Hitze-Schutz-Proteine - fairlife

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munsystem des Erkrankten anstacheln, mit solchen Antigenen ausgestattete Zellen anzugreifen – also die Krebszellen. Dieser Ansatz wurde in den USA und in Europa bereits in einer Reihe klinischer Studien der Phasen I und II für mehrere Krebsarten geprüft (also an gesunden Testpersonen beziehungsweise an einer kleineren Zahl Krebspatienten). Zum schwarzen Hautkrebs (Melanom) und zu einem Nierenzellkrebs liegen zudem Ergebnisse von breiter angelegten Studien der Phase III vor (mit einer größeren Zahl Erkrankter), woran Patienten aus den USA, Europa (der EU), Australien und Russland teilnahmen. Demnach überlebten bestimmte Melanompatienten bei dieser Behandlung signifikant länger als Patienten, die sich herkömmlichen Maßnahmen, auch Chemotherapien, unterzogen hatten. Und zwar zeigte sich der Effekt, wenn erstens praktisch bedingt genügend Impfstoffdosen verabreicht werden konnten, und wenn zweitens der Krebs im Körper bisher nur Haut, Lymphknoten und Lunge befallen hatte. Bei dem Nierenzellkarzinom verlängerte sich die rückfallfreie Überlebenszeit bei einigen Patientengruppen um mehr als anderthalb Jahre. Beispiele für neue Medikamente im Test Mediziner prüfen in klinischen Tests schon eine reihe von Medikamenten, die an verschiedenen funktionen von hsPs ansetzen. Manche sollen spezielle hitzeschockproteine hemmen, andere ihre aktivität verstärken. WIrKunG ● Hsp­Hemmung (kann Funktion von HSPs blockieren, die Krebs­ oder virusinfizierten Zellen oder pathogenen Bakterien zu überleben helfen) ● Hsp­Anregung (Hitze oder Wirkstoffe sollen patienteneigene HSPs anregen, ein Organ während eines chirurgischen Eingriffs oder einer anderen Behandlung zu schützen.) ● impfung/immuntherapie (Antigenführende HSPs von kranken Zellen werden aufgereinigt, und der Patient wird damit geimpft; das soll dessen Immunsystem anregen, den Krebs oder Erreger zu bekämpfen.) * in Russland für klinische Anwendung zugelassen Russland genügte das, um diese Behandlungsmethode zuzulassen. Damit kommt mit dem HSP-Peptid-Komplex erstmals ein therapeutischer Krebsimpfstoff in die klinische Praxis. In der Europäischen Union ist die Zulassung beantragt. In den USA sollen noch mehr Langzeitdaten abgewartet werden. Im Übrigen spricht manches dafür, dass sich der gleiche Ansatz ebenso zur Behandlung schwerer Infektionskrankheiten wie Genitalherpes oder Tuberkulose eignen sollte. Auch dazu laufen bereits klinische Tests in verschiedenen Phasen. Nun zurück zur zuerst entdeckten Seite und Hauptaufgabe der Hitzeschockproteine: Denn ihre Nützlichkeit in Stresssituationen müsste sich ebenfalls therapeutisch verwerten lassen. Einen bemerkenswerten Effekt dieses Schutzmechanismus zeigte schon vor Jahren eine eindrucksvolle Studie an Taufliegen von Suzanne L. Rutherford von der University of Washington in Seattle und Susan L. Lindquist vom Whitehead Institute for Biomedical Research in Cambridge (Massachusetts): Unterdrückten die Forscherinnen die Funktionsweise von HSP90, so machte sich eine große hSP SuBSTanZ (herSTeller) KranKheIT HSP90 ● Alvespimycin (Kosan Biosciences) Brustkrebs ● Tanespimycin (Kosan Biosciences) Leukämie, ● CNF 2024 (Biogen Idec) ● SNX­5422 mesylate (Serenex) Lymphom, solide Tumoren ● AUY­922 (Novartis) solide Tumoren ● IPI­504 (Infinity Pharmaceuticals) Melanom, Prostatakrebs ● BIIB021 (Biogen Idec) Leukämie, Lymphom, solide Tumoren HSP27 ● OGX­427 (OncoGenex Technologies) verschiedene solide Tumoren ● Hochfrequenzbestrahlung Melanom HSP65 ● HspE7 (Nventa Biopharmaceuticals) hIlfe unerWünSChT Krebszellen stehen wegen ihrer Abnormität meistens unter Stress. Dadurch bilden sie auch mehr Hitzeschockproteine. Besonders HSP90 (gelblich) hilft vermutlich Krebszellen, die Belastungen zu überstehen – in gesun­ den Zellen macht HSP90 das auch. Ließe sich ihre Unterstützung in Krebszellen hemmen, dann wären die bösartigen Zellen vielleicht empfindlicher gegen Krebstherapien. Krebsvorstufen bei mit Papillomaviren infizierten Gebärmutterhalszellen HSP70 ● AG­707 (Antigenics) Herpes simplex Typ 2 ● HSPPC­70/AG­858 (Antigenics) chronisch­myeloische Leukämie gp96 ● HSPPC­96/vitespen* (Antigenics) solide Tumoren SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT · MAI 2009 45 Photo researchers, nancy Kedersha

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