Activities 2006 - European Academy of Sciences and Arts

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Activities 2006 - European Academy of Sciences and Arts

EUROPEAN ACADEMY OF SCIENCES & ART

C. Künftige Trends

Der Schutz der Menschenwürde wird der Forschungsfreiheit gegenübergestellt. Dabei

stellt sich die Frage, ob die Forschung an embryonalen Stammzellen gegen die

Menschenwürde verstößt. Als Argument dafür wird die Instrumentalisierung des Embryos

vorgebracht und darauf hingewiesen, dass diese nicht mit dem therapeutischen Ziel, dem

Lebens– und Heilungsinteresse Dritter abgewogen werden kann (ua Taupitz, Kreß). Als

Gegenargument wird vorgebracht, dass der Menschenwürdeverletzung eine

Gesamtabwägung zugrund liegt. Da der Lebensschutz wegen der Zulassung von

Empfängnisverhütung und Abtreibung abwägungsfähig ist, ist schwer zu begründen,

warum selbst hochrangige Heilungsziele zum gesundheitlichen Nutzen für künftige

Patienten nicht zu einem reduzierten Lebensschutz frühester menschlicher Zellverbände,

die ohnehin vernichtet werden, führen dürfen. Die Abstufung des Schutzes der

Menschenwürde ist damit in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium des Menschen und

dem Gewicht der verfolgten Ziele zu sehen.

Die ethisch-rechtliche Diskussion ist im Zusammenhang mit dem 7. EU-

Forschungsrahmenprogramm für 2007 bis 2013, in dem 54 Mrd Euro für Forschung zur

Verfügung stehen, erneut entflammt. So hat der Rat am 24.7.2006 die Forschung an neuen

embryonalen Stammzelllinien als solche - nicht jedoch deren Herstellung -, als ethische

unbedenklich angesehen. Dieser Standpunkt wurde 25.9.2006 revidiert und sowohl die

Forschung an embryonalen Stammzellen als auch die Nutzung von überzähligen

Embryonen für ethisch umstritten erklärt. Der Trend liegt momentan darin künftig vorrangig

ethisch unumstrittene Forschungsvorhaben wie zB Forschung an adulten Stammzellen

und Nabelschnurstammzellen durch EU-Gelder zu finanzieren.

Weiterführende Literatur und Internetverknüpfungen:

Eder-Rieder, Die rechtlichen Grundlagen der medizinisch unterstützten Fortpflanzung in

Österreich, in Unger/Tavernier, Medizinische Ethik II, 2006, 22ff.

Eser/Koch, Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen im In- und Ausland, in:

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen,

2003, (DFG-Gutachten)

Jungfleisch, Fortpflanzungsmedizin als Gegenstand des Strafrechts? Eine Untersuchung

verschiedenartiger Regelungsansätze aus rechtsvergleichender und rechtspolitischer

Perspektive, 2005.

Koch, Embryonenschutz ohne Grenzen? in Eser-Festschrift, 2005, 1091 ff.

Köck, Der (straf)rechtliche Schutz des Embryos, ÖJZ 2006, 631 ff.

Kopetzki, Rechtliche Aspekte des Embryonenschutzes, in Körnter/Kopetzki,

Embryonenschutz – Hemmschuh für die Biomedizin, 2003, 51 ff.

Körtner, Embryonale Stammzellen – in Österreich tabu?,

http://science.orf.at/science/koertner/50727

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