Oh Scheiße! Der Führer ist zurück!

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Oh Scheiße! Der Führer ist zurück!

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Bühnenbau

INTERVIEW:

DIE

ÄRZTE

ÜBER

FESTIVALS

DEIN VAMPYR

Explodierte

Ticketpreise


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- "Oh Scheiße! Der Führer ist zurück!"-

••

DIE ARZTE

Das sechsbeinige Rampenmonster Die Ärzte hat in den vergangenen

30 Jahren schon so ziemlich jede Bühne von Deutschland und auch

die der meisten Nachbarn bespielt. Marilyn Manson haben sie kleingekriegt,

Iggy Pops Bruder vertrieben, den Menschen in Uruguay die

Publikums ansprache geschenkt und das Rätsel um die braunen Smarties

gelöst. Sie sind also nicht nur der ultimative Festivalact, sie sind dazu

auch noch der Quell der Festivalweisheit.

ichjetzt wählen könnte, als Fan, würde ich

auch selber eher auf ein kleineres Festival

gehen.

FU: Schön ist, einen See in der Nähe zu

haben - einen Badesee, einen Wald,in dem

man zelten kann.

RG: Da gab's doch mal ganz tolles Festival

damals in den 90er-Jahren in Braunschweig

an einem See. Der Veranstalter

ist danach pleite gegangen, aber das war

ganz toll.Es gab nämlich ein Schwimmbad

und einen See. Ich weiß nicht, du bist da

ständig schwimmen gegangen.

FU: Na logisch!

Text: Carsten Schumacher, Kathinka Schumacher - Fotos: Jörg Steinmetz

BQ; Du kamst dann, glaub ich, zum Soundcheck

in Badelatschen.

Wobei man bei solchen Seen ja aufpassen

muss. Apropos: Festivalverletzungen.

Wer kann wen überbieten?

BB: Also ich hatte mal eine, da haben die

Leute Bundeswehr-Rauchgranaten auf

die Bühne geworfen, und eine hat mich

getroffen und sich durch die Hose ins Bein

gefressen.

Bil; Ich mein', wir haben selbst Uruguay

überlebt. Und zwar als völlig unbekannte

Band vor dem Headliner.

FU: Man hatte uns gewarnt!

RG:Es gab die Warnung: Sie werden euch

mit Sachen bewerfen. Sie werden Sand

nehmen, Steinehen, das ist völlig normal.

Das machen die irgendwie aus Freude. Das

ist, um zu zeigen: Cool oder nicht so cool.

Spucken gingja nicht, weil der Graben so

weit weg war, und dann ging es mit den

Bechern ...

EU; Genau! Also, leere Becher schmeißen

ist noch okay. Vorsicht, weun die Becher

voll sind, denn das ist dann kein Bier!

illt Die haben da auch mit Feuerwerksra-

, keten auf die Bühne geschossen.

llh,was??? '

RG: Aus Freude, ja.

Blt Es gibt keine Ordner da, und die haben

halt das ganze Jahr Zugang zu Feuerwerkskörpern.

Die bringen sie mit und

haben sie dann auf die Bühne, direkt auf

die. Musiker geschossen, die da gespielt

haben. Wir haben uns geduckt und hatten

schon so ein bissehen Bedenken. Man

muss aber dazusagen, dass die Leute so

abgefüllt waren oder auf anderen Drogen,

dass ich vermute, dass das bei uns mit dem

Anzünden nicht mehr funktioniert hat, von

der Motorik her ...

RG: In Südamerika ist das Rockpublikum

auch mehr wie bei einem Fußballspiel.

Bengalische Feuer sind völlig normal.

BB:Das war aber früher in Spanien auch

so.

Und wie reagiert so ein Publikum, das

eure Sprache nicht spricht?

FU: Rod spricht ja nun fließend.

RG: Wir haben schon einen bleibenden

Eindruck hinterlassen. Wir waren die erste

Band in ihrem Leben, die sich mit dem Publikum

unterhält - und das waren Leute,

die auf viele Konzerte gehen. Das kannten

die gar nicht. Auf diesem riesigen Pilsen-

Rockfestival, wo 60.000 oder so waren, da

kamen die Bands an und sagten: "Ey,total

geile Idee. Ihr redet ja mit dem Publikum,

ihr macht ja Ansagen!"

BB: Am nächsten Tag war ein Foto von

mir auf der Titelseite der größten uruguayischen

Zeitung.

RG: Die waren fasziniert.

BB:Man muss dazusagen: Ich hab mich in

eine uruguayische Fahne gehüllt und Mate

getrunken auf der Bühne.

FU: Das konnten sie nicht an sich vorbeigehen

lassen.


iH:t~Z>il~'•

i i

RG: Und die Bands waren von uns be-

I~

geistert. Also speziell die angesagten

iPunk-Bands. Denn wenn die bei Festivals

auftreten, gehen sie schnell auf die Bühne

und versuchen so viele Lieder wie möglich

am Stück zu spielen und den Leute keine

i iChance zum Pöbeln zu geben, denn die

haben natürlich auch einen vollen Becher

inderHand ...

BB:Wir hatten eine halbe Stunde und haben

nachjedem Song erst einmal ausgiebig

gequatscht.

FU: Und ich hab damals mit meinen noch

sehr mangelhaften Spanischkenntnissen

Ii

den Klassiker gebracht: "Das war ein Applaus?

Ich zeig euch mal, was ein Applaus

ist!" Und die Leute nur so: "Oh Scheiße!

Der Führer ist zurück!"

Wie ist das denn bei Festivals hinter der

Bühne? Gibt es da auch manchmal Beef

I ;% zwischen Bands?

~~ FU: Mein absolutes Negativ-Erlebnis war

t~ mit Marilyn Manson, den ich eigentlich

1* künstlerisch gar nicht so schlecht fand.

; Bei den Sachen, die er in Michael Moo-

~ res "Bowling For Columbine" gesagt hat,

! dachte ich: "Ein Mensch mit Hirn!" Und

y~ dann hatte ich einmal einen Backstage-

:: raum neben seinem, einzig getrennt von so

.i einer dünnen Spanwand, und er hatte eine

;: PA bei sich aufgebaut und hörte darüber

f unfassbar laut Musik. Also so laut, dass ich

i einfach nicht in meinem Backstageraum

'1* sein konnte. Dahn hab ich ihm halt aus-

, richten lassen, dass das nicht so toll sei.

• Darauf gab es eine große Diskussion, er

.:. hat es aber nicht leiser gemacht.

•~ Das ist ja wie in einem Mietshaus!

~ BB: Muss man aber jetzt mal kurz dazui

sagen:' Wir haben vorher mal auf einem

~* Festival gespielt, und da hieß es: "Marilyn

J. !i'. Manson spielt nicht vor einer deutschen

Band." Und dann haben wir gesagt: "Kein

t1l\ , Problem." Und sie: "Klar,Backstage ist für

alle gleich." Aber als wir da ankamen, gab

es für alle anderen Bands so bepisste Zelte,

und er hatte lilIe Gebäude okkupiert.

* Einzige Ausnahme war, dass man uns

~ ausrichten ließ, dass sich die drei Musiker

t von der Band vor ihm doch duschen könnt

.,ten. Wir haben ihm bestellen lassen, dass

wjr lieber im Hotel mit unseren Roadies

duschen, als die Dusche zu benutzen, in

der er war. Beim nächsten Festival war

dann Payback Time, da haben wir gesagt:

"Wir spielen das Festival nicht, wenn wir

;

i

i~~

vor ihm spielen müssen." Und so hat er

halt vor uns spielen müssen. Da fing er

an und hat immer den einen Song aus

"Team America" gespielt, "America (Fuck

Yeah!)", und das immer wieder in einer

Schleife, um uns zu ärgern.

RG: Cooles Lied übrigens.

FU:...und dann hat er wohl offenbar Angst

vor meiner Wut gehabt und hat sich im

Flightcase zur Bühne rollen lassen.

BB: Nein, das nicht.

FU: Hat er, hat er!

BB:Das war aber nicht wegen deiner Wut.

Das war, weil der nicht gesehen werden

will.

RG: Weil sie ihm keinen Tunnel gebaut

haben.

BB:Er willja immer so einen Tunnel haben

zur Bühne.

FU:Aufjeden Fall echt eine Pussy. Echt ein

unangenehmer Mensch.

War das das bizarrste Erlebnis?

BB:Das war, als wir mit Iggy Pop gespielt

haben und der Bruder von Iggy Pop, der

sein persönlicher Roadie war, einfach

ohne Grund anfing, einen von unseren

Roadies anzugreifen. Und zwar stehen

wir dann auf der Bühne, also Iggy Pop

war fertig und hat damals noch mit den

Stooges gespielt. Das war kurz vor dem

Tod von Ron Ashton. Wir stehen hinter

dem Vorhang, das Intro läuft, und wir

warten darauf, dass der Vorhang fällt

und wir spielen. Und wir hören so ein

Rumoren rechts, ich guck rüber und sehe,

wie der Bruder von Iggy Pop versucht,

unseren Roadie mit so einer Stange niederzuschlagen.

Ich hätte fast komplett den

Einsatz verpasst. Unser Roadie lief dann

Backstage mit Security rum, weil keiner

mehr diesen Bruder gefunden hat. Der

lief da halt mit so einer Stange herum und

wollte töten. Das war schon sehr bizarr.

Was war denn der größte Rock'n'Roll-

Moment, der magischste Moment, den ihr

jemals auf einem Festival hattet, wo ihr

gedacht habt: Boah, das filmen wir jetzt?

RG: Das sind meistens die unglaublichen

Lichteffekte; Wenn die Leute beispielsweise

Feuerzeuge in der Hand haben und du

das Gefühl von einer extremen Weite hast.

BB: So Scorpions-mäßig das auch ist,

merkst du dann, wie weit die Leute dich hören

oder dir zugewandt sind. Die könnten

ja auch dahinten stehen, weil es Würstchen

gibt oder Bier.

RG: Ein anderer magischer Moment ist,

wenn du auf der Bühne stehst, total am

Abrocken bist, und auf einmal kommt so

ein Dunst von den Dixi-Klos, die direkt

neben der Bühne stehen.

Was wären denn Show-Elemente, die

ihr euch schon inuner gewünscht habt?

BB: Es gibt seit 15Jahren die Idee, dass

ich mal vom Schlagzeug zum Mischpult

fliege, aber wir wissen mittlerweile, was

es kostet und ...

RG: ...es kostet ein Vermögen.

BB:Für die paar Sekunden ist das irgendwie

scheiße. Aber jedes Mal, wenn ich ein

Kiss-Video sehe, denk ich, dass ich das ein

Mal machen will.

RG: Die Kamera hätte ja draufgehalten

in dem Moment, aber stell dir mal vor, als

Zuschauer drehst du dich gerade um oder

machst dir die Schnürsenkel zu, und dann

gehen 50.000 Euro an dir vorbei.

BB:Das waren doch 15!??

RG:Ja, oder was weiß ich. Es war aufjeden

Fall sehr, sehr teuer,

Habt ihr eigentlich auch bizarre Wünsche

an den Veranstalter? Tour-Rider-

Eskapaden a la exakt fünf Grad kaltes

Bier von den Philippinen?

FU: Die einzige Besonderheit, die meinetwegen

immer im Rider steht, das ist

Fenchelhonig für die Stimme.

BB: Diese Van HaIen-Geschichte mit der

Schale voll Smarties ohne die Braunen

und so...?

FU: Wisst ihr übrigens, was der Grund

dafür ist, für diese Schale?

Für die Braunen?

FU: Nee, für die Nicht~Braunen.

Nein.

FU: Da denken ja die meisten: Ach, diese

abgehobenen Künstler. Aber es ging um

was völlig anderes. Ein Tourmanager hat

sich das ausgedacht. Und zwar war Folgendes:

Da ist eine Riesen-Produktion.

Die haben 40-bis 50-Seiten-Rider, also die

technischen Angaben, und das Erste, was

er gemacht hat, wenn er ankam im Venue:

Er ist in die Garderobe der Künstler gegangen

und hat geguckt, ob da eine Schale

mit Smarties ohne die Braunen steht. Das

heißt, ob dieser unwichtige Punkt auch

erfüllt wurde. Und wenn das der Fall war,

wusste er, er kann sich auf den ganzen

Rest verlassen. Total genial!

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Southside'" 10.-12.08. Filmnächte arn Elbufer

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