Mein Gesundes Magazin 2/2009 - Arbeitskreis Gesundheit eV

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Mein Gesundes Magazin 2/2009 - Arbeitskreis Gesundheit eV

MEIN GESUNDES

2 MAGAZIN

2009

Aktuelle medizinische Informationen für Patienten Herausgeber: Arbeitskreis Gesundheit e.V.

Im Interview

Dr. Gunther Hölz,

Überlingen

Rehabilitation bei Adipositas

Schwerpunkt Kinder und Jugendliche

Wenn Pfunde krank machen

Reha

Was ist Rehabilitation?

Antworten auf häufige Fragen

MGM Preisrätsel

GEWINNEN SIE: Gesundheits-

Wochenende am Bodensee


Der Mensch im Mittelpunkt

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Ernährung ist für uns - wie für jedes andere

Lebewesen - ein zentrales Grundbe-

dürfnis. In unserer Gesellschaft dient Nahrung

nicht nur dem Überleben, sie hat darüber

hinaus viele zusätzliche Funktionen

übernommen, sie ist kulturelles Ausdrucks-

und Genussmittel.

Unsere Ernährung ist in jeder Hinsicht

gesichert und trotzdem wird sie uns zunehmend

zum Problem. Immer mehr

Menschen, auch Kinder und Jugendliche,

sind übergewichtig, sind umgangssprachlich

„dick“. Medizinisch kritisches

Übergewicht entwickelt sich zur Volkskrankheit.

Wenig schmeichelhaft textete schon Ende

der Siebziger der Deutschrocker Wes-

ternhagen über „Dicke“. Fettleibigkeit ist

aber nicht zuerst ein ästhetisches Problem.

Die sogenannten „Dicken“ könnten sich

sonst mit der Veränderlichkeit des Zeitgeschmacks

trösten, der noch vor wenigen

Jahrzehnten eine gewisse Leibesfülle mit

Wohlstand und Fruchtbarkeit verband.

EDITORIAL

Hilfe zur Selbsthilfe

MGM Seite 3

Fettleibigkeit ist vor allem ein gesundheitliches

Problem, das sich nicht einfach durch

einen chirurgischen Schnitt oder durch abgesaugtes

Fett dauerhaft lösen lässt. Kaum

eine Krankheit erfordert so das aktive Mitwirken

des Betroffenen. Die Patienten müssen

ihre Lebensgewohnheiten grundlegend

ändern, um nachhaltige Erfolge zu erzielen.

Meist gelingt es erst während einer Rehabilitationsmaßnahme,

mit dem Abnehmen

zu starten: durch umfangreiche Wissensvermittlung,Beratung,

Begleitung und immer

wieder Motivation. Viele Patienten berichten,

dass ihnen auch gerade das Abnehmen

in der Gruppe und das Gemeinschaftsgefühl

in der Reha-Klinik auf ihrem

langen Weg geholfen haben.

Mein Gesundes Magazin“ hat in dieser

Ausgabe neueste Erkenntnisse und Fakten

zum Thema Adipositas für Sie zusammengestellt.

Lesen Sie u.a. über die neuesten

Methoden, die Rehabilitationskliniken

im Kampf gegen Übergewicht anwenden

und auf welchen Wegen Sie eine

Reha-Maßnahme beantragen können.

Wir wünschen

viel Freude beim Lesen!

Quelle:: fotolia


TITELTHEMA

Wenn Pfunde krank machen

Kinder werden immer dicker und

immer mehr Kinder werden dicker. Die

Weltgesundheitsorganisation spricht

sogar von einer „Adipositas-Epidemie“,

also einer regelrechten Seuche:

6 Wann Übergewicht krank macht

6 7 Tipps, wie man Fettleibigkeit

vermeidet

7 Übergewicht macht krank

8 Forschung nimmt Übergewicht ins

Visier

9 Abspecken verbessert Blasenschwäche

9 Linktipps

10 Folgeerkrankungen der Adipositas

im Kindes- und Jugendalter

11 Schadet Übergewicht immer?

11 Kinder, esst mehr Obst

(…und Gemüse)!

INHALT

MEIN GESUNDES MAGAZIN

2/2009

6 12

GUT INFORMIERT

Medizin im Alltag

Gesund werden geht nach der

Entlassung aus der Klinik weiter –

Hintergrundinformationen, die nutzen:

12 Olivenöl und Gemüse halten

geistig fit

12 Gewicht halten. Aber wie?

13 Hautprobleme bei Fettleibigen häufig

13 Frauen essen anders als Männer

13 Übergewichtigen fehlt

Sättigungsgefühl

14 Ungesunder Lebensstil verdoppelt

Schlaganfallrisiko

MGM Seite 4

14 Schluss mit „Diabetiker-

Lebensmitteln“

14 Mehr Bewegung für die

Gesundheit

18 Wenig Testosteron bei dicken

Männern

18 Extrem Dicke rühren sich kaum

18 Wasserspender an Schulen

stoppen Übergewicht

DIALOG

15 Schreiben Sie uns!

Teilnahmekarten für unser

Preisrätsel und Vordrucke für die

Anforderung von Info-Material.

INTERVIEW

17 Dr. Gunther Hölz im Gespräch

zu Ernährung und Fasten:

Den Schweinehund in Etappen

besiegen


14

REHA

Wieder fit werden

Nach der Krankheit zurück

ins normale Leben – Reha hilft:

19 Schulungsangebote helfen übergewichtigen

Kindern

19 Weiterbehandlungs konzepte für

übergewichtige Kinder

8

20 Rehabilitation nutzt übergewichtigen

Kindern

20 Wozu denn Leitlinien?

21 Antrag auf Rehabilitation für ein

übergewichtiges Kind

21 Was sequenzielle Rehabilitation

bedeutet

22 Ich will ja, aber…

22 Mutter-Kind Reha gegen

Übergewicht

18

24 Was ist Rehabilitation?

Antworten auf häufige Fragen zur

Rehabilitation

25 „Ich konnte das Essen nicht mehr

kontrollieren“

Erfahrungsbericht eines Patienten

25 Reha-Nachsorge per Internet

WISSEN

26 Schlafen Sie gut

Erholsamer Schlaf zählt zu den

Voraussetzungen für die Gesundheit.

MGM Seite 5

24

26

REISE

28 Gesund durch Wasser

GEWINNEN

29 Preisrätsel

Gesundheits-Wochenende

für zwei Personen gewinnen

29 Reha Region

Reha- und Vorsorgekliniken in der

Region Schwarzwald-Bodensee

AUSBLICKE

30 Was kommt?

Freuen Sie sich schon jetzt auf die

nächste MGM-Ausgabe: „Mein gesundes

Magazin“ befasst sich mit

dem Thema Erkrankungen des Bewegungsapparats.

30 Impressum


„Von Adipositas sprechen wir, wenn sich dauerhaft

überdurchschnittlich viel Fettgewebe im

Körper befindet“, sagt Dr. Daniel Schüler, Chefarzt

der Auguste-Viktoria-Klinik des Medizinischen

Zentrums für Gesund-

heit (MZG) in Bad Lippspringe.

Er hat einen erschreckenden

Trend ausgemacht:

„Kinder werden immer dicker

und immer mehr Kinder werden

dicker. Diese Ausprägung

unserer Wohlstandsgesellschaft

ist ein deutliches

Warnsignal.“

Der pummelige

Klassen-Clown

Neben den körperlichen Folgen

– schon in jungen Jahren

leiden Betroffene an Gelenkerkrankungen

– treten die psychischen Probleme

immer mehr in den Vordergrund. Was der

zehnjährige Martin alltäglich in der Schule erlebt,

ist kein Einzelfall. Hänseleien und Angriffe

auf adipöse Kinder häufen sich. „Auch früher

gab es in den Schulklassen immer wieder dicke

Kinder, die ein Außenseiterdasein fristeten“,

erinnert sich Schüler an seine eigene Schulzeit:

„Aber heute sind es prozentual gesehen mehr.“

Übergewichtige entwickeln zwei unterschiedliche

Strategien: Sie werden entweder zum

Klassen-Clown und versuchen, ihre körperliche

Fülle mit gespielter Lustigkeit wettzumachen,

oder – und das ist häufiger der Fall – sie ziehen

sich zurück und sind überall außen vor. Ein klassisches

Beispiel liefert der Sportunterricht.

Wenn es darum geht, zwei Fußball-Mannschaften

zu bestimmen, wählen die Spiel-Kapitäne

sich nacheinander ihre Mitspieler. Die

dicken, unsportlichen Kinder, bleiben oft bis zuletzt

übrig.

Pizza, Pommes und Chips

„Das ist für die psychische Entwicklung der Jugendlichen

eine Katastrophe“, meint Schüler.

Schließlich kommen in solch einer Situation

noch zahlreiche Begleiterscheinungen hinzu.

„Wir wollen dich gar nicht in unserer Mannschaft!“

- „Du kommst ins Tor. Dann passt kein

Ball mehr rein“ sind die typischen Hänseleien.

TITELTHEMA

Wann Übergewicht krank macht

„Fettsack!“ - „Pummelgesicht!“ - „Riesentonne!“ - Kinder können sehr

kreativ sein, wenn es darum geht, Rufnamen für ihre Mitschüler zu erfinden.

Das hat der zehnjährige Martin lange Zeit zu spüren bekommen. Mit einer

Größe von 1,40 m und einem Körpergewicht von 70 kg gehört der Schüler

zu den Kindern, die man früher liebevoll als „wohlgenährt“ bezeichnete.

Heute wird allgemein der Begriff Fettleibigkeit (Adipositas) verwendet.

Mädchen sehen sich anderen Verunglimpfungen

ausgesetzt: „Du kriegst nie einen Freund“–

„So jung und schon schwanger!“

Was folgt, ist ein Teufelskreis: Aus Frust essen

die Kinder noch mehr

und nehmen weiter zu.

Auch die Eltern sind zumeist

hilflos. Sie trauen

sich nicht, ihren Sprösslingen

das Essen zu verweigern

oder darauf aufmerksam

zu machen,

dass Maß halten angemessen

ist. Oft ist es

aber auch die schlichte

Unwissenheit, was die

Ernährung angeht. Morgens

Weißbrot mit Schoko-Creme,

mittags Pizza

und Pommes, abends

Chips und dazu den ganzen Tag Cola und Limo:

Damit ist Übergewicht vorprogrammiert. Wenn

dazu die einzigen Bewegungen der Weg zum

Schulbus und das Bedienen des Computers

oder der Spielekonsole sind, wachsen die Fettzellen

munter weiter.

»Patienten, bei denen

bestimmte Verhaltensregeln

in einer ambulanten Maßnahme

nicht greifen, haben

durch die stationäre Reha die

Chance auf einen deutlichen

Motivationsschub – normalerweise

kommt es stationär

zu einer raschen Gewichtsabnahme.«

Eltern auf der Schulbank

Die Mediziner haben der zukünftigen Volkskrankheit

Adipositas längst den Kampf angesagt.

Letztlich bedeutet Therapie eine komplette

Verhaltensänderung in vielen Lebensbereichen.

Am Beginn jedes Konzeptes steht

das Lernen. Dabei müssen auch die Eltern

nochmals die Schulbank drücken: In speziellen

Kursen lernen sie, was sie bei der Zubereitung

der täglichen Mahlzeiten beachten können, damit

nicht stets Kalorienbomben auf dem Speiseplan

stehen. Dabei gilt die Devise ‚Gutes

muss nicht teuer sein’. Frisches Obst und Gemüse,

aber auch Kartoffeln, Reis und Nudeln

gehören zu den Favoriten der Ernährungswissenschaftler.

Vor allem Abwechslung ist gefragt.

So lässt sich auch die Begeisterung der Kinder

für gesundes Essen wecken.

Auf Schatzsuche im Wald

Neben der Nahrungsaufnahme gehört auch Bewegung

zu den gängigen Konzepten. Nicht etwa

Hochleistungssport, sondern „Alles, was

MGM Seite 6

Dr. Daniel Schüler, Facharzt für Kinder-

und Jugendmedizin, Chefarzt der

Auguste-Viktoria-Klinik, Bad Lippspringe

7 Tipps, wie man

Fettleibigkeit vermeidet

�Gesunde und abwechslungsreiche Ernährung:

Auf den täglichen Speiseplan gehören unter

anderem Obst und Gemüse, aber auch Reis,

Nudeln und Kartoffeln sind erlaubt. Wer Maß

hält, darf auch einmal zum Hamburger greifen.

�Bewegung ist das A und O: Jeder Gang macht

schlank. Was wie eine Binsenweisheit klingt,

stimmt auch im übertragenen Sinne. Treppenhaus

statt Aufzug, Fahrrad statt Auto: Bewegung

hilft, Kalorien zu verbrennen.

�Sich schlau machen: Wer sich gut informiert,

weiß, worauf es ankommt. Informationen gibt

es in Büchern oder im Internet. Auch eine Ernährungsberatung

kann helfen.

�Selbstbewusstsein stärken: Frustessen ist eine

große Gefahr. Wer positiv durch das Leben

geht und ein gesundes Selbstbewusstsein entwickelt,

läuft weniger Gefahr, Probleme mit Kalorien

zu bekämpfen. Hier sind Eltern gefragt:

Kinder stark zu machen, ist auch die Aufgabe

der Eltern.

�Sportvereine verbinden: Wer sich im Verein

sportlich betätigt, kann ein tolles Gemeinschaftserlebnis

gewinnen. In jeder Stadt gibt

es Sportvereine. Und die Palette der angebotenen

Sportarten wächst ständig.

�Bildschirm aus: Vor dem Fernseher oder dem

Computer-Bildschirm kann man schon einmal

die Zeit vergessen. Daher ist es nötig, sich

selbst Regeln zu geben und den Konsum elektronischer

Medien einzugrenzen. Hier sollten

die Eltern wieder gute Vorbilder sein.

�Kochen lernen: Immer mehr Fertigprodukte

wandern in unsere Mägen. Auch wenn Kochsendungen

im Fernsehen sehr erfolgreich sind:

Richtig kochen können nur die Wenigsten. Dabei

ist es leicht, den Spaß an der Zubereitung

von gesundem Essen zu wecken. Wenn alle

mitmachen, wird das regelmäßige Kochen ein

echtes Familienerlebnis.


Spaß macht“ steht im Mittelpunkt. In der Auguste-Viktoria-Klinik

in Bad Lippspringe setzt

man auf eine Mischung aus klassischen Bewegungsspielen

und modernen pädagogischen

Konzepten. „Wir haben uns gefragt, wie wir

die Kinder und Jugendlichen nachhaltig in die

freie Natur locken können“, sagt Dr. Daniel Schüler.

Daraus ist ein Projekt entstanden, das moderne

Technik mit einer Wanderung im Wald

verbindet. Auf Basis des Geocaching – einer

Art Schnitzeljagd mit GPS-Geräten – haben die

Bad Lippspringer ein Geländespiel entwickelt,

das auf jeden beliebigen Ort übertragbar ist.

„Es nützt uns ja nichts, wenn die Kinder bei

uns voller Tatendrang im Freien aktiv sind und

zu Hause dann wieder faul auf dem Sofa hocken“,

sagt Dr. Schüler.

Heiko Appelbaum, Bad Lippspringe

Übergewicht

macht krank

Wer keine Probleme mit seinem

Gewicht hat, gehört heute schon zu

einer Minderheit. Die Weltgesundheitsorganisation

spricht sogar von

einer „Adipositas-Epidemie“, also

einer regelrechten Seuche.

„Wenn dir im Wasser kalt ist, schwimm zu den

Dicken“, den Spruch mag so mancher noch aus

seiner Kindheit kennen – im Nachkriegsdeutschland

war es allerdings gar nicht so leicht,

einen Übergewichtigen zu entdecken. Heute

dürfte das kaum ein Problem sein. Während

ein gutes Fettpolster als Nahrungslieferant in

kargen Zeiten durchaus sinnvoll gewesen sein

mag, wird es für Menschen in den Industrienationen

heutzutage immer mehr zum gesundheitlichen

Risiko.

Deutsche Männer sind in allen Altersgruppen

übergewichtiger als Frauen, so das zentrale Ergebnis

des 2008 veröffentlichten Ernährungsberichts

der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

In dem Bericht äußern sich die Wissenschaftler

zu Ausmaß und Folgen des Übergewichts.

Was ist Adipositas?

Das Körpergewicht wird mit dem Körpermasseindex

(BMI = kg/m² = Gewicht geteilt durch

Größe zum Quadrat) berechnet: Man ordnet

es in die Gruppen Untergewicht (BMI unter

18,5), Normalgewicht (BMI 18,5-25) und Übergewicht

(BMI 25-30) ein. Ab einem BMI von

30 sprechen Fachleute heute von extremem

Übergewicht, Fettleibigkeit oder Adipositas. Alle

drei Begriffe bedeuten das Gleiche.

Hans-Ulrich Comberg und Hans-Dieter Klimm

brauchten in ihrem 2001 veröffentlichten Fach-

TITELTHEMA

buch „Allgemeinmedizin“

noch eine ganze Buchseite,

um den Begriff Adipositas zu

definieren. Die freie Enzyklopädie

Wikipedia kommt

dagegen mit einem Satz aus:

Adipositas – beziehungsweise

Fettleibigkeit, Fettsucht,

Obesitas – ist starkes

Übergewicht, das durch eine

über das normale Maß hinausgehende

Vermehrung

von Körperfett mit krankhaften

Auswirkungen gekennzeichnet

ist.

Wer in seinen mittleren Lebensjahren 20 bis

30 Kilogramm zuviel mit sich herumschleppt,

mindert seine Lebenserwartung um durchschnittlich

drei Jahre. Adipöse verkürzen sie sogar

im Durchschnitt um fünf Jahre.

Nicht nur die Adipositas selbst, sondern auch

die Art und Weise, wie sich das Körperfett verteilt,

spielt beim Risiko für weitere Erkrankungen

eine Rolle. Zu diesen Krankheiten gehören

Herzgefäßerkrankungen, Schlaganfall, Bluthochdruck,

Diabetes und Gicht.

Risiko Bauchfett

Spannt der Bauch über dem Bund oder muss

zu einer größeren Kleidergröße gegriffen werden,

heißt es aufpassen – auch für Normalgewichtige.

Denn die Verteilung des Körperfettes

bestimmt das eigene gesundheitliche Risikoprofil

mit. Lagern sich die Speckröllchen um

die Taille herum an, ist dies besonders schädlich.

Bereits ab einem Taillenumfang von über

102 Zentimetern bei Männern und von über 88

Zentimetern bei Frauen steigt das Krankheitsrisiko.

Mit 42 Prozent überschreitet fast jeder

zweite Studienteilnehmer in Sachsen-Anhalt

diesen kritischen Wert. Die schlanksten Taillen

in Deutschland haben die Frauen und Männer

in Hamburg.

Eine große europäische Studie (European Prospective

Investigation into Cancer and Nutrition),

die schon seit 1992 läuft und an der bisher

gut eine halbe Million Menschen teilgenommen

haben, fand bei übergewichtigen Menschen

einen deutlichen Zusammenhang des

Sterberisikos mit der Höhe des BMI und mit

dem Taille-Hüft-Verhältnis (WHR = waist-to-hip

ratio). „Das wichtigste Ergebnis unserer Untersuchung

ist, dass das Übergewicht an sich,

aber auch unabhängig davon die Körperfettverteilung

das Sterblichkeitsrisiko beeinflusst“,

sagt Studienautor Tobias Pischon vom Deutschen

Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke.

Der Grund: Das Bauchfett ist

nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziert

auch Botenstoffe, die die Entwicklung

chronischer Erkrankungen fördern.

Zwar scheint sich erfreulicherweise die Zahl

der Übergewichtigen in den letzten 20 Jahren

MGM Seite 7

nur wenig zu ändern, ein Grund zum Aufatmen

ist dies aber nicht, denn Menschen mit Übergewicht

packen immer mehr Pfunde auf ihre

Hüften.

Kinder besonders gefährdet

Die 2. Nationale Verzehrstudie mit bundesweit

20.000 Teilnehmern kommt auf knapp 70 Prozent

übergewichtige Männer und 50 Prozent

übergewichtige Frauen im Alter zwischen 18

und 80 Jahren. Jeder fünfte Erwachsene hat

eine Adipositas und damit ein erhöhtes Risiko

an einer Herz-Kreislauf Krankheit (wie Herzgefäßverengung

und Bluthochdruck) oder einem

Diabetes zu erkranken.

Der Vergleich der Daten mit denen aus dem

Jahr 1998 zeigt, dass der Anteil an übergewichtigen

18- und 19-Jährigen in den letzten

zehn Jahren deutlich gestiegen ist: Bei jungen

Frauen von 17 auf 23 Prozent, bei jungen Männern

von 20 auf 28 Prozent.

Auch unter Heranwachsenden zwischen drei

und 17 Jahren ist Übergewicht laut Kinder- und

Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch Institutes

weit verbreitet: 15 Prozent der insgesamt

14.747 untersuchten Kinder wurden als

übergewichtig eingestuft, 929 Kinder (6,3 Prozent)

sogar als adipös.

Gründe gibt es viele

Die Weltgesundheitsorganisation spricht von

einem internationalen Problem. 2005 waren

weltweit 1,6 Milliarden Menschen im Alter von

über 15 Jahren übergewichtig. 400 Millionen

davon hatten einen BMI über 30, zählten also

zu den gesundheitsgefährdeten Adipösen.

Betroffen sind vor allem Menschen in den Industrieländern:

Wenig Bewegung in Beruf und

Freizeit sowie zuviel fettreiche und zuckerhaltige

Nahrungsmittel sind die Dickmacher der

Nationen.

Aufklärung tut Not, ersetzt aber nicht die Verantwortung

jedes Einzelnen. Gesundheitserziehung

fängt zwar bei den Kleinsten an, aber

auch Erwachsene sollten ihre Vorbildfunktion

ernst nehmen. Runter vom Sofa und der Griff

zu gesunden Lebensmitteln sind wichtige

Schritte zu einer gesünderen Gesellschaft.

Bild:Wikipedia - http://de.wikipedia.org


Forschung nimmt

Übergewicht ins Visier

„Adipositas ist eine chronische Erkrankung“

warnte die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) schon vor zwölf Jahren. Reagiert hat

darauf kaum ein Land. So haben beispielsweise

die Behörden und Krankenkassen in

Deutschland Fettleibigkeit (Adipositas) bisher

nicht als Krankheit anerkannt, sondern nur als

Risikofaktor für Folgeerkrankungen wie die Zuckerkrankheit

(Diabetes mellitus) und Leberverfettung

angesehen. Dies habe nicht nur

Nachteile für die Betroffenen erbracht, sondern

auch für die Forschung, sagte Stephan Bischoff

vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität

Hohenheim in Stuttgart beim Fachkongress

„Ernährung 2008“ in Hamburg: Adipositas

sei im Rahmen klinischer Forschung

bislang nicht ausdrücklich untersucht worden.

Umdenken tut Not, damit Gesundheit für alle

bezahlbar bleibt. Das hat auch die Bundesregierung

erkannt. Deshalb finanziert das Bundesministerium

für Bildung und Forschung

(BMBF) eine gezielte Adipositasforschung in

acht Forschungsverbänden. Daraus soll ein

neues Kompetenznetz in Deutschland entstehen.

Experten sehen darin einen Meilenstein,

der die deutsche Adipositasforschung

voranbringen wird. Das Forschungsprojekt ist

auf zwölf Jahre angelegt und wird in der Anschubphase

mit acht Millionen Euro gefördert.

Den Dickmachern auf der Spur

Innerhalb eines Adipositas Netzwerkes verfolgt

die Universität Hohenheim eine neue Richtung:

Dass Essverhalten über das Gehirn und durch

Hormone gesteuert wird, ist bereits bekannt.

„Es gibt jedoch Hinweise, dass auch der Magen-Darm-Trakt

an der Steuerung der Gewichtszunahme

beteiligt ist“, erläutert Bischoff.

Die Forscher erhoffen sich nun, dass neben Appetitzüglern,

die das Essverhalten über das Gehirn

bremsen sollen, eine neue Generation von

Medikamenten entsteht, die direkt über den

Magen-Darm-Trakt wirken. Was aus diesem

Ansatz wird, bleibt abzuwarten.

TITELTHEMA

Jährlich werden in Deutschland rund 240 Milliarden Euro für Gesundheit

ausgegeben. Jeder vierte Euro fließt dabei in die Behandlung ernährungsbedingter

Erkrankungen. Übergewicht ist kostspielig.

Neben den beiden bereits bekannten Erbfaktoren

für Fettleibigkeit – sie werden mit FTO

und MC4R abgekürzt – fand ein internationales

Forscherteam vor kurzem sechs zusätzliche

Gene. Sie sind in Gehirnzellen von Adipösen

aktiv und beeinflussen deren Appetit.

Heinz-Erich Wichmann und Iris Heid vom Institut

für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums

München leiten das deutsche Team und

betonen: "Die beiden Hauptursachen für das

Dickwerden sind natürlich falsche Ernährung

und mangelnde Bewegung. Aber die Biologie

dieser Gene deutet darauf hin, dass erbliche

Faktoren dahinter stehen, wenn Menschen auf

Lebensstil- und Umweltbedingungen unterschiedlich

reagieren."

Sich helfen lassen

Auch die Behandlung von Adipositas-Kranken

macht Fortschritte. Vor allem chirurgische Verfahren

haben sich weiterentwickelt. Der so genannte

„Gastric Bypass“ beispielsweise unterstützt

stark übergewichtige Menschen beim

Abnehmen. Bei dieser Operation wird der Darm

„umgeleitet“: Zunächst entsteht ein kleiner

Restmagen. Er besitzt keine Verbindung mehr

zum ursprünglichen Magenausgang, sondern

wird direkt an den Dünndarm angeschlossen.

Die Nahrung gelangt über Mund und Speiseröhre

direkt in diesen kleinen Restmagen. Wenn

sie ihn verlässt, fließt sie somit nicht – wie sonst

üblich – in den Zwölffingerdarm, sondern vom

Magen direkt in den Dünndarm. Der verkleinerte

Magen kann nicht mehr soviel Nahrung

aufnehmen und das Umgehen von Darmabschnitten

verringert die Aufnahme von Nahrungsenergie

über die Darmschleimhaut.

Kommt eine Operation nicht in Frage, kann zum

Beispiel das Optifast-Programm eine sinnvolle

Hilfe für Menschen mit Adipositas bieten.

Das Programm beinhaltet eine einjährige Betreuung

durch Mediziner, Sportwissenschaftler

und Psychologen. Es gliedert sich in drei

Phasen: Nach einer medizinischen Untersu-

Zu viel Essen und zu

wenig Bewegung sind

die Dickmacher in den

Industrieländern

MGM Seite 8

chung folgt die 12-wöchige Fastenphase mit

anzurührender Pulvernahrung. Im nächsten

Schritt erlernen die Abnehmwilligen, sich fettarm

und ausgewogen zu ernähren. Billig ist das

Ganze allerdings nicht. Die Kosten liegen bei

rund 3.000 Euro für ein Jahr. Manche Krankenkassen

zahlen einen Zuschuss – Nachfragen

lohnt sich also.

Diät nur ein Baustein

Wer sich gut im Griff hat und motiviert ist, kann

den Pfunden auch alleine den Kampf ansagen.

Diätangebote gibt es genügend. Für welche

man sich entscheidet, scheint keine allzu große

Rolle zu spielen: Nicht die Zusammensetzung

aus Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten zählt,

sondern allein die Kalorienzahl, die man zu sich

nimmt.

Das ergibt die bisher größte Diätstudie, deren

Ergebnisse Anfang 2009 im „New England

Journal of Medicine“, einer der anerkanntesten

medizinischen Fachzeitschriften, zu lesen waren.

Die Autoren hatten den Effekt von vier Diäten

bei 811 übergewichtigen Erwachsenen

überprüft. Jede Diät setzte sich aus unterschiedlichen

Anteilen an Fett, Kohlenhydraten

und Eiweiß zusammen. Allen gemeinsam war

eine um 750 kcal verringerte Kalorienzufuhr –

die Gesamtenergiezufuhr betrug nie weniger

als 1.200 kcal. Zusätzlich absolvierten die Teilnehmer

ein 90-minütiges Bewegungsprogramm.

Das Ergebnis: Der Gewichtsverlust

nach zwei Jahren unterschied sich für die einzelnen

Diätformen kaum.

Mit einer Diät allein kommt man also nicht weit.

Das sieht auch die Deutsche Gesellschaft für

Ernährung (DGE) so: Die Lösung von Gewichtsproblemen

ist weniger in diversen Diät-

Produkten als vielmehr in langfristig veränderten

Ernährungsgewohnheiten zu finden.

Auch so genannte Appetitzügler helfen nur selten.

„Die alleinige Anwendung reduziert höchstens

kurzfristig das Gewicht. Sobald der Appetitzügler

abgesetzt wird, steigt das Körpergewicht

wieder an, da die Ursachen des Übergewichtes

nicht verändert wurden“, so die DGE.

Sie weist auch darauf hin, dass Appetitzügler

zum Teil starke Nebenwirkungen haben.


Abspecken verbessert

Blasenschwäche

Übergewichtige oder fettleibige

Frauen können durch Abnehmen ihre

Beschwerden bei Blasenschwäche

deutlich verringern.

Unwillkürlichen Urinverlust (Harninkontinenz)

kennen viele Frauen. Allein in Deutschland

sind rund acht Millionen Frauen betroffen. Jede

Zweite leidet schon mehrere Jahre an den

Beschwerden. Die Mehrzahl (71 %) der Betroffenen

gibt an, pro Woche ein- bis dreimal

ungewollt Urin zu verlieren.

Trotz der weiten Verbreitung traut sich kaum

eine Betroffene darüber zu sprechen. Nicht

einmal jede zweite Frau sucht deswegen eine

Ärztin oder einen Arzt auf. So verständlich

die Scheu sein mag – sie ist auch bedauerlich,

denn es gibt eine Reihe guter Behandlungsmöglichkeiten.

Abnehmen gehört oft dazu. Jede zweite Frau

mit Harninkontinenz hat einen Bodymass-Index

(BMI) über 30 und gehört damit zur Gruppe

mit extremem Übergewicht. Hier kann

schon Abnehmen allein die Beschwerden lin-

LINKTIPPS

Initiative gesunde Ernährung

www.in-form.de

Hier finden Sie alle wichtigen

Informationen zum

Nationalen Aktionsplan,

den das Bundesministerium

Landwirtschaft und Ernährung

(BLE) zusammen

mit dem Bundesministerium für Gesundheit ins Leben

gerufen hat.

Mitgehen am Mittwoch

www.die-praevention.de

Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Mai

2005 die Kampagne „Bewegung und Gesundheit

gestartet. Ziel der bundesweiten Kampagne ist es,

gesunde Lebensstile zu fördern und zu zeigen, wie

einfach es ist, sich mehr zu bewegen.

Ulla Schmidt ruft zusammen

mit Christian Neureuther

und Rosi Mittermaier

beim Frankfurter

Spaziergang dazu auf,

jeden Tag 3.000 Schritte

extra zu gehen.

Essen und gesund bleiben

www.uni-hohenheim.de/

wwwin140/info/info.htm

Das Ernährungsinformationssystem der Universität

Hohenheim wurde in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum

für Ernährung in Esslingen erstellt.

Hier finden Sie Informationen rund um Ernährung

und Gesundheit.

dern. “Unsere Ergebnisse deuten darauf hin,

dass wir die Linderung einer Harninkontinenz

der langen Liste gesundheitlicher Verbesserungen,

die eine Abnehmen bewirkt, hinzufügen

können“, sagt Leslee Subak von der University

of California in San Francisco.

Sie hat mit ihren Kollegen 338 übergewichtige

und adipöse Frauen im Alter zwischen 42

und 64 Jahren untersucht. Alle Frauen litten

an einer Blasenschwäche mit mindestens

zehn Inkontinenzzwischenfällen pro Woche.

226 dieser Frauen hielten sich ein halbes Jahr

lang an ein intensives „Abspeck-Programm“,

das Ernährungsumstellung und Bewegung

einschloss. Die anderen Frauen gehörten zur

Kontrollgruppe. Sie nahmen zwar an wöchentlichen

Treffen mit Ernährungsberatern,

Sportprogrammen und den Angeboten zur

Verhaltensänderung teil, ein spezielles Trainingsprogramm

bekamen sie allerdings nicht.

Nach einem halben Jahr zeigte sich ein deutlicher

Unterschied in den Gruppen, was den

Gewichtsverlust angeht – 8 kg verloren die

Frauen, die Diät und Bewegung kombinierten,

Richtig essen in Kitas

www.fitkid-aktion.de

„FIT KID - Die Gesund-Essen-Aktion für Kitas“ ist ein

Projekt des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft

und Verbraucherschutz und wird von der Deutschen

Gesellschaft für Ernährung e.V. durchgeführt.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.,

Referat Gemeinschaftsverpflegung,

Godesberger Allee 18, 53175 Bonn,

Telefon: 0228-3776 860, Fax: 0228-3776 800

E-Mail: fitkid@dge.de

Was wir essen

http://www.aid.de

Pressekontakt Renate Kessen, Telefon (0228) 84 99-162

Telefax (0228) 84 99-2119, E-Mail: r.kessen@aid-mail.de]

Der Infodienst zu Themen rund um Verbraucherschutz,

Ernährung und Landwirtschaft (aid infodienst e.V.) wird

vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft

und Verbraucherschutz gefördert. Er bereitet seit mehr

als 50 Jahren Informationen aus Wissenschaft und Praxis

verständlich auf. Auf der Seite www.aid-machtschule.de

bietet der Verein beispielsweise für Schulen

Unterrichtsmaterialen zum Thema Ernährung.

aid infodienst, Verbraucherschutz,

Heilsbachstraße 16, 53123 Bonn

Deutsche Gesellschaft für

Ernährungsmedizin

www.dgem.de

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V.

(DGEM) fördert Wissenschaft und Praxis auf dem Gebiet

der Ernährungsmedizin und Stoffwechselforschung.

Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V.

DGEM e. V. Info- und Geschäftsstelle

Olivaer Platz 7, 10707 Berlin

MGM Seite 9

Blasenschwäche ist häufig durch zuviel Gewicht

mit verursacht – die Beschwerden lassen sich oft

durch Abnehmen lindern.

wogegen die Frauen in der Kontrollgruppe nur

1,5 kg abnahmen. Auch die Inkontinenz wurde

seltener: 47 % weniger Episoden pro Woche

in der „Trainingsgruppe“ gegenüber 28 %

in der Kontrollgruppe.

„Die Aussicht auf Verbesserung einer Harninkontinenz

könnte für übergewichtige Frauen

eine zusätzliche Motivation sein ihren Lebensstil

zu ändern“, meint Subak. Schon ein

paar Kilo weniger wirken!

Adipositas Thema der WHO

www.who.int/nutrition/topics/

obesity/en/

Die Weltgesundheitsorganisation warnt schon lange

vor dem Adipositas-Risiko. Wie die WHO das Problem

einschätzt und was sie dagegen tut, finden Sie auf der

englischsprachigen Internetseite der WHO.

Adipositas Gesellschaft

www.adipositas-gesellschaft.de

Die Deutsche Adipositas Gesellschaft ist eine Vereinigung

von Wissenschaftlern und Experten, die sich

diesem Krankheitsbild widmen. Auf der Webseite

sind beispielsweise Therapieleitlinien und Adressen

therapeutischer Einrichtungen veröffentlicht.

Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V.,

Waldklausenweg 20, 81377 München,

Telefon: 089-71048358, Fax: 089-71049464

Diäten im Vergleich

www.aok.de/bund/rd/89896.htm

In Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

stellt die AOK auf ihrer Internetseite elf Diätformen

mit ihren Vor- und Nachteilen vor.

Stiftung juvenile Adipositas

www.adipositas-stiftung.de

Zweck der Stiftung ist die Förderung nachhaltiger, leitlinienorientierter

Therapieformen der Adipositas bei

Jugendlichen und jungen Erwachsenen in praktischer

Ausgestaltung und wissenschaftlicher Forschung.

Frau Doris Angerer & Frau Petra Pfnür

Stiftung Juvenile Adipositasim, Diakoniewerk

Hohenbrunn, Insulaweg 8, 83483 Bischofswiesen,

Telefon: 08652-59522, Fax: 08652-59225

Foto: pixelio.de


TITELTHEMA

Folgeerkrankungen der

Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Psychosozial:

geringes Selbstwertgefühl

Depression

Essverhaltensstörung

Lunge: Asthma

Schlafapnoe-Syndrom

Gastrointestinal:

Gallensteine, Fettleber

Niere: Vernarbung

der Nierenkörperchen

(Glomerulosklerose)

Knochen und Muskeln:

Ablösung des Oberschenkelhalskopfs

in der Wachstumsfuge des

Oberschenkels

Plattfuß

Die Adipositas geht schon im

Kindes- und Jugendalter mit vielen

Folge erkrankungen einher. Neben

medizinischen Krankheiten kommen

auch seelische Störungen vor. Die

Folge krankheiten kosten nicht nur

viel Geld, sie führen auch zu einer

im Vergleich zu Normalgewichtigen

geringeren Lebenserwartung der

Betroffenen.

Die medizinischen Folgeerkrankungen extremen

Übergewichts lassen sich zwei Gruppen

zuordnen. Zum einen in Erkrankungen, die bereits

im Kindes- und Jugendalter zu Beschwerden

führen und zweitens Erkrankungen,

die in diesen Altersgruppen meist kaum

Symptome verursachen, aber die Lebenserwartung

vor allem durch Gefäßveränderungen

verringern. Zu den zunächst kaum spürbaren,

aber langfristig riskanten Krankheiten gehören

Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie), Bluthochdruck

(arterielle Hypertonie), Zuckerstoffwechselstörungen

(Glucosetoleranzstörungen,

Diabetes mellitus Typ 2) und chronische Entzündungen.

All diese Erkrankungen führen schon im Kindes-

und Jugendalter zu Gefäßwandveränderungen,

die sich an den Gefäßwanddicken, vor

allem an einer bestimmten, zum Gehirn führenden

Arterie, nachweisen lassen. Im Erwachsenenalter

können solche verengten Gefäße

unter anderem zu Herzinfarkt und Schlaganfall

führen. Treten mehrere Folgeerkrankungen

zusammen auf, steigt das Risiko früher zu

sterben als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Alter und Geschlecht beeinflussen die Gefahr,

diese Folgeerkrankungen starken Übergewichts

zu entwickeln. Hauptsächlich zwei Gründe

sind es, die zu den Erkrankungen führen:

Neurologisch

erhöhter Hirndruck

Kardiovaskulär:

Fettstoffwechselstörung

Bluthochdruck

Chronische Entzündung

Stoffwechsel: Typ 2 Diabetes

vorzeitige Pubertät (Mädchen)

verzögerte Pubertät (Jungen)

Hormonell bedingte Störung

der Eierstöcke (polyzystisches

Ovarsyndrom)

modifiziert nach Ebbeling, 2002

Das Ausmaß des Übergewichts und vor allem

Erbfaktoren, die eine so genannte Insulinresistenz

begünstigen. Bei der Insulinresistenz

erkennt der Körper das eigene Blutfett senkende

Hormon Insulin nicht mehr richtig, wodurch

der Körper den Zucker nur noch eingeschränkt

verarbeiten kann. Zucker- und Fettstoffwechselstörungen

sind die Folge.

In der Pubertät steigt diese Insulinresistenz:

Damit zusammenhängende Folgeerkrankungen

werden also durch die Pubertät in ihrer Entwicklung

gefördert.

Große Untersuchungen mit jeweils mehr als

1.000 übergewichtigen Kindern und Jugendlichen

zeigen übereinstimmend folgende Häufigkeiten

von Folgeerkrankungen:

Bluthochdruck: ca. 30 % (wobei sich in der

Zahl auch Fälle von „Weisskittel“- Hypertonie

verbergen können, bei denen der Blutdruck

schon allein durch den Anblick einer Person

im weißen Kittel steigt)

Fettstoffwechselstörungen: ca. 25 %

Gicht (Hyperurikämie): ca. 20 %

Zuckerstoffwechselstörungen (Glucosetoleranzstörungen):

ca. 30 % (Beginn in der Pubertät,

vorher wesentlich seltener)

„Altersdiabetes“ (Diabetes mellitus Typ 2):

maximal 1 % (ab der Pubertät, vorher ist die

Erkrankung eine absolute Ausnahme)

Nicht alkoholbedingte Fettleberkrankheit: ca.

7-10 % (die Diagnose kann anhand von Blutwerten

nur vermutet werden. Ganz sicher

wäre sie nur durch eine Gewebeentnahme

zu stellen, wozu man aber direkt in die Leber

stechen und damit einen gefährlicheren Eingriff

riskieren müsste). Diese Erkrankung kann

in eine Leberzirrhose mit einem Versagen der

Leber münden.

Stoffwechselstörung bei geschlechtsreifen

Frauen (Polyzystisches Ovarsyndrom): bis zu

MGM Seite 10

Folgeerkrankungen

der

Adipositas im

Kindes- und

Jugendalter

nach dem

WHO Report

2002

20 % aller adipösen Mädchen ab dem 14. Lebensjahr.

Diese Erkrankung führt zu Regelbeschwerden,

Sterilität und einem erhöhtem

Brust- und Gebärmutterkrebsrisiko. Die betroffenen

Mädchen leiden dabei besonders

unter einem männlichen Behaarungstyp (auch

Hirsutismus genannt), der durch die bei dieser

Erkrankung erhöhten männlichen Hormone

(Androgene) hervorgerufen wird.

All diese Erkrankungen traten bei stark übergewichtigen

Kindern und Jugendlichen deutlich

häufiger als in einer normalgewichtigen

deutschen Kontrollgruppe auf.

Sonstige Krankheiten, die mit Übergewicht zusammenhängen,

ohne dass genaue Häufigkeitsangaben

an größeren Kollektiven vorliegen,

sind:

Orthopädische Erkrankungen,

Gelenkschäden,

Gelenkfehlstellungen,

Abgleiten des Hüftkopfes (Epiphyseolysis

capitis femoris),

Hautinfektionen,

Starke Kopfschmerzen bei Hirndruckerhöhung,

Erhöhte Eiweißausscheidung der Niere

(Proteinurie),

Asthmaähnliche Beschwerden, besonders

bei Anstrengung,

Störungen der Atmungsregulation im Schlaf

durch Einengung der oberen Atemwege

(Schlaf- Apnoe-Syndrom). Dies geht mit Müdigkeit

und Konzentrationsstörungen am Tag

einher.

Gallensteine: besonders während des Abnehmens,

Frühzeitige Pubertätsentwicklung bei Mädchen

(Pubertas praecox),

Verspätete Pubertätsentwicklung bei Jungen

(Pubertas tarda),

Brustwachstum bei Jungen, da das Fettgewebe

männliche Hormone (Androgene) zu

weiblichen Hormonen (Östrogenen) umbilden

kann.

Psychiatrische Erkrankungen

Bei diesen Erkrankungen lässt sich nur schwer

zwischen Ursachen und Folgen der Adipositas

unterscheiden. In einer deutschen Untersuchung

bei extrem übergewichtigen Jugendlichen

fanden sich häufig folgende Erkrankungen:

Depression: 43 %

Angststörung: 40 %

Körperliche Beschwerden ohne organische

Erkrankung (Somatisierungsstörung): 15 %

Essstörung: 17 %

Unkontrollierte Essattacken und nachfolgendes

Erbrechen (Bulimie) und unkontrollierte Essattacken

ohne Erbrechen (binge eating disorder)

traten ebenfalls auf.

All diese Erkrankungen kamen deutlich öfter

vor als bei normalgewichtigen Jugendlichen.


Schadet Übergewicht

immer?

Kaum Hintern, kaum Busen, Hauptsache

Idealgewicht. Filmstars und

Modells werden immer dünner. Mit

diesen Vorbildern wird der Blick in

den Spiegel schnell zum Albtraum.

Die Jagd nach dem Idealgewicht um

jeden Preis ist auch gesundheitlich

riskant. Wer ein paar Kilogramm mehr

zur Schau stellt, lebt oft gesünder.

Hans W. ist 1,80 Meter groß und bringt 96 kg

auf die Waage. Er fährt täglich mit dem Rad

zur Arbeit und geht dreimal die Woche

Schwimmen. Im letzten Urlaub war er zwei

Wochen Wandern auf Mallorca. Kurzum, er

fühlt sich pudelwohl. Wenn da nur nicht die

besorgten Blicke seiner Frau wären. Sie ist

beunruhigt, dass er mit seinem Übergewicht

in gesundheitliche Schwierigkeiten kommt.

Übergewichtig, aber

nicht fettleibig

Was die Barbies der Welt als Ideal vorgeben,

gehört eindeutig in die Kategorie Untergewicht

und ist mindestens genauso gefährlich wie

Fettleibigkeit (Adipositas). Zwischen diesen

beiden Extremen liegt ein breites Mittelfeld,

also ein ‚nicht zu wenig’ und ‚nicht zu viel’.

Dort bewegen sich die meisten Deutschen

mit ihrem Gewicht. Wenn aus dem Übergewicht

eine Adipositas wird, dann sollte man

seinen Lebensstil allerdings hinterfragen.

Wer es genau wissen will, muss rechnen.

Heute üblich ist die Einteilung nach dem Body

Mass Index (BMI):

BMI =

Körpergewicht in kg

Körpergröße in m x Körpergröße in m (m²)

Gewichtsklassifikation nach BMI BMI (kg/m²)

Normalgewicht 18,5-24,9

Übergewicht (Präadipositas) 25,0-29,9

Adipositas Ab 30

Adipositas Grad I 30,0-34,9

Adipositas Grad II 35,0-39,9

Adipositas Grad III

(extreme Adipositas)

40 und mehr

Beispiel: BMI bei einer Größe von 1,70 m

und 70 kg Gewicht = 24,22

Hans W. sitzt seiner Ärztin verunsichert gegenüber.

Gespannt verfolgt er ihre Worte: „Ihr

BMI liegt bei 29,6. Damit sind Sie übergewichtig,

aber nicht adipös. Sie haben keine

Kinder, esst mehr Obst (…und Gemüse)!

Kaum Gemüse und Obst, dafür

kohlenhydratreiche Kalorienbomben,

Salz und proteinreiche Lebensmittel

– dies sind die Schwachstellen in

Sachen Ernährung von Kleinkindern.

Den Griff zu ungesunden Nahrungsmitteln

lernen sie von ihren Eltern.

Schon Kleinkinder nehmen über Fleisch,

Wurst und Käse das zwei bis drei Mal mehr

Eiweiß zu sich, als Experten empfehlen. Zusätzlich

konsumieren Kinder unter fünf Jahren

zu viel Salz und Zucker. Schon im 1. Lebensjahr

knabbern die Kleinsten Süßwaren

und Zucker.

Nur beim Obst halten sich Eltern von Kleinkindern

noch relativ gut an die Empfehlun-

Wichtig für den Speiseplan von Kindern

✔ Mehr pflanzliche Lebensmittel: vor allem Gemüse, Obst,

Brot und Kartoffeln

✔ Mehr Vollkornmehl: In Brot, Nudeln oder Reis

✔ Mehr (Mineral-)Wasser und ungesüßte Früchte- bzw. Kräutertees

✔ Mehr fettreduzierte Milchprodukte (1,5 % Fettgehalt)

✔ Weniger fettreiche Wurst- und Fleischsorten

gen für die ersten zwei Jahre: Bis zum 2. Geburtstag

essen Kinder im Durchschnitt die

empfohlene Menge von 120 g. Doch bereits

mit dem Zufüttern von Gemüse klappt es

nicht mehr so gut. Hier erreicht kaum ein Kind

nach dem ersten Lebensjahr noch die empfohlenen

120 g. Je älter die Kinder werden,

desto größer wird die Schere zwischen Ist

und Soll: Bei den 4-Jährigen landen anstatt

200 g Gemüse nur 60-75 g am Tag auf dem

Teller.

Dies sind Botschaften des aktuellen Ernährungsberichts

2008 der Deutschen Gesellschaft

für Ernährung (DGE). Die DGE warnt

davor, dass Ernährungsfehler, die schon bei

den Kleinen gemacht werden, sich im späteren

Kindes- und Jugendalter fortsetzen.

MGM Seite 11

Kinder essen

häufig

ungesund

Erkrankung oder Risikofaktoren. Zusätzlich

sind Sie körperlich aktiv und tun damit genau

das Richtige für Ihre Gesundheit. Eine Gewichtsreduktion

ist daher aus medizinischer

Sicht nicht notwendig“. Er ist erleichtert, trotzdem

will er versuchen ein paar Pfunde zu verlieren,

nicht aus gesundheitlichen Gründen,

sondern um seiner Frau (noch) besser zu gefallen.

BMI nicht Maß aller Dinge

Wann Mediziner Übergewicht und Fettleibigkeit

für behandlungsbedürftig halten, hat sich

in den letzten Jahrzehnten verändert. Heute

empfehlen die Experten bei Übergewicht (BMI

25-29,9) nur dann eine Behandlung, wenn zusätzliche

gesundheitsschädigende Risikofaktoren

(zum Beispiel Rauchen oder erhöhter

Taillenumfang bei Männern > 100 cm und bei

Frauen > 88 cm) bestehen, weitere Erkrankungen

vorhanden sind oder der Betroffene

über einen andauernden, hohen Leidensdruck

klagt.

Wer gesundheitsbewusst lebt, hat also nicht

nur sein Gewicht im Blick. Gesund leben bedeutet

auch, gesund zu essen und sich ausreichend

zu bewegen. Denn Normalgewicht

ohne Bewegung schadet der Gesundheit

mehr, als Übergewicht gepaart mit körperlicher

Fitness.


Olivenöl und

Gemüse halten

geistig fit

Der Sommer ist da. Mit den ersten Sonnenstrahlen

nehmen sich viele vor, dass auch der

Winterspeck verschwinden soll. Der Blick auf den

Teller macht klar: Hier muss sich etwas ändern!

Eine Ernährung, wie sie in den Mittelmeerländern

üblich ist, bietet eindeutige Vorteile.

Olivenöl, Gemüse & Co. sind gut für das Gehirn: Sie erhalten

die geistige Leistungsfähigkeit im Alter und können anscheinend

sogar eine Alzheimer-Krankheit verzögern.

Im Alter steigt das Risiko an Demenz – das heißt verminderter

Gedächtnisleistung – zu erkranken. In Deutschland leben schätzungsweise

eine Million Demenzkranke. Einer von zehn der

über 80-Jährigen ist davon betroffen. Häufigste Ursache ist die

so genannte Alzheimer Krankheit. Bei ihr hemmen fehlerhafte

Eiweiße die Funktion der Nervenzellen. Eine Vorstufe der Alzheimer-Krankheit

ist das so genannte ‚mild cognitive impairment’

(MCI). Es bringt Vergesslichkeit, setzt die Aufmerksamkeit

herab und verschlechtert die Körperkontrolle.

Offenbar vermag die richtige Ernährung das Risiko für die Alzheimer-Vorstufe

MCI zu senken. Zu diesem Ergebnis kommt

der New Yorker Neurologe Nikolas Scarmeas. Als gut erweist

sich die so genannte mediterrane Diät, also das Essen von Gemüse,

Hülsenfrüchten, Obst, ungesättigten Fetten – zumeist

Olivenöl – und Fisch. Auch Zurückhaltung beim Konsum von Alkohol,

sowie gleichzeitiger Verzicht auf tierische Fette und Fleisch

scheint hilfreich.

"Diese Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass eine mediterrane

oder ähnliche Diät das Risiko beeinflusst, dass MCI

auftritt oder sich zur Alzheimer-Erkrankung fortentwickelt", folgert

Scarmeas. Die Effekte einer gesunden Ernährung auf MCI

müssten aber weiter untersucht werden, vor allem die möglichen

biologischen Abläufe, die der Schutzwirkung zu Grunde

liegen.

"Auch wenn ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der mediterranen

Diät und möglicher Demenzentwicklung hier nicht

bewiesen wurde, handelt es sich doch um eine wichtige Studie",

sagt Matthias Endres, Leiter des Zentrums für Schlaganfallforschung

an der Charité in Berlin. Eines steht aber fest: Eine

mediterrane Diät ist auf jeden Fall eine gute Empfehlung,

um Herz und Hirn auf Dauer Gutes zu tun.

Gerd Altmann/pixelio.de

Das Angebot an

gesunden

Nahrungsmitteln

ist vielfältig

GUT INFORMIERT

Gewicht halten.

Aber wie?

Vielen Erwachsenen und Kindern fällt es schwer ihr Gewicht

im Normalbereich zu halten. Besonders nach Gewichtsreduktionsdiäten

nehmen die meisten schnell

wieder zu und bringen danach häufig sogar mehr Pfunde

auf die Waage als vorher.

Wie lässt sich die Gewichtszunahme stoppen? Erhöhen Sie den Eiweißanteil

ihrer Nahrung, lautet eine Antwort. Wie? Indem Sie Lebensmittel

nicht, wie bisher häufig empfohlen, nach ihrem Glykämischen Index (GI)

aussuchen, sondern nach ihrem Eiweißgehalt (Proteingehalt).

Der GI misst die Wirkung kohlenhydrathaltiger Nahrungsmittel auf den

Blutzuckerspiegel. Je höher der GI eines Lebensmittels ist, desto schneller

steigt nach seiner Aufnahme der Zuckerspiegel im Blut – das heißt,

desto mehr Fett und Kohlenhydrate werden im Körper gespeichert.

Personen legten nach einer

Diät weniger Gewicht

zu, wenn sie den Eiweißanteil

ihrer Nahrung erhöhten.

„Dagegen bot der

Verzehr einer Diät mit niedrigem

Glykämischen Index

keinen weiteren Vorteil hinsichtlich

einer (Wieder-)

Zunahme des Körpergewichts“,

erläuterte Arne

Astrup von der Universität

in Kopenhagen 2008 auf dem 16. europäischen Adipositas Kongress in

Genf.

Früh gegensteuern

Noch konkretere Angaben liefert eine deutsche Studie: Weniger zuckerhaltiger

Getränke, mehr Bewegung und weniger Zeit vor Bildschirmmedien

beugt Übergewicht bei Kindern vor.

1.037 Zweitklässler aus 34 Grundschulen in Ulm und Neu-Ulm, im Alb-Donau-Kreis

und dem Kreis Neu-Ulm wurden in der sogenannten URMEL-

ICE Studie untersucht.

"Im Vergleich zur Situation der Körperzusammensetzung von Ulmer Schulkindern

vor 30 Jahren finden wir heute viermal so viele Kinder mit einer

erhöhten Körperfettmasse", sagt Martin Wabitsch von der Ulmer Universitätsklinik

für Kinder- und Jugendmedizin. "Die Körperfettmasse ist auch

bei Normalgewichtigen deutlich angestiegen."

Die Wissenschaftler entwickelten ein strukturiertes Programm zur Vorbeugung,

welches sich in den normalen Schulalltag integrieren lässt, ohne

Expertenunterricht auskommt und das soziale Umfeld wie Schulklassen

und Familien einbezieht. Die Schüler beschäftigten sich in verschiedenen

Unterrichtseinheiten ein Jahr lang mit den Themen Ernährung, Medienkonsum

und Bewegung. Sie nahmen außerdem während des normalen

Schulunterrichts an kleinen Bewegungseinheiten teil.

Zu Beginn der 3. Klasse konnten 964 der Kinder nochmals untersucht werden.

Dabei zeigte sich, dass den Schülern das Programm hinsichtlich des

"Übergewichts" deutlichen Nutzen brachte.

"URMEL-ICE ist deshalb erfolgreich, weil es nicht nur über Verhaltensprävention

spricht, sondern Verhältnisprävention lebt", sagt Wabitsch. "Damit

werden die Kinder und ihre Familien von Schuldzuweisungen entlastet

und durch die Schule und die Lehrer erheblich unterstützt."

MGM Seite 12

Kindern macht Lernen Spaß

Quelle: FOTOLIA


Hautprobleme bei

Fettleibigen häufig

Juckreiz und trockene oder entzündete Hautstellen sind bei Adipösen

keine Seltenheit. Unter den Fettfalten finden nicht nur Bakterien

optimale Lebensbedingungen. Wer den Hautleiden den

Kampf ansagen will, muss sich bewegen und Gewicht reduzieren.

sches Problem. Wer die Grenze des

Übergewichtes zur Fettleibigkeit überschreitet,

erhöht sein Risiko für Herz-

Kreislauf Erkrankungen. Doch auch die

Haut hat ihre liebe Not. Drei von vier

Adipösen klagen über Hautprobleme.

Am häufigsten sind Juckreiz und trockene

Haut an Hüften, Armen und Beinen

sowie unter den Brüsten. Auch eine

Schuppenflechte (Psoriasis) kann

sich bei zunehmendem Gewicht deutlich

verschlechtern oder tritt erstmals

durch Gewichtszunahme auf.

Ursachen

Fettzellen produzieren Eiweiße, so genannte

Adipozytokine, die Stoffwechselprozesse

im Körper beeinflussen. Sie

begünstigen Entzündungen, verändern

den Zuckerstoffwechsel und regen

Wachstumsfaktoren an. Bei extrem

Übergewichtigen (Adipösen) sind die

Adipozytokine daher maßgeblich an der

Entstehung von Krankheiten beteiligt.

Wie die verschiedenen Mechanismen

im Einzelnen funktionieren, ist bis heute

noch nicht ganz geklärt.

Veränderungen

Werden Wachstumsfaktoren vermehrt

gebildet, geht dies an der Haut nicht

spurlos vorüber. 75 Prozent der Adipösen

bemerken an den Beugerseiten –

vor allem unter den Achseln, an Händen

und Füßen – eine Verhärtung der

oberen Hautschicht, die sich dann

bräunlich verfärbt. Diese Veränderun-

Quelle: FOTOLIA Fettpolster sind nicht nur ein ästheti-

Treten Bakterien durch die Haut, können sie in

die Blutbahn gelangen und sich weiter im Körper ausbreiten.

gen nennen Mediziner Acanthosis nigricans.

Dort wo Hautfalten aufeinander

liegen und aneinander reiben, finden

auch Bakterien und Pilze ein ideales

Umfeld zum Wachsen. Entzündliche

Hautrötung mit Juckreiz sind die

Folgen. Genauso häufig treten kleine

bewegliche Stilwarzen (Fibroma pendulans)

auf. Sie sind nicht gefährlich,

können aber optisch stören. Zusätzliches

Gewicht macht auch den Füßen

zu schaffen: Bei Menschen, die ihr Normalgewicht

um zwei Drittel und mehr

überschreiten, kann allein der zusätzliche

Druck, der auf den Fußsohlen lastet,

zu einer stärkeren Verhornung der

Sohle (plantare Hyperkeratose) führen.

Manche Adipöse leiden auch unter

schmerzhaften Knötchen, die sich in der

Fettschicht der Ferse bilden.

Behandlung

Entzündete Hautstellen können gerade

bei Adipösen ernstzunehmende Komplikationen

hervorrufen. Ein Beispiel ist

die Wundrose (Erysipel) eine schmerzhafte,

bakterielle Entzündung der Haut.

Die Bakterien können sich im Körperinneren

ausbreiten und Entzündungen

der Blutgefäße oder der Hirnhäute hervorrufen.

Wer Auffälligkeiten an der Haut

entdeckt, sollte daher zum Arzt gehen.

Nur wenn klar ist, worum es sich genau

handelt, kann die richtige Behandlung

eingeleitet werden. Viele Hautprobleme

lassen sich schon allein durch die

Verringerung des Körpergewichts vermeiden

oder deutlich bessern.

Hautschichten

Unterhautfettgewebe

Blutgefäße

MGM Seite 13

Frauen essen anders als Männer

Frauen sind nicht nur anders als Männer, sie essen und

trinken auch anders – oder sollten es jedenfalls. Aufgrund

geringerer Muskel- und größerer Körperfettmasse verbrauchen

Frauen pro Stunde nur 55,8 kcal, Männer hingegen

72,5 kcal. Bei gleichem Körpergewicht dürfen Männer

daher mehr essen als Frauen.

Aber wie sieht die Realität aus? Essen

Männer mehr und anders als

Frauen? Aktuelle Ergebnisse aus

der Nationalen Verzehrsstudie II bestätigen,

dass Männer durch- Frauen essen mehr Obst

schnittlich 166 g mehr Lebensmittel am Tag essen als Frauen.

Besonders fallen die Unterschiede beim Verzehr von Fleisch,

Wurst und Fleischerzeugnissen auf: Männer essen pro Tag 103

g Fleisch und Wurstwaren und damit doppelt so viel Fleisch wie

das weibliche Geschlecht. Dieser Unterschied zeigt sich schon

bei Kindern. Absolut gesehen essen Männer weniger pflanzliche

Lebensmittel, wobei Frauen vor allem bei Obst beherzter zugreifen.

Sie erreichen die Empfehlungen von täglich 250 g Obst

der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) relativ gut.

Beim Griff nach Gemüse sind die Unterschiede mit 20g eher gering,

das entspricht in etwa einem Radieschen. Das Gleiche gilt

für Brot und Getreideprodukte.

„Neben der Quantität unterscheidet sich aber auch die Qualität

der Lebensmittel zwischen den Geschlechtern. Männer sind seltener

Vegetarier, trinken weniger Kräuter- und Früchtetees, dafür

aber mehr Limonade und Alkohol“ erläuterte Annett Hilbig

vom Max Rubner-Institut auf dem Seminar „Gender und Ernährung

– männlich, weiblich, anders?“ der DGE Ende letzten Jahres

in Hamburg.

Übergewichtigen fehlt

Sättigungsgefühl

Manche Menschen können einfach nicht mit dem Essen

aufhören, obwohl sie eigentlich schon satt sind. Warum

das so ist? Dieser Frage sind Wissenschaftler eines der

größten Forschungszentren in den USA nachgegangen.

„Das Problem bei Übergewicht ist, dass wir etwas tun müssen,

dabei aber nicht sehr erfolgreich sind, da wir nichts darüber

wissen, was im Gehirn abläuft“, erläutert Gene-Jack Wang vom

amerikanischen Forschungszentrum Brookhaven National Laboratory

auf Long Island, New York. Wang versuchte mit seinem

Team diese Wissenslücke zu schließen.

Die Wissenschaftler verglichen bei Normal- und Übergewichtigen,

wie deren Gehirne auf einen gefüllten Magen reagierten.

Dazu schoben sie einen Ballon in den Magen des jeweiligen

Teilnehmers und füllten diesen dort mit Luft. Die gleichzeitige

Aufzeichnung der Gehirnströme zeigte bei den Übergewichtigen

eine deutlich verringerte Aktivität in den Bereichen,

die für das Sättigungsgefühl verantwortlich sind. „Diese Untersuchung

zeigt erstmals, in welcher Hirnregion Hungergefühle

unterdrückt werden und dass dieser Mechanismus bei Übergewichtigen

schlechter funktioniert“, erklärt Wang.

Das mangelnde Sättigungsgefühl dürfte eine Ursache dafür

sein, dass es Übergewichtigen so schwer fällt Maß zu halten.

Im Behandlungskonzept der Adipositas wird dieser Aspekt

aufgegriffen. Daher ist ein wichtiger Eckpunkt die Verhaltenstherapie.

Hier erarbeiten Betroffene realistische Ziele und

erlernen Strategien, um Rückfälle zu vermeiden.


Quelle: FOTOLIA

Ungesunder Lebensstil

schadet dem Gehirn

Mehr als 20.000 Männer und Frauen im Alter

von 40 bis 79 Jahren aus der englischen Grafschaft

Norfolk, bei denen weder ein Schlaganfall

noch ein Herzinfarkt aufgetreten war,

wurden zu ihren Lebensgewohnheiten befragt.

In den ersten elfeinhalb Jahren nach der

Befragung erlitt davon ein Drittel einen Schlaganfall,

der bei mehr als jedem Vierten tödlich

endete. Bei der Auswertung der Fragebögen

Schluss mit "Diabetiker-Lebensmitteln"

GUT INFORMIERT

Ungesunder Lebensstil

verdoppelt Schlaganfallrisiko

Menschen mit ungesundem Lebensstil haben

ein mehr als doppelt so hohes Risiko, einen

Schlaganfall zu erleiden als Menschen, die

nicht rauchen, nur wenig Alkohol trinken, sich

regelmäßig bewegen und vitaminreich ernähren.

Darauf weist die Deutsche Schlaganfall-

Gesellschaft hin.

»Auch wer nur eine, zwei

oder drei der vier Lebens -

regeln beherzigt, kann sein

Schlaganfallrisiko senken.«

Martin Grond, Vorstandsmitglied der

Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft

Die Bedürfnisse von rund acht Millionen Menschen mit Diabetes werden bei der

Kennzeichnung von Lebensmitteln zu wenig berücksichtigt. Darauf wies diabetesDE

im März 2009 bei einer Diskussion mit Parlamentariern hin.

diabetesDE, eine Organisation, die

sich für Zuckerkranke (Diabetiker) und

ihre Angehörigen stark macht, fordert

exakte Nährwertangaben auf allen

verpackten Nahrungsmitteln. Der

Grund: 80 Prozent der Typ 2 Diabetiker

leiden an Übergewicht. Derzeit

fehlen auf den meisten verpackten

Lebensmitteln aber Angaben über den

Anteil an Eiweiß, Zucker, Fetten, gesättigten

Fettsäuren, Salzen und Ballaststoffen.

Auch der Brennwert und

die Gesamtmenge an Kohlenhydraten

pro 100 Gramm sollte genannt werden. Nur

so ist es Diabetikern möglich, ihr Insulin richtig

zu dosieren und ihre Ernährung zuverlässig zu

planen. „Auch als vorbeugende Maßnahme gegen

Übergewicht und seine Folgekrankheiten

sind verständliche, gut lesbare Nährwertangaben

notwendig“, sagt Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender

von diabetesDE. Diese sollten

europaweit für alle verpackten Lebensmittel

vorgeschrieben werden.

Ein weiterer Kritikpunkt von diabetesDE sind die

so genannten „Diabetiker-Lebensmittel“. Die

veraltete nationale Diätverordnung (§ 12 DiätV)

müsste nach heutigem Kenntnisstand komplett

gestrichen werden. „Obwohl sich die Experten

Quelle: FOTOLIA

Diabetiker

müssen nicht nur

auf Kohlenhydrate

achten

seit Jahren einig sind, dass die als ‚Diabetiker-Lebensmittel’gekennzeichneten

Produkte unnötig und sogar schädlich

sind, gibt es sie immer noch", kritisiert

Michaela Berger, Diabetes-Beraterin

und stellvertretende Vorsitzende

von diabetesDE.

Bei diesen Lebensmitteln handelt es

sich überwiegend um Süßigkeiten, in

denen der Zucker durch Ersatzstoffe

ausgetauscht ist. Dies habe für Diabetiker

allerdings keine Vorteile, so Berger.

Zwar zeichnen sich die Lebens-

mittel durch einen wenig Kohlehydrate aus, dafür

steigt aber der Fettanteil. Dieser hohe Fettgehalt

ist ein Problem, denn Fett hat ungefähr

doppelt so viele Kalorien wie Kohlenhydrate.

Durch die Kennzeichnung meinen Viele jedoch,

sie täten sich mit diesen Lebensmitteln etwas

Gutes und essen besonders viel davon. Stattdessen

nehmen sie zu, wenn sie vermehrt zu

diesen vermeintlich „guten“ Produkten greifen.

Wie irreführend die Kennzeichnung bisher ist,

belegen die Verbraucherzahlen: Immer noch nutzen

50 Prozent aller Menschen mit Diabetes diese

Produkte. "Diese Irreführung des Verbrauchers

muss aufhören“, forderte Danne. Es liege

in der Hand der Politik, Klarheit zu schaffen.

MGM Seite 14

fiel den Wissenschaftlern auf, dass jeder zweite

Schlaganfall-Betroffene ausgesprochen ungesund

gelebt hatte. "Alle waren Raucher, bewegten

sich zu wenig, aßen selten frisches

Obst und Gemüse und tranken meist auch zu

viel Alkohol", erklärt Martin Grond, Vorstandsmitglied

der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft

und Chefarzt am Kreisklinikum Siegen.

Kamen alle vier Einflüsse zusammen, betrug

das Schlaganfallrisiko hohe 5,8 Prozent.

Unter den Gesundheitsbewussten kam es mit

1,7 Prozent weit seltener zu einem Schlaganfall.

Die Gesundheitsbewussten rauchten

nicht, trieben täglich eine Stunde Sport oder

waren beruflich viel auf den Beinen. Zudem

tranken sie nur wenig Alkohol und aßen fünf

Mal täglich Obst oder Gemüse. "Die Studie

hat eindeutig belegt: Je gesünder der Lebensstil,

desto geringer das Schlaganfallrisiko",

sagt Grond.

Mehr Bewegung für die Gesundheit

Regelmäßige Bewegung fördert die Gesundheit. Die meisten

Menschen wissen das, doch nur jeder zweite lebt auch danach.

Sportmuffel sollten sich nicht abschrecken lassen, denn nicht

Hochleistung wird gefordert, sondern Ausdauer.

Die Deutschen wandeln sich zu Dauersitzern, knapp die Hälfte des Tages bewegen

sie sich nicht. Das mag auch beruflich bedingt sein, aber sicher nicht

nur. Etwas Anderes spielt oft eine große Rolle: der innere Schweinehund.

Gewusst wie

Keiner muss zum Spitzensportler werden – meist ist dies sogar schädlich:

Vier von fünf „Sportwütigen“ schießen über das Ziel hinaus und überlasten

damit Herz, Kreislauf und Gelenke. Wer sich während seines Trainings

noch ohne Probleme unterhalten kann, ist auf der sicheren Seite und überschreitet

seine Leistungsgrenze nicht.

Wer mit Köpfchen trainiert, lässt es langsam, aber regelmäßig angehen.

Welchen Sport man sich aussucht, bleibt weitgehend den eigenen Vorlieben

überlassen. Da nicht Kraft und Geschwindigkeit wichtig sind, eignen

sich Ausdauersportarten. Dazu gehören zum Beispiel:

Radfahren

gehört

zu den

Ausdauersportarten

Quelle: FOTOLIA

Gehen / Wandern,

Laufen / Joggen,

Radfahren,

Ski-Langlauf,

Gymnastik,

Tanzen,

Schwimmen.

Wer schon allein beim Gedanken an Sport die Puste verliert, kann trotzdem

etwas tun. Zum Beispiel Treppen steigen statt den Fahrstuhl oder die

Rolltreppe zu nehmen. Das Auto bewusst zwei Straßen weiter weg parken

und den Rest zu Fuß gehen. Es gibt viele Situationen, die sich eignen,

um „mehr Bewegung“ in den Alltag zu bringen.


DIALOG

Schreiben Sie uns!

Mit den beiden vorbereiteten Antwortkarten können Sie uns schreiben, was Sie wollen: am Gewinnspiel/Preisrätsel teilnehmen

(Seiten 28/29) oder Informationsmaterial anfordern. Selbstverständlich sind wir auch telefonisch für Sie da, wenn Sie Fragen haben:

Arbeitskreis Gesundheit e.V., Leipzig, Telefon 0341/87059590

Preisrätsel

(Seiten 28/29)

Wenn Sie die richtige

Lösung eintragen und

die Postkarte rechtzeitig

absenden, können Sie

an unserer Verlosung

teilnehmen und ein viertägiges

Gesundheits-

Wochenende für zwei

Personen gewinnen.

Bitte beachten Sie den

Einsendeschluss

01.10.2009

Infomaterial

Mit dieser Antwortkarte

können Sie die verschiedenenPatienteninformationen

des

Arbeitskreis Gesundheit

e.V. anfordern.

Die Gewinnfrage:

Was bedeutet „Sanus per aquam“?

Antwort

Die richtige Lösung finden Sie im Bericht über die Bäderregion Schwarzwald-Bodensee

auf den Seiten 28/29.

Mit dieser Antwortkarte können Sie Infomaterial beim Arbeitskreis Gesundheit e.V.

bestellen. Das Angebot ist für Sie kostenfrei.

(Bitte ankreuzen - auch mehrfach!)

Merkblatt »Medizinische Rehabilitation

im Rahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements

- alle können gewinnen!«

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Grundsicherung für Arbeitsuchende«

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Eine CD für Patientinnen und Patienten

mit einer Hilfestellung rund um die Antragstellung,

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und Kinderrehabilitation u.a.

MGM Seite 15

Broschüre »Reha vor Pflege«

Die Anzahl der Pflegebedürftigen steigt.

Was die medizinische Reha leistet, erfahren

Sie hier.

Broschüre »Reha vor Rente«

Eine gezielte medizinische Rehabilitation

kann die Frühverrentung oft verhindern.

Katalog »Rehabilitationskliniken stellen

sich vor« Das umfassende und aktuelle

Nachschlagewerk – nun schon in der 12.

Auflage.


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DIALOG

MGM Seite 16

Bitte freimachen

An den

Arbeitskreis Gesundheit e.V.

Gustav-Mahler-Str. 2

04109 Leipzig

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INTERVIEW

Den Schweinehund in Etappen besiegen

Dr. Gunther Hölz im Gespräch zu Ernährung und Fasten

Der Internist Dr. med. Gunther Hölz ist Chefarzt der Kurpark-Klinik in Überlingen

am Bodensee. Der Schwerpunkt der Klinik liegt in der Behandlung

ernährungs abhängiger Krankheiten, Diabetologie, Heilfasten und Natur -

heil verfahren. Hölz spricht mit Mein Gesundes Magazin über den Sinn des

Fastens und über die Erfolgsaussichten von Patienten, die ihr Gewicht

verringern wollen.

Mein Gesundes Magazin: Muss jeder Patient

fasten, der in Ihre Klinik kommt?

Dr. Gunther Hölz: Nein, natürlich nicht. Die

Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung definiert

Fasten als freiwilligen Verzicht auf feste

Nahrung für einen gewissen Zeitraum. Deshalb

beraten wir die Patienten und finden heraus,

was sie selbst für sich tun wollen. Auf jeden

Fall müssen wir die Eigenverantwortlichkeit

für die Erkrankung fördern und dadurch die

Betroffenen aktiv an der Behandlung beteiligen.

Etwa siebzig Prozent unserer Patienten entschließen

sich zum Fasten für eine gewisse

Zeit ihres Aufenthalts. Sie nehmen keine feste

Nahrung zu sich, sondern nur Flüssigkeit in

Form von Gemüsesuppen, Säften, Wasser und

Tee. Nach einem sorgfältigen Kostaufbau werden

sie auf jeden Fall hingeführt zu einer energiebeschränkten,

frischkostbetonten Vollwerternährung.

Die restlichen dreißig Prozent der Patienten essen

bei uns. Das bedeutet für viele Menschen

eine völlige Umstellung ihrer Ernährungsgewohnheiten.

Es gibt bei uns eine frischkostbetonte

Vollwertnahrung – tierisches Fett und

Eiweiß ist deutlich eingeschränkt.

Durch die Zertifizierung als „Lehrklinik für Ernährungsmedizin“

wird die Zusammensetzung

der Ernährung in unserer Klinik regelmäßig kontrolliert.

Mit der Kombination Fasten und biologischer

Vollwertkost stellt unsere Klinik eine

Besonderheit der Ernährungsmedizin in

Deutschland dar.

MGM: Sind Fasten und Nulldiät das Gleiche?

Hölz: Im Gegenteil – Fasten und Nulldiät unterscheiden

sich grundsätzlich. Zum Fasten gehört

unabdingbar eine ganzheitliche Lebensstilveränderung.

Deshalb dürfen Elemente wie

Bewegung, Entspannung und auch geistige

Prozesse in diesem Konzept nicht fehlen. Wichtig

sind auch die Physiotherapie, das Gesundheitstraining

und die Psychotherapie in Gruppen-

und Einzelgesprächen.

Ergänzende Verfahren wie Phytotherapie,

Atemtherapie oder Akupunktur können je nach

Krankheitsbild dazu kommen. Nulldiäten oder

Crash-Diäten macht man heute nicht mehr –

sie fanden meist ohne spezielle Betreuung

statt. Das Ziel war lediglich die Gewichtsabnahme

und nicht die Umstellung der Ernährungs-

und Bewegungsgewohnheiten. Das therapeutische

Fasten bei uns in der Klinik ist dagegen

eine sehr gut strukturierte und wissenschaftlich

untersuchte Methode, die sich streng

nach den Leitlinien der Ärztegesellschaft richtet.

MGM: Was passiert dabei genau?

Hölz: In einem ausführlichen Aufnahmegespräch

bekommt jeder Patient ein eigenes Programm

vorgeschlagen, das speziell auf seine

Krankheiten und Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Die Patienten, die sich dann zum Fasten entschließen,

beginnen das Fasten üblicherweise

nach ein bis zwei Entlastungstagen.

In der Gruppe wird dem Patienten die Methode

noch einmal gründlich erklärt. Dann wird gemeinsam

das Glaubersalz getrunken. Glaubersalz

ist für die Darmreinigung nötig: Sie ermöglicht

dem Körper auf das umzustellen, was

wir ‚Ernährung von innen’ nennen. Nach Verbrauch

der Kohlenhydrate am ersten Fastentag

ist Fett nun der Hauptbrennstoff. Ein gezieltes

Bewegungsprogramm soll besonders

bei den Patienten, die Abnehmen wollen, den

Muskelabbau vermeiden. Dass die Patienten

im Fasten so leistungsfähig sind, obwohl sie

nicht essen, überrascht sie oft selbst am meisten.

Sehr gut bewährt hat sich diese Vorgehensweise

auch beim so genannten Etappenheilverfahren,

das wir mit einigen Patienten

durchführen.

MGM: Wie sehen diese Etappen aus?

Hölz: Die Patienten kommen üblicherweise zu

einer dreiwöchigen Grundbehandlung zu uns.

Sie nehmen anschließend viele Impulse zur

Änderung ihres Lebensstils mit nach Hause.

Damit müssen sie in den folgenden sechs Monaten

das Gewicht, das sie bei der Entlassung

hatten, zumindest halten können. Dann kommen

sie für eine Woche in die erste Etappe

wieder in die Klinik, um einen erneuten Motivationsschub

zu erhalten, ihre Kenntnisse auf-

MGM Seite 17

zufrischen und natürlich auch weiter Gewicht

abzunehmen.

Nach weiteren sechs Monaten erfolgt die zweite

Etappe nach denselben Richtlinien.

Unserer Erfahrung nach bringt dieses Vorgehen

für die Patienten einen besseren und vor

allem länger anhaltenden Effekt als nur ein langer

Aufenthalt am Stück. Wir haben gelernt,

dass der innere Schweinehund immer wieder

versucht, die Oberhand zu gewinnen. Das Etappenverfahren

fördert speziell die Patienten, die

aktiv an der Bewältigung ihrer Krankheit mitarbeiten.

Patienten, die nicht in der Lage sind,

ihr Entlassgewicht für sechs Monte zu stabilisieren,

fallen automatisch aus diesem Programm

heraus.

MGM: Wie erfolgreich ist die Behandlung?

Hölz: Adipositas und Stoffwechselstörungen

sind chronische Erkrankungen – soll die Behandlung

wirksam sein, muss der Patient mitmachen.

Für viele Menschen ist es schwierig,

Lebensstilkorrekturen im Alltag umzusetzen.

Deshalb funktioniert unsere Vorgehensweise

natürlich nicht zu hundert Prozent.

Im Durchschnitt sind unsere Ergebnisse aber

sehr gut, wie wir in mehreren Untersuchungen

auch durch Langzeitbeobachtungen dokumentiert

haben. Beim Etappenheilverfahren

verlieren die Männer beispielsweise im Durchschnitt

30 Kilo, die Frauen 20 Kilo in einem Jahr.

Nichts motiviert mehr als der erreichte Erfolg:

Die Lebensqualität und alle Stoffwechselstörungen

haben sich bei den Patienten deutlich

gebessert. Sie sind besser beweglich, atmen

wieder leichter und schlafen besser. Das klinische

Fasten ist eine der risikoärmsten Methoden

in der Inneren Medizin zur Behandlung von

chronischen Erkrankungen, wenn sie richtig

durchgeführt wird. Neben der Adipositas und

Stoffwechselerkrankungen behandeln wir auch

Patienten mit rheumatischen Erkrankungen –

dort ist die Behandlung wissenschaftlich äußerst

gut untermauert. Auch bei psychosomatischen

Erkrankungen und in der Tumornachsorge

hat sich die Methode bewährt.

MGM: Zurück zu denen, die essen. Zur Behandlung

gehört auch, wenig Kalorien zu sich

zu nehmen. Wie schaffen es extrem Übergewichtige,

mit 1000 Kalorien am Tag auszukommen?

Hölz: Wir gehen heute davon aus, dass die Insulinresistenz

eine zentrale Rolle bei der Adipositas

und den begleitenden Stoffwechselstörungen

spielt: Das heißt, die Kör perzellen

reagieren nicht mehr richtig auf Insulin. Insulin

sorgt normalerweise dafür, dass die Körperzellen

den Zucker aufnehmen. Die Pa-


tienten fühlen sich häufig hungrig, obwohl sie

viel essen. Wie bei einer Sucht können sie die

Nahrungsmenge schlecht verringern.

Am sechsten bis siebten Fasttag wird diese

Insulinresistenz üblicherweise durchbrochen.

Die Patienten sind danach mit einer ener getisch

knappen Ernährung sehr zufrieden und

fühlen sich satt. Das erstaunt die Pa tienten

häufig am meisten, da sie vorher – mit zum

Teil mehr als 6000 kcal – ein richtiges Sättigungsgefühl

nicht mehr erreicht hatten.

MGM: Was halten Sie in der Behandlung der

Fettleibigkeit für besonders wichtig?

Wenig Testosteron bei

dicken Männern

Bis zu 40 Prozent der Männer mit dickem Bauch, gestörtem

Stoff wechsel oder einem Diabetes mellitus Typ 2 mangelt es

am männlichen Geschlechtshormon Testosteron. Nach neuesten

Erkenntnissen scheinen sich Hormonmangel und chronische

Erkrankungen gegenseitig zu bedingen.

Das männliche Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst beim Mann

nicht nur die Sexualität und die Psyche. Das Hormon regt auch den

Aufbau von Muskeln und Knochen an und verringert die Fettmasse.

Körpergewicht und Testosteronspiegel hängen eng zusammen und sie

beeinflussen einander.

Wirkt eine zusätzliche Testosterongabe bei adipösen Männern also günstig

auf Gewicht, Fett- und Muskelmasse? Kleinere Studien berichten über

derartige Effekte: Testosteronbehandelte Männer mit einem Typ 2-Diabetes

mellitus verlieren Bauchfett. Das zuckerregulierende Hormon Insulin

wirkt bei ihnen besser und der Diabetes lässt sich wirksamer

behandeln. "Größere Studien an adipösen Männern sollen jetzt beantworten,

ob Testosterongaben zukünftig eine therapeutische Option darstellen

könnten", so Christof Schöfl vom Universitätsklinikum Erlangen

und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie

(DGE).

Testosteron ist zwar als Medikament verfügbar. Ein niedriger Testosteronspiegel

allein rechtfertigt jedoch keine Hormontherapie, so die

Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Die Entscheidung für eine Behandlung

müsse deshalb vom Stoffwechselspezialisten, dem Endokrinologen,

auf jeden Einzelfall genau abgestimmt werden.

INTERVIEW

Hölz: Zweifellos hat die Lebensstilkorrektur eine

große Bedeutung. Dies betrifft die Ernährungsgewohnheiten

und die Bewegungsgewohnheiten

im Alltag, in der Freizeit und auch

das Streben nach einer emotionalen Ausgeglichenheit.

Eine Therapie mit Arzneimitteln kann

häufig nur kurzfristig Symptome bessern. Zu

uns kommen viele adipöse Patienten mit einer

großen Menge an Medikamenten – Medikamente

für den Blutzucker, für den Bluthochdruck

oder Cholesterinsenker. Oft kann man sie

weglassen oder wenigstens reduzieren. Eine

alleinige medikamentöse Therapie führt meist

in eine Sackgasse. Eine Lebensstiländerung ist

Wasserspender an Schulen stoppen Übergewicht

Grundschulkinder werden seltener

übergewichtig, wenn in ihrer

Schule ein Wasserspender steht

und die Lehrer regelmäßiges Wassertrinken

klar befürworten.

Zu Beginn des Schuljahres ließen

Wissenschaftler der Dortmunder

Forschungsinstituts für Kinderernährung

(FKE) in einem Teil der Es-

MGM Seite 18

sener und Dortmunder Grundschulen

Wasserspender installieren.

Die Forscher hatten sich

auf Schulen aus sozialen Brennpunkten

beschränkt. Die Lehrer

führten zudem eine kurze Unterrichtsreihe

durch, in der sie ihre

Schüler über die Bedeutung von

Wasser für den Körper aufklärten.

für die Pa tienten anfangs schwer, die Patienten

werden durch den Erfolg aber reichlich belohnt.

Auch ökonomisch sehe ich keinen anderen

Weg: Über- und Fehlernährung, Bewegungs -

mangel und emotionale Belastungen führen bei

den Menschen viel zu früh zu Erkrankungen –

mit allem persönlichen Leid und natürlich auch

mit allen Folgekosten für das Gesundheitswesen.

Diabetes trat zum Beispiel früher vorwiegend

bei Menschen um die 60 auf, jetzt haben

wir schon viele 30-Jährige mit dieser Stoffwechselerkrankung.

Diese Entwicklung wieder

zurückzudrehen ist auch eine wichtige Aufgabe

der Rehabilitation.

Extrem Dicke

rühren sich kaum

Der amerikanische Herzspezialist Thomas Vanhecke und seine Kollegen haben

zehn stark Adipösen mit einem Body Mass Index von mindestens 40 (BMI =

Körpergewicht in kg/Körpergröße in m2 Stark Übergewichtige (BMI über 40) bewegen sich laut

einer aktuellen amerikanischen Studie 8,4 Minuten am Tag.

Den Rest des Tages verbringen sie sitzend oder liegend.

) untersucht. Sie legten den Testpersonen

für drei Tage einen Aktivitätssensor an, der die gemachten Schritte zählte

und den Kalorienverbrauch maß.

Im Schnitt legte jeder in den drei Tagen 3.763 Schritte zurück – bei einer Schrittlänge

von 0,75 Metern entspricht das einer täglichen Strecke von 941 Metern.

99 Prozent (23 Stunden und 51,6 Minuten) des Tages verbrachten die Teilnehmer

sitzend oder liegend.

Der durchschnittliche Kalorienverbrauch pro Tag lag bei 2.668kcal. „Unsere Ergebnisse

geben einen Einblick in den Zusammenhang von Adipositas und körperlicher

Aktivität“, so Vanhecke. „Sie machen deutlich, wie wichtig es ist, bei

diesen Menschen auf mehr Bewegung zu achten.“

Als weiteren Trinkanreiz erhielt

jedes Kind eine Wasserflasche.

Gut 1.600 Grundschüler kamen in

den Genuss dieser Maßnahmen.

Im Schnitt tranken sie am Ende

des Schuljahres täglich ein Glas

Wasser mehr als ihre 1.300 Altersgenossen

aus einer Kontrollgruppe.


In Deutschland sind fast neun Prozent der Kinder

und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren

übergewichtig, weitere sechs Prozent sind

stark übergewichtig, sprich fettleibig (adipös).

Viele unterschiedliche Behandlungsangebote

stehen Familien mit adipösen Kindern zur Verfügung,

doch ob sie wirken, ist kaum überprüft.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche

Aufklärung hat jetzt gemeinsam mit Wissenschaftlern

der Universität Ulm ambulante und

stationäre Behandlungen

bei

fast 2.000 adipösen

Mädchen

und Jungen im Alter

von acht bis 16

Jahren aus 48

Einrichtungen beurteilt.

Der Vergleich der

Daten vor Behandlungsbeginn

mit denen am Behandlungsendebelegt,

dass Rehabili-

tationsmaßnahmen bei adipösen Kindern und

Jugendlichen die Gesundheit fördern.

Jeder Dritte schon krank

Zu Behandlungsbeginn wurden bei jedem vierten

Jugendlichen Bluthochdruck und bei jedem

dritten erhöhte Blutfettwerte diagnostiziert.

Die Behandlung verringerte diese Risikofaktoren

deutlich: Sie führte bei zwei Dritteln

der betroffenen Kinder zu weniger Bluthochdruck

und bei drei Vierteln der Betroffenen

zur Normalisierung der Blutfettwerte.

Zusätzlich beeinträchtigen Übergewicht und

Adipositas die Lebensqualität und die psychische

Gesundheit. Die Therapie verbesserte

beides, vor allem das körperliche Wohlbefinden

stieg. Probleme in der Schule sowie

mit Gleichaltrigen wurden dagegen kaum weniger.

Positiver Trend

Vor Beginn der Behandlungen wurde jedes

zweite Kind als adipös und 37 Prozent sogar

als extrem adipös eingestuft. Bei Behandlungsende

hatten drei von vier Kindern und

REHA

Schulungsangebote helfen

übergewichtigen Kindern

Anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft im

Oktober 2008 stellte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung den

Effekt von Rehabilitationsmaßnahmen bei adipösen Kindern und

Jugendlichen vor. Durch die Adipositas-Behandlung verringern die Mädchen

und Jungen ihr Gewicht und lernen, sich gesünder zu verhalten.

Bildvorschlag: Fotolia, #11766483

Adipöse Kinder brauchen

Hilfe

Jugendlichen ihr Gewicht gehalten oder vermindert

– gut jeder Zweite verlor sogar deutlich

an Gewicht.

Ziele der stationären Reha

Verringerung des Körpergewichtes

Gesündere Ernährung

Langfristige Umstellung von Ess- und

Ernährungsgewohnheiten

Erkennen und Vermeiden von Folgeerkrankungen

Verbesserung der Leistungsfähigkeit

Steigerung des Energieverbrauches

durch mehr Bewegung

Steigerung von Körper- und Selbstbewusstsein

Empfehlungen des Verbandes

Deutscher Rentenversicherungsträger

Weitere positive Effekte der Behandlungsprogramme

sind eine bessere Ernährung und

mehr Bewegung. Auch der hohe TV- und PC-

Konsum nahm ab. Jüngere und nicht so stark

übergewichtige waren erfolgreicher als ältere

adipöse Kinder und Jugendliche. Jungen

und Mädchen waren ähnlich erfolgreich.

Langer Atem erforderlich

Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnt

jedoch davor, voreilige Schlüsse zu ziehen:

„Es freut mich, dass mehr als die Hälfte der

betroffenen Kinder und Jugendlichen es geschafft

haben, deutlich an Gewicht zu verlieren

und die körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen

zu verringern. Leider wissen

wir aus anderen Studien, wie schwierig es ist,

die gelernten gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen

auf Dauer beizubehalten.“ Besonders

schwer sei es, die bei einem stationären

Aufenthalt erzielten positiven Veränderungen

auch in den normalen Alltag mit Familie,

Schule und Freunden zu übertragen. Die

Daten der Ein- und Zwei-Jahres-Nach unter -

suchung werden bald auch darüber Auskunft

geben.

INFO

Die Ergebnisse der Beobachtungsstudie

der BZgA sind im Internet abrufbar unter

www.bzga-kinderuebergewicht.de.

MGM Seite 19

Weiterbehandlungs -

konzepte für

übergewichtige Kinder

Gerade bei Kindern kann die

stationäre Rehabilitation eine

Verhaltensänderung anstoßen.

Aber wie geht es weiter?

Der Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften

hat

ein Weiterbehandlungs konzept

getestet.

In der stationären Rehabilitation lernen Kinder

und Jugendliche, wie sie sich gesund ernähren

und mehr bewegen. Darauf können

sie stolz sein. Doch nur, wenn sie das Gelernte

im Alltag zuhause umsetzen, profitiert

ihre Gesundheit langfristig.

Wie die ambulante Weiterbehandlung aussehen

sollte, untersuchte der Forschungsverbund

Rehabilitationswissenschaften Sachsen-Anhalt

und Mecklenburg-Vorpommern.

Der direkte Vergleich

Die Kinder erhielten Beratungsgespräche,

interaktive Materialien und Schulungen. Das

Behandlungskonzept setzte sich zusammen

aus den Empfehlungen der Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft

Adipositas im Kinder- und

Jugendalter (AGA) und der Fachgesellschaft

Rehabilitation im Kinder- und Jugendalter.

Mehr als 500 adipöse Kinder zwischen neun

und 16 Jahren, die im Schnitt eine sechswöchige

stationäre Rehabilitation durchlaufen

hatten, nahmen an der Studie teil. Die Hälfte

von ihnen erhielt für den Zeitraum eines

Jahres eine strukturierte Weiterbehandlung,

die anderen dienten als Vergleichsgruppe.

Betreuung hilft

Kinder und Jugendliche, die über ein Jahr

weiter betreut werden, profitierten deutlich

von dieser Begleitung. Sie hielten ihr Gewicht

besser und konnten sogar weiter abnehmen.

Vor allem Kinder mit hohem Leidensdruck,

die von ihren Eltern unterstützt

wurden, waren erfolgreich. Beratungstermine

nutzten die Kinder kaum: Nur jeder

Zweite nahm mehr als einen Termin wahr.

Die Eltern und die betreuenden Ärztinnen

und Ärzte konnten nach Studienende Verbesserungsvorschläge

machen. Die Ärzte

wünschen sich vor allem eine stärkere Einbindung

der Eltern. Mehr Sportangebote für

übergewichtige Kinder sowie eine zusätzliche

psychologische Betreuung waren für die

Eltern vorrangig.


REHA

Rehabilitation nutzt

übergewichtigen Kindern

Bei adipösen Kindern und Jugendlichen kann eine Rehabilitation

nach Paragraph 43 des fünften Sozialgesetzbuches beantragt werden.

Welche Leistungen im Einzelfall sinnvoll sind,

entscheidet der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin.

Die Kinderärztin oder der Kinderarzt wird sehr

genau prüfen, ob eine Rehabilitation angebracht

ist. Die Entscheidung wird nicht allein anhand

des Gewichtes gestellt, sondern es gehen auch

zusätzliche Erkrankungen und die Motivation

des Kindes und seiner Eltern mit in die Überlegungen

ein.

Bei folgenden Kindern und Jugendlichen kann

eine Rehabilitation sinnvoll sein:

Adipositas (BMI 97.-99,5. Perzentile) mit Begleiterkrankung,

Extreme Adipositas (BMI über der 99,5 Perzentile).

Leitlinie

BMI-Perzentile (in kg/m²) bei Mädchen

Alter in Jahren 90. Perzentile 97. Perzentile 99,5. Perzentile

8 19,25 21,47 25,19

9 20,04 22,54 26,69

10 20,08 23,54 28,17

11 21,61 24,51 29,36

12 22,48 25,47 30,47

13 23,33 26,33 31,26

14 24,05 27,01 31,72

15 24,59 27,45 31,86

nach Kromeyer-Hauschild u.a. 2001

Körpergewicht in kg

BMI = -----------------------------------------------------------------

Körpergröße in Metern x Körpergröße in Metern (m²)

Eine Leitlinie bezieht sich auf ein bestimmtes

Krankheitsbild und gibt Empfehlungen wie dieses

behandelt werden soll. Erstellt werden Leitlinien

meist von Fachgesellschaften auf Grundlage internationaler

wissenschaftlicher Studien. Dazu suchen

sich die Fachleute aus allen verfügbaren Zeitschriften

die Artikel zu der Erkrankung heraus und

bewerten deren Aussage. Was sich nachweislich

bewährt hat, findet Einzug in die Leitlinie.

Wichtige Eckpfeiler einer

Schulung

Ernährungsberatung

Kalorienreduktion

Bewegungsprogramme

Verhaltenstherapeutische Elemente

Elterneinbindung

Aufklärung über Adipositas (Fettleibigkeit)

Informationen an weiterbehandelnde/n

Ärztin/Arzt

MGM Seite 20

BMI-Perzentile (in kg/m²) bei Jungen

Es gibt viele Schulungsprogramme, die aber

nicht immer gültigen Qualitätskriterien entsprechen.

Zusätzlich fehlt meist der Nachweis,

dass die Programme auch langfristig

wirken. Für die Ärzte und Kostenträger – bei

Kindern und Jugendlichen sind dies meist die

Krankenkassen – ist es daher keineswegs immer

einfach, das richtige Programm zu finden.

Mitmachen muss sein

Wer Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen

in Anspruch nehmen will, muss sich

zu aktivem Mitmachen verpflichten – das gilt

auch für Kinder und Jugendliche.

Sind also die Kinder und ihre Familien nicht

bereit zu Verhaltensänderungen – oder lassen

sich Verhaltensänderungen wegen einer

schweren geistigen Behinderung nicht bewerkstelligen

– spricht das gegen eine Rehabilitation.

Nur wer das Gelernte umsetzen kann, profitiert

von Schulungsmaßnahmen.

Alter in Jahren 90. Perzentile 97. Perzentile 99,5. Perzentile

8 19,01 21,11 24,62

9 19,78 22,21 26,55

10 20,60 23,35 28,35

11 21,43 24,45 30,11

12 22,25 25,44 31,38

13 23,01 26,28 32,08

14 23,72 26,97 32,61

15 24,36 27,53 32,96

nach Kromeyer-Hauschild u.a. 2001

Folgende Schritte sind nötig:

1. BMI berechnen. Ein Beispiel: Bei einem elfjährigen Jungen, der 40 kg wiegt und 1,50 m groß ist, ergibt

sich folgender BMI 40/(1,5)²=17,78. Die Berechnung ist für Jungen und Mädchen gleich.

2. BMI mit der Tabelle vergleichen:

a) Tabelle für Jungen oder Mädchen auswählen.

b) In der ersten Spalte nach dem Alter suchen.

c) In der Alterszeile nach rechts gehen und Werte vergleichen. Der elfjährige Junge liegt mit seinem

BMI von 17,78 unterhalb der 90. Perzentile – er ist nicht übergewichtig. Hätte der Junge bei gleicher

Größe von 1,50 m ein Gewicht von 70 kg, ergäbe sich ein BMI von 70/(1,5)2=31,11. Damit läge der

BMI über der 99,5. Perzentile von 30,11. Der Junge wäre „extrem adipös“.

Leitlinie

Leitlinie

Auch wenn die Tabelle zunächst

schwierig aussieht –

sie ist gar nicht so schwer.

Wozu denn Leitlinien?

Wenn es um medizinische Behandlungsqualität geht, ist heute

oft von Leitlinien die Rede. Doch was verbirgt sich dahinter und

gibt es sie auch für die Behandlung der Adipositas?

Kritiker halten dieses Vorgehen für zu ungenau:

Was der Masse helfe, sei nicht zwangsläufig auch

für den individuellen Fall richtig. Doch dieser Einwand

ist schnell zu widerlegen: Die Handlungsempfehlungen

der Leitlinien geben einen sicheren

Rahmen. Die Entscheidung, wie in einem konkreten

Fall vorgegangen wird, trifft nach wie vor der

Arzt zusammen mit dem Betroffenen.

Vergleichbar ist dies mit der Entwicklung in der Au-

Gründe, die bei Kindern

gegen

eine Reha sprechen

Keine Gruppenfähigkeit

Schwere geistige Behinderung

Keine Begleitperson bei unter

8-Jährigen

Fehlende Bereitschaft zur Mitarbeit

toindustrie. Dort ist beispielsweise das Antiblockiersystem

(ABS) heute Standard in jedem Auto.

Grund dafür ist die nachgewiesen höhere Sicherheit.

Wer würde darauf noch verzichten wollen?

Zur Therapie der Adipositas hat die Arbeitsgemeinschaft

Adipositas im Kinder- und Jugendalter

(AGA) 2009 eine aktuelle Leitlinie herausgebracht.

Von der Deutschen Adipositas Gesellschaft gibt es

die Leitlinien „Adipositastherapie in Reha-Kliniken“,

„Prävention und Therapie der Adipositas“ und „Adipositas“.

Diese und weitere Leitlinien finden Sie auf den Internetseiten

der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen

medizinischen Fachgesellschaften,

kurz AWMF (http://leitlinien.net/).


Antrag auf Rehabilitation für ein

übergewichtiges Kind

Mein Kind ist stark übergewichtig und die Kinderärztin befürwortet eine

stationäre Rehabilitation. Wie geht es nun weiter?

Klaus Wittmer ist 15 Jahre und wiegt 89 Kilogramm

bei einer Größe von 1,65 Metern. Seine

Schulleistungen könnten nicht besser sein,

nur im Sport gehört er zu den Schlusslichtern.

Klaus’ Mutter macht sich Sorgen. Immer häufiger

versucht ihr Sohn mit fadenscheinigen

Gründen eine Befreiung für den Sportunterricht

zu bekommen. Er kapselt sich zunehmend

ab, geht immer häufiger heimlich an den Kühl-

Der Blick in den Spiegel erfreut nur wenige Adipöse

schrank. Bei ihrem letzten Ausflug schaffte

Klaus die zwei Treppen zur Aussichtsplattform

nur mit Mühe. Sein Atem ging heftig, er musste

immer wieder stehen bleiben.

Klaus’ Mutter setzte sich abends zu ihrem

Sohn und erzählte ihm von ihren Beobachtungen,

Ängsten und Sorgen um ihn. Der

Damm war gebrochen, es sprudelte aus Klaus

nur so heraus: Wie er sich selbst hasst, seine

Speckrollen nicht mehr anschauen kann, nicht

will, dass ihn andere so sehen. Dass er sich

als Selbstschutz einfach zurückziehe und dass

der Frust zu schwach zu sein, ihn noch mehr

essen lasse. Beide sind sich einig: Es muss

was passieren!

Der Besuch bei der Ärztin

Die Hausärztin erklärt ihnen, dass Klaus mit

seinem BMI von 32,7 (BMI = Körpergewicht

in kg/(Körpergröße in Metern)² = 89/1,65 x

1,65 = 32,696) in der 99,5. BMI-Perzentile liege.

Dieser Wert bedeute, dass er stark adipös

sei und 99,5 Prozent der Kinder in seinem Alter

weniger wiegen. Nach einer körperlichen

Untersuchung und einem ausführlichen Gespräch

schlägt die Ärztin Klaus eine Rehabilitation

in einer Klinik vor.

Die Ärztin nennt drei Kliniken, die sie für geeignet

hält. Er könne sich aber auch für eine

andere Einrichtung entscheiden, diese müsse

aber auf die Behandlung von adipösen Kindern

spezialisiert sein. Falls er keine Wunschklinik

habe, werde die Krankenkasse eine geeignete

Reha-Klinik aussuchen.

Der „gute Grund“ fürs Essen

(bewusste und unbewusste Erklärungen

von Adipösen – eine Auswahl)

Langeweile: Was soll ich denn sonst tun?

Frust: Weil ich so wütend bin und mich beruhigen

will.

Trost: Weil mich keiner mag.

Schutz: Ich würde ja gern, kann körperlich

aber nicht – das sieht man doch.

Verbundenheit: Beim Essen ist mal die ganze

Familie zusammen.

Selbstbehauptung: Ich kann essen soviel

ich will, das kann mir keiner verbieten.

Vererbung: Alle in meiner Familie sind übergewichtig.

Da ist es egal was ich esse.

Identifikation: Dicke sind gemütlicher. Dicke

haut nichts so schnell um.

Die Bewilligung

Klaus Mutter fordert bei ihrer Krankenkasse,

bei der ihr Sohn über sie mitversichert ist, für

ihn einen Antrag auf stationäre Rehabilitation

an. Erst, wenn der Junge sein 15. Lebensjahr

vollendet hat, könnte er dies selbst tun, müsste

dann aber die Einwilligung seiner Mutter

beilegen.

Frau Wittmer legt den ausgefüllten Formularen

den medizinischen Befundbericht der

Hausärztin bei und schickt das Ganze ihrer

Krankenkasse.

Nach zwei Wochen erhält die Familie Post von

ihrer Kasse. Sie enthält die Adresse der Reha-Klinik,

die Bestätigung der Kostenübernahme

und die Dauer der bewilligten Leistungen.

Klaus setzt sich mit seiner Mutter

gleich an den Computer, beide wollen sich die

Klinik genauer anschauen.

INFO

Der Arbeitskreis Gesundheit

e.V. stellt auf seiner Webseite (www.arbeitskreis-gesundheit.de)

eine Datenbank

mit insgesamt 350 Reha-Kliniken zur Verfügung.

MGM Seite 21

Was sequenzielle

Rehabilitation bedeutet

Die Rehabilitation verändert sich.

Starre Konzepte werden hinterfragt

und den Bedürfnissen der Betroffenen

angepasst. Ein neuer Ansatz ist

die „Sequenzielle Rehabilitation“.

Hausärzte und Reha-Kliniken arbeiten

eng zusammen, damit Patientinnen

und Patienten anhaltend von

den Maßnahmen profitieren.

Bei der integrierten Sequenziellen Rehabilitation

(iSqR) gibt es keine starre Verweildauer

oder festgelegte Intervalle zwischen stationären

Rehabilitationsmaßnahmen mehr. Der

Fokus liegt hier ganz bewusst auf den Bedürfnissen

jedes einzelnen Kranken. Das Behandlungskonzept

stützt sich auf anerkannte

Leitlinien und baut wesentlich auf der ständigen

Überprüfung vereinbarter Ziele auf.

Gerade bei chronischen Erkrankungen wie der

Adipositas ist es sinnvoll, in kleinen Schritten

zu arbeiten: Teilziele werden benannt. Sind sie

erreicht, heißt der nächste Schritt sie zu festigen.

Erst dann wird ein weiteres Ziel in Angriff

genommen.

So profitieren adipöse Kinder

Seit 2006 arbeitet beispielsweise die Caritas-

Klinik am Feldberg mit krankhaft übergewichtigen

(adipösen) Kindern auch nach diesem

Konzept. Die Kinder werden in der dreijährigen

Rehabilitation höchstens vier Mal stationär

aufgenommen. Anfangs steht das Wissen

und Können im Umgang mit der Krankheit im

Vordergrund. Später wird das Erlernte stufenweise

gefestigt und individuellen Verhältnissen

angepasst. Am Ende arbeitet die Klinik mit

den Familien darauf hin, dass sie allein das Gewicht

des Kindes in einem gesunden Bereich

halten können. Die Familie entscheidet mit,

wie intensiv Betreuung und Hilfe sind und

wann sie allein klar kommt.

Die kleinen Patienten können wichtige Ziele

anhand eines Ampelsystems im Blick behalten:

"Grün" steht für Erfolg, "Gelb" markiert die

Notwendigkeit, sich an das Erlernte verstärkt

zu erinnern, und "Rot" signalisiert, dass Hilfe

nötig ist, um das Reha-Ziel nicht zu gefährden.

Zwischen der Familie, dem Arzt am Heimatort

und der Klinik findet ein regelmäßiger Austausch

statt – persönlich, telefonisch oder über

das Internet.

Die integrierte Sequenzielle Rehabilitation berücksichtigt,

dass Adipositas eine komplexe

und langfristige Erkrankung ist, die sich nicht

innerhalb weniger Wochen in den Normalzustand

überführen lässt.


REHA

Ich will ja, aber…

Stark übergewichtigen Menschen geht es nicht anders als

Rauchern. Sie wissen meist, dass ihr Verhalten ungesund ist.

An Versuchen dem Speck den Kampf anzusagen

mangelt es nicht, aber dauerhafter Erfolg ist Mangelware.

Hausärzte kennen die Probleme stark übergewichtiger

Patienten gut: Die Pfunde sollen

purzeln, aber am besten ohne eigenes Zutun.

Eine Umfrage der Amerikanischen Gesellschaft

für Ernährung ergab, dass 40 Prozent

der Übergewichtigen nicht bereit sind, ihren

ungesunden Lebensstil für eine bessere Gesundheit

aufzugeben.

Trotzdem leiden viele Menschen mit Adipositas

unter ihren körperlichen Problemen. Sie

wollen Gewicht verlieren und ergreifen dafür

jeden Strohhalm: Egal wie fragwürdig eine

hoch gepriesene Schlankheitspille auch sein

mag und wie fadenscheinig eine Diätversprechung

daherkommt – oft finden sich genug Betroffene,

die aus Verzweiflung zugreifen.

Abführmittel gibt es eine Menge,

die meisten sind ungeeignet

Viel Gefahr, wenig Effekt

Wer sich ein Schlankheitsmittel kauft, glaubt

an Wunder. Denn wie sollte das sonst mit dem

Abnehmen funktionieren, wenn bei gleicher

Bewegung gleichviel gegessen wird? Trotzdem:

Nur eine kleine Tablette einnehmen und

schon purzeln die Pfunde, das hat seinen Reiz.

Einige profitieren auf alle Fälle – die Hersteller.

Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin

und Diätetik in Aachen schätzt, dass jährlich

allein in Apotheken mindestens 170 Millionen

Euro für Schlankheitsmittel bezahlt werden.

Es ist nicht nur schade um jeden Cent, der für

so ein Mittel ausgegeben wird. Häufig gehen

die Menschen dabei hohe Risiken ein, deren

sie sich nicht bewusst sind. 2007 untersuchte

Stiftung Warentest 16 Abnehmpillen, die

über das Internet zu beziehen waren. Davon

enthielten 13 gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe.

Noch ein Beispiel: Im Oktober 2008 nahm Sanofi-Aventis

seine viel gepriesene Schlankheitspille

Acomplia ® vom Markt. Laut Hersteller

wegen der Gefahr von Depressionen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

wird deutlicher: Allein in

Deutschland seien 250 Meldungen zu Nebenwirkungen

eingegangen. Nach Einnahme

sei es zu Selbstmordversuchen gekommen,

einige davon waren tatsächlich nicht nur ein

Versuch, sondern endeten tödlich.

Wem fällt das richtige Gewicht einfach so in

den Schoß, egal, was er isst oder wie viel er

sich bewegt? Den ein oder anderen mag es

geben, aber das sind echte Ausnahmen und

keineswegs die Regel.

Alle guten Dinge sind Drei

Zunehmen ist kein Geheimnis, sondern ein

logisches Phänomen: Wer mehr isst, als sein

Körper (ver)braucht, speichert die überschüssigen

Kalorien in Fettzellen. Das Gleiche gilt

für das Abnehmen: Wer mehr Kalorien verbraucht

als er zu sich nimmt, verliert Gewicht.

So wie wir Menschen unseren Jagdtrieb oder

Fluchtinstinkt über Jahrhunderte verlernt haben,

sind uns auch Hunger- und Völlegefühl

abhanden gekommen. Der moderne Mensch

hört nicht auf die Signale seines Körpers. Und

Mutter-Kind Reha gegen

Übergewicht

MGM Seite 22

wer nicht hören will oder kann, muss eben

seinen Verstand benutzen.

Das Rezept zum Abnehmen klingt einfach:

Weniger und gesünder essen, sowie mehr

Bewegung. Trotzdem, alte Gewohnheiten lassen

sich nicht so leicht über Bord werfen –

hier ist Disziplin gefragt. Jeder Anfang ist

schwer und Durchhalten keine Selbstverständlichkeit.

Auch Nein-Sagen will gelernt

sein. Die gute Nachricht: Jeder kann es schaffen.

Wer sich Unterstützung holt, erreicht seine

Ziele leichter und schneller. Möglichkeiten

gibt es viele: Den Partner oder die Partnerin,

eine Selbsthilfegruppe, den Hausarzt,

eine Ernährungsberatung, Rehabilitationsmaßnahmen,

Sportvereine und Informationsmaterial.

Ein Beispiel: Gerda V. ist 43 Jahre, verheiratet

und wiegt 95 Kilogramm bei einer Größe von

1,68 Metern. Sie hat zwei Söhne, Daniel ist sieben

und Arthur neun Jahre alt, die sie ganz

schön auf Trab halten.

Mit Tränen in den Augen berichtet Gerda V. der

Hausärztin von ihrem Frust darüber, dass sie

kein Gewicht abnehme und von sich selbst enttäuscht

sei. Sie habe viele Diäten und Diätprodukte

ausprobiert, nichts habe geholfen.

Kommentar: Der Konflikt, in dem sich Frau V.

bewegt, ist gut bekannt als „Must-but-cannot-

Dilemma“, bei dem der Wunsch gesund zu sein,

das eigene Versagensgefühl im Weg steht. Frau

V. braucht, wie die meisten Menschen, Hilfe für

die Selbsthilfe. Ernährung, Disziplin und Bewegung

sind die drei Säulen für den langfristigen

Erfolg. Genauso wichtig ist aber auch das Selbstvertrauen

der Patientinnen und Patienten.

Übergewichtige Eltern geben ihre dick machenden Lebensgewohnheiten

oft an ihre Kinder weiter. Deshalb ist es für Eltern und Kinder sinnvoll,

den Neuanfang für ein gesünderes Leben zusammen anzugehen.

Die adipöse Melina, zehn Jahre alt, hat sich schnell in der Kinder-Reha-Klinik eingewöhnt.

Ein Grund dafür ist, dass sie sich nicht mit Heimweh plagen muss. Denn ihre Mutter ist

ganz in der Nähe in einer Klinik, die auf die Behandlung von erwachsenen Menschen

mit Fettleibigkeit (Adipositas) spezialisiert ist. Mutter und Kind treffen sich täglich in gemeinsamen

Kursangeboten, da die Kliniken eng zusammenarbeiten. Darüber hinaus

gibt es aber auch Kurse, die speziell auf die Bedürfnisse der Erwachsenen oder der Kinder

zugeschnitten sind. Von der Kombination profitieren alle.

Wer Interesse an einer solchen parallelen Adipositas-Rehabilitation hat, sollte darüber

mit seinem Rentenversicherungsträger sprechen.


DAS BESTE FÜR IHRE

GESUNDHEIT!

Wir informieren Sie individuell! Unsere Leistungen im Überblick:

Kliniksuche

Reha Verfahren §

Für Fragen und Beratungen rund um die Reha erreichen Sie uns unter

Tel. 0341/87059590.

Schriftliche Patienteninformationen

Der Arzt

und die Reha

Leitfaden

Informieren Sie sich auch auf unserer

Internetseite unter www.arbeitskreis-gesundheit.de.

Der Arbeitskreis Gesundheit e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der über die Bedeutung

der medizinischen Rehabilitation im Rahmen der gesundheitlichen Versorgung informiert.

Arbeitskreis Gesundheit e. V.

Gustav-Mahler-Str. 2, 04109 Leipzig

Telefon: 0341/87059590

Telefax: 0341/9800860

E-Mail: info@arbeitskreis-gesundheit.de

Internet: www.arbeitskreis-gesundheit.de

www.rehaklinik.com

Geschäftsführer: Ingo Dörr


Was ist Rehabilitation?

Die gesetzliche Krankenversicherung in

Deutschland dient dem Zweck, die

Gesundheit der Versicherten zu schützen

und zu erhalten. Daneben ist es auch

Aufgabe der Sozialversicherung, Maßnahmen

zur Besserung und zur

Wiederherstellung der Gesundheit und

Leistungsfähigkeit – sowie im Falle

der Minderung der Erwerbsfähigkeit –

Leistungen zur wirtschaftlichen

Sicherung der Versicherten zu erbringen.

Wir als Arbeitskreis Gesundheit e.V. legen unser

besonderes Augenmerk auf die Maßnahmen

zur Besserung und Wiederherstellung

der Gesundheit – die Rehabilitation. Wir haben

es uns zur Aufgabe gemacht, Sie zur Rehabilitation

umfassend zu informieren. Die Rehabilitation

ist für die Versicherten eine Chance,

wieder aktiv am Leben teilzuhaben. Kranken-

und Rentenversicherte haben einen Anspruch

auf Rehabilitation. Die Kosten für Rehamaßnahmen

tragen die „Kostenträger“, d. h.

Ihre Kranken- oder Rentenversicherung.

Welcher Kostenträger ist

zuständig?

Als Kostenträger kommen die Deutsche Rentenversicherung,

die Berufsgenossenschaft

sowie die gesetzlichen Krankenkassen in Betracht.

Die Deutsche Rentenversicherung ist

in aller Regel für Rehamaßnahmen Erwerbstätiger

zuständig. Erleidet jedoch beispielsweise

ein Erwerbstätiger einen Arbeitsunfall

oder erkrankt er an einer Berufskrankheit, ist

die Berufsgenossenschaft zuständig. Nur

wenn weder Rentenversicherungsträger noch

Berufsgenossenschaft zuständig sind, ist die

Krankenversicherung der Kostenträger.

Der Weg zur Reha

Um eine Reha zu bekommen, müssen gesetzlich

Versicherte einen Antrag beim zuständigen

Kostenträger stellen. Dabei steht

es gesetzlich Krankenversicherten frei, den

Antrag auch ohne vorherige Konsultation eines

Arztes direkt beim Kostenträger einzureichen.

Sollten Sie den Antrag versehentlich beim unzuständigen

Kostenträger gestellt haben, schadet

das nicht. Ihr Antrag muss dann von der

nicht zuständigen Stelle binnen kurzer Frist –

in der Regel nach spätestens zwei Wochen -

an den zuständigen Kostenträger weitergeleitet

werden. Diesen Umweg können Sie umgehen:

Auskunft über den zuständigen Kos-

REHA

Antworten auf häufige Fragen zur Rehabilitation

tenträger erhalten Sie auch von Ihrer Krankenkasse.

Ein einfacher Anruf dort genügt.

Auch wenn ein Arztgutachten für einen Antrag

nicht unbedingt sein muss, sollte Ihr erster

Schritt auf dem Weg zur Reha immer zum

behandelnden Arzt führen. Er begutachtet die

Notwendigkeit der Rehamaßnahme. Dieses

Arztgutachten sollten Sie dem Antrag beim

Kostenträger beilegen. Wird die Maßnahme

dennoch ohne Arztgutachten beantragt, ist

die Krankenkasse verpflichtet, dem Versicherten

mehrere Gutachter zur Auswahl vorzuschlagen.

Ein Arztbesuch zur Begutachtung

kommt also auf jeden Fall auf Sie zu.

Eine Ausnahme zur „Antragspflicht“ gibt es

aber: Bei einer Anschlussheilbehandlung

(AHB) ist kein vorheriger Antrag für die Rehamaßnahme

notwendig. Bei einer AHB wird

der Patient direkt aus einem Akutkrankenhaus

in eine Rehaeinrichtung verlegt. Den Antrag

für die AHB stellt das Krankenhaus.

Wie wird Ihr Antrag geprüft?

Bevor der Kostenträger eintscheidet, ob er eine

beantragte Rehamaßnahme genehmigt,

lässt er den Antrag prüfen. Im Rahmen dieser

„Prüfung der Notwendigkeit der Reha“

gewinnt das ärztliche Gutachten immer mehr

an Gewicht. Geprüft werden im Antragsverfahren

Rehabilitationsbedarf, Rehabilitationsfähigkeit,

Rehabilitationspotential, Rehabilitationsprognose

und Rehabilitationsziel.

Zu diesen vom Medizinischen Dienst der

Krankenkassen (MDK) aufgestellten Prüfungskriterien

sollte das ärztliche Gutachten

Stellung nehmen.

Wunsch- und Wahlrecht

Der Gesetzgeber verlangt vom Kostenträger,

die berechtigten Wünsche des Versicherten

zu berücksichtigen. Informieren Sie sich vor

Beantragung der Maßnahme rechtzeitig darüber,

welche Rehabilitationsklinik Ihre Erkrankung

behandelt und Ihren sonstigen Wünschen

nach Lage, Ausstattung und Service

entspricht. Eine Übersicht von Rehakliniken

finden Sie in unserem umfangreichen Nachschlagewerk

„Rehabilitationskliniken stellen

sich vor“ oder auf unserem Internetauftritt

unter www.arbeitskreis-gesundheit.de.

MGM Seite 24

Richten Sie Ihr Augenmerk besonders darauf,

dass die ausgewählte Klinik von unabhängiger

Stelle zertifiziert wurde und somit nach

hohen, regelmäßig überprüften Qualitätsstandards

therapiert. Informationen hierüber

erhalten Sie entweder über die Homepage

der Klinik im Internet oder durch einen einfachen

Anruf bei der Klinik.

Ablehnung – wie weiter

Die Ablehnung ergeht als schriftlicher Bescheid.

Gegen diesen Bescheid muss in aller

Regel in einer Frist von einem Monat ab Erhalt

schriftlich Widerspruch eingelegt werden.

An wen der Widerspruch zu richten ist, können

Sie der Rechtsbehelfsbelehrung der Ablehnung

entnehmen. Sie finden sie meist am

Ende des Schreibens. Wichtig: Nur ein rechzeitiger

Widerspruch verhindert den rechtskräftigen

Abschluss des Antragsverfahrens.

Einen Widerspruch müssen Sie begründen.

Bei der Begründing sollten Sie wiederum die

Hilfe des verordnenden Arztes in Anspruch

nehmen. So werden Rehamaßnahmen beispielsweise

oft „nach Aktenlage“ abgelehnt.

Das bedeutet, das der Kostenträger nur da-

Indikationen für medizinische Reha

Allergien

Atemwegs-Erkrankungen

Augenkrankheiten

Erkrankungen des Bewegungsapparates (Orthopädie)

Erkrankungen der Verdauungsorgane

Essstörungen (Adipositas, Anorexia nervosa,

Bulimie)

Gefäßkrankheiten

Geriatrie

Gerinnungsstörungen (Hämostaseologie)

Gynäkologische Erkrankungen

Harnwegserkrankungen (Urologie)

Hautkrankheiten

Herz- und Kreislauferkrankungen

Krebserkrankungen (Onkologie)

Mutter-Kind-Maßnahmen

Neurologie

Pädiatrie

Psychische Erkrankungen (Psychiatrie)

Psychosomatische Erkrankungen

Rheumatische Erkrankungen

Sprach-, Sprech-, Stimm- und Hörstörungen

Stoffwechselerkrankungen und Endokrinopathien

Suchtkrankheiten


nach entscheidet, was im Antrag und dem

Arztgutachten steht. Oft ist es aber sinnvoll,

dass ein Arzt vom ärztlichen Dienst der Krankenkassen

(MDK) mit dem Patienten direkt

spricht und ihn untersucht. Während dieser

Vorstellung beim ärztlichen Dienst haben Sie

nochmals die Gelegenheit, die Dringlichkeit

und Notwendigkeit der Behandlung zu schildern.

In diesem Fall ist eine Vorstellung beim

ärztlichen Dienst häufig sinnvoll. In vielen Fäl-

REHA

len bekommen Sie schon auf Grund Ihres Widerspruchs

die Rehabilitationsmaßnahme.

Für den Fall, dass der Kostenträger auch nach

Widerspruch die beantragte Maßnahme ablehnt,

steht die Möglichkeit der Klage zum Sozialgericht

offen. Auch hier ist eine Frist von

einem Monat ab Bekanntgabe des Widerspruchsbescheides

einzuhalten. Das zuständige

Gericht finden Sie in der Rechtsbehelfsbelehrung.

Gerichtskosten fallen vor dem So-

„Ich konnte das Essen

nicht mehr kontrollieren“

Mehr als 160 Kilo hatte Joachim Werner abgenommen, als er Ende 2008 nach

neun Monaten das Zentrum für Essstörungen der MediClin Seepark im

niedersächsischen Bad Bodenteich verließ. Heute wiegt der 2,07 Meter große

Schleswig-Holsteiner etwa 135 Kilo. Weitere wird er verlieren, wenn die

über schüssige Haut an Bauch und Beinen entfernt wird. Für den 40jährigen

ist es das hoffnungsvolle Ende eines steinigen Weges.

Herr Werner, in Ihrer schwersten

Zeit wogen Sie knapp 300

Kilogramm. Wie kam es dazu?

Joachim Werner: Das war ein schleichender

Prozess. Eigentlich war ich schon immer

ein bisschen korpulenter. Mit 18 Jahren wog

ich 100, 120 Kilo. Hätte ich das gehalten, wäre

es okay gewesen. Aber es wurde immer

mehr. Eine Mahlzeit, bestehend aus neun

Bratwürsten und drei Portionen Bratkartoffeln,

war keine Seltenheit. Bei mir hatte es

auch viel mit Trauer zu tun, mein Vater war ein

paar Jahre zuvor verstorben. Kummer, Einsamkeit

und Stress waren die Auslöser für

meine Krankheit. Irgendwann konnte ich das

Essen nicht mehr kontrollieren.

Mit welchen Mitteln wurde Ihre

Adipositas behandelt?

Werner: Im März 2008 wurde mir im Uniklinikum

Hamburg-Eppendorf ein Stück des Magens

entfernt. Anfang April 2008 kam ich in

die MediClin Seepark Klinik in Bad Bodenteich.

Die ersten Wochen waren schwer, ich litt unter

Übelkeit und hatte durch das lange Liegen

Kreislaufprobleme. Mein Physiotherapeut hatte

das richtige Maß, mich voranzutreiben und

Reha-Nachsorge per Internet

Immer mehr Deutsche nutzen das Internet. Auch in

der Medizin lässt sich das Medium bei der Betreuung

einsetzen. Im März 2009 wurde auf dem Rehabilitationswissenschaftlichen

Kolloquium in Münster ein

Reha-Nachsorgekonzept per Internet vorgestellt. Eine

solche Betreuung hat im Alltag durchaus Vorteile:

Teilnehmer können sich ihre Zeit frei einteilen und

selbst entscheiden, wann sie einen Seminarteil durch-

gleichzeitig Rücksicht zu nehmen. Wir hatten

ein spezielles Fahrrad-Ergometer, mit dem ich

im Liegen trainieren konnte, um Muskeln in

den Beinen aufzubauen. Außerdem gab es

Bewegungstherapie, Kunsttherapie und autogenes

Training. Als ich mich im Schwergewichts-Rollstuhl

fortbewegen konnte, habe

ich auch an den psychotherapeutischen Gesprächsrunden

in der Klinik teilgenommen. In

diesem Jahr wird mir in mehreren Operationen

die überschüssige Haut an Bauch und Beinen

entfernt werden. Danach habe ich vor,

noch mal für einige Wochen in die Klinik zu

kommen.

Wie hat die Zeit in der Klinik

Sie verändert?

Werner: Zuerst einmal wiege ich jetzt ungefähr

135 Kilo statt 300. Mein Traum wären 115

bis 120 Kilo, immerhin bin ich über zwei Meter

groß. Nach der Entfernung der überschüssigen

Haut will ich das erreichen. Auch

innerlich habe ich mich verändert. Einer meiner

Pfleger in der Klinik notierte, wie ich mich

entwickelt habe. Anfangs schrieb er: Er ist

sehr still, redet nicht, nimmt nicht am Leben

teil. Durch die Krankheit habe ich mich mehr

führen. Auch örtlich sind sie flexibel, sie brauchen lediglich

einen Computer mit Internetanschluss. Darüber

hinaus entfallen Fahrzeiten und Reisekosten.

Den persönlichen Kontakt ersetzt das Medium sicher

nicht. Doch als ein weiterer Baustein in der Nachsorge

scheint dieser Weg interessant.

Zurzeit laufen verschiedene Untersuchungen dazu,

wie internetbasierte Nachbetreuung bei den Patien-

MGM Seite 25

zialgericht nicht an. Außerdem gehen die Gutachter-

und Sachverständigenkosten in der Regel

zu Lasten der Staatskasse.

Anwaltszwang besteht in der ersten und zweiten

Instanz vor dem Sozialgericht nicht. Dennoch

empfiehlt sich eine Vertretung durch einen

Rechtsanwalt. Die Anwaltskosten gehen

jedoch zu Ihren Lasten, sofern Sie den Prozess

verlieren und nicht über eine Rechtschutzversicherung

verfügen.

und mehr zurückgezogen und keine Gefühle

zugelassen. Ich hatte Angst und war depressiv.

Zu den Schwestern und Pflegern habe ich

zunächst nur das Nötigste gesagt. Als ich die

Klinik verließ, notierte der Pfleger: Lacht viel

und ist gern in Gesellschaft.

Was war – außer den Therapien – in

der Klinik für Sie besonders wichtig?

Werner: Dort gibt es zum Beispiel ausreichend

große Betten und Duschen, einen Hebekran

oder Toiletten, die etwas höher angebracht

sind. Knapp zwei Jahre konnte ich mich

zuhause nicht mehr richtig waschen. In der

Klinik gibt es einen Deckenlift, der über Schienen

an der Decke läuft, und der mich in die

Dusche hob. Es war sehr schön, als ich mich

das erste Mal wieder selbstständig duschen

konnte. Und ich konnte mich in einem speziellen

Bett mit einer integrierten Waage wiegen.

Zu Beginn meiner Rehabilitation habe ich

dieses Bett komplett ausgefüllt. Heute könnte

locker eine zweite Person daneben liegen.

Was haben Sie sich für die

Zukunft vorgenommen?

Werner: Früher habe ich in unserem Familienbetrieb

vieles allein gemacht. Meine Mutter

und meine Schwester wollte ich aus allem

heraushalten, wir haben wenig miteinander

geredet. Das haben wir jetzt geändert. Die Ernährung

wird umgestellt, es gibt regelmäßiges

Essen morgens, mittags und abends zu

festen Zeiten. Und wir wollen in Gesellschaft

essen, nicht mehr allein. Sportlich gesehen

will ich auf jeden Fall mit dem Walken weitermachen.

Und ich werde wieder angeln gehen,

auch wenn das kein anstrengender Sport

ist. Ich will langsam anfangen, etwas spazieren

gehen, vielleicht wieder Fahrrad fahren.

ten ankommt. So unterstützt beispielsweise der Verein

zur Förderung der Rehabilitationsforschung in

Schleswig-Holstein finanziell ein Projekt, das ein solches

Nachsorgeprogramm für Patienten mit Adipositas

im Anschluss an eine stationäre psychosomatische

Rehabilitation anbietet.

Mitmachprogramme

im Internet erreichen

viele Menschen


Erholsamer Schlaf zählt zu den wichtigsten Voraussetzungen für unsere

Gesundheit. Dennoch: Nacht für Nacht wälzen sich Millionen von Menschen

ruhelos in ihren Betten und fühlen sich am nächsten Morgen müde und

gerädert. Experten sagen, dass bis zu 90 % aller Schlafprobleme „seelisch“

bedingt sind. Bereits alltäglicher Kummer oder auch Begeisterung können uns

innerlich derart „aufwühlen“, dass sich vorübergehend kein Schlaf einstellen

will. Schon der französische Arzt Paul-Antoine Dubois (1795-1871) schrieb:

„Der Schlaf ist wie eine Taube: Streckt man die Hand ruhig aus, setzt sie sich

darauf; greift man nach ihr, fliegt sie fort.“

Der Griff zur Schlaftablette erscheint oft

als einzige Lösung, um wieder ruhig schlafen

zu können. Doch es geht auch anders,

gesünder! „Wenn Sie mehr über den

Schlaf wissen, verlieren die Nächte ihren

Schrecken“, sagt Prof. Dr. Jürgen Zulley,

ein anerkannter Schlafforscher.

Gerade in der Einschlafphase sind wir davon

beeinflusst, mit welchen Gedanken

und Stimmungen wir ins Bett gehen. Unsere

Gedanken können Gefühle wie

Angst, Trauer, Wut, aber auch Freude auslösen,

die dann wiederum den Körper aktivieren.

Der durch Gefühle „aufgewühlte“

Körper findet oft erst mit einiger Verzögerung

erschöpft in den Schlaf.

Das Einschlafen erfolgt über mehrere Stufen

der „Versenkung“, die wir nicht bewusst

miterleben. Bei einer dieser Stufen

WISSEN

Schlafen Sie gut

kann es passieren, dass wir erleben, wie

unser Körper einen Traumgedanken so

„mitlebt“, dass wir von der „ruckartigen“

Muskelbewegung erwachen. Beim Einschlafen

kann es also bei stärkeren äußeren

oder inneren Reizen zu reflektorischen

Muskel-“Zuckungen“ kommen - besonders

nach einem stressigen Tag oder nach

einer „gespannten“ Abendgestaltung (belastende

Filme, Streit, usw.).

Wenn sich das Gehirn mehr und mehr von

den Außenreizen distanziert hat, folgen

die erste Tiefschlafphase und danach ein

stetiger Wechsel von tiefen und flachen

Schlafphasen. Die Länge der jeweiligen

Phasen ist altersabhängig.

Die Erforschung des Tiefschlafes bestätigte,

dass sich in diesen Phasen besonders

der Körper erholt, stärkt, sich gegen

MGM Seite 26

Ausreichend Schlaf

erhält die Gesundheit

Krankheiten wehrt und z. B. Kinder mit

„Wachstumsimpulsen“ versorgt. Tiefschlaf-„Mangel“

führt zu einer allgemeinen

körperlichen Schwächung – auch des

Immunsystems. Gerade diese Tatsache

macht den Schlaf so bedeutend für die Gesundheit.

Nur der Schlaf in der Nacht und

in einem regelmäßigen Rhythmus ermöglicht

Tiefschlaf von guter Qualität. Deshalb

leiden Menschen in Schichtarbeit oft

unter einer mangelnden Erholung durch

Schlaf.

Was im Schlaf passiert

Wir haben also jede Nacht einen natürlichen

Wechsel von tiefem und flachem

Schlaf. Der „leichte“ Schlaf, aus dem wir

schneller aufwachen können, z. B. durch

Geräusche, Schmerzen oder Kälte (Schlafzimmertemperatur

sollte nicht unter 16 °

sinken), hat zu Unrecht einen schlechten

Ruf. Er repräsentiert die Phasen, in denen

wir träumen. Erinnern können wir uns allerdings

nur an die Träume, aus denen wir

erwachen.

Nicht jeden Traum sollte man als Spiegel

der Seele verstehen, der uns unsere tiefsten

Wünsche und Ängste offenbart. Viele

Träume sind lediglich Reaktionen auf Nervenreize,

doch manche Träume handeln

auch von unserer Lebenssituation. So berichten

Krebspatienten in der frühen Phase

ihrer Erkrankung häufig von Todes- bzw.

Beerdigungsthemen in ihren Träumen. Diese

Träume spiegeln nur die Nähe zu die-


sen Ängsten wieder und sind nicht etwa

„Vorboten des Todes“. Es ist eher ein Zeichen

psychischer Stärke, wenn bei einem

Menschen diese Ängste bewusst werden

dürfen, denn nur so können wir sie verarbeiten.

So sehr wir uns nur „schöne“ Träume wünschen

– wir dürfen nicht vergessen, dass

Träume eine „reinigende“, verarbeitende

und psychisch stabilisierende Wirkung haben,

auch im Hinblick auf unsere „belastenden“

Lebenserfahrungen.

Besser schlafen

Ablenkung z. B. durch Bücher, beruhigende

Musik oder Entspannungsübungen ist

bei Einschlafstörungen hilfreich. Komplizierter

zu ergründen sind die Durchschlafstörungen.

Neben Umweltfaktoren

(Lärm, Temperatur, Matratzenqualität, Alkoholgenuss)

und körperlichen Ursachen

(Schmerzen, Schnarchen, Stoffwechselstörungen,

Herz-Kreislauferkrankungen)

seien aus psychologischer Sicht zwei der

häufigsten Gründe für hartnäckige Durchschlafstörungen

genannt - die „versteckte

Trauer“ und die „versteckte Angst“.

Eine Frau, Mutter von zwei erwachsenen

Kindern, meldete sich mit Durchschlafstörungen,

die genau seit einem halben

Jahr bestanden. Ärztliche Untersuchungen

ergaben keine körperlichen Auffälligkeiten.

So wurde sie jeweils am Ende der

Untersuchungen von den Ärzten befragt,

ob sie Stress, Probleme oder Sorgen hätte.

Immer wieder bestätigte sie, dass sie

eine glückliche Ehefrau, geschätzte Kollegin

und stolze Mutter sei. Dann aber

stellte sich heraus, dass beide Kinder ein

halbes Jahr zuvor den Haushalt verlassen

hatten, um zu studieren. Diesen „Abschied“

und das daraus resultierende „Gefühl

der Trauer“ hatte die Frau noch nicht

verarbeitet.

Eine andere Frau hörte im Halbschlaf ein

eigenartiges „Knistern“ und dachte zunächst

an die großen Bäume vor dem

Fenster. Doch sie hatte die teuren Sonnenschirme

auf der Terrasse gelassen! In

der Sorge um die Schirme wurde sie richtig

wach und sah, dass nicht ein Sturm die

Bäume „schüttelte“, sondern dass ein nahe

liegender Bauernhof lichterloh brannte.

In der Folgezeit stellten sich bei ihr, besonders

bei stürmischem Wetter, Durchschlafstörungen

ein. Die Fragen der Ärzte

nach Sorgen und Stress verneinte sie,

und auch körperliche Ursachen konnten

nicht gefunden werden. Was war passiert?

Im „Unterbewusstsein“ hatte sich

WISSEN

das „Knistern“ als „gefährliches“ Geräusch

eingeprägt, und immer, wenn die

Bäume vor dem Fenster in stürmischer

Nacht „knisterten“, wurde ihr Schlaf – infolge

ihrer „versteckten Angst“ unruhiger.

Ganz ausdrücklich muss darauf hingewiesen

werden, dass in beiden Fällen erst

das klärende Gespräch („sprechende Medizin“)

das Mittel der Wahl war, um die

Schlafstörungen wieder ganz zurückzudrängen.

Beide Patientinnen nahmen auch

seit mehreren Monaten „Schlaftabletten“

und ihre Versuche, diese Mittel abzusetzen,

schlugen fehl.

Wichtig zu wissen ist, dass einige Schlafmittel

massiv in das Schlafgeschehen einwirken

können. Sie verkürzen den Tiefschlaf

und das Träumen, so dass sich die

Qualität der körperlichen, seelischen und

geistigen Erholung verringert.

Wenn Menschen nach längerer Einnahme

von Schlafmitteln das Medikament

absetzen, kommt es nicht selten vor, dass

sie mehrere Nächte hintereinander von

„schweren Alpträumen“ belastet werden,

die so zu einem sehr unruhigen

Schlaf führen. Der Entzug sollte daher nur

mit Hilfe eines Arztes erfolgen und durch

biologische Alternativen abgemildert werden.

Schlaf verändert sich

Übrigens: Der Schlaf im Alter wird als besonders

„leicht“ empfunden („habe die

ganze Nacht kein Auge zu gemacht“). Das

ist absolut normal, denn 50 % des Gesamtschlafes

einer Nacht verbringt der Erwachsene

in flachen Schlafphasen, die bei

alten Menschen sogar noch weiter zunehmen.

Dadurch entsteht der Eindruck,

„man habe die ganze Nacht gegrübelt“, oft

sind es dann aber nur lebensnahe Träume

gewesen.

Schließlich sei noch betont, dass unsere

Ernährungsgewohnheiten einen weitaus

größeren Einfluss auf die Schlaffähigkeit

nehmen, als wir allgemein ahnen. Wir, das

vernetzte Wesen aus Körper, Geist und

Seele, reagieren hoch sensibel auf Unterlassungssünden

hinsichtlich der Versorgung

mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.

Diese Informationen zu geben und die daraus

folgenden diagnostischen und therapeutischen

Schritte einzuleiten – das ist

im Rahmen einer üblichen Haus- oder

Facharztpraxis oft nicht zu gewährleisten.

MGM Seite 27

Deshalb empfiehlt sich die Behandlung

im Rahmen eines stationären Heilverfahrens.

Die fachliche Vielfalt, die diagnostischen

Möglichkeiten zur Nacht, das Vorhalten

psychologischer Berater und die

umfangreichen Informationen zu Themen

der Gesundheit ermöglichen erst die ganzheitliche

medizinische Betreuung des Patienten.

So können eine Chronifizierung

von Schlafstörungen und die damit verbundene

Verschlechterung der Lebensqualität

abgewendet werden. Wie sagte

eine 53- jährige Schulsekretärin nach ihrem

Reha-Aufenthalt: „Ich hatte mir bezüglich

meiner langjährigen Schlafstörungen

keine Hoffnung gemacht und habe

sogar überlegt, das vom Hausarzt empfohlene

„Heilverfahren“ wieder abzusagen.

Heute bin ich froh, das nicht getan

zu haben, denn meine Schlafqualität hat

sich deutlich verbessert. Allerdings musste

ich dafür auch meine bisherigen Einstellungen

und Gewohnheiten hinterfragen

und bereit sein für Veränderungen“.

Die eigene entspannte Einstellung zum

Schlaf ist und bleibt die beste Voraussetzung,

wirklich schlafen zu können. Im Zeitalter

der „Perfektion“ müssen wir akzeptieren

lernen, dass auch unser Schlaf natürlichen

Schwankungen unterliegt.

Autoren: Uta Reichhold und Hans Günter Nobis, Ltd. Dipl.- Psychologe am

MEDIAN Klinikum für Rehabilitation Bad Salzuflen www.median-kliniken.de


„Ich kenne manches Bad, aber noch nirgends

habe ich so mannigfache Gegenden um einen

Ort vereinigt gefunden.“ schrieb der Komponist

Carl Maria von Weber über Baden-Baden.

Denn so unterschiedlich wie die Kurorte der

Region sind auch die Landschaften zwischen

Schwarzwald und Bodensee. Sattgrüne Wälder

wechseln mit sanfthügeligen Weinbergen,

bevor im Süden der Bodensee mediterrane

Stimmung erzeugt. Das perfekte Ambiente,

um nach einer Krankheit oder Operation wieder

zur vollen Vitalität und Arbeitskraft zurückzufinden.

„Sanus per aquam -Gesund durch Wasser!“

-schon die Römer wussten um die heilende

Kraft von Heil- und Thermalquellen. Am Rande

des Schwarzwalds bauten sie um 70 n. Ch.

eine Stadt, die sie „Aquae“ nannten, was soviel

wie „die Wasser“ oder „die Bäder“ bedeutet

– das heutige Baden-Baden. Dort wurden

im 19. Jahrhundert bei Bauarbeiten beeindruckende

Ruinen römischer Bäder entdeckt,

die heute als Museum von einer frühen

Form der Bäderkultur zeugen. Bis zum

Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich Baden-

Baden zum mondänen Kurort, zur „Sommerhauptstadt

Europas“ entwickelt, in der sich

die kulturelle und politische Elite traf.

REISE

Gesund durch Wasser

Die Bäderregion Schwarzwald-Bodensee

In keinem Bundesland liegen Heilquellen so dicht beieinander wie in Baden-

Württemberg. Rund 60 Kurorte und Heilbäder vereint der Südwesten Deutschlands,

die Vielfalt der angebotenen Rehabilitationsmaßnahmen ist groß.

Foto: www.bodensee.eu

Insel Mainau/Bodensee

Heute stehen für die Patienten in den Rehaeinrichtungen

andere Ziele im Vordergrund:

das Wiederherstellen ihrer Vitalität nach Krankheit

oder Unfall, oder den Umgang mit einer

chronischen Erkrankung zu erlernen. Das Rezept

dafür lautet oftmals Heilung durch Bewegung

und Entspannung. Die vielfältige

Landschaft der Schwarzwaldregion lädt zu

sportlichen Aktivitäten wie Radfahren und

Wandern ein. Das Mittelgebirgsklima und die

Heilung durch Bewegung und Entspannung: Wandern, Radfahren, Schwimmen

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Foto: www.bodensee.eu

Foto: Ingo Dörr

reine Luft bieten auch im Winter ideale Bedingungen

tief durchzuatmen und neue Kraft

zu schöpfen.

Besonders reizvoll sind die traditionsreichen

Orte rund um den Bodensee wie Meersburg

und Konstanz oder Überlingen, das einzig

staatlich anerkannte Kneippheilbad in Baden-

Württemberg, direkt am Bodensee gelegen.

Die Kurpark-Klinik in Überlingen ist spezialisiert

auf ernährungs- und stoffwechselabhängige

Erkrankungen wie Übergewicht oder

Diabetes mellitus Typ 2. Besonderes Augenmerk

legen Ärzte und Therapeuten darauf, Patienten

als ganze Menschen in ihren körperlichen,

seelischen, geistigen und sozialen Bezügen

zu erfassen. Dabei geht es auch ganz

praktisch zu. In der Lehrküche des Hauses lernen

Patienten eine moderne Vollwerternährung

kennen, in der auch regionale Produkte

wie z.B. typische Bodenseefische zubereitet

werden.

Münster in

Überlingen


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in der Kurpark-Klinik Überlingen – für Sie

und eine Begleitperson. Mit ein bisschen

Glück können Sie den wunderschönen Bodensee

genießen. In der Kurpark-Klinik Überlingen

stehen Ihnen – je nach Verfügbarkeit –

vielfältige Angebote und Anwendungen zur

Verfügung, wie Thai Chi, Autogenes Training

oder ein Kochkurs.

Reha- und Vorsorgekliniken in der Region Schwarzwald-Bodensee

AHK Klinik Wilhelmsheim, 71570 Oppenweiler, Telefon (07193) 52-0, www.wilhelmsheim.de

DE´IGNIS Fachklinik gGmbH, 72227 Egenhausen,Telefon (07453) 9391-0, www.deignis.de

Klinik Hohenfreudenstadt, 72250 Freudenstadt, Telefon (07441) 534-0,

www.klinik-hohenfreudenstadt.de

SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen GmbH, 74206 Bad Wimpfen, Telefon (07063) 52-0,

www.srh.de

Rosentrittklinik, 74906 Bad Rappenau, Telefon (07264) 83-0, www.rosentrittklinik.de

Salinen Klinik, 74906 Bad Rappenau, Telefon (07264) 82-0, www.salinenklinik.de

Stimmheilzentrum Bad Rappenau, 74906 Bad Rappenau, Telefon (07264) 808-0,

www.stimmheilzentrum.de

Neurologisches Rehazentrum Quellenhof, 75323 Bad Wildbad, Tel: (07081) 173-0,

www.quellenhof.de

Psychosomatische Fachklinik Schömberg GmbH, 75328 Schömberg, Telefon (07084) 50-0,

www.klinik-schoemberg.de

Waldklinik Dobel, 75335 Dobel, Telefon (07083) 747-0, www.ruland-kliniken.de

Fachklinik Falkenburg, 76332 Bad Herrenalb, Telefon (07083) 926-0,

www.ruland-kliniken.de

Klinik Bad Herrenalb GmbH, 76332 Bad Herrenalb, Telefon (07083) 509-0,

www.klinik-bad-herrenalb.de

Fachklinik Waldbronn, 76337 Waldbronn, Telefon (07243) 603-0, www.ruland-kliniken.de

Rehabilitationsklinik Höhenblick, 76530 Baden-Baden, Tel: (07221) 909-0,

www.rehaklinik-hoehenblick.de

MediClin Reha-Zentrum Gernsbach, 76593 Gernsbach, Telefon (07224) 992-0,

www.mediclin.de/gernsbach

Gotthard-Schettler-Klinik, 76669 Bad Schönborn, Telefon (07253) 801-0,

www.gotthard-schettler-klinik.de

mikina Kureinrichtung Betriebs GmbH, 76669 Bad Schönborn, Tel. (07253) 933-0,

www.mikina.de

Sigmund Weil Klinik, 76669 Bad Schönborn, Telefon (07253) 85-0,

www.sigmund-weil-klinik.de

Edith-Stein-Fachklinik, 76887 Bad Bergzabern, Telefon (06343) 949-0, www.reha-bza.de

Klinik Kinzigtal, 77723 Gengenbach, Telefon (07803) 808-0, www.klinik-kinzigtal.de

Fachklinik für psychische Erkrankungen Ortenau, 77736 Zell am Harmersbach,

Tel. (07835) 785-0, www.klinik-ortenau.de

MediClin Schlüsselbad Klinik, 77740 Bad Peterstal-Griesbach, Telefon (07806) 86-0,

www.mediclin.de

MediClin Staufenburg Klinik, 77770 Durbach, Telefon (0781) 473-0,

www.staufenburg-klinik.de

Rehabilitationsklinik Klausenbach, 77787 Nordrach, Tel: (07838) 82-0,

www.rehaklinik-klausenbach.de

Winkelwaldklinik Nordrach, 77787 Nordrach, Telefon (07838) 83-0, www.winkelwaldklinik.de

Espan-Klinik, 78073 Bad Dürrheim, Telefon (07726) 65-0, www.espan-klinik.de

Hänslehof, 78073 Bad Dürrheim, Tel. (07726) 667-0, www.haenslehof.de

Klinik Limberger, 78073 Bad Dürrheim, Telefon (07726) 664-0, www.kurklinik-limberger.de

Waldeck Klinik, 78073 Bad Dürrheim, Telefon (0180) 500 6945 119, www.klinik-waldeck.com

MediClin Albert Schweitzer Klinik, 78126 Königsfeld, Telefon (07725) 96-2234,

www.albert-schweitzer-klinik.de

MediClin Baar Klinik, Telefon (07725) 96-2411, www.baar-klinik.de

Katharinenhöhe, 78141 Schönwald, Telefon (07723) 6503-0, www.katharinenhoehe.de

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Und so wird’s gemacht:

Beantworten Sie die Frage auf der vorbereiteten

Postkarte auf den Seiten 15/16,

füllen Sie die Karte vollständig aus – bitte

den Absender nicht vergessen – und senden

Sie sie an den Arbeitskreis Gesundheit.

Einsendeschluss: 01.10.2009!

Viel Glück!

Rehabilitationsklinik Sonnhalde, 78166 Donaueschingen, Telefon: (0771) 852-0,

www.rehaklinik-sonnhalde.de

Hegau-Jugendwerk GmbH, 78262 Gailingen, Telefon (07734) 939-271,

www.hegau-jugendwerk.de

Mooswaldklinik, 79111 Freiburg, Telefon (0761) 4789-0, www.mooswaldklinik.de

Klinik für onkologische Rehabilitation und Nachsorge der Klinik für Tumorbiologie

Freiburg, 79106 Freiburg, Telefon (0761) 206-01, www.tumorbio.uni-freiburg.de

BREISGAU-KLINIK, 79189 Bad Krozingen, Telefon (07633) 401-0, www.breisgau-klinik.de

Klinik Baden-Privatklinik, 79189 Bad Krozingen, Telefon (07633) 93-52,

www.median-kliniken.de

Klinik Lazariterhof, 79189 Bad Krozingen, Telefon (07633) 93-53, www.median-kliniken.de

MEDIAN Klinik Geriatrie, 79189 Bad Krozingen, Tel.: (07633) 93-02, www.mediankliniken.de

Schwarzwaldklinik Neurologie, 79189 Bad Krozingen, Telefon (07633) 93-01,

www.median-kliniken.de

Schwarzwaldklinik Orthopädie, 79189 Bad Krozingen, Telefon (07633) 93-02,

www.median-kliniken.de

Theresienklinik Bad Krozingen II, 79189 Bad Krozingen, Telefon (07633) 404-0,

www.theresienklinik.de

Eltern-Kind-Fachklinik Eichhof, 79263 Simonswald, Telefon (07683) 501-0,

www.ak-familienhilfe.de

Reha-Klinik Glotterbad, 79286 Glottertal, Tel: (07684) 809-0, www.rehaklinik-glotterbad.de

Reha-Klinik Hausbaden, 79410 Badenweiler, Telefon (07632) 759-0,

www.reha-klinik-hausbaden.de

Rehabilitationsklinik Park-Therme, 79410 Badenweiler, Telefon (07632) 71-0,

www.hamm-kliniken.de

Markgräflerland-Klinik, 79415 Bad Bellingen, Telefon (07635) 318-0,

www.markgraeflerland-klinik.de

MediClin Seidel-Klinik, 79415 Bad Bellingen, Telefon (07635) 30-0, www.seidel-klinik.de

Rehaklinik Sankt Marien, 79415 Bad Bellingen , Telefon (07635) 311-0,

www.rehaklinik-sankt-marien.de

Rehabilitationsklinik Birkenbuck, 79429 Malsburg-Marzell, Tel.: (07626) 902-110,

www.rehaklinik-birkenbuck.de

Hochrhein-Eggberg-Klinik, 79713 Bad Säckingen, Tel: (07761) 53-90,

www.hochrhein-eggberg-klinik.de

Kohlwald-Klinik, 79837 St. Blasien, Telefon (07672) 483-0, www.kohlwald-klinik.de

WEISSENSTEIN-KLINIK, 79837 St. Blasien, Telefon (07672) 482-0,

www.weissenstein-klinik.de

Ziegelfeld-Klinik, 79837 St. Blasien, Telefon (07672) 999-0, www.ziegelfeld-klinik.de

Földiklinik GmbH & Co. KG, 79856 Hinterzarten, Telefon (07652) 124-0, www.foeldiklinik.de

St. Georg Vorsorge- und Rehabilitationskliniken, 79862 Höchenschwand,

Telefon (07672) 411-0, www.porten.de

ITZ Caritas-Haus Feldberg GmbH, 79868 Feldberg,Telefon (07676) 930-0,

www.caritas-haus-feldberg.de

Fachklinik Prinzregent Luitpold, 88175 Scheidegg, Telefon (08381) 896-0,

www.klinikprinzregentluitpold.de

Birkle-Klinik – Fachklinik für Innere Medizin und Orthopädie, 88662 Überlingen,

Telefon (07551) 803-0, www.birkle-klinik.de

Kurpark-Klinik, 88662 Überlingen, Telefon (07551) 806-0, www.kurpark-klinik.de


Herausgeber ist der „Arbeitskreis Gesundheit e.V.“,

eine gemeinnützige Initiative von deutschen Reha-

und Vorsorgeeinrichtungen. Das Magazin erscheint

vier mal im Jahr mit einer Auflage von zur Zeit 52.000

Exemplaren

Arbeitskreis Gesundheit e.V.

Gustav-Mahler-Str. 2, 04109 Leipzig

Telefon: 0341 / 87059590, Fax: 0341 / 9800860

E-Mail: info@arbeitskreis-gesundheit.de

Internet: www.arbeitskreis-gesundheit.de

www.rehaklinik.com

Redaktion: Dr. Katja Flieger und

Dr. Claudia Hoffmann,

KonTextGesundheit GbR, Berlin

Gestaltung: KNM Krammer Neue Medien GmbH,

Düsseldorf

Anzeigen: Krammer Verlag Düsseldorf AG

Goethestraße 75, 40237 Düsseldorf

Alke Schmeis (Telefon 0211/9149455)

Druck: D+L Reichenberg GmbH, Bocholt

Veröffentlichungen: Die Artikel zu medizinischen

Themen ersetzen nicht den Besuch bei einem Arzt!

AUSBLICKE

MEIN GESUNDES MAGAZIN

Ausgabe 3/2009

Die nächste Ausgabe von

Mein gesundes Magazin“ befasst

sich mit dem Thema

Erkrankungen des Bewegungsapparats.

Titelthema:

Verschleißerkrankungen wie Arthrose sind auch Ausdruck unserer

Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden

dürfen. Inzwischen hält die Medizin zahlreiche „Ersatzteile“ wie

künstliche Hüften oder Knie bereit. Damit Patienten ihre neue

Beweglichkeit genießen können, sind nach Operationen umfangreiche

Rehabilitationsmaßnahmen notwendig.

IMPRESSUM

MEIN GESUNDES MAGAZIN

MGM Seite 30

Quelle: Fotolia


Effektiv

ganzheitlich

Fundierte Behandlungskonzepte,

medizinische Kompetenz, therapeutische

Erfahrung: Wir machen chronisch

erkrankte Menschen zu Experten ihrer

eigenen Gesundheit.

• Suchttherapie

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• Neurologie

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Lernen Sie uns kennen:

an über 40 Standorten in Deutschland oder unter www.ahg.de


Dank Reha

zurück im Leben.

Krankheiten, Behinderungen und Unfälle können jeden Menschen in jeder Lebensphase treffen. Solche

Schicksalsschläge verändern alle Perspektiven von einem Tag auf den anderen. Probleme beim Verlust des

Arbeitsplatzes, dem Einstieg oder der Rückkehr ins Erwerbsleben und erhebliche Einschnitte im Alltag sind

oft die gravierenden Folgen. Hier hilft die Rehabilitation: Sie berücksichtigt von Anfang an alle Phasen des

Krankheitsverlaufs, individuelle Stärken und Schwächen, unterschiedliche Bedürfnisse und Möglichkeiten

der betroffenen Menschen. Um beste Ergebnisse zu erzielen, verzahnt sie frühzeitig medizinische, berufl iche

und soziale Aspekte, erwägt Alternativen und parallele Entwicklungen.

Am 12. September 2009 ist Reha-Tag.

Besuchen Sie eine Klinik in Ihrer Nähe.

Der 6. Deutsche Reha-Tag ist eine Gemeinschaftsinitiative von

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