Lernbereich Kunststoff_57_1_304.pdf

rzlpws50.hbk.bs.de

Lernbereich Kunststoff_57_1_304.pdf

Warmformen

In diesem Heft wird das Spritzgießen

nicht berücksichtigt, da in der Bundesrepublik

Deutschland der derzeit einzige

Hersteller von Spritzgießmaschinen für

allgemein bildende Schulen die Fertigung

eingestellt hat.

Als Ausgangsprodukt für das Warmformen

dient eine als Halbzeug vorliegende

Tafel, Profilstange oder Folie aus thermoplastischem

Kunststoff.

Warmformen ist ein Umformen thermoplastischer

Halbzeuge durch Druck oder

Unterdruck bei der erforderlichen Umformungstemperatur.

Bei diesem Prozess

macht man sich die typischen Eigenschaften

der Thermoplaste zunutze, die bei

Erwärmung ihren hartelastischen Zustand

aufgeben und in einen Zustand übergehen,

in dem sie verformbar sind. Der

Umformungsprozess läuft in folgenden

Phasen ab:

– Erwärmung bis zum thermoplastischen

Zustand

– Überführung in die gewünschte Form

– Abkühlen unter Aufrechterhaltung der

Form

– Aus der Form entnehmen

(Entformen)

Festigkeit

Dehnung

Voraussetzung für eine gute Warmformbarkeit

des Halbzeugs ist eine große

Spanne zwischen Erweichungs- und Fließtemperatur.

Bei steigender Temperatur

nehmen Thermoplaste folgende Zustandsformen

an: spröde, fest, elastisch,

plastisch und zersetzt.

Neben PS haben auch z.B. ABS und PE

diese Eigenschaften (siehe auch

Abschnitt „Ausgewählte Kunststoffe“

Tabelle 1).

In der Praxis sind Temperaturen von über

200 °C in jedem Fall zu vermeiden, da

dies die Depolymerisierung (Zersetzung)

der Kunststoffe zur Folge hat. Durch die

Überhitzung werden gesundheitsschädliche

Stoffe frei, insbesondere bei PVC-

Halbzeugen. Schon bei Temperaturen

oberhalb von 100 °C findet eine Chlorwasserstoffabspaltung

(HCl) statt. Im Zersetzungsprozess

kann das krebserregende

Vinylchlorid (VC) frei werden. Besser

geeignet erscheinen deshalb PE und PS,

deren Verwendung auch für den Lebensmittelsektor

zugelassen ist.

– 50 0 50 100 150 200 250

spröde fest elastisch plastisch zersetzt

Temperatur

°C

Abb. 10:

Formänderungsverhalten von

Polystyrol (PS)

13

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine