DKB_3_08_Vollversion - Kranken Boten

jesusfreaks.de

DKB_3_08_Vollversion - Kranken Boten

FreakKörperKultur

Die Leibtragenden sind wir

Tränchen beim Lobpreis

Wie Kinder das jesus.w.freak:08-Treffen erlebten

Neues Jesusfeuer

Dieses Freakstock wird anders Nr. 3/2008 Juni/Juli


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein Frühsport bestand heute

aus Zum-Klo-Jogging, einer Vom-Klo-

Get-up, Extrem-Kaltes-Wasser-ins-

Gesicht-Schütting, Kaffeekoching und

Editorial-Kein-Bock-hab-aber-müss-

Schreibing. Kurz bevor Fußball-EM-

Fieber und Sommerspiele-Schüttelfrost

(kennst du schon die neue olympische

Disziplin Peking? Hahaha) alle Kanälen

gleichschalten, befasst sich das einzig

wahre Freak-ORGAN, ihr ahnt es schon,

mit unseren Leibern (Sex-Theologie auf

S. 12), Leibchen (Style-Beratung auf S.

20) und Leibesübungen (Extremsport

und extrem schlechte Seiten sportlicher

Großveranstaltungen auf S. 16).

Wir Freaks und der Umgang mit

unserem Körper: Um keinen Kult draus

zu machen, wäre es gut, wir würden

eine Kultur entwickeln. Doch schon bei

der Frage, was hinein gehört in den Körper,

scheiden sich die Geister: Tofu-Schnitzel,

sagen die Veganer (S. 18); Bibel-Brocken,

rät Dr. K. Bote (S. 37). Was Schönes fürs

Auge gibt es auf dem Cover mit Sandro

Botticellis „Geburt der Venus“.

Wir jedenfalls hoffen, dir gefällt und

schmeckt dieses Heft, und wünschen

Lesevergnügen für Körper, Seele und Geist.

Für die DKB-Redaktion

Frank

Frank Hartkopf (29) war in

der Schule wegen unterirdischer

sportlicher Leistungen

von deren Benotung

befreit, träumt von einer Karriere

als Profi-Bauchtänzer.


Die Freaks

.. und ihr

korper

4: Meldungen

5: Festivalsommer

6 Freaks weltweit: Stuttgart für Birma

7 jesus.w.freak:08: Zwei Berichte

Boteninhalt

10 Martin Dreyer redet übers Freakstock

12 Theologie: Körper und Geist

16 Extremsport-Werte

18 Was und warum Veganer essen

20 Style sein ist alles?!

22 Ratgeber: Gestörtes Essen

25 Dr. K. Bote I: Einfach widerlich

26 Christival mit Freaks

27 Mirkos Visionstext

28 Im Büro vom Kranken Boten

29 Impressum

30 nachgedacht: Von Rasern und Reifen

32 Buchauszug: Paulus im Knast

34 Elternschaft Teil 1: Der Weg zum Vater

36 Gemeindeporträt Celle

38 Dr. K. Bote II: Biblisches Essen


Der Kranke Bote Meldungen

und am Besten beides zusammen. Mehr

unter: www.Lighthouse-Art.net

In eigener Sache

Zur Erläuterung der beiliegenden Rechnung

(nur Printausgabe). Da ab Mitte

2007 die Mehrwertsteuer fürs Porto

falsch ausgewiesen war, sind wir aus

vereinsrechtlichen Gründen verpflichtet

neue Rechnungen zu schreiben. Das ist

nur eine Formalität und ändert nichts

am Rechnungsendbetrag.

Nachtrag I: Schöne Seiten

Die Schönen Seiten der

vorigen Ausgabe gestaltete

Andreas Ermster. Mit

seiner Familie gehört

er zu den Remscheider

Freaks. Er liebt es zu zeichnen

und zu predigen …

Der Festivalkalender

Was? Wann? Wo? Wieviel?

(Normaltarif)

Freakfest

www.freakfest.cz

SLOT Art Festival

slot.art.pl

Saxstock

www.saxstock.de

Rock in the ruins

rockintheruins.de

Freakstock

www.freakstock.de

FLEVO

www.flevofestival.nl

Greenbelt

www.greenbelt.org.

uk

Seite 4 3/2008 Juni/Juli

19.-22.6. Cerveny Kostelec

(CZ)

22€ Abendkasse

(AK)

Warum?

Badesee gleich neben der

Bühne, sehr entspannt

9.-13.7. Lubiaz (PL) 42€ AK Jede/R ist hier KünstlerIn

11.-13. 7. Frauenhain

(D)

19.-20.7. Burgruine

Forchtenberg

30.7.-3.8. Gotha-Boxberg

(D)

14.-17.8. Bussloo bei

Apelforn (NL)

22.-25.8. Rennbahn

Cheltenham

(GB)

Nachtrag II: Logo

Das neue Logo stammt von unserem

Layouter Muck. Der

Mediengestalter und

Student der Kunst sowie

Sonderpädagogik

wohnt in Bremen und

ist Teil der dort ansässigen

Jesus Freak

Gemeinde.

25€ Vorverkauf

(VVK)

30€ AK

13€ VVK

17€ AK

65€ VVK

80€ AK

100€ VVK

110€ AK

Reinschauen kein Problem,

nur die Abendveranstaltungen

kosten Eintritt

Mit Christenreggae-Legende

Christafari

Offenbarung 22,17

Gruppenzelte für 10 oder

18 Leute ausleihbar

ca. 100€ VVK Mutter aller christlichen

Festivals (seit 1974)


Festivals

Wir sehen uns am See

Der Festivalsommer 2008

Das Abenteuer liegt auf dem Zeltplatz.

Mindestens einmal im Jahr

treibt es junge und junggebliebene

Europäer weg von der Zivilisation ins

Nomadenleben für ein langes Wochenende:

kein Internet, wenig Schlaf, harte

Isomatten und nachts halb drei kalte

Ravioli aus der Dose. Aber auch: wild

sein, Hippie spielen, Gemeinschaftsrausch,

den Sommer und die Jugend

feiern. Doch die christlichen Open-Air-

Festivals bieten auch in der Saison 2008

mehr als nur Camping-Romantik.

Wobei der Badesee direkt auf dem

Festivalgelände des Freakfest schon ein

Argument für sich ist. Das alternative

Musikfestival auf dem Camp Brodsky

in Cerveny Kostelec holt Bands aus Osteuropa,

aber auch John Coffey aus Holland

oder die Rapid Rascals aus Hamburg

auf die Bühne. Workshops gibt’s

zu geistlichen Themen, aber auch praktisch

– Graffiti und Trommeln – und zu

Armut in der Dritten Welt.

Nah am Wasser gebaut

sind eure Zelte auch auf dem

Saxstock. Das findet zum

vierten Mal auf der Frauenhainer

Insel statt. Begonnen

hatte es 1996 als Treffen der

Jesus Freaks Dresden. Das

musikalische Angebot reicht

von Rock über Punk und Ska

bis hin zu Metal und Hardcore.

Motto des Saxstock ist

„Slaves of Liberty“ – Sklaven

Der Kranke Bote

der Freiheit, ein Paradoxon, um auf das

Spannungsfeld von Freiheit und Zwängen

aufmerksam zu machen. Erstmals

gibt es auch eine Betreuung für Kinder

ab 5 Jahren. Selbst aktiv werden können

die Teilnehmer bei Fußball, Volleyball

und Wikinger-Schach oder auf der

Open Stage an den bereitgestellten

Instrumenten ihr musikalisches Können

unter Beweis stellen.

Das Slot Art Festival in einem riesigen

alten Kloster in Lubiaz bei Wroclaw versteht

sich nicht als christliches Festival.

Zwar geht es den Veranstaltern darum,

dass die Besucher Gott (neu) kennen

lernen, aber das soll bei dem Kunstfestival

nicht frontal aufgezwängt werden.

Stattdessen ist SLOT ein natürliches,

neutrales Forum für alle künstlerisch

Begabten, die mit anderen ihre Talente

entdecken und weiter entwickeln

wollen.

Frank

3/2008 Juni/Juli Seite 5


Der Kranke Bote

Stuttgarter Freaks sammeln für Waisenkinder

Ein Spendenaufruf für Birma nach dem Wirbelsturm

Von der Katastrophe in Birma durch

den Wirbelsturm Nargis Ende April

und vor allem der unfähigen Militärregierung,

die fast keine Helfer in die

Krisenregion lässt, hast du bestimmt

schon aus den Medien erfahren. Die Jesus

Freaks Stuttgart unterstützen schon

seit Jahren ein christliches Waisenhaus

mit etwa 90 Kindern in der Hauptstadt

Rangun. „Dafür, dass Birma eines der

ärmsten Länder ist, in dem Christen (in

anderen Regionen) ethnisch vertrieben

werden und jede Familie froh ist, wenn

sie sich selbst versorgen kann, ist das

Waisenhaus eine beträchtliche Leistung

der Menschen“, sagt Stefan von

den Stuttgarter Freaks. Er konnte sich

vor zwei Jahren vor Ort ein Bild von

dem Projekt machen. „Unsere Spenden

haben ihnen bisher ein weiteres Haus,

eine Küche, einen Brunnen, und Sanitäranlagen,

Decken und Schlafmatten

Seite 6 3/2008 Juni/Juli

Freaks weltweit

gebracht. Es ist immer auch heikel für

die Leiter des Heimes, ausländische

Gäste einzuladen – einer war deshalb

auch schon einmal im Gefängnis und

wurde da gefoltert“, berichtet Stefan.

Nach der Katastrophe schrieben die

Stuttgarter voller Sorge an einen der

Leiter und erfuhren, dass in ihrer Gegend

niemand umgekommen ist. Allerdings

wurden viele Häuser zerstört

und das Dach vom Waisenheim geweht.

Die Kinder wurden übergangsweise in

einer anderen christlichen Einrichtung

untergebracht.

Da bisher keine Besserung der Lage

absehbar ist und momentan vor Seuchen,

steigenden Lebensmittelpreisen

und einem weiteren Zyklon gewarnt

wird, wollen die Jesus Freaks Stuttgart

für ihr Partnerprojekt in Birma sammeln.

Das Geld wird direkt über einen Kontakt

in Thailand nach Birma gebracht

– an der Militärjunta vorbei.

Frank

Mehr Informationen bei:

Stefan [staeff@staeff.de]

Spenden an:

Jesus Freaks Stuttgart

BW Bank Stuttgart, Konto

2200080, BLZ 60050101,

Zweck: Waisenheim in Birma

Bilder vom letzten Besuch der

Stuttgarter in Birma:

http://picasaweb.google.de/

staeff/Myanmar


jesus.w.freak:08

JFI wird praktisch strukturiert

Ein Bericht vom jesus.w. freak:08-Treffen

Bei schönstem Frühlingswetter trafen

sich über 250 Jesus Freaks aus

Deutschland und anderen Ländern zum

jesus.w.freak:08-Treffen (ehemals Willow

Freak) in Reichenbach, Vogtland.

Ein Team aus Großbritannien der St.

Andrew Church unterstützte die Veranstaltung

mit Predigten, Gesprächen und

Segnungszeiten.

Am Freitagnachmittag fand die Mitgliederversammlung

des JFI-Vereins

statt. Der erste Tagesordnungspunkt war

die Entlastung der ehemaligen Vorstände

für das Budget von 2006. Die Bilanz

wurde den Vereinsmitgliedern präsentiert

und anschließend wurden Fragen

beantwortet. Es wurde deutlich, dass in

den vergangenen Jahren die Rücklagen

des Vereins aufgebraucht wurden, u. a.

durch Projekte wie „Wehende Fahnen“,

die erhöhte Personalkosten verursachten.

Zur weitere Belastung trugen

auch die damaligen Differenzen mit der

Freakstyle-AG bei. Der ehemalige Vorstand

wurde mehrheitlich entlastet.

Einen hoffnungsvollen Ausblick gab

André Kirsten, der seit einem Jahr Leiter

des Finanzteams ist: 1. Die Verwaltung

wurde in den letzten Monaten auf ein

effizienteres Buchhaltungssystem umgestellt.

2. Der Umzug des Vereins nach

Darmstadt ist abgeschlossen und wird

vieles in Zukunft vereinfachen. Und 3.

Die finanzielle Lage des Vereins hat sich

weiter stabilisiert u. a. durch Senkung

der Personalkosten und finanzielle Unterstützung

durch eine amerikanische

Der Kranke Bote

Stiftung. Zum Schluss warb André noch

einmal um weitere Mitarbeiter für das

Finanzteam.

Am Samstag gab es die Möglichkeit

im großen Podium Fragen und persönliche

Eindrücke zur Charta und zum Konzilprozess

anzusprechen, diese wurden

durch die anwesenden Mitglieder des

Umsetzungsteams beantwortet bzw.

kommentiert. Anschließend wurde die

Charta mit einem gemeinsamen Gebet

der Teilnehmer beschlossen. Die spätere

Wahl des Strukturteams, das eine neue

Struktur für die Jesus Freaks Deutschland

aus der Charta herausarbeiten soll,

mündete in der Einsegnung von Denise

Riebisch, Michael Jahme, Hajo Müller

und Mirko Sander (Foto v.r.n.l.). Wahlberechtigt

waren alle Konzilteilnehmer,

die entweder vor Ort bzw. bei Nichtanwesenheit

vorher per Mail abstimmen

konnten.

Alles in allem war die Atmosphäre auf

dem jesus.w.freak:08-Treffen von einem

guten Miteinander geprägt, abends

entspannte man gemeinsam und das

eine oder andere Bier wurde getrunken.

Ronny

3/2008 Juni/Juli Seite 7


Der Kranke Bote jesus.w.freak:08

Zwischen Angst und Hoffnung

Wie eine Familie das jesus.w.freak:08 (üb-) erlebte

Nach knapp siebenstündiger Autofahrt,

inkl. mehreren Pillerpausen

und Mittagessen im Bällebad, kamen

wir – 2 Familien mit insgesamt 4 Kindern

im Alter von 1, 2, 3 und 4 Jahren

der Jesus Freaks Ostwestfalen-Lippe

(JFOWL) – gegen 17 Uhr in Reichenbach

an.

Als die ersten Töne des Lobpreises erklangen,

hielten sich die Kinder die Ohren

zu und es kullerten auch ein paar

Tränchen, so dass wir gemeinsam mit

anderen Familien den Weg zum Kinderraum

suchten. Beim Anblick des 12-Bett-

Zimmers schwankten wir zwischen der

Angst vor 3 schlaflosen Nächten und der

Hoffnung, dass es mit Jesu Hilfe schon

irgendwie funktionieren würde, mit 6

kleinen Kindern und 6 Erwachsenen ein

Zimmer zu teilen. Nachdem wir 2 ziemlich

große Kofferraumladungen Klamotten

in den zweiten Stock gebracht

hatten war das Abendessen schon in

vollem Gange und kein Platz

mehr frei. Wir standen einfach

so lange mit Sack und Pack

planlos in der Gegend herum,

bis sich das Problem von alleine

gelöst hatte und die ersten

fertig waren. Um 21.30 Uhr

sind unsere Kinder eingeschlafen

und die Babyphons funktionierten

einigermaßen. Fast

unglaublich: Die Kinder haben

tatsächlich alle durchgeschlafen,

zumindest bis 6.30 Uhr.

Seite 8 3/2008 Juni/Juli

Es erweist sich als sehr praktisch,

mit zwei Familien gefahren zu sein, so

dass man abwechselnd auf die Kinder

aufpassen, länger schlafen oder etwas

vom Programm mitbekommen konnte.

Allerdings entstand wohl eine leichte

Verwirrung bei anderen, wer mit wem

verheiratet sei und in welcher Kombination

die Kinder dazugehörten.

Gemeinsam mit einer anderen Mutter

wurde es uns wichtig, auf dem Treffen

etwas mit den Kindern zu machen. So

planten wir kurzfristig einen Kindergottesdienst

und bekamen mit tatkräftiger

Unterstützung des Kioskteams und

eifriger Biertrinker genügend Kronkorken

als Spielgeld für unseren Zachäus

zusammen.

Am Samstag hatten die Kinder ihren

GoDi: Zuerst wurde gesungen,

dann „reisten“ wir bis an das Stadttor.

Zachäus verlangte dort von jedem Kind

Spielgeldstücke, bevor sie durch das Tor


jesus.w.freak:08

gehen durften. Später erzählte er von

seiner Begegnung mit Jesus: Wie der

ihn besucht hatte, obwohl er so gemein

war und kein anderer mehr etwas mit

ihm zu tun haben wollte. Durch diese

Begegnung hat er sich völlig verändert,

und so gab er jedem Kind mehr „Geld“

zurück, als es vorher bezahlt hatte. Wir

haben Gott gedankt, dass er uns immer

liebt, egal, was wir auch machen. Unsere

schnell improvisierte Bastelaktion

sah so aus: die Kinder haben Geldstücke

unter Papier gelegt und durch darüber

malen sichtbar gemacht. Nach „Gottes

Liebe ist so wunderbar“ und einem Segenslied

war der Gottesdienst zu Ende.

Am Nachmittag stand die Charta auf

dem Programm. Wir haben darüber berichtet,

wie (nicht-) informiert die Bielefelder

Kraftwerkgemeinde über den

Konzilprozess war und das durch den

Ausstieg der Gemeinde von JFI in unserer

Region etwas neues entstanden

ist: Die JFOWL mit momentan etwa 20

Erwachsenen und 15 Kindern.

Bei uns in Ostwestfalen-Lippe steht

erst einmal die Gemeinschaft im Mit-

Der Kranke Bote

telpunkt, uns gibt es ja auch erst

seit 6 Monaten, wobei die meisten

Leute schon vor Ewigkeiten mal

bei den Freaks waren. Wir haben 2

Hauskreise (für die Erwachsenen)

und treffen uns etwa einmal im

Monat mit allen zum Frühstücken

oder Grillen. Wir haben dann kein

spezielles Programm: Wir treffen

uns in einer kinderfreundlichen

Umgebung (Haus mit mehreren

Kinderzimmern oder großem Garten)

und die Kinder sind einfach dabei.

Da wir aber eher ein Netzwerk als

eine Gemeinde sind, gehen einige auch

in anderen Gemeinden in den (Kinder-)

GoDi.

Zum Abschluss haben wir uns ein

paar Gedanken zu einem Familienpool

gemacht, bei dem wir auf jeden Fall

mitmachen würden:

1) Familienarbeit auf Willow Freak

und Freakstock

2) „Familienfürsprache“

im Leitungsteam

3) Beratung von Gemeinden

(strukturelle Fragen, MA-Schulung)

4) Austausch und Infos

(Forum oder Mailing-Liste)

5) Planung und Organisation

einer Familienfreizeit

Es müssten natürlich noch ein paar

Leute in einem Familienpool mit dabei

sein. Wenn du Interesse oder Ideen hast,

schick mir doch eine E-Mail oder melde

dich im Forum an. Auf dem Freakstock

wird es bestimmt ein Treffen geben.

Britta Pohl [pohl777@life.de]

Forum: freaksfamily.iphpbb.com

3/2008 Juni/Juli Seite 9


Der Kranke Bote

Und Gott sagte: „Jesus“

Warum Freakstock 2008 anders wird

Ich rede seit einigen Monaten viel mit

Leuten über das Freakstock 2008. Für

mich wird es in vielerlei Hinsicht ein

ganze besonderes Festival. Warum das

so ist, will ich hier einmal aufschreiben.

Letztes Jahr fand ich das Freakstock

nicht so prall. Hab das auch in meinem

Blog kundgetan. Es war keine hohle

Kritik oder so, ich war mit großen Erwartungen

hingefahren, bin aber total

leer wieder zurück gekommen und

hab mich gefragt, woran das liegen

könnte. An mir? An Gott? Am Festival?

An der Situation der Bewegung?

An den Predigten? Am Lobpreis? Am

mangelnden Gebet? Am mangelnden

Hunger nach Gott? Vermutlich liegt

die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Auf jeden Fall bekam ich nach diesem

Post einen Anruf von Hendrik Stoppel. Er

wollte gerne mit mir über meine Kritik

Seite 10 3/2008 Juni/Juli

Freakstock

sprechen. Fand ich erst mal geil und hab

ich echt Respekt vor. Am Ende fragte er

mich dann ganz überraschend: „Martin,

kannst du dir eigentlich auch vorstellen,

mal wieder beim Freakstock zu predigen?“

Ich hab erst geschluckt. Eigentlich

war meine Antwort klar: „Nein, den

Stress muss ich mir nicht mehr geben.“

Aber ich hab (ganz brav christlich) natürlich

gesagt: „Ich bete mal drüber.“

Die Antwort von Gott kam prompt. Er

sagte nicht ja oder nein, sondern er gab

mir ein ganzes Thema für das Freakstock.

„Jesus! Ich möchte, dass ihr euch

einmal nur mit Jesus beschäftigt! Jesus,

der Retter, Jesus der wiederkommt in

Macht und Herrlichkeit, Jesus der Heiler,

usw.“, sagte Gott. Ich hab diesen Eindruck

dann Henni erzählt. Erst Monate

später hab ich mitbekommen, dass das

ganze Thema fürs Freakstock tatsäch-


Freakstock

lich übernommen worden ist. Und seit

ein paar Wochen weiß ich jetzt auch,

dass ich am Samstag das Hauptseminar

halten soll. Und jetzt freu ich mich auch

voll drüber, Halleluja!

Es ist für mich wirklich eine große

Ehre, beim Freakstock wieder predigen

zu dürfen. Hat auch was von Wiederherstellung

und so. Ich vermute, dass es

Leute gibt, die damit Probleme haben.

Aber das ist mir jetzt pupsegal, weil ich

weiß, dass Gott damit keine Probleme

hat und ich will nur das tun, was er will.

Das letzte Mal, als ich bei unserem Festival

predigen durfte, war 1997 („Zurück

zur ersten Liebe“). Verdammt lange her.

Zur Situation

Keine Ahnung wie du die Situation

bei den Freaks einschätzt. Ich persönlich

hab noch nie so viele Jesus-Freaks-

Gruppen vor Ort besucht, wie im letzten

Jahr. Alleine mit Paul war ich in gut

einem duzend Gruppen am Start. Meine

Liebe für die Bewegung ist ungebrochen

und ich hatte auch nie eine Spur

von Zweifel, dass die Bewegung an den

neuen Spaltungskräften zerbrechen

wird. Mit dem Konzil hatte ich zugegeben

meine Probleme, weil es einfach

außerhalb meiner Vorstellungskraft lag,

dass dort etwas Gutes, Jesusmäßiges

bei rumkommt, was die ganze Bewegung

wirklich nach vorne bringt. Das

Konziltreffen wo ich war, fand ich einfach

nur flach. Darum hab ich mich aus

dem Konzilprozess auch ausgeklinkt.

Aber ich lass mich gern eines besseren

belehren und es geht hier auch nicht

Der Kranke Bote

um „Recht haben“ oder nicht, sondern

darum, was dem Reich Gottes am besten

dient. Das Konzil hat auf jeden Fall

leider auch dazu beigetragen, dass die

Spaltungskräfte noch stärker an der Bewegung

zehren. Ich höre von einigen

Gruppen, die sogar wegen dem Konzil

die Bewegung verlassen wollen/werden.

DAS IST NICHT GUT! Ein Grund

mehr für das Freakstock zu beten. Ich

höre aber auch, dass die letzten Konziltreffen

sich auf den Punkt zugespitzt

haben, dass sich die Bewegung wieder

mehr auf Jesus ausrichten will. Wenn

das ein Ergebnis ist, sag ich na klar:

Halleluja!

Gebet für das Freakstock

Mein Gebet ist, dass wir uns wieder

gemeinsam bei Jesus sammeln. Das wir

am Kreuz zu unsere Einheit zurück finden

und uns am leeren Grab neue Kraft

geben lassen, für die Vision, mit der Gott

uns gestartet hat. Wir brauchen wieder

Jesusfeuer! Unser Auftrag ist noch nicht

erfüllt. Grabenkämpfe kommen von Mr.

S und lenken die Aufmerksamkeit auf

sich, obwohl der Krieg ganz woanders

stattfindet. Ich sehe noch so viel Kraft

und Stärke in der Bewegung. Wenn wir

wollen, könnten die Jesusfreaks wirklich

ganz Deutschland auf den Kopf

stellen. Ich hoffe, nein ich glaube, dass

ich das noch erleben werde. Und ich

hoffe, dass dieses Freakstock wieder

neues Jesusfeuer in uns ansteckt. Wir

brauchen JESUS, JESUS, JESUS! Sonst

(wirklich) nichts.

Martin Dreyer

3/2008 Juni/Juli Seite 11


Der Kranke Bote

Die Tische biegen sich meist unter

dem Gewicht der vielen Kuchen

und Torten. Die Schlange der Händeschüttler

scheint nicht enden zu wollen

und die frisch Vermählten beginnen

langsam zu schielen. Hunderte gratulationsentschlossene

Augenpaare und

umarmungswillige Herzen gilt es selig

anzulächeln. Braut und Bräutigam begreifen

spätestens jetzt, dass Heiraten

eine ziemlich handfeste, sehr konkrete

Angelegenheit ist. Die Hochzeitsnacht

wird dann auf ganz andere Weise sehr

konkret. Also, Heiraten ist etwas recht

konkretes. Nix abstrakt Geheimnisvolles.

Klar, die Christen sind gut darin,

zu allen Themen theologisch viele

Ideale und Ideen aufzubauen. Meist

recht klug, sehr bibelfest aber dabei

völlig unkonkret. Komisch eigentlich,

denn es ist doch an sich so einfach:

Eine Frau, ein Mann. Punkt. Aus zwei

mach eins, und eins bleibt zwei. Zwei

sind sich einig und ein Ende hat’s mit

der Zwietracht.

Nun geht (manchmal sogar auch

erst) mit der Hochzeit einher, dass sich

Seite 12 3/2008 2/2008 Juni/Juli

Theologie: Geist und Fleisch

gehören zusammen

ein Pärchen nicht nur christlich romantisch

und durch ‚Die-Fünf-Sprachen-der-

Liebe’ geschult – also recht platonisch

– näher kommt. Da kann es schon mal

zu recht konkreten Begegnungen kommen,

deren Details ich hier der Phantasie

der geübten und weniger geübten

Gemüter überlasse. Da kann es schon

mal etwas eindeutiger werden. Ja, richtig!

ich meine Sex. Hochzeit, Sex und

Beziehungsleben (diese Reihenfolge ist

natürlich aller realistischen Variabilität

geschuldet …) sind vielfältig theoretisiert,

idealisiert und abstrahiert worden.

Und sie werden es auch noch. Die fromme

Theorie zeichnet den Jesusleuten oft

ein Soll vor die Nase, welches sich in der

Praxis nur sehr eingeschränkt haben

lässt. Ach wie schön wär’s doch, wenn’s

so wäre, wie’s sein könnte, wenn’s richtig

klappen könnte, wie es theoretisch

gedacht sein müsste.

Dass sich in der Liebe zwischen Mann

und Frau, dass sich in der Freundschaft

zwischen zwei Menschen, dass sich in

der Zuneigung unterschiedlicher Menschen

und Seelen einander zuwenden

gehört zu den schönsten und tiefsten

Geheimnissen des Lebens. Dass sich da

aber auch zwei Menschen aus Fleisch

und Blut begegnen wird im Kontext der

gemeindlichen Christlichkeit manchmal


etwas vergessen. Also in frommen Kreisen.

Und erst recht in den frommen Büchern.

„Draußen“ wird das wohl etwas

von der anderen Seite her übertrieben.

Also, Liebe, Freundschaft und Zuneigung

haben auch die Handfestigkeit der

körperlichen Nähe. Ja, und dazu gehört

auch der Sex.

Unser „Leib“ – schon allein das Wort

passt so gar nicht wirklich, oder? Hört

sich so nach Hostie an, nach Brot, etwas

esoterisch fast – also unser „Körper“

ist Teil von jedem von uns. Ja mehr noch,

mein Körper bin ich. Und das Ich wird

in einer Begegnung mit dem Ehepartner,

einer Freundin, einem Familienmitglied

und auch einem Peiniger sehr wohl von

der körperlichen Seite angeregt. Aber

mir scheint, als hätten die frommen

Leute etwas ausgeklammert. Den Körper

mag man im Blick haben, wenn es

um Moral geht, aber wieso denn nicht,

wenn’s um Erlösung, wenn’s um den

Glauben geht, wenn’s um die Konkretheit

des Heiles geht? Wenn es um den

Glauben geht, sind wir meist sehr körperlose

Wesen. Komisch, nicht wahr?

Merkwürdigerweise kann man in

der Kirchengeschichte einen Bruch

feststellen, der sich auch mal wieder

konfessionell auswirkt. Die Tradition

der Reformation hat’s nicht so mit dem

Körper. Denn der menschliche Leib ist

die handfeste und konkrete Repräsentanz

für das Hier und Heute – und somit

eben kurz und bündig für die Sün-

Der Kranke Bote

de. So die Reformatoren. Und deshalb

mag das der Protestantismus nicht so

gern. Hier und Heute sind immer so ein

bisschen Bäh! bisweilen vorläufig und

bestenfalls zweitklassig. Die evangelische

Theologie dividiert da tendenziell

etwas auseinander, was zusammen

gehört: Seele und Leib. Macht man es

ganz fromm, dann sind da Seele, Geist

und Leib (1 Tess 5,23). Und sind die

Schubladen erst mal offen, dann muss

man sie nun auch füllen. Körper, mh?

– der vergeht – unterste Schublade. Er

stirbt, verwest und verliert dadurch an

Bedeutung. Die Seele, naja – die lebt

wohl ewig. Irgendwie. So ganz klar ist

das auch nicht. Aber sie ist das geheimnisvolle,

gerettete und ewig hinterher

humpelnde Teil meines Ich. Der Geist,

ja klar, der Geist – der ist erlöst und

heilig und alles rockt und ich muss nur

im Geist leben und alles ist prima und

sowieso.

Mann, wenn’s doch wirklich so simpel

wär’. Da ist es aber nicht, fürchte ich. Ja,

ich möchte mich sogar dagegen stellen,

dass unser Lehren sich allein darauf beschränkt,

dass wir zwar geistig-geistlich

längst völlig erlöst sind, aber seelisch

noch nicht und körperlich schon gar

erst nach dem jüngsten Tag. So wahr(!)

diese Theologie für sich ist, so abstrakt

und platonisch ist sie. So unpraktisch

und so losgelöst von der Konkretheit

und den handfesten Wirklichkeiten des

Lebens, sie ist zu idealisiert.

2/2008 3/2008 Juni/Juli Seite 13


Der Kranke Bote

Denn – wenn es stimmt, dass Gott in

Jesus Mensch wurde; wenn es wahr ist,

dass nicht ein abstrakter Geist einen

Verein gegründet und treudoofe Gesinnungsgenossen

um sich gesammelt

hat; wenn es wahr ist, dass da Gott ein

ganz konkreter Mensch aus Fleisch(!)

und Blut geworden ist, wenn es wahr

ist, dass die Versöhnung dieser Welt mit

dem geschundenen Leib, einem Körper

am Kreuz erkämpft und erfleht wurde

– wenn das alles wahr ist, dann kann

Heil nix Abstraktes, nix Unkonkretes, nix

Vergeistigtes, nix allein Jenseitiges sein.

Sondern dann ist alles, was wir Welt,

Fleisch und Diesseits nennen auch heilig!

Und dann gehört da auch mein und

dein konkreter Körper dazu. Und bitte,

ich mein jetzt nicht die Antirauchersprüche:

„Du bist Tempel des Heiligen

Geistes“ (1 Kor 6,19) oder dergleichen.

Ich meine, dass Gott zuerst allein durch

sein Schaffen und dann in unüberbietbarer

Tatsächlichkeit und Nähe das Hier

und Heute, diese Welt mit allem Vergänglichen

und Verwesenden und Todgeweihten

heilig gesprochen – ja mehr

noch: heilig gemacht hat.

Als Negativbeispiel möchte ich – ganz

ketzerisch – die gegenwärtige Theorie

und Praxis mancher Heilungsgebete

anführen. Auch dieser wichtige Dienst

erliegt manchmal der Denkfalle, dass

wir, weil(!) wir geistig-geistlich schon

heile sind, auch körperlich heile zu sein

haben. Zu einer geretteten Seele und

einem erneuerten Geist passt doch kein

kranker Körper. Der muss(!) gesund

werden. Was für ein Wahnsinn! Wer

Seite 14 2/2008 3/2008 Juni/Juli Juni/Juli

Theologie

hat uns befohlen, dass wir gesund sein

müssen, und gesund machen müssen,

um als Christen erkannt zu werden? Wo

kommt das nur her? Dir passt das Wort

befehlen hier nicht? Mag sein, dass das

hier komisch klingt, aber wir sprechen

wirklich Gesundheitsimperative aus.

„Werd’ wieder gesund!“ „Komm wieder

auf die Beine!“ und so ähnlich. Alles

lieb gemeint, aber es ist doch so was

von irre. Denn leider „klappt“ das oft

nicht so, wie man will. Da wird dann

jemand eben nicht vom Krebs geheilt

oder kann seine seelisch-psychischen

Störungen loswerden. Menschen bleiben

auch trotz

Gebet krank.

Und das

wird

dann

nicht

selten

recht

oberflächlich

mit der

Souveränität Gottes beschwichtigend

erklärt. Kurzum: Pech gehabt.

Ich finde das ziemlich gruslig. Und es

kommt daher, dass wir es übernommen

haben, in unser christlich-geistliches

Denken diese Spaltung zwischen Dort

und Hier, Geist und Fleisch, Licht und

Finsternis, Gott und Welt zuzulassen.

Wenn Weihnachten und auch Karfreitag

uns was lehren, dann doch bitte,

dass Gott ganz konkret zu erkennen

gibt, dass er seine Schöpfung, das Hier,

das Fleisch, die Finsternis und die Welt

nicht abgeschrieben hat. Der Prophet


Theologie

Hosea sollte das seinem Volk von Gott

her wie folgt mitteilen:

„Ich traue dich mir an auf ewig; ich

traue dich mir an um den Brautpreis

von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe

und Erbarmen, ich traue dich mir an

um den Brautpreis meiner Treue: Dann

wirst du den Herrn erkennen.“ (Hosea

2, 21 – 22)

Jetzt verstehst du vielleicht, warum

ich hier mit der Ehe angefangen hab.

Es geht um ein Sicheinlassen Gottes

auf diese Welt. Braut und Bräutigam.

Das ist bereits immer wieder im Alten

Testament nachzuspüren. Im Neuen

Testament findet das seine vollendende

Wirklichkeit – „Und das wahre Licht,

das jeden Menschen erleuchtet, kam

in die Welt. Er war in der Welt und die

Welt ist durch ihn geworden, aber die

Welt erkannte ihn nicht. (…) Und das

Wort ist Fleisch geworden und hat unter

uns gewohnt.“ (Joh 1, 9+10+14)

Geist und Fleisch gehören zusammen.

Christus als Logos bindest sich an das

Fleisch! Es heiligt es. Punkt.

Warum ich als Single aber hier oben

mit dem Sex so rumgetextet hab, mag

dich weiterhin etwas verwundern. Nun,

das liegt daran, dass diese Konkretheit

uns etwas beizubringen hat. Denn sowohl

im Alten Testament als auch im

Neuen Testament, sowohl im Hebräischen

wie im Griechischen fällt eine

sprachliche Besonderheit auf. Eine Besonderheit,

die es im Deutsch nicht gibt,

die ich aber sehr mag, weil sie so wirklich

und konkret ist. Die Wörter in den

alten Sprachen für „erkennen“:

Der Kranke Bote

(jada’) und (gignoskein),

stehen sowohl für das Erkennen Gottes,

als auch für Sex. Wenn ein Mann seine

Frau „erkennt“, dann schläft er mit ihr.

Also die Erkenntnis Gottes ist eine Verbindung,

die über ein kognitives, vergeistigtes

und abgehobenes, leibloses

Geschehen hinausgeht. Wenn Gott sich

nicht zu schade war, unseren Körper anzunehmen,

dann geht Glaube niemals

ohne den Körper.

Herz, Hand und Mund sind mir als

Werkzeuge für das Heil mitgegeben.

Dieser Leib ist durch die Nähe und die

Würdigung Gottes geheiligt. Es wäre

mehr als dumm, diesen Gedanken in

den plumpen Gegensätzen von Geist

und Fleisch aufgehen zu lassen. Denn

Fleisch bei Paulus meint nie den Körper

aus Fleisch und Blut, sondern Fleisch

steht als Chiffre für eine bestimmte

Haltung Gott und der Welt gegenüber.

Da steckt also mehr dahinter. Sehr cool

eigentlich, denn es ist ja wirklich so einfach:

Eine Kirche, ein Gott. Punkt. Eine

Braut, ein Bräutigam. Aus zwei mach

eins, und eins bleibt zwei.

Norbert

3/2008 Juni/Juli Seite 15


Der Kranke Bote

Vom Wert des Menschen

Ein Extremsportler über die Gefahren der Sportwelt

Sport wirkt auf Menschen faszinierend.

Fun- und Extremsport wirken

noch faszinierender. Für Sportler und

Sportlerinnen selbst, aber auch für Zuschauer,

die sich in den Bann ziehen

lassen. Für Sportler und Sportlerinnen

im Extremsportbereich liegt die Faszination

sicher im Adrenalin-Kick, eigene

Grenzen aufbrechen zu können, aber

auch bewundert zu werden und besser

zu sein als andere. Wer hat nicht

schon mal davon geträumt, die oder

der Beste der Welt zu sein? Nicht nur

ein Einzelstück, sondern noch das beste

Einzelstück. Es ist genial, dass wir alle

so vielfältige Begabungen haben und

sich daran zu erfreuen, macht das Leben

bunt.

Doch gibt es Menschen von unterschiedlichem

Wert? Wie viel Selbstwert

hatte ich daraus gezogen, als ich

bei einem Contest besser fuhr als der

Weltmeister, oder als ich einen 9. Platz

auf der WM belegt hatte und vom Weltmeister

für einen Trick auf die Schulter

geklopft wurde.

Besser zu sein hängt dabei von einigen

Faktoren ab: Talent, Körperbau,

Ernährung, aber auch die Psyche, die

wiederum den Leistungswillen und die

Einsatzbereitschaft beeinflusst. Auch

wenn wir über uns selbst und andere

gewisse Kontrolle bekommen haben,

sind das auffällig viele Faktoren, die wir

nur bedingt beeinflussen können.

Seite 16 3/2008 Juni/Juli

FreakKörperKultur

Ganz zufällig bin ich damals auf eine

Extremsportart gestoßen. Unglaublicherweise

wurde ich auch so gut, dass

ich an mehreren Weltmeisterschaften

teilnehmen konnte. Es hat mein Selbstwertgefühl

gepusht, wo ich doch sonst

nicht viel Bestätigung bekam. So geht

es vielen, die in einem Bereich gut oder

beliebt sind, das gilt nicht nur für Sportler

und Sportlerinnen, sondern auch für

Musiker und Musikerinnen, Einflussreiche

oder Vermögende.

Diese Beliebtheit birgt Gefahren. Entweder,

die Leute bleiben auf dem Boden,

oder sie werden zu Stars. Es ist schön,

auf die Schulter geklopft zu bekommen,

aber weshalb vergessen viele, wie wenig

Startvoraussetzungen sie sich selbst

zu verdanken haben? Was können wir

dazu, wann, wo und wie wir geboren

wurden? Was können wir dazu, dass wir

nicht vor 150 Jahren in Afrika geboren

und zur Sklaverei gezwungen wurden?

Dabei sind Stars oft arrogante, unnahbare

Arschlöcher. Und ich muss gestehen,

auch ich selbst bin auf so einen

Scheiß abgefahren, und viele Christen

tun es immer noch. Sie suchen ihre

Stars, Leute, die sie bejubeln können.

Es ist fast so, als müssten sie beweisen,

dass Christen auch in weltlichen Maßstäben

mithalten können. Ein goldenes

Kalb muss her. Seltsamerweise gab es

mir auch was, dass andere mich als Star

betrachteten, obwohl ich wusste, wie


FreakKörperKultur

wenig ich dazu beitrage und wie vergänglich

der Erfolg ist.

So ein Scheißdreck! Jeder Mensch ist

gleich viel wert! Die Wertmaßstäbe, die

sich der Mensch konstruiert, interessieren

Gott doch nicht. Ihm ist es egal,

ob wir gute Sportler sind, ob wir gute

Fußballer sind, woher wir kommen, zu

welchem Konstrukt „Volk“ wir gehören,

in welchen Grenzen wir leben, welche

Hautfarbe wir haben, welche Musik wir

hören. Ehrlich gesagt glaub ich daran,

dass Gott auch die Menschen liebt, die

ihn hassen.

Noch gefährlicher finde ich die

Kombination zwischen Sport und Nation,

wo ein konstruiertes Gebilde wie

Der Kranke Bote

„Deutschland“ gefestigt wird durch die

Leidenschaft, etwas besonderes zu sein.

Während hier sich jeder gut fühlt weil

„wir“ gut gespielt haben, werden alle,

die nicht „dazu“ gehören, schikaniert.

Wir sollten erkennen, dass Gott unseren

Wert schon lange festgelegt hat,

für jeden gleich. Er hat uns als Gegenüber

erschaffen, er liebt uns, er starb für

uns, und zwar für alle Menschen gleich.

Also ist es völlig egal, welche Sportart

wir betreiben, ob „lässiges“ BMX oder

„cooles“ Inline-Skaten. Stars, Legenden,

Grenzen – abschaffen! Für eine Veränderung

unserer Wertmaßstäbe!

Schorschi

3/2008 Juni/Juli Seite 17


Der Kranke Bote

Ideale statt Käsekuchen

Warum Veganer nur das essen, was sie essen

Aus meiner Sicht bedeutet vegan zu

leben keine mich selbst geißelnde

Askese, sondern Freiheit. Es geht nicht

darum, dass ich kein Fleisch, keine Eier

und keine Milch essen darf, sondern

dass ich kein Fleisch essen will – und

dies auch nicht essen muss, um mich

ausgewogen zu ernähren. Diese selbstbestimmte

Entscheidung wird natürlich

von dem einen oder andern Kuchenbuffet

in Frage gestellt. Doch letzten

Endes ist es ein Gewinn für mich,

wenn ich in solchen Momenten

meine Selbstdisziplin aktiviere

und auf die Käsesahnetorte zugunsten

meiner Ideale verzichte.

Bin ich zwanghaft? Nein. Vegan

zu leben beruht für mich

auf einer Entscheidung, die ich

im besten Fall überdenke, im

schlimmsten Fall korrigiere oder

aufgebe, wenn diese Lebensweise

für mich zum dogmatischen

Seite 18 3/2008 Juni/Juli

FreakKörperKultur

Gesetz wird. Es geht nicht um einen faschistischen

„Triumph des Willens.“

Und solange es im übernächsten Supermarkt

eigentlich alles – vom Sojadrink

bis zum geräucherten Würstchen

– „in vegan“ gibt, steht diese Entscheidung

nicht unbedingt zur Debatte.

Doch wodurch werde ich motiviert,

vegan zu leben – jenseits von emotional

aufgeladenen Bildern live aus

dem Schlachthof? Es ist für mich eine

Ausdrucksform, um die Herrschaft des

Menschen über Tiere zu hinterfragen.

Wieso sollte ich mir das Recht nehmen,

andere Lebewesen auszunutzen und

zu töten, nur um meine Bedürfnisse zu

befriedigen?

Wenn ich diesen Machtanspruch hinterfrage

und ablehne, führt dies für mich

zur logischen Konsequenz, auf den Konsum

von „tierischen“ Produkten zu verzichten.

Diese Kritik will ich nur ungern

durch den Glauben an Gott begründen

Fortsetzung auf Seite 25


FreakKörperKultur

– zumal ich dann auch die Herrschaft

Gottes über den Menschen in Frage

stellen müsste.

Wenn aber Jesus in der Bibel davon

spricht, dass ich meine/n Nächste/n lieben

soll und dies sogar allgemein als

Kernbotschaft des christlichen Glaubens

verstanden wird, kann ich dieses

Ideal doch auch auf nicht-menschliche

Lebewesen übertragen. Wenn

ich „Nächstenliebe“ als Verzicht auf

die Ausübung von Herrschaft übersetze,

kann ich also diese „Nächstenliebe“

durch meine Ernährung, mit meinen

Körper ganzheitlich umsetzen. Und genau

dieses herrschaftskritische Denken

kann ich wiederum auf den Umgang

mit meinen Mitmenschen übertragen.

Guten Appetit.

Julia Derigs

Marcus B.

Ein veganes Rezept:

Gemüse-Reisbällchen

Zutaten:

4 Tassen gekochten Reis (klebrig)

2 geraspelte Möhren

2 gewürfelte Zwiebeln

Sojamilch

Sojamehl oder Weizenmehl

gemahlene Mandeln

Curry, Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Alles zu einer klebrigen Masse verrühren.

So viel Mehl dazu geben, dass

ein formbarer Teig entsteht. Bällchen

formen und in Öl braten. Dazu passt

süßsaure Tomatensauce.

Was ist Vegananismus?

Der Kranke Bote

Veganismus bedeutet auf den Verzehr

von Produkten, welche tierische

Bestandteile enthalten zu verzichten.

Dazu gehören u.a. Eier, Milchprodukte,

Honig und natürlich Fleisch.

Vegetarier lehnen nur den Konsum

von Fleisch ab, da hier offensichtlich

ist, dass Tiere nur für dieses Bedürfnis

gezüchtet, gemästet und grausam getötet

werden. Die Tiere verbringen ihr

Leben in Gefangenschaft und unter

unwürdigen Bedingungen. Allerdings

bedeutet der Verzehr von allen anderen

tierischen Produkten ebenfalls das

Töten und Ausbeuten von Tieren – eben

ein indirektes Töten. Kühe geben nicht

einfach so Milch, sondern werden von

ihren Kälbern getrennt, welche als

„Fleisch“ enden. Menschen, die Eier essen,

nehmen in Kauf, dass männliche

Küken vergast und zermust werden

oder zu Hähnchenfleisch verarbeitet

werden.

Ein weiterer Grund für eine vegane

Lebensweise ist, dass durch den Konsum

von Tierprodukten die Ausbeutung

von Menschen in Entwicklungsländern

unterstützt wird. Die dort lebenden

Menschen bauen große Teile des Silofutters

an, wofür sie allerdings nur

einen Bruchteil der erwirtschafteten

Gewinne erhalten.

Somit ist die Entscheidung sich vegan

zu ernähren durch tier- und humanethische

Gründe bedingt. Es beinhaltet

die Ablehnung der heute herrschenden

marktwirtschaftlichen Strategien, welche

nur nach Profit streben und Gottes

Schöpfung mit Füßen treten.

3/2008 Juni/Juli Seite 19


Der Kranke Bote FreakKörperKultur

Mit Iro, Chucks und Totenkopf

Gut gestylt? – Freaks und ihr Äußeres

Man kommt ja gar nicht mehr drum

herum. Der Style. Welchen hast

du? Was „bist“ du? Wohin gehörst du?

Wo sortierst du dich ein? Manche Fashion

Victims verbringen ihre Freizeit

gerne damit, sich in Zeitschriften anzugucken

wie sie aussehen könnten, wenn

sie dünner, reicher und schöner wären.

Andere verbringen ihre Zeit damit, sich

bestmöglich davon abzugrenzen.

Wie gut, dass wir Jesus Freaks da

den Christen-Bonus haben: Denn auch

wenn der Mensch in erster Linie sieht

was direkt sichtbar ist – dazu zählen ja

dann auch

Seite 20 3/2008 Juni/Juli

Kleidung, Stil und Frisur – achtet

Gott aber eben auf das Herz.

Außen, das ist die Oberfläche,

Gott sieht das was darunter

steckt.

So gesehen sollten wir als Jesus

Freaks mit Äußerlichkeiten keinen

Stress haben. Auf der anderen Seite ist

diese Oberfläche – richtig genutzt – ja

aber keine schlechte Sache. Auch Christen

sind keine körperlosen, vergeistlichten

Wesen, vielmehr denke ich, dass wir

unseren Körper nicht umsonst bekommen

haben.

Immerhin können wir damit tolle

Dinge tun: Wir können signalisieren,

welche Musik wir hören,

etwa durch Merchandise,


welche

Farben

oder

Marken

wir mögen,

ob wir

eher schrill

oder eben

doch leise

sind.

Unser

täglicher

Griff in den

Schrank hat

eine erstaunliche

Wirkung

auf die Leute, denen wir im Laufe des

Tages auf der Straße, auf der Arbeit

oder abends im Club oder auf dem

Konzert begegnen. Wir bauen

Brücken und graben Gräben. Wir

zeigen Zugehörigkeit oder grenzen

uns ab.

Schlecht ist nur, wenn die

Oberfläche uns bestimmt.

Wenn wir beginnen uns

darüber zu definieren, wie wir

aussehen, was wir tragen und zu welcher

Gruppe Menschen – zu den Coolen

oder zu den Uncoolen – wir dadurch

gehören. Dann nehmen wir uns

eine Freiheit, die Gott uns gegeben hat.

Nämlich die Freiheit so auszusehen, wie

wir wollen. Zu tragen, was wir wollen.

Uns zu stylen oder eben nicht zu stylen,

wie wir gerade Lust haben.

Ich sehe meine Freiheit darin, dass

ich mich zwar in einer Szene bewegen

kann, soviel und so intensiv wie ich

Der Kranke Bote

möchte, dass ich ein Herz für die Menschen

und die Musik haben kann und

ihnen meine Zugehörigkeit auch durch

mein Äußeres vermitteln kann. Aber

der entscheidende Unterschied ist, dass

ich mich im Endeffekt doch über etwas

anderes definiere: Über mein Christsein.

In erster Linie bin ich Christ. Von

mir aus Christ, dem man die Affinität

zu einer bestimmten Gruppierung

und Musik ansieht. Aber eine

Schublade habe ich da nicht

nötig. Außer der einen: Nachfolgerin

Jesus.

Jesus hat das Herz angesehen,

wenn er mit verkrüppelten, verarmten

Obdachlosen geredet hat. Aber eben

genauso wenn er mit Businessmännern

oder aufgebrezelten Prostituierten

abhing. Wir sollten uns immer weiter

hinterfragen: Bin ich genauso frei? Urteile

ich nach Szene, nach Style, nach

Coolness? Oder gebe ich mir zumindest

immer und immer wieder Mühe auch

hinter der goldglitzernden R´n´B-Discogängerin

oder hinter dem Strickpullover-

und Brillenträger einen richtig coolen

Menschen zu sehen?

Silke Braselmann

(22) ist in Köln zuhause,

betreibt seit

Jahren auf Konzerten,

Festivals, an

der Theologischen

Fakultät der Universität

Bonn und

am eigenen Kleiderschrankintensive

Feldstudien

zum Thema Style.

3/2008 Juni/Juli Seite 21


Der Kranke Bote

Ein schwarzer, dicker Klumpen Schmerz

Ratgeber Essstörung: Schritte in die Freiheit

„Verzweiflung, Trauer, Wut, aber vor

allem unendliche Traurigkeit – ein

schwarzer, dicker Klumpen Schmerz.

So fühlt sich mein Inneres an. So

fühlt sich die Essstörung an.“

Das ist aus meinen damaligen Aufzeichnungen.

Um gleich Vorurteilen

entgegen zu wirken: Das Thema dieser

Ausgabe, „Körperkultur“, könnte in

Verbindung mit dem Thema Ess-Störung

eine Konzentration der Betroffenen auf

den Körper als Modeerscheinung nahe

legen. Doch das Verhältnis Essgestörter

zu und ihrem Körper ist ambivalenter.

Der Körper spielt eine große Rolle,

wenn es um Ess-Störungen geht. Er ist

Austragungsort und auch Leidtragender.

Er ist einziger Freund und gleichzeitig

der größte Feind. Er wird vernachlässigt,

und gleichzeitig fixiert sich der

Kranke auf ihn. Die Wahrnehmung des

eigenen Körpers, sowie die Einstellung

zu ihm sind gestört. Man nennt das

Körperschema-Störung.

Die Entstehung einer Ess-Störung

wird durch das Zusammenwirken verschiedener

Ursachen hervorgerufen. Sowohl

familiäre, soziale, persönliche aber

auch biologische Faktoren beeinflussen

die Entwicklung der Störung, aber auch

geistliche Faktoren.

Ein Mangel an bedingungsloser Liebe,

Annahme und Sicherheit bewirkt eine

tiefe Unsicherheit in Bezug auf die eigene

Identität. Durch Anpassung und

Maskentragen kämpft der Leidende

um die ersehnte Zuwendung. Gleich-

Seite 22 3/2008 Juni/Juli

Ratgeber

zeitig geht das Gefühl für das eigene

Wollen und Sein verloren. Während der

Pubertät fühlen sich viele den neuen

Ansprüchen und Herausforderungen

nicht gewachsen. Kontrolle über Körpergewicht

und Nahrungsaufnahme

zu haben, scheint in dieser Situation

zunächst Halt zu geben. Da außerdem

oft extreme Grenzüberschreitungen erlebt

worden sind, bieten diese Bereiche

die einzigen Möglichkeiten vollständig

selbst Kontrolle auszuüben.

Die anfänglich meist noch harmlos

aussehende Beschäftigung mit dem

Körper und der Nahrung wird schnell

zu einer Sucht, die den Leidenden unter

Kontrolle hat. Die Auswirkungen sind

immer zerstörerisch und die Erkenntnis,

dass etwas nicht stimmt und Hilfe notwendig

ist, ist der erste Schritt in Richtung

Heilung.

„Ich bin Umwege gegangen, aber ich

bin gegangen. Ich bin gefallen, aber

ich bin immer wieder aufgestanden.

Und ich werde irgendwann erzählen,

wie oft und wie hart ich gefallen

bin.“

Der Weg in die Freiheit ist oft ein langwieriger

Prozess. Eine Spontanheilung

würde die Meisten überfordern. Es ist,

als ob die Tür eines Gefängnisses schon

längst offen ist, wir aber erst lernen

müssen draußen zu leben. Gott lockt

uns heraus in die Freiheit. Das Wissen,

dass wir ihm vertrauen können, dass

er keine Fehler macht und liebevoll mit

uns umgeht, gibt uns den Mut und die


Ratgeber

Sicherheit, die wir brauchen, um loszugehen

und auf das Leben einzulassen.

Sich der Krankheit stellen

Der erste und mitunter schwierigste

Schritt ist das Erkennen. Der Betroffene

muss sich eingestehen, dass er ein Problem

hat. Bis es soweit ist müssen Angehörige

und Freunde oft zusehen, wie

ein geliebter Mensch sich zerstört und

es nicht wahrhaben will, dass er Hilfe

braucht. Ein Eingreifen oder Druck von

außen bewirkt mitunter eine Verhärtung,

wobei es in lebensbedrohlichen

Fällen selbstverständlich notwendig ist.

Der Leidende muss sich selbst entscheiden.

Schafft er es, sich mit der Wahrheit

zu konfrontieren, braucht er viel Sicherheit,

Geborgenheit, Liebe und Annahme.

Die befreiende Wahrheit ist trotzdem

oft schmerzhaft. Die Lebenslügen, die

sich eingenistet haben, haben mal eine

Funktion erfüllt. Sie waren Schutz und

überlebensnotwendig. Jeder der eine

Sucht abgibt, muss etwas loslassen, das

ihm auch gedient hat.

„Als ich meine Essstörung an Gott abgegeben

und mich entschlossen habe,

sie nicht mehr zu brauchen, entstand

ein großes Loch. Meine ganze selbstgebaute

Identität war weg. Es fühlte

sich an, als ob mir jemand das Liebste

und Einzige wegnimmt, was ich

habe. In diese Leere kam Gott und

füllte sie mit seiner Liebe.“

Selbstannahme und sich selbst

entdecken

Ein weiterer Schritt ist das Akzeptieren

und Annehmen von Tatsachen, die

Der Kranke Bote

nicht zu ändern sind und die schmerzlich,

peinlich oder unangenehm sind.

Oft ist mit diesem Schritt auch das

Trauern über Verlust und Enttäuschung

verbunden. Außerdem fängt das Abenteuer

an, sich selbst kennen zu lernen.

Zu glauben, dass Gott uns gut gemacht

hat, kann dabei sehr hilfreich sein. Vielleicht

bedeutet das anfänglich noch, diese

Wahrheit einfach nur anzunehmen,

ohne es zu fühlen. Das Anschauen und

Akzeptieren abgelehnter Eigenschaften

bewirkt eine Versöhnung im Kampf gegen

sich selbst.

„Erst als ich mich selbst angenommen

habe, dazu stand eine Essstörung zu

haben ohne es peinlich zu finden und

vor jedem geheim zu halten, konnte

ich auch andere Essgestörte annehmen

und lieb haben.“

3/2008 Juni/Juli Seite 23


Der Kranke Bote

Vergeben, nicht verdrängen

Vergebung braucht oft lange und ist

nicht mal eben abgehakt. Sie vollzieht

sich meist zuerst als Willensentscheidung

und darf nicht erzwungen werden.

Auch hierbei wird Gott das Wollen

und Vollbringen bewirken. Menschen,

die einem Unrecht angetan haben, zu

vergeben, bedeutet auch das Recht auf

Vergeltung an Gott abzugeben. Wir lassen

sie los und werden dabei selber frei.

Das heißt nicht, dass wir das Unrecht

entschuldigen oder negieren. Wenn

wir vergeben, ist es notwendig, die uns

zugefügten Verletzungen zu benennen,

egal, ob sie wissentlich begangen wurden

oder unabsichtlich.

„Ich will niemandem Schuld geben.

Das ist völlig sinnlos. Trotzdem bleiben

Fragen offen. Warum? Was habe

ich falsch gemacht? Wofür habe ich

so gelitten?“

Umkehr von eigener Sünde

Unsere eigene Sünde erkennen gehört

auch zum Heilungsprozess. Wir

werden verletzt und reagieren sündig

- verletzen andere. Die Erkenntnis der eigenen

Taten führt uns zur Buße. So wird

Verantwortung für das eigene Handeln

übernommen. Das bedeutet, aus der

Passivität und dem Ausgeliefertsein in

eine aktive Rolle zu wechseln. Man hat

selbst immer eine Entscheidungsmöglichkeit

und das bedeutet Freiheit. Aber

auch, Einstellungen und Haltungen als

falsch zu erkennen. Zum Beispiel halten

sich viele mit der Sucht eine Hintertür

offen, durch die sie doch noch aus dem

Seite 24 3/2008 Juni/Juli

Ratgeber

Leben verschwinden können, falls dieses

zu schwer wird. Andere erkennen, dass

sie sich immer noch selbst retten wollen.

Doch Jesus hat den Kampf schon

gewonnen und wir können nichts dazu

tun können. Vertrauen auf Gottes Wirken

und Handeln bewirkt das Loslassen

eigener Schutzvorrichtungen.

„Ich habe Buße getan, dass ich seine

Schöpfung abgelehnt habe, indem

ich mich und mein Frausein abgelehnt

und verleugnet habe.“

Die beschriebenen Schritte sind kein

Programm. Sie werden nicht einer nach

dem anderen gegangen. Vielmehr sollen

sie verdeutlichen, dass Gott jeden

Einzelnen auf diesem Weg begleitet.

Auf ihn können wir uns verlassen,

wenn alles andere unsicher und zum

Verzweifeln ist. Gott ist ganzheitlich, er

lässt uns auch Hilfen auf anderen Ebenen

zukommen. Deshalb ist es notwendig,

sich professionelle Hilfe zu suchen.

Praktische Übungen zum Erlernen eines

gesunden Essverhaltens sind genauso

hilfreich, wie Seelsorge, Therapie, stationäre

Aufenthalte, Selbsthilfegruppen

und sollten auf jeden Fall in Anspruch

genommen werden.

„Eigentlich brauchen wir nicht viel.

Nur etwas Liebe, ehrliche Liebe, angenommen

sein, herzlich willkommen

geheißen werden.“

Claire Günther (31) ist Sozialpädagogin/-arbeiterin

und

gehört zu den JF Berlin.

Sie erkrankte mit

13 Jahren an Magersucht

und machte

unterschiedlichste

Therapieerfahrungen.


Dr. K. Bote

Lieber Dr. K. Bote,

Ich bin seit vielen Jahren überzeugter

Veganer und schon

den Gedanken an den Leib

Christi finde ich beunruhigend.

Beim Abendmahl

wird mir bei der

Rede vom Blut Christi

immer schlecht. Wie kann ich

es schaffen, entweder den Brechreiz

loszuwerden oder um das Abendmahl

herumzukommen?

Dein Etiènne G.

P.S.: In der letzten Ausgabe hast Du

Isaac darin unterstützt, Blutwurst zu

essen, und behauptet die Bibel irrt sich!

Als ich das las, bin ich umgekippt und

brauchte erst mal einen Beruhigungstee.

Das war widerlich! Ist das echt Deine

Meinung?!

Lieber Etiènne,

auch wenn wir nicht immer einer

Meinung sein können, ist es doch wichtig,

dass wir im Dialog bleiben.

Warum regst Du dich so auf über

meine Aussage, dass die Bibel

sich irrt? Dort steht schließlich

auch, Hasen seien Wiederkäuer,

was jeder Freizeitbiologe ad

absurdum führen kann. Es wäre

was anderes, würde ich behaupten,

Gott habe geirrt. Das möchte

ich in aller Entschiedenheit von

mir weisen. Nach dieser Richtigstellung

nun zu Deiner Frage.

Wieso möchtest Du um das

Abendmahl herumkommen?

Warum stehst Du nicht vor Dei-

Der Kranke Bote

ner Gemeinde für Deine Ideale ein, so

wie du es prima in schriftlicher Form

bewerkstelligst? Das verstehe ich nicht,

lieber Etiènne.

Wenn Du erst Deine Überzeugung

öffentlich gemacht und über das ganze

Thema gesprochen hast, wird der Brechreiz

von alleine verschwinden. Wer sich

nicht den Aufgaben des Lebens stellt,

wächst auch nicht an ihnen. Also fasse

Mut, Bruder.

Und was genau war widerlich? Das geht

aus deiner Schilderung nicht hervor. Ich

beziehe es daher auf den Beruhigungstee.

Vielleicht solltest du mal die Sorte

wechseln oder lieber warme Milch mit

Honig trinken, das beruhigt mich immer

sehr. Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.

Fortsetzung von Seite 14

Dein K. Bote

[dr.k.bote@gmx.de]

3/2008 Juni/Juli Seite 25


Der Kranke Bote Christival

Malaktionen, Lesungen und Klamottenverkauf

Das Christival in Bremen und die Freaks mittendrin

Vom 1. bis 4.5.08 fand in

Bremen das Christival statt.

Tausende Christen mit bunten

„Jesus bewegt“-Schlüsselbändern

stürmten die Stadt und

feierten ihren Gott. Trotz der

vorangegangen Diskussionen

war die Stimmung gut. Wegen

der jugendlichen Besucher verglich

man fast automatisch das

Christival mit dem Freakstock.

Dabei fiel auf, dass das Christival

sehr gut organisiert war

und dass die Gottesdienste sehr durchgestylt

waren.

Aber nicht nur hinter den Absperrungen

konnte man feiern – auch in

der Stadt selbst fand einiges an Aktionen

statt. Zum Beispiel gab es an zwei

Abenden das Straßenbahnfestival, wo

man ungestraft laute Musik in der Bahn

machen durfte – das wurde auch weidlich

ausgenutzt.

Jesus hat definitiv die Herzen der

Jugendlichen berührt! Er war wirklich

spürbar auf dem Festival vertreten. Es

war schon cool zu sehen, wie vielfältig

Christen sind und vor allem, durch

welche Schichten sich das zieht – da

rannten Diakonissen in quietschgelben

T-Shirts über den grauen Gewändern

rum, Kinder tummelten sich neben alten

Herren und alle verstanden sich

super.

Leider traf man nicht so viele Jesus

Freaks – da in diesem Zeitraum auch

Seite 26 3/2008 Juni/Juli

das Jesus W. Treffen stattfand. Auch

wenn der Eindruck täuschte – den

Freak-Pullis nach zu urteilen, die man

auf dem Gelände sehen konnte, sind

wir nicht mehr weit von der Million

entfernt …

Bei einigen Freaks kam der Gedanke

auf, dass die Jesus Freaks als Bewegung

eine Chance verpassten, den Jugendlichen

etwas mit auf dem Weg zu geben.

Denn der Hunger nach Impulsen durch

die Jesus Freaks war groß, wie man am

reißenden Absatz von Freak-Klamotten

sehen konnte. Es stellte sich grundsätzlich

die Frage, ob diese Jugendlichen

überhaupt noch wissen, was Jesus

Freaks eigentlich sind.

Diese Info konnten sie jedoch ohne

weiteres bekommen – schließlich war

die Bewegung durch die beiden Shops

„Freakstyle“ und „Kultshopp“ vertreten

und Martin Dreyer las an mehreren

Tagen aus der Volxbibel vor. Eine der

Lesungen wurde von Muck begleitet


Visison

– er illustrierte „live“ das Gelesene und

brachte die Bibelverse kreativ auf die

Leinwand. Neben den Lesungen konnte

man Martin auch in einer Diskussionsrunde

über moderne Bibelübersetzungen

hören, bei der die Volxbibel mit

der BasisBibel von der Deutschen Bibelgesellschaft

verglichen wurde. Zum

Alles kommt zur rechten Zeit

Mirkos Visionstext

Alles hat eine bestimmte Zeit, und

jedes Vornehmen unter dem Himmel

hat seine Zeit.“

Das 3. Kapitel vom Prediger fängt mit

diesen Worten an und seit unserem jesus.w.freak:08

(ehemals Willow Freak)

vor ein paar Wochen hat dieser Vers

eine neue Tiefe für mich bekommen.

„Geborenwerden hat seine Zeit“ – und

das haben wir als Bewegung im Konzilprozess

er- und durchlebt. Die Geburt

unserer Bewegung war nicht einfach

mal eben so eine der vielen Aktionen

der letzten Jahre – es war einer der intensivsten

Wege den wir je gemeinsam

gegangen sind.

„… und Sterben hat seine Zeit.“ Zum

Leben gehört auch das Sterben und

dieses haben wir ebenfalls erlebt. Weggefährten

der letzten Jahre konnten uns

auf diesem Weg nicht mehr begleiten,

andere sind einfach aufgrund der Anstrengungen

zurückgeblieben. Wieder

anderen war die Verantwortung der

„plötzlichen Elternschaft“ zu hoch und

brauchen aus diesem Grund erst ein-

Der Kranke Bote

Schluss bestand einfach die Hoffnung,

dass die Jugendlichen durch das Festival

ermutigt wurden, radikal mit Jesus

zu leben.

Melanie Wichert

Michael Sommer

Mehr übers Christival:

http://martin-dreyer.blogspot.com

mal Zeit um sich klar zu werden, wie

und ob sie sich der Aufgabe der Elternschaft

begegnen wollen.

Alles hat seine Zeit und mir ist bewusst

geworden, dass auch jeder seine

eigene Zeit hat. Jeder hat seine eigene

Herzenszeit und niemand hat das Recht,

diese zu bewerten. „Weinen hat seine

Zeit, und Lachen hat seine Zeit, Klagen

hat seine Zeit und Tanzen hat seine

Zeit.“

Mehr gibt es nicht zu sagen …

Segen & GoD is good & he never

makes a mistake!

Mirko Sander (34), frischgewähltes Mitglied

des Strukturteams, arbeitet in Belfast

und lebt

mit seiner

Frau in Alzey.

3/2008 Juni/Juli Seite 27


Der Kranke Bote

Abmahnung für Ab(o)zocker

Was passiert bevor der Kranke Bote geliefert wird

Es ist Donnerstag 11:00 im Büro

– Hochsaison, der Versand geht

los. In den Tagen davor habe ich

alle Angaben überprüft und die

Etiketten auf etwa 150 Versandtaschen

geklebt. Jetzt kommt die

Lieferung der Kranken Boten: Über

500 Exemplare müssen eingetütet

werden. Als nächstes wird ein Loch

in die Tüten gestanzt und dann die

Versandtasche mit einer Klammer

verschlossen. Nach mehreren

Stunden Arbeit tun einem dann

die Finger weh. Zum Schluss geht

es zur Post, wo die Päckchen – sortiert

nach Größe und Land – per Hand mit

Briefmarken versehen werden. Alles in

allem dauert es bis zu fünf Stunden.

Der nächste Arbeitstag. Onlinebanking,

d. h. Rechnungen werden gebucht

und überprüft. Viel Zeit geht verloren,

wenn Probleme auftauchen z. B. ein

Abonnement seine neue Adresse nicht

mitgeteilt hat. Letztes Jahr war es besonders

schwierig, da ich noch keinen

sofortigen Zugang zur Bank hatte und

das Buchungsprogramm noch nicht

beherrschte.

Während der Einarbeitungszeit hing

ich lange mit der Buchhaltung hinterher.

Als ich auf Status Quo war, dachte ich,

prüf doch mal die Zahlungseingänge.

Mit Erschrecken stellte ich fest, dass 10

% der geforderten Gesamteinnahmen

noch nicht auf dem Konto erschienen

waren. Das ist so viel Geld, dass man

Seite 28 3/2008 Juni/Juli

Der Bote intern

fast einen gesamten Versand damit

hätte bezahlen können. Dieses Geld

fehlte uns im Januar 2008, als wir bei

der Druckerei die Zahlungsfrist auf Kredit

verlängern mussten.

Am Anfang dachte ich, schreib mal

per Mail eine nette Erinnerung an alle.

Zeit- und Arbeitsaufwand waren sehr

hoch. Beim zweiten Mal war ich sehr

verärgert und als sich nach dem dritten

Mal sogar Leute bei mir beschwerten

und mir aufgefallen war, dass mindestens

die Hälfte 2006 noch nicht bezahlt

hatten und meine Mahnungen weiter

zum größten Teil ignorierten, war eins

für mich sicher, dass ich dieses Jahr konsequenter

durchgreifen werde. Als Konsequenz

wird der Versand sofort eingestellt

und Mahngebühren werden ab

der ersten Mahnschreiben eingesetzt.

Darum hier die letzte Erinnerung: zahlt

eure ausstehenden Rechnungen.


Impressum

Da ich gerade auf ein neues Buchhaltungssystem

umsteige, habe ich viel mit

Datensätzen zu tun. Ich arbeite zwei-

bis dreimal wöchentlich. Neben den

vielen Aufgaben, die für den Kranken

Boten auf mich einströmen, wie Versand,

Bestellungsaufnahme, Fakturierung,

Buchhaltung, Anzeigenschaltung,

Einkauf von Versandmaterial und Pflege

von Datensätzen, arbeite ich normalerweise

beim FLT in der Organisation mit,

im Finanzteam, und bis auf dieses Jahr

auch beim Willow und Freakstock. Auf

Treffen, in Telefonaten, bei Besuchen

von Freakgruppen und im normalen JFI-

Alltag bin ich eingebunden.

Auch wenn die Arbeit nach wenig

aussieht, ist sie weit umfassend. Alleine

für die Bearbeitung der Mails brauche

ich bis zu 2 Stunden pro Woche, weshalb

schon der Mahnlauf letztes Jahr

Impressum

Herausgeber:

Jesus Freaks International e. V. – Bereich Medien

Redaktionsleitung: Bettina Kammer (V.i.S.d.P.)

Tel. (030)45025203, [dkb_lektorin@gmx.de]

Redaktion: Marcus B., Frank Hartkopf,

Julia Pfläging, Anja Reumschüssel,

Norbert Roth, Ronny Schellenberg

Layout: Andi Gerlach, Andreas und Bettina

Kammer, Muck

Bildnachweis: Photocase: S. 2 (kallejip), 17

(S. Schmidt), 23 (J. Rotter), 27 (Jenzig71), 28 (frau.lueders),

30 (franzernst), 34 (SLAPY); Timm Ziegenthaler

S. 5, 10, 21; Ben S. 18 + 25; restliche Bilder privat

Leserbriefe und Texte an:

[dkb_lektorin@gmx.de]

Einsendeschluss für die nächste Ausgabe:

9. Juli 2008

Abo- und Anzeigen-Service: Sean Brooks

[sean.brooks@jesusfreaks.de], Tel. (06151)8607403

Der Kranke Bote

eine große Anstrengung bedeutete und

eine Woche gedauert hat. Die Kosten

sind so kalkuliert, dass es gerade für

ein Jahr aufgeht und es außer für die

Aufwandsentschädigungen der Übersetzer

kein Geld für Mitarbeiter gibt.

Für Verbesserung unseres Services wollen

wir aber Gelder freisetzen und nicht

an unwillige Zahler verschenken, denen

unsere Arbeit wohl gleichgültig erscheinen

mag.

Doch es geht auch anders, wie die Reaktionen

auf unseren letzten Spendenaufruf

zeigen. Außerdem gibt es ja die

vielen treuen Leser, die unseren Einsatz

mit ihrer Verbindlichkeit und Zuspruch

immer wieder unterstützen. Gerade

denen möchte ich noch ein fettes Dank

aussprechen.

Sean Brooks

Einzelabo: 12,00 € im Jahr (D/A)

zzgl. Versandkosten.

Sammelabo für Gemeinden: ab 10 St. 9,00 €,

ab 20 St. 8,40 €, ab 30 St. 7,80 €. Jeweils pro

Exemplar und Jahr zuzüglich Versandkosten.

Abo Schweiz: 28 CHF/Jahr (ab 10 St. 14 CHF

pro Exemplar) zuzüglich Versandkosten.

Abo sonstiges Ausland: 12,00 €/Jahr

zuzüglich Versandkosten.

Bezugsbedingungen: DKB erscheint sechsmal

im Jahr. Das Abo verlängert sich automatisch

um ein weiteres Kalenderjahr, wenn es nicht

bis zum Jahresende gekündigt wird.

Vertrieb: JFI e. V., Headoffice, Otto-Röhm-Str. 81,

64293 Darmstadt, Tel. (06151)8607403,

[headoffice@jesusfreaks.de]

Spenden: JFI e. V., Ev. Kreditgenossenschaft EG,

BLZ 520 604 10, Konto 3502295, Zweck: Kranker

Bote

3/2008 Juni/Juli Seite 29


Der Kranke Bote nachgedacht

Die Qualität deutscher Markenreifen

nachgedacht: Über Nebelbänke und meine Gottesbeziehung

Meine letzte Autofahrt auf der A9

führte durch die frühen brandenburgischen

Morgenstunden. Die Wiesen

und Felder zu beiden Seiten des

Asphalts atmeten dem Sonnenaufgang

entgegen. Das war richtiger Dampf, der

da einen halben Meter über der Erde

schwebte. Großstädter wie ich sehen so

was ja kaum, aber ich hab mal davon

gelesen. Morgennebel, Kaltlufteinbruch,

so was kennt man ja noch aus dem

Geografieunterricht.

Seite 30 3/2008 Juni/Juli

Jedenfalls wurde diese Nebelsuppe

immer dicker, die geringen Sichtweiten

zwangen mich, mit krass gedrosselter

Geschwindigkeit durch die Wolken zu

schleichen. Umso erstaunter war ich,

als ein PS-Bolide mit mehr als doppeltem

Speed an mir vorbei in die nächste

Nebelwand raste. Ich konnte es nicht

fassen, der sah doch auch nicht mehr

als ich – nämlich gar nix außer einer

weißen Wand. Woher nahm der dieses

Urvertrauen, dass dahinter nicht ein 40-

Tonner quer auf der Fahrbahn stand?

Genauso hätte sich aufgrund einer

Baustelle oder einer simplen Panne

ein Stau bilden können, dessen Ende

bereits zum Stillstand kam.

Vielleicht sollte man solche Gedanken

wegwischen, den kleinsten Wahrscheinlichkeitsfaktor

ermitteln, warum

das ausgerechnet jetzt und hier

nicht sein kann. Vielleicht erwartet

man einfach frech und fröhlich, dass

es schon gut gehen wird, die Reflexe

stimmen und die Bremsen nicht versagen.

Oder man weiß, aufgrund von

Erfahrung und Routine, welche reelle

Gefahr besteht. Wo zum Beispiel die

Grenzen der Fahrzeugtechnik und des

Fahrbahnbelags liegen. Und vielleicht

verfügt man gar über ein fundiertes

mathematisch-physikalisches Fachwissen,

um 12-mal pro Sekunde den

verfügbaren Bremsweg und notwendige

Lenkbewegungen zu errechnen?

– Ich nenn so was Glauben!


nachgedacht

„Ach ja?“ ... Die

nächsten Minuten

verbrachte ich damit,

ein imaginäres

Glaubensgespräch

mit diesem Kamikaze-Raser

zu

führen. Tausende

Argumente wurden

mir gegenüber vorgebracht,

warum es

absurd ist der Auferstehung

und Allgegenwart

eines von

einer Jungfrau geborenen

jüdischen

Zimmermanns zu vertrauen. Weder Fotos,

Tonaufnahmen noch Handabdrücke

würden existieren, um seiner Existenz

einigermaßen glaubhaften Ausdruck zu

verleihen. Ich musste mich verteidigen

gegen Vorwürfe, die all das Unsichtbare,

Unerklärliche, die göttlichen Heilungen

und Eingriffe in unser Leben als zu unsicher,

zu riskant klassifizierten. Dieser

selbstbewusste sportliche Mercedes-

Rennpilot meinte dann zu mir, sein Leben

auf etwas auszurichten, dass man

nicht abschätzen oder einsehen kann,

wäre leichtsinnig und dumm.

Irgendwann konnten wir uns dann

einigen: Sein Glaube an die Qualität

deutscher Markenreifen, sein langjähriges

Studium von Nebelbänken, seine

fundierten meteorologischen Kenntnisse,

das alles ähnelte zu sehr meiner

Gottesbeziehung. Ich umgürtete mich

also mit Wahrheit, er sich mit seinem

Sicherheitsgurt, ich legte den Panzer

Der Kranke Bote

der Gerechtigkeit an und er schien mit

dem Seitenaufprallschutz seiner Nobelkarosse

ganz zufrieden zu sein. So

setzten wir beide unseren Weg fort. Die

Frage, die offen bleiben muss, ist, wer

zuerst sein Ziel erreicht und in welchem

Zustand.

Thomas „Sprotte“ Günther (34), verheiratet

mit Claire, ist bei den Berliner

Jesus Freaks dabei. Neben Berufen wie

Porzellangestalter und Werbegrafiker ist

er seit 1995 ehren-

und hauptamtlich bei

JFI tätig. Auf Grund

übernatürlicher Gaben

im Bereich Personenbeförderung

von Dr. Paul Strait

auch „Sprotte2000“

oder „Transporter“

genannt.

3/2008 Juni/Juli Seite 31


Der Kranke Bote Gebet

Die Apostel im Gefängnis

Ein Auszug aus Storchs neuem Buch „Jesus – Was sonst?!“

Paulus und Silas saßen im Gefängnis,

das war eine schlimme Sache. Ich

kenne einige Leute, die im Knast gesessen

haben – alle zu Recht, sie hatten

Banken überfallen, Leute verprügelt mit

Drogen gedealt oder noch schlimmeres

gemacht. Paulus und Silas aber saßen

zu Unrecht im Knast, sie hatten nichts

Böses getan. Alles, was man ihnen vorwarf

war, dass sie Gottes Liebe gepredigt

und den Menschen Gottes Kraft

gezeigt hatten. „Im Knast weint jeder,“

hat mir mal jemand gesagt. Man ist einsam

und muss ums Überleben kämpfen,

man wird hart – es ist eine Atmosphäre

in der es schwer ist mit Gott zu sprechen

und mit ihm am Start zu sein. Wie

schlimm muss es erst sein, wenn man

unschuldig sitzt und zusätzlich noch

mit der Bitterkeit darüber zu kämpfen

hat.

Die Gefängnisse damals waren noch

viel schlimmer als die heute in Deutschland:

dunkle Löcher, kalt und feucht,

mit schimmeligen Strohmatten. Das Essen,

das die Häftlinge bekamen würde

heute sofort auf dem Komposthaufen

landen. Die Apostel wussten nicht einmal,

ob sie diese Nummer überleben

würden. Möglicherweise wetzte der

Henker schon seine Axt um sie im Morgengrauen

hin zu richten.

Was tut man in einer solchen

Situation?

Die meisten Menschen die ich kenne

(und möglicherweise auch ich selbst)

würden in einer solchen Situation die

Seite 32 3/2008 Juni/Juli

Krise kriegen – und nicht zu knapp!

„Gott, wir haben Dein Werk getan.

Wir haben gepredigt und Wunder getan,

und jetzt das! Wo bist Du Gott?!“

Meistens reicht weniger um uns aus

der Bahn zu werfen: ein kaputtes Auto,

Beziehungsstress, schlechte Noten und

wir zweifeln an Gott.

Paulus und Silas waren anders drauf.

Sie kannten Gott und die Menschen, sie

waren darauf vorbereitet, dass ihr Weg

manchmal ganz schön hart sein würde.

Deshalb konnte sie auch der Knast

nicht aus der Bahn werfen. Statt in

Selbstmitleid zu versinken haben sofort

eine Anbetungssession gestartet. Sie

verzweifelten nicht sondern „priesen

Gott mit lauter Stimme“. Ich bin sicher,

dass es sich in dem Gefängnis anfühlte

als hätte jemand das Licht angemacht

– die ganze Atmosphäre veränderte sich

als die beiden anfingen zu singen.

Dann kam das Erdbeben. Es war kein

normales Erdbeben, denn es wackelten

nicht nur die Wände sondern die Fesseln

fielen von allen Gefangenen ab.

Das ist mehr als ein geschichtlicher

Bericht aus dem Leben der ersten

Christen. Es zeigt eine Wahrheit, die

jeder von uns anwenden kann: Freiheit

kommt durch Anbetung. Es wäre nichts

passiert wenn die Apostel rumgejammert

hätten, aber es ist alles passiert

als sie sich sagten: „egal in welcher

Scheiße wir stecken, Gott ist größer!“

Ich habe das selbst wieder und wieder

erlebt, es ändert sich alles, wenn ich


Gebet

Gott in schlechten Zeiten anbete, ihm

einfach sage, wie gut er ist und mich

selber daran erinnere, was ich schon mit

Jesus erlebt habe. Das hat mich schon

aus vielen Depressionen und anderer

Scheiße rausgeholt. Es gibt kaum was

Schlimmeres, als sich nur um sich selbst

IN PHILIPPI GING ES DEN

APOSTELN SCHLECHT:

PAULUS UND SILAS

WURDEN VERHAFTET...

* APOSTELGESCHICHTE 16,19-34 ...MIT RUTEN GE-

SCHLAGEN...

Der Kranke Bote

zu drehen, wenn es einem schlecht geht.

Egal, was anliegt, Gott ist größer und es

tut so gut, mit ihm zusammen zu sein.

Storch

aus: Klappstein, Thomas & Storch (Hg.):

„Jesus – Was sonst?!“ Aussaat-Verlag

2008. / Comic von Christoph Witt

...UND INS GEFÄNGNIS

GEWORFEN.

GROSSER GOTT WIR LO-HO-BEN DICH

SIE KAMEN INS TIEFSTE GEFÄNGNIS... ...UND BETETEN GOTT AN!

AUF EINMAL ERSCHÜTTER-

TE EIN ERDBEBEN DEN

KNAST.

DIE KETTEN FIELEN AB

UND DER AUFSEHER

WOLLTE SICH TÖTEN

IN LETZTER SEKUNDE

RIEF PAULUS: "TU ES

NICHT, WIR SIND HIER!"

DURCH DIESES WUNDER

BEKEHRTE SICH DER

AUFSEHER.

3/2008 Juni/Juli Seite 33


Der Kranke Bote Elternschaft

Jesus, der Weg zum Vater

Elternschaft Teil 1: Eine biblische Betrachtung

Betrachtet man das Gleichnis Jesu

vom Vater und den beiden Söhnen

(Lk 15,11-32) nur vordergründig, kann

man leicht den Eindruck gewinnen, es

ginge hier hauptsächlich um die Söhne.

Je länger man sich jedoch mit dem

Gleichnis beschäftigt, desto deutlicher

kann man erkennen, dass es hier nicht

so sehr um die Söhne, sondern um den

Vater und die Qualität seiner Vaterschaft

geht.

Göttliche Vaterschaft

hat höchste Qualität

Ebenso ist es bei Jesus. Je mehr man

sich mit seiner Person auseinandersetzt,

umso mehr erkennt man die Qualität

der Vaterschaft Gottes. Die von Jesus

gelebte Sohnschaft beinhaltet immer

die Absicht, uns den Vater zu zeigen

(Joh 12,45, 14,7). Das wird auch deutlich,

wenn Jesus sagt: „Ich bin der Weg und

die Wahrheit und das Leben. Niemand

kommt zum Vater als nur durch mich.“

(Joh 14,6) Häufig wird die theologische

Gewichtung dieser Aussage nicht völlig

erkannt und der zweite Satz dieses Bibelverses

nicht genügend beachtet: Das

Ziel deines und meines Lebens ist der

Vater! Und Jesus, der Sohn, hat es sich

zur Aufgabe gemacht, dafür zu sorgen,

dass unser Leben beim Vater ankommt.

Doch wir hängen oft schon auf halber

Strecke fest, weil wir glauben, der Weg

sei bereits das Ziel.

Seite 34 3/2008 Juni/Juli

Bei Jesus geht es immer um den Vater.

Er sagt über sich selbst: „Ich bin in dem

Namen meines Vaters gekommen.“ (Joh

5,43) Jesus ist nicht Mensch geworden

um seinen eigenen Willen umzusetzen,

sondern den des Vaters (Joh 6,38). Deshalb

tut er auch nur, was er den Vater

tun sieht (Joh 5,19) und sagt nur das,

was er den Vater sagen hört (Joh 5,30;

8.28). Wenn wir Jesus also wirklich

ernst nehmen, werden wir alles dransetzen,

um in ihm die Qualität unseres

himmlischen Vaters zu entdecken.

Göttliche Vaterschaft

ist absolut vertrauenswürdig

Das gesamte irdische Leben Jesu

rückt den Vater in den Fokus unserer

Aufmerksamkeit. Wenn er sagt: „Wer

mich gesehen hat, hat auch den Vater


Elternschaft

gesehen“ (Joh 14,9), dann lässt vor

allem das grenzenlose Vertrauen, das er

in den Vater setzt, die Qualität himmlischer

Vaterschaft sichtbar werden. Am

deutlichsten erkenne ich das Vertrauen

Jesu in die Qualität des himmlischen

Vaters, wenn ich mir die Szene im Garten

Gethsemane vor Augen führe, wo er

einem derart geistlichen Druck ausgesetzt

ist, dass sein Schweiß wie große

Blutstropfen auf die Erde fällt und ein

Engel kommen muss, um ihn zu trösten

(Lk 22,43.44). „Vater, wenn du willst,

nimm diesen Kelch von mir weg – doch

nicht mein Wille, sondern der deine geschehe“

(Lk 22,42), betet Jesus in dieser

schweren Situation und zeigt dadurch

absolutes Vertrauen, dass der Wille des

Vaters gut ist.

Göttliche Vaterschaft

vermittelt eine „Ich-bin“-Identität

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und

das Leben; nur durch mich kommst du

zum Vater!“, sagt Jesus. Gerade diese

„Ich bin“-Worte zeigen Jesu Selbstverständnis

über seine Sohnes-Identität.

Gott offenbarte sich Mose am Berg

Horeb mit den Worten: „Ich bin … das

ist mein Name in Ewigkeit und meine

Benennung von Generation zu Generation.“

(2Mo 3,15) Jesus nennt sich

ebenfalls häufig mit dem Namen „Ich

bin“ und zeigt damit, wie sehr er sich

mit dem himmlischen Vater identifiziert.

Solche Aussagen sorgten damals

bei jüdischen Theologen für enormen

Zündstoff, denn der Gottesname war

ihnen so heilig, dass er nie ausgespro-

Der Kranke Bote

chen wurde. Doch der Apostel Paulus,

obwohl selbst jüdischer Theologe, zeigt

uns, wie sehr auch er seine Identität

in seiner Gotteskindschaft findet. Er

nimmt ebenfalls den Namen „Ich bin“

für sich in Anspruch, indem er über sich

selbst sagt: „Ich bin, was ich bin, durch

Gottes Gnade.“ (1Kor 15,10) Paulus

ermutigt uns, seinem Vorbild zu folgen

und fordert uns auf: „Seid meine Nachahmer,

wie auch ich Christi Nachahmer

bin! (1Kor 11,1) Seid nun Nachahmer

Gottes als geliebte Kinder!“ (Eph 5,1)

Göttliche Vaterliebe stellt für uns

etwas enorm Wichtiges dar. Die Erkenntnis

des himmlischen Vaters ist unverzichtbar

für unsere innere Heilung

und die gesunde Entfaltung unserer

Persönlichkeit. Darum ist es zutiefst das

Anliegen Jesu, uns diese Erkenntnis zu

vermitteln. Jesus macht uns deutlich,

dass sein Vater auch unser Vater ist (Joh

20,17), und dass der Vater uns genau

so liebt wie ihn (Joh 17,23). Weil das

so ist können alle, die in einer Liebesbeziehung

zu Jesus stehen, ihre wahre

Identität in der Gotteskindschaft finden

und zusammen mit dem Apostel Paulus

sagen: „Ich bin, was ich bin, durch Gottes

Gnade!“

Peter Wössner (58) gehört zum Leitungsteam

von Father’s House e. V. in

Frankfurt. Er weiß sich zu

geistlicher Elternschaft berufen,

hat eine große Liebe für

junge Menschen und eine

brennende Leidenschaft für

Versöhnung zwischen den

Generationen.

www.Fathershouse-Ministries.de

3/2008 Juni/Juli Seite 35


Der Kranke Bote Gemeindeporträt

A.lle C.hristen A.m B.eten

„Celle, die Gemeinde mit dem Kultfaktor“

Seit dem letzten Bericht über uns sind

ja nun schon ein paar Jahre vergangen.

Vieles hat sich verändert, manches

ist nun mal nicht zu ändern und mit Jesus

gehts trotzdem immer weiter …

Seitdem wir vor ca. vier Jahren in die

Biermannstraße gezogen sind, wurde

nicht nur am Haus, sondern auch an der

Gemeinde kräftig gebaut. „Baustelle“

– ein Projekt, dass nie vollendet wird,

damit kann man uns gut vergleichen.

Jedes Mal, wenn man unsere Gemeinde

besucht, sieht man andere Gesichter

und veränderte Räume – unsere

Gemeinde ist eben ständig im Wechsel.

Das Klischee der „Punkrock Gemeinde“,

mit Christcore und mehr Hunde-

Seite 36 3/2008 Juni/Juli

haaren als Staubsaugerbeuteln wurde

in großen Teilen abgerissen. Aber so

wie neue Wohnungen in unserm Haus

entstanden und entstehen, sind die tragenden

Wände stehen geblieben und

mit Neuem gefüllt worden.

Seit einiger Zeit können wir die Früchte

jahrelangen Gebets und der Arbeit

jener Menschen, die diese Stadt und

unsere Gemeinde mit Jesus geprägt haben,

sehen.

Wir sind nicht mehr die „Jesus-Spinner“

oder die „Homo-Hasser“, sondern

zentraler Teil der Alternativen-, Punk-

und Politszene vor Ort. Menschen unserer

Gemeinde prägen das Bild, den

Umgang und die Werte der Jugendkultur

unserer Stadt. Egal, ob bei den

Punkern am Schlossberg oder im selbst

verwalteten linken Zentrum „Buntes

Haus“, im Einsatz für schwangere

Teenagermütter oder in der Arbeit mit

jugendlichen MigrantInnen.

Bei all den Fortschritten und Veränderungen

ist es wichtig, die Identität unserer

Gemeinde ständig neu zu finden

und zu definieren.

Manchmal ist das schwierig, weil

wir ne „Durchlauferhitzer“-Gemeinde

sind. Wer nicht grad arbeitslos ist – was

viele von uns für erstrebenswert halten

– hat wenig Perspektive in dieser Stadt.

So kommen immer neue Leute zu uns,

bleiben hängen, lassen sich von Jesus

und seiner Gemeinde aufbauen, inspirieren

und dann – schwupp –, gehen sie


Gemeindeporträt

hinaus in die große, weite Welt, bauen

Gemeinden und prägen ihr Umfeld.

Wir haben schon lange erkannt, dass

unsere Gemeinde nicht durch Gabenschwerpunkte,

Struktur oder Aktivitäten

funktioniert, sondern alles von der Gemeinschaft

und den Beziehungen untereinander

abhängt.

Das klingt jetzt natürlich sehr nett, ist

aber in Wirklichkeit totaler Stress. Denn

so wie jedeR einzelne von uns durch Jesus

immer wieder verändert wird, verändern

sich auch unsere Beziehungen

zueinander und müssen ständig erneuert

werden.

Oft genug scheißen wir uns an, werfen

mit Dreck, hassen uns. Aber Jesus

hat – auch wenn man manchmal den

Name und Ort: Jesus Freaks Celle

Homepage: www.jesusfreakscelle.de.tl

Gottesdienstbesucher: 5-35

Gründung: 1996

Arbeitsbereiche: punktuell

Hunde: 2

Kinder: 2

Ehepaare: 3

Lobpreisbands: diverse LobpreiserInnen

Frauenquote in der Leitung: variiert

Kleingruppen: variiert

Besonderheiten: Messies, kaum noch

Arbeitslose, Autozerschrotter und

Sich-Fahrräder-klauen-LasserInnen,

Zerlaberer, Polit-Atzen, Punks & Skins

Der Kranke Bote

Glauben daran verliert – uns alle absichtlich

zusammen geführt.

Er ist es, der immer wieder Annäherungen

schafft, der uns nie aufgibt, der

uns zu Gesprächen und Vergebung

bringt. Wir brauchen die Nähe zu Ihm

und können auch nicht ohne einander.

Es ist eine Zeit der Hoffnung.

Bald wird hier geheiratet, das Treppenhaus

ist neu gestrichen, junge Leute

finden immer mehr ihren Platz bei den

alten Hasen, Menschen, die lange weg

waren, finden wieder zu uns und wir zu

ihnen.

Es ist Sommer. Grill an. Vegi-Würstchen

brutzeln neben Steaks.

Jesus ist da und Er hat den geilsten

und besten Plan for ever.

Jesus Freaks Celle

Gemeindesteckbrief zum Ausschneiden als Sammelspiel

3/2008 Juni/Juli Seite 37


Der Kranke Bote

Seite 38 3/2008 Juni/Juli

Lieber Dr. K. Bote,

im Rahmen der Fastenzeit

habe ich mir sehr viele Gedanken

über Ernährung

gemacht. Jesus ging ja

in die Wüste und hat da

auch 40 Tage nichts gegessen.

Wenn ich das richtig

verstanden habe, hat er sich nur vom

Wort Gottes ernährt.

Hättest Du Vorschläge für mich, wie

ich meine Essgewohnheiten umstellen

könnte, um ebenfalls nur von der Bibel

zu leben? Gibt es Empfehlungen für

Hauptmahlzeiten oder Desserts und

hast Du Ideen für ein Essen mit Freunden

oder ein Candle-Light-Dinner?

In der Hoffnung auf leckere Rezepte,

Dein Raphael F. aus A.

Lieber Raphael,

Jesus hat in der Tat 40 Tage gefastet

und widerstand danach den Versuchungen

des Teufels (Matthäus 4). Sicher

hat er in dieser Zeit gewissermaßen

vom Wort Gottes gelebt. Jedoch hatte

diese Fastenzeit eine tiefe Bedeutung

und war vom Heiligen Geist geführt.

Daher rate ich Dir bei aller Bibeltreue

dringend von einer reinen Wort-Diät ab.

Schließlich lehnte Jesus das Brot nicht

komplett ab (Lukas 4,4).

Dennoch sind ein paar Menüvorschläge

nicht zu verachten:

Zum Frühstück könntest Du Dir einmal

die Schöpfungsgeschichte zu Gemüte

führen (1. Mose 1). Denn jeder Tag ist

neu von Gott geschaffen und auch Du

warst schon damals, als Gott Wasser

und Erde trennte, geplant. Wenn das

mal kein guter Tagesbeginn ist, sich das

bewusst zu machen!

Mittag und Abendbrot sollten möglichst

abwechslungsreich sein. Daher

rate ich Dir, diese Zeiten für Bibelstellen

zu nutzen, die Dich schon lange

interessiert haben oder die Dir wichtig

erscheinen.

Als Nachtisch oder Zwischenmahlzeit

empfehle ich die Psalmen, die sich in

kleinen Happen einnehmen lassen und

einfach zu verdauen sind. Meist enden

sie mit einem Hoffnungsschimmer und

einem Lob an Gott (z.B. Psalm 121 oder

103).

Für ein Menü mit Freunden sind vor

allem kontroverse Bibelstellen empfehlenswert,

über die Ihr nach einem

organischen Mahl (Brot …) diskutieren

könnt. Zum Beispiel über die Rolle

der Frau in der Gemeinde (1. Korinther

14,34) oder über die Kindstaufe. Dafür

sollte eure Freundschaft allerdings gefestigt

genug sein, um theologischen

Uneinigkeiten stand zu halten.

Für die romantische Zweisamkeit bietet

sich natürlich das „Hohelied der Liebe“

an. Achte aber darauf, dass Deine

Liebste die Metaphern des verliebten

Dichters nicht missversteht.

Schwer verdaulich ist die Bibel

manchmal, aber immer sehr nahrhaft.

Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen

und wünsche Dir einen guten Appetit!

Dein K. Bote

Dr. K. Bote

[dr.k.bote@gmx.de]


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Der Kranke Bote















3/2008 Juni/Juli Seite 39


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