Wieser Verlag

re.book.de

Wieser Verlag

Wieser

Herbst 2013

Leben allein genügt nicht,

sagte der Schmetterling, Sonnenschein,

Freiheit und eine kleine Blume

muss man auch haben.

Hans Christian Andersen


© Mayü Belba

2 | Herbst ’13

Antescriptum

Liebe Leserin, lieber Leser,

liebe Buchhändlerin, lieber Buchhändler!

Diesmal möchte ich eine kleine Geschichte erzählen.

Im heurigen Januar war ich als einziger österreichischer Literaturverleger mit einem kleinen Stand in Wien auf der Cook &

Look meines Freundes Nilly Nail vertreten. Ein Wagnis, würden meine Kollegen sagen. Was solls. Auch hier sind Leserinnen

und Leser unterwegs.

Zwischen Tourismus und Literatur klafft nach meiner Beobachtung ein noch tieferer Graben als zwischen Kulinarik und

Literatur.

Aber ich war zumindest der einzige Literaturverleger, der, wie manche wissen, auf Literaturmessen Pršut zur Stärkung und

auf Kulinarikmessen Literatur zur Erholung anbietet!

12 (sprich: zwölf) Bücher hab ich verkauft, viele Gespräche habe ich geführt, einige neue Ideen bekommen, in einer Kochshow

vor 100 Personen gekocht und palavert (Jesuiten Achtung! Wieser verkommt schon wieder beim Kochen!); ich habe

Literatur vorgelesen und Überzeugungsarbeit für Literatur gemacht. Und ich stellte fest: Es wird wohl noch anhalten, Menschen

für gute Literatur zu gewinnen ... trotz allen Geredes!

So stehe ich in meiner kleinen Koje und ein älterer Herr bleibt stehen, schaut zu mir, schaut zu den Büchern, wendet wieder

seinen Blick zu mir und fragt, ob denn „Gämsen auf der Lawine“ wohl auch als E-Book erscheinen werde. Nicht wenig

überrascht bejahe ich diese Frage, obwohl ich ganz und gar durch ihn, sein Alter und sein Beharren verunsichert bin.

Im Laufe des Gespräches erfahre ich die Gründe seiner Frage und auch die seiner Begeisterung für das E-Book. Es lasse sich

in der Größe der Schrift regulieren, was für seine alt gewordenen Augen von Vorteil sei; wenn er englische Texte lese, habe

er die British Library immer im Hintergrund und bekomme auf alle Fragen umfassend Antwort; er könne sich Texte auf

Reisen mitnehmen, wie es ihm beliebe …

Neugierig geworden will ich wissen, wen ich denn da vor mir habe. In seinem Leben habe er zahlreiche Stationen durchgemacht,

sei Schriftsetzer gewesen, habe die „Graphische“ besucht, sei im Verlag Jugend und Volk beschäftigt gewesen und

lese einfach viel. Die Sehkraft lasse allmählich nach und er tue sich mit der Typographie in gedruckten Büchern zunehmend

schwerer.

Mit Freuden lausche ich seinem Erzählen. Dabei berührt unser Gespräch auch die derzeitige schwierige Situation des

Verlagswesens und des Buchhandels. Als ich ihm von unseren gerade erst überwundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten

berichte und ihm auch von der Möglichkeit der Buchpatenschaften erzähle, legt er seinen Arm auf meinen und berichtet

mir, was er vor 60 Jahren erlebt hat:

„Damals, 1953, war ich einige Jahre in Bern. Ich war ein 22-jähriger neugieriger Schriftsetzer, der jeden Rappen sparte,

um später in Wien die Graphische besuchen zu können. Ein befreundeter Schweizer Kollege erzählte mir von dem außergewöhnlichen

Erlebnis des Besitzers eines kleinen Verlages: Dieser wurde eines Tages von einem Boten gebeten, ins Berner

Münster zu kommen. Ein Herr, der dort auf den Münsterorgeln spiele, erwarte ihn. Dieser Herr war – zur Überraschung des

Verlegers – Albert Schweitzer, der ja auch ein großer Bach-Interpret war. In einem Gespräch sagte Schweitzer dem Sinn nach

zu ihm: ‚Sie haben u. a. die Arbeit des Studenten X. verlegt, weil Sie von der Qualität überzeugt waren. Aber Sie wussten

auch genau, dass damit nichts zu verdienen war. Ich schätze diese Einstellung sehr und biete Ihnen an, in Zukunft meine

Schriften zu verlegen.‘ Ob und wie dieser Traum manch eines Verlegers und die weitere Zusammenarbeit sich entwickelt

haben, konnte ich leider nicht erfahren …“

Diese kleine Geschichte, die mir Hans Prager auf meine Bitte später auch schriftlich übermittelte und seine Erlaubnis erteilte,

sie weiterzuerzählen, hat mich nur darin bestärkt, mit den Buchpatenschaften für Literatur weiterzumachen. Ich möchte

Hans Prager und allen bisherigen Patinnen und Paten

von Herzen danken. Ohne solche Enthusiasten und

ohne Literatur würden wir die Sprache verlieren und

somit auch uns selbst.

Also: Lesen wir weiter!

Lojze Wieser

PS: Der Geschichtenerzähler Hans Prager wird übrigens

heuer 83 Jahre alt. Na sto let/Auf hundert Jahr’!,

singen wir. Das wünschen wir ihm und allen Leserinnen,

Patinnen, Lesern und Paten und bitten alle Buchhändlerinnen

und Buchhändler, das Lied der Literatur

weiterzutragen.

Rovinj, die Hauptstadt des 1. Patenfestes

© Gottfried Janschitz


04

06

08

10

Wilhelm Pevny

Die Erschaffung der Gefühle

Eine abenteuerliche Geschichte

in fünf Teilen

Franzobel

Die Weibspassion

Ein Hemma-Spiel, oder das beste Stück,

das je geschrieben worden ist

Liljana Pandeva

Balkanexpress Skopje – Lausanne

Als Makedonin am Ufer

des Röschti-Grabens

Ernst Brauner

Srinagar

und andere Nacherzählungen

12

Aleksandar Gatalica

Jahrhundert

EUROPA ERLESEN

14 Christine Zucchelli

Albanien/Shqipëria

EUROPA ERLESEN

14 Lojze Wieser / Vinzenz Jobst

Villach/Beljak

EUROPA ERLESEN

15 Christian Fridrich

Donaudelta

EUROPA ERLESEN

15 Jakob Grollitsch

Gottschee

EUROPA ERLESEN

LITERATURSCHAUPLATZ

16

17

Michael Ellenbogen

Silba, oder die alljährliche Reise

ins Paradies

EUROPA ERLESEN

LITERATURSCHAUPLATZ

Aleksandar Gatalica

Belgrad für Ausländer

InHAlt

18

20

21

22

23

Franz Viktor Spechtler

Parzival

Wolfram von Eschenbach

Slowenische Bibliothek

Thermenhotel Ronacher

Erster original Kärnten Bitter

Hilft bei allen politischen

und gesellschaftlichen Vergiftungen

Erhard Kargel

Brückenbauen

Architektur des Verbindens

Edition GEist & GEGEnwart

Lojze Wieser

Demokratische Einigung Europas.

Das Hoffen wagen

Arno Popotnig

24 Momentum

Arno Popotnig

.

Christian Kleinschmidt / I nanç Atılgan

25

Deutsch-türkische

Wirtschaftsbeziehungen

Eine Bestandsaufnahme

26

WIESER ENZYKLOPÄDIE

DES EUROPÄISCHEN OSTENS

WIESER ENZYKLOPÄDIE

DES EUROPÄISCHEN OSTENS

27

Roma im Osten Europas

Sozial- und kulturgeschichtliche

Skizzen aus fünf Jahrhunderten

WEEO · Band 9.2

28

31

Bücher brauchen Paten!

1. Patenfest des Wieser Verlages

Rückblick Frühjahr 2013

| 3


© Dietmar Warmuth

„Sterben Sie nicht,

bevor Sie diese Geschichte gelesen haben!“

P. F. Pöttering


Die erschaffung der Gefühle

eine abenteuerliche Geschichte in fünf teilen

ca. 900 Seiten, 5-teiliger Romanzyklus

in 2 Bänden, gebunden,

Lesebändchen, im Schuber. EUR

35,00 / sfr 52,00

ISBN 978-3-99029-067-5

V

om Realismus der Fernsehserie „Alpensaga“ zum Extremrealismus

des Romanzyklus „Die Erschaffung der Gefühle“. In

der Alpensaga versuchte Wilhelm Pevny seinerzeit gemeinsam mit

Peter Turrini vorwiegend soziale und historische Wirklichkeit

im Zeitkolorit möglichst detailgetreu zu schildern. Nach seinem

Rückzug wollte Pevny darüber hinaus vermehrt die Aspekte aus

den neuesten Erkenntnissen der Astronomie, Physik, Chemie,

Biologie und anderer Bereiche bei seinem Annäherungsversuch

an die Wirklichkeit miteinbeziehen. Mit „Palmenland“ ist er auf

dieser Forschungsreise in Extremrealitäten, die eher selten betreten

werden, bereits vorgedrungen. Mit der „Erschaffung der Gefühle“

scheint er einen vorläufigen Höhe- und Endpunkt bei dieser

Suche erreicht zu haben. Der Romanzyklus – gleichsam, wie er

sagt, in Trance geschrieben – bewegt sich im Graubereich zwischen

Leben und Tod. Durch die multidimensionale Sicht eines

Benommenen versucht der Autor der Realität näher zu kommen

als durch die beschränkte Sicht, die wir bei nüchternem Verstand

gewöhnlich als realistisch bezeichnen.

Er liegt auf dem Boden seines Arbeitszimmers und weiß

nicht weshalb. Wahrscheinlich hat er einen Schlaganfall

erlitten. Es ist Samstag frühabends, und die Putzfrau wird ihn

erst Montag Vormittag hier finden.

Allmählich gerät er in andere Schicksale, die mindestens

genauso wirklich für ihn werden, wie sein bisheriges. Zwischendurch

kommt ihm vor, ein alter Mann würde im Dunkel

des Raumes sitzen und ihm von diesen Existenzen erzählen,

wobei alles Leben, wie er meint, nichts anderes als das

Traumgesurre schwirrender Elektronenverbände sei, einzig

geschaffen, um das Kostbarste zu erzeugen, das für einen mathematischen

Geist zu erzeugen sei: Gefühle.

Er erlebt die Gesellschaft von dreien, deren Leben so harmonisch

und angenehm ist, dass keiner von ihnen je fortwill.

Dessen ungeachtet werden sie getrennt und auf eine lange

Odyssee geschickt. In verschiedene Existenzen geratend, zu

verschiedenen Orten, Welten und Zeiten hin, suchen sie, als

diese veränderten Gestalten, ein Leben lang unbewusst einander


WIlHelM PeVnY

Geboren 1944 in Wallersdorf

(Niederbayern), 1946

Übersiedlung nach Wien –

Stu dium der Theaterwissenschaft,

1967–69 Sprachlehrer

in Paris. Theaterstücke

u.a. am Akademietheater,

Volkstheater Wien und

La Mama, New York.

Fürs Fernsehen schrieb er

gemeinsam mit Peter Turrini

die „Alpensaga“. In Mosambik

drehte er 1985 den Film

„Safari. Die Reise“. Lebt

seit 1989 zurückgezogen

in Wien und Retz, arbeitet

an Langzeitprojekten. Im

Wieser Verlag erschienen:

„Palmenland“ (2007) und

„Luft“ (2009).

Lieber Wilhelm,

es ist für mich aufwühlend und zugleich hält mich auch eine gewisse Demut in den Armen, so ein großes Werk nun – nach

der ersten Geburt – in Händen zu halten. Ich danke Dir, dass Du Dir so viel Zeit genommen hast, dass Du im Bergwerk der

Sprache – einem Sprachknappen gleich – gegraben, Lösch vom Erz, Blindtauben von Perlen getrennt und zu einem edlen

Ganzen zusammengefügt hast. Dafür seist Du umarmt und wir werden die Seelen finden, ja, die werden wir mitnehmen

zur zweiten Geburt, die sie erleben werden beim Lesen, die sie glücklich machen wird, wenn sie dem Sprachknappen beim

Stollenbau zur menschlichen Seele folgen, ihn begleiten, mit ihm in der eigenen Seele weitergraben und dabei neuerlich

Hand anlegen. Sei umarmt und Dank auch an Maria, die sich die Zeit genommen hat, mit Dir im Wortgeröll nach Schätzen

zu suchen.

Herzlichst Lojze

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© Raphael Sikora


© Paul Kranzler

HEMMA

Da gehen sie, die Hoffnungen der Zukunft,

die mir liebsten Wesen auf der Welt.


Die Weibspassion

ein Hemma-spiel, oder das beste stück, das je geschrieben worden ist

ca. 120 Seiten, gebunden, Lesebändchen

EUR 17,40 / sfr 25,50 · ISBN 978-3-99029-069-9

Personen

❖ Hemma von Gurk, ca. 35 Jahre alt, rein

und schön wie die junge Jeanne Moreau

❖ Graf Wilhelm von Friesach und Zeltschach

und der Krain, ihr Mann, um ein Beträchtliches

älter

❖ Wilhelm, ihr erster Sohn, sieht sich als

Nachfolger, besonnen, leicht pedantisch

❖ Hartwig, ihr zweiter Sohn, wild,

anarchistisch wie Prinz Harry

❖ Kathi, Bedienstete der Friesacher und

Tochter von Matschacher

❖ Karl Matschacher, Anführer der

Minenarbeiter

❖ Joker, spielt den Erzbischof Donatus von

Donnersfeld und den Landesfürsten von

Kärnten, Herzog Adalbero von Eppenstein

❖ Chor

FrAnzobel

Aufgewachsen in Büffelwang

ob der Neblich im

Schatten der Schimmelkirche,

Ministrant, Berufswunsch

Pfarrer, mittlerweile

Privatkatholik und

freischaffender Schriftsteller,

immer auf der Suche nach

Erkenntnis und Erlösung.

Zahlreiche Dramen und

Romane und Kinderbücher.

Ein expolsives Stück über die einzige Kärntner Heilige, über Glaube und Weiblichkeit, angesiedelt im Hochmittelalter

und dennoch sehr heutig. Keine übliche Heiligenvita, eher eine moderne Auseinandersetzung mit Lebenssinn und Gott.

Selten war Franzobel so existentiell wie hier.

Hemma, eine reiche Adelige, vermählt sich mit dem Grafen Wilhelm, der in Krain reiche Güter besitzt. Das Paar gehört

dem Hochadel an und lebt von Silberminen. Wilhelm lebt genusssüchtig, ausschweifend und autark, fügt sich keiner

anderen Ordnung als seiner Sucht nach Leben. Da sie keine Kinder bekommen, gibt Hemma das Versprechen, ihr Leben

zu ändern, wenn sie nur Mutter wird. Sie bringt zwei Söhne zu Welt. Es kommt zu einem Aufstand der Minenarbeiter. Die

Herren Söhne bestrafen die Anführer grausam, woraufhin die Arbeiter ihnen eine Falle stellen. Die Herren Söhne werden

gefangen genommen und geloben Besserung, halten sich aber nicht daran. Es kommt erneut zu ungerechten Misshandlungen.

Jetzt bricht der Volkszorn los, die Söhne werden gelyncht. Hemma drängt ihren Mann auf Versöhnung. Der ist aber

unnachgiebig, lässt alle Knappen niedermetzeln. Hemma erkennt die Sünden der Eitelkeit, der Rache und des materialistischen

Denkens. Sie wendet sich zu Gott und wird eine Heilige.

Mit Fotos von Paul Kranzler

Lieber Lojze

Ich will dir einen Text anbieten, der nach Kärnten gehört. Ein Stück über die Hemma von Gurk. Es ist aber schon weit mehr als

eine lokale Heiligenvita. Im Herbst ist Uraufführung in mehreren Domen, so 10 bis 15 Vorstellungen mit jeweils 3400 Menschen

sind sicher. Das Buch sollte also nicht zu teuer sein, aber eine schöne Ausstattung haben, dann gäbs die Chance, wenn man es bei

den Vorstellungen vertreibt, dass auch einiges weggeht. Andererseits will ich dir nicht verheimlichen, dass Stücke nie so besonders

gehen.

Franzobel

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© Paul Kranzler


Ein Roman, der eine ungewöhnlich attraktive und facettenreich

erzählte Galerie von Typen, Charakteren, Sonderlingen und

Genies ausstellt – alle irgendwie miteinander verwandt,

und doch ist jedes Kapitel des Buchs eine eigene kleine Einheit.

© Werner Soehl


alkanexpress skopje – lausanne

Als Makedonin am Ufer des röschti-Grabens

Aus dem Makedonischen von Wolf Oschlies

ca. 200 Seiten, gebunden, Lesebändchen

EUR 21,00 / sfr 30,50 · ISBN 978-3-99029-068-2

Balkanexpress“ ist bereits der zweite Roman,

den Liljana Pandeva beim Wieser

Verlag veröffentlicht. Wieder ist Ich-Erzählerin

eine junge Makedonin, die zwar ein

Hochschuldiplom besitzt, aber keinen Job

hat und diesen in der Schweiz zu finden hofft.

Jetzt landet die balkanische Städterin, mehr

balkanisch als urban, in Schweizer Weltstädten,

wo sie mit Charme und Unbefangenheit

zurechtkommt. Eine akademische Tätigkeit

sucht sie jetzt gar nicht erst, denn ihre Ab-

In diesem Land finden sich selbst

Analphabeten zurecht,

sie müssen nur den Zeichen folgen.

sichten sind einfacher und darum leichter

zu realisieren. Als Erstes wünscht sie ein auskömmliches

Einkommen, das sie in der Gastronomie

findet. Zweitens will sie ihre Französischkenntnisse

auf Hochglanz bringen,

was ihr auch gelingt. Und drittens sucht sie

„Nahrung“ für ihre stets an Menschen und

Schicksalen interessierte Neugier. Die interessieren

sie und regen sie an, gelegentlich unbegrenzt,

wenn sie etwa vom Aussehen eines

Behinderten zu einer Parabel auf Stevensons

„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ kommt.

Schauplatz des Romans ist die (französische)

Schweiz, was bemerkenswert ist. Die

Schweiz hat zwar einen exorbitant hohen

Ausländeranteil (1,9 Mio. Ausländer unter

7,9 Mio. Einwohnern), aber dieser Umstand

hat nur sehr selten einen literarischen Niederschlag

gefunden. Liljana Pandeva holt hier etwas

nach, sei es mit kleinen Sticheleien, sei es

mit erzkomischen Storys, in denen Schweizer

Ordnungsfanatismus zu einem hohen Lottogewinn

führt. („Sie sind schon komisch, diese

Schweizer. Über sich selber geben sie nichts

preis, aber über andere wollen sie absolut alles

erfahren.“)

Wie schon bei früheren Büchern von Liljana

Pandeva sind auch bei dem „Balkanexpress“

Sprache und Darstellungsweise das

eigentliche Anziehungsmoment. Bei dieser

Autorin weiß der Leser nie, „wie es weitergehen

wird“, denn sie hat die Hände voll

sprachlicher und gestalterischer „Joker“, die

sie im gegebenen Moment ausspielt, um

Handlungen und Dialoge in neue und unerwartete

Richtungen zu dirigieren.

Liljana Pandeva

im Wieser Verlag:

ISBN: 978-3-99029-012-5

lIljAnA PAnDeVA

Liljana Pandeva wurde 1964

(als Liljana Maldarevska)

in Novo Selo, in Südost-

Makedonien geboren. Zehn

Jahre lebte die Familie an

der Adriaküste, in Kroatien

absolvierte Liljana Grund-

und Oberschule, dann zog

sie mit ihren Eltern nach

Skopje (Republik Makedonien).

An der Philologischen

Fakultät der „Kyrill- und

Method-Universität“ Skopje

absolvierte sie erfolgreich

den Studiengang „Jugoslawische

Literatur und

makedonische Sprache“

und immatrikulierte 1989

für „Postdiplomstudien“

an der Universität Zagreb.

Der Bürgerkrieg in Ex-

Jugoslawien unterbrach ihre

weiterführenden Studien,

die sie dann im heimatlichen

Skopje beendete. Mit

einem Essay über Tradition

und Innovation in der

makedonische Poesie

erwarb sie den akademischen

Grad einer Magistra.

Dann verbrachte sie

zwei Jahre in der Schweiz.

Nach der Rückkehr nach

Makedonien war sie lange

Jahre in der Redaktion

der Zeitschrift „Odbrana“

(Verteidigung) tätig, danach

wechselte sie in die Verlagsabteilung

der Militärakademie

und arbeitet derzeit als

Beraterin für internationale

Beziehungen im Innenministerium

Makedoniens.

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© Photo Studio Dicho


© Ernst Brauner

Menschen leben meist nicht nur ihr kleines individuelles Leben,

sondern setzen sich in Beziehung zu irgendwelchen ihnen bekannt

gewordenen Archetypen, Gestalten aus Historien oder Sagenwelten

oder auch nur Prominenz und Pseudoprominenz aus Fernseh-News

und Seitenblicken … und kopieren sie nach bestem Vermögen.

Das sind manchmal heroische Entwürfe, manchmal nur Parodien,

gewollte oder ungewollte: Paraphrasen sind es immer.


srinagar

und andere nacherzählungen

ca. 200 Seiten, gebunden, Lesebändchen

EUR 21,00 / sfr 30,50 · ISBN 978-3-99029-071-2

Srinagar ist eine Stadt in Kaschmir, wo nach

dem Glauben einer islamischen Sekte Jesus,

der ja als einer ihrer Propheten gilt, begraben

ist. Also nicht, wie fälschlich berichtet,

am Kreuz gestorben, sondern aus dem Grab

in Jerusalem, das ja später tatsächlich leer gefunden

worden ist, nach Srinagar entkommen

und nach langer fruchtbarer Lehrtätigkeit in

einer noch heute zu besichtigenden Gruft bestattet

wurde. Historie? Oder eine der zahllosen

„Nacherzählungen“, mit denen wir Menschen

unser Leben meist nach irgendwelchen

Archetypen, nach überlieferten Mythen und

Märchen oder gar nur nach den flimmernden

Bildern irgendwelcher Fernsehshows nachzuleben

versuchen?

© Mayü Belba

ernst brAUner

Geboren 1928 in Wien;

Studium der Philosophie,

Germanistik, Theaterwissenschaften;

als Chefredakteur

und Verlagsleiter in der

Medienbranche tätig.

Zuletzt bei Wieser:

Struldbrugs. Eine Chronik

aus den ersten Jahrzehnten

des dritten Jahrtausends

(2008), Die wundersame

Päpstin. Ein Schelmenroman

(2009). Jenseits

von Sodom (2010),

Die Mühlfelds (2011),

O Böhmerwald! (2012).

An einem vielfach verästelten Flusslauf und kleinen in sich selbst mündenden Kanälen gelegen, ist Srinagar eine Stadt mit

meist hölzernen schmalen Häusern, drei bis vier Stockwerke hoch, versehen mit reich geschnitzten Lauben und malerisch

schwankenden Balkonen. Die Straßen sind eng und vollgepackt mit zur Schau gestellten Tüchern und Teppichen, mit Körben

und Säcken voll Gemüse und Getreide, mit Pappe und Papier, mit hölzernen Werkzeugen und eisernen Stiften und Maschinen,

die aussehen, als wären sie schon vor tausend Jahren gebraucht worden oder könnten vielleicht erst in tausend Jahren gebraucht

werden. Früher wurde die Stadt auch Suridschanagar genannt, das heißt Sonnenstadt, denn hier erhob sich, neben zahlreichen

Moscheen, bunten Hindutempeln und buddhistischen Klöstern, die Sommerresidenz des Maharadschas von Kaschmir. Aber noch

früher, wissen alte Lieder und Überlieferungen, soll sich an dieser Stelle das Paradies befunden haben, die Wiege des Menschengeschlechts.

Beatrix und Ernst Brauner mit

Elke Beneke an Bord des „Wieser-

Patenschiffes“ im Limski-Kanal

© Mayü Belba

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© Andreas Staudinger

DIe PYrAMIDen

Von VIsoKo

oder

DInGe MeInes lebens

Inspiriert von antiker „ars memorandi“, der informationsfülle des internets,

sachbüchern und konversationslexika zeichnet dieser „sachroman“

das humorvolle porträt eines alternden mannes, der nach einem brand

in seiner wohnung plötzlich aller objekte ledig ist und vor die entscheidung

gestellt, eine neue beziehung mit einer jüngeren frau einzugehen

oder nicht, über die rekonstruktion der „dinge seines lebens“ ebendieses

wiederfinden will. so nebenbei entsteht dabei auch eine sehr private sozialgeschichte

der letzten fünfzig jahre, denn jeder „gegenstand“ wird augenzwinkernd

sowohl sachlich als auch privat dingfest gemacht.

in form einer skurril-poetischen privat-enzyklopädie von A bis Z (von

ABC FIBEL bis zu ZETTELs traum), die die unterschiedlichsten literarischen

gattungen vom prosatext, fragebogen, liste, märchen, monolog,

gedicht bis hin zum dramolett umfasst, bewegt sich der leser durch von

zahllosen dingen inspirierte gefühlswelten des erzählers und hat dabei die

möglichkeit, sich aus diesen bausteinen „seinen“ dingroman selber zusammenzustellen.

falls er das will (aber leser müssen ja grundsätzlich gar

nichts).

12 | Herbst ’13

Sachroman, ca. 350 Seiten, gebunden, Lesebändchen

EUR 21,00 / sfr 30,50 · ISBN 978-3-99029-079-8

E

EHERING

der ehering ist eine verblasste form der sklavenkette, mit der man

den anderen fesselt und an sich bindet. ehe hat stets etwas mit

besitzverhältnissen zu tun und der ring (die miniaturform der kette)

ist das sichtbare symbol dafür.

AnDreAs stAUDInGer

1956 in scharnstein/oö geboren; studium der germanistik, geschichte und publizistik in salzburg;

kuratiert seit 2011; in st.marein/neumarkt das ANDERE heimatmuseum /baustelle schloss lind,

autor, regisseur; zahlreiche ortsspezifische theaterprojekte im in- und ausland


ca. 350 Seiten, gebunden, Lesebändchen

EUR 21,00 / sfr 30,50 · ISBN 978-3-99029-077-4

Siehe auch: Belgrad für Ausländer

(Wieser Herbst 2013)

jahrhundert

Der Roman Jahrhundert von Aleksandar Gatalica wurde in Serbien mit

dem prestigeträchtigen Ivo-Andrić-Preis ausgezeichnet und übertrifft

nach Ansicht nicht nur serbischer, sondern auch italienischer Kritiker

Mein Jahrhundert von Günter Grass, das einen ähnlich ehrgeizigen

Ansatz verfolgt, ein fesselndes Gesamtbild des zwanzigsten Jahrhunderts

entstehen zu lassen. Ungewöhnliche Ereignisse und Gestalten, historische

wie erfundene, schildert Gatalica in seinen Geschichten für jedes einzelne

der Jahre, aus denen sich dieses unglaubliche, katastrophale Jahrhundert

zusammensetzt, das uns doch unwiderstehlich in seinen Bann zieht. Mehr

als hundert Erzählungen fügt der zeitliche Rahmen zu einem Buch zusammen,

das der serbischen Literatur am Ende des vergangenen Jahrhunderts

seinen Stempel aufgedrückt hat.

Jahrhundert gestaltet literarisch nicht nur die Menschheitsgeschichte in

einem Zeitraum von hundert Jahren. Es ist auch eine Geschichte der Ideen,

Irrtümer, Subkulturen und nicht zuletzt eine Geschichte des kleinen

Mannes, der sich in der Zeit, in der er lebt, nicht zurechtfindet. Wenn es

ein Buch gibt, in dem kein Ereignis, keine die Epoche bewegende Frage

übergangen worden ist, dann ist es Jahrhundert, eine Geschichte in hundert

Erzählungen.

Aus dem Serbischen übersetzt von: Gudrun Krivokapić, geb. Bartels,

studierte Geschichte, Anglistik, Germanistik in Göttingen, München und

Belgrad. Arbeitete als Lektorin für deutsche Sprache an der Universität

Belgrad, als Übersetzerin und Simultandolmetscherin, als Bibliothekarin

im Goethe-Institut Belgrad.

Buchübersetzungen der letzten Jahre: Welterbe: Serbien, 2010; Miroslav

Timotijević: Die Geburt der modernen Privatheit, 2011; Dušan Ivanić: Serben

in Leipzig, 2011 (zusammen mit anderen).

Sonstiges (Auswahl): Goran Marković: Der Fälscher, 2010 (Theaterstück

und Filmdrehbuch); Boris Mitić: Auf Wiedersehen, wie geht’s (Dokumentarfilm

über serbische Aphorismen, für arte), 2010; Balša Brković:

Das tägliche zwanzigste Jahrhundert (Die Horen 239), 2010; Aleksandar

Gatalica: Inspektor Voland (Die Horen 239), 2010

Ins Serbische: Hans Magnus Enzensberger: Abeceda krize (Das Alphabet

der Krise), 2011

AleKsAnDAr GAtAlIcA

Geboren 1964 in Belgrad. Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Universität

Belgrad. Schriftsteller, Übersetzer aus dem Altgriechischen, Literatur- und Musikkritiker. Vorstandsmitglied des Serbischen

PEN-Zentrums; stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Bewegung in Serbien. Veröffentlichte Romane:

Linije života (Lebenslinien), 1993, ausgezeichnet mit dem Miloš-Crnjanski- und dem Giorgio-la-Pira-Preis; Naličja

(Kehrseiten), 1995; Kraj (Das Ende), 2001; Euripidova smrt (Der Tod des Euripides), 2002; Nevidljivi (Die Unsicht-

Gatalica

baren), 2008; Veliki rat (Der große Krieg), 2012, NIN-Literaturpreis, Ivo-Andrić-Preis und Meša-Selimović-Preis.

Erzählungszyklen: Mimikrije (Mimikry), 1996; Vek (Jahrhundert), 1999, ausgezeichnet mit dem Ivo-Andrić-Preis und

dem italienischen Umberto-Saba-Preis); Beograd za strance (Belgrad für Ausländer), 2004; Dijalog sa opsenama (Dialog

Aleksandar

mit Trugbildern), 2006 und Dnevnik poraženih neimara (Tagebuch der besiegten Baumeister), 2006. ©

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ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck

EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-072-9

cHrIstIne zUccHellI: geboren 1962 in Hall in Tirol; studierte Europäische Ethnologie und Sprachwissenschaften in Innsbruck und Dublin,

und verbindet heute als freiberufliche Autorin kulturwissenschaftlicher Bücher ihre Freude am Reisen mit der Leidenschaft für Erzähltraditionen,

Literatur und Fotografie; häufige, ausgedehnte Aufenthalte in Südosteuropa, u. a. in Albanien. Lebt derzeit in Innsbruck.

ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck

EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-074-3

14 | Herbst ’13

EUROPA ERLESEN

Albanien/Shqipëria

Albanien berührt: mit wilder landschaftlicher Schönheit, herzlicher Gastlichkeit,

dem allgegenwärtigen Kontrast zwischen gelebter Tradition und Moderne

– und mit einer Realität, die so gar nicht dem gängigen Bild eines rauen,

verschlossenen Landes am Rand Europas entspricht.

Gedichte und Auszüge aus Prosawerken albanischer Autorinnen und Autoren,

traditionelle Erzählungen und Passagen aus älteren und neuen Reisebeschreibungen

laden zur literarischen Spurensuche, öffnen bei der Wanderung

durch Landschaften, Dörfer und Städte Fenster in eine bewegte Vergangenheit

und lassen erahnen, wie die Menschen ihr Alltagsleben im Spannungsfeld zwischen

Gestern und Heute meistern.

Mit Texten von: Dritëro Agolli, Fatos Arapi, George Gordon Lord Byron,

Hugo Adolf Bernatzik, Martin Camaj, Aleks Çaçi, Evlija Çelebi, Gerda Dalipaj,

Mary Edith Durham, Gjergj Fishta, Marie Amelie Freiin von Godin,

Lindita Arapi, Harry Hamm, Peter Handke, Carola Hoffmeister, Helena und

Ismail Kadare, Ardian Klosi, Fatos Kogoli, Christine von Kohl, Maruša

Krese, Barbara Maier, Kristo Maloki, Kim Mehmeti, Lovro Mihačević, Hilë

Mosi, Franz Baron Nopcsa, Ali Podrimja, Lasgush Poradeci, Joseph Roth, Brikena

Smajli, Karl Steinmetz, Dierk Stich, Parid Tefereçi, Pashko Vasa, Ekrem Bey

Vlora, Ornela Vorpsi, Lojze Wieser, Kate Xukaro, Visar Zhiti u. a.

Villach/Beljak

An der schnittstelle von drei, gar vier kulturen, wenn man zur slowenischen,

fruilanischen und deutschen auch die italienische nimmt; am rande der

auslaufenden alpen und am übergang zum mediterran gelegen ist sie – nicht

nur – der größte verschiebebahnhof des südens; kulturscheide und wohnstätte

von paracelsus, die geburtsstätte der nachkriegsliteraturzeitschrift „bogen“, in

der h. c. artmann über pfabigan bis hans leb ihre beiträge veröffentlichten und

h. p. maya seine ersten bilder abdruckte; villach/belak, jene stadt, die es dem verstorbenen

humbert fink übel genommen hat, dass er sie 1958 schroff aus ihrem

nachkriegsschlaf geweckt hat. und doch eine stadt, von wo aus man europa auch

entdecken kann, besinnt man sich der kulturellen vielfältigen ausdrücke, die hier

auch ihre wiege haben.

„Man sagt, dass das Lächeln dieser Stadt von so südlich-romanisch-slawischer

Zugeneigtheit sei, dass dem übrigen Land nichts anderes übrig bleibe, als in

dieses Lachen miteinzustimmen. Und dass der Himmel hier schon jene andere,

intensivere Bläue demonstriere, die man für gewöhnlich erst einige Eisenbahnstunden

weiter südlich vorfinde. Und dass Lebensart und Lebenslust zwar nicht

gerade romanisch oder slawisch wären, aber keinesfalls auch so rein deutsch, keinesfalls

so deutschnational, wie manche Unentwegte dies wahrhaben möchten.“

Humbert Fink

lojze WIeser: 1954 geboren, lebt als Verleger in Klagenfurt/Celovec und legt den Schwerpunkt seines Programms auf südosteuropäische Literatur.

Die Reihe Europa erlesen und die Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens erreichten Kultstatus.

VInzenz jobst: Professor, geboren 1949 in Klagenfurt; lebt und arbeitet in Klagenfurt. Publikationen zur Sozial- und Regionalgeschichte Kärntens;

Biografien; Anthologien; Essays und literarische Beiträge.


ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck

EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-073-6

EUROPA ERLESEN

Donaudelta

Das Donaudelta ist ein letztes großes Geschenk, das die ‚schöne blaue

Donau‘ dem Festland darbringt, bevor sie ihre Fluten mit dem Schwarzen

Meer vereinigt“, schreibt der rumänische Autor Eugen Panighianţ. Nur wenige

europäische Landschaften weisen auf einer so kleinen Fläche einen derartigen

Reichtum an Ökosystemen, Tier- und Pflanzenarten auf wie das Donaudelta.

Seit Menschengedenken ist die Region im und um das Delta besiedelt:

Geten, Kimmerer, Skyten, Griechen, anschließend Römer, Byzantiner, Bulgaren,

Walachen und Osmanen, schließlich Armenier, Roma, griechische und jüdische

Händler, russische Lipowaner und ukrainische Kosaken.

Dutzende Autorinnen und Autoren unterschiedlicher ethnischer Herkunft

aus zwei Jahrtausenden folgen den vielfältigen Spuren in Lebensweisen, Alltagskultur

und Natur, am Wasser und auf dem Wasser, in Fischersiedlungen, Dörfern

und Kleinstädten. So entsteht ein prachtvoller Mikrokosmos voller Buntheit

und Facettenreichtum.

Mit Texten von: Gellu Naum, Oscar Walter Cisek, Richard Wagner, Claudio Magris,

László Mészáros, Gertrud Fussenegger, Hertha Kräftner, Plinius Maior, Ingeborg

Bachmann, Franz Grillparzer, Adelbert Müller, Jules Verne, Dan Grigorescu,

Mella Waldstein, Demetru Popescu, Péter Esterházy, Karl-Markus Gauß, Joscha

Remus, Felix Kanitz, Petru Dumitriu, Dejan Medaković, Fănuş Neagu, Hans Slanar,

Dana Grigorcea, Alexander F. Heksch, Rudolf Fabry, Ernst Trost, Martin Graff,

Sigmund von Birken, Oskar Ludwig, Bernhard Wolff, Johann Hehl u. a.

cHrIstIAn FrIDrIcH: Professor an der Pädagogischen Hochschule Wien, Leiter des Fachbereichs Geografie und Wirtschaftskunde, Lehrbeauftragter

an der Universität Graz, Autor und (Mit-)Herausgeber von Fachaufsätzen, Zeitschriften und Büchern. Begeisterter Bücherwurm, Fotograf und

Reisender – an der Donau von den Quellen bis zum Delta. Lebt im Weinviertel und hat vier Kinder. Zuletzt bei Wieser in der Reihe „Europa erlesen“

erschienen: Donau.

ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck

EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-075-0

Gottschee

Die Gottschee, das ist der Märchenwald, die Heimat der Schlangenkönigin und

des Pilichmandle (Bilchenmännchens), Zufluchtsort von Waldfrauen und

Riesen. Tief in den Grotten des Karstfeldes liegt der Shidlschtoin (Siedelstein) verborgen,

der jedem, der ihn findet, Glück und schnellen Reichtum verspricht.

Die Gottschee ist geprägt durch das Leben mit dem und gegen den Wald. Eine

Geschichte, die um 1330 mit der Ansiedelung Kärntner und Osttiroler Bauern auf

slowenischem Gebiet beginnt und sich über 700 Jahre erstreckt – erzählt, gesungen

und gebetet auf „Gottscheerisch“. In der Abgeschiedenheit ihrer durch den Wald

bedingten Isolation sprachen und sprechen die Gottscheer eine Mundart des Deutschen,

die die Zuhörer ins Mittelalter zurückversetzt.

Aber die Gottschee, das sind auch der Hunger, die Auswanderung, Unterdrückung

und Assimilation, Geschichten und Geschichte von Verfolgung, Widerstand,

Kollaboration, Mord, Umsiedelung und Vertreibung.

Es ist still geworden in der Gottschee. Der Wald holt sich seinen Raum zurück

– verschlingt wieder was ihm einst abgerungen. Was bleibt, ist Erinnerung,

Nachdenken und Neudenken. Was bleibt sind Lieder, Märchen, Gebete und die

Hoffnung, dass mehr zurück bleibt, als der schweigende Wald.

Mit Texten von: Karl-Markus Gauß, Adolf Hauffen, Martin Pollack, Sandra Blum,

Erich Petschauer, Anton Alexander Graf von Auersperg, Hugo Grothe, Tanja Malle,

Mitja Ferenc, Jakob und Wilhelm Grimm, Johann Weichhard Freiherr von Valvasor,

Igor Mekina, Maridi Tscherne, Ingrid Kaiser-Kaplaner, Wilhelm Tschinkel u. a.

jAKob GrollItscH: 1980 in Klagenfurt geboren, in Wien Kultur- und Sozialanthropologie studiert. Als Kindergärtner, Zeitungsausträger,

Stromableser, Fernsehverkäufer und Sozialarbeiter beschäftigt gewesen, schließlich nach Rückkehr ins Herkunftsbundesland im Wieser Verlag eine

Heimat gefunden.

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silba, oder die alljährliche

reise ins Paradies

Im Buch wird die frühe Verbindung zweier grundverschiedener sozialer,

politischer und gesellschaftlicher Systeme in den Erinnerungen des Autors

dargestellt, der diese in den Kinder- und Jugendtagen sowohl in Wien

als auch in Zagreb, wie eben auch, und dies prägte ihn am meisten, auf der

Insel Silba in Dalmatien erlebte. Diese Reise war über viele Jahre der Höhepunkt

des Jahres im Leben von Michael Ellenbogen und seiner Familie.

Einzelne Kapitel in den Erinnerungen, wie beispielsweise die für heutige

Begriffe beschwerliche Reise von Wien in die Hafenstadt Rijeka, waren

nicht nur nachhaltige Ereignisse, sondern eine Art früher Sozialisierungsprozess,

der dem Kind und Jugendlichen die vielen Facetten gesellschaftlicher

Unterschiede auf eine faszinierende Weise vermittelte, ohne negative

Prägungen in irgendeiner Art und Weise zu verursachen. Man lernte die

Heimat der Familie des Autors mütterlicherseits sozusagen spielerisch und

mit vielen positiven Eindrücken verbunden kennen und suchte in der Folge

in Wien bis heute nach ethnischen Anknüpfungspunkten.

16 | Herbst ’13

ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck

EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-076-7

Eine Reise mit dem Auto über die Wechselbundesstraße war

in den 60er, 70er und auch noch in der ersten Hälfte der 80er Jahre

ein einprägsames und mit einigen Pausen verbundenes Erlebnis.

Der Urlaub begann für den Autor in seinen Kinder- und Jugendtagen

bereits beim Einsteigen in das Auto vor dem elterlichen Haus in Wien.

MIcHAel ellenboGen

Geboren am 18.6.1962 in Wien-Penzing, Schulausbildung in Wien absolviert, Studium der Politikwissenschaft an

der Universität Wien, Abschluss Bachelor of Arts, danach multidisziplinäres Masterstudium Balkanwissenschaften

als Lehrgang des IDM (Institut für den Donauraum) und der Universität Wien abgeschlossen. Seit 1993 als freier

Journalist in Wien tätig, Mutter gebürtige Zagreberin, daher zweisprachig deutsch und kroatisch in Wien aufgewachsen,

Vater aus Wien, eine Schwester, ein Sohn, Maximilian, geboren 1993. Wesentliche Bereiche der Berichte,

Reportagen und Artikel beinhalten den Themenbereich Kroatien, aus historischer, kultureller, ethnologischer, sozialer

und wirtschaftlicher Sicht, und hier insbesondere den Landesteil Dalmatien und die Insel Silba.

© Michael Ellenbogen EUROPA ERLESEN LITERATURSCHAUPLATZ


ca. 120 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck

EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-081-1

Siehe auch: Jahrhundert

(Wieser Herbst 2013)

EUROPA ERLESEN LITERATURSCHAUPLATZ

belgrad für Ausländer

Diese Geschichte kann nicht erzählt werden, denn um sie zu Ende zu

erzählen, müsste jemand bis auf den Grund der königlichen Donau

hinabtauchen, an der Achsel der Jungfrau Save vorbeischnorcheln, den

Geschmack des Schlammes kosten, das Kitzeln von Barsch und Wels spüren,

die Strömungen der Flüsse und alle Ertrunkenen, die mit Steinen um

den Hals am Boden liegen, kennenlernen.“

Der Belgrader Taucher Gatalica stellt den Lesern durch die magischtragischen

Schicksale seiner imaginären Gestalten historisch reale Belgrader

Epochen, Stadtteile und Menschenschläge vor. Man wird in eine turbulente

Phantasiewelt entführt, möchte aber am liebsten schon während

der Lektüre nach Belgrad reisen, um weitere schräge Vögel aufzuspüren,

die dort ihr Unwesen treiben. Ein Handbuch für die Mutigen und Neugierigen.

Aus dem Serbischen übersetzt von: Elvira Veselinović, geb. 1971 in

Dessau, aufgewachsen im mittlerweile ehemaligen Jugoslawien; Linguistin

– seit 2002 promoviert; Übersetzerin – seit 2007 staatlich geprüft. Studium

der Sprachwissenschaft, klassischen Philologie und Keltologie an den

Universitäten Köln, Bonn und Galway (Irland). Serbischlehrerin am Bundessprachenamt

Hürth, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität

zu Köln, Irisch-(Gälisch)-Dozentin am Studienhaus für keltische Sprachen

und Kulturen in Königswinter, wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl

für Anglistik der Universität Potsdam, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-

Dozentin im Sprachenatelier Berlin. Seit 2006 als freiberufliche Übersetzerin,

Dolmetscherin und Lektorin in Berlin tätig.

AleKsAnDAr GAtAlIcA

Geboren 1964 in Belgrad. Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Universität

Belgrad. Schriftsteller, Übersetzer aus dem Altgriechischen, Literatur- und Musikkritiker. Vorstandsmitglied des Serbischen

PEN-Zentrums; stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Bewegung in Serbien. Veröffentlichte Romane:

Linije života (Lebenslinien), 1993, ausgezeichnet mit dem Miloš-Crnjanski- und dem Giorgio-la-Pira-Preis; Naličja

(Kehrseiten), 1995; Kraj (Das Ende), 2001; Euripidova smrt (Der Tod des Euripides), 2002; Nevidljivi (Die Unsicht-

Gatalica

baren), 2008; Veliki rat (Der große Krieg), 2012, NIN-Literaturpreis, Ivo-Andrić-Preis und Meša-Selimović-Preis.

Erzählungszyklen: Mimikrije (Mimikry), 1996; Vek (Jahrhundert), 1999, ausgezeichnet mit dem Ivo-Andrić-Preis und

dem italienischen Umberto-Saba-Preis); Beograd za strance (Belgrad für Ausländer), 2004; Dijalog sa opsenama (Dialog

Aleksandar

mit Trugbildern), 2006 und Dnevnik poraženih neimara (Tagebuch der besiegten Baumeister), 2006. ©

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Parzival

ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck

Ins Neuhochdeutsche übertragen von Franz Viktor Spechtler

EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-075-0

Mit seiner komplexen Sinnstruktur und

der aufwendigen erzählerischen Komposition

ist der Parzival keine ‚leichte Lektüre‘,

dennoch kann dem Werk mit über 80

überlieferten Textzeugnissen eine einzigartige

Wirkungsgeschichte im Mittelalter nachgesagt

werden. Wolfram von Eschenbach verarbeitet

alle geläufigen Problemstellungen

seiner literarischen Epoche – teilweise kritisch

ironisierend, teilweise für seine Zeit neuartig

zuspitzend; dem Roman kommt damit exemplarische

Bedeutung für die Themenkomplexe

der höfischen Literatur insgesamt zu.

Der Autor verfolgt parallel zum Hauptgeschehen

um Parzival eine Vielzahl von wei-

teren Handlungssträngen. In immer neuen

‚Würfelwürfen‘ (schanzen – Metapher Wolframs

im Prolog des Parzival in Bezug auf sein

eigenes narratives Verfahren) spielt er die politischen,

gesellschaftlichen und religiösen Probleme,

vor die sich Parzival gestellt sieht, mit

anderen Protagonisten durch und entfaltet

die Romanhandlung so zu einer umfassenden

Anthropologie.

Wolfram selbst war sich dessen bewusst,

dass seine oft sprunghafte, bildreich assoziierende

Erzählweise neu und ungewöhnlich

war; er vergleicht sie mit dem ‚Hakenschlagen

eines Hasen auf der Flucht vor Ignoranten‘.

Der Parzival folgt einer Doppelromanstruktur

mit einem langen Prolog. Nach den

ersten beiden Büchern, die sich der Vorgeschichte

der Haupthandlung widmen, also

den Abenteuern Gahmurets, Parzivals Vater,

beginnt Wolfram von der Kindheit seines

Protagonisten zu erzählen. Es folgt später der

Wechsel zur Gawan-Handlung, die durch den

Besuch Parzivals beim Einsiedler Trevrizent

unterbrochen und anschließend wieder aufgenommen

wird. Der Inhalt der beiden letzten

Bücher ist Parzival gewidmet.

Hauptquelle des Parzival ist der unvollendete

Versroman Perceval le Gallois ou le conte

du Graal/Li contes del Graal von Chrétien de

Troyes, entstanden zwischen 1180 und 1190.

Wolfram selbst distanziert sich im Epilog

überraschend von Chrétien, nennt dagegen

mehrfach das Werk eines gewissen ‚Kyot‘ als

Vorlage und versieht diese auch noch mit

einer abenteuerlichen Entstehungsgeschichte.

Da aber ein solcher ‚Kyot‘ außerhalb von

Wolframs Dichtung nicht identifiziert werden

konnte, sind diese Angaben eher als literarische

Koketterie des Autors und Kyot als

Quellenfiktion einzuordnen.

FrAnz VIKtor

sPecHtler

ist Professor für Ältere

Deutsche Sprache und

Literatur an der Universität

Salzburg und Spezialist

für mittelhochdeutsche

Dichtung Österreichs. Er

habilitierte mit einer Arbeit

zu Ulrich von Liechtenstein

und transkribierte dessen

Dichtungen »Frauendienst«

und »Frauenbuch«. Spechtler

ist Verfasser zahlreicher

Monographien und Aufsätze

zu verschiedenen mediävistischen

Themen.

Bei Wieser erschienen:

Ulrich von Liechtenstein

(2000), Walther von der

Vogelweide (2003), Mönch

von Salzburg (2004); ferner

gemeinsam mit Barbara

Maier: Ich – Ulrich von

Liechtenstein. Literatur

und Politik im Mittelalter

(1999), Oswald von Wolkenstein

(2007), Neidhard, der

freche Dichter aus Österreich

(2013).

Peter Handke meinte einmal in einem Gespräch, dass Parzival

wohl der wichtigste Roman der Weltliteratur sei

und er sich freuen würde, wenn er für den heutigen Gebrauch

neu übersetzt vorliegen würde.

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Die Slowenische Bibliothek ist ein

gemeinsames Projekt der Verlage

Drava, Mohorjeva/Hermagoras und

Wieser in Klagenfurt/Celovec

ISBN 978-3-99029-059-0

ISBN 978-3-99029-060-6

ISBN 978-3-99029-061-3

ISBN 978-3-99029-062-0

ISBN 978-3-99029-063-7

PROGRAMM

The 5-Star-SPA in Bad Kleinkirchheim

Thermenhotel Ronacher

Familie Ronacher

Thermenstraße 3

9546 Bad Kleinkirchheim

Kärnten/Austria

+43 (0) 42 40 282 Fax - 606

1. GASTSPIELWOCHE

thermenhotel@ronacher.com

www.ronacher.com

Mo 20. 5. MAXIMILIAN SCHELL „Ich fl iege über dunkle Täler“

Erinnerungen

Do 23. 5. BRIGITTE KARNER & DANIEL GLATTAUER

PETER SIMONISCHEK „Gut gegen Nordwind“

So 26. 5. CHRIS PICHLER ROMY SCHNEIDER

„2 Gesichter einer Frau“

2. GASTSPIELWOCHE

Sa 1. 6. RUFUS BECK spielt und spricht

am Akkordeon WENEDIKT JEROFEJEW:

Maria Reiter „Die Reise nach Petuschki“

3. GASTSPIELWOCHE

The 5-Star-SPA in Bad Kleinkirchheim

Thermenhotel Ronacher

Familie Ronacher

Thermenstraße 3

9546 Bad Kleinkirchheim

Kärnten/Austria

+43 (0) 42 40 282 Fax - 606

thermenhotel@ronacher.com

www.ronacher.com

Mo 3. 6. TOBIAS MORETTI „Münchhausen“

Mi 5. 6. JULIA VON MILLER & „Best of Pearls“

„STRING OF PEARLS“

So 9. 6. WERNER SCHNEYDER „Meine Lieder“

Des Satirikers andere Seite

4. GASTSPIELWOCHE

Mi 12. 6. MICHAEL QUAST

mit Philipp Mosetter

GOETHE FAUST I

kommentierte Darbietung

Fr 14. 6. BIRGIT

MINICHMAYR

ELFRIEDE JELINEK

„Erlkönigin“

KUNSTZUGAST GALERIE HEIKE CURTZE

im Ronacher Kunstraum

20. 5. CHRISTIAN LUDWIG AUSSTELLUNG

– 30. 6. ATTERSEE „Feuchten der Malerei“

Kleines Werksquer 2003-2013

Vernissage: 23. Mai, 18 Uhr

www.ronacher.com

The 5-Star-SPA in Bad Kleinkirchheim

Thermenhotel Ronacher

Familie Ronacher

Thermenstraße 3

9546 Bad Kleinkirchheim

Kärnten/Austria

+43 (0) 42 40 282 Fax - 606

thermenhotel@ronacher.com

www.ronacher.com

ORT Thermenhotel Ronacher, Thermenstraße 3, 9546 Bad Kleinkirchheim

In der Festspiel-Galerie.

BEGINN Aufführung: 20.30 Uhr, freie Platzwahl, Einlass ab 20 Uhr

Nach der Aufführung: „Meet and Greet” mit den Künstlern

in der Bar-Lounge.

AUSSTELLUNG und GENUSS-SHOP – geöffnet bis 23 Uhr.

KARTEN Als Benefi t für Ronacher Gäste im Nächtigungstarif inkludiert.

(Reservierung erforderlich)

RESTKARTEN limitiert: Vorverkauf € 30,– Abendkassa € 40,-

Kartenreservierungen und Programmheft: an der Hotelrezeption

oder per Tel. +43 (0) 4240 282, Fax -606, thermenhotel@ronacher.com

EXTRA für Tagesgäste auf Wunsch:

• Hauben „Early“ Dinner, 18 Uhr, inkl. Ticket € 90,–

• Tagespaket: Galafrühstück 7-12 Uhr, 4.500 m² Thermen- u. Saunawelt

mit Einzelkabine, Bademantel, Handtücher und Tasche, Hauben „Early”

Dinner, Garagenplatz in Autoresidenz, inkl. Ticket € 160,–


*

* Hilft bei allen politischen und gesellschaftlichen Vergiftungen

*


Architektur des Verbindens

Kaum eine andere Bauwerksart übt mehr Einfluss auf ihre

Umgebung aus als Brücken. Erhard Kargel hat sich deshalb

mit Leib und Seele ihrer Gestaltung verschrieben. Es genügt

ihm nicht, dass seine Bauwerke einfach nur „funktionieren“.

Sie müssen auch sichtbar machen, wie sie das tun, und eine

Symbiose mit ihrem Umfeld eingehen. Erhard Kargel gelingt

es, Ästhetik allein aus der Konstruktion heraus zu entwickeln. Kräfteverläufe

werden offengelegt und damit nachvollziehbar. Das Endprodukt sind

höchst spannende, minimalistische Strukturen, die nicht weiter reduzierbar

sind. 2010 wurde dem Bauingenieur der Kulturpreis des Landes Oberösterreich

für Architektur verliehen.

Erhard Kargel beschäftigt sich seit seinem 14. Lebensjahr intensiv mit

Fotografie. Seine eindrucksvollen Bilder, Handskizzen und prägnanten Texte

geben Einblick in sein Denken. Mit der Lektüre des Buchs wird der Laie

Brücken mit offeneren Augen betrachten und der Fachmann manche wertvolle

Anregung erhalten.

erHArD KArGel

geb. 1942 in Villach, Studium des Bauingenieurwesens

an der Technischen Hochschule Graz, Leiter des Konstruktionsbüros

Mayreder in Linz, Ingenieurkonsulent

und Bürogründung (1996). Entwurf, Planung und

Konstruktion wichtiger Brücken in Europa; zahlreiche

Auszeichnungen, darunter das Goldene Verdienstzeichen

der Republik Österreich (1990), der renommierte Renault

Traffic Future Award (2008) sowie der Kulturpreis des

Landes Oberösterreich für Architektur (2010).

Format 30,5 x 23 cm, 128 Seiten

ca. 150 Abbildungen und Planskizzen, Hardcover

EUR 29,90 / sfr 14,90 · ISBN 978-3-99029-051-4

Wer Brücken bisher als profane Bauwerke betrachtet hat,

der wird sie nach diesem Buch intensiver wahrnehmen.

© Bettina Sohmeikal brückenbauen

22 | Herbst ’13


294 Seiten, Englische Broschur

EUR 19,95 / sfr 28,90 · ISBN 978-3-99029-066-8

Ein Geist geht um in Europa, und dieser Geist

wird – in mehreren Beiträgen – direkt oder indirekt

angesprochen, beschworen oder es wird

ihm – direkt oder indirekt – widersprochen.

Wir sind heute in aller Deutlichkeit zu Zeitzeugen

der Reibung zwischen Vergangenheit und

Zukunft geworden, wie es die Nachkriegsgenerationen

noch nicht erlebt haben. Die weitere

Entwicklung wird über Würde und gegenseitige

Achtung der Menschen untereinander entscheiden

und sie wird auch sichtbar machen, ob die

handelnden Personen und Institutionen imstande

sind, aus der Geschichte zu lernen. Davon

wird abhängen, wie verletzend und zerstörerisch

und wie langwierig dieser Prozess der Reibung

sein wird. Schon 2006 meinte Václav Havel im

Gesprach mit Jirˇi Gruša, dass sich »Europa heute

an einer Art neuen Kreuzung befindet (…),

und es möglich ist, dass sich gewisse Vibrationen,

die wir heute in Mitteleuropa registrieren können,

zu umfassenden Vibrationen auswachsen,

was sowohl gute als auch schlechte Folgen haben

kann (…). Ich würde gerne glauben, dass alles

gut ausgeht (…)«

Aus dem Vorwort des Herausgebers

Edition GEist& GEGEnwart

Demokratische einigung

europas.

Das Hoffen wagen

Die Pfingstdialoge „Geist & Gegenwart“ reflektieren mit hochkarätigen

ReferentInnen die Problemstellungen und Herausforderungen

Europas und den Stand des europäischen Integrationsprozesses und wollen

stets kritische, aber positive Signale setzen. Unter dem Titel „Vereinigte

Staaten von Europa. Hoffen. Wagen.“ tauschen sich namhafte ExpertInnen

und MeinungsbildnerInnen aus und treten in Arbeitskreisen in einen

intensiven Diskurs mit den TeilnehmerInnen.

Gerade angesichts der krisenhaften wirtschaftlichen Entwicklung in

mehreren EU-Mitgliedsstaaten und einer breiter werdenden EU-Skepsis

in der Bevölkerung ist die Frage nach der Zukunft Europas drängender

denn je. Wollen und sollen wir in Zukunft in den Vereinigten Staaten von

Europa leben? Wenn ja, welche Gestalt der Einheit in der Vielfalt sollen

sie haben? Sind sie ein Beitrag zu einem besseren Leben in Europa? Wie

geht es mit dem Projekt Europa in den einzelnen Bereichen weiter? Wie

können die Herzen der BürgerInnen erreicht werden? Wie steht es um die

„Seele“ Europas? Das sind einige der Fragestellungen, mit denen sich der

5. Pfingstdialog im inspirierenden Ambiente von Schloss Seggau auseinandersetzt.

Unter dem Titel Demokratische Einigung Europas. Das Hoffen wagen

versammelte Lojze Wieser Beiträge und Fragen der ReferentInnen, ergänzt

mit Statements und Gedichten, das Thema betreffend.

Mit Beiträgen von: Elmar G. Arneitz, Wolfgang Burtscher, Erhard Busek, Aleš Debeljak,

Christopher Drexler, Martin Eichtinger, Franz Fischler, Ernest Hauer, Sabine Herlitschka,

Franz Heschl, Gerhart Holzinger, Herwig Hösele, Erhard Juritsch, Dževad Karahasan, Michael

Kerbler, Franz Küberl, Richard Kühnel, Gertraud Leimüller, Stephan Maier, Wilhelm Molterer,

Leopold Neuhold, Ewald Nowotny, Matthias Opis, Wolfgang Petritsch, Wolfgang Pribyl,

Manfred Prisching, Julya Rabinowich, Eva Rossmann, Jan Skácel, David Schalko, Susanne

Scholl, Kurt Scholz, Margit Schratzenstaller-Altzinger, Alexander Van der Bellen, Werner Weidenfeld,

Lojze Wieser, Werner Wintersteiner und Werner Wutscher.

Mit Gedichten, Statements und Zitaten von: Siegfried Barones, Christian Buchmann,

David Cameron, Winston Churchill, Daniel Cohn-Bendit, Udo Di Fabio, Kristina Edlinger-Ploder,

Wilfried Eichlseder, Karl-Markus Gauß, Thomas Götz, Oskar Maria Graf, Jürgen

Habermas, Johannes Hahn, Václav Havel, Josef Herk, Jean-Claude Juncker, Harald Kainz,

Egon Kapellari, Kurt Koch, Helmut Kohl, Srečko Kosovel, Miroslav Krleža, Michael Krüger,

Paul Lacroix, Claudio Magris, Norbert Mayer, Robert Menasse, Hermann Miklas, Rudolf

Mitlöhner, Reinhold Mitterlehner, Esther Mitterstieler, Jean Monnet, Christa Neuper, Cees

Nooteboom, Rainer Nowak, Karl P. Pfeiffer, Jochen Pildner-Steinburg, Ali Podrimja, Christian

Purrer, Walter Rotschädl, Michael J. Sandel, Friedrich Santner, Werner Schneyder, Hermann

Schützenhöfer, Karl Schwarzenberg, Klaus Schweighofer, Josef Smolle, Jim Hagemann Snabe,

Michael Spindelegger, Werner Tessmar-Pfohl, Karlheinz Töchterle, Gertrude Tumpel-Gugerell,

Franz Voves, Richard von Weizsäcker und Thomas Wieser.

lojze WIeser

1954 geboren, lebt als Verleger in Klagenfurt/Celovec und legt den

Schwerpunkt seines Programms auf südosteuropäische Literatur. Bei ihm sind

Dozet

über neunhundert Bücher erschienen. Die Reihe Europa erlesen und

Darko

die Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens erreichten Kultstatus. ©

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© Arno Popotnig

Momentum

Arno Popotnig

Dieser Dialog zwischen Kunst und Literatur ist jedoch nicht

allein ein Phänomen der Romantik, sondern bis heute von

Interesse, wohl weil viele Schriftsteller der Malerei eine ihnen verwandte,

tiefer gehende „Wesensschau“ attestieren. Der Schriftsteller

Hugo Ramnek erweitert die Werkmonographie Arno Popotnigs

durch seine Texte, was der Publikation einen neuen Kontext

und Stellenwert gibt. Doch nicht die Erklärung des Bildes sucht der Literat

und schon gar nicht ihre sprachliche Illustration. Zuweilen ist er nah

am Werk, manchmal beneidet der Dichter den Maler, bemerkt zugleich

jedoch auch dessen eigene Suche nach dem Klang der Farben. Es entstand

ein beeindruckender Dialog zwischen den Texten Hugo Ramneks und der

Malerei von Arno Popotnig, die den visuellen Referenzrahmen bildete und

zum Ausgangspunkt der lyrischen Poesie des Schriftstellers wurde.

Silvie Aigner

24 | Herbst ’13

vielleicht

im finstren zimmer

der spiegel

mein bild

wir zwei

verwandelt

vielleicht

ich

96 Seiten (deutsch, slowenisch englisch)

EUR 20,00 / sfr 30,00 · ISBN 978-3-99029-070-5

Der Titel „Momentum“ steht für das Herausnehmen einzelner Sequenzen

eines zeitlichen Kontinuums aus dem ständigen Arbeitsfluss.

Arno PoPotnIG

Geboren 1965 in Görtschach im Gailtal, aufgewachsen im Gailtal, studierte an der Hochschule für angewandte Kunst

in Wien bei Prof. Herbert Tasquil und Prof. Adolf Frohner, lebt und arbeitet in Wien.

Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen seit 1988 siehe Homepage: arnopopotnig.com


Türkisch-Deutsch, ca. 400 Seiten, gebunden

EUR 25,00 / sfr 39,90 · ISBN 978-3-99029-080-4

Deutsch-türkische

Wirtschaftsbeziehungen

eine bestandsaufnahme

Die zweisprachige Beitragssammlung von Fachleuten ist der zweite

Band der Schriftenreihe zu den türkischen bilateralen Wirtschaftsbeziehungen.

Die Herausgeber sind die TOBB Wirtschafts- und Technologieuniversität

(TOBB ETÜ) und die Türkische Forschungsstiftung für

die Wirtschaftspolitik (TEPAV). Beide Institutionen sind Gründungen

der Union der Türkischen Wirtschaftskammern und Börsen (TOBB) und

gelten als elitäre Wissenschaftszentren.

Der Sammelband setzt sich zum Ziel, die wirtschaftlichen Beziehungen

Deutschlands und der Türkei in ihren historischen Grenzen und ihrer momentanen

Stellung als EU-Mitglied bzw. Beitrittskandidat zu bearbeiten

und eine diesbezügliche Bestandsaufnahme zu ermöglichen. Es handelt

sich um ein Nachschlagewerk über die Grundlinien der deutsch-türkischen

Wirtschaftsbeziehungen von gestern bis heute.

Das Buch wird in Zusammenarbeit zwischen dem Wieser Verlag und

dem Verlag Grafiker ltd. Gedruckt und veröffentlicht. Der erste Band war

den österreichisch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen gewidmet.

cHrIstIAn KleInscHMIDt:

Studium der Geschichte, Sozialwissenschaften und Philosophie in Bochum (1. Staatsexamen 1988); Promotion

an der Ruhr-Universität Bochum; Habilitation 2000 an der Ruhr-Universität Bochum; Lehrbeauftragter an der

WHU in Vallendar; Lehrstuhlvertretungen in Münster, Mainz und Dortmund, 2007–2009 Professur für

Kleinschmidt

Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Zeitgeschichte an der Universität Paderborn; seit 2009 Professur für

Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Philipps-Universität Marburg. Forschungsschwerpunkte: Wirtschafts-

Christian

und Unternehmensgeschichte; Marketinggeschichte, Konsumgeschichte. ©

.

InAnç

AtIlGAn:

Studium der Orientalistik und Geschichte an der Universität Wien, Mag. phil., Dr. phil., Mitarbeit an der

Erstellung des „Etymologischen Wörterbuches des Türkeitürkischen“ unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Andreas

Tietze, Tätigkeit in der Abteilung für Internationale Forschungskooperation des Bundesministeriums für

Bildung, Wissenschaft und Kultur. 2005–2007 Ass.-Prof. an der Wirtschafts- und Technologieuniversität der

Union der Türkischen Kammern und Börsen (TOBB-ETÜ), an der Universität Bilkent, an der Universität

Atılgan

Cankaya – Ankara. Generalsekretär der Föderation der Türkischen Hoteliers (TÜROFED). Derzeit Direktor

İnanç

CINtr Wien. Träger des Literaturpreises der Psychoanalyse in der Türkei anlässlich des Freudjahres. ©

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WEEO Band 1.2

Slowakei

Geschichte – Theater – Musik – Sprache – Literatur

– Volkskultur – Bildende Kunst – Slowaken im

Ausland

EUR 49,90 / sfr 66,90 ISBN 978-3-85129-502-3

Miroslav Timotijević

WEEO Band 2.2

Die Geburt der modernen Privatheit

Das Privatleben der Serben in der Habsburgermonarchie

vom Ausgang des 17. bis zum Beginn des

19. Jahrhunderts

EUR 49,90 / sfr 66,90 ISBN 978-3-85129-504-7

Wolfgang Geier

WEEO Band 9.1

Juden in Europa

Historische Skizzen aus zwei Jahrtausenden

EUR 49,90 / sfr 66,90 ISBN 978-3-99029-005-7

WEEO Band 10

Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens

26 | Herbst ’13

ISBN: 3-85129-510

WEEO BAND 11

Europa und die Grenzen im Kopf

Herausgegeben von Karl Kaser, Dagmar Gramshammer-Hohl,

Robert Pichler

EUR 145,00 / sfr 189,00 ISBN 978-3-85129-511-0

In diesem Band wird eine Einführung in die elementaren

Fragen gegeben, die uns heute in der Debatte

um den europäischen demokratischen Einigungsprozess

zunehmend beschäftigen.

WEEO BAND 12

Kontinuitäten und Brüche: Lebensformen –

Alteingesessene – Zuwanderer von 500 bis 1500

Herausgegeben von Karl Kaser, Dagmar Gramshammer-Hohl,

Jan M. Piskorski und Elisabeth Vogel

EUR 145,00 / sfr 189,00 ISBN 978-3-85129-512-2

WEEO Band 18

Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens

Selbstbild und Fremdbilder der Völker des europäischen

Ostens.

Herausgegeben von Karl Kaser

und Martin Prochazka

EUR 145,00 / sfr 189,00 ISBN 978-3-85129-518-8

WEEO Perspektivenband

Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens

Deutsch/Englisch

ISBN 978-3-85129-500-5

Lexikon der Sprachen

des europäischen Ostens und Westens

WIESER ENZYKLOPADIE DER SPRACHEN

DES EUROPÄISCHEN WESTENS

WIESER ENZYKLOPADIE DER SPRACHEN

DES EUROPÄISCHEN WESTENS Band II

WIESER LEXIKON DER SPRACHEN DES

EUROPÄISCHEN OSTENS

Alle drei Bände 297,00 statt einzeln 395,00 Euro /

sfr 514,00 ISBN 978-3-85129-795-9

In diesem großen Werk werden erstmals alle autochthonen

Sprachen Europas wissenschaftlich beschrieben.

Im epochalen LEXIKON DER SPRACHEN

DES EUROPÄISCHEN OSTENS UND WES-

TENS in drei Bänden wird die europäische Vielfalt

W

E

E

O

JudEn

in

EurOpa

wissenschaftlich belegt. Zählt man die 200 Migrantensprachen

in den europäischen Ländern dazu, wird

man sich dessen bewusst, wie vielfältig Europa ist. In

jedem Land Europas werden im Schnitt acht Sprachen

gesprochen.

Die WEEO wird von der Handbibliothek der

WEEO begleitet.

In dieser Handbibliothek wird seltene und schwer

zugängliche Literatur wieder aufgelegt.

Anton Linhart

Handbibliothek der WEEO Band 1

Versuch einer Geschichte von Krain

und den übrigen Ländern der süd lichen

Slaven Österreichs Band 1

EUR 66,00/sfr 88,50 ISBN 978-3-85129-342-8

mit einem Vorwort von Igor Grdina

Anton Linhart

Handbibliothek der WEEO Band 2

Versuch einer Geschichte von Krain

und den übrigen Ländern der

südlichen Slaven Österreichs Band 2

EUR 66,00/sfr 88,50 ISBN 978-3-85129-530-7

Paul Joseph Šafarˇík

Handbibliothek der WEEO Band 3

Geschichte der slawischen Sprache

und Literatur nach allen Mundarten

EUR 66,00/sfr 88,50 ISBN 978-3-85129-531-5

Paul Joseph Šafarˇík

Handbibliothek der WEEO Band 4

Geschichte der südslawischen Literatur

EUR 66,00/sfr 88,50 ISBN 978-3-85129-534-X

Paul Joseph Šafarˇík

Handbibliothek der WEEO Band 5

Geschichte des serbischen Schriftthums

EUR 66,00/sfr 88,50 ISBN 978-3-85129-533-1

9.1


WEEO

WIESER ENZYKLOPÄDIE

DES EUROPÄISCHEN

OSTENS

W

E

E

O

ROma

im

OstEn

EuROpas

9.2

WEEO · Band 9.2

Wieser Enzyklopädie

des europäischen Ostens

EUR 49,90 / sfr 66,90

ISBN 978-3-99029-078-1

WIESER ENZYKLOPÄDIE DES EUROPÄISCHEN OSTENS

roma im osten europas

sozial- und kulturgeschichtliche skizzen

aus fünf jahrhunderten

Weeo · band 9.2

In Anbetracht der mit diesem Themenkreis verbundenen vielfältigen

Schwierigkeiten werden zunächst geo-, ethno- und historiografische

Begriffe erläutert. Das betrifft schon die Wortbildung „südöstliches Europa“

im Unterschied zu den räumlich-zeitlichen Begriffsbedeutungen

„Ostmittel“- und „Osteuropa“ , vielmehr jedoch dann die Bedeutungen

und Bezeichnungen jener Völkerschaften, die über Jahrhunderte mit dem

Sammelbegriff „Zigeuner“ beschrieben, seit einigen Jahrzehnten als Roma

(vorwiegend für diese Bevölkerungen im südöstlichen), Sinti (vorwiegend

für jene im mittleren), Gitanos oder Gypsies (vorwiegend für jene im

westlichen Europa) oder in/nach europäischen Regionen anders bezeichnet

wurden und werden. Hier sind Erklärungen dieser Begriffe, die aus

Selbst- und/oder Fremdbezeichnungen entstanden sowie geo-, ethno- und

historiografisch geprägt sind, angebracht und erforderlich. Das ist auch

deshalb notwendig, um den ursprünglichen völkerkundlich gemeinten

Sammelbegriff „Zigeuner“ von pejorativen Konnotationen, ideologischen,

politischen, rassebiologischen und ähnlichen Instrumentalisierungen zu

lösen, die Annahme oder Ablehnung anderer Bennungen zu erklären.

Manche verwenden die von anderen wiederum als ungenau angesehene

Bezeichnung „Zigeuner“ dennoch oder eben die inzwischen anerkannten

und gebräuchlichen Selbst- und/oder Fremdbezeichnungen. Sowohl im

Sprachgebrauch der betroffenen Bevölkerungen als auch in dem ‚nichtzigeunerischer‘

Öffentlichkeiten gibt es sowohl Eindeutigkeiten als auch

Unsicherheiten und ablehnende Haltungen, die noch zu erläutern sind.

Allerdings helfen manche Bemühungen um eine political or ethnological

correctness hier auch nicht weiter, wie noch zu beschreiben ist.

Nach der zunächst angebrachten Klärung bisher noch verbreiteter

sprachlicher Komplikationen und Irritationen kann die sozial- und kulturgeschichtliche

Darstellung dieser Bevölkerungen mit ihrer Herkunft

und Geschichte begonnen sowie mit ihren Sprachen, Lebensweisen und

Kulturen sowie der Erklärung aktueller Probleme fortgesetzt werden.

WolFGAnG GeIer

Geboren 1937, Dr. phil. habil., Kulturhistoriker, Kultursoziologe; bis 2000

kulturwissenschaftliche Forschung und Lehre, zuletzt Universität Leipzig, seit

2001 Gastprofessor an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt; Monografien

Privat

zur vergleichenden Kulturgeschichte des östlichen und westlichen Europa. ©

| 27


1. Patenfest des Wieser Verlages

I n dem Örtchen Hreli, nur fünfzehn Autominuten von Rovinj

entfernt und mit keinem GPS mehr zu finden, haben Karin

Schorm und Zahra Mani für sich und ihre Gäste ein Refugium zur

Entspannung geschaffen.

Die liebevoll gestalteten Appartements in malerischer Umgebung

und die Herzlichkeit der Gastgeberinnen prädestinierten die

Stancija Mani als Veranstaltungsort des 1. Wieser Verlags Patenfests.

Lojze Wieser hatte vom 26. bis 28. April eingeladen, um sich

bei den Buchpatinnen und -paten des Wieser Verlages zu bedanken,

und sie drei Tage lang kulinarisch, seelisch und intellektuell

zu verwöhnen. Nach einem Willkommens-Abendessen, durch die

Gastgeberinnen ausgerichtet, spazierten die Patinnen und Paten am

Samstag durch den Markt von Rovinj und wurden im Hafen stimmungsvoll

von der Sängerrunde „Rovinjska Batana“ empfangen,

die alte kroatische und in Vulgärlatein gesungene Lieder vortrug.

Selbst während der stürmischen Bootsfahrt in den Limski-Kanal

hörten sie nie auf zu singen und zu musizieren.

Am Ende des Kanals angekommen, kosteten sich die Patinnen

und Paten durch lokale Muschelspezialitäten, die direkt aus dem

Meer geerntet wurden, um sich für die Rückfahrt zu stärken und

sich Appetit zu holen für das Abendessen im Vereinslokal der „Batana“.

Als Höhepunkt des Essens überreichte Lojze Wieser jedem anwesenden

Paten als kleines Dankeschön und als Erinnerung eine

Patenschaftsurkunde des Wieser Verlages. Der Ausklang des kurzen,

aber intensives Festes war ein vom Verleger zubereitetes gemeinsames

Frühstück. Wir hoffen, mit den präsentierten Fotos nicht nur einen

Eindruck von der charmanten und ausgelassenen Atmosphäre des

Patenfests geben zu können, vielmehr auch Dich oder Sie für neue

oder weitere Patenschaften zu begeistern. Denn: Bücher brauchen

Paten! Jakob Grollitsch


„Das schönste sich-Öffnen

ist das erzählen“

Das literarische Buch, sagt man, hat zumindest zwei Geburten:

Die erste ist die Geburt aus der Hand des Scheibenden und

die zweite die aus der Hand des Lesenden. Nachdem es üblich ist,

Geburten mit einer Taufe zu feiern, haben auch wir das getan. Gemeinsam

mit unseren Patinnen und Paten sind wir Ende April nach

Istrien gefahren und haben die Geburten jener Bücher gefeiert, die

durch deren Patenschaft möglich gemacht wurden! Und wir haben,

wie es sich gehört, dabei die Seele baumeln lassen, und uns gefreut,

dass durch das Mitwirken der Patinnen und Paten neue Literatur

das Licht der Welt erblicken konnte.

„Das schönste Sich-Öffnen ist das Erzählen“, sagt Peter Handke

im Gespräch mit Anton Thuswalder. Die Erzählung zum Buch

werden zu lassen, war unser Wunsch. Der Traum, es gemeinsam

mit unseren Bücherpatinnen und -paten zu verwirklichen, ist wahr

geworden.

Wir brauchen mehr denn je Initiativen, die den Menschen

Kultur und Sprache näherbringen. Buchpatinnen und Buchpaten

sind Brückenbauer zum Gegenüber und zu sich selbst. Sie setzen

in einer Zeit des radikalsten Medienwandels seit der Erfindung des

Buchdrucks ein unvergängliches Zeichen und sie helfen mit ihrer

finanziellen Unterstützung, verborgene Schätze der Weltliteratur

zu bergen, sie zugänglich zu machen und sie zu er-lesen!

Ich freue mich heute schon auf das Geburtstagsfest im kommenden

Jahr. Vielleicht treffen wir uns in der Zips bei den Blaudruckerinnen

und folgen den Huzulen in entlegene Gegenden oder

begegnen uns in Bautzen, wo wir in der Poesie von Kito Lorenc der

Melodie der sorbischen Sprache lauschen.

Kommen Sie mit, werden auch Sie Patin, werde auch Du Pate:

Wir wissen, jede Geburt ist neue Hoffnung. Und: Wir wollen das

Hoffen wagen! Lojze Wieser


„Die Buchpatenschaft beim Wieser Verlag – für ein offenes Europa der Kulturen und Literaturen“

http://www.eu-infothek.com/article/buchpatenschaften-mittel-zum-erhalt-der-sprachenvielfalt

Bücher brauchen Paten: Werde Buchpatin! Werde Buchpate!

Seit fünfundzwanzig Jahren baut der Wieser Verlag Brücken zwischen den europäischen Ländern. Rund eintausend Titel

sind in dieser Zeit im Verlag erschienen, über eine Million Bücher haben wir gedruckt – davon viele zum ersten Mal in

deutscher Sprache. Das Wichtigste bei unserer Arbeit war immer, Grenzen zu überwinden: politische Grenzen, aber auch

jene im Kopf. Diesem Grundsatz wollen wir auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten treu bleiben.

Wir wollen uns weiterhin nicht von finanziellen Notwendigkeiten, sondern von inhaltlich wichtigen und richtigen

Projekten leiten lassen. Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten haben wir es geschafft, in den vergangenen Monaten mit

viel Unterstützung unserer Partner schuldenfrei zu werden. So soll es bleiben. Und weiterhin wollen wir – mit Ihrer aktiven

Mitwirkung und Unterstützung – unbekannte Literatur und Erlesenswertes aus verschiedenen literarischen Welten bekannt

machen. Um das aus eigenen Kräften dauerhaft zu schaffen, bieten wir Unterstützerinnen und Unterstützern dieser Idee

eine Möglichkeit zur Beteiligung.

Kultur sollte die Politik ersetzen und das gegenseitige Kennenlernen fördern. An den jüngsten Entwicklungen sieht man,

unsere Arbeit ist noch längst nicht getan. Europa braucht mehr denn je Initiativen, die Kultur und Sprache den Menschen

näherbringen. „Das schönste Sich-Öffnen ist das Erzählen“, sagt Peter Handke im Gespräch mit Anton Thuswaldner.

Es würde uns sehr freuen, wenn viele Menschen Patenschaften für Bücher aus dem laufenden Programm übernehmen

und damit einen wichtigen Beitrag zu einem aufgeschlossenen, offenen Europa der Kulturen und Literaturen leisten.

Jede Patenschaft wird im jeweiligen Buch namentlich und an sichtbarer Stelle angeführt. Die Unterstützung trägt dazu

bei, dass ein Buch einer breiteren Leseschaft bekannt gemacht werden kann. Wir hoffen, durch zahlreiche Patenschaften

auch ein wichtiges Zeichen zu signalisieren: dass verborgene Schätze der Weltliteratur mit Ihrer Hilfe gehoben werden!

Sie oder Ihre Firma können Pate / Patin werden für einen Titel, der Ihrem Interesse und Ihrer Entdeckungslust entgegenkommt,

oder einen, der am Markt wirtschaftlich nicht bestehen könnte, dem Sie aber eine Öffentlichkeit geben möchten.

Für eine Einmalzahlung in den angeführten Kategorien erhalten Sie folgende Gegenleistungen:

„Finanzielle Nöte werden rasch zu kulturellen Nöten“

Börsenblatt, Die Sonntagsfrage; http://www.boersenblatt.net/590893/

❒ Gutenberg-Patin oder -Pate

Platin-Patenschaft € 10.000,–*

zu Ehren des Erfinders der beweglichen Lettern

– Prominente Platzierung des Namens / Unternehmenslogos im

Buchinneren

– Nennung bei der PR-Vermarktung des Buches

– Prominente Nennung im nächsten Verlagskatalog

– 100 Exemplare des Buches der gewählten Patenschaft

– Ein exklusives Abendessen für 12 Personen nach Wahl des

Paten, bei dem der Verleger kocht, liest und diskutiert.

– Teilnahme an einem Verlagsfest für alle Buchpaten (Details

siehe unten)

– Patenschaftsurkunde, signiert von (lebendem/lebender)

Autor/in, Übersetzer/in und Verleger

❒ Primož-Trubar-Patin oder -Pate

Gold-Patenschaft € 5.000,–*

zu Ehren des Verlegers des ersten slowenischen Buches

– Hervorgehobene Platzierung des Namens / Unternehmenslogos

im Buchinneren

– Prominente Nennung im nächsten Verlagskatalog

– 50 Exemplare des Buches der gewählten Patenschaft

– Teilnahme an einem Verlagsfest für alle Buchpaten

(Details siehe unten)

– Patenschaftsurkunde, signiert von (lebendem/lebender)

Autor/in, Übersetzer/in und Verleger

30 | Herbst ’13

❒ Alma-Karlin-Patin oder -Pate

silber-Patenschaft € 2.500,–*

zu Ehren der in 12 Sprachen parlierenden Reiseschriftstellerin

– Platzierung des Namens / Unternehmenslogos im Buchinneren

– Nennung im nächsten Verlagskatalog

– 25 Exemplare des Buches der gewählten Patenschaft

– Teilnahme an einem Verlagsfest für alle Buchpaten (Details

siehe unten)

– Patenschaftsurkunde, signiert von (lebendem/lebender)

Autor/in, Übersetzer/in und Verleger

❒ Kyrill-und-Method-Patin oder -Pate

bronze-Patenschaft € 1.000,–*

zu Ehren der Erfinder der Glagolica, der ältesten slawischen

Schrift

– Platzierung des Namens / Unternehmenslogos im Buchinneren

– Nennung im nächsten Verlagskatalog

– 10 Exemplare des Buches der gewählten Patenschaft

– Teilnahme an einem Verlagsfest für alle Buchpaten (Details

siehe unten)

– Patenschaftsurkunde, signiert von (lebendem/lebender)

Autor/in, Übersetzer/in und Verleger

* Betrag versteht sich für Firmen zuzügl. ges. MwSt.

Privatpersonen inkl. MwSt.

Alle Buchpaten sind im Jahr der Übernahme der Patenschaft zu einem Verlagsfest geladen. Der Verleger kocht, liest und

diskutiert. Entscheiden Sie, wählen Sie, seien Sie dabei! Wir freuen uns auf die neuen Patinnen und Paten guter Literatur!

Lesen wir weiter.


Josef Winkler

Wenn wir den Himmel

sehen wollen,

müssen wir

donnern helfen

Die salzburger rede

und

Gerhard Maurer

saualm reflux

Heute wissen wir,

dass Jörg Haider der größte

politische Bankräuber

der Zweiten Republik war


Wıeser

Günther Freitag

Café Olympia

ISBN 978-3-99029-049-1

rückblick Frühjahr 2013

Stanislav Struhar

Fremde Frauen

Zwei Erzählungen

Liebe und Verlust…

in zwei Ländern und

zwei Zeiten des scheinbar

grenzenlosen Europas


Wıeser

Alfred J. Noll

„Jung sterben wird

allemal übeschätzt“

ISBN 978-3-99029-064-4

WIESER WISSEn

Franz Pichler/Florian Kerschbaumer

Sozialist, Gewerkschafter

und Humanist

Gross / Ulrich

Kunst · Wissenschaft · Gesellschaft

Ein kulturstiftender

Zusammenhang?

ISBN 978-3-99029-040-8

Rudolf O. Zucha

Krise und Chance

der Psychologie

Darja Mihelič

Die Bucht von Piran


Wıeser

Wuketits / Heintel

Die (Natur-)Geschichte

von Gut und Böse

ISBN 978-3-99029-042-2

Gertraud Leimüller

Innovator,

Imitator

oder Idiot

Das Neue fällt

nicht vom Himmel.

Bevor man Erneuerung

von oben erwarten kann,

muss man diese

von unten schaffen.


Wıeser

Brock / Liessmann

Ein optimistischer Blick

auf den Pessimismus

ISBN 978-3-99029-048-4

| 31


Der Wieser Verlag wird im Rahmen der Kunstförderung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur unterstützt.

VERTRETUNG

Österreich

Günther Raunjak – Gebiet Ost

Landersdorf 23

A-3124 Oberwölbling

Telefon +43 (0)664/3912839

Fax +43 (0)2786/20293

guenther.raunjak@mohrmorawa.at

Michael Hipp – Gebiet West, Südtirol

Mahrhöflweg 20/5/5

A-9500 Villach

Telefon +43 (0)664/3912837

Fax +43 (0)664/773912837

michael.hipp@mohrmorawa.at

Vertreterin im Fachhandel

Jutta Bussmann

Reulingweg 5

A-1230 Wien

Telefon +43 (0)664/203 90 71

Fax +43 (0)664/207 52 58

jutta.bussmann@mohrmorawa.at

Die Reihe Europa erlesen ist die Mutter aller Reiseanthologien

Skylines

Europa erhören: ein Schatz, der Europa den Klang gibt

Peter Pisa, Kurier

Wieser Verlag GmbH

A-9020 Klagenfurt/Celovec

Ebentaler Straße 34b

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Fax +43 (0)463 37635

office@wieser-verlag.com

http://www.wieser-verlag.com

Der Verleger bei einer Lesung in Zagreb 2008.

Deutschland

Jürgen Foltz

Wacholderweg 14

D-53127 Bonn

Telefon +49 (0)228 9287655

Fax +49 (0)228 9287656

juerfo@t-online.de

Nordrhein-Westfalen

Thilo Kist

Danckelmannstraße 11

D-14059 Berlin

Telefon +49 (0)30 3258477

Fax +49 (0)30 3215549

t.kist@t-online.de

Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-

Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt,

Thüringen

Schweiz

Richard Bhend

b+i buch und information ag

Hofackerstraße 13

CH-8032 Zürich

Telefon +41 (0)44 422 12 17

Fax +41 (0)44 381 43 10

r.bhend@ava.ch

Katalog Herbst 2013

Art Director und Redaktion: Lojze Wieser

und Jakob Grollitsch

Grafische Umsetzung: Dietmar Schöffauer

Lektorat: Barbara Maier und Josef Pichler

Umschlagfoto: Gottfried Janschitz

Copyright Buchumschläge:

Mayü Belba (EE, Belgrad für Ausländer)

Coypright Fotos

Wir danken den Teilnehmerinnen und

Teilnehmern des 1. Patenfestes des Wieser

Verlages für die Erlaubnis, ihre Fotos sowie

die von ihnen gemachten Aufnahmen

in unserem Katalog verwenden zu dürfen.

AUSLIEFERUNG

Österreich

Mohr Morawa Buchvertrieb GesmbH

A-1230 Wien, Sulzengasse 2

Telefon +43 (0)1 68014-0

Fax +43 (0)1 6887130

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Deutschland

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Slowenien

Direktvertrieb durch den Verlag

Was’s wiegt, das hat’s!

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