Lernen für's Leben - Bildung als nachhaltige ... - ERSTE Stiftung

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Lernen für's Leben - Bildung als nachhaltige ... - ERSTE Stiftung

Lernen für’s Leben -

Bildung als nachhaltige

Strategie gegen Armut?

Zusammenfassung, Schlüsse und Empfehlungen

der Fachtagung des KomenskýFond

von 30.6.-1.7.08 in Wien

Ein Projekt der ERSTE Stiftung

und der Caritas


Lernen fürs’s Leben

Bildung als nachhaltige Strategie gegen Armut

Zusammenfassung, Schlüsse und Empfehlungen

der Fachtagung des KomenskýFond von 30.6.-1.7.08 in Wien

Vorwort

Der KomenskýFond ist eine Initiative der ERSTE Stiftung und Caritas. Er wurde geschaffen, um Menschen

in schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Situationen zu helfen Bildungschancen wahrzunehmen und um

das Bewusstsein zu fördern, dass Bildung der wirkungsvollste Weg aus der Armut ist.

Das im Mai 2006 gestartete Projekt “Lernen für´s Leben” des KomenskýFond eröffnet hunderten Menschen

in Österreich, Tschechien, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Moldau, der Ukraine und der Slowakischen

Republik durch verschiedenste Qualifizierungsmaßnahmen bessere Chancen für die Zukunft.

Im Rahmen dieser Innovation werden Menschen ganz konkret bei Bildungsmaßnahmen unterstützt.

Seit dem Start des Projekts konnten bis heute 3700 Personen von den Maßnahmen profitieren.

Alleine in Österreich haben bereits rund 1243 Personen die Gelegenheit genützt und Abschlüsse nachgeholt,

Qualifizierungsmaßnahmen ergriffen und Ausbildungen besucht. Das Besondere dabei ist: Der KomenskýFond

zeigt nicht nur einen nachhaltigen Weg aus der Armutsspirale, indem er Qualifizierung ermöglicht;

er berücksichtigt auch die Begleitkosten die entstehen können: egal ob Anreise zum Bildungsträger, Kinderbetreuungsplatz

während der Kursteilnahme oder die Anschaffung von Lernbehelfen – all diese Hürden

am Wege zur Weiterbildung können durch den Fond bewältigt werden. Dies alles erfolgt mit der fachlichen

Unterstützung der Caritas SozialarbeiterInnen. Damit wird jenen Menschen Chancen der Weiterentwicklung

eröffnet, die sie sonst kaum hätten.

Vor diesem Hintergrund fand im Sommer 2008 die Fachtagung “Lernen für’s Leben - Bildung als nachhaltige

Strategie gegen Armut?” statt, mit dem Ziel, ExpertInnen, PraktikerInnen und interessiertem Fachpublikum

die Möglichkeit zu geben, das jeweilige Know-How auszutauschen, zu diskutieren und um die

Vernetzung unter den TeilnehmerInnen zu fördern.

Konkret beschäftigte sich die Konferenz mit der Frage, ob bzw. welche Bildungsmaßnahmen helfen können,

um Armutslagen und Benachteiligungen zu entkommen, sowie welche Präventionsmaßnahmen gesetzt

werden sollten. Impulsreferate, eine Podiumsdiskussion und Arbeitsgruppen ermöglichten eine kritische

Auseinandersetzung mit dem Thema „Armut und Bildung“.

Die Fragestellungen „Welche Bildungsmaßnahmen helfen, um Armutslagen und Benachteiligungen zu

entkommen?“ und „Durch welche Bildungsmaßnahmen kann präventiv ein Abgleiten in Armut verhindert

werden?“ wurden im Rahmen der Tagung intensiv beleuchtet und bearbeitet.


Die Formel lautet: je höher und fundierter die Bildung, desto besser die Chancen am Arbeitsmarkt und

desto geringen die Gefahr, in Armutslagen abzurutschen oder in Armut zu leben. Diese einfache Formel zu

durchbrechen, ist allerdings ein höchst komplexes Unterfangen. Weitreichende Reformen im Schulsystem

sind ebenso von Nöten wie auch im Bereich der Ausbildung des Lehrkörpers. Die vorschulische Bildung,

eine bisher in Österreich völlig vernachlässigte Größe, muss ebenso viel ernster genommen werden. Bildung

beginnt mit der Geburt, nicht umsonst spricht Komenský auch von der Mutterschule.

Wir freuen uns Ihnen nun die Schlüsse und Empfehlungen, die auf dieser Veranstaltung erarbeitet wurden,

präsentieren zu dürfen und wünschen eine spannende Lektüre!

Stefan Wallner Franz-Karl Prüller

Generalsekretär Caritas Österreich Programmdirektor Soziales, ERSTE Stiftung

P.S.: Weiterführende Informationen sowie Fotos und einen Überblick über das Gesamtprojekt finden Sie auf

der neuen Homepage des KomenskýFond www.komenskyfond.org.


Inhaltsverzeichnis

1. Rückblick Programm

2. Zusammenfassung, Schlüsse und Empfehlungen

3. Medienberichte

RefeRAte

4. „Einmal arm, immer arm?“

Carmen Ludwig (Sozialwissenschafterin, Universität Gießen)

5. „Qualifikation und arbeitsmarktferne Schichten“

Dr. Johannes Kopf (AMS Vorstand)

6. „Sonderfall“ MigrantInnen?

Anne Unterwurzacher (Soziologin, Universität Wien)

7. Präsentation Bildungsfonds / KomenskýFond

Franz Karl Prüller (Programmdirektor Soziales, ERSTE Stiftung)

BeSt PRActISe: Vorstellung von nationalen und internationalen Modellen

8. Alphabetisierungsmodelle für Erwachsene.

Mag.Otto Rath (ISOP)

9. Bildung als nachhaltige Strategie zur Verbesserung der

Lebensumstände und Vermeidung von Armutslagen.

Gerlinde Ziniel (European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions)


Rückblick PRogRamm

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Rückblick Programm

„Einmal arm, immer arm?“

Untersuchung zur Familienstruktur sozial benachteiligter junger Erwachsener sowie der Vererbung von

Armut unter Berücksichtigung des schulischen Bildungssystems. Carmen Ludwig

(Sozialwissenschafterin, Universität Gießen)

„Die ideale Schule – Erwartungen, Anforderungen & Grenzen des österreichischen

Schulsystems“

Präsentation der Spezifika des österreichischen Bildungssystems, sowie Reformbedarf und nötiger

Maßnahmen. Univ.-Prof.Dr.Bernd Schilcher (Bildungsexperte des BM:UKK)

„Qualifikation und arbeitsmarktferne Schichten“

Präsentation der Situation von bildungsfernen Schichten in Korrelation zum österreichischen

Arbeitsmarkt. Maßnahmen des AMS. Dr. Johannes Kopf (AMS Vorstand)

„Sonderfall“ MigrantInnen?

Bildungswege von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zwischen Integration und Ausgrenzung.

Anne Unterwurzacher (Soziologin, Universität Wien)

Präsentation Bildungsfonds / KomenskýFond:

Vorstellung des KomenskýFond und seiner Ziele. Franz Karl Prüller (Programmdirektor Soziales, ERSTE

Stiftung)

Best Practise: Vorstellung von nationalen und internationalen Modellen

1: Highlights aus der bisherigen Zusammenarbeit mit dem KomenskýFond. Gertraud Gscheidlinger

(Caritas Innsbruck)

2: Alphabetisierungsmodelle für Erwachsene. Mag.Otto Rath (ISOP)

3: Bildung als nachhaltige Strategie zur Verbesserung der Lebensumstände und Vermeidung von

Armutslagen. Gerlinde Ziniel (European Foundation for the Improvement of Living and Working

Conditions)

Podiumsdiskussion:

Moderation: Dr. Martina Salomon (Die Presse, Leitung Innenpolitik), TeilnehmerInnen: Dr. Ernst

Haider (AMS-Ö, Bildungsexperte), Mag. Dr. Ruth Allgäuer (Vizerektorin der Pädagogischen Hochschule

Vorarlberg, Mitglied der ExpertInnenkommission „Zukunft der Schule“), Kurt Nekula, M.A.VB (BM:UKK,

Allgemeinbildung, Bildungsplanung & -forschung), Mag. Stefan Wallner (Generalsekretär Caritas

Österreich), Univ.-Prof. Dr. Erich Ribolits (Bildungswissenschaften Universität Wien)


Zusammenfassung, schlüsse und

empfehlungen

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Zusammenfassung, Schlüsse und Empfehlungen

Die Fragestellungen „Welche Bildungsmaßnahmen helfen, um Armutslagen und Benachteiligungen zu

entkommen?“ und „Durch welche Bildungsmaßnahmen kann präventiv ein Abgleiten in Armut

verhindert werden?“ wurden im Rahmen der Tagung durch Referate, Podiumsdiskussion, World Café

und Best Practise Beispiele intensiv beleuchtet und bearbeitet.

Zusammenfassung der wichtigsten Fakten und Inhalte der Fachtagung in aller Kürze

Die ForscherInnen und ExpertInnen waren sich einig:

Das Bildungsniveau entscheidet, welche Chancen Menschen am Arbeitsmarkt haben.

Geringe Ausbildung führt zu niedrigen Einkommen mit höherer Wahrscheinlichkeit zur

Arbeitslosigkeit, die wiederum zu Armut führt. Gleichzeitig ist die Weiterbildungsteilnahme von

Geringqualifizierten extrem niedrig. Daher muss alles daran gesetzt werden, um hier frühzeitig

anzusetzen.

Bildungsdefizite werden in unserem jetzigen System „vererbt“. Der sozialökonomische Status

und die Bildungsressourcen der Eltern wirken weiter.

Die Schule in ihrer derzeitigen Form ist in der Regel nicht in der Lage das defizitäre Kapital

des Elternhauses zu kompensieren. Das selektive dreigliedrige Schulsystem trägt zur

Aufrechterhaltung der Schranken und der sozialen Ausgrenzung bei. Unser Schulsystem führt

dazu, dass sich soziale Gruppen reproduzieren und setzt noch zusätzliche Akzente, die dazu

führen, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten selbst nur weniger wirkungsvolle Bildungswege

beschreiten im Gegensatz zu Kindern aus bildungsnahen Familien, welche qualitativ

hochwertigere Bildungsangebote anstreben.

Im internationalen Vergleich findet in Österreich der Schuleintritt relativ spät statt,

vorschulische Bildungseinrichtungen werden relativ wenig in Anspruch genommen, die

Pflichtschuldauer ist relativ gering (Gesamtschuldebatte), relativ wenig LehrerInnenstunden,

die den SchülerInnen zur Verfügung stehen, wobei viele außerschulische Leistungen von

Eltern bzw. Nachhilfeinstitutionen erbracht werden müssen.

Auf längere Sicht zahlt sich die Entwicklung hochwertiger, erschwinglicher und

verfügbarer Bildungsangebote im Rahmen einer neuen Bildungsstrategie aus, welche

soziale Teilhabe fördern - wirtschaftlich wie sozial.

Speziell im Bezug auf MigrantInnen gilt es zu wissen…

Die Muttersprache legt den Grundstein für den Erwerb weiterer Sprachen. Es ist wichtig, dass

auch schriftsprachliche Kompetenz vorhanden ist. Muttersprache ist eine wichtige Ressource

für das spätere Berufsleben und dient der Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung der

MigrantInnen.


MigrantInnenkinder sind in der Regel sehr leistungsmotiviert und haben hohe

Bildungsaspiration, insbesondere in der 1. Generation. In der 2. Generation ist dies ein wenig

abgeschwächt, da bereits negative Erfahrung mit den Institutionen der Aufnahmegesellschaft

gemacht wurden. Diese Leistungsbereitschaft wird in Österreich derzeit viel zu wenig

genutzt, um die Bildungsrückstände zu verringern.

Die Bildungsressourcen der Eltern, die sie im Herkunftsland erworben haben, wurden durch

die Migration entwertet. Es ist aber ganz wesentlich zu wissen, wie das nationale Bildungssystem

funktioniert, welche Anforderungen es bei den einzelnen Bildungsgängen gibt etc.

Schule als Ort der Integration – eine rea(listische) Vision

Um nachhaltige Integration zu fördern, muss (auch) dort angesetzt werden, wo man Kinder gut

erreichen kann. Hierfür sind Schulen die richtigen Orte, denn sie sind fast die einzigen Institutionen,

die noch alle gesellschaftlichen Gruppen auf die eine oder andere Weise erreichen. Sie haben das

Potenzial, Orte des Zusammenwachsens und des Dialogs verschiedener Gruppen und Identitäten zu

sein.

Bildungspolitik ist ein Instrument zur Armutsbekämpfung, sie ist ganz zentral

Sozialpolitik.

Schulen sollen sich daher auch verstärkt als Träger von Sozialpolitik verstehen.

Bildung ist wichtig, nicht nur per se, sondern auch um ganz konkret am gesellschaftlichen,

sozialen und politischen Leben partizipieren zu können, sowie am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, um

für sich und seine Angehörigen sorgen zu können. Die Wissensvermittlung soll sich daher noch

stärker an der Frage der Anwendbarkeit orientieren.

Das System muss sich strukturell verändern, weg vom derzeitigen System, das stark auf

außerschulische Leistungen (auch der Eltern zeitlich und finanziell) baut, hin zu einem neuen

ganzheitlichen (ganztägigen) System, das auch personell, finanziell und räumlich

entsprechend ausgestattet ist, in dem

soziales Lernen ermöglicht wird, sowie Erfahrungsmöglichkeiten abseits der kognitiven Ebene

geschaffen werden, die alle Sinne ansprechen.

der Empowerment-Gedanke umgesetzt wird, das heißt an den Fähigkeiten und Ressourcen

der jeweiligen Person ansetzen, um Spaß und Erfolg zu fördern.

eine positive Fehlerkultur existiert.

(unabhängiges) Denken geschult, gefördert und ausgebildet wird.

Bildungsdefizite welche in der Familie entstehen kompensiert werden.


eine Zukunftsperspektive entwickelt wird – wie kann Bildung verwertet werden?

Die Schulen sollen befähigt und personell, finanziell und räumlich ausgestattet werden,

soziale Zentren zu sein.

Hintergrund: Oftmals ist die Schule ein vertrauter Ort. Die Hürden und Hemmschwelle sind geringer

für die Eltern, um Angebote der Erwachsenenbildung in Anspruch zu nehmen. Siehe das Modellprojekt

„Mama lernt Deutsch“, ein Sprachkurs für Migrantinnen, der an Schulen angeboten wird. Lebenslanges

Lernen soll nahegebracht werden.

Schlüsse und Empfehlungen der ExpertInnen, abgeleitet von den Ergebnissen der

Fachtagung

Längeres gemeinsames Lernen, um Selektion durch das Schulsystem zu überwinden.

Vorschulische Bildung in Kindergärten oder Vorschulen ausbauen und strukturieren,

um Lernfenster der Kindheit und kreatives Potenzial nutzen.

Gebührenfreier Zugang zu Kindergärten

Kleine Klassengröße in Kindergarten und Schule, um individuelle Betreuung des einzelnen zu

ermöglichen.

Zusatzförderung in Kleingruppen, um Defizite frühzeitig aufzuholen, zusätzliches auch

muttersprachliches Personal für Migrantenkinder.

Individuelles Zugehen auf die Person in den Mittelpunkt stellen. Das Profil des Kindes

analysieren und dann entsprechende Maßnahmen setzen so wie dies derzeit im Rahmen der

frühen Förderung für Kinder im Vorschulalter im Kindergarten getan wird, wo im Rahmen einer

mehrwöchigen Beobachtungszeit Stärken und Schwächen des einzelnen Kindes besser erkannt

werden und dann entsprechende Förderung ansetzt. Diesbezüglich wichtige und wertvolle

Erfahrungen gibt es auch in den Integrationsklassen. Ein ähnliches Zugehen muss dem jeweiligen

Alter entsprechend in der Volksschule, in der Mittelstufe und in der Oberstufe stattfinden. Hier

geht es dann vermehrt um Stärkung von Interessen und Begabungen, Wahlpflichtangebote zu

machen und modulare Systeme zu durchwandern.

Notwendig hierfür sind Ressourcen:

Entsprechend mehr finanzielle und personelle Ressourcen, sowie

die Möglichkeit diese verfügbaren Ressourcen flexibel und kreativ einsetzen zu können.

Eine Ausbildung der Lehrer damit sie die pädagogischen Fähigkeiten besitzen, Kinder

individuell zu fördern, sowie Instrumentarien, sodass sie diese in die Praxis umsetzen können.


Evaluierung:

Selbstevaluierungsmethoden in den Schulen implementieren

Externe Evaluierung zwecks Personalentwicklung, interdisziplinärer Weiterbildungs-

maßnahmen, etc.

Interdisziplinärer Zugang und Zusammenarbeit

LehrerInnen, SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, BeratungslehrerInnen, um niederschwelliger

und nachhaltiger arbeiten zu können

ExpertInnen von außen mit einbeziehen

Im Team planen ermöglichen

Eine frühe und gezielte außerfamiliäre Unterstützung zum Beispiel in Form einer

sozialpädagogischen Einzelbetreuung, da ein sekundäres Netzwerk außerhalb der Familie hilfreich

ist.

Wartezeiten für Familiennachzug verkürzen, sodass Kinder mit Migrationshintergrund

frühzeitig, Sprache erlernen und an der Schulausbildung teilnehmen.

Empfehlungen für die Zukunft des KomenskýFond

Es geht darum Menschen mit Mitteln des KomenskýFond nachhaltig und umfassend zu helfen sowie

intensives und höherschwelliges Arbeiten zu ermöglichen. Der KomenskýFond mindert in seiner

Einzelfallarbeit die Folgen sozialer Ausgrenzung, hilft den lerntechnischen Anschluss nicht zu verlieren

und den Grundstein zu legen für den Aufbau von Bildung und für weitere Bildungsmöglichkeiten, die

auf Grund von fehlenden finanziellen Mitteln sonst nicht wahrgenommen werden könnten.

Schulabschlüsse, Führerscheine und Lehrabschlüsse können nachgeholt, begonnene Ausbildungen

abgeschlossen werden.

Um dem berechtigten Trend „Weniger ist mehr“ (Unterstützung von weniger Personen mit höheren

Beträgen) bei steigender InteressentInnenzahl gerecht zu werden bedarf es der Erschließung neuer

Finanzmittel

Entwicklung eines zinsenlosen Bildungsdarlehens zwischen Zweite

Sparkasse/KomenskýFond/Caritas.

Ausschöpfung von öffentlichen Finanzierungen, sowie EU-Förderungen im Bereich Bildung,

Kofinanzierung der öffentlichen Hand –sprich AMS, Sozialamt, Integrationsfond bei

längerfristigen Förderungen, um Existenzsicherung und Ausbildung zu ermöglichen.


Wo möglich sollten außerdem Kooperationen mit der Wirtschaft intensiviert werden z.B.

Schulstartpakete ausbauen.

…für die nachhaltige Einzelfallarbeit bedarf es

Mehr BildungsberaterInnen in den Diözesen, zumindest Spezialisierung und Fortbildung für

einzelne SozialberaterInnen, um sich im Bereich Bildung zu spezialisieren.

Längerfristige Beratung und Begleitung durch BildungsberaterInnen ausbauen und intensive

Einzelarbeit ermöglichen.

Beratung und Begleitung/Coaching für selbstvertrauensbildende Maßnahmen der

KlientInnen.

Durchaus auch Coaching der TeilnehmerInnen länger als 6 Monate mit einem interdisziplinären

Zugang, sowie in der Übergangsphase von der Ausbildung zum Berufseinstieg in der ersten

Zeit.

Längerfristige und nachhaltige Unterstützung, damit längerfristig im Rahmen des

KomenskýFond geplant werden kann. Vorschlag: 3-Jahres Programm.

…für soziale und politische Veränderungen bedarf es

Vernetzung, Weiterbildung & Tagung — Weitere Veranstaltungen, wobei es wünschenswert

ist

mehr Multiplikatoren aus den Entscheidungsebenen mit einzubeziehen von Seite der Länder,

der Ministerien, des AMS,

verschiedene Formen von Veranstaltungen, Workshops und Tagungen für die unterschiedlichen

Zielgruppen zu entwickeln.

Strategische Partnerschaften bilden mit AMS und Sozialamt. Bewusstseinsbildung bei

AMS, Behörden und Politik betreiben, sowie den KomenskýFond im Sozialbereich

positionieren.

Einsatz für eine verstärkte Zusammenarbeit von Bund, Länder (verfügen über die finanziellen

Mittel), AMS, Berufsberatung, Bildungsberatung und Schulen z.B. im Rahmen einer weiteren

Tagung.

Ganz konkret eine stärkere Zusammenarbeit mit dem AMS, vor allem um die Bedeutung des

niederschwelligen Bereichs und der MigrantInnen hervorzuheben. Hier gilt es ein

Lobbyingpaper zu erstellen.


Anmerkung: Es gibt ein klares Bekenntnis vom AMS und seinen Eigentümern, dass die Jugendlichen

die wichtigste Zielgruppe sind. In Wien haben 2/3 der arbeitslosen Jugendlichen

Migrationshintergrund. Hier soll aus Sicht des AMS verstärkt Berufsinformation in Zusammenarbeit mit

den Schulen angeboten werden, um das System der Lehre, dass es nicht in allen Ursprungsländern in

dieser Form existiert, genauer vorzustellen, sowie die Vielfalt der Lehrberufe aufzuzeigen.

Außerdem…

Der KomenskýFond könnte in Zukunft auch bei der Inlandsarbeit zusätzlich zum Bestehenden im

Kleinen gezielt auf Projektarbeit setzen und so Pilotprojekte an Schulen ermöglichen.

Zur Bewusstseinsbildung rund um das Thema Armutsgefährdung und Ausgrenzung unter

SchülerInnen wie auch LehrerInnen Veranstaltungen im Rahmen von Projekttagen zu Schulschluss

oder auch in Form eines Theaterprojektes als Forumtheater während des Schuljahres

organisieren. Die Caritas kann sich hier mit ihren erfahrenen SozialarbeiterInnen mit einbringen.

Zur Stärkung des Know-hows über Interkulturalität und Mehrsprachigkeit

LehrerInnenfortbildung. Die Caritas könnte sich hier mit ihren erfahrenen SozialarbeiterInnen aus

der Flüchtlings- und MigrantInnenberatung mit einbringen.

Zur Sicherstellung außerschulischer Leistungen, um den lerntechnischen Anschluss nicht zu

verlieren Lernbetreuung vor Ort in der Schule. (Caritas als Anbieter von Hortangeboten?)

Ideenworkshop und konkrete Umsetzung im Bereich Elternarbeit, um

den Kontakt zwischen Eltern-SchülerInnen-LehrerInnen zu intensivieren,

ihre Hemmschwellen gegenüber der Institution Schule, die sie auf Grund eigener negativer

Erfahrungen haben abzubauen

sie in Projekte einzubeziehen, um Impulse für das Lernen zuhause zu geben.


Medienberichte

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Medienberichte

• 08/06/30 Kathpress: Küberl: Bildung ist "Eckstein in der Armutsbekämpfung"

Caritas-Präsident fordert verpflichtendes Kindergartenjahr für alle, einen "realen Hauptschulabschluss"

und eine Eingliederung der Fördermaßnahmen für schwächere Schüler in das Schulsystem

Wien, 30.6.08 (KAP) Die Bedeutung eines umfassenden schulischen Bildungskonzepts im Rahmen der

Armutsbekämpfung und die Notwendigkeit einschneidender struktureller Reformen im Bildungssystem

hat Caritas-Präsident Franz Küberl gefordert. Bildung sei ein "Eckstein" in einem umfassenden Konzept

zur Armutsbekämpfung, sagte Küberl bei der Tagung "Lernen für's Leben" des Komensky -Fonds am

Montag im Wiener Kardinal-König-Haus.

Küberl unterstrich, dass die Verfestigung von Armut sich auch im Bildungssystem und in den

schulischen Karrieren von Kindern widerspiegelt. So sei es in Österreich noch immer so, dass 80

Prozent der Kinder von Eltern mit Matura ebenfalls die Matura erwerben, während auf der anderen

Seite 80 Prozent der Kinder jener Eltern, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, ebenfalls

die Schule nur mit einem Pflichtschulabschluss beenden.

Konkreter Maßnahmenkatalog

Angesichts der Gefahr einer Verfestigung von Armutsstrukturen im gegenwärtigen Schulsystem fordert

die Caritas drei bildungspolitische Maßnahmen: Zum einen bedürfe es laut Küberl eines

verpflichtenden letzten Kindergartenjahres für alle Kinder. Da der Spracherwerb zu den zentralen

Elementen der Bildung zählt und nicht nur Migrantenkinder sondern ebenso auch einheimische Kinder

mittlerweile deutliche muttersprachliche Probleme aufweisen, sei der Kindergarten der Ort, diese

Probleme frühzeitig anzugehen, so Küberl.

Weiters müsse die Qualität der schulischen Bildung dahingehend angehoben werden, dass

"Hauptschulabschlüsse wirklich Hauptschulabschlüsse werden", so der Caritas-Präsident. Heute wiesen

laut Küberl viele Kinder mit Hauptschulabschluss schwere Defizite im Bereich der schulischen

Grundkenntnisse des Schreibens, Rechnens und Lesens auf.

Zuletzt verwies der Caritas-Präsident darauf, dass die derzeit außerschulisch geregelte und von den

Eltern finanziell zu tragende Nachhilfe in das Gesamtschulsystem integriert werden müsse. Gleichheit

unter den Schülern sei erst gewährleistet, wenn auch Schüler finanzschwächerer Familien sich einen

Förderunterricht und die Nachbetreuung bei Lernschwierigkeiten leisten können, so Küberl.


"Um jedes Kind kämpfen"

Derzeit verfahre das Schulsystem in Österreich nach dem Prinzip des "größten Glücks der möglichst

größten Zahl", so Küberl. Dieses Prinzip müsse jedoch auf den Einzelnen hin umgemünzt werden: "Wir

müssen lernen, dass wir um die Zukunft eines jeden einzelnen Kindes kämpfen müssen. Erst dann

kann Bildung wirklich dazu beitragen, Armut zu brechen", sagte Küberl wörtlich

.

Ziel der Tagung des Komensky -Fonds ist es, Strategien zu entwickeln, wie im Rahmen der

Armutsbekämpfung Bildungschancen erhöht werden können. Die Tagung dauert noch bis zum 1. Juli.

Der Komensky-Fonds ist eine gemeinsame Initiative von ERSTE Stiftung und Caritas.

• 08/07/03, 18.55, Radio Ö1 (zum Download auf www.komenskyfond.org)

• Stephanscom.at

Bildung ist "Eckstein in der Armutsbekämpfung"

Caritas-Präsident Franz Küberl fordert ein verpflichtendes Kindergartenjahr für alle, einen "realen

Hauptschulabschluss" und eine Eingliederung der Fördermaßnahmen für schwächere Schüler in das

Schulsystem. Nur über Bildung könne Armut bekämpft werden.

Die Bedeutung eines umfassenden schulischen Bildungskonzepts im Rahmen der Armutsbekämpfung

und die Notwendigkeit einschneidender struktureller Reformen im Bildungssystem hat Caritas-

Präsident Franz Küberl gefordert. Bildung sei ein Eckstein in einem umfassenden Konzept zur

Armutsbekämpfung, sagte Küberl bei der Tagung "Lernen fürs Leben" des Komensky-Fonds am

Montag, 30. Juni 2008, im Wiener Kardinal-König-Haus.

Armut spiegelt sich in der schulischen Karriere wieder.

"Bildung ist ein

Eckstein in der

Armutsbekämpfung",

so Küberl.

Küberl unterstrich, dass die Verfestigung von Armut sich auch im

Bildungssystem und in den schulischen Karrieren von Kindern

widerspiegelt. So sei es in Österreich noch immer so, dass 80 Prozent der

Kinder von Eltern mit Matura ebenfalls die Matura erwerben, während auf

der anderen Seite 80 Prozent der Kinder jener Eltern, die nur über einen

Pflichtschulabschluss verfügen, ebenfalls die Schule nur mit einem

Pflichtschulabschluss beenden.


Konkreter Maßnahmenkatalog

Angesichts der Gefahr einer Verfestigung von Armutsstrukturen im gegenwärtigen Schulsystem fordert

die Caritas drei bildungspolitische Maßnahmen:

Zum einen bedürfe es laut Küberl eines verpflichtenden letzten Kindergartenjahres für alle Kinder. Da

der Spracherwerb zu den zentralen Elementen der Bildung zählt und nicht nur Migrantenkinder

sondern ebenso auch einheimische Kinder mittlerweile deutliche muttersprachliche Probleme

aufweisen, sei der Kindergarten der Ort, diese Probleme frühzeitig anzugehen, so Küberl.

Qualität der Bildung muss gehoben werden.

"Wir müssen um die Zukunft jedes

einzelnen Kindes kämpfen", so Franz

Küberl.

Weiters müsse die Qualität der schulischen

Bildung dahingehend angehoben werden, dass

"Hauptschulabschlüsse wirklich Hauptschul-

abschlüsse werden", so der Caritas-Präsident.

Heute wiesen laut Küberl viele Kinder mit

Hauptschulabschluss schwere Defizite im Bereich

der schulischen Grundkenntnisse des Schreibens,

Rechnens und Lesens auf.

"Um jedes Kind kämpfen"

Derzeit verfahre das Schulsystem in Österreich

nach dem Prinzip des "größten Glücks der

möglichst größten Zahl", so Küberl. Dieses Prinzip müsse jedoch auf den Einzelnen hin umgemünzt

werden: "Wir müssen lernen, dass wir um die Zukunft eines jeden einzelnen Kindes kämpfen müssen.

Erst dann kann Bildung wirklich dazu beitragen, Armut zu brechen", sagte Küberl.

Ziel der Tagung des Komensky-Fonds ist es, Strategien zu entwickeln, wie im Rahmen der

Armutsbekämpfung Bildungschancen erhöht werden können. (red/KAP)


RefeRate

„einmal arm, immer arm?“

Untersuchung zur Familienstruktur sozial

benachteiligter junger Erwachsener sowie der

Vererbung von Armut unter Berücksichtigung des

schulischen Bildungssystems.

Carmen Ludwig

(Sozialwissenschafterin, Universität Gießen)

4


Carmen Ludwig

Untersuchung zur Familienstruktur sozial benachteiligter junger Erwachsener sowie

der „Vererbung“ von Armut unter Berücksichtigung des schulischen Bildungssystems

In meinem Vortrag möchte ich zunächst kurz auf die Armutsentwicklung in Deutschland

eingehen, dann ebenfalls kurz etwas zur Situation der Familien, die an unserer Studie

teilgenommen haben, sagen. In einem dritten Schritt werde ich etwas ausführlicher auf den

Zusammenhang von Armut und Bildung eingehen. Dabei werde ich mich auf Daten der

nationalen Armuts- und Reichtumsberichte sowie eigene Ergebnisse aus einem europäischen

Forschungsprojekt zu generationsübergreifender Armut stützen. Im Rahmen dieses Projekts

haben wir unter anderem Interviews mit betroffenen jungen Erwachsenen und ihren Eltern,

mit Sozialarbeitern, sozialen Trägern, mit Lehrern und Politikern geführt.

1) Armut in Deutschland

Letzte Woche hat der Bundestag den von der Bundesregierung vorgelegten dritten Armuts-

und Reichtumsbericht beschlossen. Kurzgefasst kann folgende Armutsentwicklung in

Deutschland festgestellt werden:

1. Ein seit Jahren kontinuierlicher Anstieg der Einkommensarmut

Dem Bericht zufolge, lag das Risiko in Deutschland einkommensarm zu sein 2005 bei 13

Prozent. Danach lebte im Jahr 2005 jeder Achte an der Armutsgrenze.

Ohne staatliche Unterstützung wie das Arbeitslosen- oder Kindergeld wäre das Risiko mit 26

Prozent doppelt so hoch gewesen.

Das höchste Armutsrisiko tragen in Deutschland Arbeitslose (43%), Personen ohne

abgeschlossene Berufsausbildung (19%), Alleinerziehende (24%), Migranten und Familien

mit mehreren Kindern. So lebten 2005 24 Prozent der Alleinerziehenden in Armut.

Verschuldung und das insbesondere aus Großbritannien bekannte Phänomen der Armut trotz

Erwerbstätigkeit stellen auch in Deutschland ein deutlich zunehmendes Armutsrisiko dar.


Am dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hat es massive Kritik

gegeben. Zum einen bezieht sich die Kritik auf das Zahlenmaterial. Dem jetzigen Bericht liegt

eine neue, EU-einheitliche Statistik zugrunde. Die Ergebnisse sind damit mit den

Vorjahresergebnissen nicht vergleichbar. Die Armutsgrenze wurde in diesem Zusammenhang

von 938 Euro im letzten Bericht auf 781 Euro abgesenkt.

Von einer Abnahme von Armut lässt sich folglich keinesfalls sprechen. Im Gegenteil!

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt mit seinen Erhebungen aus dem

sozioökonomischen Panel (SOEP) – einem der wichtigsten Längsschnittstudien in

Deutschland - das Armutsrisiko deutlich höher ein – mit einer Quote von 18 statt 13 Prozent.


Demnach ist jedes vierte Kind (25 Prozent) von Armut bedroht.

Ein weiterer Kritikpunkt am aktuell vorliegenden Bericht ist die starke Vermischung von

sachlicher Analyse und wertendem politischen Teil der Bundesregierung.

Caritas Deutschland fordert zu Recht, die Berichterstattung in die Hände eines unabhängigen

Expertenrats zu legen.

2. Die Zunahme von sozialer Ungleichheit und die Verfestigung von Armut

Gösta Esping-Andersen zufolge steht die Mobilität aus der Armut heraus in enger

Wechselbeziehung zur gesellschaftlichen Ungleichheit insgesamt. In ungleichen

Gesellschaften existiere weitaus mehr Dauerarmut als in egalitäreren Gesellschaften (Esping-

Andersen 2003).

Auch wenn Esping-Andersen Deutschland vergleichsweise eher zu den egalitäreren Ländern

zählt, ist auch hier ein konstanter Trend sowohl einer deutlichen Zunahme von Ungleichheit

als auch einer Verfestigung von Armut zu beobachten.

So wird zum einen die soziale Ungleichheit in der Verteilung - sowohl beim Einkommen als

auch beim Vermögen - zwischen den Gruppen zunehmend größer: Während auf die obersten

10% der Haushalte allein knapp 47 Prozent des gesamten Nettoprivatvermögens entfallen,

verfügen die unteren 50% der Haushalte in Deutschland über weniger als 4 Prozent.


Zum anderen ist ein beträchtlicher Teil der Armen wiederholt und über mehrere Jahre hinweg

von Armut betroffen. Die Zahl der „dauerhaft Einkommensarmen“ ist von 9% im Jahr 2002

auf 11% im Jahr 2005 gestiegen (BMGSS 2005).

Bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit und Armut spielen mit Pierre Bourdieu

gesprochen neben dem ökonomischen Kapital auch das – insbesondere im Elternhaus und in

den Bildungseinrichtungen erworbene - kulturelle und soziale Kapital eine entscheidende

Rolle für den Bildungserfolg und die Lebenschancen der Kinder.

2) Familiäre Situation

Die ökonomische Situation in den untersuchten Familien ist höchst prekär, alle Familien

machen lange Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit. Dies ist besonders dann problematisch,

wenn, wie in den meisten von uns untersuchten Fällen, in der Elterngeneration noch das

traditionelle Muster des ‚male breadwinner“ vorherrschend ist. Die Arbeitslosigkeit des

Vaters wirkte sich somit auf die ganze Familie aus. Wir haben fünf Familienkonstellationen

und familiäre Lebenslagen unterschieden:

I. Elterliches Beziehungskapital

Unterstützung wird in der Familie im Rahmen des Möglichen mobilisiert und von den jungen

Erwachsenen auch angenommen. In Einzelfällen ist so z.B. eine kurzzeitige Überbrückung

bei der Arbeitslosigkeit der Kinder auf Kosten eigener Entbehrungen möglich. Auch wenn die

sozialen Netze außerhalb der Familie oft eher schwach ausgeprägt sind, können die Kinder

jedoch auf das elterliche Beziehungskapital zurückgreifen, d.h. die Familie fungiert als

emotionale Stütze, als Anlaufstelle und als sozialer Rückhalt, was eine stabilisierende

Wirkung auf die jungen Erwachsenen hat.

II. Milieuspezifische Schranken

In einigen Fällen war festzustellen, dass in den Familien hemmende Strukturen existieren, die

vorhandene Bildungsaspirationen der Kinder behindern. Zum einen kann sich dahinter die

Angst der Eltern verbergen, dass sich die Kinder durch den Bildungsaufstieg dem eigenen

Milieu und der Familie entfremden. Zum anderen werden Bildungsentscheidungen der Eltern

nicht losgelöst von deren eigenen meist negativ geprägten Erfahrungshorizont getroffen. Der

Bildungsaufstieg muss dann auch gegen den Willen der Eltern realisiert werden.


III. Abwärtsspiralen

Krisenhafte Ereignisse wie z.B. eine schwere Krankheit des Vaters führten in einigen den von

uns untersuchten Fällen zu einem Zusammensturz der bis dato vorhandenen

Normalbiographien bis hin zum physischen Zusammenbruch einzelner Familienmitglieder.

Von dieser Abwärtsbiographie werden auch die nachfolgenden Generationen erfasst.

Die Krisensituation und ihre Folgen müssen nahezu vollständig in der Familie aufgefangen

werden. In beiden Generationen war eine starker Rückzugs in die Familie vorzufinden. Diese

führte in den untersuchten Fällen auch zu einer sozialen Verarmung.

IV. Kumulative Deprivation

In diesen Familien kann nicht mehr von funktionierenden Familienstrukturen gesprochen

werden, es ist eine Kumulation von Problemen festzustellen. Die Familienverhältnisse werden

von den Interviewten als höchst belastend und destruktiv beschrieben. Besonders gravierende

Auswirkungen auf die Kinder haben Alkoholabhängigkeit der Eltern, Gewalt und

Vernachlässigung in der Familie. Scheidung, die für manche Kinder und Jugendlichen selbst

zum krisenauslösenden Ereignis werden kann, wird von den jungen Erwachsenen aus

Familien mit kumulativer Deprivation eher als Problementschärfung angesehen.

V. Kapitalkompensation durch externe Unterstützung

In einigen Fällen wird die Unterstützung, die von den Eltern nicht geleistet werden kann,

durch institutionelle Hilfe zumindest partiell kompensiert. So erhält beispielsweise eine junge

Frau mit türkischem Migrationshintergrund Beihilfe vom Jugendamt. Die Betreuerin des

Jugendamts kann als Teil des sozialen Netzwerkes in der Stadt Gießen und als kompetente

Ansprechpartnerin mangelndes Wissen und fehlende Orientierung ihrer Klientin und ihrer

Eltern kompensieren.

Institutionelle Hilfe führt, wenn sie früh und begleitend erfolgt und damit positive

Erfahrungen verbunden sind, dazu, dass Unterstützungsleistungen von den jungen

Erwachsenen angenommen und eingefordert werden. Ereignisse werden so als beeinflussbar

und gestaltbar erlebt, Perspektiven können entwickelt werden.

„Meine Betreuerin hat mich hierher gebracht […] ich denk ma, es gibt auch

manchma Situationen, wo man sagt, ich hab keinen Bock auf das und ich scheiß auf

alles oder so; ich hab ja auch ne Nachhilfelehrerin gehabt und die hat mich dann

wiederum auch unterstützt und gesagt, ja, komm mach was und du schaffst das“

(junge Erwachsene mit türkischem Migrationshintergrund)


3) Bildungschancen und Bildungszugang in Deutschland

„Der Stellenwert von Bildung für die Armutsprävention und die Vermeidung von sozialer

Ausgrenzung ist unumstritten.“, so heißt es im neuen Armuts- und Reichtumsbericht.

Welchen Beitrag leistet das deutsche Bildungssystem und die Bildungseinrichtungen zur

Veränderung oder Verfestigung der sozialen Lage von Familien, wie ich sie eben dargestellt

habe.

Deutschland gehört - ebenso wie Österreich - zu den Ländern mit einer frühen

Leistungsdifferenzierung.

Zahlreiche schulische Vergleichstudien – z.B. IGLU und PISA 2006 - belegen, dass der

schulische Erfolg von Kindern in Deutschland sehr viel stärker von der sozialen Herkunft als

von individuellen Leistungen abhängt. Die Studien seit 2000 zeigen deutliche

Zusammenhänge zwischen Herkunftsmerkmalen, Bildungserfolg und Bildungsbeteiligung.

Nirgendwo ist der Unterschied zwischen Familien mit und ohne Migrationshintergrund so

deutlich wie in Deutschland.


Im Bildungsverlauf verengt sich der sogenannte Bildungstrichter zunehmend und es kommt

zu einer Mehrfachselektion im Bildungsverlauf. Die Sozialerhebung des Deutschen

Studentenwerkes weist eindeutige Unterschiede im Bildungsverlauf abhängig von der

sozialen Herkunft nach.

Im Ergebnis der mehrfachen Selektionsprozesse im Bildungsverlauf nehmen 23% von Nicht-

Akademikerfamilien ein Studium auf, aus Akademikerfamilien sind es 83%.

Aus Familien mit einer niedrigen sozialen Herkunft waren es in der Sozialerhebung 2003

sogar nur 11%, die den Weg an die Hochschule geschafft haben. Das heißt, dass die Chance

eines Kindes aus einem Elternhaus mit „hohem“ sozialen Status, ein Studium aufzunehmen,

7,4-fach größer ist als die eines Kindes aus einem Elternhaus mit niedrigem sozialen Status

(Isserstedt/Middendorff u.a. 2004). Gerade im Zeitverlauf wird deutlich, dass soziale

Mobilität - zunächst gestiegen durch die Bildungsexpansion - wieder deutlich abgenommen

hat: 1982 betrug der Anteil von Studierenden aus der Herkunftsgruppe niedrig noch 23

Prozent.


Da die Chancen auf dem Arbeitsmarkt an den Bildungs- und Berufabschluss gekoppelt sind,

verfügen gerade diejenigen über nur geringe bis keine Chancen, die die Schule ohne

Abschluss verlassen oder über keinen beruflichen Ausbildungsabschluss verfügen.

2006 betrug die Zahl der Schulabbrecher in Deutschland 7,9%.

Von der Europäischen Union wird das Erreichen eines Abschlusses des Sekundarbereichs II

als notwendige Mindestqualifikation für Teilhabe in Wissensgesellschaften und am

Arbeitsmarkt angesehen.

Die EU-Mitgliedstaaten haben sich das europaweite Ziel gesetzt, bis 2010 den

durchschnittlichen Anteil der frühen Schulabgänger auf höchstens 10% zu senken.

In Deutschland ist es in den vergangen zehn Jahren nicht gelungen, die Quote der frühen

Schulabgänger, die bei 13,8 Prozent liegt, zu verringern. 1996 waren es 13, 3 Prozent.

Ein Abbau der Bildungsarmut erfolgte im Gegensatz zu vielen anderen Staaten in

Deutschland demnach nicht.

Die von uns geführten Interviews haben gezeigt, dass die Unterstützung und eine lernfördernde

Umgebung in armen Haushalten oft nicht vorzufinden ist:

„Es geht los damit, dass sie ihre Sachen nicht haben, die sie brauchen, ja, Mama

kriegt erst nächsten Montag Geld und dann doch nicht und irgendwann kauft man es


dann selbst. Mit einer Plastiktüte kommen sie in die Schule, weil das Geld nicht reicht

für einen Ranzen oder anderweitig ausgegeben wurde. Zuhause können die Kinder

nichts nachschlagen, da gibt es kein Buch, keinen PC, kein Internet.“ (Haupt- und

Realschullehrerin in einem sozial benachteiligten Stadtteil in Giessen)

In der Armutsforschung wird darauf hingewiesen, dass sich armutsbedingte Lebensumstände

negativ auf die Lernmotivation und die Schulleistung auswirken können (Helmhold-Schlösser

2004). In unseren Fällen ist kaum schulische Hilfe durch das Elternhaus möglich.

Schwellenängste der Eltern, da sie die Institution häufig negativen Erfahrungen und Gefühlen

verbinden, führen vielmehr eher zur Kontaktvermeidung mit der Institution Schule.

Schule ist für die Mehrheit der jungen Erwachsenen nicht der Ort, der ihr Selbstvertrauen stärkt

(Lange-Vester 2005). Stattdessen befinden sie sich in einem Kreislauf von Misserfolgen und

Misserfolgserwartungen. Die jungen Erwachsenen machen in ihrer Schulzeit insbesondere

Erfahrungen mit Scheitern, Frustration und Stigmatisierung, wodurch die Lernmotivation

weiter abnimmt. Motivationale Defizite stellen sich dann ein, wenn der Glaube daran verloren

geht, durch eigenes Handeln gewünschte Ergebnisse zu erzielen.

Den Befragten ist bewusst, dass sie sich als Hauptschüler/-innen am unteren Rand der

schulischen und gesellschaftlichen Hierarchie befinden und sie sehen für sich auch kaum

Perspektiven.

„Wenn der Lehrer sieht wie der wie der Jugendliche oder wie das Kind is, dann macht

der sich auch, dann bildet der sich auch seine Meinung, macht der sich auch ein Bild

im Kopf. Ja und bei mir hats wahrscheinlich net so gepasst aber ich denk ma, da bin

ich nicht der einzige. Viele werden einfach abgestempelt und das was. Aha, das is so

einer, hat sichs erledigt damit.“ (männlich, syrischer Migrationshintergrund)

Die Schüler mit positiven Schulerfahrungen und vergleichsweise guten schulischen Leistungen

haben fast alle Unterstützung durch engagierte Lehrkräfte erhalten. Dadurch konnten vereinzelt

Schülerinnen und Schülern aus sozial deprivierten Haushalten an Bildungskapitel z.B. in Form

von guten Schulabschlüssen und der Behebung sprachlicher Defizite hinzugewinnen.

„Also ich hatte wie gesagt schon eigentlich Glück gehabt ja weil ich hab dann schon

mal durch mein Lehrerin schon Deutschkurs und so was gekriegt jemand anders aus

meiner Klasse zum Beispiel die hatte das net.“ (weiblich 22 Jahre, russischer

Migrationshintergrund)


Sowohl die Zahlen des Armuts- und Reichtumsbericht als auch die Interviews mit den jungen

Erwachsenen zeigen, dass die Schule in der Regel nicht in der Lage ist, die defizitäre

Ausstattung mit kulturellem Kapital im Elternhaus zu kompensieren. Statt Chancengleichheit

anzustreben und soziale Aufstiege zu ermöglichen, trägt das selektive, dreigliedrige

Schulsystem in Deutschland somit zur Aufrechterhaltung der Schranken und zur sozialen

Ausgrenzung bei.

Beim Übergang von der Schule in die Ausbildung bzw. den Arbeitsmarkt setzen sich die

Benachteiligungsstrukturen fort.

Auf diese Statuspassage von der Schule in den Beruf kann ich an dieser Stelle nicht

ausführlich eingehen. Vielleicht soviel dazu: Durch die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt

und mit den erhöhten Anforderungen, die an die Qualifikation der Ausbildungssuchenden

gestellt werden, werden krisenhafte Verläufe in diesem Übergang für die jungen Erwachsenen

mit sozialen Benachteiligungen immer wahrscheinlicher. Die Statuspassage von der Schule in

die Ausbildung ist in unseren Fällen gekennzeichnet durch Arbeitslosigkeit, Gelegenheitsjobs

und jahrelangen „Warteschleifen“ in Beschäftigungsmaßnahmen. Dies ist für die jungen

Erwachsenen ein zutiefst frustrierendes Erlebnis.


Um die prekäre Lage zu bewältigen, werden eigene Ansprüche aufgegeben und eine Strategie

der Anpassung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz verfolgt, um „wenigstens

irgendwas“ zu machen (vgl. auch Schittenhelm 2005).

Der Ausbildungsplatz, den einige letztlich über einen sozialen Träger erhalten, führt zu einer

bemerkenswerten Motivationssteigerung. Im Übergang von Schule in dem Beruf bemühen

sich die jungen Erwachsenen ihrem Leben zwar eine gefestigte Perspektive zu geben -

allerdings letztlich mit den schwächsten Mitteln, die ihnen noch zur Verfügung stehen - d.h.

mit den Ausbildungsberufen, die ein geringes Sozialprestige und eine geringer Entlohnung

aufweisen. Diese Ressourcen dürften kaum ausreichen, um in der 2. Generation den Kreislauf

von Armut und Deprivation zu unterbrechen.

5. Fazit in Form von vier Thesen

1. Eine kontinuierliche und unabhängige Armuts- und (!) Reichtumsberichterstattung ist

unerlässlich. Ebenso wie Armut sollte dieser den gesellschaftliche Grad an Ungleichheit und

damit Spielräume für re-distributive Maßnahmen identifizieren.

2. Mit Blick auf in den Familien vorgefundene Kapitalausstattung kann die familiäre

Ausstattung mit ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital als defizitär beschrieben

werden. Insbesondere im Hinblick auf das kulturelle Kapital stellt die familiäre Lage für die

Befragten eine „Hypothek“ dar, weil sie – auch in schulischen Angelegenheiten - nur wenig

Unterstützung erwarten können. Eine frühe und gezielte außerfamiliäre Unterstützung z.B. in

Form einer sozialpädagogischen Einzelbetreuung wurde von den jungen Erwachsenen, die

diese erhalten haben, positiv bewertet. Diese Gruppe kam auch vergleichsweise besser

zurecht, weil ihnen damit ein sekundäres Netzwerk außerhalb der Familie zur Verfügung

stand.

3. Bildung spielt in der Zuteilung von Lebenschancen eine zentrale Rolle. Das deutsche

selektive Bildungssystem ist nicht in der Lage, die defizitäre Ausstattung mit kulturellem

Kapital im Elternhaus zu durchbrechen, sondern verlängert diese mehrheitlich in die 2.

Generation.

Die Befragten wünschen sich bezogen auf die Schule mehr institutionelle und eine

individuellere Unterstützung, die nicht vom Engagement einzelner Lehrkräfte abhängig sein

darf. Maßnahmen sollten ergriffen werden, die die soziale Selektivität des deutschen


mehrgliedrigen Bildungssystems überwinden helfen und ein gemeinsames Lernen

ermöglichen. Positiv wurden in diesem Zusammenhang Gesamtschulen

bewertet, weil sie nicht als gleichermaßen selektiv empfunden wurden wie andere

Schulformen.

Eine Förderung sollte möglichst früh in den Kindertagesstätten erfolgen. Der Zugang zu den

öffentlichen Kindertagesstätten, den sich in Gießen circa 40% der Familien nicht leisten

können, sollte gebührenfrei sein. Dazu gehören auch kleinere Klassen, die sowohl in der

Kindertagessstätte als auch in der Schule eine individuellere Betreuung des Einzelnen

ermöglichen. Insbesondere in der Kindertagessstätte könnte das Einbeziehen der Eltern in

Projekte dadurch ermöglicht werden, was Impulse für das Lernen zuhause geben kann.

Zudem können die Hemmschwelle für die Eltern, die häufig deutlich weniger

Berührungsängste mit der Kindertagessstätte als mit der Schule haben, gesenkt werden.

„Jetzt komme ich zu den Strategien: man muss darauf achten, dass die Gruppen

kleiner und mindestens zwei Fachpersonen da sind, dann kann man auch die Eltern

einbinden.“ (Erzieherin)

Die Selektivität des Schulsystems – so die deutliche Botschaft in unseren Interviews - soll

durch ein gemeinsames Lernen und verbindliche Ganztagsschulen überwunden werden.

Dies kann ohne nennenswerte finanzielle Investitionen in Bildung und einen

handlungsfähigen Staat nicht gelingen. Da der soziale Aufstieg über das Bildungssystem

teilweise auch gegen den Willen der Eltern realisiert werden musste, ist ein gebührenfreier

Zugang zu den Bildungseinrichtungen und eine finanzielle staatliche Unterstützung von

Schülern und Studierenden (BAföG) eine wichtige Voraussetzung, um unabhängige

Entscheidungen möglich zu machen.

„In der Bildungspolitik muss darauf geachtet werden, dass integrativ gearbeitet wird,

dass die Kinder mit ihren unterschiedlichen Lebenssituationen zusammenbleiben, dass

die sich gegenseitig wahrnehmen und sich auch ein Stück weit bereichern. Es ist ja

auch nicht so, dass arme Kinder nichts zu bieten haben, wenn man sie nur lässt“

(Sozialpfarrer)

“Kinder sollten so früh wie möglich einen unabhängigen Lebensbereich außerhalb der

Familie haben. Ich habe alle meine Interessen und Fähigkeiten entwickelt, wenn ich

nicht zu Hause war. […] Man nimmt heute zu sehr an, dass alle Eltern die Fähigkeiten

ihrer Kinder selbstverständlich fördern wollen. Aber oftmals bieten die Eltern ihren


Kindern nur das an, was ihnen selbst geboten wurde. Bei sozial benachteiligten

Familien ist dies oft nicht sehr viel. Deshalb können Ganztagsschulen mehr

Chancengleichheit und Unterstützung für sozial benachteiligte Kinder bieten.“

(männlich, Bildungsaufsteiger)

4. Bildung hat zwar in der politischen Vokabellandschaft einen prominenten Platz

zurückerobern können. Es steht aber zugleich zu befürchten, dass sich die Parteien damit

nahezu unbemerkt der Verantwortung für sozialpolitische und umverteilungswirksame

Maßnahmen, die ein Leben in Armut verhindern und gesellschaftliche Ungleichheiten

reduzieren, entledigen.

Armut ist ein mehrdimensionales Phänomen – dementsprechend muss die Armutsbekämpfung

in mehren Feldern ansetzen. Bildung darf nicht als Kompensation für andere sozialpolitische

oder arbeitsmarktpolitische Maßnahmen benutzt werden!

Zugespitzt bringt dies Christoph Butterwegge von der Universität Köln wie folgt auf den

Punkt: „Es ist pure Heuchelei, den Armen "Bildet euch!" zu predigen, im Regelsatz für Hartz-

IV-Empfänger dafür jedoch keinen Cent vorzusehen. Kinder unter 14 Jahren erhalten 1,79

Euro im Monat für Schulmaterialien und 2,72 Euro pro Tag für Nahrung. Wer seinen

Bildungshunger stillen will, muss indes zunächst einmal satt zu essen haben!“ (Butterwegge

2008)

Auch wenn sicher nicht von einem Determinismus von „einmal arm, immer arm“ gesprochen

werden kann, ist derzeit eine Entwarnung alles andere als angebracht: Ein Zusammenhang

von sozialer Lebenslage und den Lebenschancen in Deutschland ist unübersehbar. Die Gefahr

einer transgenerationalen Verfestigung von Armut beachtlich, wenn dem nicht politisch

gegengesteuert wird.


Verwendete Literatur:

BMAS – Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) (2008): Lebenslagen in

Deutschland. 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Berlin.

BMGSS – Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (Hrsg.) (2005):

Lebenslagen in Deutschland. Der 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung

(Deutscher Bundestag Drucksache 15/5015). Berlin. URL: http://www.sozialpolitikaktuell.de/docs/Lebenslagen%20in%20Deutschland_EndBericht.pdf;

Hit: 14.09.07.

Bourdieu, Pierre (1983): Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital und soziales Kapital. In:

Kreckel, Reinhard (Hrsg.): Soziale Ungleichheiten, Soziale Welt Sonderband 2.

Göttingen. S. 183-198.

Butterwegge, Christoph: Bildung schützt vor Armut nicht, Frankfurter Rundschau vom

13.6.2008, URL: http://www.fr-online.de/_inc/_globals/print.php?em_cnt=1350024&em_

ref=/in_un; Hit: 8.5.09.

Esping-Andersen, Gösta (2003): Aus reichen Kindern werden reiche Eltern. In: Frankfurter

Rundschau online 2006. URL: http://www.fronline.de/ressorts/nachrichten_und_politik/dokumentation/?em_cnt=360039;

Hit:

12.09.07.

Helmhold-Schlösser, Gabriele (2004): Frauen Leben am Rande. Generationsübergreifende

Aspekte sozialer Benachteiligung. Wiesbaden.

Isserstedt, Wolfgang/Middendorff, Elke u.a. (2004): Die wirtschaftliche und soziale Lage der

Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2003. 17. Sozialerhebung des deutschen

Studentenwerkes durchgeführt durch HIS Hochschul-Informations-System. Bonn, Berlin.

Klocke, Andreas/ Hurrelmann, Klaus (Hrsg.) (2001): Kinder und Jugendliche in Armut.

Umfang, Auswirkungen und Konsequenzen. Wiesbaden.

Lange-Vester, Andrea (2005): Teufelskreis der Nichtachtung, in: Schultheis, Franz/Schulz,

Kristina (Hrsg.): Gesellschaft mit begrenzter Haftung. Zumutungen und Leiden im

deutschen Alltag. Konstanz.

Ludwig, Carmen/ Dietz, Berthold (2008): ‘There’s Not a Single Book There, No PC, No

Internet’: Increasing Poverty in Germany and a Lack of Political Answers. In: Journal of

Contemporary European Studies Vol. 16, No. 1, 25–39, April 2008, Loughborough.

Schittenhelm, Karin (2005): Soziale Lagen im Übergang. Junge Migrantinnen und

Einheimische zwischen Schule und Berufsausbildung. Wiesbaden.


RefeRate

„Qualifikation und arbeitsmarktferne Schichten“

Präsentation der Situation von bildungsfernen

Schichten in Korrelation zum österreichischen

Arbeitsmarkt. Maßnahmen des AMS.

Dr. Johannes Kopf (AMS Vorstand)

5


Arbeitsmarkt Service

Österreich

Arbeitsmarkt Service

Österreich

Lernen für’s LebenBildung als

nachhaltige Strategie gegen Armut?

Qualifikation und arbeitsmarktferne

Schichten

Dr. Johannes Kopf, LL.M.

1. Juli 2008

Arbeitslosigkeit und Armut sind oftmals

Schwestern:

Österreich liegt bei einer Armutsgefährdungsquote von

etwa 13% (EU-SILC).

Längere Arbeitslosigkeit bringt einen deutlichen

Einkommensverlust und bewirkt damit häufig das

Entstehen von Armutsgefährdung bzw. Armut.

Bildungsniveau entscheidet, welche Chancen Menschen

am Arbeitsmarkt haben.

Es gilt im doppelten Sinn „Wer schnell hilft, hilft doppelt“.


Arbeitsmarkt Service

Österreich

Arbeitsmarkt Service

Österreich

Bildung verringert das Armutsrisiko

Bildung hat klar nachweisbare Auswirkungen auf die

Höhe des Erwerbseinkommens und die Beschäftigungsintegration.

Bei Menschen mit nur Pflichtschulabschluss liegt die

Armutsgefährdungsquote in Österreich mit 20% überdurchschnittlich

hoch.

Bei Absolvent/innen einer Lehre, mittleren oder höheren

Schule dagegen ist die Gefährdung mit 10% klar unterdurchschnittlich.

Bei Akademiker/innen liegt die Quote mit 7% nur halb so

hoch wie der Durchschnitt.

36% aller Haushalte in Österreich, in denen ein Langzeitarbeitsloser

lebt, sind armutsgefährdet.

Bildung verringert das Arbeitslosigkeitsrisiko


Arbeitsmarkt Service

Österreich

Arbeitsmarkt Service

Österreich

Bildung verringert das Arbeitslosigkeitsrisiko

Weiterbildung und Geringqualifizierte

Weiterbildungsteilnahme von Geringqualifizierten ist extrem

niedrig.

Geringe Teilnahme hat verschiedene Ursachen, wie etwa

• niedrige berufliche Stellung und damit wenig Zugang zu

betrieblicher Weiterbildung,

• schlechte Erfahrungen mit schulischem Lernen,

• finanzielle Gründe,

• Mangel an adäquaten Weiterbildungs- und Beratungsangeboten

für diese Gruppe,

• Kinderbetreuungspflichten (vor allem Frauen),

• mangelnde Deutschkenntnisse und Fähigkeit, sich schriftlich

auszudrücken (nicht nur Personen mit Migrationshintergrund!).

! Motivation von Geringqualifizierten ist schwierig


Arbeitsmarkt Service

Österreich

Arbeitsmarkt Service

Österreich

Qualifizierungsmaßnahmen des AMS

Im Laufe eines Jahres fördert das Arbeitsmarktservice die

Qualifizierungsaktivitäten von rund 180.000 arbeitslosen Frauen

und Männern.

Ziel ist eine dauerhafte Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit.

30% der Teilnehmenden haben Wunsch nach einem Wechsel der

beruflichen Tätigkeit.

Ein Viertel der in die Qualifizierung eingebundenen Frauen und

Männer hatte im Jahr zuvor keinen einzigen Beschäftigungstag,

rund 30% haben weniger als 230 Tage gearbeitet.

Schwerpunkte verschieben sich in der AMP, bringt Mindestsicherung

Gegengewicht?

Maßnahmen wirken interessanterweise stärker bei Frauen und

Relation mit höherwertigen Maßnahmen gegeben.

ESF Beschäftigtenschulung: Schwerpunkt niedrigqualifizierte

Frauen & Ältere.

Verschiedene Situationen – verschiedene

Maßnahmen

Grundsatz: Vermittlung vor Qualifizierung, unterbrochen bei

Spezialprogrammen

Bonus bei längeren Qualifizierungen

Early Intervention Politik – rascher vermitteln/qualifizieren

Aktivierung!!!

Auch kurze Dienstverhältnisse haben positive Effekte

Eingliederungsbeihilfe vs. Kombilohn

Mindestsicherung


RefeRate

„Sonderfall“ MigrantInnen?

Bildungswege von Jugendlichen mit

Migrationshintergrund zwischen Integration und

Ausgrenzung.

6

Anne Unterwurzacher (Soziologin, Universität Wien)


Sonderfall MigrantInnen?

• statistischer Überblick

• Ursachen der Bildungsungleichheit

• Ergebnisse aktueller Studien

statistischer Überblick

• Kinder mit nicht-österr. Staatsbürgerschaft sind

in Sonderschulen tendenziell überrepräsentiert

• in höheren Schulen hingegen sind sie deutlich

unterrepräsentiert

• setzen Bildungskarrieren nach Beendigung der

Pflichtschule häufiger nicht fort

• ABER: deutliche Unterschiede je nach Herkunft!


Schulstatistik 2006/07

Tabelle 1: relativer Risiko Index 1) für verschiedene Schulformen nach Herkunft

1) Werte über 1 bedeuten, dass SchülerInnen der jeweiligen Herkunftsländer in Bezug auf die

Gesamtverteilung in den entsprechenden Schulformen überrepräsentiert sind, Werte

unter 1 hingegen signalisieren Unterrepräsentation

* ohne lehrerbildende Akademien (Daten unvollständig)

Schulstatistik

• geschlechtsspezifische Bildungsungleichheit

– nur 4 von 10 SonderschülerInnen sind weiblich

– ausländische Mädchen stellen in der AHS, BMS

und BHS den höheren Anteil

– gilt auch für türkische Mädchen

– allerdings: insgesamt geringere Bildungsbeteiligung

bei den türkischen Mädchen


Grafik 1: Bildungsbeteiligung der 15 – 19jährigen nach Staatsbürgerschaft

und Geschlecht

Quelle: Volkszählung 2001

Ursachen der Bildungsungleichheit

• individueller bzw. biographischer Hintergrund

• familiärer Hintergrund („soziale oder ethnische

Zugehörigkeit“)

• strukturelle Ursachen (oder „das Bildungssystem

als Ursache“)


Individueller Hintergrund

• Art und Dauer des Aufenthalts

• Sprachkenntnisse

• Selbstplatzierungsfähigkeiten

– sehr leistungsmotiviert, hohe

Bildungsaspirationen

Familiärer Hintergrund: soziale

Schicht oder Ethnie?

• Kontroverse Diskussion was stärker

ausschlaggebend ist:

– Schicht (inkl. Bildungsaspirationen,

elterliches Schulengagement etc.)

– ethnische Zugehörigkeit


Familiärer Hintergrund: soziale

Schicht

• These: Migrantenjugendliche sind nicht als

ethnische Minderheit benachteiligt, sondern

als Angehörige niedriger sozialer Schichten

• Entwertung von im Herkunftsland erworbenen

Ressourcen

• Wissen über Struktur nationaler Bildungs

-systeme als wichtige Ressource

Familiärer Hintergrund: Ethnie

• schulische Probleme aufgrund

kultureller Differenzen

• Spannung zwischen schulischen

Anforderungen und Erziehung im

ethnisch geprägten Umfeld


Liste kulturbedingter Defizite:

• mangelnde Anerkennung von Lernen

und Leistung als Erziehungswerte

• autoritärer Erziehungsstil

• mangelnde Einsicht in die Notwendig

-keit eines regelmäßigen Schulbesuchs

• Ablehnung der Schule ! Furcht vor

Entfremdung

Strukturelle Ursachen: Struktur

nationaler Bildungssystem

• relativ später Schuleintritt; geringe

Inanspruchnahme vorschulischer Bildung

• frühzeitige Selektion mit zehn Jahren

• geringe Pflichtschuldauer

• geringe Anzahl der LehrerInnenstunden pro Woche,

die Schüler/innen zur Verfügung


Strukturelle Ursachen: Konstrukt des

leistungsschwachen Immigranten

-kindes

• hohe Sonderschulüberweisungsquote

• Annahme von eindeutig identifizierbaren

SchülerInnen mit Lernschwächen:

– Leistungsüberschneidungen

– regional unterschiedliche Überweisungsquoten

Strukturelle Ursachen: Institutionelle

Diskriminierung

• schulische Entscheidungspraktiken und

Mechanismen ethnischer Diskriminierung als

Ursache

• Schule hat Standardvorstellungen über den/die

“normale/n” Schüler/in:

! SchülerInnen die nicht diesen Vorstellungen

entsprechen werden exkludiert (z.B.

Überweisung in Sonderschule)

• Lehrkräfte greifen bei ihren Entscheidungen auf

kulturelle Erklärungen zurück


Untersuchungen in Österreich

• soziale Schicht ist stärkster Erklärungsfaktor

• ethnisches Umfeld kein bzw. nur marginaler Einfluss

• regionale Unterschiede, Kindergartenbesuch,

Deutschkenntnisse und Leistungsmotivation Jugendliche

• kein Einfluss: Verhalten bzw. Einstellungen Eltern

(regelmäßige Kontaktaufnahme, Druck und

Leistungserwartungen)

• frühe Selektion negativ

ABER:

• negative Herkunftseffekte bleiben bestehen ! strukturelle Ursachen

ausschlaggebend!


RefeRate

Präsentation Bildungsfonds / Komenskýfond

Vorstellung des KomenskýFond und seiner Ziele.

Franz Karl Prüller

(Programmdirektor Soziales, ERSTE Stiftung)

7


Komensk!Fond: Lernen fürs Leben

• Unterstützen und Ermöglichen von

Bildungsmaßnahmen verhindert die

konkrete Armutsgefährdung von Menschen

• Beitrag zum sozialen und ethnischen

Zusammenhalt in Europa.

• offene Entwicklungspartnerschaft

• dzt. Projekte in Österreich, Tschechien,

Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien,

Rumänien, Moldawien, Ukraine

• Tagungen / work-shops zu

Erfahrungsaustausch, Vernetzung, Reflexion,

Weiterbildung, Horizonterweiterung

Tagungen / work-shops

• Know-How Transfer: zwischen Vertretern des

Sozialwesens und der interessierten Fach-

Öffentlichkeit

• Vernetzung: Austausch und gemeinsame Arbeit zu

gesellschaftspolitischen Themen, persönliche Kontakte

zwischen den Praktikern der Caritas Sozialarbeit,

Stakeholdern, ERSTE Stiftung

• Weiterbildung: kritische Auseinandersetzung mit

dem Thema „Armut und Bildung“. Neue Ansätze und

Methoden bzw. Best-Practise-Beispiele stellen

wertvolle Impulse für die tägliche Arbeit der

Praktikern dar.

• Entwicklungsperspektiven für die Partner: wo

liegen die wirklichen Herausforderungen? Was sagen

uns Praktiker und Experten aus der Wissenschaft?

Worauf richten wir unsere Partnerschaft aus? Was

sind kreative Ansätze mit denen wir an die Probleme

herangehen können?


Komensk!Fond

International Workshop in Esztergom, Hungary:

„Participation through Education“

• 24.- 26. September

• Teilnehmer: Partner aus CEE, Fachleute und Vertreter der

öffentlichen Verwaltung

Komansk!Fond CEE 2006/07:

insgesamt 994 Kinder und Erwachsene

In CEE: Modelprojekte in

• Tschechische Republik:

Integrierte Tagesheimstätte für Roma und Gaje, Jihlava

• Slowakische Republik:

Heime für Kinder aus sozial schwachen Familien, Nitra und Povanska

Bistrica

• Ungarn:

Erwachsenenbildung zur Hebung der Berufschancen von Roma

• Kroatien:

Unternehmertraining für junge Menschen aus wirtschaftlich

unterentwickelten Gebieten

• Serbien:

Unterstützung von Schulkindern aus armen Familien in Aleksinac

• Rumänien:

Schulbildung für Romakinder in Temesvar und Sfintu Gheorghe

• Moldawien:

Nachschulische Betreuung und Lernhilfen für Kinder aus armen und

zerrütteten Familien in Balti und Ribnita


Kommens!Fond: Lernen für's Leben, Projekt in Österreich 2006/07

385 Personen direkt, 1193 Personen indirekt

Komensk!Fond 2006/2007


Grundproblematik 2007/08

Ausländerspezifische Problemlagen 2007/08


"Schulen sind Produktionsstätten der

Menschlichkeit, sofern sie bewirken,

dass aus Menschen wirklich Menschen

werden.„

Jan Amos Komensk!


Best Practise:

Vorstellung von nationalen

und internationalen Modellen

Alphabetisierungsmodelle für Erwachsene.

Mag.Otto Rath (ISOP)

8


Gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des

Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur

Lernen für‘s Leben

Alphabetisierungsmodelle

für

Erwachsene

Begriff Alphabetisierung

Thema Alphabetisierung/

Basisbildung

Netzwerk Basisbildung und Alphabetisierung

Modellbildung: Know-how – Modell – Umsetzung –

Evaluation – Adaptierung - Dissemination

Beispiele:

Familien Lernen

Basisbildung im Strafvollzug

Basisbildung im Betrieb

Politische Basisbildung

Bildung – Gesundheit – Kompetenz


Basisbildung

Welche Kompetenzen gehören zur Basisbildung?

Rahmen: Europäischer Referenzrahmen

Schlüsselqualifikationen

Kulturtechniken

Welches Kompetenzniveau definiert Basisbildung?

Pflichtschulabschluss

Entsprechendes Kursdesign:

Lesen, Schreiben, Rechnen, PC, autonomes Lernen

Einstiegsberatung

Völlige Individualisierung

Erwachsenengerechte Methodik

IALS (International Adult Literacy Survey)

Untersuchung der Lesekenntnisse

UNESCO-Schätzung für Österreich 1989

200.000 - 300.000 Betro!ene

Größenordnung

PISA Studien (2003 bzw. 2006)

Lese- und Mathematikkompetenzen

ca. 20% der SchülerInnen (PISA 2003 und PISA 2006) können nicht

ausreichend gut lesen bzw. rechnen (1/5 eines Jahrganges)

10%-20% (EU-Parlament/bzw. Ausschreibung EQUAL)

bedeutet 672.000 – 1,34 Mio.

PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult

Competencies)


Das System der Benachteiligungen

Armut und Folgen

Arbeitslosigkeit, geringe

Qualifikationschancen

(Basis-)Bildungsmängel

Rückzug, soziale

Isolation

Gesundheitliche

Probleme

Arbeitslosigkeit und Basisbildung

12,7% der max. Pflichtschulabsolvent/innen sind arbeitslos

47,5% max. Pflichtschule abgeschlossen

(AMS Statistik Mai 08)

Risiko Arbeitslosigkeit bei Leseschwäche ist in etwa doppelt so

hoch

18% der ALV-Kosten sind auf Leseschwäche zurück zu führen

(Quelle: BASS (2007): Volkswirtschaftliche Kosten der

Leseschwäche)

Männer mit max. Pflichtschulabschluss sind nur zu 2/3

erwerbstätig

(Statistik Austria 2006)


Basisbildung und Gesundheit

Korrelation mit sozialem Status

Beeinflussen sich gegenseitig

Beispiele

Gesundheitsriskantes Verhalten

Schulbildung und Lebenserwartung:

Männer ohne Matura: - 3,3 Jahre

Frauen ohne Matura: -3,9 Jahre

Mortalität: Statusniedrigere Personen sterben früher,

Überlebenszeit nach Herzinfarkt ist kürzer

Übergewicht:

Männer in der unteren Statusgruppe 2,26 x höher

Frauen in der unteren Statusgruppe: 4,18 x höher

„Vererbung“ von

Bildungsproblemen

32% der Kinder bildungsferner Schichten besuchen

keinen Kindergarten, im Gegensatz dazu sind es nur 4%

der Kinder von Eltern mit Universitätsabschluss. Diese

Tendenz setzt sich auch in den Bereich der

weiterführenden Schulen fort.

Dort lässt sich feststellen, dass nur ca. 9% der Kinder

aus bildungsfernen Schichten weiterführende Schulen

besuchen (vgl. Haider/ Schreiner, 2006, S 211 !).


seit 2002

Netzwerk Basisbildung und

Alphabetisierung

Projekt „In.Bewegung“: 14 Institutionen in 6

Bundesländern

Entwicklung innovativer Kursmodelle

Information und Beratung für Menschen mit

Basisbildungsbedarf und MultiplikatorInnen

Aus ganz Österreich erreichbare Hotline:

Hintergrund

Beispiel Familien Lernen

Sozialökonomischer Status und Bildungsressourcen der Eltern wirken weiter

Zentraler Schlüssel: sowohl den Eltern als auch den Kinder eine Chance auf

Teilhabe und Erfolg im Bildungssystem ermöglichen

Zielgruppe

lernungewohnte, bildungsferne und (meist) sozial benachteiligte Eltern mit

geringer Bildung und/oder negativen Schulerfahrungen samt ihrer Kinder.

Maßnahmen

Basisbildungskurse für Eltern: Lesen, Schreiben, Rechnen, PC-Grundlagen

Kinderbetreuung mit kreativem, sprachlichem und literalem Schwerpunkt

Veranstaltungen bzw. gemeinsame lern- und entwicklungsförderliche Aktivitäten

von Eltern und Kindern.

Case Management zur ersten Entlastung und koordinierten Problemklärung wird angeboten.

Kontakt: Beate Kubin (beate.kubin@isop.at)


Hintergrund

Beispiel Strafvollzug

Geringe Qualifikation, wenig Arbeitserfahrung, geringe Basisbildung

Unterstützung der Resozialisierung

Abstimmung mit NEUSTART

Zielgruppe

Haftinsass/innen mir geringer Basisbildung, Entlassungsvorbereitung und -

begleitung

Maßnahmen

Basisbildung als Unterstützung bei der Entlassung: Arbeit, Empowerment

Kursmodelle: Intensivkurs, Interne und externe Kurse

Herausforderung System Strafvollzug

Standorte in Graz, Wien, Linz

Kontakt: haymo.scherz@isop.at

Hintergrund

Entwicklung der Wirtschaft: High Road Economy

AMS fördert Basisbildung intensiv, aber:

Beispiel Betrieb

inkl. Agents of Change

Kaum betriebsinterne Bildungsangebote für Arbeitnehmer/innen mit geringer

Basisbildung

Kooperation mit dem ÖGB Oberösterreich

Zielgruppe

Arbeitnehmer/innen mit geringer Basisbildung als Vorbereitung für

Qualifizierungen und als Prävention gegen Kündigung bei Umstrukturierungen

Maßnahmen

Bedürfnisorientierte Basisbildungsmodelle im betrieblichen Kontext

Kooperative Entwicklung mit der Zielgruppe, Arbeitgeber/innen und Arbeitnehmer/

innenvertretungen

Betriebsrät/innen als „Agents of Change“

Kontakte: Christina Wimmer (christina.wimmer@projekt-fit2.at)

Alfred Berndl (alfred.berndl@isop.at)


Beispiel: Politische Basisbildung

Hintergrund

Politisches Desinteresse

Gefühl der Machtlosigkeit

Mangelnde Möglichkeiten der Partizipation

Maßnahmen

Basisbildung

Politische Basisbildung

Demokratiepolitische Dimension des eigenen Handelns vergegenwärtigen

Ausbildung von Trainer/innen

Kontakt: Christine Schubert (c.schubert@bhwnoe.at)

Hintergrund

Beispiel Bildung-Gesundheit-

Kompetenz

Systemischer Zusammenhang Bildung – Gesundheit

Gesundheitsfördernde Maßnahmen erreichen gerade Erwachsene mit geringer

Basisbildung nicht

Zielgruppe

Erwachsene mit geringer Basisbildung in einer Bezirksstadt

Maßnahmen

Basisbildung

Health Literacy

Capacity Building

Projektfonds

Agents – Kontext lernfreundlicher gestalten

Sensibilisierung Meinungsbildner/innen und Entscheidungsträger/innen für die

Zusammenhänge Bildung – Gesundheit

Kontakt: Haymo Scherz (haymo.scherz@isop.at)


Otto Rath

Koordinator des Projekts „In.Bewegung – Netzwerk

Basisbildung und Alphabetisierung in Österreich

otto.rath@isop.at

0699/12548456

www.alphabetisierung.at

www.isop.at

www.skillsforlife.at

Kontakt


Best Practise:

Bildung als nachhaltige strategie zur Verbesserung

der Lebensumstände und Vermeidung von

armutslagen.

Gerlinde Ziniel (European Foundation for the

Improvement of Living and Working Conditions)

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