Audrey Hepburn - S. Fischer Verlag

fischerverlage.de

Audrey Hepburn - S. Fischer Verlag

242 Audrey Hepburn lorener Seelen, jedoch mitfühlend, was die Beschreibung der Figuren durch den Autor betraf. In der Filmversion ersetzte man Schärfe und Feinsinn durch eine Glorifi zierung New Yorks und eine Vernarrtheit in Audrey. »Ich las das Buch, und es gefi el mir sehr«, sagte sie. »Doch hatte ich schreckliche Angst, dass ich für die Rolle nicht geeignet sei. Ich dachte, mir würde der Sinn für Komik abgehen. Diese Rolle schrie nach einem extrovertierten Charakter. Ich bin introvertiert. Aber alle drängten mich, die Rolle anzunehmen. Also tat ich es. Ich litt die ganze Zeit. Ich nahm ab. Bei den Dreharbeiten hatte ich sehr oft das Gefühl, nicht gut zu sein.« Genau dieser Zwiespalt war es, der ihr Unbehagen bereitete. »Trotz ihrer offensichtlichen Unsicherheiten, steckte in Audrey ein starker Kern«, erinnerte sich Regisseur Blake Edwards. Diese Unsicherheiten waren fast vom ersten Drehtag an offenkundig. Edwards musste sie beruhigen – wie er es tat, als er und Komponist Henry Mancini ihr mitteilten, dass speziell für sie ein Lied komponiert worden war, dass sie singen sollte, während sie sich selbst auf der Gitarre begleitete. Audrey hatte Bedenken, denn ihre Stimme war seit Ein süßer Fratz tiefer und dünner geworden. Entsprechend übte sie wochenlang mit einem Stimmtrainer und einem Gitarrenlehrer und zögerte die Aufnahme von »Moon River« so lange hinaus, bis sie sich sicherer fühlte. Mancini ermutigte sie: Die Melodie umfasse nur eine Oktave, welche notfalls nach unten transponiert werden könne. »Nach der Lektüre des Skripts wusste ich, was ich schreiben musste«, erinnerte er sich. »Und Audreys große Augen gaben mir den Anstoß, etwas sentimentaler zu werden als üblich. Mit diesen Augen kam sie damit durch, das wusste ich. ›Moon River‹ [mit einem Text von Johnny Mercer] wurde für sie geschrieben. Kein anderer hat es je so verinnerlicht.« Bei der Voraufführung des Films für die Chefetage von Paramount im Frühling darauf waren Mel und Audrey anwesend.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine