Activities 2006 - European Academy of Sciences and Arts

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Activities 2006 - European Academy of Sciences and Arts

EUROPEAN ACADEMY OF SCIENCES & ART

„Ich würde Religion vollständig verbieten“, sagte Elton John, der weltbekannte Popstar vor

einigen Tagen gegenüber den Medien. Sie verwandle die Menschen in "Hass erfüllte

Lemminge“, meinte er weiters in klarer Distanzierung.

Ob religiös musikalisch oder religiös unmusikalisch, vor solch einem Hintergrund ist es aus

philosophischer wie theologischer Sicht erforderlich, eine kritische Bestandsaufnahme zu

unternehmen. „Der religionskritische, mithin der dezidiert atheistische Einspruch verlangt

gerade der Theologie eine Standortbestimmung in ihrer Zeit ab“, meinte Prof. Hoff an der

Tagung.

Eine religiös veränderte Zeit

Religionskritik, atheistische Positionen sowie Apologie hat es in der Religionsgeschichte

der Menschheit immer gegeben. Eugen Biser wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin,

dass wir es heute jedoch mit einem „stummen Atheismus“ zu tun haben. Gott komme in

den Diskursen der Welt nicht mehr vor. Mit dem vermeintlichen Tod Gottes habe der

Mensch sein Heil selbst in die Hand genommen. Die göttlichen Attribute seien frei geworden,

derer sich der Mensch nun bemächtige: der Allgegenwart in der Raumfahrt, des

Schöpfertums in der Evolutionstechnik und der Allwissenheit in der Informationstechnologie,

führte Prof. Biser weiter aus.

„Das moderne Subjekt begreift sich so von sich selbst her, dass Gott darin ein störender

Faktor ist und Gottes Macht fehl am Platz ist. Seine Existenz wird verneint und damit seine

öffentliche Macht relativiert oder sogar aufgelöst“, unterstrich Prof. Sander.

Der „Public God“

Die Depotenzierung von Religion, vor allem auch im öffentlichen Raum, wird heute vielerorts

als Beitrag zu sozialem Frieden und dem Wohlergehen des Menschen betrachtet.

Umgekehrt beanspruchen einzelne wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse, sei

es die Politik, die Ökonomie oder die Biotechnologie das Feld der Wirklichkeitsdefinition,

ohne dies jedoch selbst wieder zu problematisieren. „Läge aber nicht gerade hier auch

eine Aufgabe der Religion, den Menschen wieder hinaus zu stellen, in die Weite des

Horizontes seiner Gottbegabtheit hinein“, fragt Josef Sinkovits einer der Organisatoren der

Tagung?

In der Situation des vermeintlichen Todes Gottes erfahren wir heute weniger eine

Gottferne, denn eine Gottesnähe. Religiös motivierte Gewalt, überhitze Debatten um

Fragen der Religion im öffentlichen Raum bringen uns Religion bzw. Gott in bedrängender

Weise wieder nahe.

Prof. Sander entfaltete seine These eines „Public God“. Es zeige sich, dass die sinnvolle

Frage nach der Existenz Gottes im öffentlichen Raum heute weitgehend ohne Bedeutung

bleibe und das ganz unabhängig davon, ob sie pro oder contra beantwortet werde. Die

Bedeutungslosigkeit der Existenzfrage wie -antwort gehöre zum neuen Atheismus. Die

Fähigkeit, über Gott einen öffentlichen Diskurs zu führen, sei darüber jedoch so weit verloren

gegangen, dass die schiere Macht eines öffentlich wirksamen „Public God“ übrig

bleibe. Das wiederum ist alles andere als bedeutungslos; es bringt eine ganze Gesellschaft

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