Die Herz-Hirn-Station. Neue interdisziplinäre ... - MediClin

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Die Herz-Hirn-Station. Neue interdisziplinäre ... - MediClin

AKUT & REHA

Die Herz-Hirn-Station

Neue interdisziplinäre Versorgungsmodelle weisen den Weg

Neue Modelle der Rehabilitation

spielen bei der Beantwortung

dieser Frage zukünftig

eine immer wichtigere

Rolle. Die MediClin stellt sich

dieser Herausforderung und hat

an der Fachklinik Rhein/Ruhr ein

innovatives Versorgungsangebot

geschaffen – die Herz-Hirn-Station.

Gretchenfrage im

Akuthaus –

wohin mit dem Patient?

Nach der Akutbehandlung ist die

Versorgung von kardiologischen

und neurologischen Patienten oftmals

in Rehabilitationseinrichtungen

notwendig und effektiv. Jedoch

stellt sich in diesem Zusam-

Erklärtes Ziel der Politik ist es, die gesundheitliche

Versorgung insgesamt zu verbessern.

Wie aber kann dies gelingen? In einem System,

in dem Patienten immer kürzer in Akutkrankenhäusern

verweilen? In einer älter

werdenden Gesellschaft, in der die Krankengeschichten

auf Grund einer Vielzahl verschiedener

Erkrankungen immer komplexer und

unvollständiger werden und die Behandlungen

spezialisierter?

Dr. med. Philipp Teubner

Medizinische Entwicklung

MediClin AG

Prof. Dr. Mario Siebler

Chefarzt Neurologie

MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr

30 I KU Gesundheitsmanagement 1/2012

menhang immer mehr die Frage:

Wo ist der Patient optimal versorgt?

Keine leichte Frage, denn

Patienten nach Herzinfarkt oder

Herzoperationen leiden häufig

gleichzeitig an Hirnschäden mit

teils schwerstwiegenden Einbußen

der kognitiven Fähigkeiten

und Schlaganfallpatienten an relevanten

Herzerkrankungen.

Die Behandlung eines kardiologischen

Patienten in einer rein fachgeordneten

Rehabilitation würde

also womöglich wichtige neurologische

Aspekte unberücksichtigt

lassen. Demgegenüber riskiert derselbe

Patient in einer rein neurologischen

Rehabilitation womöglich,

dass die in der Akutversorgung

aufgenommene Behandlung

des Herzens nicht kontinuierlich

und fachgerecht weitergeführt

wird.

Ebenso weisen neurologische Patienten,

zum Beispiel nach einem

Schlaganfall, häufig zusätzlich

kardiale Erkrankungen auf, die im

Rahmen eines Rehabilitationsaufenthaltes

berücksichtigt werden

sollten. Auch bei diesen Betroffenen

stellen sich Fragen wie:

Welche Diagnose ist führend? Welche

Behandlung steht im Vordergrund?

Mit diesen Fragen – oder besser

mit diesem Dilemma – sehen sich

Ärzte und Sozialdienste in Akutkrankenhäusern

konfrontiert. Zu

einem Zeitpunkt, zu dem die Diagnose

und Erstbehandlung dort

eigentlich abgeschlossen ist und

die Rehabilitation frühestmöglich

beginnen sollte.

Die Lösung kommt aus

der Rehabilitation

Für einen reibungslosen Übergang

müssen Akut- und Reha-Therapie

Hand in Hand arbeiten – denn: Je

besser vernetzt die Akteure, desto

wirksamer und nachhaltiger der

Behandlungserfolg. In diesem Fall

waren es Experten der Rehabilitationsmedizin,

die Chefärzte der

Patienten-Fall

Eine 52-jährige Patientin wird

von ihrem Ehemann auf der

Toilette vorgefunden. Sie hat

einen ischämischen Schlaganfall

erlitten und leidet zunächst

unter einer Halbseiten-

Lähmung und einer Aphasie

(Sprachstörung). Doch noch

innerhalb der entscheidenden

Stunden erhält sie in der Klinik

die so wichtige Lyse-Therapie

und ein großer Teil der

neurologischen Ausfälle bildet

sich zurück. Aber die verbleibenden

neurologischen Schäden

erfordern nun dringend

eine neurologische Rehabilitation,

nicht zuletzt, weil die

Patientin möglichst schnell

wieder in ihrem Beruf als Sekretärin

arbeiten will.

Jedoch hat sich während dem

Aufenthalt in der Klinik herausgestellt,

dass die Patientin

noch weitere, schwerwiegende

Erkrankungen aufweist, die

den Schlaganfall ausgelöst

haben. Sie leidet an Durchblutungsstörungen

des Herzens

(Koronare Herzerkrankung)

mit Thromben-Bildung an der

Herzwand. Selbstverständlich

werden die schweren kardialen

Erkrankungen in der Universitätsklinik

behandelt.

Jetzt stellt sich die Frage: Kann

die Patientin in diesem Zustand

in eine klassische neurologische

Rehabilitation? Wie

sehr ist das Herz, in welchem

Maß die Lunge belastbar? Wie

lange darf die Patientin täglich

trainieren? Darf sie denn mit

den Herz-Thromben überhaupt

körperlich aktiv sein? Ist die

empfohlene Trainingsbelastung

dem Herz zumutbar? Wie

stellen die Ärzte den Blutdruck

ein? Möglichst im oberen

Normalbereich für eine ausreichende

Durchblutung des

Gehirns? Oder eher niedrig um

das schon geschwächte Herz

nicht zu sehr zu belasten?


MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr,

die die Initiative ergriffen und für

die Kollegen aus der Akutversorgung

ein innovatives Versorgungsangebot

schufen.

Professor Dr. R. Marx und Professor

Dr. M. Siebler hatten zunächst

festgestellt, dass sowohl kardiologische

als auch neurologische Patienten

gemeinsame gesundheitliche

Risikokonstellationen aufzeigen,

die zum Auslöser der jeweiligen

Erkrankungen geworden sind.

Aber auch die Krankengeschichten,

also das individuelle medizinische

Profil jedes Patienten, weisen

in der Kardiologie und Neurologie

große Ähnlichkeiten auf: So

fanden die Mediziner bei ihren

Patienten oftmals gesundheitliche

Risikofaktoren wie Bluthochdruck,

Störungen des Fettstoffwechsels,

Diabetes und die Arteriosklerose.

Sollten Patienten mit ähnlichem

Risikoprofil nicht auch in einer

gemeinsamen räumlichen Einheit

versorgt werden? Dies war der leitende

Gedanke für das integrierte

Konzept zwischen Kardiologie und

Neurologie auf der gemeinsam betreuten

Herz-Hirn-Station.

Integriertes

Versorgungsmodell für

innovative Medizin

Die beiden Chefärzte rissen also

förmlich Mauern ein – die Mauern

zwischen dem klassischen, heute

überholten Disziplindenken in der

Medizin nach dem Motto: „Dein

Patient oder mein Patient – aber

niemals unser Patient“. Die interdisziplinäre

Rehabilitation auf der

Herz-Hirn-Station führte zu einem

Wechsel von einem fokussierten

Diagnostik- und Therapieregieme

zu einer integrierten ganzheitlichen

Betrachtung orientiert an

den individuellen Funktions- und

Teilhabestörungen von Patienten.

Dies kommt unmittelbar im Behandlungsansatz

zum Tragen:

Ein systematisches Screening bei

der Aufnahme der Patienten erlaubt

die Identifikation der Patienten,

die vom interdisziplinären

Ansatz besonders profitieren.

Diese Patienten werden dann

durch beide Spezialisierungen

fachärztlich untersucht.

Ein speziell entwickeltes Eingangsassessment

durch pflegerische

und therapeutische Mitarbeiter

erlaubt die optimale

Abstimmung der Therapieplanung.

Die Eingangsdiagnostik mit

neurokardiovaskulärem Ultraschall,

Belastungs-EKG und

Telemetrie-Überwachung garantiert

die Identifikation sämtlicher

Risikofaktoren, selbst wenn

diese im Akutkrankenhaus noch

nicht aufgefallen waren.

Die Festlegung des für jeden Patienten

individuellen Therapieplans

und die Visiten erfolgen

gemeinsam (interdisziplinär).

Die Therapie-Module für die Patienten

spiegeln den multiprofessionellen

Ansatz wider.

Vielversprechende

Erfolge

Herz- und

Hirnstation

Herz- und

Hirnstation

Integration der Herz- und Hirn-Station

Für die MediClin Fachklinik Rhein/

Ruhr haben sich seither vielfältige

Veränderungen ergeben: In der

Zusammenarbeit mit den Kollegen

der anderen Disziplin wurden

neue Therapiemaßnahmen entwickelt,

die zuvor in dieser Form

nicht denkbar gewesen wären. Die

pflegerischen und therapeutischen

Mitarbeiter haben durch

das interdisziplinäre Miteinander

neue Kompetenzen hinzugewonnen.

Und auch die Ärzte haben plötzlich

ganz neue Perspektiven. So

sagte kürzlich eine Fachärztin für

Kardiologie mit Stolz in der Stimme:

„Auf der Herz-Hirn-Station bin

ich fast zur Neurologin geworden –

die Kollegen im Akutkrankenhaus

staunen da manches Mal!“ Viel

wichtiger ist aber natürlich der Erfolg

für die Patienten. Seit sich die

beiden Bereiche zusammengetan

haben ist die Erkennung von wichtigen

kardiologischen und neurologischen

Begleiterkrankungen

deutlich leichter geworden. Dies

verringert nicht zuletzt die Komplikationsraten.

In der Konsequenz

werden Patienten aus der

Rehabilitationsklinik in Akutkrankenhäuser

weniger zurückverlegt

und die vorgesehene Rehabilitationsdauer

kann dennoch eingehalten

werden.

Mit der Herz-Hirn-Station Medi-

Clin Fachklinik Rhein/Ruhr geht

die Rehabilitation neue Wege,

nicht nur im ärztlichen kollegialen

Dialog sondern auch in der Vernetzung

der Kompetenzen Pflege und

nichtärztlicher Therapie. In diesem

Fall ist es die Rehabilitation,

die mit einem neuen Versorgungsansatz

den Weg weist, um das zentrale

Ziel zu verfolgen: Die Menschen

sollen nach einer schwerwiegenden

Erkrankung möglichst

nahtlos beziehungsweise mit optimaler

Unterstützung wieder in ihr

„normales“ Leben eingegliedert

werden.

Dr. med. Philipp Teubner

Medizinische Entwicklung

MediClin AG

Okenstraße 27

77652 Offenburg

Prof. Dr. Mario Siebler

Chefarzt Neurologie

MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr

Auf der Rötsch 2

45219 Essen

KU Gesundheitsmanagement 1/2012 I

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