Arbeit mit hochkonflikthaften Trennungs- und ... - Familientext.de

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Je nach Notwendigkeit und Verfahrensstand können RichterInnen folgende

für die Entlastung des Kindes relevante Verfahrensbeteiligte hinzuziehen: Verfahrensbeistände

und UmgangspflegerInnen. § 158 I FamFG stellt klar, dass eine

Pflicht zur Bestellung eines Verfahrensbeistands besteht – eine Pflicht, die allerdings

die richterliche Einschätzung voraussetzt, dass ein Verfahrensbeistand

zur Wahrung der Kindesinteressen erforderlich ist. Im Falle eine hochkonflikthaften

Verstrickung der Eltern dürfte die regelmäßige Missachtung von kindlichen

Interessen sehr wahrscheinlich sein. Das Wirken der bisherigen VerfahrenspflegerInnen

wird auf der Grundlage rechtstatsächlicher Untersuchungen

sowohl von den FamilienrichterInnen wie auch von den Kindern selbst als sehr

positiv eingeschätzt (vgl. Stötzel, 2004). Die wichtigste Erkenntnis aus dieser

Untersuchung ist wohl die Tatsache, dass die Kinder und Jugendlichen sich

überwiegend von ihrer Interessenvertretung auch wirklich einbezogen fühlten

(s. Kapitel 3.5).

Mit der Regelung des § 1684 Abs. 3 BGB soll eine Pflegschaft mit dem Aufgabenkreis

der Durchführung des Umgangs (»Umgangspflegschaft«) gesetzlich

geregelt werden. Der Umgangspfleger/die Umgangspflegerin kann die konkrete

Ausgestaltung des Umgangs bestimmen. Ergeben sich Meinungsverschiedenheiten

der Eltern über die Umgangsmodalitäten, dann hat der Umgangspfleger

die Möglichkeit, zwischen den Eltern zu vermitteln oder von seinem Bestimmungsrecht

Gebrauch zu machen.

Für alle genannten Verfahrensbeteiligten gilt: Sie sind Lobbyisten für das

Kind. Sie entlasten das Kind bestmöglich und versuchen, es schützend aus

dem Feld der elterlichen Konflikte zu nehmen. Dies geschieht dadurch, dass sie

an Stelle des Kindes bei den Eltern die kindliche Perspektive auf den Konflikt

einfordern.

Hinweis:

Kindliche Lösungsversuche sollten als ein im Sinne der Bindungstheorie »internes

Arbeitsmodell« verstanden werden. Das heißt, Kinder sollen bei der

Modellierung ihrer Lösungen zur Bewältigung ihrer Erfahrungen unterstützt

werden, insbesondere durch Beratungsangebote, die ihnen helfen, die unübersichtliche

Situation einer hochkonflikthaften Trennung zu strukturieren und

die eigene Verunsicherung zu begrenzen. Ein gerichtliches Umgangsrechtsverfahren,

das diese kindlichen Lösungsversuche übergeht, kann schnell zu einem

zusätzlichen Belastungsfaktor für das Kind werden.

31 Arbeit mit hochkonflikthaften Trennungs- und Scheidungsfamilien: Eine Handreichung für die Praxis

3.5

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