernarrt in

die Musik aus Hamburg.

Als sich Bassist Peter Mitte

November 2009 bei Preacher

verabschiedete, stand es für

die restlichen Bandmitglieder

Keller und Bender nicht zur

Debatte aufzuhören. Es war

klar, dass sie weiter machen,

denn das tun sie sowieso schon

eine halbe Ewigkeit gemeinsam.

Also wurde der er Bandname

den neuen Bedingungen ungen

angepasst, der Bass aus dem m

Konzept gestrichen

und Drummer Keller ler

musste sich kurzerhand

ans Schreien

und Knüppeln gleichchzeitig gewöhnen. Der

musikalisch hyperakktive Marcus Bender r

blieb seiner heiß

geliebten Elektrogi-

tarre treu und begab b

sich sofort ans Texte te

schreiben. Diese sind nd

auf „blessed be the

punk“, im Gegensatz atz

zu den letzten beiden

Preacher-Alben, n,

wieder durchgehend d

in Englisch. „Englisch sch

passt besser zu Prai-

ser, es klingt einfach h

mehr nach New-York- ork-

Hardcore“, so Bender. der.

Ende 2009 wurde

dann die selbst

produzierte und im m

Proberaum aufgenommene

erste

38 5/2010

Oktober/November

Praiser-Platte

online gestellt

und seit Mitte

August kursiert

das neue

Studiomonster

in den subkulturellen

Hi-Fi-

Stationen der

Jesus Freaks.

Textlich

bewegt sich

„blessed be the

punk“ zwischenSozialkritik,

Anbetung

und Alltagszweifeln. Es sind

Momentaufnahmen die sich

im Leben zwischen St.Pauli-

Kiez, Bibellesen und den

Tagesthemen abspielen. Dabei

geht es nicht in erster Linie

darum, durch endlose Wiederholungen

und Verschnörkelungen

Musik und Inhalt zu

verbinden, sondern son die Sache

in 1:20 Minuten Minu auf den Punkt

zu bringen. bringe Schnell und

wild geht geh es in den Songs

allemal zur z Sache, so gibt

es oft Wechsel W zwischen

Shout-Parts Shout-Pa von Keller

und melodiösen melo Stellen

von Bender. Ben Das Cover

„Allah Allah Al Allah“ von

„mewithoutyou“ „mewitho provoziert

inhaltlich und fordert gerade in

Zeiten pseudochristlicher pseu

Koranverbrennungen

ranverbren heraus,

auch einmal einm die grauen

Zellen zu z benutzen.

Wer nun schon ganz

heiß auf a die Scheibe

geworden gewo ist, sollte

seinen seine PC anschmei-

ßen, sich auf die

praiser-Seite prais begeben

und sich die geballte

Ladung Ladu Knüppelkuchen,

kuch zum sozial

christlichen chris Tarif von

null Euro, herunter-

lade laden. Ich mach in

de der Zwischenzeit

nnochmal

Lied

vier an und

brülle meinem Radio aus

voller Kehle entgegen: „I praise

Goohhhoooohhoohhhood“.

Tobi wohnt seit ein paar Monaten

in Berlin, findet die Großstadt aber

viel zu groß und wünscht sich wieder

nach Zeitz zurück. Zum Glück

hat er Martina und Praiser, so ist die

Sache erträglich.

Praiser-Booking

Du kannst dir Praiser nach Hause

holen und mit deinen Freunden

dazu abgehen!

Mail an: [benderhead@yahoo.de]

Diskographie

preacher

2007 self titled/preacher, Barrikade

Records

2008 Mundtot, Handmade Overkill

Records

2009 Split-CD mit 100 Philistine

Foreskins (Schottland), Handmade

Overkill Records

praiser

2009 rehearsal room recordings /

self titled

2010 blessed

be the

punk (studio

recordings)

Download:

www.praiser.de


Was fange ich mit

meinem Leben

an? Wer sich das

nicht fragt, kann das Buch

getrost zur Seite legen – auf die

Gefahr hin, das eigene Talent

womöglich für eine ungeliebte

Aufgabe zu verschwenden. Wer

dagegen wissen möchte, wie

der rote Faden in seinem Leben

aussieht, welches Potenzial in

einem steckt und wie man es

auf eine befriedigende Weise

umsetzt, der hat mit Donders

Werk eine gute Wahl getroff en.

Ich gebe zu, die Einleitung

reißt einen nicht vom Hocker

und auch sonst gibt es einige

dröge Beispiele. Doch die

vielen praktischen Anleitungen

gleichen das aus, in denen

man mehr über sich erfährt,

Wer kennt es nicht?

Job, Studium,

Kids, Gemeinde,

Freunde, Ehe – ob Teile

davon oder gleich alles zusammen.

Unsere Terminplaner

sind voll. Und obwohl alles

bestmöglich durchorganisiert

wurde, bleibt neben dem (un-)

erledigten Aufgabenberg, das

vage Gefühl irgendwie nicht

den Tag zu leben, sondern

vom Alltag gelebt zu werden.

Also ist das hier schon wieder

ein Buch über Zeitmanagement?

Nein, diesmal nicht.

Die Autoren Les und Leslie

Parrott sind selbst alltagserprobte

Eltern mit Jobs und

Ehrenämtern. Sie ersparen uns

schlaue Ferndiagnosen und

neue Ordnungssysteme für

Schreibtisch und Partnerschaft,

seine Motivation, Fähigkeiten,

Denkweisen, Wünsche usw.

Was ich hier so lapidar aufgezählt

habe, umfasst knapp

die Hälfte des Buches und

verlangt dem Leser einiges an

Zeit und intensiver Arbeit ab.

Belohnt wird man mit einer

Analyse, welches Potenzial in

der eigenen Person steckt. An

dieser Stelle bleibt der Autor

aber nicht stehen, sondern

nimmt den Leser an die Hand,

die verschiedenen Puzzleteile

einzusammeln und ein Gesamtbild

daraus zu erstellen.

Anschließend fällt es einem

leichter konkrete Ziele fürs

Berufs-, Gemeinde- und

Privatleben zu entwickeln.

Spätestens an dieser Stelle

wird einem klar, dass man

seine Wünsche nicht alleine

die spätestens an der nächsten

Grippewelle im Kindergarten

oder dem Schichtplanwechsel

in der Firma scheitern.

Stattdessen setzen die Parrotts

auf Infos. Was sind Zeitdiebe,

was haben Finanzen mit

unserer Zeit als Paar zu tun

und warum geht mein Partner

oder meine Partnerin so ganz

anders mit der Zeit um als ich

(und darf das auch)? Das sind

nur einige Th emen, denen

sich dieses Buch widmet. Die

Autoren gehen zu Recht davon

aus, dass wir Leser die eigentlichen

Experten für unseren

Alltag sind. Sie geben durch

gezielte Fragestellungen am

Ende eines jeden Kapitels

Hilfestellung, um die eigenen

Einstellungen zu den jeweiligen

Punkten zu erforschen.

Rezensionen

Den roten Faden finden

Rezension: Kreative Lebensplanung

Und Schatz, wie kommst

du mit unserer Zeit klar?

Rezension: Mehr Zeit für uns

verwirklichen kann, sondern

auf die Unterstützung seiner

Mitmenschen angewiesen

ist. Deshalb betont Donders

im letzten Teil die Bedeutung

eines Mentors und erklärt,

wie man einen fi ndet.

Ob die „Kreative Lebensplanung“

was gebracht hat,

wird man wohl erst im Nachhinein

feststellen, wenn man

zufrieden auf sein Leben

blickt – oder eben auch nicht.

Anett Wünsche

Paul P Ch. Donders: „Kre-

aative

Lebensplanung:

Entdecke E deine Beru-

ffung.

Entwickle dein

Potential P – beruflich und

pprivat.“

Überarbeitete

Neuauflage. N Gerth Me-

ddien,

2009.

Kurz, prägnant, energiegeladen.

So wie die Kapitel dieses

Buches aufgebaut sind, so sind

auch die Inhalte. Ein Buch, das

die gemeinsame Zeit für Paare

in den Mittelpunkt stellt und

Lust darauf macht den Platz

am Ruder für Partnerschaft

und Alltag zurückzuerobern.

Und für all die Test-Freaks

unter uns: gratis zum Buch

gibt‘s einen Online-Test mit

dem man den eigenen Zeit-Stil

herausfi ndet. Nun gilt es nur

noch die Zeit zu fi nden das

Buch zu lesen – lohnen wird

es e sich auf jeden Fall.

Tine Kernstock

Les L & Leslie Parrott: „Mehr

Zeit Z für uns: Wie wir im

hektischen h Alltag miteinander

d verbunden bleiben.“

Gerth G Medien, 2010.

5/2010

39

Oktober/November


Wir

verschenken

nix!

Wir verteilen den

Kranken Boten!

Bestell ein Sozial-Abo des Kranken Boten zum Vorzugspreis von 11 €.

Vorlage des Alg-II-Bescheides genügt.

Finanziert werden soll dieses Angebot durch Spenden. Mehr Infos im Impressum S. 35

MANUEL

RAISCH

PREDIGT- UND

SEMINARDIENST

BERATUNG

Seelsorge und Mentoring für

Privatpersonen, Gemeinden,

Firmen und Projekte,

Beratung in ethischen

Fragen, z.B. der christlichen

Wirtschaftsethik oder

Sozialethik

VERMITTLUNG

von biblischen, theologischen

und historischen

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