bio – regional – fair - Fair Handeln Bayern

fairhandeln.bayern.de

bio – regional – fair - Fair Handeln Bayern

Hintergrund

Bäuerliche Landwirtschaft weltweit unter Druck

Ob Litschies aus Taiwan oder

Papayas aus Brasilien noch nie

war das Warenangebot in den Supermärkten

so vielfältig wie heute.

Und noch nie waren Lebensmittel

so billig. Gaben die VerbraucherInnen

in Deutschland 1970 noch fast ein

Drittel ihrer Ausgaben für Konsumgüter

für Nahrungsmittel aus, so liegt

dieser Anteil heute gerade noch bei

12 Prozent. Parallel dazu hat die

Agrar- und Ernährungswirtschaft nicht

nur bei uns, sondern weltweit, eine

enorme wirtschaftliche und soziale

Bedeutung. Und die Landwirte in Süd

und Nord müssen trotz allem um ihre

Existenz fürchten.

Landwirtschaft in Zahlen

Weltweit sind ca. 1,3 Milliarden Menschen

in der Landwirtschaft beschäf-

8 bio regional fair

tigt, die meisten davon in den Ländern

des Südens, wo fast 50 Prozent der

Bevölkerung ihren Lebensunterhalt in

der Landwirtschaft verdienen.

Mit einem Produktionswert von 1,3

Billionen US-Dollar gehört die Landwirtschaft

zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen

weltweit. In Deutschland

steht die Ernährungsindustrie mit

einem Jahresumsatz von 125 Mrd. Euro

(2002) immerhin an vierter Stelle der

Wirtschaft. Ebenso gehören Agrarprodukte

zu den wichtigsten Gütern im

internationalen Handel: Kaffee ist beispielsweise

nach Rohöl der international

meist gehandelte Rohstoff. Für

viele Entwicklungsländer ist der Export

von Agrargütern die einzige Möglichkeit,

Devisen zu erwirtschaften.

Jedoch tätigen die EU und USA zusammen

60 Prozent aller Weltagrarexporte.

Deutschland steht auf Rang vier

der „Hitliste“ der weltgrößten Exporteure

und bei den Importen auf Platz

drei (2002).

Hunger trotz

Nahrungsmittelboom?

Obwohl sich die Erzeugung von Nahrungsmitteln

in den letzten 40 Jahren

verdoppelt hat und weltweit genügend

zur Verfügung stehen, leiden heute

immer noch mindestens 800 Millionen

Menschen Hunger, das sind 12 Prozent

der Weltbevölkerung, darunter etwa

180 Millionen Kinder. Nach Angaben

der FAO (Food and Agriculture Organization

of the United Nations) sterben

jährlich 6 Millionen Kinder an den

Folgen von Hunger. Und so paradox es

klingt: Die meisten Armen und von

Ernährungsunsicherheit betroffenen

Menschen leben auf dem Land und in

den Ländern, wo Landwirtschaft den

bedeutendsten Wirtschaftszweig darstellt.

„Bauernsterben“

in Deutschland

Auch in Deutschland finden ähnlich

wie in den meisten Mitgliedsländern

der Europäischen Union seit vielen

Jahren strukturelle Umbrüche dramatischen

Ausmaßes statt, die häufig mit

dem verharmlosenden Begriff „Strukturwandel“

bezeichnet werden. So ist

die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe

in Deutschland von 1,6 Millionen

im Jahr 1950 auf unter 400.000 im

Jahr 2002 zurückgegangen. Die Zahl

der in der Landwirtschaft Erwerbstätigen

sank von fast fünf Millionen auf

930.000.

Überproduktion und

subventionierte Exporte

Die Ursachen für Hunger und Unterernährung

im Süden und das „Bauernsterben“

im Norden sind vielfältig.

Eine wichtige Rolle spielen die wachsenden

weltwirtschaftlichen Verflechtungen,

denn die zunehmende Integra-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine