Activities 2006 - European Academy of Sciences and Arts

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Activities 2006 - European Academy of Sciences and Arts

EUROPEAN ACADEMY OF SCIENCES & ART

Rechtsmaßstäbe zu setzen, die bei Gericht schließlich einzufordern sind, wofür dann der

Arzt zu haften habe. Die Würde des Menschen sei das höchste Gut und darin liege auch

der rechtliche Paradigmenwechsel: Es geht nicht mehr darum, Leben um jeden Preis zu

erhalten. Der Wille des Patienten zur Selbstbestimmung stehe höher.

Zum Thema des Anspruchs auf Gesundheit bei knappen Ressourcen führte Kirchhof an, dass

die Hälfte der verordneten Medikamente nicht genommen würden; würde dieser Zustand

behoben, stellte er einen Faktor dar, der die Kosten fundamental zu senken vermöchte.

Auch der Generaldirektor von Pfizer Austria, Andreas Penk, vertrat die Ansicht, dass

„Wohlsstand plus Gesundheit erreichbar“ sei. Und das, wiewohl der Stellvertretende

Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, Reinhold Mitterlehner, deutlich machte,

dass sich innerhalb von 20 Jahren, zwischen 1981 und 2001, die Konsumausgaben der

Österreicher für Gesundheit verdreifacht haben.

Der Münchener Kunsthistoriker Wieland Schmied hebt hervor, dass immer weniger Risiken

und Nebenwirkungen in Kauf genommen würden. Er stellte Parallelen zwischen der

Medizin und der Bildenden Kunst her: So, wie es eine Zwei-Klassen-Medizin gebe, gebe

es auch in der Bildenden Kunst ein Zwei-Klassen-System. Dabei spiele das Original die

entscheidende Rolle für einen überschaubaren Kreis von Sammlern. Diese Kunden und

Klienten seien die Patienten erster Klasse. Der Kunstbegriff, so Schmied zum gegenwärtigen

Kunstverständnis, habe sich in den vergangenen 25 Jahren grundlegend geändert, es

sei ein Paradigmenwechsel auch in der Kunst eingetreten. Dabei sei der Begriff des

„Werks“ weggeschmolzen zu Gunsten des „Denkanstosses“; das bedeute, sich auf Kunst

als einen nie endenden Prozess einzulassen wie etwa bei Alberto Giacometti, der nie zu

einem Ende kam. Schmied gab dem Auditorium den Rat, die neuen Bildwerke nie sub specie

aeternitatis zu betrachten. Es gebe eine formale Stimmigkeit, die sich vom

Naturschönen entfernt hat – was so etwas wie ein Verfallsdatum darstelle. Zudem werde

keine Meisterschaft mehr angestrebt, erst der Betrachter vollende das Werk. Man solle

auch nicht nach Vertrautem Ausschau halten, nur so sei Entwicklung und Überraschung

möglich. Dabei solle man von einem Werk zeitgenössischer Kunst nicht zu viel verlangen.

Während der Betrachter bisher erwartete, dass der Künstler in seinem Bild auch den Sinn

mitliefere, so sei der Künstler heute in seiner Autonomie ein Mensch, der sich nichts sagen

lässt. Man sollte sich also auf das Abenteuer Kunst einlassen, das Unerwartete erwarten:

„Kunst ist nie abgeschlossen.“

Während auf der Ebene der Kunst im kreativen Bereich sich Vieles geändert hat, was

Rezipienten irritieren oder verärgern mag, so werden im Bereich der Gesundheit bzw. der

Krankheit die explodierenden Kosten nach Stellen abgesucht, wo ohne Schaden für den

Patienten gespart werden kann, womöglich schon einfach dadurch, dass es möglich ist,

bestimmte Krankheiten zu verhindern oder Risiken so weit wie möglich bereits im Vorfeld

vor dem Gesundheitssystem in Eigenregie auszuschalten.

Solche Einsparungsmöglichkeiten ergeben sich nach Mitterlehner, wenn es möglich sei,

die Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Rate der Tumorerkrankungen um zehn Prozent

zu senken. In den USA rechnete man dabei mit einer Einsparung von 10.000 Milliarden

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