AuR 1/2010

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AuR 1/2010

Buchbesprechung Arbeitsstrafrecht

Wenn Praktiker praxisbezogene Themen behandeln, erwartet man handhabbare und in der

täglichen Arbeit umsetzbare Ausführungen. Das Fazit an den Anfang gestellt:

Dies ist der Schrift im vollem Umfang gelungen. Ich sehe es als Verdienst des Buches an,

dass allen Verästlungen der arbeitsmarktbezogenen Gesetzgebung , soweit sie ins

Strafrecht hineinragen, nachgefolgt wurde.

Der Praktikeransatz zeigt sich wohltuend in der Gewichtung, welche die Autoren den

einzelnen Kapiteln ihres Werkes gegeben haben. Wesentliche Bereiche werden deutlich

breiter als die eher randständigen und nicht praxisrelevanten Bereiche dargestellt. Dabei

mag es den mit der Materie nicht so Vertrauten verblüffen, dass bspw. Fragen zur

Kostentragung für AN im Strafzahlung vergleichsweise breiten Raum einnehmen. Wer sich

mit unternehmensbezogener Verteidigung und Vertretung beschäftigt, weiß aber, dass diese

Fragen mit Regelmäßigkeit in jedem Mandat auftauchen: Für den Vertreter eines AN als

Basis für die Beurteilung der Frage, wie das Unternehmen mit seinem Mandanten verfährt

oder verfahren wird, für das Unternehmen und dessen Vertreter mit der Frage, in welchen

Grenzen die Unschuldsvermutung auch innerhalb des Unternehmens gelten muss und soll

und zu Konsequenzen im Verhalten gegenüber den Mitarbeitern führt. Wenn man mäkeln

will, muss man intensiv suchen, einen Vertiefung in Richtung in Schnittstellen zu anderen

Rechtsgebieten wie Arbeitsrecht und Arbeitsprozessen könnte eine Anregung darstellen.

Für wen ist das Buch, das in der Reihe Strafverteidigerpraxis erschienen ist? Ist damit die

Zielgruppe definiert? Ich meine nein: Mindestens so wie Strafverteidiger werden auch

Arbeitsrechtler profitieren. Eine derartig breite Palette mit kurzem prägnanten Einstieg in ein

Spezialgebiet wird ihnen sonst kaum geboten. Arbeitsstrafrecht ist für die meisten

Strafrechtler noch keine ausgeprägte Sub-Spezialisierung, so dass auch erfahrende

Kollegen das Buch mit Gewinn zu Hand nehmen können, wenn am Horizont eines von ihnen

bearbeiteten Falles arbeitsstrafrechtliche Themen auftauchen. Dass sich die Autoren

durchwegs als verteidigungsfreundlich erweisen und die strategischen Möglichkeiten einer

Verteidigung immer wieder angesprochen werden, mag zwar die Gruppe der Strafverfolger

aus dem Kreis der primär an dem Werk Interessierten auschließen, gereicht ihm aber zu

einem großen Vorteil für die oben bezeichnete identifizierte Zielgruppe. Nicht zuletzt die

sorgfältig aufgearbeitete aktuelle Lit. – außer Acht zu lassen – verschafft über den Einstieg

hinaus die Möglichkeit, sich vertieft mit den angesprochenen Themen zu befassen.


Insgesamt eine Bereichung der sich derzeit erweiternden Lit. zum Arbeitsstrafrecht und ein

solides und handhabbares Werkzeug für alle mit dieser Thematik Beschäftigten.

Rechtsanwalt Prof. Dr. Jürgen Wessing,

Düsseldorf

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