Wohl temperiert zum Kunden - Hesse Lignal

hesse.lignal.de

Wohl temperiert zum Kunden - Hesse Lignal

gela1005.qxp 07.07.2010 16:53 Seite 16

TITELTHEMA: STÜCKGUT-LOGISTIK

Wohl temperiert zum Kunden

FALLBEISPIEL – Der zurückliegende Winter war der Ausgangspunkt für eine

fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Lackhersteller Hesse-Lignal und dem

Logistiker Rhenus im Bereich temperaturgeführte Transporte. VON TOBIAS LOEW

Mehr als 45.000 Rezepturen

für Lacke und Beizen zur

Holzveredelung im Innenbereich

umfasst die Angebotspalette

des Unternehmens Hesse

aus dem nordrhein-westfälischen

Hamm. Mehr als 100 Tonnen Produkte

– die oft in die Gefahrgutklassen

3 und 9 fallen – liefert der

deutsche Marktführer täglich an

Unternehmen in der Möbelindustrie

und den Fachgroßhandel

aus. „Dabei fertigen wir fast jede

Bestellung individuell an – also

erst nach Eingang eines Kundenauftrags

bei uns“, erklärt der geschäftsführende

Gesellschafter

Hans Hesse, der den Familienbetrieb

in dritter Generation führt.

Die Produkte der Marke

Hesse-Lignal können nahezu

jede gewünschte Eigenschaft erreichen:

unzählige verschiedene

Farbtöne, Glanzgrade, Kratzfestigkeiten.

Auch in puncto Verarbeitbarkeit

lassen sich die Holzversiegelungen

passgenau auf

den Einsatzzweck abstimmen.

Um das sicherzustellen, sind rund

100 der 470 Hesse-Mitarbeiter in

Hamm in der Forschung und Entwicklung

tätig. Sie können auf einen

großen Maschinenpark mit

vollständigen Lackierstraßen zurückgreifen

und unterziehen

sämtliche Neuentwicklungen

ausgiebigen Praxistests.

Für Kunden aus der Industrie

wie etwa den schwedischen Möbelgiganten

Ikea optimieren die

Chemiker und Techniker die Lacke

exakt für die eingesetzten

Verarbeitungsmaschinen. „Wer

unsere Produkte verarbeitet,

kann sicher sein, dass der Lack

auch zur Produktionsmaschine

passt“, sagt Hesse. Der Hersteller

setzt seine Produkte durch Vertriebsniederlassungen

in Dänemark,

Frankreich, den Benelux-

Ländern, Italien, England, Dubai,

Indien und China weltweit ab.

Was schon in der Produktion

eine Herausforderung darstellt,

ist für Transport und Logistik eine

äußerst anspruchsvolle Aufgabe.

Wer vormittags bestellt, dem garantiert

Hesse die deutschlandweite

Anlieferung am nächsten

Werktag. Damit das gelingt, müssen

Produktion und Auslieferung

aufeinander abgestimmt sein.

Abendliche Abholung

Die Produktion der Lacke und

Beizen erfolgt täglich bis etwa 18

Uhr. Erst dann können die Produkte

kommissioniert, verpackt

und transportfertig gemacht werden.

Nach 18.30 Uhr können die

ersten Lieferfahrzeuge das Werk

verlassen, der letzte Liter Lack

geht erst um 20.30 Uhr auf die

Reise. Um hier größtmögliche

Flexibilität zu erreichen, setzt

Hesse für Teil- und Komplettladungen

einen eigenen Fuhrpark

mit 15 Fahrzeugen ein, die alle

über die technischen Möglichkeiten

zum temperaturgeführten

Transport verfügen. Nur so können

die Holzversiegelungen

auch bei jedem Wetter ausgeliefert

werden, denn Frost würde

insbesondere die wasserbasierten

Lacke zerstören. „Im Stückund

Sammelgutbereich lassen

sich unsere eigenen Fahrzeuge

aber nicht wirtschaftlich einsetzen“,

sagt Hesse-Logistikleiter

Werner Grosche. Mit zwei Paletten

Lack für einen Großhändler

könne man zum Beispiel keinen

Lkw von Hamm nach Flensburg

schicken.

Als gelernter Berufskraftfahrer,

Speditionskaufmann und Betriebswirt

mit Fachrichtung Logistik

kennt sich Grosche bestens

aus auf seinem Feld. Es ist zudem

Die Produkte des

Lackherstellers

Hesse aus Hamm

fallen oft unter die

Klassen 3 und 9.

Gefahrgutbeauftragter des Unternehmens.

Schon seit Jahren

vertraut der chemische Betrieb

bei kleineren Sendungen auf

Speditionsdienstleister. Nur im

Winter bzw. bei Frostgraden

musste bislang ausschließlich der

eigene Fuhrpark ran. Doch Anfang

diesen Jahres waren durch

den langanhaltenden, kalten

Winter die eigenen Transportkapazitäten

bei Hesse erschöpft, die

Lieferversprechen konnten so

nicht mehr eingehalten werden.

Also machte sich Grosche auf die

Suche nach einem Spediteur, der

auch temperaturgeführte Transporte

durchführen kann,

deutschlandweit flächendeckend

und mit kurzen Regellaufzeiten.

Aktiv und passiv

Fündig geworden ist er bei der

Niederlassung Unna des System

Alliance-Gesellschafters Rhenus.

Denn das Transportnetzwerk der

Stückgut-Kooperation System

Alliance setzt deutschlandweit

eigene, aktiv temperierte Wechselbrücken

ein. Diese sind während

des Hauptlaufs mit einer Regeltemperatur

zwischen 16 und

20 °C unterwegs, im Vor- und

Nachlauf werden die Sendungen

mit Thermoschutzhauben überzogen,

die sie über mehrere Stunden

hinweg gegen Temperaturschwankungen

absichern.

16 gefährliche ladung 5/2010


gela1005.qxp 07.07.2010 16:53 Seite 17

„Mit unserem Premium Service

Thermo konnten wir Hesse

kostengünstig ein flächendeckendes

Produkt anbieten, das

den frostfreien Transport der

empfindlichen Farben und Lacke

zuverlässig ermöglicht“, freut

sich Thilo Meutzner, Vertriebsleiter

von Rhenus in Unna. Eine

Karte, die in diesem Winter auch

zahlreiche andere Verlader zogen.

So legten zwischen November

2009 und Februar 2010 die

Sendungszahlen im Premium

Service Thermo bei System Alliance

um 153 Prozent gegenüber

dem Vorjahr zu. Rund 40 Prozent

davon waren Gefahrgüter, von

denen wiederum der Großteil

den ADR-Klassen 3 (67 %), 9 (10

%) und 2 (9 %) zuzurechnen waren

(auch die Lacke der Marke

Hesse-Lignal sind ja Klasse 3

oder 9). Darüber hinaus unterzögen

sich die Mitgliedsspeditionen

bei System Alliance dem

Safety and Quality Assessment

System (SQAS) der Chemischen

Industrie, erklärt Meutzner.

Zwar sind die kalten Außentemperaturen

inzwischen der

Sonne gewichen, die täglichen

Stückgut-Sendungen wickelt

Hesse inzwischen aber vollständig

über Rhenus ab. Das Netzwerk

von System Alliance hat

sich als sehr flexibel erwiesen.

Bedingt durch die späten Ab-

gefährliche ladung 5/2010

fahrtzeiten der Lkw war es zunächst

nicht möglich, sämtliche

Relationen über den Umschlag

bei Rhenus in Unna zu bedienen,

denn die Lkw waren beim Eintreffen

der Hesse-Produkte oft

schon unterwegs in Richtung

Ziel. Deshalb hat Rhenus gemeinsam

mit der Systemzentrale

der mittelständisch geprägten

Kooperation ein Modell entwickelt,

das es ermöglicht, auch die

Sendungen noch ins System einzuspeisen,

die Hamm erst am

Abend verlassen.

Extra-Slot am Hub

Dafür hat Rhenus einen eigenen

Verkehr direkt ab dem Hesse-

Werk in Hamm zum Hauptumschlagbetrieb

(Hub) von System

Alliance im hessischen Niederaula

eingerichtet. Dort wiederum

wurde für den Lkw aus Hamm

ein eigener Slot um 22.30 Uhr

eingerichtet, der es ermöglicht,

die Sendungen noch rechtzeitig

auf die Mehrzahl der Transporte

zu den 40 Regionalbetrieben des

Netzwerks umzuschlagen. Über

den Rhenus-Ausgangsbetrieb in

Unna werden seitdem nur

noch die Sendungen abgewickelt,

die in angrenzende

Gebiete oder zu anderen

Standorten im System

gehen. „Damit

können wir unsere Lacke

und Beizen noch länger

produzieren – und sie werden

noch am selben Tag

bei uns abgeholt“, ist Werner

Grosche über das Entgegenkommen

erfreut.

Mittlerweile ist auch

das Warenwirtschaftssystem

von Hesse per Datenfernübertragung

(DFÜ)

direkt an das Computersystem

von Rhenus angebunden.

Das spart weitere

Zeit bei der Transportabwicklung.

Und die Niederlassung

Unna hat einen

Mitarbeiter an den Produktionsstandort

nach

Hamm entsandt, der die

Hesse-Sendungen disponiert

und die Versandabteilung

mit Informationen

zum Sendungsverlauf ver-

sorgt. Bei Problemen kann er

rasch eingreifen.

„Viele unserer Kunden erwarten

unsere Lieferung just-in

time“, macht Grosche klar. Besonders

im Fachhandel stehe oft

nur ein schmales Zeitfenster für

die Zustellung zur Verfügung.

Deshalb ist der Logistikleiter

froh, mit den Premium Services

Next Day 8/10/12 von System Alliance

Planungssicherheit zu haben.

Sie sichern die Zustellung

am nächsten Tag zur vereinbarten

Uhrzeit zu. Für den Logistiker

und seinen Chef Hans Hesse

liegt der Vorteil der Zusammenarbeit

mit Rhenus vor allem in der

Verlässlichkeit des stabilen Netzwerks.

„Es wäre aber toll, wenn

wir unsere Sendungen noch später

einspeisen könnten“, wünscht

sich Logistikleiter Grosche. Eine

weitere halbe Stunde mehr Produktionszeit

würde sich für den

Lackhersteller rentieren. Auch

europaweit flächendeckende

Thermo-Transporte sind noch

Zukunftsmusik. „Aber das wird

kommen“, ist sich Rhenus-Vertriebler

Thilo Meutzner sicher. ■

Logistikleiter

Werner Grosche

kennzeichnet eine

Wechselbrücke.

Im Vor- und Nachlauf

wird bei Bedarf mit

Thermoschutzhauben

operiert.

17