EXPEDITION GRIMM - Schulmaterialien

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EXPEDITION GRIMM - Schulmaterialien

THORSTEN SMIDT, KURATOR DER LANDESAUSSTELLUNG EXPEDITION GRIMM

expedition grimm

Zur Ausstellung

Als am 20. Dezember 1812 der erste Band der Kinder-

und Hausmärchen erschien, konnten Jacob und Wilhelm

Grimm nicht ansatzweise erahnen, dass sie damit den

Grundstein für ihre bis heute ungebrochene internationale

Popularität legen sollten. Sie hatten gerade erst begonnen,

unter der Autorenbezeichnung „Brüder Grimm“ zu publizieren.

Die Herausgabe der Märchensammlung war dabei

nur ein Projekt unter mehreren. Im selben Jahr, 1812, hatten

Jacob und Wilhelm bereits eine Ausgabe des althochdeutschen

Hildebrandlieds editiert. Ihr grundsätzliches Interesse

galt alter Sprach- und Literaturüberlieferung, die sie

zugänglich machen und bewahren wollten.

Jacob und Wilhelm hinterließen als Sprachforscher,

Rechtshistoriker und Politiker Spuren – und das in Zeiten

massiver politisch-gesellschaftlicher Umwälzungen.

Nicht zuletzt begleitete sie ihr Malerbruder Ludwig Emil

als Chronist und als Illustrator der Märchen. Während die

Brüder ihre Haltung gegenüber unterschiedlichsten Herrschaftsverhältnissen

ausbilden mussten, trieben sie ihre

Forschungen in erstaunlicher Kontinuität und Konsequenz

voran. Ihr Tun prägt aber nicht nur die Wissenschaft, es hat

auch für den ganz alltäglichen Umgang mit Sprache Relevanz.

Die Grimms verdeutlichen uns die Geschichtlichkeit

der Sprache, die sich noch heute weiter entwickelt.

Die Ausstellung gliedert sich in zwei große Teile. Teil 1

zeigt „Leben und Werk“. Hier stehen den wissenschaftlichen

und politischen Aktivitäten der Brüder der persönliche und

historische Kontext gegenüber. Als Kristallisationspunkte

ihres Tuns werden acht Hauptwerke vorgestellt:

2

1. Das Lied von Hildebrand und Hadubrand

und das Weißenbrunner Gebet, 1812

2. Kinder- und Hausmärchen, 1812 / 15

3. Deutsche Grammatik, ab 1819

4. Deutsche Rechtsalterthümer, 1828

5. Reinhart Fuchs, 1834

6. Deutsche Mythologie, 1835

7. Jacob Grimm über seine Entlassung, 1838

8. Deutsches Wörterbuch, ab 1854

Diese Publikationen stehen exemplarisch für das vielseitige

und zugleich zusammenhängende Werk der Brüder.

Die Rechtfertigungsschrift über seine Entlassung sticht

nur auf den ersten Blick aus diesem Kreis hervor. Tatsächlich

ist auch Jacobs Beteiligung am Protest der Göttinger

Sieben von der Überzeugung getragen, das „Bestehende“,

hier die Verfassung des Königreichs Hannover, zu achten.

Für ihn wie für seinen Bruder stand außer Frage, dass alles

Neue auf dieser Einstellung fußen musste. Insofern war

auch ihre philologische Arbeit politisch.

Eine ganz konkrete Lebenswelt der Familie Grimm war

die Wohnung am Wilhelmshöher Tor. Diese ist erstmals

bauhistorisch erschöpfend rekonstruiert und in eine 3D-

Visualisierung überführt worden. Die verlorenen Innenräume

öffnen sich mit den wenigen bekannten Möbeln und

Tapeten, aber auch mit kleinsten architektonischen Details.

Als eine der Grundlagen für diese Daten scheinen in der Visualisierung

die Zeichnungen Ludwig Emils sowie Wilhelms

gezeichneter Grundriss auf.

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