Congress Highlights Ausgabe 19 / Mai 2011 - European Academy of ...

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Congress Highlights Ausgabe 19 / Mai 2011 - European Academy of ...

Die Möglichkeiten der

Geschichte

Am Samstag, den 5. März 2011

fand an der Universität Salzburg

das einundzwanzigste Festplenum

der Europäischen Akademie

der Wissenschaften und Künste

statt.

Die Akademie begeht einmal im

Jahr diese Feierlichkeit, bei der

die neuen Mitglieder begrüßt und

offiziell aufgenommen werden.

Einen besonderen Höhepunkt

stellte die Verleihung der Ehrensenatorwürde

dar. Die diesjährigen

ausgewählten Persönlichkeiten

waren Michael Spindelegger, Vizekanzler

und Außenminister der

Republik Österreich sowie Tibor

Asbóth, Mitglied der Ungarischen

Akademie der Wissenschaften

und langjähriges Mitglied der

Europäischen Akademie der Wissenschaften

und Künste.

Interdisziplinäres Arbeiten über

Fachgrenzen, Ideologien und Wissenskulturen

hinaus; transnationaler

Dialog und visionäre Entwicklung

von neuen Wissensbildern

sind die beiden Grundpfeiler der

Europäischen Akademie der Wissenschaften

und Künste (EASA).

Die Akademie ist das Ergebnis

eines sorgfältigen Reifungsprozesses.

Den Anfang dieser Entwicklung

machte 1985 ein Arbeitskreis

in Salzburg – am Ende stand die

Gründung am 7. März 1990 durch

ihre drei Architekten: den Salzburger

Herzchirurgen Felix Unger,

den Wiener Erzbischof Franz Kardinal

König † und den Politikwissenschaftler

und Philosophen

Nikolaus Lobkowicz.

„Das Leben basiert auf Möglichkeiten,

die wichtiger sind als jede Wirklichkeit,

die man gerade vorfindet“.

Ernst Peter Fischer

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Die diesjährigen Festredner waren

der deutsche Wissenschaftshistoriker

und Wissenschaftspublizist

Ernst Peter Fischer, der über „Die

Möglichkeiten der Geschichte“

sprach und Evangelos Theodorou,

der Europa aus der „Sicht eines

Griechen“ analysierte.

Auszug aus:

„Die Möglichkeiten der Geschichte“

von Ernst Peter Fischer:

Wer sich um die Geschichte der

Wissenschaften bemüht, steht wie

jeder Historiker vor der Aufgabe,

herauszufinden, „wie es eigentlich

gewesen“ ist. Zwar hat man damit

schon genug zu tun, aber wer den

Verlauf des naturwissenschaftlichen

Fortschreitens und die

dazugehörige Entwicklung von

Ideen – wie Energie und Information,

Atom und Gen – anschaut

und sie dabei verstehen möchte,

darf auch fragen, warum etwas zu

einer bestimmten Zeit an einem

bestimmten Ort gelingt. Warum

kommt es zum Beispiel kurz nach

1600 zu der Geburt der modernen

EUROPÄISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UND KÜNSTE

EUROPEAN ACADEMY OF SCIENCES AND ARTS

ACADEMIA SCIENTIARUM ET ARTIUM EUROPAEA

CONGRESS HIGHLIGHTS

Festplenum 2011

Felix Unger, Michael Spindelegger, Tibor Asboth

Ausgabe 19 / Mai 2011

Wissenschaften? Warum nicht vorher

und warum gerade in Europa –

durch Francis Bacon, Johannes

Kepler, Galileo Galilei und René

Descartes, um nur vier Namen zu

nennen? Und warum kommt der

Gedanke der Evolution erst in der

Mitte des 19. Jahrhunderts auf?

Und wieso fällt er dabei gleich

zweimal englischen Wissenschaftlern

– nämlich Charles Darwin und

Alfred Wallace – ein?

Ich möchte auf das zweite Thema

der Evolution näher eingehen und

beginne mit dem Hinweis, daß die

theoretischen Vorstellungen der

beiden britischen Naturforscher

nicht aus der Natur, sondern aus

der menschlichen Gesellschaft

stammen. Beide haben das Buch

von Thomas Malthus über die Entwicklung

der Bevölkerung – An

Essay on the Principles of Polulation

– gelesen und ihm den Gedanken

eines Ringens um die Existenz

– „a struggle for existence“ –

entnommen, das bei Knappheit

der Lebensmittel einsetzt. Wichtig

an dieser Bemerkung ist die

Umkehrung der gewohnten Rich-

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tung beim Denken. Es ist nicht so,

dass Darwin die Natur durchschaut

und damit den Menschen

versteht. Er erfährt vielmehr

lesend, wie Menschen miteinander

umgehen, und damit deutet er die

Natur. Sie liefert nur die Anschauung,

die anschließend mit humanen

Begriffen verstanden wird.

Diese erste Antwort auf meine

Frage nach der Evolution kann

durch eine zweite ergänzt werden,

die sich an einer kulturellen

Entwicklung orientiert. Wir

bezeichnen die Zeit zwischen

1770 und 1830 gerne als Epoche

der Romantik, und selbst wenn

man nichts von dem Gedanken

wegnimmt, dass Wissenschaft aus

dem Geist der Aufklärung heraus

Festplenum 2011

Eröffnung:

Felix Unger, Präsident der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Begrüßung:

Gabi Burgstaller, Landeshauptfrau von Salzburg.

Promotor:

Maximilian Fussl, Grapharius der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Verleihung der Ehrensenatorwürde an:

Michael Spindelegger, Österreichischer Vizekanzler und Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten der

Republik Österreich.

Tibor Asboth, Ungarische Akademie der Wissenschaften.

Festliche Aufnahme der neuen Mitglieder:

Richard D.Adams, Ahmed Akhchichine, Julian Ambrus, Katherine Arens, Didier Astruc, Jean Marie Basset, Michael Beintker, Steven

Beller, Dieter-Anton Binder, Stefan Böhm, Georg Brasseur, Rudolf Buchbinder, Achim Buckenmaier, Martin Buss, Andreas Cesana, Karl

Christe, Gabriel Crean, Klaus Samuel Davidowicz, Hans-Ulrich Doerig, Anatolij Dvurenčenskij, Adrian Eröd, Armin Falk, Clemens Fuest,

Georgios Galitis, Steven K. Galson, Josef Glößl, Franz Gmainer-Pranzl, Heinz Goddar, Dominik Groß, Alfred Gutschelhofer, Werner

Hacke, Wolf D. Hartmann, Philipp W. Hildmann, Marianne Johanna Hilf, Yonggang Huang, Jakob R. Izbicki, Mariss Jansons, Matej Jergel,

Ioan Emil Jurcan, Haluk Kabaalioğlu, Stefan Karner, Holger Klein, Barbara König, Angelika Krebs, Dimitrios Kremastinos, Romans

Lacis, Imants Lancmanis, Hans Langendörfer SJ, André Lefesvre, Dieter Lenzen, Jens Loenhoff, Slobodan Loga, Thomas Macho, Thomas

M.J. Möllers, Robert C. Morgan, Ioan Munteanu, Marko Marijan Mušić, Aleksejs Naumovs, Marta Navarro-Zorraquino, Andrey A.

Nechaev, Heinrich Neisser, Peter Oberender, Maurizio Pollini, Ryszard Pryputniewicz, Alfred Radner, Jörg Rogge, Wilhelm Schneider,

Eberhard Schockenhoff, Michael Schreckenberg, Erika Schuchardt, Helmut Schwarz, Josef Schwarzmeier, Kurt Seelmann, Arun Shukla,

Helmut Sinzinger, Ljubiša Stanković, Nico Stehr, Ján Štencl, Michael H. Stoffel, Hans von Storch, Hans Sünkel, Antonio Tetti,

Christian Thielemann, Josef Thonhauser, Karl Heinz Tragl, Robert Trappl, Joachim Treusch, Jack T. Trevors, Yener Ünver, Marián Vajteršic,

Zoltán Végh, Jean-Pierre Vernet, Dimitris C. Voukalis, Alfred Wagenhofer, Dietrich Walther, Siegfried Weichlein, Volker M. Welter, Kurt

Widhalm, Hannes Winner, Anna M. Wobus, Hubert Wolf, Hans-Joachim Wünsche, Alexander Zapesotsky, Simone Zurbuchen Pittlik.

Festvorträge:

„Gedanken eines Griechen“

Evangelos Theodorou

„Die Möglichkeiten der Geschichte“

Ernst Peter Fischer

operiert, darf man hinzufügen,

dass die Evolution romantische

Elemente zeigt. Denn wenn Darwin

seinen Gedanken an eine evolutionäre

Geschichte formuliert, feiert

er das Fest der Vielfalt. Er rückt

das Individuelle an die Stelle des

Universellen, er denkt in Bewegungen

und nicht feststehenden

Gesetzen, er erkennt, dass die

Wirklichkeit vor allem als aktuell

vorgefundene und erlebte Möglichkeit

verstanden werden kann,

die eine von den vielen ist, die

allem Geschehen zugrunde liegen.

Das Leben basiert auf Möglichkeiten,

die wichtiger sind als

jede Wirklichkeit, die man gerade

vorfindet. Unsere Geschichte

kommt als Ergebnis all der Möglichkeiten

zustande, die Menschen

Das Festplenum 2011 wurde unterstützt von:

schaffen und umsetzen. Wir sind

so kreativ wie das Leben selbst.

Wir sind natura naturans und natura

naturata zugleich. Wir bringen

die Welt hervor, die uns hervorgebracht

hat. Nur deshalb können

wir sie überhaupt verstehen.

Die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste wird von der Republik Österreich gefördert.

Impressum: Herausgeber und Medieninhaber: Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste, St.-Peter-Bezirk 10, 5020 Salzburg/Austria

Telefon +43-662-841345, Fax +43-662-841343, e-mail: office@euro-acad.eu, www.euro-acad.eu

Druck: J. Huttegger, Salzburg

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