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Inhalt

INTRO – Vorwort ..............................................................................................7

PRESENTATION – Die Schülerinnen und Schüler stellen sich vor .................9

Steckbriefe .........................................................................................................10

Was ist Himmel, was ist Hölle? .........................................................................36

Wie sehe ich mich selbst, wie sieht mich mein/e Mitschüler/in? .....................37

Meine größten Probleme und was ich am besten kann .....................................43

HEAVEN ON EARTH – Die schönen Seiten des Lebens .............................49

So stelle ich mir die Beziehung zwischen Frau und Mann vor .........................49

Brecht re-covered (I) – Meine Vergnügungen ...................................................51

LIKE HELL – Belastendes ..............................................................................55

Ortswechsel, Konflikte ... ...................................................................................55

Brecht re-covered (II) – Missvergnügen in Augsburg .......................................65

Was mich an Schule nervt .................................................................................69

Gedanken zum Amoklauf von Winnenden .......................................................71

WELCOME TO PARADISE - Wunschvorstellungen ...................................75

So sähe mein Traumwochenende nach einem Lottogewinn aus .......................75

Mein persönliches Paradies ...............................................................................81

Wenn ich ein Tier wäre .....................................................................................95

DOWN TO EARTH – Das ganz normale Leben ...........................................99

Mein erstes Betriebspraktikum ..........................................................................99

Wie ich mich zu Beginn des vermutlich letzten Schuljahres fühle ..................105

Sorgen und Hoffnungen im letzten Halbjahr ..................................................111


LYRICAL SPHERE – Gedichte und so weiter .............................................115

Jandl re-covered – ottos mops .........................................................................115

Ringelnatz re-covered – Die Ameisen .............................................................117

Ich über mich ..................................................................................................121

Helden-Gedichte ............................................................................................125

„Eis“: Beiträge zum Augsburger Schreibwettbewerb .......................................129

Ein Romanentwurf ..........................................................................................137

FOREIGN TALKING – Über die Vielsprachigkeit ......................................143

CONFIDENCE – Sich weiterentwickeln ......................................................155

DOCU – Dokumentation besonderer Aktionen ...........................................161

Straßenkind für einen Tag ...............................................................................161

Marotten .........................................................................................................161

Insideout ..........................................................................................................162

Wortsport ........................................................................................................163

Business-Knigge ..............................................................................................164

Besuch in der neuen Stadtbücherei .................................................................166

Sonderausstellung „Irdische Paradiese“ ............................................................167

Maximilian Lutz (FCA) zu Besuch .................................................................168

Tischkultur-Abend ..........................................................................................170

Gra k und Layout ...........................................................................................172

Die wichtigsten Stationen auf dem Weg zu diesem Buch ...............................173

Dank ................................................................................................................175


VORWORT

intro

Als mich die Schüler meiner damaligen 7. Klasse einmal bestürmten:

„Sie schreiben doch Bücher. Schreiben Sie mal ein Buch über uns!“, war

ich nahe daran zu sagen: „Au ja, das mache ich!“ Zu gerne wollte ich ihnen

die Freude machen, sich als „echte“ Buch guren erleben zu können –

vor allem, weil es mit der Leselust der meisten nicht besonders gut

aussieht.

Doch dann kam mir eine andere Idee und ich konterte: „Schreibt doch

selbst ein Buch über euch!“ Die Reaktion war zunächst eher Befremden.

Wir? Schreiben? Ein Buch? Über uns?

Ich motivierte und motivierte und stellte Hilfe in Aussicht. Recht bald

bot ich ihnen Schreibanlässe, die mir geeignet schienen.

Natürlich war nicht immer alles, was geschrieben wurde, druckreif, selten

war es fehlerfrei, aber: Sehr vieles schien mir – zum Teil bestürzend gut –

geeignet, „die Hauptschüler“ nach außen zu repräsentieren. Diese meine

Hauptschüler, die Hauptschüler einer bayerischen Großstadt, vielleicht

sogar die Hauptschüler.

In Gesprächen ist immer wieder festzustellen, dass Menschen, die sich

als gebildet betrachten – klassische Leser also –, recht wenig über das

Leben, das Denken, das Fühlen von Hauptschülern wissen. Eigentlich

klar: Es gibt kaum Berührungspunkte.

Wäre ich selbst nach einer langen Pause, in der ich „Nur-Mu er und

-Autorin“ war, nicht wieder in meinen Beruf als Lehrerin zurückgekehrt,

wüsste auch ich vieles nicht, würde sich auch mein Wissen heute auf das

beschränken, was Zeitungen und TV so liefern, oft sehr plakativ. Dass

ich mehr weiß, darüber bin ich von ganzem Herzen froh, auch wenn ich

zugebe, meinen Lehrerberuf als anstrengend zu emp nden – und das

trotz Teilzei ätigkeit.

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intro

Ein bisschen etwas von diesem „mehr“ möchte dieses Buch

transportieren.

Es möchte aufmerksam machen. Und es möchte zeigen: Diese jungen

Leute haben es verdient, dass man genauer hinschaut. Dass manche

Beiträge anonym bleiben, hat einen einfachen Grund: Wir wollten ehrliche

Texte. Und diese Ehrlichkeit darf den jugendlichen Autoren unter keinen

Umständen zum Nachteil gereichen! Wo auch immer es gewünscht

wurde, blieben die Namen also weg. Wir ho en auf das Verständnis der

Leserschaft.

Heidemarie Brosche

PS: An manchen Stellen schien mir ein erläuternder Kommentar

meinerseits angebracht. Man verzeihe mir also bi e, wenn ich

den Autorinnen und Autoren in „guter Lehrermanier“ gelegentlich

dazwischenrede.

Über Reaktionen auf dieses Buch würden wir uns freuen. Einfach eine

Mail an email@h-brosche.de senden - die Mail wird an die Autor/innen

weitergeleitet, ganz bestimmt.


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like hell

Kristina

Von Russland nach Deutschland – Der Abschiedsschmerz

Der Tag war sonnig. Wir standen am Flughafen und unterdrückten

die Tränen. Wir mussten weg. Wir wollten eine bessere Zukunft in

Deutschland haben.

„So, euer Flugzeug! Ruft an, wenn ihr da seid, ja!?“, sagte

meine Großmutter. Man konnte hören, wie sie sich bemühte, ihre

Stimme nicht traurig klingen zu lassen, was ihr allerdings nicht

so gut gelang.

Ihre Tochter, also meine Mutter, reiste ab. Sie wusste, dass das das

Beste für sie war. Sie war froh darüber, dass ihre zweite Tochter in

eine bessere Zukunft fl og, aber zugleich auch traurig, weil sie von

ihr Abschied nehmen musste. Meine Mutter war genauso traurig

wie sie, aber wir waren schon so weit! Wir durften jetzt keinen

Rückzieher machen.

Sie nickte: „Ja, sicher.“ Dann nahm sie meine Hand und drückte

sie so fest, dass es fast schmerzte, aber ich konnte sie verstehen.

Ich war fast meine ganze Kindheit bei meiner Großmutter

gewesen. Sie war zwar streng, aber immer gerecht. Sie war für

mich wie eine zweite Mutter geworden.

Meine Mutter und ich unterdrückten die Tränen. Wir mussten

jetzt stark sein! Wenn wir jetzt anfangen würden, wie zwei

Schlosshunde zu heulen, würde sich meine Großmutter nur noch

mehr Sorgen machen. Sie war eine Frau, die immer nur an die

anderen dachte.

„Natasch, komm schon, sie lassen schon die Leute rein“, sagte

mein Vater mit trauriger Stimme.

Die Eltern meines Vaters fl ogen mit nach Deutschland, aber die

Verwandten meiner Mutter nicht. Es lebten zwar Verwandte von

ihr bereits in Deutschland, aber weder sie noch ich kannten sie


Belastendes

like hell

richtig. Die meisten kannten wir nur von Fotos her.

Mein Vater ging zu meiner Mutter, legte eine Hand auf ihre Schulter

und sagte mit mitfühlendem Blick ein paar tröstende Worte. Sie

nickte und lächelte traurig. Sie hielt immer noch meine Hand fest

und drückte sie. Ich drückte zurück.

Nach einer langen Verabschiedung mussten wir zur Kontrolle. Es

war alles okay. Danach mussten wir einen Gang entlanggehen.

Wir waren nicht allein, viele Leute gingen vor, hinter und neben

uns. Ich vermutete, dass sie mit dem selben Flugzeug fl iegen

würden wie wir.

Die rechte Wand war aus Glas. Ich sah hinüber und sah alle unsere

Verwandten. Sie waren auf der anderen Seite! Nur ein dickes

Glas trennte uns! Ich fühlte mich wie

ein Tier in einem Käfi g. Warum stand

dieses verdammte Glas da?!

Meine Mutter sah sie mit einem

traurigen Blick an. Dieses Gefühl,

das ich gerade in meiner Brust hatte,

zerriss mich fast. Es tat so weh!

Ich wollte nicht weg! Wir gingen

näher an das Glas und schauten uns

gegenseitig stumm an.

Wir konnten uns sowieso nicht hören

wegen diesem Glas. Meine Großmutter

winkte und zeigte in die Richtung, in

der das Flugzeug stand. Dann sagte

sie noch irgendetwas, aber es war wie

in einem Stummfi lm.

Ich guckte mich um. Alle Leute waren

schon weg, nur unsere Familie stand

noch da. Anscheinend verstand meine

Mutter, was meine Großmutter sagte,

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like hell

und nickte. Sie verstanden sich auch ohne Worte. Meine Mutter

legte die Hand auf das Glas, doch dann zog sie sie wieder zurück

und mit einem letzten Lächeln winkte sie zum Abschied.

Nach etwa zehn Minuten saßen wir schon im Flugzeug und starrten

aus dem Fenster. Die Anweisungen der Stewardess hörte ich nicht

mehr, sondern schnallte mich einfach an. Ich kämpfte gegen die

Tränen. Ich versuchte mich selbst mit Gedanken zu trösten: Wir

werden ja nächstes Jahr zu Besuch zurückkommen, zwar nur für

drei Wochen, aber das war doch trotzdem schon etwas.

Als der Flieger in der Luft war und wir aufstehen durften, ging

meine Mutter weg. Ich vermutete, dass sie sich in der Toilette

eingeschlossen hatte, um zu weinen. Ich konnte sie ja auch

verstehen. Ich hätte in diesem Moment auch heulen wollen.

Die Einzige, die gar kein Problem hatte, war meine drei Jahre alte

Schwester, die ich in diesem Moment fast erwürgt hätte, weil sie

immer wieder „Flugzeug-Fliegen“, „Flugzeug-Fliegen“ brüllte und

das ununterbrochen.

Als meine Mutter zurück war, waren ihre Augen gerötet. Ich sah

sie an, sagte aber nichts. Was hätte ich auch sagen können?

Immerhin war ich erst neun Jahre und … Hallo? Wer hört schon

auf eine Neunjährige?

Meine Mutter dachte bestimmt, dass ich nichts merkte und keine

Ahnung hatte, aber ich verstand sehr wohl alles.

Die ganze Flugzeit saßen alle da und schwiegen. Selbst meine

Schwester, was allerdings eine Ausnahme war. Es war still,

jedenfalls für mich. Ich war so mit meinen Gedanken beschäftigt,

dass ich die anderen Passagiere gar nicht mal wahrnahm.

Nach zweieinhalb Stunden Flugzeit waren wir endlich

angekommen: in Deutschland!

Ich bin in einer russischen Familie aufgewachsen und kannte in

diesem unbekannten Land gerade mal, wie „Guten Morgen“ ging.

Rosige Aussichten, nicht wahr?


Belastendes

like hell

Nun … Unsere ganze Reise bis zu dem Punkt, wo wir endlich auf

Dauer bleiben durften, dauerte zehn Tage … Zuerst waren wir in

einem Heim gelandet! Ein Zimmer 4 x 4 Meter, mit vier Betten und

aus! Im Grunde war‘s nicht so schlecht. Unsere Verwandten, die

schon eine Behausung in Deutschland hatten, statteten uns einen

Besuch ab. Ich muss sagen, die Geschenke, die sie mitgebracht

haben, waren für ein Dorfkind wie mich riesig! Ich glaube, ich

habe noch nie so viele Süßigkeiten gesehen! Von den Toffi fee war

ich ganz besonders begeistert.

Nach ca. fünf Tagen ging es auch wieder weiter. In ein weiteres

Heim. Ich glaube, es war in Nürnberg. Dort blieben wir kurze zwei

Tage! Diese zwei Tage haben aber auch gereicht, um mit meiner

Schwester im Aufzug stecken zu bleiben. Mein erstes Abenteuer

in Deutschland! Way! Auch die zwei Tage waren schnell vorbei. Es

ging weiter. Zum dritten Heim. Dort durften wir so lange bleiben,

bis wir eine Bleibe für uns gefunden hatten. Vielleicht sagt euch

der Name „Birkenhof“ etwas? Eineinhalb Jahre haben wir da

gelebt, bis wir uns endlich eingelebt hatten und eine Wohnung

fanden, doch dazu später.

Mein Opa war der Einzige, der einen Hauch von Deutsch konnte,

da seine Großmutter eine Deutsche in Russland gewesen war

und nur Deutsch mit ihm gesprochen hatte. Es war fast schon

amüsant, wie sechs Personen, Vater, Mutter, Oma, Schwester,

Onkel und ich hinter unserem Opa überallhin mitgedackelt sind.

Es erinnerte mich immer an die Ente, die mit ihren Kleinen

spazieren ging.

Die ersten Monate in der Schule waren hart. Die Sprache war

schwer und auch das Mobbing anderer Schüler setzte mir zu.

Immer wieder hackte man auf der kleinen Russin herum, die einen

schrecklichen Akzent hatte und auch noch ein Dreikäsehoch war.

Dummerweise war ich auch noch nah am Wasser gebaut. Das

perfekte Opfer also, auf dem man herumhacken konnte! Natür-

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like hell

lich war es nicht für immer so. Wir fanden Anschluss, schlossen

Freund schaften und lebten uns langsam ein. Die Sprache wurde

auch mehr oder weniger erlernt. Ich glaube, dass ich sie nach

gut zwei Jahren konnte … man lernt aber natürlich nie aus und so

lerne ich heute noch (nach sieben Jahren) immer ein paar neue

Wörter dazu.

Es verging ein Jahr, bis wir eine Möglichkeit gefunden hatten,

nach Russland zu reisen. Leider konnte mein Vater nicht mit. Den

Grund weiß ich nicht mehr. Fünf lange Tage saßen wie in einem

Bus voller Leute auf dem Weg in unsere Heimatstadt. Es ist besser,

die Erinnerung nicht zu sehr aufzuwärmen. Sie ist furchtbar. Allein

der ältere Herr neben mir ließ mir zwei Tage keinen Schlaf, da

er unbedingt der Meinung war, mich mit den Geschichten seiner

Familie langweilen zu müssen. (Klingt gemein, ich weiß, aber

versucht es auch ihr mal auszuhalten!) 20, 19, 18 … zählten alle

im Chor die Kilometer, bis es so weit war und wir angekommen

waren. Ein Besuch, der nur einen Monat dauerte. Es war wirklich

erleichternd, wieder da zu sein, und die Zeit verging wie im Flug.

Eigentlich wollte ich gar nicht zurück, doch eine Wahl hatte ich

ja leider nicht. Mit den Jahren fi el es mir leichter loszulassen und

heute würde ich von hier nicht mehr zurück wollen, obwohl ich

die anderen sehr vermisse. Wir versuchen jedes Jahr mit dem

Auto dahin zu fahren. Jedes Jahr für einen Monat! Den schönsten

im Jahr! (Die acht Tage Hin- und Rückfahrt zählen aber nicht als

schön! Irgendwann sitzt man mit dem Kopf nach unten im Sitz.)

Manchmal klappt es aber natürlich auch nicht. Erst letztes Jahr

aber war mein Onkel mit seiner Familie zu Besuch bei uns! Dann

wurden alle Schwimmbäder und Freizeitparks unsicher gemacht,

um ihnen so viele Eindrücke wie nur möglich mitzugeben.

Das ist meine kleine Geschichte von der Zeit, als wir in

Deutschland endlich angekommen waren. Ich kann nur hoffen,

dass es weiterhin so bleibt!


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welcome to paradise

ist das, was zu Hause ist, oder die Eltern. Im Warmen schwimmen

gehen, sich sonnen, was trinken gehen und immer was anderes

machen. Das wäre mein Paradies.

Denis

In meinem Paradies sollte es ruhig sein, man sollte alle Sorgen

vergessen. Am liebsten würd ich mit meinen Freunden und mit

meiner Familie sein. In meinem Paradies wird es Wasserpfeifen

geben mit jedem Geschmack. Dieses Paradies gibt es nicht. Es

sollten alle Sorgen und alles Negative verschwinden, man sollte

eigentlich nur abschalten. Dieses Paradies ist wichtig, eben weil

man dort alles vergisst und einfach man selbst sein kann. In

diesem Paradies wird keiner landen, weil es sowas nicht gibt.

Mein Paradies sollte irgendwo auf einer Insel sein, wo man immer

wieder rein und raus kann. Es spielt Musik, leise, aber auch Musik,

die anderen gefällt, auf jeden Fall verschiedene Musik und Musik,

bei der man abschalten kann. Essen und Trinken gibt es auch,

aber was, darf jeder selbst entscheiden. Jeder darf das fühlen,

was er will, nur keinen Stress. Mein Paradies ist einfach nur zum

Abschalten da.

Seyhan

Für mich lebe ich schon in einem Paradies, denn ich habe alles,

was ich brauche: meine Familie, meine Freunde, etwas zum Essen

und Trinken. Immer wenn ich an die Menschen, insbesondere

an die Kinder in Afrika bzw. auch in anderen armen Ländern,

denke, stelle ich mir vor, wie gut ich es eigentlich habe. Ich kann

mir etwas leisten, ich kann essen und trinken, was ich will. Und


Wunschvorstellungen

welcome to paradise

die Kinder in Entwicklungsländern? Sie haben fast nie etwas

zum Essen oder Trinken. Sie sterben sogar aus Hungersnot.

Die Menschen dort würden alles dafür tun, um so zu leben wie

wir. Und wir sind nicht einmal dankbar dafür. Sie würden alles

dafür tun, um nur so zu leben wie wir, deshalb denke ich, wir

sollten auch mal an diese Menschen denken und wirklich dankbar

sein für das, was wir haben. Wegen Kleinigkeiten regen wir

uns so auf, weil wir vielleicht mal etwas nicht bekommen oder

weil wir manchmal Probleme haben, oder weil wir nicht in die

Schule gehen wollen, aber müssen. Wenn man an die Kinder in

solchen Ländern denkt: Sie wollen freiwillig in die Schule, aber

sie können nicht, sie wollen sich weiterbilden, aber haben nicht

die Möglichkeiten. Anstatt froh zu sein, dass wir in die Schule

gehen können, regen wir uns auf. Wir machen einen Aufstand,

weil wir gerade mal nicht die Markensachen tragen können, die

wir wollen, doch die Menschen dort haben nicht einmal etwas

Gescheites zum Anziehen. Deshalb, wenn ich an solche Menschen

denke und solche Menschen sehe, denke ich, dass ich schon in

einem Paradies lebe.

Hier aber dennoch mein persönliches Paradies: Ich habe

einen Super-Job, wo ich gut verdiene. Eine Familie, also einen

Lebensgefährten, mit dem ich mich gut verstehe, Kinder, die

glücklich sind. Ein Haus in der Nähe von einem Wald, also frische

Luft und auch Grünes um uns herum. In diesem Paradies wäre für

mich auf jeden Fall Frieden wichtig. Wo es wirklich keinen Streit

und keine Gewalt gibt. Paradies kann auch auf Erden sein, man

muss es nur wollen. Paradies ist nicht nur in Fantasien. Für jeden

heißt Paradies was anderes. Für mich ist dieses sehr wichtig, man

muss sich immer wieder überlegen, was man in der Vergangenheit

und in der Gegenwart erlebt hat, und was man aus seiner Zukunft

machen will, zumindest ändern will. In meinem Paradies sollte es

so sein, dass wirklich alle in meinem Leben zufrieden sind. Ich

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welcome to paradise

glaube, ich könnte sogar in diesem Paradies landen, wenn ich es

nur will. In meinem Paradies kann es natürlich nicht nur Gutes

geben, denn man lernt aus Fehlern, und Fehler kann man und

sollte man auch machen. Man fühlt in meinem Paradies nur gute

Sachen. Furcht oder Angst wird nicht existieren. Ich hoffe, dass

ich mein Paradies eines Tages erreiche.

Gabriel

Mein Paradies war im Burger-King. In meinem Paradies war ich

der Einzige drin. Ich hatte eine freie Auswahl, weil Tausende von

Burgern fertig gegrillt waren. Besonders wichtig war, dass ich der

Einzige war. Auf keinen Fall durfte jemand anderer drin sein, es

war ja mein Paradies. Anstatt dass ich mit Geld rumspielte, spielte

ich mit Essen. Das Paradies ist mir wichtig, weil es dort meine

Lieblingsburger gibt. In der Woche besuche ich mein Paradies

zwei- bis dreimal. In meinem Paradies sieht man Tausende von

Burgern, und es riecht nach Ketchup, Senf und Barbecue. Man

hört den Grill, die fertigen Pommes. Zum Trinken gibt es auch

verschiedene Sorten, z. B. Cola, Fanta, Schorle, Wasser. Heute

nach der Schule besuche ich wieder mein Paradies.

Eugen

Die meisten Menschen verbinden das Paradies mit dem Himmel,

ich dagegen fi nde, dass wir schon das eigentliche Paradies leben

dürfen. Denn wo sonst, wenn nicht auf der Erde, könnte es einem

Menschen besser gehen? Nur würde es in meinem persönlichen

Paradies weniger Leiden geben, weil der Mensch sich in seinem

besten Alter befi nden würde. Es würde keine Krankheiten geben,


Wunschvorstellungen

welcome to paradise

der Himmel würde immer blau sein. Es würde keinen Tag und

keine Nacht geben, keine Gewalt und kein Verbrechen. Jeder

Mensch würde mit seinem Leben zufrieden sein.

Sara

So stelle ich mir mein Paradies vor: an einer Insel mit klarem

türkis-blauen Meer, mit vielen schönen großen Muscheln. Man

sollte nur das Geräusch vom Meer hören, es sollte nach Blumen

duften und es sollten viele verschiedene Blumen sein. Mit einer

Kuschelecke, wo ich mit meinen Freunden alleine chillen kann.

Es sollte mit vielen verschiedenen Cocktail-Getränken, Lieblings

torten und Essen sein. An diesem Strand sollte es sehr heiß

sein, wo wir dann den ganzen Tag nur schwimmen können. An

diesem Strand sollte es auch ein kleines Schiff geben mit einer

Tanzfl äche und meiner Lieblingsmusik, damit wir dort tanzen und

einfach nur unseren Spaß haben können. Damit wir uns einfach

nur ausruhen können ohne Stress.

Zühal

Ein Paradies für mich ist, wenn ich alleine bin und über alles, was

ich so erlebt habe, nachdenken kann – ohne dass mich jemand

dabei stören kann. Klar gehören zum Paradies auch Menschen,

die ich liebe. Ich mag es dennoch gerne, alleine zu sein, da ich es

liebe, in meine Gedanken versunken zu sein. Rundherum muss

alles friedlich laufen.

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