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SüdafrikaIDen Kampf gegen die Ungleichheiten ... - Fastenopfer

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Südafrika I Den <strong>Kampf</strong> <strong>gegen</strong> <strong>die</strong><br />

<strong>Ungleichheiten</strong> unterstützen


Inhalt<br />

Länderinformationen ................................................................................................................3<br />

Das Landesprogramm Südafrika des <strong>Fastenopfer</strong>s.................................................................4<br />

Südafrika: Daten und Fakten....................................................................................................6<br />

Löhne und Preise in Südafrika ...............................................................................................10<br />

Landesprogramm Südafrika (Kurztext) ..................................................................................11<br />

Berichte aus Südafrika ...........................................................................................................13<br />

Erzählungen aus Südafrika ....................................................................................................23<br />

Gebete aus Südafrika.............................................................................................................25<br />

Lieder aus Südafrika ..............................................................................................................29<br />

Rezepte aus Südafrika ...........................................................................................................32<br />

2


Länderinformationen<br />

Landesfläche 1'219’090 km 2 CH: 41'285 km 2<br />

EinwohnerInnenzahl 47.391 Millionen CH: 7.491 Millionen<br />

Hauptstadt Tshwane (Pretoria) 1'985'983 Einwohner/innen<br />

Staatsform Präsidiale Republik<br />

Sprachen 23,8% Zulu (isiZulu), 17,6% Xhosa (isiXhosa),<br />

13,3% Afrikaans, 9,4% Sepedi, 8,2% Setswana,<br />

8,2% Englisch, 7,9% Nordsotho (Sesotho)<br />

und Südsotho (Sesotho a sa Leboa), 4,4%<br />

Tsonga (Xitsonga, Shangaan), 2,7% Swati<br />

(Siswati), 2,3% Venda (Tshivenda), 1,6% Ndebele<br />

(isiNdebele) sowie indische Sprachen<br />

Religionen 79,8% Christen (31,8% unabhängige afrikanische<br />

Kirchen, 7,6% Pfingstler, 7,4% Methodisten,<br />

7,1% Katholiken, 3,8% Anglikaner, 2,5%<br />

Lutheraner, 1,9% Presbyterianer u.a.), 1,5%<br />

Muslime, 1,2% Hindus, 0,2% Juden; 16,5%<br />

religionslos oder ohne Angaben; indigene Religionen<br />

Ethnische Gruppen 79,0% Schwarze (u.a. Zulu, Xhosa, Nordsotho,<br />

Südsotho, Tswana, Tsonga [Shangaan], Swasi,<br />

Ndebele, Venda), 9,6% Weiße, 8,9% Mischlinge,<br />

2,5% Asiaten<br />

BNE pro Kopf 5390 $ CH: 58050 $<br />

Alphabetisierung 87.6% CH: 99.6%<br />

Kindersterblichkeit 6.9% CH: 0.5%<br />

Lebenserwartung<br />

Stand 2009<br />

♀ 42.19 Jahre - ♂ 43.25 Jahre<br />

CH: ♀ 83.48 Jahre<br />

♂ 77.69 Jahre<br />

3


Das Landesprogramm Südafrika des <strong>Fastenopfer</strong>s<br />

Ausgangslage Die Fläche Südafrikas ist beinahe 30 Mal grösser als <strong>die</strong><br />

Schweiz, <strong>die</strong> EinwohnerInnenzahl beträgt rund 47 Millionen.<br />

Das Erbe des Apartheidsystems lastet – mehr als zehn Jahre<br />

nach dessen Ende – noch immer schwer auf dem neuen Südafrika.<br />

Die <strong>Ungleichheiten</strong> sind weiterhin riesig. Land, Arbeit<br />

und Reichtum sind völlig ungerecht verteilt, viele Südafrikaner<br />

und Südafrikanerinnen leiden unter Armut, Gewalt und Kriminalität.<br />

Beinahe ein Viertel der Bevölkerung ist HIV positiv.<br />

Dies stellt eine der grössten Herausforderungen für <strong>die</strong> südafrikanische<br />

Gesellschaft dar.<br />

Die Kirche ist neben den Gewerkschaften <strong>die</strong> wichtigste zivilgesellschaftliche<br />

Kraft. Rund 70% der Bevölkerung sind Christinnen<br />

und Christen. Die Ökumene spielt in der südafrikanischen<br />

Kirche eine wichtige Rolle.<br />

Bisherige Tätigkeiten Seit Anfang der 1970er Jahre engagiert sich das <strong>Fastenopfer</strong><br />

in Südafrika. Zu Beginn beschränkte es sich weitgehend auf<br />

<strong>die</strong> Pastoralzusammenarbeit, ab Mitte der 1980er Jahre nahm<br />

der <strong>Kampf</strong> <strong>gegen</strong> das Apartheidsystem einen wichtigen Platz<br />

ein. Ab 1992 begann <strong>die</strong> Unterstützung von Projekten der<br />

Entwicklungszusammenarbeit.<br />

Zielsetzungen Das Engagement des <strong>Fastenopfer</strong>s strebt <strong>die</strong> Ermächtigung<br />

der Zielgruppen an. Dadurch soll ihnen eine volle und würdige<br />

Teilnahme an der Gemeinschaft ermöglicht werden. Das<br />

Fernziel ist es, einen Beitrag an den Aufbau einer gerechten,<br />

freien und gleichberechtigten Gesellschaft in Südafrika zu<br />

leisten.<br />

Zielgruppen Die Unterstützung des <strong>Fastenopfer</strong>s gilt den von den Folgen<br />

der Apartheid am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen.<br />

Regionen Das Engagement konzentriert sich auf <strong>die</strong> ländlichen Gebieten<br />

der Provinzen Northern Cape, Eastern Cape und KwaZulu-Natal.<br />

4


Kernthemen Gemeinden bilden – Glauben leben<br />

Die Ausbildung von Laien, <strong>die</strong> Förderung des interreligiösen<br />

Dialogs und <strong>die</strong> Stärkung von Basisgemeinden ermöglichen<br />

es, den Glauben konkret zu leben.<br />

Nachhaltigkeit<br />

Landesprogramm 2005 – 2010<br />

Gerechtigkeit leben – Gemeinschaften stärken<br />

Die Unterstützung von Kräften der Zivilgesellschaft, der ländlichen<br />

Entwicklung und der politischen Bildung stärken <strong>die</strong><br />

Gemeinschaft als Ganzes.<br />

Frieden ermöglichen – Dialog fördern<br />

Friedensförderung und Förderung des Dialogs sind nach den<br />

Jahren der Apartheid aktuelle Themen in Südafrika, in welchen<br />

sich das <strong>Fastenopfer</strong> engagiert.<br />

Lebensgrundlagen sichern – Ressourcenzugang fördern<br />

Das Engagement im Bereich der ungeklärten Landfragen soll<br />

einem grösseren Teil der Bevölkerung <strong>die</strong> eigenständige Sicherung<br />

der Lebensgrundlagen ermöglichen.<br />

Die Unterstützung von Projekten, welche sich mit dem Thema<br />

HIV/AIDS auseinandersetzen, trägt zur Prävention bei und<br />

gestattet Erkrankten ein Leben in Würde.<br />

Seit 2001 wurden mit den Partnerorganisationen Workshops<br />

zu den Kern- und Transversalthemen sowie zur Programmdurchführung<br />

organisiert. Dies verbessert den Wissenstransfer<br />

und <strong>die</strong> Zusammenarbeit zwischen den <strong>Fastenopfer</strong> Partnern.<br />

Budget pro Jahr (2009) Entwicklungszusammenarbeit: Fr. 468'000.-<br />

Pastoralzusammenarbeit: Fr. 95'000.-<br />

Begleitstruktur<br />

Seit mehreren Jahren wird <strong>die</strong> lokale Begleitung der Partnerorganisationen<br />

durch <strong>die</strong> Konsulentin Quraisha Nagdee sichergestellt.<br />

Die Zusammenarbeit mit ihr ermöglicht eine verbesserte<br />

Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen.<br />

Quraisha Nagdee wird von allen Partnerorganisationen in<br />

Südafrika akzeptiert und geschätzt.<br />

Programmverantwortung Claudia Fuhrer<br />

FASTENOPFER<br />

Alpenquai 4<br />

Postfach 2856, 6002 Luzern<br />

Telefon 041 227 59 59<br />

Fax 041 227 59 10<br />

mail@fastenopfer.ch<br />

www.fastenopfer.ch<br />

Postcheck 60-19191-7<br />

5


Südafrika: Daten und Fakten<br />

Allgemeines<br />

Staatsname Republik Südafrika<br />

Hauptstadt Pretoria (Hauptstadt und Regierungssitz); Kapstadt (Parlamentssitz);<br />

Bloemfontein (Sitz des Obersten Gerichtshofs)<br />

Politik<br />

Unabhängigkeit 1910 (von Grossbritannien)<br />

Wahlrecht Allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahre<br />

Wirtschaft<br />

Währung 1 Rand (R) = 100 Cents<br />

Ausgeführte Güter Gold, Mineralien und Metalle, Lebensmittel und Getränke, Chemikalien,<br />

Wolle, Edel- und Halbedelsteine<br />

Eingeführte Güter Maschinen, Transporteinrichtungen, elektrische Ausrüstungen, Chemikalien,<br />

Kunststoffe, Kautschuk, Papier, Textilien, Präzisionsinstrumente<br />

Wichtigste Aussenhandelspartner (Export) Italien, Japan, Vereinigte Staaten von Amerika,<br />

Deutschland, Grossbritannien, andere Staaten der Europäischen Union (EU), China<br />

Wichtigste Aussenhandelspartner (Import) Deutschland, Japan, Grossbritannien,<br />

Vereinigte Staaten von Amerika, Italien<br />

Industrie Bergbau (weltweit grösster Produzent von Platin, Gold und Chromerz), Fahrzeugendmontage,<br />

Erdölraffinerien, Metallverarbeitung, Maschinenbau, Kautschukprodukte, Textilien,<br />

Eisen- und Stahlproduktion, Chemikalien, Düngemittel, Lebensmittelverarbeitung, Tabak,<br />

Papier und Papierwaren<br />

Landwirtschaft Diversifizierte Landwirtschaft, besonders Viehzucht; wichtige landwirtschaftliche<br />

Produkte: Mais, Weizen, Zuckerrohr, Obst, Kartoffeln, Gemüse, Sorghum, Gerste, Tabak,<br />

Baumwolle, Erdnüsse, Sonnenblumenkerne, Bohnen; Vieh und Tierprodukte: Schafe,<br />

Rinder, Ziegen, Schweine, Geflügel, Wolle, Milch, Eier, Felle, Rindfleisch, Schweinefleisch;<br />

von Nahrungsmittelimporten unabhängig<br />

Rohstoffe Gold, Diamanten, Chromerz, Steinkohle, Platin, Eisenerz, Mangan, Vanadium,<br />

Antimon, Vermiculit, Kalkstein, Asbest, Flussspat, Blei, Zink, Uranerz, Kupfer, Nickel, Zinn,<br />

Rutil, Kaolin, Zirkon, Silber, Phosphate, Gips, Glimmer, Salz<br />

Die Menschen<br />

Bevölkerung<br />

1652 errichtete eine Expedition der niederländischen Ostin<strong>die</strong>nkompanie unter Leitung von<br />

Jan Van Riebeeck einen Versorgungsposten in Kapstadt. Dieser sollte den Schiffen, welche<br />

<strong>die</strong> Spitze des Kontinents umfuhren, frische Nahrungsmittel bereithalten. Hugenottische<br />

Flüchtlinge aus Frankreich schlossen sich 1688 der niederländischen Kolonie an; später<br />

auch <strong>die</strong> deutschen Einwanderer. Die Kolonisten gründeten mit der Zeit bäuerliche Gemeinden<br />

im Innern des Landes und wurden als Boere (Bauern) oder auch Buren bezeichnet.<br />

Drei Viertel der Bevölkerung sind Schwarzafrikaner. Die Amazulu (Zulu) bilden <strong>die</strong> grösste<br />

der schwarzafrikanischen Volksgruppen. Die weiteren grossen Gemeinschaften sind <strong>die</strong><br />

Amaxhosa (Xhosa), Bapedi (Pedi oder Nordsotho), Basotho (Südsotho), Batswana (Tswana),<br />

Mashangaan-Tsonga (Shangaan-Tsonga), Amaswazi (Swazi), Amandebele (Südndebele)<br />

und Bavenda (Venda). Aufgrund des Landgesetzes von 1913 begann <strong>die</strong> territoriale<br />

Trennung. Schwarzafrikaner durften sich nur in den ihnen zugewiesenen Gebieten niederlassen.<br />

Dies führte zum Apartheidskonzept, das den Schwarzen lediglich "Homelands" in<br />

Randgebieten zugestand, <strong>die</strong> 15 % des Landes ausmachten. Seit dem Ende der Apartheid<br />

1991 können Schwarze nach dem Gesetz überall leben. Die Homelands wurden 1992 abgeschafft<br />

und <strong>die</strong> Regierung arbeitet an der Rückgabe ehemals konfiszierten Landes an<br />

6


Schwarze, deren rechtliche Ansprüche bis ins Jahr 1913 zurück reichen.<br />

Sprache<br />

Die Sprachen in Südafrika sind so vielfältig wie <strong>die</strong> verschiedenen Volksgruppen. Afrikaans<br />

hat sich aus dem Holländischen entwickelt. Rund drei Fünftel der Weissen und <strong>die</strong> meisten<br />

Coloureds (Mischlinge) sprechen Afrikaans. Der Rest <strong>die</strong>ser beiden Bevölkerungsgruppen<br />

hat Englisch als Muttersprache. Die Asiaten sprechen zumeist verschiedene indische Sprachen<br />

und zusätzlich Englisch. Einige Schwarzafrikaner sprechen ausser ihrer eigenen Sprache<br />

noch Englisch und Afrikaans.<br />

Religion<br />

Weniger als <strong>die</strong> Hälfte der Schwarzafrikaner gehört den Kirchen des Christentums an. Ein<br />

Fünftel sind Mitglieder der AIC (African Independent Churches: unabhängige afrikanische<br />

Kirchen), <strong>die</strong> christliche und afrikanische Elemente verbinden, wie z. B. <strong>die</strong> christlichzionistische<br />

Kirche. Der Rest übt traditionelle afrikanische Religionen aus.<br />

Sitten und Gebräuche<br />

Familienstruktur<br />

Die Weissen leben in Kernfamilien zusammen. Die Bindungen innerhalb schwarzafrikanischer<br />

Familien sind traditionell eng, auch wenn nicht alle Familienmitglieder zusammen wohnen.<br />

Die Grossfamilie spielt eine bedeutende Rolle bei der Kinderbetreuung und ihre Mitglieder<br />

unterstützen sich <strong>gegen</strong>seitig.<br />

Umgangsformen<br />

Aufgrund der ethnischen Vielfalt des Landes werden in Südafrika viele verschiedene Begrüssungsformeln<br />

verwendet. Zulus und Swasi grüssen einander mit Sakubona, was wörtlich “Ich<br />

sehe dich” bedeutet , doch im übertragenen Sinne als “Hallo” verwendet wird. Ferner ist Kunjani<br />

(“Wie geht es Dir/Ihnen?”) gebräuchlich. Auf Sakubona wird mit Yebo (“ja”) geant-wortet<br />

und auf Kunjani mit Sikhona oder Sisaphila. Molo, <strong>die</strong> Grussformel der Xhosa, und Dumela<br />

der Sotho und Tswana haben eine ähnliche Bedeutung. Alle Südafrikaner schütteln sich <strong>die</strong><br />

Hände bei der Begrüssung. Viele Menschen auf dem Lande benutzen sogar beide Hände.<br />

Generell gilt es als unhöflich, Fremde und ältere Menschen mit dem Vornamen anzusprechen.<br />

Für Erwachsene wird eine Anrede benutzt, wenn man sie nicht näher kennt.<br />

Kunst<br />

Musik<br />

Die Musik Südafrikas weist Ähnlichkeiten mit der ganz Afrikas südlich der Sahara auf. Doch<br />

<strong>die</strong> historische Entwicklung des Landes und <strong>die</strong> gesellschaftlichen Strukturen während der<br />

Apartheid haben eine Reihe von unterschiedlichen Musikstilen hervorgebracht. Die südafrikanische<br />

Musik basiert hauptsächlich auf dem Gesang und weniger auf der polyrhythmischen<br />

Komplexität, wie sie in anderen Gebieten Afrikas südlich der Sahara zu finden ist. Die<br />

von Missionaren eingeführte europäische Chormusik vermischte sich mit der der Einheimischen<br />

und so wurde eine einzigartige Kombination geschaffen.<br />

Das Land<br />

Präsident<br />

In Südafrika wurden Ende April 2009 ein neuer Präsident und ein neues Parlament gewählt.<br />

Jacob Zuma wird nun <strong>die</strong> Nachfolge von Thabo Mbeki antreten. Der African National Congress<br />

(ANC), <strong>die</strong> stärkste Partei im Land, hat bei den Parlamentswahlen <strong>die</strong> Zweidrittel-<br />

Mehrheit verloren.<br />

7


Affären<br />

Nach seinem Freispruch im Verfahren wegen Vergewaltigung im Mai 2006 lehnte es am<br />

20.9.2006 ein Gericht in Pietermaritzburg ab, <strong>die</strong> Korruptionsklage <strong>gegen</strong> Zuma zu behandeln.<br />

Der Richter warf der Staatsanwaltschaft schwere Mängel bei der Anklageerhebung und<br />

der Durchführung der Untersuchung vor. Ihr war es nicht gelungen, rechtzeitig ausreichende<br />

Beweise für <strong>die</strong> Bestechlichkeit Zumas bei der Anbahnung eines Waffengeschäfts über 4<br />

Mrd. US-$ mit dem französischen Unternehmen Thales Ende der 1990er Jahre vorzulegen.<br />

Sie hatte deshalb eine Verschiebung des Verfahrens beantragt.<br />

Das oberste Berufungsgericht des Landes bestätigte am 6.11. das Urteil <strong>gegen</strong> den ehemaligen<br />

Finanzberater Jacob Zumas, Shabir Shaik. Shaik war 2005 im Zusammenhang mit der<br />

Thales-Affäre wegen Bestechlichkeit und Betrugs zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden.<br />

Damit erhöhte sich <strong>die</strong> Wahrscheinlichkeit, dass erneut <strong>gegen</strong> Zuma Anklage erhoben wird.<br />

Der frühere ANC-Fraktionsvorsitzende Tony Yengeni, der 2003 wegen Korruption zu einer<br />

vierjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden war und am 24.8.2006 <strong>die</strong> Haft angetreten<br />

hatte, wurde am 15.1.2007 auf Bewährung freigelassen. Yengeni profitierte von einem präsidentiellen<br />

Gnadenerlass für nicht-gewalttätige Straftaten.<br />

Führungswechsel bei der Democratic Alliance<br />

Die wichtigste Oppositionspartei Democratic Alliance wählte am 6.5.2007 <strong>die</strong> Bürgermeisterin<br />

von Kapstadt, Helen Zille, zur neuen Parteivorsitzenden. Der bisherige Vorsitzende Tony<br />

Leon hatte nach 13 Jahren an der Spitze der Partei auf eine nochmalige Kandidatur verzichtet.<br />

Zille, <strong>die</strong> seit März 2006 <strong>die</strong> drittgrößte Stadt des Landes regiert, hatte bisher erhebliches<br />

Geschick im Schmieden und Zusammenhalten rassenübergreifender Koalitionen unter<br />

schwierigen Mehrheitsbedingungen bewiesen.<br />

Aids-Bekämpfung<br />

Am 7.9.2006 wandten sich 81 führende internationale Wissenschaftler, darunter zwei Nobelpreisträger,<br />

in einem Brief an Präsident Mbeki: Sie forderten <strong>die</strong> Entlassung der umstrittenen<br />

Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang und – angesichts der ca. 6 Mio. HIVpositiven<br />

Südafrikaner und 1000 Neuinfektionen täglich – einen Kurswechsel in der Aids-<br />

Politik des Landes. Die Gesundheitsministerin hatte auf der UN-Aids-Konferenz in Toronto<br />

im August 2006 der versammelten Forschergemeinschaft <strong>die</strong> südafrikanische Strategie der<br />

Aids-Bekämpfung durch gesunde Ernährung mit Knoblauch, Süßkartoffeln und Roter Beete<br />

empfohlen. Mbeki entzog Tshabalala-Msimang im Oktober <strong>die</strong> alleinige Verantwortung für<br />

<strong>die</strong> Aids-Bekämpfung und setzte ein Komitee ein, an dem insgesamt fünf Ministerien beteiligt<br />

waren, in dem faktisch aber Vizepräsidentin Phumzile Mlambo-Ngcuka und <strong>die</strong> stellvertretende<br />

Gesundheitsministerin Nozizwe Madlala-Routledge <strong>die</strong> Regie übernahmen. Die Regierung<br />

stellte zum Weltaidstag am 1.12.2006 den ersten Entwurf eines fünfjährigen Aktionsplans<br />

zur Aids-Bekämpfung vor, der am 14.3.2007 bei einer Konferenz des Südafrikanischen<br />

Aids-Rates mit Vertretern von Unternehmen und Zivilgesellschaft diskutiert wurde. Die neue<br />

Strategie bedeutet einen radikalen Wandel in der Aids-Politik der Regierung, da der<br />

Schwerpunkt auf Prävention und Behandlung von Infizierten gelegt wird. Die Regierung kündigte<br />

an, bis zu 2 Mrd. US-$ aufzuwenden, um <strong>die</strong> Rate der Neuinfektionen bis 2011 zu halbieren<br />

und antiretrovirale Medikamente für mindestens 80% der Infizierten bereit zu stellen.<br />

Vor allem junge Frauen zwischen 25 und 29 Jahren (<strong>die</strong> eine Infektionsrate von 40% aufweisen)<br />

sollen stärker in <strong>die</strong> Prävention eingebunden werden.<br />

Kriminalitätsbekämpfung<br />

Der <strong>Kampf</strong> <strong>gegen</strong> <strong>die</strong> wachsende Kriminalität stand im Mittelpunkt der Regierungserklärung<br />

von Präsident Mbeki vor beiden Häusern des Parlaments am 9.2.2007. Mbeki kündigte<br />

eine Aufstockung der Polizeikräfte um ein Fünftel von 150000 auf 180000 Mann an, widersprach<br />

hin<strong>gegen</strong> unter Verweis auf <strong>die</strong> Polizeistatistik dem Eindruck einer generellen Zunahme<br />

von Gewalttaten in Südafrika. Südafrika verzeichnet mit über 18000 Morden eine der<br />

höchsten Mordraten der Welt.<br />

Bildungswesen<br />

8


Die Apartheid organisierte das Bildungssystem nach Rassen. Wenn geeignete Einrichtungen<br />

vorhanden waren, bestand <strong>die</strong>se Schulpflicht auch für Farbige und Inder. Schwarze waren<br />

ausgeschlossen. Wie in anderen Bereichen des südafrikanischen Lebens, wurde <strong>die</strong> Rassentrennung<br />

auch im Bildungsbereich abgeschafft. Der Alphabetisierungsgrad variiert zwischen<br />

den ethnischen Gruppen. Er ist in den Städten höher als auf dem Land. Die durchschnittliche<br />

Alphabetisierung liegt bei 81,8 % (1995) und ist damit eine der höchsten des<br />

Kontinents.<br />

Gesundheitswesen<br />

Die medizinische Versorgung ist weitgehend staatlich, doch es gibt auch einen privaten Sektor.<br />

Bis 1990 herrschte in vielen Einrichtungen Rassentrennung und <strong>die</strong> Institutionen für <strong>die</strong><br />

Schwarzen waren nicht gut ausgerüstet. Öffentliche Hospitäler und Kliniken sind nun für alle<br />

Bürger da.<br />

Geographische Lage<br />

Benachbarte Gebiete Südafrika ist auf drei Seiten von Wasser umgeben, nämlich vom<br />

Indischen Ozean im Osten und Süden und vom Atlantischen Ozean im Westen. Die Landesgrenze<br />

im Norden stösst an fünf Länder: Namibia, Botswana, Simbabwe, Moçambique und<br />

Swasiland. Lesotho ist eine Enklave im Osten Südafrikas.<br />

Klima<br />

Südafrika hat ein randtropisches Klima, das durch Meeresströmungen gemässigt wird. Im<br />

Januar beträgt <strong>die</strong> Durchschnittstemperatur in Durban, unter dem Einfluss des warmen Agulhasstroms<br />

an der Ostküste, 24 C. In Johannesburg, im Landesinnern, liegen <strong>die</strong> Temperaturen<br />

bei 19 C. Obwohl Johannesburg dem Äquator näher liegt als Durban, sind <strong>die</strong> Sommertemperaturen,<br />

bedingt durch <strong>die</strong> höhere Lage (1753 m), niedriger. Die Julitemperaturen<br />

betragen in Durban 17 C, in Johannesburg 9 C und in Kapstadt 12 C.<br />

Umweltsituation<br />

Einige der bedeutenderen südafrikanischen Biome sind bedroht, u. a. das Grasland, das<br />

Verbreitungsgebiet der Sukkulenten in der Karoo-Region sowie der Busch im Südosten des<br />

Landes. Seit der Abschaffung der Apartheid räumt man dem Umweltschutz einen höheren<br />

Stellenwert ein. Es gibt Bestrebungen, verschiedene gefährdete Arten, u. a. das schwarze<br />

Rhinozeros, den Pangolin und den Buckelwal vor dem Aussterben zu bewahren.<br />

Der Flächen- und Gebietsschutz Südafrikas umfasst verschiedene Nationalparks, mehrere<br />

hundert Naturschutzgebiete sowie einige Wildreservate in Privatbesitz. Insgesamt nehmen<br />

<strong>die</strong>se Areale etwa 5,4 % (1997) der gesamten Landesfläche ein. Die Bevölkerung Südafrikas<br />

wächst rasch, was einen schnellen Abbau der Rohstoffe und eine stärkere Belastung der<br />

Umwelt zur Folge hat.<br />

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2009<br />

9


Löhne und Preise in Südafrika<br />

Monatliches Einkommen<br />

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------<br />

Landwirtschaft:<br />

Taglohn Rand 55<br />

Industrie:<br />

Ungelernte: Maximal Rand 3000/Monat<br />

Warenkorb<br />

Seife R 3-00<br />

Soft Drinks (Coca Cola) R 4-00<br />

1 kg Reis R 1-30<br />

1 kg Mais R 6-75<br />

1 kg Kartoffeln R 2-20<br />

1 kg Fleisch Huhn R 18-00<br />

Schaf R 25-00<br />

1 l Milch R 5-25<br />

Kugelschreiber R 5-00<br />

Schreibblock R 2-80<br />

Schuluniform R 700-00<br />

Jährliche Schulgelder R 3`800-00<br />

Internat R 6`000-00/Jahr aufwärts<br />

Schulbücher und Hefte R 800-00/Jahr<br />

Wechselkurs 1CHF = Rand 16.04<br />

10


Landesprogramm Südafrika (Kurztext)<br />

Veränderungen und eine bessere Zukunft schaffen<br />

Noch immer lastet das Erbe des Apartheidsystems schwer auf der Republik Südafrika. Die<br />

Kluft zwischen Arm und Reich vertieft sich weiter und mehr als <strong>die</strong> Hälfte der Menschen<br />

Südafrikas lebt unter der Armutsgrenze. Die Arbeitslosenquote ist auf über 40 Prozent gestiegen.<br />

Noch immer sind Schwarze besonders auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Ein<br />

Grossteil der Bevölkerung wohnt auf engstem Raum in Townships, jenen Wohn<strong>gegen</strong>den,<br />

<strong>die</strong> während der Apartheid in Südafrika für <strong>die</strong> schwarze, farbige oder <strong>die</strong> indische Bevölkerung<br />

eingerichtet wurden.<br />

Zudem ist fast ein Viertel der Bevölkerung HIV-positiv. Täglich sterben 600 Menschen an<br />

Aids. Gemäss einer Prognose wird <strong>die</strong> durchschnittliche Lebenserwartung in Südafrika bis<br />

2008 von 60 Jahren auf etwa 40 Jahre sinken. Viele Aidswaisen bleiben zurück. Betroffen<br />

sind eine Million Kinder unter 18 Jahren. «Angesichts von soviel Elend möchte ich einen Beitrag<br />

leisten, um das Leben der Menschen zu verbessern. Denn ich bin davon überzeugt,<br />

dass eine Veränderung möglich ist», so Quraisha Nagdee, Programmbegleiterin des <strong>Fastenopfer</strong>s<br />

in Südafrika. Das <strong>Fastenopfer</strong> setzt sich in Südafrika dafür ein, dass <strong>die</strong> strukturellen<br />

Gründe für <strong>die</strong> Armut und <strong>die</strong> Ungerechtigkeit schrittweise beseitigt werden. «Wir möchten<br />

<strong>die</strong> Armen und Benachteiligten stärken, so dass sie sich selber <strong>gegen</strong> Ausbeutung und wirtschaftliche<br />

Ungerechtigkeit wehren können», meint Walter Ulmi, ehemaliger Programmverantwortliche<br />

des <strong>Fastenopfer</strong>s. Indem sich <strong>die</strong> Bauern und Landlosen organisieren, können<br />

sie auf <strong>die</strong> Regierung Druck ausüben, damit <strong>die</strong>se Reformen, insbesondere <strong>die</strong> Landreform,<br />

vorantreibt. Die Rolle der Kirche ist es, <strong>die</strong>se Nation im Übergang zu unterstützen, indem sie<br />

zwischen den Opponenten vermittelt.<br />

11


Bild: <strong>Fastenopfer</strong><br />

12


Berichte aus Südafrika<br />

Aus dem Reisebericht 2005 zu Südafrika von Walter Ulmi<br />

Situation im Land<br />

Nach nun 10 Jahren „Freies Südafrika“ muss anerkannt werden, dass der soziale Ausgleich zur<br />

Überwindung der Apartheid (<strong>die</strong> so genannte „delivery“) nicht rasch genug stattgefunden hat. Dem<br />

positiven Wirtschaftswachstum steht eine negative Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und den Einkommen<br />

der Unterschichten <strong>gegen</strong>über. 45-55 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze.<br />

Während Präsident Mbeki in der ersten Amtszeit vor allem darauf setzte, durch optimale Rahmenbedingungen<br />

Investitionen und Kapital anzuziehen und damit eine schwarze Mittelschicht zu schaffen<br />

sowie Südafrika aussenpolitisch zu positionieren (z.B. NEPAD), steht jetzt in seiner zweiten Amtszeit<br />

<strong>die</strong> Schaffung von Arbeitsplätzen zur Armutsbekämpfung im Vordergrund. Die Arbeitslosenrate liegt<br />

durchschnittlich bei über 40% und liegt in einzelnen Regionen noch weit höher. Mit andern Worten, 8<br />

Mio. sind arbeitslos, viele von ihnen Jugendliche. Soziale Ungleichheit und Armut haben sich im Postapartheid<br />

Südafrika institutionalisiert – es existieren zwei parallele Ökonomien, <strong>die</strong> nicht integriert sind<br />

und ein eigentlicher „trickle down effect“ hat nicht stattgefunden.<br />

Als positive Entwicklungen sind zu vermerken:<br />

Der Nationenbildungsprozess kommt, wenn auch langsam, voran<br />

Rassismus ist langsam am Abnehmen<br />

Der politische Wille, Probleme anzupacken, ist vorhanden<br />

Die Regierung weiss, dass sie in den nächsten Jahren nur etwas erreichen kann, wenn sie <strong>die</strong> Zivilgesellschaft<br />

mit einbezieht. Das widerspiegelt sich zum Beispiel im aktiven Umwerben der Kirchen. Die<br />

politischen Zentralisierungstendenzen haben sich eher verstärkt. Policies werden im wesentlichen<br />

vom President`s Office gemacht, dessen Beraterstab inzwischen auf über 300 Personen angewachsen<br />

ist, während <strong>die</strong> Ministerien und vor allem das Parlament auf der Policyebene an Bedeutung verloren<br />

haben. Die Provinzregierungen haben wenig Macht und auf der Gemeindeebene (Local Government)<br />

herrscht oft Chaos und hat sich <strong>die</strong> Qualität der Gouvernanz kaum verbessert. Häufig werden<br />

Lokalregierungen und das lokale Office des ANC von den BürgerInnen als identisch wahrgenommen.<br />

In der sehr zurückhaltenden Position der südafrikanischen Regierung <strong>gegen</strong>über der Krise in Zimbabwe<br />

(aber auch andern Ländern wie Sudan) zeigt sich, dass <strong>die</strong> „Solidarität“ mit afrikanischen Führern<br />

beziehungsweise eine „afrikanische Einheit“ klar vor <strong>die</strong> Einhaltung von Menschenrechten gestellt<br />

wird. Doch Südafrika steht unter einem Handlungsdruck, denn zwischen einer und zwei Millionen<br />

Flüchtlinge aus Zimbabwe leben in Südafrika. Das entspricht rund 15 % der zimbabwischen Bevölkerung.<br />

Dazu kommen weitere 4 Mio. „illegale“ Wirtschaftsflüchtlinge, so steigt <strong>die</strong> Gesamtzahl der<br />

Flüchtlinge auf 6 Mio. Dies bildet einen zusätzlichen negativen Faktor auf <strong>die</strong> schon ohnehin herrschende<br />

Armut.<br />

Die Rate der HIV/AIDS Neuinfektionen ist immer noch ansteigend und das Programm für ARV-<br />

Medikamente läuft nur sehr langsam an. Die Zahl der Menschen mit HIV/AIDS ist auf über 5,3 Mio.<br />

gestiegen, doch Zugang zu Medikamenten hatten bis vor kurzem erst knapp 20`000 Menschen (2.7<br />

%) Ungefähr 1 Mio. Kinder unter 18 Jahren haben bis jetzt ihre Mütter verloren. Drei von hundert<br />

Haushalten werden von Kindern geführt. Sie tragen Verantwortung für ihre Geschwister auf Kosten<br />

von Erziehung und Zukunft.<br />

Folgerungen sind:<br />

Fehlen eines motivierenden Umfeldes<br />

Gefühl des Gefangenseins in der Armutsfalle<br />

Hoffnungslosigkeit, besonders unter Jugendlichen<br />

Zunehmender Drogenkonsum, Sexuelle Gewalt<br />

Materialismus, Eigenfortschritt ohne Rücksichtnahme auf anderes und andere<br />

Verlust von Bedeutung und Zweck in Gesellschaft<br />

13


Südafrikanisches Wunder mit Nachwirkungen<br />

Südafrika hat es vom Apartheidregime zur gemischtrassigen Demokratie geschafft, ohne<br />

dass es zum befürchteten Bürgerkrieg kam. Der Übergang ist ein kleines Wunder, das ohne<br />

das Charisma von Nelson Mandela nicht möglich gewesen wäre. Von der Rassendiskriminierung<br />

sind <strong>die</strong> Schwarzen jetzt zwar befreit, sie sind aber nach wie vor Opfer tief greifender<br />

sozialer und wirtschaftlicher <strong>Ungleichheiten</strong>.<br />

Von Jane-Lise Schneeberger.<br />

Ende der achtziger Jahre bekommt das Apartheidregime Risse. Trotz verstärktem Druck<br />

kann der Aufstand in den Townships nicht zerschlagen werden. Und <strong>die</strong> internationalen<br />

Sanktionen isolierten das Land mehr und mehr. Alle Beobachter sagen einen furchtbaren<br />

Rassenkonflikt voraus. Präsident Frederik de Klerk muss Zugeständnisse machen und kündigt<br />

1990 <strong>die</strong> Legalisierung der Oppositionsbewegungen, <strong>die</strong> Aufhebung der Apartheid und<br />

<strong>die</strong> Freilassung Nelson Mandelas, des Führers des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC)<br />

an, der seit 27 Jahren im Gefängnis sitzt.<br />

Nelson Mandela steht an der Spitze einer Organisation, welche <strong>die</strong> Abschaffung der weissen<br />

Vorherrschaft anstrebt. Er geht aber lieber den Weg des politischen Kompromisses und der<br />

Versöhnung als jenen der Konfrontation. Er ist bereit, mit der weissen Minderheit <strong>die</strong> Ausarbeitung<br />

einer provisorischen Verfassung, <strong>die</strong> Bildung einer Übergangsregierung und den<br />

Machtübergang auszuhandeln. Die harten und oft stürmischen Verhandlungen dauern drei<br />

Jahre. Sie werden von einem Wiederaufflammen der Gewalt zwischen dem ANC und der<br />

Zulu-Inkatha-Bewegung begleitet, mörderischen Konfrontationen, <strong>die</strong> aber auf <strong>die</strong> KwaZulu<br />

und <strong>die</strong> Vororte östlich von Johannesburg beschränkt bleiben.<br />

Nach den ersten gemischtrassigen Wahlen im Jahr 1994 kontrolliert der ANC fast zwei Drittel<br />

des Parlaments, und Mandela ist Präsident geworden. Ihm vor allem verdankt Südafrika das<br />

Wunder <strong>die</strong>ses fast friedlichen Übergangs, wie Paul Graham, Direktor des Instituts für <strong>die</strong><br />

Demokratie in Südafrika (IDASA) ausführt: „Unter der Führung Nelson Mandelas handelte<br />

der ANC besonders besonnen und zeigte eine grosse Reife. Im Übrigen herrschte damals in<br />

Südafrika ein starker Wunsch nach Veränderung. Die zahlreichen Akteure der Zivilgesellschaft<br />

waren bereit, den Übergangsprozess mit all seinen mühevollen Etappen zu unterstützen.“<br />

Gefahren für <strong>die</strong> Sicherheit<br />

Es war eine riesige Aufgabe. Als alle Gesetze der Apartheid aufgehoben waren, mussten <strong>die</strong><br />

rechtlichen und institutionellen Grundlagen für einen Umbau des Staates geschaffen werden.<br />

Die 1996 verabschiedete Verfassung gilt als eine der progressivsten der Welt. Sie enthält<br />

eine lange Deklaration der Grundrechte, welche nicht nur <strong>die</strong> politischen, sondern auch <strong>die</strong><br />

wirtschaftlichen und sozialen Rechte garantiert. Alle anderen Gesetze des Landes müssen<br />

mit <strong>die</strong>ser Deklaration übereinstimmen. Mehrere unabhängige Institutionen überwachen <strong>die</strong><br />

Einhaltung der Demokratie und der Menschenrechte.<br />

Mehrere Bereiche wurden reformiert, zuallererst <strong>die</strong> Sicherheitskräfte, welche 40 Jahre lang<br />

der bewaffnete Arm der Apartheid waren. Das Sicherheitskonzept wurde vollständig neu definiert.<br />

Es umfasst nun auch <strong>die</strong> politische, <strong>die</strong> wirtschaftliche, <strong>die</strong> soziale und <strong>die</strong> Umweltdimension.<br />

In ihrem „Weissbuch über <strong>die</strong> Verteidigung“ anerkennt <strong>die</strong> Regierung, dass „<strong>die</strong><br />

schwerwiegendsten Gefahren für <strong>die</strong> Sicherheit des südafrikanischen Volks von den sozioökonomischen<br />

Problemen und der hohen Kriminalität kommen.“<br />

Es wurden verschiedene Massnahmen ergriffen, um <strong>die</strong> Lebensbedingungen der Schwarzen<br />

zu verbessern. Aber angesichts der riesigen Probleme, welche <strong>die</strong> Altlast der Apartheid sind,<br />

können sie nur wenig bewirken. In Bereichen wie Gesundheit, Wohnungswesen und Erziehung<br />

gibt es nach wie vor grosse <strong>Ungleichheiten</strong>. Die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der<br />

Armutsschwelle. Die ständig zunehmende Arbeitslosigkeit beträgt 37 Prozent und schürt <strong>die</strong><br />

kriminelle Gewalt. Dazu kommt <strong>die</strong> erschreckende Verbreitung des HI-Virus, von dem fast 20<br />

Prozent der Bevölkerung befallen sind.<br />

14


Schwierige Umsetzung in den Alltag<br />

Im Kooperationsbüro der DEZA in Pretoria weist Remy Duiven darauf hin, dass der Übergang<br />

erst vor acht Jahren stattfand: „In <strong>die</strong>ser Zeit wurden enorme Fortschritte gemacht. Auf<br />

institutioneller und gesetzlicher Ebene ist Südafrika vorbildlich. Aber jetzt kommt <strong>die</strong> schwierige<br />

Etappe der Umsetzung. Wie können <strong>die</strong>se Fortschritte in den Alltag übertragen werden?“<br />

Die DEZA unterstützt in Südafrika den Übergangsprozess vollumfänglich. Sie setzt vor<br />

allem auf <strong>die</strong> gute Regierungsführung, namentlich <strong>die</strong> Umgestaltung des Justizsystems. So<br />

beteiligt sie sich an der Ausarbeitung eines besonderen Verfahrens für jugendliche Straftäter.<br />

Ein weiters Programm betrifft <strong>die</strong> Umwandlung eines früher den Weissen vorbehaltenen Berufs,<br />

jenem des Sheriff oder Zivilgerichtsboten. Im Erziehungswesen bringt <strong>die</strong> Schweizer<br />

Hilfe Verbesserungen beim Unterrichtsmaterial und beim allgemeinen Betrieb einer Gruppe<br />

von Schulen in der Provinz Ostkap. Und schliesslich unterstützt <strong>die</strong> DEZA ein Projekt der<br />

Regierung zur Grundstückreform, deren Ziel es ist, Schwarzen Land zurückzugeben, das<br />

ihnen unter der Apartheid weggenommen wurde. „Der Zugang zu Justiz, Bildung und Eigentum<br />

sind wesentliche Komponenten der menschlichen Sicherheit“, betont Remy Duiven.<br />

Neue Dimensionen<br />

Das 1996 verkündete „Weissbuch über <strong>die</strong> Verteidigung“ definiert <strong>die</strong> nationale Sicherheitspolitik<br />

folgendermassen: „Im neuen Südafrika gilt <strong>die</strong> Sicherheit nicht mehr als vorwiegend<br />

militärisches und polizeiliches Problem. Sie wurde auf politische, wirtschaftliche, soziale und<br />

Umweltbereiche ausgedehnt. Priorität bei <strong>die</strong>sem Vorgehen hat <strong>die</strong> Sicherheit der Bevölkerung.<br />

Die Sicherheit wird so gewährleistet: <strong>die</strong> Bürgerinnen und Bürger leben in Freiheit,<br />

Frieden und Sicherheit. Sie beteiligen sich an der Regierungstätigkeit. Sie besitzen alle<br />

Grundrechte. Sie haben Zugang zu den Ressourcen und zu den lebenswichtigen Gütern. Sie<br />

leben in einer Umwelt, <strong>die</strong> ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen nicht gefährdet. Zu den Zielen<br />

der Sicherheitspolitik gehören <strong>die</strong> Festigung der Demokratie, <strong>die</strong> soziale Gerechtigkeit,<br />

<strong>die</strong> wirtschaftliche Entwicklung, eine sichere Umwelt sowie ein wesentlicher Abbau der Kriminalität<br />

und der politischen Instabilität.“<br />

Zugang zu Reichtum<br />

„Im wirtschaftlichen Bereich hat der ANC vollständig auf seine früheren sozialistischen Prinzipien<br />

verzichtet, welche <strong>die</strong> Verstaatlichung der Wirtschaft und <strong>die</strong> Neuverteilung der Produktionsmittel<br />

zum Ziel hatten.<br />

Anfangs der Neunzigerjahre entschloss er sich zu einer neoliberalen Wirtschaft nach dem<br />

Modell, welches sich seit dem Fall der Berliner Mauer in der Welt durchsetzt. Diese Wende<br />

hat den Übergangsprozess erleichtert, weil der ANC damit für <strong>die</strong> südafrikanische Finanzmacht<br />

zu einem akzeptablen Gesprächspartner wurde(…). Das Problem ist, dass der Neoliberalismus<br />

nur für eine Minderheit der Schwarzen, welche heute Zugang zu einer höheren<br />

sozialen Klasse haben, zu einer Umverteilung des Reichtums führte. Die grosse Mehrheit<br />

der schwarzen Bevölkerung lebt nach wie vor in Armut.“<br />

Patrick Harries, Ausserordentlicher Professor für afrikanische Geschichte an der Universität Basel<br />

15


Wer ist ein Afrikaner, eine Afrikanerin?<br />

Jeden Morgen fahre ich von einem der stillsten Vororte in den Trubel des Johannesburger<br />

Geschäftszentrums. Und bin erstaunt, dass mein Auto den Tumult der Minibusse auf der<br />

Market Street bis jetzt ohne jeglichen Kratzer überlebt hat („Holz anfassen“). Wenn mich <strong>die</strong><br />

Leute fragen, wo mein Büro liegt, trifft meine Antwort – Sauer Street in der Innenstadt – oft<br />

auf Mitgefühl. Und auf Ungläubigkeit, wenn ich sage, dass Mitgefühl unnötig sei, weil ich<br />

nämlich sehr gerne in der Innenstadt arbeite. Es ist schicker und attraktiver, eine Adresse in<br />

Sandton oder Rosebank zu haben, wohin <strong>die</strong> Südafrikanische Grossunternehmen vor dem<br />

Vordringen „Afrikas“ geflohen sind, weil sie sich einreden, <strong>die</strong>s sei ein Satellit Europas. Sie<br />

tun Johannesburg als „afrikanische Stadt“ ab. Was das bedeutet hängt davon ab, auf welcher<br />

Seite der Rassenabgrenzung man steht.<br />

Für viele Schwarze, <strong>die</strong> während der Apartheid wegen der Ausgangsperre abends um sechs<br />

Uhr draussen sein mussten, ist <strong>die</strong> Stadt nun kein Feindesland mehr. Jetzt können sie da<br />

arbeiten und auch einkaufen, und zwar praktisch alles, Kohl ebenso wie ein Paar Turnschuhe<br />

von den fliegenden Händlern auf dem Trottoir, wo sie früher den Weissen Platz machen<br />

mussten.<br />

In den Köpfen vieler Weisser sieht <strong>die</strong> Stadt anders aus. Sie sehen eine von Abfall übersäte<br />

Stadt mit Massen dunkelhäutiger, furchteinflössender Menschen. Vielleicht ist Johannesburg<br />

heute so. Aber deshalb lasse ich mich nicht zur Gefangenen meiner Angst machen. In den<br />

15 Jahren, seit ich hier lebe und arbeite, hatte ich mein Bankkonto in einer Stadtfiliale, auch<br />

als ich noch in Rosebank und Sandton arbeitete. In der Mittagspause gehe ich oft zu Fuss<br />

<strong>die</strong> acht Strassenzüge bis zur Bank. Das ist ungewöhnlich, einige meiner (weissen) Kollegen<br />

haben sich jahrelang nicht aus unserem Gebäude gewagt.<br />

Weiss, indisch, farbig und afrikanisch…<br />

Diese Angst der Weissen vor schwarzen Menschenmengen erlebte ich auch an meiner früheren<br />

Arbeitsstelle. Die Büros jener Zeitung lagen in Braamfontein, am Rand der Innenstadt.<br />

Da der Mietvertrag auslief, musste <strong>die</strong> Zeitung umziehen. Die Geschäftsführung wollte „demokratisch“<br />

sein und liess <strong>die</strong> Angestellten entscheiden, wohin. Schliesslich gab es zwei<br />

Möglichkeiten: wunderbare Büros in einem Stadtgebäude, wo <strong>die</strong> Mieten wegen der Flucht in<br />

<strong>die</strong> Vororte gesenkt werden mussten, oder ein schmuddeliges Lagerhaus in einem leblosen<br />

Teil eines Vorortes.<br />

Man würde meinen, <strong>die</strong> Wahl wäre klar – für eine Zeitung ist ein Ort mitten im Geschehen,<br />

mitten unter den Menschen, sicher besser.<br />

Die Redaktionsassistenten und einige höhere Angestellte – alles Weisse – drohten mit der<br />

Kündigung, wenn <strong>die</strong> Zeitung in <strong>die</strong> Stadt zöge. Die niederen schwarzen Ränge – junge Reporter<br />

und Reporterinnen, Telefonistinnen und Bibliotheksangestellte – waren sich einig: <strong>die</strong><br />

Stadt war praktischer. Schon jetzt mussten viele von ihren Townships mit zwei Bussen oder<br />

Taxis zur Arbeit fahren. Bei einem Büro in einem Vorort käme ein dritter Bus dazu, <strong>die</strong> Läden,<br />

in denen sie einkauften, wären zu weit weg.<br />

Die Geschäftsleitung (weiss) richtete sich nach den weissen Angestellten, welche im Allgemeinen<br />

mit dem Auto zur Arbeit fahren, den ganzen Tag hinter ihrem Pult sitzen, und dann<br />

wieder heimfahren. Warum sollte <strong>die</strong> Idee einer „afrikanischen Stadt“ Angst einflössen? Das<br />

ist eine der vielen Widersprüchlichkeiten in Südafrika.<br />

Ein Gesprächsthema beherrschte kürzlich wochenlang <strong>die</strong> Zeitungen: wer ist Afrikaner? Es<br />

begann mit einer Kolumne in der Zeitung „The Star“. Der Autor schrieb, er sei verletzt, wenn<br />

Südafrikaner als weiss, indisch, farbig und afrikanisch bezeichnet würden, denn er sei zwar<br />

weiss, aber trotzdem auch ein Afrikaner.<br />

Ein Universitätsprofessor antwortete, dass sich niemand verletzt fühlen müsse, wenn <strong>die</strong><br />

Afrikander sich bei ihrem richtigen Namen nannten, nachdem sie während Jahrhunderten<br />

von anderen definiert und als „Eingeborene“, „Kaffer“, „Mehrheit“, „Bantu“, „Nichteuropäer“<br />

bezeichnet worden waren.<br />

16


Eine Illusion und ein Widerspruch<br />

Der Kolumnist fand <strong>die</strong>se Antwort rassistisch, und dem stimmten viele Weisse zu, <strong>die</strong> an <strong>die</strong><br />

Zeitung schrieben. Andere Zeitungen nahmen das Thema auf, ebenso Radio und Fernsehen.<br />

Wie üblich waren <strong>die</strong> Meinungen nach Rassen getrennt.<br />

Es ist verständlich, wenn Aussenstehende denken, <strong>die</strong>ses Land sei geeint in seinem<br />

Wunsch, den Kontinent und alles, was dazu gehört, anzunehmen. Aber das ist eine Illusion.<br />

Die gleichen Leute, <strong>die</strong> offenbar so gern als „afrikanisch“ gelten möchten, sind irritiert, wenn<br />

Präsident Thabo Mbeki dem Kontinent, und insbesondere unserer Region, Frieden und<br />

Wohlstand bringen will. Mit denen haben wir nichts zu tun, sagen sie. Warum kümmert sich<br />

<strong>die</strong> Regierung nicht um unsere eigenen Angelegenheiten?<br />

Und <strong>die</strong> Afrikander, welche plötzlich so stolz sind, sich so zu nennen, zeigen eine extreme<br />

Fremdenfeindlichkeit <strong>gegen</strong>über anderen Afrikanern, <strong>die</strong> aus den Ländern nördlich von uns<br />

kommen.<br />

Was macht einen Afrikaner, eine Afrikanerin aus? Sie gehören zu den widersprüchlichsten<br />

Menschen der Welt. Und das Leben in Südafrika? Es mag vieles sein, niemals aber langweilig.<br />

Lizeka Mda ist Executive Editor und Ressortleiterin „Features“ bei „The Star“, einer der<br />

grössten Tageszeitungen Johannesburgs. Die bestandene Journalistin arbeitet seit 1984 bei<br />

verschiedenen Magazinen und Zeitungen Südafrikas und beschreibt mit spitzer Feder regelmässig<br />

<strong>die</strong> Zustände in ihrem Heimatland.<br />

17


Thuli Hlatshwayo: Leben oder Tod - <strong>die</strong> Wahl liegt bei dir<br />

Ein Bericht auf Südafrika<br />

Mein Leben war nie einfach. Bei meiner Geburt war meine Mutter erst 16 Jahre alt. Ich wuchs in<br />

der ländlichen Gegend von Badplaas (Eastern Transvaal), Südafrika auf. Während meine Mutter<br />

ihre Ausbildung zur Primarlehrerin abschloss, verbrachte ich viel Zeit bei meiner Grossmutter.<br />

Auch wenn das Leben hart war, wusste ich immer, dass ich geliebt wurde.<br />

Bei uns zu Hause wurde viel Wert auf eine gute Ausbildung gelegt. Obwohl meine Mutter mich<br />

und meine jüngere Schwester alleine aufzog, achtete sie sehr darauf, dass ich <strong>die</strong> Schule erfolgreich<br />

absolvierte.<br />

Nach der Matura besuchte ich <strong>die</strong> Universität von Cape Town und erhielt dort mein erstes Diplom<br />

in Bibliothekswissenschaft. Zu <strong>die</strong>ser Zeit hatte ich bereits eine Tochter. Sie war neun Monate alt.<br />

Als ein Mitstudent den Vater meiner Tochter auf dem Gelände der Universität tötete, war ich verzweifelt<br />

und am Boden zerstört.<br />

Aber egal, was mir auch widerfuhr: ich liess den Kopf nicht hängen, gab nicht auf und liess mich<br />

schon gar nicht davon abhalten, meine Ziele zu erreichen.<br />

Ich war eine Überlebende und hatte mein ganzes Leben noch vor mir. Während ich mein Studium<br />

beendete, kümmerte sich meine Mutter um meine Tochter.<br />

1997 arbeitete ich als Bibliothekarin und stu<strong>die</strong>rte weiterhin an der Universität von Natal um ein<br />

weiteres Diplom in Bibliothekswissenschaft zu erlangen. Zu <strong>die</strong>ser Zeit verliebte ich mich in einen<br />

Arbeitskollegen und wir zogen zusammen. Später wollte mein Freund ein Haus für uns kaufen,<br />

wofür er eine Lebensversicherung brauchte. In Südafrika verlangen <strong>die</strong> meisten Versicherungen<br />

vor dem Abschluss einer Lebensversicherung ein ärztliches Zeugnis, zusammen mit einem negativen<br />

HIV-Test.<br />

Die Versicherung hätte ihm noch nicht Bescheid gegeben, erzählte er mir zweimal. Ein ungutes<br />

Gefühl machte sich damals in mir breit. Ich verdrängte es. Dann wurde ich immer kränklicher. Ich<br />

war andauernd müde, musste während der Arbeit richtig kämpfen um wach zu bleiben. Trotzdem<br />

schlief ich oft an meinem Pult sitzend ein. Schliesslich entschied ich mich, einen HIV-Test machen<br />

zu lassen.<br />

Es war Valentinstag, 14. Februar 1998. Auf dem Weg zu einer Valentins-Feier fuhren wir noch<br />

schnell bei meinem Arzt vorbei. Mein Freund wusste nicht, warum mein Arzt mich sehen wollte.<br />

Das Ergebnis des Tests war positiv, war niederschmetternd. Ich konnte weder sprechen, noch<br />

weinen und fühlte mich völlig leer. Trotz der Diagnose lebte ich weiter wie zuvor. Ausser am<br />

nächsten Sonntag, da ging ich das erste Mal nicht zur Kirche. Wenn <strong>die</strong>s Leuten widerfährt, <strong>die</strong><br />

zur Kirche gehen, dann gehe ich nicht mehr hin, fuhr es mir durch den Kopf.<br />

In den nächsten Tagen hatte ich weder Lust zu Essen, noch zu Arbeiten, noch irgendetwas zu<br />

tun. Der Gedanke über den nahen Tod hatte sich in meinem Kopf festgesetzt. Ich konnte an<br />

nichts anderes mehr denken. Eines Tages überlegte ich mir sogar, wo ich überall Kredite aufnehmen<br />

könnte. Ich malte mir in Gedanken aus, alles zu kaufen, was ich schon immer wollte.<br />

Denn bis zum Verfallstag der ersten Rate wäre ich bereits tot, dachte ich.<br />

Als ich meinem Freund von der HIV-Infizierung erzählte, verhielt er sich sehr mitfühlend. Er wusste<br />

mehr als ich, <strong>die</strong>s spürte ich sofort. Er war auch HIV-positiv und das war auch der Grund, warum<br />

er keine Lebensversicherung abschliessen konnte. Am Anfang war ich nicht wütend auf ihn.<br />

Er sollte sich nicht schuldig fühlen. Mit der Zeit frass mich das Wissen aber auf. Das Wissen darüber,<br />

dass er bewusst das Risiko eingegangen war, mich mit HIV zu infizieren. Ich stellte mir<br />

immer wieder vor, wie ich ihn töte. In einer Nacht, er hatte Kopfschmerzen, gab ich ihm zwei<br />

Schlaftabletten, anstelle von Schmerzmittel. Als er schlief, drückte ich ihm das Kissen ins Gesicht.<br />

Dies aber nicht lange genug um ihn zu ersticken. Am nächsten Tag beim Frühstück erzählte<br />

ich ihm, was ich in der Nacht getan hatte. Er entschied sich auszuziehen.<br />

Im Oktober 1998 liess ich mir <strong>die</strong> Gebärmutter entfernen. Dies war <strong>die</strong> erste Entscheidung seit<br />

dem positiven Testergebnis, <strong>die</strong> ich zu fällen hatte: keine weiteren eigenen Kinder. Zu <strong>die</strong>ser Zeit<br />

bat ich auch einen Priester, meiner Familie von der HIV-Infizierung zu erzählen. Ich schaffte es<br />

selber einfach nicht. 1998 verbrachte ich zum ersten Mal Weihnachten ohne meine Familie. Ich<br />

konnte ihnen einfach noch nicht ins Gesicht sehen.<br />

18


Irgendwann im neuen Jahr besuchte ich meine Familie. Ich wollte unbedingt mit ihnen sprechen.<br />

Darüber, was mir widerfahren war, wie ich mich fühlte. Sie wollten aber einfach nicht zuhören. Sie<br />

taten, als wäre nichts geschehen. Ich fühlte mich in meiner Einsamkeit gefangen und verspürte<br />

einen unerträglichen Schmerz.<br />

Dann entschied ich mich, meinem Leben selber ein Ende zu setzen - entschied Selbstmord zu<br />

begehen. In einer Freitagnacht zerdrückte ich 90 Schlaftabletten, löste sie in einem Glas Wodka<br />

auf und spülte alles mit Wodka herunter - bis <strong>die</strong> Flasche leer war. Während vier Tagen lag ich<br />

bewusstlos in meiner Wohnung. Freunde und Verwandte riefen mich an und kamen auch vorbei,<br />

fanden mich aber nicht.<br />

Am Montag, als ich nicht zur Arbeit erschien, machte sich mein Freund auf <strong>die</strong> Suche nach mir.<br />

Er fand mich in meiner Wohnung. Als ich später im Spital aufwachte, wollte ich am liebsten wieder<br />

zurück, wollte weiterschlafen. Aber langsam kam ich wieder zu Bewusstsein. Es dämmerte<br />

mir, dass normalerweise niemand 90 Schlaftabletten zusammen mit einer Flasche Wodka überlebt.<br />

Nicht, wenn es Gott nicht will. Ich erkannte, dass ich mich dem Willen Gottes fügen musste,<br />

egal was es mich kosten würde.<br />

Im Jahr 2000 zog ich in <strong>die</strong> Nähe meiner Familie. Ich wollte bei ihnen sein, wenn ich bald schon<br />

sterben würde. Meine Familie benahm sich weiterhin so, als wäre alles, wie es schon immer war.<br />

Im Jahr 2001 schrieb ich einen Artikel für das Kirchenblatt mit dem Titel „How can we be Positive<br />

about being Positiv?“ („Wie können wir als HIV-Infizierte optimistisch sein?“). In <strong>die</strong>sem Artikel<br />

beschrieb ich <strong>die</strong> Vereinsamung, <strong>die</strong> ich erfuhr, sowie den Schmerz, den ich dadurch verspürte.<br />

Meine Mutter las den Text im Kirchenblatt. Sie begann endlich zu verstehen, zu welchem Albtraum<br />

sich mein Leben gewandelt hatte. Sie kam auf mich zu. Ich konnte mit meiner Mutter und<br />

meiner Schwester über meine Gefühle sprechen wie auch über das Leben mit HIV. Von <strong>die</strong>sem<br />

Moment an fiel es mir einfacher, mein Schicksal zu ertragen.<br />

Ich hatte <strong>die</strong> Wahl: Leben oder Tod. Ich entschied mich für das Leben und begann wieder zu<br />

beten. Diese Entscheidung muss ich an jedem Tag von neuem fällen. Wenn ich spüre, dass ich<br />

es nicht schaffe zu beten, dann bitte ich andere für mich zu beten. Ausserdem spreche ich mit<br />

anderen über meine Krankheit. Dies braucht heute noch immensen Mut. Ich tue es nicht nur für<br />

mich, sondern auch für andere, <strong>die</strong> das Gleiche durchmachen müssen. Denn in Südafrika wird<br />

das Thema HIV/Aids noch immer ignoriert und HIV-Infizierte und Aids-kranke Menschen werden<br />

diskriminiert.<br />

Doch ich bin eine von den wenigen Glücklichen. In der Zwischenzeit wurden mein Exfreund und<br />

ich Freunde. Wir unterstützen einander <strong>gegen</strong>seitig. Obwohl wir getrennt leben, fühlen wir doch,<br />

dass der Schmerz uns verbindet. Er ist heute der einzige Freund, der wirklich versteht, was ich<br />

durchmache. Egal was <strong>die</strong> Zukunft bringt, ich werde seine Freundschaft immer schätzen. Ich<br />

lernte, dass nicht ich es bin, <strong>die</strong> urteilt über ihn oder das, was er getan hat.<br />

Meine Familie ist heute eine grosse Stütze für mich. Ich bin gesegnet mit einer Tochter, <strong>die</strong> gesund<br />

und stark ist. Ich habe einen guten Job, Arbeitskollegen und Freunde, <strong>die</strong> mich unterstützen.<br />

Ich bekomme medizinische Hilfe. Die Kosten für meine AIDS-Medikamente, wie auch für <strong>die</strong><br />

Psychotherapie werden übernommen. Dass ich bereits so weit gekommen bin auf meinem Weg,<br />

habe ich aber hauptsächlich meinem Glauben an Gott zu verdanken. Ich bin sehr engagiert in der<br />

Kirche sowie in der HIV/Aids-Arbeit. Anderen helfen mit ihrem Schicksal klarzukommen, ist Gottes<br />

Plan für mein Leben. Daran glaube ich. Der Plan, vor dem ich nicht flüchten konnte. Ich habe<br />

meine Wahl getroffen: ich bleibe und bete. Ich bete bis ein Heilmittel gefunden wird. Ich bin mir<br />

sicher, dass ich in <strong>die</strong>sem Moment tot umfalle, wo ich höre, dass ein Heilmittel entdeckt wurde.<br />

Dies vor Freude. Meine Krankheit, mein Leben lernte mich <strong>die</strong>se Lektion: „Wenn etwas Schlimmes<br />

passiert und du dich entscheidest, es als Segen anzunehmen, anstelle eines Fluches, dann<br />

wird es auch zu einem Segen werden“. Heute kann ich sagen: Gott hat mich reichlich gesegnet.<br />

19


Wie Armut zu Aids führt<br />

„Mein Ehemann verlangt oft Geschlechtsverkehr, wenn ich nicht will. Aber ich habe gelernt nicht<br />

zu streiten, da er sonst ‚da unten’ nur noch gröber wird und mir noch mehr Schmerzen zufügt“ -<br />

<strong>die</strong> Geschichte der Frau ist kurz und leidvoll. Nennen wir <strong>die</strong> Frau Laila. Laila will nicht, dass ihr<br />

wirklicher Name in der Zeitung erscheint. Laila ist HIV-Trägerin. Bei Pacsa (Pietermaritzburg<br />

Agency für Christian Social Awareness), einer Partnerorganisation des <strong>Fastenopfer</strong>s, hat sie nun<br />

gelernt, über <strong>die</strong> Gewalt <strong>gegen</strong> sie zu sprechen.<br />

Lailas Schicksal ist kein Einzelfall. Jeder dritte Mann misshandelt und missbraucht seine Partnerin.<br />

Pro Minute werden in Südafrika zwei Frauen vergewaltigt. „Es sind nicht nur <strong>die</strong> Armen, doch<br />

<strong>die</strong> Armut ist ein wesentlicher Faktor für Gewalt“, sagt Quraisha Nagdee, welche <strong>die</strong> Arbeit des<br />

<strong>Fastenopfer</strong>s in Südafrika von Kapstadt aus koordiniert. Armut und Gewalt leisten Aids Vorschub.<br />

Und <strong>die</strong>s auf vielfältige Art.<br />

Am offensichtlichsten wird <strong>die</strong>s bei einem fatalen Irrglauben, der in Südafrika vorherrscht: Viele<br />

HIV-positive Männer sind überzeugt, dass Sex mit einer Jungfrau sie von Aids heilen könne, erklärt<br />

Nagdee. Weil <strong>die</strong> Täter „sicher gehen“ wollen, werden immer öfter auch Kinder und Babys<br />

Opfer von Übergriffen.<br />

Armes Südafrika<br />

Armut bestimmt das Leben in Südafrika. Die Fassade des boomenden Tourismus täuscht. Mehr<br />

als zehn Jahre nach Ende der Apartheid lebt der Grossteil der Bevölkerung in absoluter Armut.<br />

Um etwas Essbares auf den Tisch zu kriegen, prostituiert sich eine steigende Zahl Frauen – unter<br />

ihnen Ehefrauen und Mütter. In Südafrika kommt eine weitere Form der Gelegenheitsprostitution<br />

hinzu: In der Moralvorstellung vieler Frauen ist es gewissermassen ein Statussymbol, sich von<br />

einem reicheren Mann aushalten zu lassen.<br />

Die Armut ist aber auch ein wichtiger Grund für <strong>die</strong> Migration innerhalb Südafrikas. Auf der Suche<br />

nach Arbeit ziehen vor allem junge Männer vom Land in <strong>die</strong> Stadt, in ein Camp bei den Minen<br />

oder von einer Farm zur andern. Viele von ihnen haben nebst der Freundin oder Familie im Heimatort<br />

auch am neuen Domizil eine Liebhaberin oder sogar eine zweite Familie. Dadurch können<br />

HIV-Viren an einem einzigen Wochenende Distanzen von Hunderten von Kilometern überwinden.<br />

Mit verheerenden Folgen.<br />

Männer als Partner<br />

Beim <strong>Kampf</strong> <strong>gegen</strong> Aids kommt der Gewaltprävention eine enorme Bedeutung zu. Die entsprechenden<br />

Kampagnen zeigen eine gewisse Wirkung: So existieren inzwischen genauere Zahlen<br />

über Vorfälle häuslicher Gewalt, und <strong>die</strong> Tragweite des Problems rückt zunehmend ins Bewusstsein<br />

der Menschen.<br />

Die Gender-Arbeit verändert sich. Bislang wurden innerhalb von <strong>Fastenopfer</strong>-Projekten Frauen<br />

ausgebildet, damit sie sich besser <strong>gegen</strong> häusliche Gewalt zur Wehr setzen können. Nagdee<br />

hatte unerwartete Reaktionen: „Diese Frauen kommen jetzt und sagen, warum denn nicht ihr<br />

Mann, der sie schlägt und vergewaltigt, auch ausgebildet wird; damit er lernt, sich nicht mehr<br />

gewalttätig zu verhalten. Die Männer geraten so zunehmend ins Blickfeld der Kampagnenarbeit.“<br />

Warum werden Männer in Südafrika gewalttätig? Gemäss Nagdee müssen sie neue Rollen lernen<br />

und sind stark verunsichert. „Die Männer sind häufiger arbeitslos als Frauen, ihr Selbstwertgefühl<br />

leidet.“ Dazu war es viele Jahrzehnte „normal“, dass schwarze Männer ihre Familien „kontrollierten“.<br />

Sie wurden von den Weissen unterdrückt und gaben den Druck in Form von Misshandlungen<br />

weiter. „Vergewaltigung ist immer eine Form von Kontrolle und hat nichts mit Sexualität<br />

zu tun“, betont Nagdee. Heute sucht man in den Projekten „Men as Partners“ (Männer als<br />

Partner) Männer, <strong>die</strong> an Orten wie Pubs, Sportplätzen etc. andere Männer ansprechen und mit<br />

ihnen über ihre Erfahrungen sprechen. So werden Männer für das Thema häusliche Gewalt sensibilisiert<br />

und lernen, gewaltfrei Konflikte zu bewältigen.<br />

20


Armut macht krank<br />

Auch <strong>die</strong> Sicherung der Lebensgrundlagen kommt letztlich der Aids-Bekämpfung zugute. Quraisha<br />

Nagdee erzählt von einer Tuberkulose-Kranken, <strong>die</strong> ihre Medikamente nicht regel-mässig<br />

einnahm. An den Kosten für <strong>die</strong> Medikamente lag es nicht: Diese werden durch staatliche Programme<br />

gratis abgegeben: „Die Kranke sagte mir, sie müsse <strong>die</strong> Tabletten drei Mal täglich nach<br />

der Mahlzeit einnehmen. Sie könne sich jedoch nur drei Mal wöchentlich etwas zu essen leisten.<br />

Nehme sie <strong>die</strong> Medikamente ohne Nahrung zu sich, leide sie unter massiven Nebenwirkungen.“<br />

Deshalb blieb der Kranken nichts anderes übrig, als <strong>die</strong> Medizin unregelmässig einzunehmen -<br />

mit verheerenden Folgen. So sterben <strong>die</strong> HIV-Infizierten in Südafrika an Malaria, Tuberkulose<br />

oder Lungenentzündung – weil sie zuwenig zu essen haben.<br />

„Schachtel der Erinnerung“<br />

Aids hat viele Kinder zu Waisen gemacht. „Es gibt Grosseltern, <strong>die</strong> ganze Gruppen von Enkelkindern<br />

betreuen“, erklärt Nagdee. Viele Waisen wachsen aber ohne familiäre Bindungen auf und<br />

verlieren im Laufe der Jahre jegliche Erinnerung an Mutter, Vater und Geschwister. Dies erschwert<br />

<strong>die</strong> Entwicklung einer eigenen Identität. Es droht <strong>die</strong> Verwahrlosung. Eine kleine Stütze<br />

ist das Projekt der Memory Box.<br />

Die „Schachtel der Erinnerung“ ist eine Sammlung von Gegenständen, welche eine Verbindung<br />

zum Verstorbenen haben, wie zum Beispiel Briefe, Tagebücher, Fotos, Dokumente, Tonbänder<br />

und andere Andenken. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Sinosizo, einer Partnerorganisation<br />

des <strong>Fastenopfer</strong>s, animieren <strong>die</strong> Waisen, <strong>die</strong> Gegenstände aufzubewahren. Diese helfen mit, <strong>die</strong><br />

Trauer zu verarbeiten und brechen Tabus auf, damit über den entstandenen Schmerz gesprochen<br />

werden kann.<br />

Ruinöser Brauch<br />

Ein weiteres Problem sind <strong>die</strong> hohen Auslagen für eine Beerdigung. Diese muss prächtig sein,<br />

um das Ansehen der Familie und <strong>die</strong> Ahnen zu ehren. Wenn einige Mitglieder einer Grossfamilie<br />

sterben, sind <strong>die</strong> Hinterbliebenen ruiniert. „Wir sprechen mit Verantwortlichen verschiedener Religionen<br />

und Gemeinden. Zusammen entwickeln wir einfache Formen der Beisetzung“, erzählt <strong>die</strong><br />

Konsulentin.<br />

Dass es noch viel zu tun gibt, zeigt das Beispiel von Nokhaya Makiwane, <strong>die</strong> in einem <strong>Fastenopfer</strong>-Projekt<br />

in KwaZulu-Natal mitarbeitet. Sie verlor ihr Kind bereits in jungen Jahren und entschloss<br />

sich für ein schlichtes Begräbnis, das ihren knappen finanziellen Verhältnissen entsprach.<br />

Dies wurde ihr in der Folge von der eigenen Familie und von der ganzen Gemeinschaft<br />

zum Vorwurf gemacht.<br />

Quraisha Nagdee weiss aus eigener Erfahrung, was Armut bedeutet. Während ihrer Kindheit in<br />

Kapstadt waren ihre Eltern meist arbeitslos, <strong>die</strong> Familie hungerte oft. Sie ist <strong>die</strong> erste Person in<br />

der Familie, <strong>die</strong> stu<strong>die</strong>rte. Ihre Eltern und ihr älterer Bruder unterstützten sie dabei finanziell, um<br />

ihre Ausbildung zu ermöglichen. „Diese Hilfe möchte ich an <strong>die</strong> Armen zurückgeben“, sagt sie.<br />

(Christiane Faschon und Patrick Frei)<br />

„Sechs meiner Kinder beerdigt“<br />

„Heute muss ich mit ansehen, wie mein letzter Sohn und <strong>die</strong> Schwiegertochter an Aids sterben.<br />

Seit dem Jahr 2000 habe ich sechs meiner Kinder beerdigt, sowie ein Enkelkind. Ich stecke in<br />

einem Krieg, der nicht einfach zu kämpfen ist. Heute leide ich, bin hungrig und allein. Ich vermisse<br />

meine Kinder. Sie waren <strong>die</strong> Quelle meiner Freude und meines Glücks.<br />

Ich sorge für fünf Grosskinder, <strong>die</strong> ihre Eltern verloren haben. Wir leben einzig von meiner bescheidenen<br />

Alterspension. 300 Rand (knapp 60 Fr.) müssen reichen. Für Waisenrenten mühe ich<br />

mich erfolglos ab.<br />

Ich fühle mich sehr schlecht, denn ich habe mich zuletzt dem Alkohol hingegeben. Ich weiss,<br />

dass es aussieht, als ob ich meine Verantwortung nicht wahrnehmen würde. Aber ich bin es müde,<br />

Menschen sterben zu sehen und mich um all <strong>die</strong> Kinder zu sorgen. Wie lange noch muss ich<br />

all <strong>die</strong>se Toten sehen? Ich bin dem Ganzen nicht mehr gewachsen.“<br />

(Von Gogo Gertrude Cele, Südafrika)<br />

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Bild: <strong>Fastenopfer</strong><br />

Bild: <strong>Fastenopfer</strong><br />

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Erzählungen aus Südafrika<br />

Shebeen und Potjiekos – ein Stück Südafrika<br />

Alex alias Daluxolo geht gerne in den Shebeen, eine illegale Bar in seinem Quartier. Bevor er sich<br />

setzt, begrüsst er seine Freunde mit einem besonderen Händedruck, auf Englisch: „southafrican<br />

handshake“. Sie geben sich <strong>die</strong> Hand, ergreifen dann <strong>gegen</strong>seitig den Daumen und geben sich wieder<br />

<strong>die</strong> Hand. Das geht ganz schnell, Hand-Daumen-Hand. Es gibt natürlich noch viele andere „handshakes“:<br />

Man gibt sich <strong>die</strong> Hand, drückt Daumen <strong>gegen</strong> Daumen und seitlich vorbei, damit es schnippt!<br />

Oder <strong>die</strong> Fäuste <strong>gegen</strong>einander stossen. Oder mit einer Faust auf <strong>die</strong> andere klopfen. Probier es am<br />

besten mal aus – und erfinde Deinen persönlichen „handshake“!<br />

Die alte Frau<br />

Sie war so zart, dass ihr ganzer Körper hierhin und dorthin schaukelte wie ein dünner Getreidehalm im<br />

Wind. Ihre Arme waren so flach wie Bretter. Das Fleisch hing kraftlos herunter, und ihre Hände, <strong>die</strong><br />

ihren Gehstock umklammerten, waren verdreht und vom Alter knotig. Die zerschlissenen Ränder mehrerer<br />

Unterröcke schaukelten ebenso unter ihrem langen Kleid. Darunter stakten zwei knochige<br />

Stockbeine hervor. Sie trug ein Paar Leinenschuhe. Alle Zehen waren zu sehen, so dass <strong>die</strong> Füsse<br />

haltlos in den Schuhen schlappten. Sie trug jeden Schuh am falschen Fuss, so dass sich einem das<br />

Herz umdrehte vor Lachen.<br />

Dennoch wirkte sie so stark, dass ich erschrak, als sie plötzlich vornüber gebeugt würgte und trocken<br />

hustete und dann wie ein stilles Seufzen zu Boden sank.<br />

„Was ist denn, hmm? Was ist los?“ fragte ich.<br />

„Wasser, Wasser“, sagte sie schwach.<br />

„Warten Sie einen Moment. Ich werde bei der Hütte fragen, ob sie Wasser haben.“<br />

„Was ist los?“ fragten sie dort.<br />

„Die alte Dame ist krank“, sagte ich.<br />

„Nein“ sagte sie kurz. „Ich bin nicht krank. Ich bin hungrig.“<br />

Die Menge lachte peinlich berührt, dass sie ihre Bedürfnisse so unverhüllt offenbarte.<br />

Sie wandte sich ab; alte Frauen aber schämen sich nicht mehr. Sie sind wie Kinder. Sie geben sich<br />

der Schwäche hin und scheuen sich nicht zu weinen, wenn sie hungrig sind.<br />

„Das macht nichts“, sagte ich. „Hunger ist etwas Fürchterliches. Meine Hütte ist nicht weit von hier.<br />

Das kleine Kind hier wird sie Ihnen zeigen. Warten Sie dort, ich komme gleich zurück und mache Ihnen<br />

etwas zu essen.“<br />

Dann war es später Nachmittag. Ich dachte schon längst nicht mehr an <strong>die</strong> alte Dame, als eine fremde<br />

junge Frau, <strong>die</strong> mir nicht bekannt war, mit einem Eimer Wasser auf dem Kopf auf meinem Hof erschien.<br />

Sie stellte den Eimer vor meine Tür und hockte sich auf <strong>die</strong> Erde. „Guten Tag. Wie geht es<br />

Ihnen?“ sagte ich.<br />

Sie erwiderte den Gruss, wobei ihr Gesicht leer blieb und ihr Blick vorsichtig gesenkt. Ich konnte unmöglich<br />

sagen: Was wollen Sie? Wen suchen Sie? Ich konnte das unmöglich zu einem vorsichtig<br />

gesenkten Blick sagen und zu einem Körper, der still und geduldig auf der Erde hockte. Ich schaute<br />

zum Himmel, hilflos. Ich schaute auf <strong>die</strong> Bäume. Ich schaute auf <strong>die</strong> Erde, <strong>die</strong> junge Frau aber sagte<br />

nichts. Ich kannte sie nicht, weder in- noch auswendig. Viele Leute, <strong>die</strong> ich nicht kenne, kennen mich<br />

in- und auswendig, und immer ist es dasselbe, <strong>die</strong>ses Schweigen.<br />

Eine neugierige Nachbarin sah über <strong>die</strong> Hecke.<br />

„Was ist los?“, fragte sie.<br />

Ich schaute wieder zum Himmel und hob hilflos <strong>die</strong> Schultern. „Frag <strong>die</strong> junge Frau, bitte, was sie will,<br />

wen sie sucht.“<br />

Die junge Frau wandte ihr Gesicht der Nachbarin zu, hielt ihren Blick immer noch gesenkt und sagte<br />

leise:<br />

„Nein, sagen Sie ihr, sie half unserer Verwandten, <strong>die</strong> heute Morgen zusammenbrach. Sagen Sie ihr,<br />

<strong>die</strong> Verwandten hätten darüber gesprochen. Sagen Sie ihr, dass wir ihr nichts dafür geben können,<br />

nur ein Verwandter sagte, er sehe sie jeden Tag Wasser holen gehen. So beschlossen wir, ihr einen<br />

Eimer Wasser zu bringen. Das ist alles, was wir haben“.<br />

Ja, sagen Sie es ihnen. Sagen Sie ihnen, wie natürlich, selbstverständlich und normal menschliches<br />

Ent<strong>gegen</strong>kommen ist. Sagen Sie es ihnen, denjenigen, <strong>die</strong> mein Land Afrika nach Gewinn und Gier<br />

beurteilen, dass <strong>die</strong> Götter hier barfuss gehen, ohne Hermelin und goldbesetzte Mäntel.<br />

23


Sommerhitze<br />

Den ganzen Tag schlafe ich hier unter dem Dornbusch, und <strong>die</strong> Wüste liegt rechts neben mir und<br />

links neben mir. Ich habe keine Arbeit. Wir warten alle auf den Regen, weil wir ohne Regen nicht<br />

pflügen können. Ich glaube, der Regen ist wieder verschwunden, wie im vergangenen Jahr. Wir<br />

hatten im November ein bisschen Regen, Dezember ist vorbei, und jetzt ist Januar, und jeden<br />

Tag sitzen wir hier und warten auf Regen: meine Mutter, meine Grossmutter und mein Grossvater,<br />

mein Cousin Lebenah und meine Schwester und ihr kleines Baby. Falls es regnen sollte, wird<br />

mein Grossvater den Pflug schieben, und mein Cousin Lebenah wird <strong>die</strong> Ochsen meilenweit über<br />

unser Land ziehen. Wir Frauen werden hinter ihnen hergehen und <strong>die</strong> Saat für Mais, Hirse, Kürbisse<br />

und Wassermelonen aussähen. Ich empfinde grosses Mitleid für meine Familie und andere<br />

Familien. Ich frage mich, warum wir hier sitzen. Jeden Tag scheint <strong>die</strong> Sonne heiss, heiss vom<br />

blauen Himmel. Jeden Tag wird <strong>die</strong> Wasserstelle des Novemberregens kleiner. Bald werden wir<br />

das Land verlassen und ins Dorf zurückkehren müssen.<br />

Im Dorf haben wir einen Politiker, der mit den Leuten auf den Hügel steigt und um Regen betet.<br />

Er trägt einen schicken Anzug und hat ein grosses, schwarzes Auto und eine schöne, tiefe, afrikanische<br />

Stimme. Sein Verstand ist schnell und springt von einem zum anderen. Er kann gleichzeitig<br />

beten, schreien und politische Reden halten. Die Leute glauben immer wieder, dass es<br />

sofort nach seinem Beten und Schreien zu regnen anfangen müsste. Sie nennen ihn den Mann,<br />

der Gott wachrüttelt.<br />

Eigentlich habe ich nicht den ganzen Tag geschlafen. Ich versuche, Englisch zu lernen. Mein<br />

Cousin Lebenah sagt, dass sich <strong>die</strong> Dinge in Afrika verändern und dass es für Frauen wichtig ist,<br />

sich weiterzubilden. Ich liebe meinen Cousin Lebenah so sehr, dass ich alles tue, was er mir<br />

sagt. Er sagt, Englisch sei <strong>die</strong> beste Sprache, <strong>die</strong> man erlernen kann, weil viele Bücher auf Englisch<br />

geschrieben wurden und man ein unendliches Wissen aus ihnen gewinnen kann. Er gab mir<br />

ein Geografiebuch, und ich habe es mehrmals durchgelesen. Ich bin verwirrt und habe Angst.<br />

Jedes Jahr wird <strong>die</strong> Sonne grausamer. Jedes Jahr sterben mehr und mehr unserer Rinder. Das<br />

einzige Tier, das überlebt ist <strong>die</strong> Ziege. Sie kann alles fressen, und wir essen <strong>die</strong> Ziege. Ich weiss<br />

nicht, was wir ohne <strong>die</strong> Ziege tun würden. Sie ist immer bei uns, wie <strong>die</strong> Familie. Sie hat ganz<br />

merkwürdige Augen. Sie sind gross und gelb, und <strong>die</strong> Pupille ist ein schwarzer Strich quer über<br />

den gelben Augapfel.<br />

Ich versuche auch, mich weiterzubilden, weil ich Angst habe, ein uneheliches Baby zu bekommen,<br />

wie meine ältere Schwester. Meine Familie hätte es sehr schwer. Und das Baby auch. Es<br />

könnte sterben. Wenn sich eine Frau weiterbildet, wird sie nicht so leicht zu viele Babys bekommen.<br />

Sie muss sich überlegen, wie sie das Baby ernähren, kleiden und waschen wird. Das Baby<br />

meiner Schwester ist aber süss. Es lacht viel, ganz ohne Grund.<br />

Mein Geografiebuch lässt mich viel nachdenken. Es sagt, dass Wasser aus Wasserstoff und<br />

Sauerstoff entsteht. Ich denke so oft darüber nach. Wenn wir überall grüne Pflanzen hätten,<br />

könnten sie erst Sauerstoff und dann Regen machen. Die Erde ist sehr fruchtbar. Wenn es nur<br />

ein bisschen regnet, wachsen <strong>die</strong> grünen Pflanzen überall und viele fremde Blumen. Wie können<br />

wir so leben? Hier stehen <strong>die</strong> Säcke voller Saat für Mais und Hirse, und <strong>die</strong> Erde ist steinhart.<br />

Morgen wird <strong>die</strong> Sonne leise aufgehen. Die vielen Vögel draussen werden sie begrüssen. Ich<br />

nicht. Allein, ohne <strong>die</strong> Hilfe des Regens, ist sie grausam, tötet und tötet. Wir beobachten sie, wie<br />

den Tod. Dann, am Abend, wird alles so sanft, wie wir sind. Mutter röstet Ziegenfleisch auf der<br />

Glut des Feuers. Meine Schwester nährt ihr Baby. Grossvater und Cousin Lebenah reden leise<br />

über kleine Dinge. Die Sterne breiten sich am Himmel aus und beugen sich über den Horizont.<br />

Das leise Gespräch von Grossvater und Cousin Lebenah scheint <strong>die</strong> Erde und den Himmel zusammenzuführen.<br />

Ich weiss nicht, was wir tun würden, wenn wir einander nicht so liebten, denn<br />

morgen wird <strong>die</strong> Sonne wieder aufgehen.<br />

Bessie Head<br />

24


Gebete aus Südafrika<br />

Selig, <strong>die</strong> Geduld haben mit mir,<br />

weil meine Füsse stolpern und<br />

meine Hände müde geworden sind.<br />

Selig, <strong>die</strong> begreifen, dass meine<br />

Ohren sich anstrengen müssen,<br />

um zu verstehen, was andere sagen.<br />

Selig, <strong>die</strong> es merken, dass meine<br />

Augen trüb und meine Gedanken<br />

träge geworden sind.<br />

Selig, <strong>die</strong> stehen bleiben und mir<br />

ein Lächeln schenken oder sich<br />

ein wenig Zeit nehmen,<br />

um mit mir zu plaudern.<br />

Gebet für <strong>die</strong> Menschen in Afrika<br />

Gott unser Vater,<br />

so rufen <strong>die</strong> Menschen an jedem Ort der Erde.<br />

Du hörst unser Rufen und Beten.<br />

Die Bitten der Leidenden und Trauernden<br />

gehen dir zu Herzen.<br />

Die Freude der Fröhlichen, <strong>die</strong> Solidarität der Friedensbringer erfreuen dich.<br />

Wir bitten dich heute für <strong>die</strong> Menschen in Afrika, <strong>die</strong> Not leiden.<br />

Aids zerstört ihre Familien und ihre Zukunft,<br />

Hunger bedroht ihr Leben,<br />

Unrecht und Korruption legen ihren Gemeinwesen Fesseln an und knebeln ihre Freiheit.<br />

Sei du an der Seite der Verzweifelten,<br />

der Trauernden, der Ermordeten, der Alleingelassenen.<br />

Wir bitten dich für <strong>die</strong> Menschen in Afrika, <strong>die</strong> voller Mut und Zuversicht sind.<br />

Gemeinsam Erreichtes stärkt ihre Hoffnung,<br />

der Dank derer, <strong>die</strong> zurück ins Leben finden, erhellt ihre Zukunft,<br />

Schritte zu Frieden und Gerechtigkeit stärken ihren Rücken.<br />

Schenke Kraft den Mutigen, den Entschlossenen, den Brückenbauern.<br />

Wir bitten dich für uns selbst.<br />

Das Leid der anderen rührt uns an,<br />

doch der Alltag ist mächtiger und rückt den Nächsten in <strong>die</strong> Ferne.<br />

Halte das Los der Armen in unseren Herzen wach<br />

Und lass uns mit den afrikanischen Schwestern und Brüdern<br />

gemeinsam für Afrika einstehen.<br />

So bitten wir mit Jesus Christus, dem Bruder jedes Menschen. Amen<br />

25


Zahllose afrikanische Kinder werden in eine Welt von<br />

Krankheit, Zerstörung,<br />

und sinnlosem Töten<br />

hineingeboren<br />

Menschen fragen sich<br />

warum Afrikaner singen und tanzen<br />

noch immer mit der Sonne<br />

lachen können<br />

nach all den Tränenströmen<br />

<strong>die</strong> sie durchwaten<br />

Doch in den hunderten von Jahren<br />

der Sklaverei<br />

des Kolonialismus<br />

der Apartheid<br />

hat uns etwas am Leben erhalten<br />

etwas das stark und lebendig in uns ist<br />

und <strong>die</strong> Weisheit unserer Ahnen war es<br />

<strong>die</strong> uns<br />

Einem magischen Ochsenkarren gleich<br />

immer weiter voranführte.<br />

Doch brauchten wir ein Licht<br />

um uns den Weg zu weisen<br />

damit wir nicht den falschen Weg in <strong>die</strong> Freiheit einschlügen.<br />

Und <strong>die</strong> Hoffnung stellte sich vor uns<br />

und sagte:<br />

Ich bin da!<br />

Ich werde euer Licht sein!<br />

26


Bessere Zeiten<br />

nein sagen wir<br />

nein sagen wir einstimmig<br />

genug sagen wir<br />

genug der harten Zeiten<br />

niemand soll viel haben<br />

wenn wir nichts haben<br />

sagen wir<br />

<strong>die</strong>s ist ein grosses Land<br />

weit wie der Himmel<br />

hier können wir leben<br />

sagen wir<br />

genug für uns alle gibt <strong>die</strong>ses Land<br />

bessere Zeiten wird es geben<br />

sagen wir<br />

und aus dem Dunkel der Vergangenheit<br />

schaffen wir bessere Zeiten<br />

hell wie ein brandneuer Tag<br />

MONGANE WALLY SEROTE<br />

Bekannter südafrikanischer Dichter, lebt nach 17<br />

Jahren im Exil heute wieder in Johannesburg.<br />

27


Bild: <strong>Fastenopfer</strong><br />

28


Lieder aus Südafrika<br />

29


Bild: <strong>Fastenopfer</strong><br />

Bild: <strong>Fastenopfer</strong><br />

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Rezepte aus Südafrika<br />

Erdnussnougat<br />

Erdnussnougat ist ein süsser Leckerbissen, der in Afrika besonders zu Festtagen zubereitet<br />

wird.<br />

Du brauchst:<br />

500 g geschälte, ungesalzene Erdnüsse<br />

1½ Tassen Zucker (375 g)<br />

Einige Tropfen Zitronensaft<br />

So wird’s gemacht:<br />

Die Erdnüsse mit einem Mörser zerstampfen (in der Küchenmaschine zermahlen).<br />

Den Zucker in eine Pfanne geben, schmelzen lassen, ein halbes Glas Wasser und den Zitronensaft<br />

dazu. Dabei ständig rühren.<br />

Wenn der Zucker braun geworden ist, schüttest du <strong>die</strong> gemahlenen Erdnüsse hinein. Mit<br />

dem Kochlöffel alles gut vermischen. Das Nougat giesst du auf ein gut gefettetes Blech. Mit<br />

einer geölten Flasche (Teigroller) kannst du jetzt das Nougat flach ausrollen, bis es etwa<br />

einen halben Zentimeter dick ist. Das noch heisse Nougat in Stücke schneiden.<br />

Tomaten-Mais-Auflauf<br />

Du brauchst:<br />

300 g Maiskörner (aus der Dose)<br />

1 Zwiebel<br />

5 Tomaten<br />

Gewürze: (jeweils 1-2 Messerspitzen): Salz, Pfeffer, Knoblauch, Curry, Rosmarin,<br />

½ TL Senf<br />

2 Eier<br />

2 EL Butter<br />

Zwiebel und Tomaten fein würfeln, mit Maiskörnern und den Gewürzen vermischen und abschmecken.<br />

Eier aufschlagen und trennen. Eigelb zur Maismasse geben und verrühren. Eischnee schlagen<br />

und vorsichtig unterheben.<br />

Alles in eine gefettete Auflaufform füllen. Butterflöckchen darauf geben und bei 180 Grad ca.<br />

30 Minuten im Rohr backen. Dazu passt grüner Salat.<br />

Namen einiger wichtiger Speisen<br />

Impuphu (Zulu) = Maisbrei<br />

Bogobe (Scotho) = Maisbrei<br />

Samp (Zulu) = Maisbrei mit Bohnen gemischt<br />

Hauptgerichte der schwarzen Bevölkerung: Mais im Ganzen oder gemahlen als Brei, Bohnen<br />

und saure Milch<br />

32


Kap-Bohnensuppe<br />

3 L Wasser 1 Karotte, gereinigt und gerieben<br />

1 fleischiger Schinkenknochen 1 große Kartoffel, gerieben<br />

1 Paket rotgesprenkelte Zuckerbohnen 1 Tasse grünes Gemüse (gehackter Broccoli,<br />

1 Zwiebel, gerieben gehackte grüne Bohnen, Rosenkohl)<br />

1 Tasse Petersilie, fein gehackt schwarzer Pfeffer<br />

Salz<br />

Zubereitung:<br />

Das Wasser in einem Topf zum Kochen bringen und alle Zutaten bis auf das Salz hinein geben.<br />

Erneut aufkochen lassen und anschließend bei geringer Hitze eine Stunde schwach kochen lassen.<br />

Wenn <strong>die</strong> Bohnen weich werden, <strong>die</strong>se mit dem Kochlöffel am Topfrand zerdrücken, bis etwa<br />

ein Drittel der Bohnen zerdrückt ist. Nun das Salz hinzufügen. Nach Geschmack mit etwas<br />

Worcestershire Sauce und Essig abschmecken. Unter rühren weitere 10 Minuten köcheln lassen.<br />

Vom Herd nehmen und 3 Minuten ruhen lassen. Mit Brot servieren.<br />

Boontjiessop<br />

Zutaten für 4 Portionen<br />

Pfeffer, Salz 1 Möhre<br />

Gemüsebrühe 1 Zwiebel<br />

50 g Speckwürfel 200 g weiße Bohnen<br />

1 EL Öl<br />

Zubereitung:<br />

Bohnen über Nacht einweichen. Am nächsten Tag abgießen.<br />

Die Zwiebel hacken, Sellerie und Möhre in Würfel schneiden.<br />

Öl erhitzen und Speck anbraten. Gemüse zugeben und mitdünsten. Die Bohnen beifügen, mit<br />

Gemüsebrühe auffüllen und etwa eine Stunde köcheln. Wenn <strong>die</strong> Bohnen weich sind, <strong>die</strong> Suppe<br />

pürieren, nochmals aufkochen, mit Pfeffer und Salz abschmecken.<br />

Karotten Bre<strong>die</strong> (Gemüseeintopf vegetarisch)<br />

1 Zwiebel, gehackt 1 Teelöffel Öl<br />

8 mittlere Karotten, geschält, gehackt 2 mittlere Kartoffeln, geschält, gehackt<br />

1 Prise Salz und Pfeffer 250 ml Wasser<br />

Zubereitung:<br />

Die Zwiebeln in Öl anbraten, das Gemüse und <strong>die</strong> Gewürze hinzugeben. Mit Wasser ablöschen<br />

und alles gut verrühren. Den Eintopf zum Kochen bringen, dann <strong>die</strong> Hitze reduzieren und bei<br />

leicht zugedecktem Topf köcheln lassen bis das Wasser verkocht und das Gemüse gar ist. Nun<br />

das Gemüse leicht zerdrücken und eine Butterflocke einrühren.<br />

Lamm mit Bohnen<br />

(Zutaten für 6 Personen)<br />

250 g Bohnen Salz<br />

2 EL Sonnenblumenöl 1 grüne Pfefferschote, gewürfelt<br />

1 grosse Zwiebel 1 EL Tomatenpüree<br />

500 g Lammfleisch, in Würfel geschnitten 2 dl Wasser<br />

1 Knoblauchzehe, gepresst 1 Teelöffel Zucker<br />

Zubereitung:<br />

Bohnen 30 Min. in kaltes Wasser legen, abgiessen, mit frischem Wasser bedecken und 1 Std.<br />

kochen, bis sie fast weich sind. Inzwischen Öl in grosser Bratpfanne wärmen und Zwiebeln goldbraun<br />

rösten, dann Lammfleischwürfel beifügen, salzen und bei mittlerer Hitze 40-45 Min. braten,<br />

bis Fleisch zart ist. Falls nötig, wenig Wasser beifügen. Bohnen, Tomatenpüree und Zucker<br />

zugeben und 10-15 Min. leicht köcheln lassen. Zum Schluss Pfefferschoten und Knoblauch beifügen.<br />

Mit Reis servieren.<br />

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Bobotie<br />

Bobotie ist eines der bekanntesten Gerichte Südafrikas. Wie Sosaties, Chutney und Sambalas<br />

fand es mit den muslimischen Sklaven im 17. Jahrhundert seinen Weg ans Kap. Ursprünglich<br />

wurde es aus Fleischresten zubereitet.<br />

Zutaten für 6 Portionen<br />

Mandelscheiben: 100 g Lorbeerblätter: 1<br />

Rosinen: 100 g Eier: 3<br />

Knoblauchzehen, fein gehackt: 2 Curry: 4 Teelöffel<br />

Zwiebeln, groß, fein gehackt: 2 frische Petersilie: 1<br />

Hackfleisch (Lamm oder Rind): 1 Kg ein wenig Zitronensaft: 1<br />

Milch: 200 ml Chutney (am liebsten "Mrs. Balls Hot“):100 g<br />

Toastbrot: 1 Scheibe Aprikosenmarmelade: 120 g<br />

Zubereitung<br />

Brot in 100 ml Milch kurz einweichen, dann <strong>die</strong> Milch ausdrücken und aufbewahren.<br />

Zwiebeln und Knoblauch in Öl kurz andünsten, Brot und Hackfleisch dazugeben und gut anbraten.<br />

Curry dazumischen und braten bis das Hackfleisch durch ist.<br />

Marmelade, Rosinen, Mandeln (etwas für <strong>die</strong> Dekoration aufheben), Chutney, Petersilie und Zitronensaft<br />

dazugeben und weitere 5 Minuten kochen lassen und dann in eine Auflaufform geben.<br />

Eier und <strong>die</strong> Milch gut zusammen mischen und über das Bobotie geben. Mit Lorbeerblättern und<br />

Mandelscheiben dekorieren.<br />

Im Ofen bei 180° Grad ca. 20 Minuten überbacken bis <strong>die</strong> Eier-Milch fest ist.<br />

Zum Bobotie gibt es Reis, Gemüse (z.B. Kürbis, Broccoli), in feine Scheiben geschnittene Bananen,<br />

Kokosflocken und Chutneysoße (z.B. Mango-Chutney).<br />

Cape Malay Curry<br />

Zutaten für 4 Portionen<br />

1 TL Kreuzkümmel 500 ml Fleischbrühe<br />

1 TL Corianderpulver 1 TL Essig<br />

1 Knoblauchzehe gepresst 100 g getrocknete Aprikosen<br />

2 Zwiebeln in Scheiben geschnitten 1 oder 2 scharfe rote Chili in Stücke geschn.<br />

1 kg Lammfleisch 1 TL Curry Pulver<br />

einige EL Öl 1/2 TL Zimt gemahlen<br />

1 TL Kurkuma 1 süßer grüner Chili in Stücke geschnitten<br />

1 Becher Joghurt 4 Gewürznelken<br />

4 EL Aprikosenmarmelade ein Stück frischer Ingwer, gepresst<br />

Zubereitung<br />

Die getrockneten Aprikosen über Nacht in lauwarmes Wasser legen, vor Gebrauch absieben.<br />

Das Lammfleisch in mundgerechte Stücke schneiden.<br />

In einer Pfanne Öl erhitzen, Zwiebel und Knoblauch unter ständigem Rühren anbraten.<br />

Alle Gewürze hinzugeben und für eine Minute rösten lassen.<br />

Die Zwiebeln aus dem Topf nehmen, das Fleisch auf allen Seiten gut anbräunen.<br />

Die Zwiebeln wieder hineingeben, alle Zutaten bis auf <strong>die</strong> Aprikosenmarmelade und das Joghurt<br />

hineingeben und gut verrühren.<br />

Den Topf verschließen und auf kleiner Hitze köcheln lassen bis das Fleisch gar ist (max. eine<br />

Stunde).<br />

Hin und wieder das Curry umrühren.<br />

Einige Minuten bevor das Essen fertig ist, <strong>die</strong> Aprikosenmarmelade und das Joghurt unterrühren.<br />

Mit Reis, Chutney oder Blatjang als Beilage servieren.<br />

Gemüse-Reis-Topf -<br />

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Biryani<br />

Die Gemüsemengen sind, wie bei allen Gerichten der afrikanischen Küche, nur Anhaltspunkte<br />

und können beliebig verändert werden.<br />

Zutaten für 4-6 Personen:<br />

3 Zwiebeln<br />

4 TL Butter<br />

1 Stück frischer Ingwer, etwa walnussgross<br />

10 Knoblauchzehen<br />

2 TL Cayennepfeffer<br />

200 g Möhren<br />

200 g grüne Bohnen<br />

100 g Linsen<br />

75 g grüne Erbsen<br />

3 grosse Tomaten<br />

6 Gewürznelken<br />

½ Zimtstange<br />

6 Kardamomkörner<br />

1 TL Kurkuma<br />

3 Zweige Minze oder ½ TL getrocknete Minzeblätter<br />

6 grosse Kartoffeln<br />

360 g Langkornreis<br />

1-2 TL Salz<br />

1. Zwiebeln schälen und in Ringe schneiden. Butter in einem grossen Topf schmelzen lassen.<br />

Zwiebeln braten, ein Drittel beiseite stellen. Ingwer und Knoblauch schälen, kleinschneiden,<br />

mit Cayennepfeffer im Topf anbraten. Möhren und Bohnen waschen, putzen und kleinschneiden.<br />

Mit Linsen und Erbsen dazugeben.<br />

2. Bei mittlerer Hitze etwa 5 Minuten braten. Eventuell noch Butter dazugeben. Die Tomaten<br />

waschen und ohne <strong>die</strong> Stielansätze kleinschneiden. Mit den Gewürzen und der zerkleinerten<br />

Minze zum Gemüse geben. ¼ l heisses Wasser dazugeben, zudecken und das Gemüse<br />

noch etwa 10 Minuten kochen lassen.<br />

3. Die Kartoffeln schälen, halbieren oder vierteln und mit dem Reis, dem Salz und ¾-1 l (je nach<br />

entstandener Gemüseflüssigkeit) heissem Wasser in den Topf geben. Zudecken und 20-30<br />

Minuten (je nach Linsenart) kochen lassen. Der Reis sollte gar sein und das Wasser aufgenommen<br />

haben.<br />

4. Mit den zurückgelegten Zwiebeln garnieren. Mit Joghurt als Sauce servieren.<br />

Zubereitungszeit:<br />

1½ - 1¾ Stunden<br />

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