Freiwillig fürs Rote Kreuz Editorial - SRK Bern

srk.bern.ch

Freiwillig fürs Rote Kreuz Editorial - SRK Bern

Gian Gilli, Head of Sports and

Olympic Missions, Swiss Olympic

Editorial

Grazcha fich allen Freiwilligen!

Freiwillige Helfer, «Volunteers» oder «Voluntaris»,

sind besonders eigenmotiviert. Als

Organisator von Ski- und Eishockey-Weltmeisterschaften

in der Schweiz hatte ich das Privileg, im

Sport intensiv mit unzähligen Freiwilligen grosse

Ziele zu verfolgen. Die emotionale Bindung ans

Projekt stand für mich und meine Helfer immer

im Vordergrund. Ich durfte gemeinsam mit

diesen Helfern die schönsten Momente meines

Berufslebens teilen: Das Glücksgefühl, nach

langer Vorbereitung gemeinsam Tolles geschafft

zu haben! Das Leuchten in den Augen aller

Helfer nach Beendigung der WM-Projekte ist

unvergesslich, die Umarmungen nach getaner

Arbeit sind es auch. Gemeinsam mit grossem

Einsatz Einzigartiges geschafft zu haben

verbindet. Wir haben es für das Projekt, die

Sportler, unsere Region, unsere Stadt und unser

Land getan. Schliesslich standen die Weltmeis-

terschaften im Schaufenster der globalen

Sportöffentlichkeit.

Nicht nur im Sport leisten Freiwillige Grossartiges.

Unsere Gesellschaft braucht diese Kräfte.

Und sie benötigt die Helfer als Vorbilder. Sie

leben Werte wie Hilfsbereitschaft, Loyalität und

Leidenschaft vor. Werte, die auch vielen Profis

gut anstehen würden. Daher zolle ich jedem

Weltbewohner, der in seiner Freizeit irgendeiner

gemeinnützigen Tätigkeit nachgeht, meinen

vollen Respekt und meine grosse Anerkennung.

Grazcha fich!

Der freiwillige Einsatz für das SRK bereitet allen Beteiligten viel Freude.

Freiwillig fürs

Rote Kreuz

Im Kanton Bern haben im

vergangenen Jahr über 2 000

Frauen und Männer 240 000

Stunden Freiwilligenarbeit

geleistet. Die 706 Freiwilligen

des SRK Bern-Mittelland trugen

über 100 000 Einsatzstunden

dazu bei.

Ursula Zulauf, Geschäftsführerin

SRK Bern-Mittelland

Die Freiwilligen im Rotkreuz-Fahrdienst,

im Besuchs- und Begleitdienst

sowie im zapp und die Helferinnen im

Sekretariat wirken als Brückenbauer

in schwierigen Lebenszeiten. Sie

schenken ihre Zeit, spenden Trost,

hören aufmerksam zu oder benutzen

Newsletter Nr. 2

August 2011

den eigenen Wagen für eine Ausfahrt

oder einen Arzttermin. Das Wichtigste

aber ist ihr tief empfundenes Mitgefühl

für die besonderen Schicksale anderer

Menschen.

Nicht auf die Uhr schauen

Sie zähle die Minuten nicht, berichtete

eine freiwillige Helferin, die einem

betagten Geschwisterpaar, das

abgeschieden wohnt, die AHV-Zahlungen

bringt. «Ich setze mich jeweils

noch eine Stunde hin, trinke einen

Kaffee mit der Schwester und schwatze

mit ihr, denn mit ihrem Bruder kann

sie sich nicht mehr richtig unterhalten,

seit er an Alzheimer erkrankt ist.»

Einsätze mit Herzblut

Es ist das selbstlose Helfen, welches

ganz unkompliziert geschieht, das uns

alle berührt. Man muss sich die vielen

unterschiedlichen Situationen vor Ort


Die freiwilligen Helfer des SRK sind spezialisiert auf Einsätze aller Art. Immer werden mit grossem Engagement Menschen in unterschiedlichen

Notlagen betreut oder Angehörige entlastet. Menschen jeden Alters kommen in den Genuss der Freiwilligenarbeit.

vorstellen können, in denen Freiwillige für jemanden

da sind. Manchmal hören sie Berichte über traurige

Ereignisse, über den Verlust eines Partners zum Beispiel.

Manchmal wachen sie still an einem Bett bei einem

sterbenskranken Menschen. Oder sie begleiten

eine vierzigjährige Frau, die an Angstzuständen leidet

und sich nicht mehr allein in die Stadt wagt, zum Arzt.

Freiwillige kümmern sich im wahrsten Sinn des Wortes um

das Wohlergehen anderer Menschen. Sie setzen jeweils

alles daran, im Bedarfsfall optimale Lösungen zu finden.

Freiwillige erkennen, welche Hilfsmassnahmen nötig

sind und leiten sie eigenständig ein. Diese Hilfe kommt

von Herzen und kann mit nichts bezahlt werden.

Hier engagieren sich Freiwillige

des SRK Bern-Mittelland

− Besuchs- und Begleitdienst

− Zentrum für ambulante Palliativbegleitung plus

− Rotkreuz-Fahrdienst

− Unterstützung im Sekretariat

2 radius August 2011

Freiwillig im Dienst

für Benachteiligte

«Freiwilligkeit» ist einer von sieben Rotkreuz-

Grundsätzen. Sie ist eine unentbehrliche Grundlage

der Rotkreuz-Arbeit. Im Europäischen Jahr

der Freiwilligenarbeit 2011 wird die grosse

Leistung der Freiwilligen gewürdigt.

Beat Wagner, Leiter Kommunikation des Schweizerischen Roten Kreuzes

In der Schweiz arbeiten zahlreiche Freiwillige Tag für Tag

für die Ziele des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK).

Ohne diesen Einsatz könnten Rotkreuz-Kantonalverbände

und Rotkreuz-Rettungsorganisationen einen Grossteil ihrer

Dienstleistungen gar nicht erbringen. Das SRK ist im Bereich

Gesundheit, Soziales und Rettung die grösste Freiwilligenorganisation

unseres Landes. Immer häufiger ermuntern

auch Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen dazu, sich im

Zeichen der sozialen Verantwortung an der Freiwilligenarbeit

des SRK zu beteiligen. So haben Firmen zum Beispiel

die Möglichkeit, mit ihren Mitarbeitern in bestimmten

Regionen eine Blutspendenaktion durchzuführen, einen

Einsatz bei der Aktion 2 x Weihnachten zu leisten oder

sich als Unfall- oder Verschüttetenopfer für Übungen einer

der Rettungsorganisationen zur Verfügung zu stellen.

Vielfältige Einsätze

Die Freiwilligen leisten einen unverzichtbaren Beitrag

zum Funktionieren des Sozial- und Gesundheitswesens

unseres Landes. Die Arbeit der Freiwilligen ist so vielfältig

wie die Tätigkeiten der SRK-Organisationen.

Sie umfasst soziale Einsätze (Fahrdienst, Begleit- und

Besuchsdienst oder die Unterstützung von Menschen aus

anderen Kulturen), Erste Hilfe und Rettung (Unfallver-

hütung, Nothilfe bei Unfällen oder plötzlicher Erkrankung),

Hilfe bei Katastrophen im Inland, aber auch ehrenamtlich

wahrgenommene leitende Funktionen.


Neue Antworten auf neue Bedürfnisse

Die Freiwilligenarbeit hat sich auch im SRK neuen sozialen

Bedürfnissen angepasst. Waren die Leistungen früher

vor allem für ältere, gebrechliche oder kranke Menschen

bestimmt, sind sie heute auf alle ausgerichtet, die in

prekären Situationen leben. Das sind immer mehr auch

Familien, pflegende Angehörige, Alleinerziehende und

Jugendliche. Für sie sind in den letzten Jahren neue

Angebote im Bereich Betreuung, Unterstützung und Inte-

gration entstanden. Das SRK sucht aufgrund der Veränderungen

in der Gesellschaft neue Antworten auf neue

Bedürfnisse. Dabei gilt es auch, Einsatzmöglichkeiten zu

definieren, die beruflicher Belastung, dem Freizeitverhalten

und den sich wandelnden Motivationen der Freiwilligen

Rechnung tragen. Das SRK will zudem der Freiwilligenarbeit

zu der ihr gebührenden Anerkennung verhelfen.

Mehr humanitären Nutzen schaffen

Die Vielfalt der Tätigkeiten im SRK ermöglicht nicht nur

eine einzigartig breite Palette an Dienstleistungen, sondern

auch eine Verknüpfung, die einen besonderen Nutzen für

benachteiligte und hilfsbedürftige Menschen bringen soll.

Hier liegt – im professionellen wie im Freiwilligenbereich –

eine Herausforderung für das SRK, die immer wieder

neu angegangen werden muss.

Es geht darum, die Angebote so zu koordinieren und die

Organisation so zu gestalten, dass mit den vorhandenen

Mitteln ein möglichst hoher humanitärer Mehrwert

geschaffen wird. Das SRK erfüllt damit seinen Kernauftrag,

Leben, Gesundheit und Würde verletzlicher Menschen

zu schützen.

Freiwillig und ehrenamtlich

Freiwilligkeit stand am Beginn des Roten Kreuzes. Als Henry Dunant 1859 auf

dem Schlachtfeld von Solferino die Hilfe für verwundete und sterbende Soldaten

organisierte, waren sofort Menschen aus den umliegenden Orten zur Stelle.

Dunant war überzeugt, dass selbstloses mitmenschliches Engagement

nur mit Freiwilligen möglich sei. Diese Tradition hat über 150 Jahre hinweg

vielfältige Formen angenommen. Freiwillige des SRK sind Frauen und Männer,

die regelmässig oder gelegentlich unentgeltlich für das SRK im Einsatz stehen.

Das SRK zählt auch die ehrenamtlichen Mitglieder von Vorständen zu den

Freiwilligen. Für diese gilt, dass sie gemäss den Normen der ZEWO mindestens

100 Stunden ihrer Arbeit unbezahlt erledigen und für besonders aufwendige

Tätigkeiten eine Entschädigung erhalten können.

Einsatz verdient Anerkennung

Freiwilligkeit ist eine Spende von Hingabe, Zeit und Wissen. Das SRK hat mit der

Schaffung des Sozialzeit-Ausweises dazu beigetragen, dass diese Spende

dokumentiert wird. Freiwilligkeit bringt auch Erfahrungen, die bei der Berufsarbeit

nützlich sind. Arbeitgeber sollen das durch den Sozialzeit-Ausweis erfahren

können.

Freiwilligkeit trägt zur Eindämmung der Kostensteigerung im Gesundheits- und

Sozialwesen bei. Die Vorschläge des Bundesrats zur Reform der Mehrwertsteuer

hätten zur Folge, dass von Freiwilligen erbrachte Leistungen künftig der Mehrwert-

steuer unterliegen. Das SRK setzt sich deshalb mit anderen Organisationen dafür

ein, dass die bisherigen Ausnahmen von der Steuerpflicht beibehalten werden.

Zwei Arbeitswochen

Bei den 24 Rotkreuz-Kantonalverbänden, bei vier der fünf Rotkreuz-

Rettungsorganisationen (ausgenommen ist die Rega, die nur mit Berufsleuten

arbeitet) und einigen Bereichen der Geschäftsstelle des SRK gibt es etwa

100 Dienste, bei denen Freiwillige tätig sind. Zusammen mit aktiv engagierten

Mitgliedern sind dies rund 72 000 Personen. 7500 von ihnen gehören den

Jugendorganisationen des SRK an.

Alle haben im Jahr 2010 gesamthaft 1,8 Millionen Stunden unentgeltlich

gearbeitet. Eine Million Stunden – fünf Prozent mehr als im Vorjahr –

entfallen auf die 12 000 Freiwilligen der Rotkreuz-Kantonalverbände.

Dies entspricht im Durchschnitt 83 Stunden oder zwei vollen Arbeitswochen

pro Person. Auch bei ausländischen Rotkreuz-Organisationen wirken zahlreiche

Freiwillige bei den dortigen SRK-Programmen im Wiederaufbau und in der

Entwicklungszusammenarbeit mit.

radius August 2011 3


Die Fahrdienstleiterin Brigitte Bodenmann

in ihrem Büro.

Dankesfest für alle

Am Samstag, 27. August 2011, findet auf

dem Areal von Bernexpo (ehemals BEA) ein

grosses Fest für alle Freiwilligen des SRK

statt. Die Organisatoren wollen ihnen für

ihr hingebungsvolles und in vielen Fällen

langjähriges Wirken danken. Von 13 bis

20 Uhr wird ein abwechslungsreiches

Programm geboten. Das Fest beginnt mit

der Begrüssung durch Bundespräsidentin

Micheline Calmy-Rey. Für musikalische

Unterhaltung auf verschiedenen Bühnen ist

ebenso gesorgt wie für Speis und Trank,

Mitmach-Aktivitäten sowie Spiele für Jung

und Alt.

Highlights sind:

− Konzerte mit Philipp Fankhauser, Sina,

Myron, Caroline Chevin und weiteren

Schweizer Musikern

− Talks mit Kurt Aeschbacher. Seine Gäste:

Martin Weber und Augusta Theler,

Sigrid Joss, der Redog-Hundeführer

Jo Näpfli und SRK-Botschafter Mark Streit

− Comedy mit Massimo Rocchi,

Marie-Thérèse Porchet und anderen

− Jazz-Club und Stubete

− Funky-Kitchen Club mit René Schudel

− Freestyle-Park, BMX-Show, Beatbox-Show

mit Weltmeister ZeDe

4 radius August 2011

Bei der Freiwilligenarbeit lernen die Fahrer

und ihre Gäste einander näher kennen.

Freiwillig fahren

fürs Rote Kreuz

Mit 638 freiwilligen Frauen

und Männern im Einsatz

handelt es sich beim Rotkreuz-

Fahrdienst um den grössten

Freiwilligenbereich des Roten

Kreuzes Bern-Mittelland.

Ursula Zulauf, Geschäftsführerin

SRK Bern-Mittelland

Zwischen dem Schweizerischen Roten

Kreuz und dem Bundesamt für Sozialversicherungen

(BSV) besteht ein

Leistungsauftrag zur Führung eines

freiwilligen Fahrdienstes. Das Rote

Kreuz verpflichtet sich, in der Mobilität

eingeschränkten Menschen, welche

Betreuung benötigen und ohne

Begleitung die öffentlichen Verkehrsmittel

nicht benützen können, Transporte

zu vermitteln und die Betreuung mit

Freiwilligen zu organisieren. Ziel ist,

die Selbstständigkeit und Mobilität

im Alter zu erhalten. Alte Menschen,

die aus psychischen oder physischen

Gründen auf Begleitung angewiesen

sind, sollen die Transportdienste zu

medizinisch-therapeutischen Zwecken

und ausdrücklich auch zur Förderung

ihrer sozialen Integration in die Gemeinschaft

– zum Beispiel um ihre Einsamkeit

zu durchbrechen – beanspruchen

dürfen. Im Vordergrund stehen immer

die Aspekte der Begleitung und Betreuung

und nicht die finanziellen Situatio-

nen der Fahrgäste. Der Rotkreuz-Fahr-

dienst wird mit wenigen Ausnahmen

in der ganzen Schweiz angeboten.

Die Anfänge des Rotkreuz-

Fahrdienstes

Der Rotkreuz-Fahrdienst ist beinahe

so alt wie es Autos gibt. Es begann

1952 in der Rotkreuz-Sektion Zürich

mit einem Dutzend Frauen, die sich

in der Nachkriegskinderhilfe «durch

ihr Mitfühlen und ihren praktischen

Menschenverstand» bewährt hatten

und neu einen Besuchsdienst auf-

bauten. Anfänglich mussten sie sich

wehren gegen das Image der «helfesüchtigen

Damen». Die ersten Einsätze

erfolgten in Krankenhäusern

und Pflegeheimen, schon bald aber

auch in den Wohnungen von Alleinstehenden.

Und schon waren die ersten

Fahrzeuge im Einsatz, mit denen

alleinstehende, betagte oder behinderte

Menschen zu gemeinsamen

Nachmittagen in Zentren, zur Beschäftigungstherapie

oder zur Behandlung

beim Arzt gebracht wurden.

Rotkreuz-Fahrdienst dank

Auto-Boom

Der Rotkreuz-Fahrdienst hatte in den

frühen 70er-Jahren, als das private

Auto zu einem Allgemeingut wurde,

einen ersten Boom erfahren.

Aus den anfänglich zwölf Frauen in

Zürich wurden bis 1974 auf nationaler

Ebene 1700 freiwillige Helfer

und Helferinnen, die sich im Besuchsund

motorisierten Begleitdienst (später

Fahrdienst) betätigten. Wie ein

Rotkreuzjahresbericht aus dem Jahr


Hedy Brüllhardt und Brigitte Schmid

von der SRK-Vermittlungsstelle in Bern.

1974 festhält, führte die deutliche Zunahme an Personentransporten

zur Gründung einer «Sparte Autodienst»,

«um den gebrechlichen Betagten einen unzumutbaren

Weg – beispielsweise zur Behandlung beim Arzt, im

Ergotherapiezentrum usw. – zu ersparen, andererseits als

Teil des Besuchs, das heisst, um dem Betreuten eine

Abwechslung in Form einer Spazierfahrt zu bieten oder

ihm die Teilnahme an einem Altersnachmittag oder

ähnlichen Veranstaltungen zu ermöglichen.»

Für das Jahr 1974 sind 1700 Rotkreuzfahrer belegt, die

insgesamt rund 420 000 Kilometer fuhren. Im Jahr 2010

legten landesweit 7426 freiwillige Fahrerinnen insgesamt

13 091 850 Kilometer im Fahrdienst zurück und wendeten

dafür 715 686 Einsatzstunden auf.

Organisation des Rotkreuz-

Fahrdiensts in Bern-Mittelland

Dem SRK Bern-Mittelland ist es wichtig, mit den

Vermittlungsstellen des Rotkreuz-Fahrdienstes

vor Ort präsent zu sein.

Ursula Zulauf, Geschäftsführerin SRK Bern-Mittelland

Der Rotkreuz-Fahrdienst wird im ganzen Einzugsgebiet des

Berner Mittellands angeboten. Die Bevölkerung soll überall

den gleichen unbürokratischen Zugang zum Fahrdienst

haben.

Stadt Bern und Agglomeration

Für die Stadt Bern und die nähere Agglomeration (Schlieren,

Köniz, Liebefeld, Spiegel, Wabern und Bremgarten)

führt das SRK Bern-Mittelland eine Fahrdienstvermittlung in

seiner Geschäftsstelle an der Effingerstrasse 25 in Bern.

Hier koordinieren drei Mitarbeiterinnen täglich die unterschiedlichen

Fahrdienstwünsche. Die Anrufer sind meist

Angehörige, die für ihre Mutter oder ihren Vater telefonieren

oder auch betagte und kranke Kunden, Sozialdienste

Transporte im Auto stellen die Fahrerinnen und ihre Fahrgäste

vor besondere Herausforderungen.

der Spitäler für ihre Patienten, Spitexmitarbeiterinnen oder

Arztpraxen. Die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle

betreuen zudem die freiwilligen Fahrer und leiten die

Schadenmeldungen an die Versicherungen weiter.

Die Leiterin des Fahrdienstes ist zuständig für die Weiterentwicklung

des Fahrdienstes, die Kontaktarbeiten und die

Zusammenarbeit mit den Trägerschaften der Fahrdienst-

Aussenstellen.

Region Bern-Mittelland

Um so nahe wie möglich bei unseren Kunden und den

freiwilligen Helfern wirken zu können, haben wir

mit zahlreichen Vereinen und Privaten zur Führung von

31 Aussenstellen Zusammenarbeitsvereinbarungen

abgeschlossen. Die Kooperationen stellen das Fahrdienstangebot

in der Region sicher. Bei dieser

Zusammenarbeit handelt es sich um eine klassische

Win-win-Situation. Die Vereine profitieren davon, der

älteren oder kranken Bevölkerung ihres Einzugsgebiets

dienen zu können, ohne sämtliche finanziellen und

administrativen Lasten alleine tragen zu müssen.

Das Rote Kreuz unterstützt mit folgenden Dienstleistungen:

− Vollumfängliche Übernahme der Kollektivunfall- und

Haftpflichtversicherung für die freiwilligen Fahrer

− Regelmässige Austauschtreffen für die Fahrer

− Austauschtreffen für die Aussenstellenleiterinnen

− Kostenlose Weiterbildungen für die freiwilligen Fahrer

− Kostenlose Teilnahme an Veranstaltungen des SRK

− Unterstützungsbeiträge zugunsten der Freiwilligen-

betreuung

− Gratismitgliedschaft der freiwilligen Fahrerinnen und

Fahrer beim SRK Bern-Mittelland

− Administrativer Support

Die Trägerschaften der Fahrdienststellen in der Region

führen die Vermittlungsarbeit aus, betreuen die Fahrer

ihrer Region und führen Kilometerstatistiken. Zu unseren

Partnern gehören Spitexvereine, Frauen- und Kirchenvereine,

Samariter sowie Private.

radius August 2011 5


Fahrzeuge und Kundenwünsche

Das SRK besitzt keine Fahrdienst-Autos, sondern vermittelt

lediglich die Fahrten. Zusätzlich betreiben drei Aussenstellen

spezielle Behindertenfahrzeuge, welche der

Trägerschaft und nicht dem SRK gehören. Die Fahrer stellen

für unsere Kunden ihre Zeit und ihr Auto zur Verfügung.

Beim Erstanruf eines Kunden oder seiner Angehörigen

werden seine Angaben im Detail notiert. Neben Stammdaten

wie Adresse und Telefon werden alle individuellen

Begleitumstände wie Rollator, Krücken, Art der Behinderung

oder Krankheit erfasst. Speziell bei Krebs- und

Dialysepatienten achten die Vermittlerinnen darauf,

dass möglichst immer derselbe Fahrer eingesetzt wird.

Tarife

Die Rotkreuz-Fahrer bekommen für ihre Tätigkeit keinen Lohn. Zur

Deckung der Auslagen für das Fahrzeug (Benzin, Parkgebühren usw.)

erhalten sie jedoch eine Kilometer- oder Pauschalentschädigung.

Innerhalb Stadt: Retourfahrten CHF 17

Ausserhalb Stadt: In der Regel CHF 0.80 pro km

Region: CHF 0.80 pro km oder Pauschale

Brigitte Schmid und Hedy Brüllhardt vom SRK-Fahrdienst in Bern geben

gern Auskunft zum Fahrdienst: Telefon 031 384 02 10.

So finden Sie den Fahrdienst Ihrer Region:

www.srk-bern.ch, unter Dienstleistungen/Rotkreuz-Fahrdienst/

Fahrdienst Ihrer Wohnortsgemeinde eingeben.

Daran erkennen Sie unsere freiwilligen Fahrer

Die freiwilligen Fahrer tragen einen persönlichen SRK-Ausweis. Zudem

montieren sie eine kleine Fahrertafel hinter der Windschutzscheibe.

Einige befestigen auch eine Magnettafel am Auto.

Unsere Servicezeiten in Bern

Wir sind von Montag bis Donnerstag von 8.15 bis 11.45 Uhr und von

14 bis 16 Uhr sowie am Freitag von 8.15 bis 11.45 Uhr präsent.

Unter der Nummer 031 384 02 10 gibt unsere Vermittlungsstelle gern

die Koordinaten der Rotkreuzfahrdienste in der Region bekannt.

6 radius August 2011

Damit der Fahrdienst klappt, braucht es in der Zentrale koordinierende

Fachfrauen mit vielen Talenten. Eine davon ist Veronika Mäder.

Pünktlich, zuverlässig

und freundlich

Pro Jahr führt das SRK Bern-Mittelland fast

100 000 Fahrten in der Länge von einer Million

Kilometern durch. Wir fuhren 100 Kilometer

mit dem freiwilligen Fahrer Franz Blaser und

seinen Gästen mit.

Text und Fotos: Alice Baumann, Journalistin

«Ich bin froh und sehr zufrieden mit dem Fahrdienst des

SRK», lobt die 92-jährige Dora Brand Franz Blasers

Fahrkünste und seine soziale Betreuung. «So wie er sind

alle Fahrer: pünktlich zuverlässig und freundlich.»

In der Tat braucht eine hohe Sozialkompetenz und ein

robustes Nervenkostüm, wer zu den 638 Fahrerinnen und

Fahrern des SRK Bern-Mittelland gehören will. Jeden Tag

erleben die Chauffeure eine Dichte an Schicksalen, wie sie

sonst nur Fachpersonen aus Medizin und Sozialarbeit

kennen.

Auf die Situation eingehen

Die krebskranke Dora Brand, die bis 90-jährig ein gesundes

Leben geniessen durfte, lebt mit ihrem gehbehinderten

Gatten in der Stadt Bern. Sie sind Kunden des SRK-Fahrdienstes,

denn beide müssen regelmässig ins Lindenhof-

Spital zur Bestrahlung. «Vor allem mein Mann hatte viele

Krankheiten und Unfälle. Doch wir geben nicht auf – wir

kämpfen weiter», beschreibt sie auf dem Hinweg das

gemeinsame Schicksal. Nach der überstandenen Bestrahlung

ist sie müde und ihr Kopf «e schturmi Chugle»:

Nun mag sie nicht mehr reden.

Geduldig warten können

Die Therapie der Fahrgäste dauert mal länger, mal kürzer.

Daher kommt es vor, dass der freiwillige Fahrer Franz

Blaser eine Stunde auf seinen Fahrgast warten muss.


Wenn er ahnt, wie viel freie Zeit ihm zwischen zwei

Fahrten zur Verfügung steht, geht er spazieren oder

vertieft sich in einen Krimi, zum Beispiel der Erfolgsautorin

Donna Leon.

Der dargebotene Arm

Sobald ihn der Anruf der Fahrdienstzentrale, eines

Gastes, dessen Ärztin oder der Spitex erreicht, weiss

Blaser, wie sich sein Tag weiter entwickeln wird. Nun soll

Margret Jaggi in der Altstadt beim Arzt abgeholt werden,

wo ihr der Gips vom gebrochenen Bein abgenommen

wurde. Auch sie rühmt die Dienstleistungen des SRK:

«Es ist angenehm, vom Fahrer bei der Haustür abgeholt

und in die Praxis hinein begleitet zu werden», findet

die 78-Jährige mit den zwei Gehstöcken. Fast jeder Gast

hält sich am Arm fest, der ihn vom Auto zum Arzt und

wieder zurück führt.

Auf den Fahrer angewiesen

Unverzichtbar wird die persönliche Betreuung, wenn eine

schwer kranke Patientin wie Ursula Messerli, die an einer

mehrfachen Krebserkrankung leidet, vom Tiefenauspital,

in dem sie stationär wohnt, ins Lindenhofspital zur Bestrahlung

muss. Nach der Therapie ist sie so erschöpft, dass

sie kaum sprechen kann. Ohne Franz Blasers Hilfe wäre

es ihr nicht möglich, in ihr Spitalzimmer am anderen Ende

der Stadt zurückzukehren.

Vor der Behandlung hat sie erzählt: «Ich war schon vor

zwei Jahren froh um den Fahrdienst. Damals musste ich die

erste Bestrahlungsserie von 15 Behandlungen überstehen.

Seither hat sich der Krebs weiter ausgebreitet und ist

unheilbar geworden. Daher muss ich eine weitere Strahlenserie

über mich ergehen lassen.»

Schwere Schicksale miterleben

Nachdem Frau Messerli Franz Blasers BMW verlassen hat,

wirkt dieser bedrückt. Er weiss aus seinem Umfeld, wie

hart es ist, mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung

umzugehen. «Wenn man als freiwilliger Fahrer mit solchen

Der Fahrer Franz Blaser macht seinen Gästen das Ein- und Aussteigen so angenehm wie möglich.

Schicksalen konfrontiert ist, erscheinen einem die kleinen

Probleme des Alltags unwichtig», erzählt Blaser.

«Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich gestalten darf.»

Schlüsselerlebnis in Kanada

Wie kam Franz Blaser zu seiner sozialen Aufgabe als

freiwilliger Fahrer? Was motiviert ihn dazu? «Nach meiner

Frühpensionierung besuchte ich meinen Bruder, der in

Kanada als Freiwilliger für die dortige Krebsliga im Einsatz

steht. Er war mein Vorbild, das hat sofort Klick gemacht bei

mir.» Als er miterlebte, dass sein Bruder 500 Meilen fuhr,

um einen Krebskranken zur Therapie zu bringen, habe er

sich ebenfalls entschieden, sich sozial zu engagieren.

Das SRK nahm Blasers Bewerbung dankend an.

Seither sind zehn Jahre ins Land gegangen. Zehn Jahre,

in denen der gelernte Automechaniker und ehemalige

Swisscom-Werkstattchef an vier von fünf Wochentagen

seinem liebsten Hobby, dem Autofahren, frönen und dabei

Gutes tun kann.

Franz Blaser legt im Monat 1000 Kilometer zurück.

Seine Geduld und Begeisterung verliert er nie, auch nicht

bei Eis und Schnee.

Frau und Mann im Einsatz

Akzeptiert seine Frau, dass Blaser sich so intensiv für

seine Mitmenschen einsetzt? Er schmunzelt: «Sie schätzt

es, dass ich eine sinnvolle Aufgabe und eine klare

Wochenstruktur habe und nicht zuhause herumsitze.

Denn sie ist auch eine aktive Person und arbeitet freiwillig

im Service eines Altersheims mit.»

Und die Freizeit? Braucht ein Rentner keine Erholung?

Für seine Frau und die beiden Enkel nehme er sich im

Frühjahr und im Herbst Zeit: «In der Früh- und Spätsaison

bereisen wir mit dem Camper Frankreich und Spanien.»

Zu lange wolle er allerdings nicht weg sein, sonst

fehle ihm seine Arbeit als freiwilliger Fahrer des SRK,

gesteht Blaser.

radius August 2011 7


Ob Frau oder Mann – die Freiwilligen des SRK helfen ihren Gästen nach allen Kräften.

Reden oder schweigen

Er schätzt den Gedankenaustausch mit seinen Gästen,

kann aber seine Arbeit problemlos auch schweigend

verrichten. Als Jakob Schenk, der zum Augenarzt an der

Genfergasse gebracht werden muss, an der Laubegg-

strasse einsteigt, beteiligt sich Franz Blaser am Gespräch

über das wechselhafte Wetter. Schenk, ein 91-jähriger

früherer Kunstbuchbinder, geniesst die routinierte Autofahrt

doppelt, denn bis vor einem Jahr (!) kutschierte er

selbstständig durch Berns Strassen. Auch den Haushalt

besorgt er noch eigenhändig, denn: «Ig ha ja Zyt, ig

muess ja nid jufle.»

Parkieren wo es leichter geht

Albrecht Stettler, ein früherer Buchhalter, macht Chauffeur

Franz Blaser trotz Tom-Tom und Ortskenntnissen auf

jede Möglichkeit zur Abkürzung in der von Einbahnen

geprägten Stadt Bern aufmerksam. Bis vor drei Jahren fuhr

auch er selber Auto, daher kennt er die Schleichwege.

In ein fremdes Auto zu steigen, ist für ihn noch ungewohnt,

passt er doch mit seiner Grösse von 1.93 Meter und

seinem steifen Körper fast nicht auf den Beifahrersitz.

Fahrer Franz Blaser kennt das Problem und bringt seinen

Wagen auf dem Randstein zum Stillstand, um dem Gast

das Ein- und Aussteigen vor seiner Wohnung in der

Lorraine zu erleichtern.

Viel Lob und Zufriedenheit

Die meisten Gäste seien sehr dankbar für seine Hilfeleistungen

und drückten ihre Zufriedenheit in lobenden

Worten, mit einem kleinen Trinkgeld, einer Dankeskarte

oder einer Flasche Wein zum Jahresende aus, berichtet

der 73-jährige Fahrer.

8 radius August 2011

Zudem seien die Gäste in der Regel pünktlich. In seltenen

Fällen warte ein Gast nicht am vereinbarten Ort. «Doch

dann spielt meistens eine Krankheit mit wie Alzheimer oder

eine Depression.» Er habe über viele Jahre einen geistig

behinderten Knaben transportiert, der nicht reden konnte,

erinnert sich Franz Blaser. Trotz dessen Sprachlosigkeit

sei eine intensive Beziehung entstanden. «Auch dieses

Erlebnis verstärkte meine Dankbarkeit meinen eigenen

Fähigkeiten gegenüber.»

Gerne Langstrecken

Welchen Wunsch hat der erfahrene Franz Blaser an

den SRK-Fahrdienst? Er lacht: «Dass er mir mehr Auswärtsfahrten

vermittelt! Diese sind unter uns Fahrern sehr

begehrt, weil sie uns Abwechslung bringen. Ich fahre am

liebsten ins Tessin, ins Welschland oder ins Ausland.

Sagen Sie das auch meinen 400 Kunden pro Jahr weiter!»

Impressum

Redaktion: SRK Bern-Mittelland, Ursula Zulauf, Effingerstrasse 25, CH-3008 Bern

Tel. 031 384 02 00, Fax 031 384 02 02, info@srk-bern.ch, www.srk-bern.ch

Layout, Endredaktion: www.consign.ch, Lorenz Jaggi, Alice Baumann, Bern

Druck: Rub Graf-Lehmann AG, Bern

Spendenkonto: PC 30-5958-8

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