Activities 2006 - European Academy of Sciences and Arts

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Activities 2006 - European Academy of Sciences and Arts

EUROPEAN ACADEMY OF SCIENCES & ART

PERSPEKTIVEN UND RISIKEN DER STAMMZELLTHERAPIE –

TAGUNGSBERICHT

20.1.2006, MAX-PLANCK-INSTITUT MÜNCHEN

CLARA SATTLER DE SOUSA E BRITO

I. Einführung

Am 20. Januar 2006 lud die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste mit

freundlicher Unterstützung der Schering AG zu einer Tagung im Rahmen einer gemeinsamen

Veranstaltung der Klasse für Medizin und der Klasse für Sozial-, Rechts- und

Wirtschaftswissenschaften in das Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum,

Wettbewerbs- und Steuerrecht in München ein. Die Tagung befasste sich mit Fragen der

Stammzelltherapie, insbesondere ihren Perspektiven und Risiken. Dabei wurden nach der

Begrüßung durch Prof. Konrad Meßmer als Dekan der Klasse für Medizin und Prof. Joseph

Straus als Dekan der Klasse für Sozial- und Rechtswissenschaften im Laufe des

Vormittags vorwiegend medizinische Aspekte der Fragestellung vorgestellt. Den Vorsitz

hatte Prof. Meßmer inne. Daran schloss sich am Nachmittag unter Leitung von Professor

Straus die Erörterung der ethischen und juristischen Überlegungen an.

II. Vorträge

1. EMBRYONALE STAMMZELLEN: PERSPEKTIVEN FÜR BIOTECHNOLOGIE UND REGE-

NERATIVE MEDIZIN

Prof. Oliver Brüstle, Direktor des Instituts für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität

Bonn, begann seinen Vortrag mit dem Aufzeigen der Anwendungsgebiete der

Stammzellforschung in der Transplantationsmedizin. Als zentrale Probleme der

Gewebetransplantation, auf die die Stammzellforschung möglicherweise eine Antwort

geben könne, nannte er den Mangel an Spendergewebe, die Abstoßungsreaktionen bei

Transplantationen und die hohe Gewebekomplexität.

Dabei stünden zunächst zwei Richtungen der Problemlösung offen, die der adulten

Stammzellen (ASZ) und die der embryonalen Stammzellen (ESZ), beide mit spezifischen

Schwierigkeiten. So sei bei ASZ das Differenzierungspotential weiterhin fraglich, bei undifferenzierten

ESZ besteht hingegen die Gefahr der Teratombildung. Um die Teratombildung

zu verhindern, sei es daher nötig, den Differenzierungsprozess zu kontrollieren, entweder

im Wege der gerichteten Differenzierung durch Differenzierungsfaktoren oder im Wege der

ungerichteten Differenzierung durch Linienselektion.

Als Nächstes stellte Prof. Brüstle Ergebnisse der Forschung an ESZ bezüglich der Differenzierung

von Zellen und der Funktionalität und Integration der durch Differenzierung erhaltenen

Zellen dar. Dabei verwies er insbesondere auf die im Tiermodell bereits erfolgreichen

Versuche im Bereich der Neurowissenschaften, um daran anschließend auf humane ESZ

näher einzugehen. Der Referent beleuchtete einerseits die Schwierigkeiten, die auf dem Weg

zu einer klinischen Anwendung von ESZ noch zu überwinden seien. Andererseits zeigte der

Referent allerdings auch Erfolge hinsichtlich der neuralen Differenzierung humaner ESZ auf,

um schließlich auf die spezifischen Anwendungsmöglichkeiten und –Vorteile durch Zellkerntransfer

erzeugter ESZ und die derzeit aktuelle Forschung in diesem Bereich einzugehen.

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