HT3561 Lernfeld Bautechnik - Fachstufen Straßenbauer

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HT3561 Lernfeld Bautechnik - Fachstufen Straßenbauer

Lernfeld 7:

Bauen einer Erschließungsstraße

Erschließungsstraßen sind Straßen in bebauten Gebieten, die Stadt- oder Gewerbegebiete untereinander verbinden,

angrenzende Grundstücke erschließen und die dem Aufenthalt der Bewohner dienen. Sie haben verkehrstechnische,

städtebauliche und Kommunikationsaufgaben zu erfüllen. Alle diese Anforderungen mussten berücksichtigt

werden, als das ursprünglich unbebaute Gelände, das durch eine ländliche Straße berührt wurde, zu einem

Wohngebiet ausgebaut werden sollte.

Modell-Planung

Erholen Erholen Versorgen Versorgen

Bilden Bilden

Arbeiten Arbeiten

Versorgen Versorgen

Die Erschließungsstraße in unserem Projekt vereint alle diese Aufgaben: Sie verbindet die neue Siedlung über die

Umgehungsstraße mit dem Stadtkern, sie bildet ein einfaches Rasternetz (Doppeltrapez) zur städtebaulichen Strukturierung

des Wohngebietes und sie schafft Möglichkeiten der Kommunikation, indem sie Jugendhaus, Freifläche,

Bushaltestelle und Kaufhalle für die Bewohner verbindet.

In diesem Lernfeld soll der Ablauf der Planung nachvollzogen werden, von den Vorüberlegungen über die verschiedenen

Entwurfsetappen bis zu den fertigen Plänen, die der Straßenbauer lesen muss.

Wir lernen die Standards und Richtlinien kennen, nach denen eine Straßenlage geplant und nach denen die

Straßenbefestigung aufgebaut sein muss. Auch die Kontrolle und Abnahme vollzieht sich nach diesen technischen

Regeln.

Wir planen das Vorbereiten der Straßenbauarbeiten und das Errichten einer Straßenbaustelle sowie die notwendigen

Vermessungsarbeiten, die am Beginn aller Bauarbeiten stehen.

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7 Bauen einer Erschließungsstraße Straßenplanung

7.1 Geschichtliches

In allen großen Zivilisationen sind Verkehrswege von

regionalem und überregionalem Charakter geschaffen

worden, die dem Transport von Waren, der Kommunikation

und militärischen Zwecken dienten. Die vermutlich

älteste befestigte Straße der Welt fand man südwestlich

von Kairo. Diese durch Platten und Pflaster befestigte

Straße diente schon 2200 Jahre vor Christus

dem Transport von Basaltsteinen für die ägyptischen

Monumentalbauten.

Der erste planmäßige Straßenbau wurde in Europa von

den Römern betrieben. Diese Straßen dienten der Befestigung

der städtischen Verkehrswege, der militärischen

Sicherung des Weltreiches sowie der wirtschaftlichen

Erschließung der ländlichen Gebiete und eroberten

Provinzen. So gibt es auch in Deutschland, Frankreich

und England zahlreiche Straßenführungen und

Wanderrouten, die auf alte Heerstraßen und Handelswege

der Römer zurückgehen.

Der Straßenbau in Deutschland hat sich nicht kontinuierlich

entwickelt. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde in

den Fürstentümern vor allem der städtische Straßenbau

vorangetrieben und die Pflasterungen weiterentwickelt.

Im 30-jährigen Krieg sind viele Verkehrsbauten zerstört

worden. Die Aufhebung der Kleinstaaterei und der Zollschranken

jedoch haben den Straßenbau wieder belebt.

Wirtschaftliche Entwicklungen wie die Einführung des

Postwesens, Verstärkung des Handels, Verbesserung

des Brückenbaus sowie militärische Notwendigkeiten

haben zum verstärkten Bau von Straßenverbindungen

geführt. Viele sehr gerade Straßenführungen wurden

zur Zeit der napoleonischen Besetzung angelegt. Da die

Methoden der Vermessung noch nicht sehr entwickelt

waren, wurden diese Straßentrassen oft von Kirchturmspitze

zu Kirchturmspitze abgesteckt.

7.2 Straßenplanung

7.2.1 Funktion einer Straße

Der Bau einer neuen Straße muss ebenso genau geplant

werden, wie der Bau von Gebäuden.

Man muss sich zunächst darüber klar werden, welche

Funktion/Aufgabe die Straße haben wird. Dann muss

festgelegt werden, welchen Verlauf sie haben soll (Lageplan

und Trassierung) und wie sie an das vorhandene

Gelände angepasst werden kann (Geländeprofil und

Höhenplan), so dass die Umwelt so wenig wie möglich

beeinträchtigt wird. Danach muss der Querschnitt und

die Bauweise bestimmt werden (Straßenquerschnitt)

und schließlich sind die Maßnahmen zur Straßenentwässerung,

die Lärmschutzanlagen und die landschaftspflegerischen

Aufgaben zu planen.

Die Funktion einer Straße hat immer mit der Verbindung

zwischen den Lebensbereichen der Menschen zu

tun. Es geht um die Verbindung von Wohnen – Arbeiten

– Bilden – Versorgen – Erholen. Daraus ergibt sich der

Römische Straße

Die Erfindung der Dampfmaschine hat den Ausbau des

Straßennetzes gebremst, während die Erfindung des

Verbrennungsmotors und die rasch wachsende Produktion

von Kraftfahrzeugen zur großen Bedeutung des

Straßenbaus in den letzten hundert Jahren entscheidend

beigetragen hat.

Der Einsatz neuer Baustoffe wie Bitumen (ursprünglich

Teer) und die Möglichkeiten der Betontechnologie sind

Ergebnisse des technischen Fortschritts und Reaktionen

auf die erhöhten Anforderungen an den Straßenbau.

Die Diskussion um die Umweltschädigung durch den

Kraftverkehr und der Ruf nach umweltfreundlichen Verkehrslösungen

beeinflussen im neuen Jahrtausend die

Überlegungen zum modernen Verkehr und zum

Straßenbau.

Arbeiten

Wohnen

Versorgen

Erholen Bilden

Berufsverkehr, der Wirtschaftsverkehr, der Ausflugsund

Urlaubsverkehr u.a.

Die „Richtlinie für die Anlage von Straßen“ (RAS) teilt

die Straßen in 5 Kategoriengruppen A bis E ein, bei denen

die Straßen

– nach der maßgebenden Funktion (Verbindung, Erschließung,

Aufenthalt)

– nach der angrenzenden Bebauung (anbaufreie oder

angebaute Straßen)

– nach der Lage (außerhalb oder innerhalb bebauter

Gebiete) unterteilt werden.


7 Bauen einer Erschließungsstraße Straßenplanung

Kategoriengruppe Straßenkategorie (Funktion im Verkehrsnetz)

A anbaufreie Straßen außerhalb bebauter Gebiete AI großräumige Verbindung, z.B. Bundesstraßen, Autobahnen

mit maßgeblicher Verbindungsfunktion AII regionale Verbindung

AIII zwischengemeindliche Verbindung

AIV flächenerschließende Verbindung

AV flächenerschließende Straße

AVI Wirtschaftsweg

B anbaufreie Straßen im Vorfeld und innerhalb BI Stadtautobahn

bebauter Gebiete mit maßgeblicher Verbindungs- BII Schnellverkehrsstraße

funktion BIII Hauptverkehrsstraße

BIV Hauptsammelstraße

C angebaute Straßen innerhalb bebauter Gebiete CIII Hauptverkehrsstraße

mit maßgeblicher Verbindungsfunktion CIV Hauptsammelstelle

D angebaute Straßen innerhalb bebauter Gebiete DIV Sammelstelle

mit maßgeblicher Erschließungsfunktion DV Anliegerstaße

E angebaute Straßen innerhalb bebauter Gebiete EV Anliegerstraße

mit maßgeblicher Aufenthaltsfunktion EVI befahrbarer Wohnweg

Einteilung der Straßen nach der Richtlinie für die Anlage von Straßen, Teil Querschnitte (RAS-Q)

anbaufreie Straße angebaute Straße

Unsere Erschließungsstraße soll das neue Wohngebiet

mit der Arbeitswelt in der benachbarten Stadt, mit den

Schulen und Bildungseinrichtungen, mit den Kaufhäusern

und Erholungsgebieten verbinden. Zugleich soll

mit der Straßenverbindung auch die Versorgung mit

Energie, Wasser und Telekommunikation sowie die Abwasserentsorgung

gesichert werden, also das Wohngebiet

soll umfassend „erschlossen“ werden.

Sie ist also nach der Funktion eine Erschließungsstraße,

nach der Bebauung und Lage eine angebaute Straße im

Wohngebiet.

Die Straße hat eine rein territoriale Bedeutung und wird

von der Stadt in Auftrag gegeben.

7.2.2 Standardisierung von Straßen

Neben der Funktion einer Straße spielen für die Straßenplanung

noch weitere Faktoren eine Rolle, die in den

„Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von

Verkehrsflächen (RStO)“ zusammengefasst sind.

Allgemeiner Aufbau eines Straßenkörpers

Der Auftraggeber ist Straßenbaulastträger, das heißt, in

unserem Fall ist die Stadt für die Finanzierung, für die

Unterhaltung und Erneuerung dieser Straßen zuständig.

Die Finanzierung muss in den Haushaltsplänen der

Stadt geplant und vom Stadtrat genehmigt sein.

Straßenart Straßenbaulastträger

Bundesautobahnen Bundesrepublik

und Bundesstraßen Deutschland

Landesstraßen (Staats- Land

straßen in Freistaaten) (Freistaat)

Kreisstraßen Landkreis

Gemeindestraßen Gemeinde/Stadt

Verantwortlichkeiten für den Straßenbau und die Erhaltung

der Straßen

Der Aufbau einer Verkehrsfläche wird unterteilt in

– Oberbau

– Unterbau (nicht in jedem Fall vorhanden)

– Untergrund

Decke

3. Tragschicht

2. Tragschicht

1. Tragschicht

Frostschutzschicht

anstehender Boden

Oberbau

Hauptplanum

Unterbau

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7 Bauen einer Erschließungsstraße Straßenplanung

Als Untergrund wird der unter dem Unterbau (oder

Oberbau) angrenzende Boden oder Fels bezeichnet.

Der Unterbau ist ein künstlich hergestellter Erdkörper

zwischen Untergrund und Oberbau, der in erster Linie

Frostschutzfunktion hat, aber nicht in jedem Fall vorhanden

sein muss.

Der Oberbau umfasst alle Tragschichten und Straßendecken.

Als Decken werden eingesetzt:

– Asphaltdeckschichten auf Asphaltbinderschichten

oder nur Asphaltdeckschichten

– Betondecken, ein- oder zweischichtig

– Pflasterdecken oder Plattenbeläge einschließlich

ihrer Bettung und Fugenfüllung

– Tragdeckschichten als einschichtige Asphaltschichten,

die gleichzeitig Decken- und

Tragschichtfunktion erfüllen.

Dammseite

Oberbau

Planum

Unterbau bzw.

Untergrund

Tragschichten sind Schichten mit vorwiegend Lastverteilungsaufgaben.

In voll ausgebauten Straßen können

bis zu drei Tragschichten eingebaut sein. Man unterscheidet:

Tragschichten ohne Bindemittel wie:

Frostschutz-, Schotter-, und Kiestragschichten

Tragschichten mit Bindemittel wie

Verfestigung mit hydraulischem Bindemittel,

Hydraulisch gebundene Tragschichten (vgl. LF 13),

Betontragschichten und Dränbetontragschichten,

Asphalttragschichten (vgl. LF 11)

Decke

Tragschicht

Tragschicht (z.B. Verfestigung)

Tragschicht (z.B. Frostschutzschicht)

Untergrund bzw. Unterbau (evtl. verfestigt).

Beispiel für eine Straßenbefestigung außerhalb geschlossener Ortslage (anbaufreie Straße)

Gehweg

Parkbucht Fahrbahn

Parkbucht

Oberbau

Planum

Unterbau bzw.

Untergrund

Beispiel für eine Straßenbefestigung in Ortslage mit seitlicher Bebauung (angebaute Straße)

Beispiel für eine Straßenbefestigung in geschlossener Ortslage mit

Entwässerungseinrichtung

Gehweg

Decke

Tragschicht

Tragschicht (z.B. Verfestigung)

Tragschicht (z.B. Frostschutzschicht)

Einschnittseite

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