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2/09

IJAB journal

3. Jahrgang/Dezember 2009

Internationale Jugendarbeit / Internationale Jugendpolitik / Jugendinformation

Themenschwerpunkt

Anerkennung

nicht-formaler Bildung:

Projekt Interkulturelles Lernfeld Schule | 04

EU-Grünbuch zur Lernmobilität | 08

Deutscher Qualifikationsrahmen | 10

Nachweise International und Youthpass | 12

Projekt JiVE: Neue Teams und

eine wissenschaftliche Studie | 14

Jugendpolitische Zusammenarbeit

mit Finnland zum Thema Partizipation | 20


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die diesjährige Dezemberausgabe

unseres IJAB journals nimmt die Anerkennung

nicht­formaler Bildung in den

Fokus. In diesem Kontext präsentieren

wir Ihnen das jüngst gestartete Projekt

„Interkulturelles Lernfeld Schule“,

eine Kooperation von internationaler

Jugendarbeit und Schule. Mit innovativen

Methoden fördert es Toleranz und

Verständigung und unterstützt die Integration

junger Menschen mit Migrationshintergrund.

Gleichzeitig ermutigt

das interkulturelle Angebot deutsche

Jugendliche zu mehr Offenheit im

Umgang mit fremden Kulturen. Bewusst

werden dabei Ansätze nicht­formalen

Lernens mit dem formal geprägten Lernfeld

Schule verknüpft, um neue Impulse

für eine ganzheitliche Bildung und Entwicklung

der Persönlichkeit zu geben.

Wie wichtig formale wie informelle

Bildungserfahrungen für junge Menschen

sind, unterstreicht die Europäische

Kommission in ihrem Grünbuch

„Die Mobilität junger Menschen zu

Lernzwecken fördern“. In der laufenden

Konsultation sollen ausdrücklich auch

Anregungen zur Stärkung der Mobilität

in nicht­formalen Lernzusammenhängen

gegeben werden. Noch bis 15.

Dezember haben auch Träger der inter­

nationalen Jugendarbeit die Möglichkeit,

auf die Anerkennung informeller

Bildung aufmerksam zu machen. Ein

positives Signal ist zudem die aktuelle

Entwicklung des Deutschen Qualifikationsrahmens:

Ergebnisse nichtformalen

Lernens sollen künftig besser

anerkannt und angerechnet werden.

Als regelmäßige/­r Leser/­in unseres

IJAB journals ist Ihnen das Projekt „JiVE.

Jugendarbeit international – Vielfalt

erleben“ bereits vertraut. In diesem Heft

berichten wir von der zweiten übergreifenden

internationalen Tagung, der

„Partnership Building Activity“ in Berlin.

Hier fanden sich 15 neue internationale

Teams, die nun gemeinsam vielversprechende

Projekte zwischen Trägern der

internationalen Jugendarbeit und/oder

der Jugendmigrationsarbeit realisieren

wollen. Zudem präsentieren wir

Ihnen zentrale Ergebnisse der wissenschaftlichen

Begleitung des Projekts

„InterKulturell on Tour“ im Rahmen

von „JiVE“. Professor Andreas Thimmel

und sein Team von der FH Köln zeigen

in ihrer Studie Bildungspotenziale von

internationalen Jugendbegegnungen

auf und geben Hinweise, wie internationale

Jugendarbeit Integrationsprozesse

fördert.

IJAB newsletter

Marie­Luise Dreber

Direktorin von IJAB e.V.

In der deutsch­finnischen jugendpolitischen

Zusammenarbeit konnten in

den letzten 40 Jahren immer wieder

themenzentrierte Kooperationen mit

hohem Mehrwert für die nationale

Jugendpolitik realisiert werden. Den

Fachkräfteaustausch zum aktuellen

Schwerpunkt „Beteiligung von Jugendlichen“

unterstützt seit 2007 erstmals

ein Weblog. Nah dran an Jugendlichen

beider Länder, zeigt der VERSTÄRKER

Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei

der Partizipation junger Menschen auf.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen

Ihre

Marie­Luise Dreber

immer aktuell

Infos, Termine, Ausschreibungen

Jetzt abonnieren unter www.ijab.de


Impressum

Herausgegeber:

IJAB

Fachstelle für Internationale Jugend arbeit

der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Godesberger Allee 142­148

D­53175 Bonn

Tel.: +49 (0)228­95 06­0

Fax: +49 (0)228­9506­199

E­Mail: ijabjournal@ijab.de

Internet: www.ijab.de

Verantwortlich:

Marie­Luise Dreber

Redaktion:

Verena Münsberg

Gestaltung:

blickpunktx.de

Druck:

Druckhaus Süd, Köln

Fotos:

Aamon©Fotolia (S. 9), FutureDigital­

Design©Fotolia (Titel; S. 13; S.19),

PicturenetCorp©Fotolia (S. 12), A./E. Sinoplu

(S. 5­7), J. Heupel/JUGEND für Europa

(S. 14­16), Fotolia©Andres Rodriguez

(S. 18), Stephanie Lachnit/Christine Roskopf

(S. 20­22).

Dezember 2009

Gefördert vom

Inhalt

2 ............Editorial

3 ............Impressum

Im Fokus Anerkennung nicht-formaler Bildung

4.......... Treibhäuser der Zukunft

Interview mit Martina Nixdorf­Pohl zum Projekt IKUS

6.......... Zwei Welten – Ein Ziel

Internationale Jugendarbeit und Schule auf neuen Wegen

Daniel Kober

8.......... Lernmobilität fördern, Europa stärken

Grünbuch der EU­Kommission

Christian Tauch

10.......... Der Deutsche Qualifikationsrahmen –

aktueller Stand der Diskussion

Dr. Susanna Schmidt

12.......... Nachweise International:

Kompetenzen sichtbar machen

Kathrin Groth

13.......... Der Youthpass – die Europäische Strategie zur Validierung

und Anerkennung von nicht-formalem Lernen im Programm

JUGEND IN AKTION

Aktuelle Entwicklungen und neue Angebote

Rita Bergstein

Aus dem Projekt JiVE Neue Teams und eine wissenschaftliche Studie

14.......... Eine Wiege für internationale Projekte

Michael Sachse

17.......... Vielfalt on Tour – Jugendbegegnungen im Tandem

Yasmine Chehata, Katrin Riß, Andreas Thimmel

Jugendpolitische Zusammenarbeit mit Finnland

Neue Impulse für mehr Beteiligung

20.......... Gestatten, VERSTÄRKER. Ich bin ein Blog!

Stephanie Lachnit

Forum

22 ............Personalia

23 ............Termine

IJAB journal 2/09

3


Themenschwerpunkt: Anerkennung nicht-formaler Bildung

Bildung

Im Fokus

Anerkennung nicht-formaler

Bildung

Internationale Jugendbegegnung mit der Türkei, Freiwilligendienst in Nicaragua, interkultureller

Tanzworkshop im Jugendzentrum – vielfältige Gelegenheiten außerhalb formaler Bildungsangebote,

bei denen Jugendliche entscheidende Kompetenzen für das Leben in der globalisierten Welt erwerben.

Umso wichtiger, diese Bildungserfahrungen sichtbar zu machen und neben formalen Lernerfolgen

anzuerkennen. Auf ein erfolgreiches Zusammenspiel von formalem und nicht-formalem Lernen setzt

das Pilotprojekt „Interkulturelles Lernfeld Schule (IKUS)“. Erstmals arbeiten dabei Träger der internationalen

Jugendarbeit und Schule zusammen. Auf europäischer wie nationaler Ebene ist dies ebenfalls

Thema: Die laufende Konsultation der EU-Kommission zur Lernmobilität junger Menschen nimmt

ausdrücklich alle Lernzusammenhänge in den Fokus. Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) will

zunächst einheitliche Standards für die Anerkennung formaler Bildung schaffen, hat dies jedoch langfristig

auch für die nicht-formale fest im Blick. Lesen Sie zudem über zwei erfolgreiche Modelle für

die Anerkennung nicht-formalen Lernens: die Nachweise International und den Youthpass.

Treibhäuser der Zukunft

Interview mit Martina Nixdorf-Pohl, Koordinatorin bei IJAB

für das Projekt „Interkulturelles Lernfeld Schule (IKUS)“

Martina Nixdorf­Pohl berichtet über Ziele

und Herausforderungen im Projekt IKUS.

Warum wurde das Projekt ins Leben gerufen?

Und warum ausgerechnet jetzt?

Die europäischen Gesellschaften stehen

vor vielen neuen Herausforderungen.

Dazu zählen der Wandel in Wissensgesellschaften

und die Interaktion in

einer globalisierten Welt. Zukünftige

Gesellschaften sind multinational und

4 IJAB journal 2/09

­kulturell. Bereits jetzt hat in Deutschland

fast jedes dritte Kind einen Migrationshintergrund.

Es bedarf entsprechender

Kompetenzen, um diese neue

Lebenswelt zu meistern. Dazu gehört vor

allem die Herausbildung und Förderung

interkultureller Kompetenzen. Schule in

der herkömmlichen und momentanen

Struktur ist jedoch damit überfordert.

Eine Kooperation von Schule mit Partnern

non­formaler Bildung und internationaler

Jugendarbeit könnte hier wichtige

Entwicklungsimpulse setzen.

Schule und internationale Jugendarbeit

sind zwei unterschiedliche Systeme.

Was versprechen Sie sich von einer Kooperation

zweier so ungleicher Partner?

Auf individueller und gesellschaftlicher

Ebene soll kulturelle Vielfalt als Bereicherung

begriffen werden. Dies betrifft

sowohl die Schüler/­innen, als auch

die pädagogischen Fachkräfte. Es geht

um Bewusstseins­ und Verhaltensänderung,

Abbau von Vorurteilen, Motivation

und Fähigkeit zur Zusammenarbeit

in internationalen Kontexten. Auf

gesellschaftlicher Ebene geht es auch

darum, bürgerschaftliches Engagement

in Deutschland und der Welt zu fördern.

Auf pädagogischer Ebene werden Erfahrungen

als „Good Practice“ in der internationalen

Jugendarbeit, in Schule und

künftigen Kooperationen genutzt und

weitergegeben.

Wer setzt das Projekt in die Praxis um?

Wer steuert den Prozess?

Ausgewählte Träger der außerschulischen

und internationalen Jugendarbeit

sowie die Bezirksregierung Köln haben

sich dieser Thematik und den genannten

Herausforderungen angenommen. Sie

wollen mit dem Projekt einen aktiven

Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung

junger Menschen mit und ohne Migra­


tionshintergrund leisten. 15 Tandems,

bestehend aus einer Lehrkraft und einer

Fachkraft der internationalen Jugendarbeit,

haben ihre Arbeit bereits aufgenommen.

Ihr Arbeitsauftrag lautet, in

den nächsten zwei Jahren gemeinsam

acht bis zehn Bildungs­ bzw. Lernmodule

zu entwickeln und zu erproben, die interkulturelles

Lernen an Schulen auslösen

und fördern können. In der Steuergruppe

sind Vertreter/­innen der internationalen

Jugendarbeit, der Bezirksregierung,

das Landesjugendamt und das BMFSFJ

vertreten, das auch die finanzielle Förderung

übernommen hat. IJAB koordiniert

den gemeinsamen Prozess.

Sie möchten die „interkulturellen Kompetenzen“

junger Menschen fördern.

Was meinen Sie damit genau und

welche Kernkompetenzen bringt die

internationale Jugendarbeit dafür in das

Projekt ein?

Unserer Arbeit liegt ein dynamisches

Modell von Kultur und Kompetenzanforderungen

zugrunde. Hierbei geht es

im Wesentlichen um die Wahrnehmung

von Multiperspektivität, Akzeptanz

von Differenz und Wertschätzung von

Vielfalt. Zu den Kompetenzen zählen

interkulturell relevante allgemeine Persönlichkeitseigenschaften

(zum Beispiel

Belastbarkeit, emotionale Elastizität und

Unsicherheitstoleranz) und interkulturell

relevante soziale Kompetenzen wie differenzierte

Selbst­ und Fremdwahrnehmung,

Fähigkeit zur Perspektiven­ und

Rollenübernahme, um wechselseitig

befriedigende Beziehungen aufzunehmen

und zu erhalten. Die hier genannten

Anforderungen gehören zu den

sozialpädagogischen Basiskompetenzen

der internationalen Jugendarbeit, die

in Kulturbegegnungen eine besondere

Bedeutung und ggf. auch Brisanz erhalten.

Deshalb sind die Fachkräfte der

internationalen Jugendarbeit gute Partner,

wenn es um die Förderung interkulturellen

Lernens junger Menschen geht.

Auch bringen sie mit ihrer konsequenten

Sicht auf die Stärken junger Menschen,

Subjekt­ und Lebensweltorientierung

sowie erlebnisorientierte, partizipative

und ganzheitliche Lernformen neue

Blickrichtungen in das Lernfeld Schule

ein. Jugendliche bekommen Kontakt zur

außerschulischen Jugendarbeit, aus dem

sich Möglichkeiten ergeben, sich über

Schule hinaus ehrenamtlich zu engagieren.

Sie erhalten Impulse aus der Praxis

für das eigene Leben, und bei Bewerbungen

erhöht sich die Chance auf Einstellung.

IKUS­Projekt an der Gustav­Heinemann­Gesamtschule Alsdorf: Im Modul 1 und 2 arbeiteten Jugendliche

auf dem Schulfest zum Thema „Tanzen verbindet! HIP HOP, BREAKDANCE UND MEHR!“.

Das klingt nach viel Arbeit für die

Fachkräfte der Jugendarbeit zum Wohl

der Schule. Worin besteht denn der

Gewinn der Kooperation für die Träger

der Jugendhilfe?

Für sie bietet es die Chance, im Lebensbereich

der Jugendlichen bekannt zu

werden, präventive Jugendhilfe zu betreiben

und ihre ehrenamtlichen Strukturen

zu stärken. Es ist eine Möglichkeit,

ihre Werte auf breiter Basis zu vermitteln

und eine stärkere Anerkennung des nonformalen

Lernens zu erwirken, indem sie

deutlich ihren Bildungsanspruch formulieren

und belegen. Die Träger werden

durch die Kooperation in die Lage versetzt,

mehr Teilnehmende für Aktivitäten

der internationalen Jugendarbeit zu erreichen,

neue Zielgruppen anzusprechen

und neue Mitglieder in Verbänden und

Vereinen zu gewinnen.

Sie sprechen vom interkulturellen „Lernfeld“

Schule. Was verbirgt sich dahinter

und welche Lernmöglichkeiten ergeben

sich konkret aus der Sicht von Schule?

Die Metapher des Feldes weist schon

darauf hin, dass hier kein punktueller,

sondern ein breiter Lernansatz gewählt

wurde. Deshalb werden auch nicht nur

Schüler/­innen, sondern auch Eltern,

Schulsozialarbeiter/­innen und Lehrer/

­innen als Zielgruppen einbezogen. Der

Schulleitung kommt hierbei eine herausragende

Rolle zu. Das bedeutet keinesfalls,

dass wir die Schüler/­innen aus

dem Auge verlieren. Aber interkulturelles

Lernen der Schüler/­innen setzt interkulturell

kompetente Lehrer/­innen und ein

entsprechendes Umfeld voraus. Damit

das Wirken der Lehrer/­innen fruchten

kann, muss der Boden bereitet werden.

Die Bedeutung interkulturellen Lernens

sollte sich im Leitbild, im Schulprofil und

­programm, ja, sogar in den symbolischen

Ausdrucksformen der Schule und in den

Räumlichkeiten widerspiegeln. Hier gilt

es wirklich ein ganzes Feld zu beackern.

Interkulturelle Schulentwicklung findet

hierbei statt im Zusammenspiel von Personalentwicklung,Unterrichtsentwicklung

und Organisationsentwicklung.

Damit werden die Unterrichtsinhalte,

­methoden und ­situationen ebenso

zum Thema wie die Elternarbeit, die Zusammenarbeit

im Team und die Fortbildungen

von Multiplikator(inn)en, Peers

und Lehrer(inne)n. Letztere entwickeln

sich dann vielleicht von Expert(inn)en für

Lehren und Lernen auch zu Expert(inn)en

für die Gestaltung von Beziehungen und

Begegnungen. Auf der sozialen Seite

sind die Einzelpersonen und ihre Beziehungen

in den Blick zu nehmen. Die interkulturellen

Kompetenzanforderungen

richten sich aber nicht allein an die im

Feld Schule tätigen Personen, sondern

auch an die soziale Organisation Schule,

in deren Rahmen diese handeln. Das

interkulturelle Lernfeld Schule ist also

mehrdimensional zu sehen.

Das klingt nach einem hohen Anspruch.

Überfordert das Projekt die reformgeplagten

Schulen damit nicht?

Das Gute daran ist, dass es für die Akteure

auf allen Ebenen Ansatzpunkte

gibt, so dass jede Schule ihren eigenen

Entwicklungsweg mit je eigenen

Schwerpunkten festlegen kann. Auch

der längste Weg beginnt mit einem ersten

Schritt. Schulentwicklung von oben

hat sich in meinen Augen nicht bewährt,

versuchen wir doch den Weg von unten

unter Einbeziehung der handelnden

Subjekte.

Wie funktioniert Lernen in diesem

Modellprojekt? Und wie wird das Lernen

im Projekt unterstützt?

Zunächst einmal: alle Akteure im Lernfeld

Schule werden gleichermaßen als

Lernende begriffen. Das, was ich für

die Gruppe der Schüler/­innen als Lern­

IJAB journal 2/09 5


Themenschwerpunkt: Anerkennung nicht-formaler Bildung

ziele umrissen habe, betrifft gleichermaßen

auch Leitung, Lehrer/­innen,

Sozialarbeiter/­innen und Eltern, auch

Hausmeister/­innen. Lernen vollzieht

sich in unterschiedlichen Formaten: internationalen

Begegnungen, Projekten,

Workshops, Festen und Feiern, im Unterricht,

Elterncafe, um nur einige Orte zu

nennen. Die zu entwickelnden Module

und Beispiele guter Praxis sind Extrakte

aus den Lernerfahrungen an diesen Orten.

Auf der personalen wie auf der organisatorischen

Ebene handelt es sich

jedoch um mehr als bloßes „Dazulernen“.

Es geht auch um die Entwicklung eines

anderen Blicks, einer neuen Haltung

und um die erfolgreiche Integration von

Neuem in bereits Bestehendes, auch um

neue Kooperationsformen im Sozialraum

Schule. Für Schule ist dieses Lernen insofern

fundamental, als die gesamte

Organisationskultur davon betroffen ist.

Dementsprechend fördert eine Auseinandersetzung

mit interkulturellen Fragestellungen

zugleich auch die grundsätzliche

Lernfähigkeit der Organisation.

Unter dieser Perspektive ist auch die Arbeit

der trägerübergreifenden Tandems

spannend. In einem Gespann, das aus

Vertreter(inne)n zweier Bildungssysteme

bzw. ­kulturen besteht, kann man durch­

6 IJAB journal 2/09

aus von Lernen in einer kulturellen

Überschneidungssituation sprechen. Die

Reflexion dieses besonderen interkulturellen

Lernprozesses ist sicher ein Gelingensfaktor.

Die Tandempartner/­innen

und andere Akteure des Projektes werden

durch die bundeszentrale Koordinationsstelle

bei IJAB unterstützt und auf

Wunsch individuell beraten und können

im Rahmen des Projektes an Fortbildungen

und Tagungen teilnehmen. Ein gemeinsames

Partnerportal soll netzwerkbasierten

Austausch und gemeinsames

Lernen in Eigenregie ermöglichen. Auch

die wissenschaftliche Begleitung sieht

sich von ihrem Selbstverständnis punktuell

in beratender Funktion, indem sie ihre

Forschungsergebnisse regelmäßig an die

Beteiligten zurückspiegelt und ihre Arbeit

auf diese Weise inhaltlich unterstützt.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft.

Wie wird die Nachhaltigkeit der Ergebnisse

gewährleistet?

Im Rahmen des Projektes werden neue

Lernformate und Bildungsangebote entwickelt,

die auf den individuellen Bedarf,

die Zielgruppen und das Curriculum der

jeweiligen Schule bzw. den Schultyp zugeschnitten

sind. Damit erhalten zunächst

die am Projekt beteiligten Schulen maß­

Internationale Jugendarbeit und Schule auf neuen Wegen

Zwei Welten – Ein Ziel

Daniel Kober

Es ist ein dunkler und regnerischer

Winterabend in Bonn. Die Gruppe der

Trainer/­innen aus der internationalen

Jugendarbeit hat bereits drei Tage über

das neue Projekt IKUS debattiert, sich

fortgebildet und wird gleich auf die

Schulvertreter/­innen der fünfzehn Pilotschulen

treffen. Tandems, also Teams

bestehend aus den Trainer/­innen und

Lehrerkräften, sollen sie anbahnen. Die

Lehrer/­innen sind eingetroffen und

werden eine Etage tiefer über den aktuellen

Stand des Projekts informiert.

Eine leichte Anspannung ist bei uns

Trainer(inne)n zu spüren. Wie wird das

erste Aufeinandertreffen aussehen?

Kann eine dauerhafte Kooperation zwischen

Schule und Jugendarbeit gelingen?

Wird die Chemie stimmen? Welche

Vorstellungen, Erwartungen und Kenntnisse

bringen die Lehrer/­innen mit?

Doch das Eis ist schnell gebrochen. Das

in der Jugendarbeit gängige „Du“ setzt

sich auch mit den Lehrer(inne)n schnell

durch. Danach wird bis tief in die Nacht

über Ideen, mögliche Kooperationen und

Privates geredet. Der Grundstein für eine

zweijährige Zusammenarbeit ist an diesem

Abend gelegt.

In Fahrt gekommen – Auf dem Weg

zur interkulturellen Kompetenz

Mein Tandem ist etwas aus der Form geraten:

Wir sind drei Fahrer/­innen. Eine

türkischstämmige Lehrerin, ein griechischstämmiger

Lehrer und ich – mit deutschem

Hintergrund. Auf den ersten Blick

eine ungewöhnliche Kombination. Bisher

rollt es allerdings gut. Zusammen werden

wir mit den beiden Schulen in Leverkusen

und Köln unserem Ziel entgegen fahren.

Es heißt „interkulturelle Kompetenz“. Ein

geschneiderte Lösungen. Die Beispiele

guter Praxis werden jedoch am Ende

des Projektes allen Schulen und Trägern

zugänglich gemacht, zum einen in Form

einer Fachveröffentlichung, aber auch im

Rahmen einer Nachhaltigkeitskonferenz

im Herbst 2011. Spätestens dann können

interessierte Träger und Schulen aus dem

ganzen Bundesgebiet auf den Zug aufspringen,

gern aber auch schon als Teilnehmende

bei der Zwischenkonferenz im

Herbst 2010. Vielleicht wird IKUS ja mal

eine Auszeichnung für Schulen mit interkulturellem

Profil. Im Laufe des Projekts

könnten wir die möglichen Entwicklungspfade

zu diesem Ziel aufzeichnen, sozusagen

step by step. Meine persönliche

Vision ist eine menschliche Schule, die

sich zu einem Lebensraum entwickelt, zu

einem für Schüler/­innen, Lehrer/­innen

und Eltern stimulierenden und kulturell

anregenden Ort, zu einem Labor für Bildung

und zu „Treibhäusern der Zukunft“.

Ein Ort, der kulturelle Vielfalt schätzt und

nutzt. Non­formale Bildung, und internationale

Jugendarbeit im Besonderen,

kann hier einen wesentlichen Entwicklungsbeitrag

leisten. Ich schau mit großer

Spannung, professioneller Neugier und

voller Hoffnung auf dieses interkulturelle

Lernexperiment!

Begriff, der mittlerweile häufig verwendet,

aber selten beschrieben werden kann.

Fast jede/­r hat eine eigene Definition und

die wenigsten wissen, wie interkulturelle

Kompetenz überhaupt erworben wird. An

dieser Stelle sind wir von der internationalen

Jugendarbeit gefragt. Wir arbeiten

in interkulturellen Kontexten, kennen die

Methoden, können Lernarrangements

herstellen. Was uns fehlt, ist vielfach

ein fundiertes Wissen über das System

Schule. Hier sind wir an einem zentralen

Punkt von IKUS angekommen. Wir reden

nicht über, sondern mit Schule. Schule

bekommt mit unseren Tandempart ner­

(inne)n ein Gesicht. Wir tauschen uns aus

und entwickeln gemeinsame Ideen, wie

wir an unser Ziel kommen. Wenn wir mal

den Tritt verlieren oder nicht mehr können,

legt das Tandem eine Pause ein und

berät sich über zentrale Fragen.


Durch die Brille des anderen schauen

Nachhaltigkeit und Erprobungsfreiräume

sind die Hauptmotivationen dafür, mich

in diesem Projekt zu engagieren. Im

Vergleich zu anderen Insellösungen, die

hier und da zwischen Schule und internationaler

Jugendarbeit erprobt werden,

hat das Pilotprojekt eine langfristigere

Per spektive. Beide Partner werden über

einen Zeitraum von zwei Jahren gemeinsame

Projekte andenken, entwickeln und

umsetzen. Immer so, dass sie zu den Erwartungen

und Besonderheiten der jeweiligen

Schule passen. Gleichzeitig haben

wir Vorbildcharakter für das gesamte

Bundesgebiet, um Module zu erproben,

die in andere Regionen erfolgreich übertragen

werden können.

Der Ansatz, formelle und informelle Bildung

zum Thema interkulturelle Bildung

zusammenzubringen, ist in dieser Form

neu und mutig. Keiner der Projektträger,

der Schulvertreter/­innen und Trainer/innen

weiß heute, wo wir in zwei Jahren

stehen werden. Von Anfang an mussten

wir alle lernen, Unsicherheiten auszuhalten

und mit neuen Fragen umzugehen.

Das ist typisch für ein Pilotprojekt

und wird uns vermutlich die gesamte

Projektlaufzeit begleiten. Dennoch zeigt

die Anfangsphase, dass wir es schaffen

werden unser Ziel zu erreichen. Alle Bereiche

sind von Beginn an einbezogen

worden. Lehrer/­innen und Trainer/­innen

sind nicht nur Ausführende, sondern

Mitentwickler/­innen. Profitieren können

wir durch die Vielfalt der Schulformen

und die unterschiedlichen Hintergründe

aller Beteiligten. Gegenseitig beraten wir

uns, lernen von den Erfahrungen der anderen

und betreiben im Zusammentreffen

von Lehrer(inne)n und Trainer(inne)n selber

Kulturentwicklung, indem wir lernen,

etwas mehr durch die Brille des anderen

zu blicken.

Mit der Brille des anderen auf die Welt

blicken: Nicht nur die Schüler/­innen sollen

dies lernen. Auch die Lehrkräfte stehen hier

vor neuen Herausforderungen.

Von Lisa und Ahmet

Die ersten Module werden bald umgesetzt

und reichen von Lehrer­Fortbildungen

zum interkulturellen Lernen, über Gewaltprävention

bis hin zu kultursensibler

Genderarbeit. Mit Spannung blicken wir

darauf, welche neuen Module entstehen

werden, wie diese in ein Gesamtkonzept

ineinander greifen und Vorbildcharakter

für andere Schulen bekommen. Aus Perspektive

des interkulturellen Schüleraustauschs

wäre es ein Erfolg, wenn neben

der klassischen Austauschschülerin – der

Gymnasiastin Lisa aus dem bürgerlichen

Düsseldorf – auch Ahmet, Fatma und

Vassilis von einer Gesamtschule in Duisburg

die Welt entdecken würden.

Zeit für Träume

Wir sind bei den Träumen und Hoffnungen

angekommen. Bei den großen und kleinen

Etappen, die wir mit IKUS zurücklegen

wollen. Nicht beim Nachnamen anzuhalten,

das eigene feste Bild über Türkinnen

mit Kopftuch, kühle, distanzierte und pedantische

Deutsche oder Frauen, die nicht

die gleichen Tätigkeiten wie Männer ausführen

können, zu hinterfragen, wäre ein

Erfolg für unser Projekt. Denn interkulturelle

Kompetenz ist eine Alltagskompetenz.

Sie bringt uns dazu innezuhalten,

eine gesunde Distanz zu unserem ersten

Eindruck einzunehmen und zu überlegen,

ob die Dinge wirklich so sind, wie wir sie

Jugendliche fit machen für die Zukunft in einer multikulturellen

Gesellschaft, Schule als Lernraum für interkulturelle Kompetenzen

stärken: Mit diesem Ziel arbeiten internationale Jugendarbeit

und Schule seit einigen Wochen eng zusammen.

sehen oder sie auch ganz anders gedeutet

werden könnten. Neugierde ist eine gute

Grundlage, diese Hürden zu überspringen.

Wer sich öffnet, dem anderen Fragen

stellt, seine Irritationen oder auch Ängste

kommuniziert und aufmerksam zuhört,

schafft die Möglichkeit Gedanken, Gefühle

und Handeln seiner Mitmenschen

besser nachvollziehen zu können. Mein

Wunsch ist es, dass nicht nur Schüler/innen,

sondern auch Lehrer/­innen, Eltern

und das Schulumfeld eine Sensibilität für

interkulturelle Fragestellungen erlernen

und diese im Alltag in weiteren Kontexten

anwenden können.

Am Ende kann eine Idee für ein bundesweites

Zertifikat für kultursensible

oder interkulturell­kompetente Schulen

stehen. Ein Konzept, das die verschiedensten

Bereiche von Schule abdeckt.

Angefangen von der Lehreraus­ und

fortbildung, der Curriculumsgestaltung,

der Personalauswahl­ und entwicklung,

über ein Schulleitbild bis hin zur Sichtbarkeit

im Schulalltag und außerschulischen

Projekten. Jeder Bereich besteht

aus einer Auswahl an Modulen, die

durch ein Trainer/­innen­Team der internationalen

Jugendarbeit durchgeführt

werden – koordiniert von bundesweiten

Schulkoordinator(inn)en zur interkulturellen

Kompetenz. So kann es aussehen.

In zwei Jahren. Vielleicht an einem lauen

und sonnigen Winterabend in Bonn.

Daniel Kober ist Mitarbeiter bei AFS

Interkulturelle Begegnungen e.V. und

Sprecher der Trainer/-innen-Gruppe im

Projekt IKUS.

IJAB journal 2/09 7


Themenschwerpunkt: Anerkennung nicht-formaler Bildung

Grünbuch der EU-Kommission

Lernmobilität fördern, Europa stärken

Seit langem nimmt die Mobilität unter den Aktivitäten der Europäischen Kommission im

Bildungsbereich einen wichtigen Platz ein. Insbesondere das Erasmus-Programm hat in

den vergangenen 22 Jahren deutlich gezeigt, welche Vorteile die Mobilität den Studierenden

und Hochschulen zu bieten hat. In den vergangenen zwei Jahren rückte das Thema

noch mehr in den Mittelpunkt.

Christian Tauch

Im Sommer 2008 stellte ein vom damaligen

EU­Kommissar für Bildung und

Kultur Figel‘ einberufenes hochrangiges

Expert(inn)engremium seine Vorschläge

zur künftigen Ausgestaltung von Mobilität

vor. Im November desselben Jahres

forderte sodann der Bildungsministerrat

die Kommission auf, ein Konzept für die

Mobilität aller jungen Menschen zu entwickeln.

Als ersten Schritt arbeitete die

Kommission daraufhin das Grünbuch zur

Lernmobilität junger Menschen aus, zu

dem sie im Juli 2009 eine öffentliche

Konsultation einleitete.

Unterstützung für die Mobilitätsdiskussion

kam außerdem von Seiten des

Bologna­Prozesses, der auf die Errichtung

eines Europäischen Hochschulraumes

zielt. Die Hochschulminister/­innen

der beteiligten 46 europäischen Länder

beschlossen im April 2009 darauf hinzuarbeiten,

dass im Jahre 2020 20% aller

Hochschulabsolvent(inn)en über eine

Auslandserfahrung verfügen werden.

Höchste Priorität erlangte das Thema

„Lernmobilität“ schließlich, als Kommissionspräsident

Barroso im September

2009 in den politischen Leitlinien

für seine zweite Amtszeit die Initiative

„Youth on the Move” vorschlug. Präsident

Barroso fordert, dass bis zum Jahr

2020 alle jungen Menschen in Europa

die Möglichkeit erhalten sollen, einen

8 IJAB journal 2/09

Teil ihrer allgemeinen oder beruflichen

Bildung in einem anderen europäischen

Mitgliedstaat zu durchlaufen.

Neue Partnerschaften

All dies trug und trägt dazu bei, neuen

Schwung in die Mobilitätsdebatte zu

bringen und insbesondere den Fokus zu

verändern: Standen in der Vergangenheit

vor allem der Hochschulsektor und

formalisiertes Lernen im Mittelpunkt,

so weitet das Grünbuch die Thematik

bewusst aus. Die laufende öffentliche

Konsultation bezieht sich auf die Mobilität

von jungen Leuten in allen Lernzusammenhängen,

also auch im Rahmen

von Freiwilligendiensten und anderen

Formen informellen Lernens.

Es ist aber deutlich, dass die Herausforderungen,

die mit einer solchen Ausweitung

der Debatte einhergehen, so groß

sind, dass sie nicht von einem einzelnen

Akteur gemeistert werden können. Deshalb

fordert die Kommission im Grünbuch

eine neue Partnerschaft auf allen

Ebenen – europäische Institutionen sowie

die Regierungen und Verwaltungen

auf nationaler, regionaler und lokaler

Ebene sollten sich mit Schulen, Hochschulen

und anderen Bildungs­ und

Ausbildungsstätten im Interesse der

Lernmobilität verbünden.

Antwort auf die Krise

Man mag einwenden, dass die gegenwärtige

Finanz­ und Wirtschaftskrise

vielleicht nicht der geeignete Zeitpunkt

sei, um ausgerechnet über eine Ausweitung

von Lernmobilität zu diskutieren.

Die Europäische Kommission ist indes

davon überzeugt, dass die Krise im Gegenteil

gerade die Wichtigkeit von allgemeiner

und beruflicher Bildung unterstreicht:

Sie zeigt, dass unser künftiges

gesellschaftliches und wirtschaftliches

Wohlergehen auf einer anderen Grundlage

als in der Vergangenheit aufbauen

muss. Wissen, Kompetenzen und Kreativität

werden dabei einen noch höheren

Stellenwert einnehmen als bisher.

Diejenigen Mitgliedsstaaten, die weiterhin

gezielt in die Bildung investieren,

werden am ehesten in der Lage sein, von

den Möglichkeiten zu profitieren, die

sich nach dem Ende der Krise eröffnen

werden. Lernmobilität gehört zur Antwort

auf die Krise.

Gewinn für alle

Ende 2008 startete die Kommission die

Initiative „Neue Kompetenzen für neue

Beschäftigungen“. Dahinter stand die

Überlegung, dass die Arbeitswelt sich

wandelt und die Europäer/­innen künftig

über fachübergreifende kreative Fertigkeiten

verfügen müssen, die sie auf die

Arbeitsplätze der Zukunft vorbereiten.

Lernmobilität kann zu eben diesen

Kompetenzen verhelfen, beispielsweise

zu besseren Fremdsprachen­ und Kommunikationsfertigkeiten,

mehr Selbstvertrauen

und Eigeninitiative, besseren

interkulturellen Kompetenzen sowie der

Fähigkeit, auch in unvertrauter Umgebung

arbeiten und sich wohlfühlen zu

können.

Lernmobilität hilft aber nicht nur Einzelnen,

sondern erleichtert es auch der

europäischen Wirtschaft, auf einen

sich rasch wandelnden Arbeitsmarkt

zu reagieren. Außerdem können Mobilitätserfahrungen

dazu beitragen, eine

europäische Identität zu entwickeln und

Fremdenfeindlichkeit und Isolationismus

entgegenzuwirken, was gerade in einer

Krisensituation besonders wichtig ist.

Auch die Bildungseinrichtungen profitieren

von Lernmobilität. Eine im Jahr 2008

veröffentlichte Studie belegte, wie das

Erasmus­Programm den Hochschulen

half, sich zu modernisieren und zu interna­


tionalisieren (vgl. „The impact of Erasmus

on European higher education: quality,

openness and internationalisation“ (2008),

http://ec.europa.eu/education/erasmus/

doc/publ/impact08.pdf). Auch Schulen,

Ausbildungsbetriebe und ähnliche Einrichtungen

können mithilfe von Mobilität ihre

Bildungsprogramme interessanter gestalten

und dazu beitragen, die Wissensgesellschaft

in Europa voranzutreiben.

Deshalb sieht die Europäische Kommission

das Bemühen um eine deutlich gesteigerte

Lernmobilität junger Leute als

Teil einer Gesamtstrategie, die die Kompetenzen

der Europäer/­innen verbessert

und die internationale Wettbewerbsfähigkeit

ihrer Wirtschaft steigert.

Konsultation zur Lernmobilität

Aus diesem Grund startete die Kommission

im Juli ihre Befragung zum Thema

Lernmobilität: Wie können wir mehr

jungen Menschen in allen Lernzusammenhängen

die Gelegenheit geben ins

Ausland zu gehen, um ihr Wissen zu erweitern

und neue, für ihren Bildungsweg

nützliche Erfahrungen zu sammeln?

Gemeint ist dabei organisierte Mobilität,

die auf definierte Lernergebnisse zielt,

deren Erreichung nach Beendigung des

Auslandsaufenthalts in geeigneter Form

überprüft werden sollten. Dieser Punkt

wird vor allem im Bereich des nichtformellen

und informellen Lernens besondere

Anstrengungen erfordern, da

etwa Freiwilligendienste bisher nicht

mit dem Konzept von Lernergebnissen

und deren anschließender Validierung

arbeiteten. Der Kommission liegt aber

daran darauf hinzuweisen, dass der

Auslandsaufenthalt sich sinnvoll in die

Bildungsbiografie des jungen Menschen

einfügen und beispielsweise im Europass

dokumentiert werden sollte. Dies setzt

eine sorgfältige Vor­ und Nachbereitung

der Mobilitätsphase voraus.

Im Übrigen bezieht sich das Grünbuch

ebenso auf intrasektorale Mobilität wie

auf Mobilität zwischen verschiedenen

Bereichen, also etwa zwischen Schulen

und Unternehmen, oder zwischen der

beruflichen und der Hochschulbildung.

Die Europäische Union unterstützt seit

Langem junge Menschen durch eine

Vielzahl von Programmen und Initiativen

in der allgemeinen, beruflichen und

Hochschulbildung, durch Jugendaustausch,

Freiwilligendienste und in kulturellen

Kontexten. Allerdings ist Mobilität

immer noch die Ausnahme und nicht

die Regel. Die bestehenden Programme

erreichen manche Gruppen, wie die Studierenden,

viel eher als andere, etwa

Auszubildende und Freiwillige. Im Jahr

2006 gingen etwa 310.000 junge Men­

schen mithilfe von EU­Programmen ins

Ausland. Dies entspricht lediglich 0,3%

der 16­bis 29­jährigen, ein Prozentsatz,

der dringend erhöht werden müsste.

Aufruf an alle

Deshalb wendet sich die Kommission mit

dem Grünbuch an die Öffentlichkeit mit

der Bitte, Ideen, Überlegungen und Beispiele

guter Praxis aus einigen Schlüsselbereichen

einzusenden:

> Wie können wir mehr junge Leute

dazu bringen, für ihre Bildung, ihr berufliches

Training, einen Freiwilligeneinsatz

oder eine praktische Arbeitserfahrung

ins Ausland zu gehen?

> Welches sind dabei die wichtigsten

Hindernisse und wie können wir sie

überwinden?

> Wie können wir europaweit eine neue

Partnerschaft für Mobilität auf die

Beine stellen?

Der Rücklauf zu der öffentlichen Konsultation

wird es der Kommission erlauben,

im kommenden Jahr einen Vorschlag für

die Ausgestaltung der Initiative „Youth

on the Move“ von Präsident Barroso

zu machen. Der Rücklauf wird zugleich

Eingang in die Diskussionen über die

Fortsetzung des Programms für Lebenslanges

Lernen ab 2014 und die damit

zusammenhängenden Budgetplanungen

finden.

Neuer Schwung für die Mobilitätsdebatte in Europa:

Die EU­Kommission nimmt nicht nur das formale, sondern

auch das nicht­formale und informelle Lernen in den Blick.

Es ist deshalb äußerst wichtig, dass

soviele Organisationen, Verbände und

Einzelpersonen wie möglich an der Konsultation

teilnehmen. Bis 15. Dezember

2009 besteht die Möglichkeit, einen

Online­Fragebogen auszufüllen oder

eine Stellungnahme per Post oder E­mail

an die Kommission zu senden. Alle Hinweise

dazu finden sich auf der Webseite

der Generaldirektion Bildung und Kultur:

http://ec.europa.eu/dgs/education_

culture/consult/mobility_de.html

Christian Tauch ist abgeordneter

nationaler Experte bei der Europäischen

Kommission und arbeitet

in der Generaldirektion für Bildung

und Kultur.

IJAB journal 2/09 9


Themenschwerpunkt: Anerkennung nicht-formaler Bildung

Der Deutsche Qualifikationsrahmen –

aktueller Stand der Diskussion

„Im weltweiten Wettbewerb um gut ausgebildete Talente werden Kompetenzen immer wichtiger.

Es geht also immer weniger darum, in welcher Institution und wie lange jemand einen bestimmten

Bildungsgang absolviert hat. Wichtig wird sein, was jemand kann. Deshalb muss ein einheitlicher

Qualifikationsrahmen Bildungsgänge auf der Basis von Lernergebnissen beschreiben.“ Mit diesen

Worten eröffnete die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professor Dr. Annette Schavan,

die erste Erarbeitungsphase eines Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen

(DQR). Und in der Tat sind es zwei Stoßrichtungen, die der DQR verfolgt: Er will im internationalen

Wett bewerb Transparenz und Mobilität fördern und zugleich im deutschen Bildungssystem mehr

Durchlässigkeit ermöglichen.

Dr. Susanna Schmidt

Die Ziele eines Deutschen

Qualifikationsrahmens

Mit Blick auf die europäische Ebene

dient der DQR vor allem dem Ziel, die

in Deutschland erworbenen Kompetenzen

und Qualifikationen in Europa angemessen

abzubilden und zu bewerten.

Dadurch verbessert er die Möglichkeiten

ihrer internationalen Anerkennung und

trägt zur Mobilität von Lernenden und

Beschäftigten zwischen Deutschland

und anderen europäischen Ländern bei.

Der DQR bietet die Chance, dass die in

Deutschland erworbenen Qualifikationen

EU­weit adäquat eingestuft werden.

Zum anderen kann der DQR die Durchlässigkeit

unseres Bildungssystems befördern.

In kaum einem europäischen

Land hat der Beschluss eines Europäischen

Qualifikationsrahmens durch die

EU­Kommission so große Erwartungen

hervorgerufen, ein Instrument für mehr

Durchlässigkeit gefunden zu haben, als

in Deutschland. In der jüngsten Vergangenheit

sind einige Regelungen beschlossen

worden, die mehr Durchlässigkeit

ermöglichen. Der DQR wird zwar keine

10 IJAB journal 2/09

Zulassungsvoraussetzung klären, aber er

wird Vergleiche zwischen verschiedenen

Bildungsbereichen erleichtern. Durch die

Orientierung an den Lernergebnissen

(outcome­Orientierung), an dem, was

jemand kann, wird zudem die Anschlussfähigkeit

von Qualifikationen gestärkt.

Die Frage, wo jemand etwas gelernt hat,

tritt damit in den Hintergrund.

Der bisherige Prozess

Bestrebungen, Wissen und Bildung in

Europa an die Herausforderungen des

neuen Jahrtausends anzupassen, gibt es

seit nunmehr 10 Jahren. Betont wurde

insbesondere die Notwendigkeit verstärkter

Zusammenarbeit zur Förderung

der Transparenz und der Anerkennung

von Qualifikationen und Kompetenzen.

Daher folgte die Entwicklung eines einheitlichen

Europäischen Qualifikationsrahmens

(EQR), der den Mitgliedstaaten

im Juli 2005 in einem ersten Entwurf

präsentiert wurde. Nach einem Konsultationsprozess

und daraus abgeleiteten

Überarbeitungen wurde die Empfehlung

zur Einrichtung des EQR im Mai 2008

vom Europäischen Parlament und vom

Rat förmlich verabschiedet. Darin legten

Parlament und Rat den Mitgliedstaaten

unter anderem nahe, „im Einklang mit

der nationalen Gesetzgebung und Praxis

gegebenenfalls nationale Qualifikationsrahmen

zu erarbeiten“.

Bund und Länder nahmen am Konsultationsprozess

zum EQR aktiv teil und

verständigten sich Ende 2006 darauf,

gemeinsam einen Deutschen Qualifikationsrahmen

(DQR) zu entwickeln.

Hierzu wurde eine Bund­Länder­Koor­

dinierungsgruppe (B­L­KG) eingesetzt.

Im Sommer 2007 wurde der „Arbeitskreis

Deutscher Qualifikationsrahmen“

(AK DQR) ins Leben gerufen, um weitere

Akteure in den Erarbeitungsprozess einzubeziehen.

In diesen beiden Gremien

wurde ein erster gemeinsamer DQR­Diskussionsvorschlag

entwickelt, der im Februar

2009 der Öffentlichkeit präsentiert

werden konnte (www.deutscherqualifikationsrahmen.de).

Viele Akteure –

gemeinsames Verständnis

Dem AK DQR, in dem die Bereiche der

allgemeinen und beruflichen Bildung sowie

der Hochschul­ und Weiterbildung

repräsentiert sind, gehören neben den

Mitgliedern der B­L­KG Vertreter/­innen

der Sozialpartner und weitere Expert(inn)

en aus Wissenschaft und Praxis an.

Ziel der gemeinsamen Beratungen war

zunächst, über die Bildungsbereiche

hinweg ein gemeinsames Verständnis

und eine gemeinsame Sprache zu finden.

Dies ist insoweit gelungen, als für den

vorliegenden Diskussionsvorschlag der

Kompetenzbegriff zugrunde gelegt wird,

der schon seit Jahren in der beruflichen

Bildung, in letzter Zeit aber auch in der

Bologna­Reform oder bei den Bildungsstandards

in der Schule eine herausgehobene

Rolle spielt. Kompetenz wird hier

im Sinne der Handlungskompetenz als

„die Fähigkeit und Bereitschaft, Kenntnisse,

Fertigkeiten sowie persönliche,

soziale und methodische Fähigkeiten in

Arbeits­ oder Lernsituationen und für

die berufliche und persönliche Entwicklung

zu nutzen“, verstanden.


Der Diskussionsvorschlag für

einen DQR

Die Vorlage eines ersten Diskussionsvorschlags

für einen bildungsbereichsübergreifenden

DQR stellt ein erstes

wichtiges Zwischenergebnis dar. Auf

acht Niveaustufen beschreibt der Vorschlag

Kompetenzen, die für die Erlangung

einer Qualifikation in der allgemeinen

und der beruflichen Bildung und der

Hochschulbildung erforderlich sind. Der

vorliegende Diskussionsvorschlag eines

DQR dürfte geeignet sein, die vielfältigen

Qualifikationen des Deutschen Bildungssystems

abzubilden und die relevanten

Merkmale zu beschreiben, die erfolgreiches

Handeln in einem Lern­ und Arbeitsbereich

angemessen beschreiben

Die Kompetenzen werden in der Matrix

des Diskussionsvorschlags in Fachkompetenz

und personale Kompetenz differenziert,

die sich ihrerseits wieder in

Wissen und Fertigkeiten auf der einen

und Sozial­ und Selbstkompetenz auf

der anderen Seite aufteilen. Zu einem

späteren Zeitpunkt sollen auch informell

erworbene Kompetenzen in den DQR mit

aufgenommen werden. Der Ausrichtung

auf den Kompetenzbegriff entsprechend,

wird die jeweilige Niveaustufe durch

einen Niveauindikator charakterisiert,

der die spezifische Anforderungsstruktur

– von einfachen und regelgeleiteten

Situationen bis zu komplexen Anforderungen

– darstellt.

Auf den ersten Niveaustufen konnten

im vorliegenden Diskussionsvorschlag

bildungsbereichsübergreifend integrale

Formulierungen gefunden werden, wobei

darauf Wert gelegt wurde, dass sich

die Kompetenzen sowohl auf berufliche

Tätigkeiten wie auf Lernbereiche beziehen.

Als Beispiel sei hier Niveaustufe 4

genannt (siehe Grafik).

Auf den oberen Niveaustufen musste

auf parallele Formulierungen zurückgegriffen

werden, insbesondere um die

Gleichwertigkeit von beruflicher Bildung

und Hochschulbildung angemessen abzubilden.

Aktueller Stand der DQR-Entwicklung

Mit der Fertigstellung des Vorschlags für

den DQR hat eine neue Phase begonnen:

Niveaustufe 4: Über Kompetenzen zur selbständigen Planung und Bearbeitung

fachlicher Aufgabenstellungen in einem umfassenden, sich verändernden Lernbereich

oder beruflichen Tätigkeitsfeld verfügen

Fachkompetenz Personale Kompetenz

Wissen Fertigkeiten Sozialkompetenz Selbstkompetenz

Über vertieftes

allgemeines Wissen

oder über fachtheoretisches

Wissen

in einem Lernbereich

oder beruflichen

Tätigkeitsfeld

verfügen.

Über ein breites

Spektrum kognitiver

und praktischer Fertigkeiten

verfügen,

die selbstständige

Aufgabenbearbeitung

und Problemlösung

sowie die

Beurteilung von

Arbeitsergebnissen

und ­prozessen

unter Einbeziehung

von Handlungsalternativen

und

Wechselwirkungen

mit benachbarten

Bereichen ermöglichen.Transferleistungen

erbringen.

Aus dem DQR­Diskussionsvorschlag vom Februar 2009.

Derzeit werden von Expert(inn)en aus

den Bereichen Elektro/Metall, Handel,

Informationstechnologien (IT) und Gesundheit

Qualifikationen aus vier Bereichen

exemplarisch zugeordnet. Dabei

werden auch Erfahrungen gesammelt,

wie auf der Basis von Ausbildungsverordnungen

und Curricula Qualifikationen zu

den einzelnen Niveaustufen zugeordnet

werden können. Die Entwicklungen in

den europäischen Nachbarstaaten – wie

dort nämlich Zuordnungen vorgenommen

werden – werden beobachtet und

einbezogen, damit das für diesen Prozess

notwendige gegenseitige Vertrauen

wächst.

Informelles Lernen im Blick

Laut EU­Beschluss soll der DQR auch

die Möglichkeiten der Anerkennung

und Anrechnung von Ergebnissen informellen

Lernens verbessern und so das

lebenslange Lernen insgesamt stärken.

Das ist ein richtiges Ziel. Eine mögliche

Einbindung dieser Lernergebnisse wird

deshalb derzeit geprüft. Parallel dazu ist

es notwendig, neue Möglichkeiten der

Anerkennung von bisher nicht zertifiziertem

Wissen und Können zu schaffen,

Die Arbeit in

einer Gruppe und

deren Lern­ oder

Arbeitsumgebung

mitgestalten und

kontinuierlich Unterstützung

anbieten.

Abläufe und Ergebnisse

begründen.

Über Sachverhalte

umfassend kommunizieren.

um etwa in einer ehrenamtlichen Tätigkeit

erworbene Kompetenzen für hauptamtliche

Tätigkeiten nutzbar machen zu

können.

Zudem wird es wichtig sein, die Möglichkeiten

aufzuzeigen, wie eine auf

einer Niveaustufe eingeordnete Qualifikation

zur nächsten Stufe weiterentwickelt

werden kann. Denn der DQR ist

nicht nur ein Instrument der Einordnung,

sondern im Gegenteil der Dynamik. Er

will Transparenz schaffen und Aufstiegsmöglichkeiten

deutlich machen. Dafür

lohnt alle Mühe und alle

Diskussion!

Dr. Susanna Schmidt ist

Leiterin der Abteilung

„Strategien und Grundsatzfragen“

im Bundesministerium

für Bildung

und Forschung.

IJAB journal 2/09

Sich Lern­ und

Arbeitsziele setzen,

sie reflektieren,

bewerten und

verantworten.

11


Themenschwerpunkt: Anerkennung nicht-formaler Bildung

Nachweise International:

Kompetenzen sichtbar machen

Bereits seit 2006 können Träger der internationalen Jugendarbeit mit den Nachweisen International

Jugendlichen die Teilnahme und das Engagement an internationalen Projekten bescheinigen.

Zudem dokumentieren sie, welche Kompetenzen die jungen Menschen während solcher Projekte

gezeigt haben. Nicht-formale Lernerfolge werden sichtbar – und tragen damit zur Weiterentwicklung

und Qualitätssteigerung der internationalen Jugendarbeit bei. Ein Blick auf die Ergebnisse der

jüngsten Evaluation sowie die Zukunft der Nachweise International.

Kathrin Groth

Jugendliche wollen ihr Engagement und ihre

Kompetenzen sichtbar machen und für die

berufliche Laufbahn nutzen.

Nach drei Jahren und über 2.400 ausgestellten

Nachweisen auf deutsch,

englisch und polnisch war es 2009 Zeit

für eine erste umfassende Evaluation

der Nachweise International. Das IKO –

Institut für Kooperationsmanagement

befragte Jugendliche und Träger, die die

Nachweise anwenden, nach ihren Erfahrungen.

Dabei zeigten sich vielfältige

Ansätze für die Weiterentwicklung und

Durchführung.

Positives Echo

Ein zentrales Ergebnis: Die Nachweise

werden als positiv erlebt. 74,8% der befragten

Jugendlichen äußerten, dass es

ihnen wichtig bis sehr wichtig sei, einen

Teilnahme­ bzw. Engagementnachweis

erhalten zu haben. Beim Kompetenznachweis

waren dies 75% der Jugendlichen.

Sie wünschten zudem eine Überarbeitung

des Layouts, um die Nachweise

International bei Bewerbungen noch

besser einsetzen zu können.

Die meisten Jugendlichen sprachen sich

dafür aus, ihr Engagement und ihre ge­

12 IJAB journal 2/09

zeigten Kompetenzen möglichst umfangreich

zu dokumentieren. Der einfache

Teilnahmenachweis ist für sie hingegen

weniger attraktiv – diesen stellen die

Träger jedoch (oft aus Zeitgründen) bislang

am häufigsten aus.

Das Zeitproblem spielt auch bei einem

weiteren Ergebnis der Befragung eine

Rolle: Nicht selten entstehen bei Trägern

der internationalen Jugendarbeit

Berührungsängste mit den Nachweisen

International, weil sie den Arbeitsaufwand

zur Verwendung derselben häufig

als sehr hoch einschätzen.

Wie geht es weiter?

Nach der Evaluation steht fest: In den

nächsten zwei Jahren wird nicht nur die

bewährte Arbeit fortgesetzt, auch neue

Ziele werden in Angriff genommen. So

sollen Träger schneller und einfacher

Zugang zu den Nachweisen International

bekommen und vor allem auch die

Zusammenarbeit mit den binationalen

Jugendwerken bzw. Stiftungen gestärkt

werden. Nur so können die Nachweise

auch von internationalen Partnern deutscher

Träger genutzt werden.

Eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und

ein leichteres Ausstellungsverfahren des

Teilnahme­ und Engagementnachweises

sollen Hemmnisse abbauen helfen.

Dafür sind eine Überarbeitung und ein

Relaunch der Webseite www.open-theworld.net

vorgesehen, von der die Vorlagen

der Nachweise herunter geladen

werden können. Träger der internationalen

Jugendarbeit haben zudem in den

nächsten zwei Jahren die Möglichkeit,

In­house­Seminare zu buchen. So lernen

mehrere Personen eines Trägers gleichzeitig,

wie Teilnahme­, Engagement­

und Kompetenznachweise ausgefüllt

werden, und verteilen das Wissen zur

Verwendung der Nachweise International

auf mehreren Schultern.

Und auch den Wünschen der Jugendlichen

werden berücksichtigt: In einem

überarbeiteten Layout sollen die Nachweise

International zukünftig stärker individualisierbar

sein und die Texte ausführlicher

werden.

Neue Lenkungsgruppe,

neues Netzwerk

Weiterhin wird eine Lenkungsgruppe

die Nachweise International begleiten,

die zukünftig aber in einer veränderten

Konstellation zusammenkommen soll.

Zusätzlich zu Vertreter/­innen von Trägern

der internationalen Jugendarbeit

und aus dem Bundesministerium für

Familie, Senioren, Frauen und Jugend

(BMFSFJ) wird ein/e Vertreter/­in der

Anwender/­innen des Kompetenznachweises

teilnehmen. Deshalb wird die

Mitgliedschaft in der Lenkungsgruppe

neu ausgeschrieben. Interessierte Träger

können sich über nachweise@ijab.de

hierzu informieren.

Die Anwender/­innen und Ausbilder/innen

zum Kompetenznachweis International

werden künftig ohnehin stärker

eingebunden werden: Bei einem

jährlichen Vernetzungstreffen sollen sie

Entscheidungen zur inhaltlichen und

technischen Gestaltung der Nachweise

International diskutieren und treffen

sowie Tipps zur praktischen Umsetzung

austauschen.

Kathrin Groth koordiniert bei IJAB als

Projektreferentin im Projekt „Qualität

in internationalen Kontexten (QuiK)“

die Nachweise International.


Aktuelle Entwicklungen und neue Angebote

Der Youthpass – die Europäische Strategie

zur Validierung und Anerkennung von

nicht-formalem Lernen im

Programm JUGEND IN AKTION

Rita Bergstein

Der Youthpass guide –

Unterstützendes Material

Seit April 2009 ist der Youthpass guide

auf der Seite www.youthpass.eu verfügbar.

Alle, die an Hintergrundinformationen

interessiert sind, finden im Teil A

ausführliche Artikel zum Beispiel zu den

Themen „Europäische Schlüsselkompetenzen“

oder „Anerkennung nichtformalen

Lernens“. Organisationen, die

einen durch das Programm JUGEND IN

AKTION geförderten Jugendaustausch,

ein EVS­Projekt oder einen Trainingskurs

durchführen, erhalten im zweiten

Teil Anregungen zur Umsetzung des

Youthpass­Prozesses und letztlich zur

Erstellung der Zertifikate. Der Youthpass

guide kann als Ganzes heruntergeladen

werden; jedes Kapitel steht aber auch

einzeln zur Verfügung. Gegen Ende des

Jahres wird es den Youthpass guide auch

auf Deutsch geben.

Youthpass – jetzt auch für

die Aktion 3.1

Seit Mitte April 2009 können auch Jugendaustauschprojekte

und Trainingskurse

für Fachkräfte in der Aktion 3.1

den Youthpass einsetzen. Damit wirkt

die Youthpass­Implementierung über

die Grenzen der Programmländer hinaus

in die benachbarten Regionen Südost­

Europa (SEE), Osteuropa und Kaukasus

(EECA) und den Mittelmeerraum (Euromed)

hinein.

Bereits seit längerem hatten immer wieder

Organisationen aus den Programmländern,

die mit und in diesen benachbarten

Regionen aktiv sind, als auch aus

den Regionen selbst darum gebeten,

Youthpass dort einzuführen. Zögerlich

war man hier vor allem mit Blick auf die

Wirkungen bezüglich der Anerkennung

nicht­formalen Lernens in den Diskussionen

im Bereich Jugend­ oder Bildungspolitik.

Was in den Programmländern

gemeinsam an einem Tisch verfolgt

wird, erfährt mit den Nachbarländern

Grenzen.

Positiv ist hier die Arbeit des „Youth

Partnership“­Programms zwischen der

Europä ischen Kommission und des Europarates

zu erwähnen: Das Programm

organisiert in allen drei Regionen mit

Verantwortlichen der Jugendorganisationen,

mit Regierungsvertreter(inne)n

und weiteren wichtigen Akteur(inn)en

Seminare zu jugendpolitischen Fragen.

In diesen Seminaren ist das Thema „Anerkennung

nicht­formalen Lernens“ und

damit dessen Einbeziehung in bildungs­,

sozial­ und jugendpolitische Diskussionen

in den letzten Jahren verstärkt erörtert

worden.

Im Test: Youthpass für

die Aktion 1.2 - Jugendinitiativen

Die Testphase zum Youthpass für Jugendinitiativen

stellt dessen Weiterentwicklung

vor spannende Fragen. Der

Youthpass­Prozess als Prozess der Reflexion

und Transparenz der Lernerfahrung

der Teilnehmenden und des konkreten

Prozesses erfordert pädagogische Kompetenz

oder eine zielgruppengerechte

Aufbereitung. In dieser Testphase

wollte man direkt an junge Menschen

herantreten und den Youthpass­Prozess

für alle zugänglich machen. Die ersten

Erfahrungen zeigen die Schwierigkeiten,

immer wieder zwischen Simplifizierung

und notwendiger Vermittlung

der Reflexion über den Lernprozess abzuwägen.

Die ersten Erfahrungen motivieren

aber auch, die Einführung des

Youthpass für die Jugendinitiativen zu

Beginn des Jahres 2010 vorzuschlagen.

Der damit präsentierte Ansatz wird sicherlich

den anderen Aktionen zugute

kommen. Deutschland hat mit circa 10

Jugendinitiativen teilgenommen. Weitere

Test­Länder waren Belgien (Wal­

lonie), Estland, Frankreich, Italien, die

Niederlande und Polen.

Youthpass in der Diskussion um

die Kompetenzorientierung des

Deutschen Qualifikationsrahmens

Im November 2009 führte JUGEND für

Europa gemeinsam mit dem Kooperationsverbund

Jugendsozialarbeit und

dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung

eine Tagung durch, bei der die

Kompetenzorientierung des Deutschen

Qualifikationsrahmens in den Blickpunkt

gerückt wurde. Annahme war, dass die

DQR­Entwicklung viel zu sehr auf Qualifikationen

orientiert ist und nicht das

gesamte Potenzial der Kompetenzorientierung

nutzt, um Menschen, die aus

dem Rahmen fallen, am Bildungssystem

partizipieren zu lassen.

Sicherlich wird es nötig sein, hier die

verschiedenen Perspektiven und Ziele

für die Bereiche zu schärfen. Youthpass

wurde in dieser Tagung vorgestellt als

ein Instrument, welches eine Kompetenzerfassung

ermöglicht und damit

sicherlich eine Wirkung für den jungen

Menschen erzeugt.

Rita Bergstein arbeitet bei JUGEND für

Europa als Projektreferentin für den

Youthpass.

Alle Infos zum Youthpass unter

> www.youthpass.eu

Fragen zu einem der Bereiche

beantwortet gerne Rita Bergstein

(bergstein@jfemail.de).

IJAB journal 2/09 13


Projekt JiVE

14 IJAB journal 2/09

JiVE

Aus dem Projekt JiVE

Neue Teams und eine

wissenschaftliche Studie

Gemeinsam koordinieren IJAB und JUGEND für Europa seit 2008 das Projekt „JiVE. Jugendarbeit

international – Vielfalt erleben“. Das Ziel: die Zusammenarbeit zwischen Trägern der internationalen

Jugendarbeit und der Jugendmigrationsarbeit zu verbessern und zu stärken, um dadurch die Anzahl

von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Maßnahmen der internationalen Jugendarbeit zu

erhöhen. Zu diesem Thema vernetzte jetzt die zweite übergreifende internationale Veranstaltung, die

„Partnership Building Activity“, Fachkräfte aus ganz Europa. Dass internationale Jugendarbeit unter

bestimmten Bedingungen einen spezifischen Beitrag zu Integration leistet, lesen Sie im Bericht über

die wissenschaftlichen Studie zu „InterKulturell on Tour“, einem Teilprojekt von „JiVE“.

Eine Wiege für internationale Projekte

Mit großem Elan reisten die Teilnehmenden der „Partnership Building Activity“ vom 2. bis 5.

Oktober 2009 nach Berlin. Die soziale Arbeit mit jungen Migrant(inn)en im Alltag war allen

gemeinsam, die Suche nach internationalen Kooperationspartnern mit ähnlichen Interessen und

Ansätzen sowie die Planung gemeinsamer Projekte das Ziel der Partnerbörse. Das Besondere: Viele

Teilnehmende hatten bereits konkrete Projektideen im Gepäck. Auf der Partnerbörse konnten sie

nun Projektteams bilden. Informationen für die praktische Umsetzung wie Projektmanagement,

Projektfinanzierung und Networking standen ebenfalls auf der Agenda.

Michael Sachse

Erfahrungen austauschen, Impulse

geben und bekommen, Projektideen

entwickeln: Volles Programm bei der

„Partnership Buildung Activity“.

„Ich will meine Erfahrungen mit anderen

teilen und suche Gleichgesinnte,

mit denen ich gemeinsam neue Ideen

umsetzen kann.“ „Ich möchte mehr über

die Arbeit mit jungen Migranten erfahren

und suche zunächst Verbündete für

einen künftigen Jugendaustausch.“ „Ich

bin überzeugt davon, viele Kontakte zu

knüpfen und glaube, dass dieses groß

angelegte Treffen dazu beiträgt, dass

meine Organisation neue Wege beschreiten

wird.“ Die Erwartungen an

die „Partnership Building Activity“, zu

der sich 53 Teilnehmende aus insgesamt

25 Ländern in Berlin verabredet

hatten, waren enorm und kündeten

gleichzeitig von der hohen Motivation

der Besucher/­innen.

Top motiviert und optimal vorbereitet

Die Organisator(inn)en hatten die Gäste

schon im Vorfeld der Veranstaltung gebeten,

sich und ihr Arbeitsprofil kurz

vorzustellen. Fast alle nahmen diese

Möglichkeit wahr, präsentierten sich und

ihre Organisation per Newsletter und

formulierten, mit welchen Hoffnungen

sie die Veranstaltung besuchen würden.

Das hatte den Vorteil, schon vorher zu

wissen, auf wen man/frau trifft. Einige

Teilnehmende nutzten die Nachrichtenbörse

auch dazu, den gegenseitigen

Kontakt über E­Mail oder Facebook zu

initiieren. Ein Schachzug, der einige Tagungsgäste

noch schneller zueinander

führte und die spätere Partnersuche erleichterte.


Um es vorweg zu nehmen: Das Moderationsteam

Anita Silva und Jo Claeys

traf auf ein dankbares Auditorium. Und

diese Vorlage wussten sie routiniert

und engagiert zu nutzen. Die Teilnehmenden

waren nicht nur bereit, über

ihre eigenen Erfahrungen in der Arbeit

mit jungen Migrant(inn)en zu berichten

und ihr Wissen zu teilen, sondern auch

entschlossen, möglichst viel mitzunehmen:

Neue Erkenntnisse, praktische Informationen

und – natürlich – Kontakte,

die sich in konkrete Projekte ummünzen

lassen.

Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten

Das Programm bot in der Anfangsphase

eine Kombination aus lockerem Kennenlernen

und nützlichem Informationsfluss.

Nach einem Input zum Thema interkulturelles

Lernen folgte das spielerische

Aufeinanderzugehen: „Who is Who?“

lautete die ebenso simple wie treffende

Frage. Die Partnersuche erleichterte

auch der gruppendynamisch angelegte

erste Abend unter dem Motto „Similarity

Hunt“. Die meisten Gäste entpuppten

sich als Mitarbeitende, Vorsitzende oder

Koordinator(inn)en einer NGO. Große

Unterschiede ergaben sich lediglich hinsichtlich

der Erfahrung. Während einige

bereits über große Routine mit Projekten

im Bereich Jugendarbeit und/oder Migration

verfügten, schätzten sich andere

noch als relativ unerfahren ein.

Auf Pinnwänden konnten sich die Teilnehmenden

zuordnen und gaben Antworten

auf essenzielle Fragen: Mit

welchen Themen beschäftigt sich meine

Organisation? Welche Aufgaben nehme

ich wahr? Wer zählt zu meinen Zielgruppen?

Über wie viel Erfahrung verfüge ich

in der Projektarbeit? Die Themen, mit

denen sich die Mehrzahl auseinandersetzt,

kristallisierten sich rasch heraus:

Jugendarbeit, Partizipation, Bildung,

Migration, Menschenrechte, Kultur und

Minderheiten.

15 neue Projektteams

In der Folge vermittelten die Moderator(inn)en

weitere nützliche Informa­

Viele Teilnehmende hatten bereits

konkrete Projektideen mitgebracht,

andere ließen sich inspirieren und

fanden interessante Partner.

tionen zu verschiedenen Schwerpunkten.

So erfuhren die Besucher/­innen Grundsätzliches

über internationale Jugendarbeit

und konnten im „supermarket of

knowledge“ lernen, was bei der Planung

und Durchführung internationaler Projekte

zu beachten ist. Anhand eines Projektbeispiels,

in dem es um eine Gruppe

ghettoisierter Jugendlicher (meist aus

Angola oder Mozambique stammend) in

Lissabon ging, konnten die Teilnehmenden

ganz praktisch erfahren, wie internationale

Jugendarbeit als Teil eines

längerfristigen Projekts zur Integration

genutzt worden ist. Anschließend unterbreiteten

die Teilnehmenden Projektvorschläge

und es formierten sich 15

Arbeitsgruppen, in denen jeweils ein

Projekt von potenziellen Kooperationspartnern

diskutiert und auf den Weg gebracht

wurde. Moderator(inn)en und

Organisator(inn)en waren nun vornehmlich

als Geburtshelfer/­innen künftiger

Projekte im Einsatz.

Schnell wurden die Rahmenbedingungen

geklärt: Die Projektpartner stimmten dabei

die wesentlichen Bausteine ihrer

Allianz ab. Dabei ging es um das Profil

der am jeweiligen Projekt beteiligten Jugendlichen,

um klar definierte Ziele, den

zeitlichen Rahmen, die Aufgabenverteilung

unter den beteiligten Organisationen,

die finanzielle Beteiligung und die

avisierten Ergebnisse eines potenziellen

Projekts.

Viele Projekte auf der sicheren Seite

Während sich einige Teilnehmende erst

in Berlin inspirieren lassen wollten, waren

andere bereits mit konkreten Vorstellungen

angereist. Der Italiener Emanuele

Nargi kam zum Beispiel mit einem weitgehend

ausgearbeiteten Rahmenkonzept

aus London an die Spree. Sein Theaterprojekt

unter dem Titel „I­Migrate“, das

sich dem Thema Migration künstlerisch

nähert, fand sofort viele Mitstreiter/­innen

und dürfte mit ziemlicher Sicherheit

umgesetzt werden. An diesem Projekt

werden sich voraussichtlich Einrichtungen

aus zehn europäischen Ländern beteiligen.

IJAB journal 2/09 15

Mit wem kann ich

welches Projekt auf

die Beine stellen? Auf

diese und andere Fragen

erhielten die Gäste der

Partnerbörse in Berlin

Antworten.


Projekt JiVE

Die Teilnehmenden

erhielten viele Informationen

zu Projektmanagement

und Finanzierung.

Da brauchte es

zwischenzeitlich auch

die eine oder andere

Lockerungsübung!

Andere Projekte bestehen aus weniger

Teilnehmenden. So verabredeten Tanja

Fatia Salem aus Deutschland und Mahad

Omar Sheikh Musse aus Finnland einen

Jugendaustausch, der im kommenden

Jahr in Hamburg stattfinden wird. Beide

hatten sich schon vorher per E­Mail

kennen gelernt und ihre Pläne ausgetauscht.

Vertreter/­innen aus mehreren osteuropäischen

Staaten verabredeten ein Projekt,

das sich dem Demokratisierungsprozess

in Albanien, Ungarn, Russland

und Litauen widmet. Sie möchten ihre

unterschiedlichen Meinungen zum Verständnis

von Demokratie austauschen

und nach gemeinsamen Vorstellungen

zum Demokratisierungsprozess suchen.

Ihr Ziel ist ein gemeinsames Treffen im

Oktober 2010 in Tirana.

Reichlich Lob…

Das Echo auf die Veranstaltung fiel bei

den Teilnehmenden überwiegend positiv

aus. Fast alle bewerteten die Möglichkeit,

viele Leute kennen zu lernen und

sich mit Menschen auszutauschen, die

in einem anderen Land in einem vergleichbaren

Umfeld arbeiten, als überaus

gewinnbringend. Fabienne Steioff,

die in Frankfurt am Main für den Verein

„LAG Soziale Brennpunkte Hessen

e.V.“ mit Jugendlichen arbeitet, meinte

stellvertretend für viele andere: „Durch

den intensiven Austausch mit so vielen

16 IJAB journal 2/09

Menschen aus unterschiedlichen Ländern

habe ich für meine Arbeit neue

Erkenntnisse gewonnen und nehme

jede Menge neue Optionen mit nach

Hause.“

Petre Mrkev aus Mazedonien, der die

Organisation „Council for Prevention

of Juvenile Delinquency – SPPMD“

vertrat, lobte insbesondere die professionelle

Vorbereitung: „Die Newsletter

waren wichtig für mich. So konnte ich

schon am Schreibtisch sondieren, mit

wem ich in Berlin in Kontakt treten

möchte.“ Er verglich die Partnerbörse mit

dem „Internationalen Fachforum Chancengleichheit“,

das im Februar dieses

Jahres in Bonn stattfand: „In Berlin habe

ich mich besser aufgehoben gefühlt. Das

Programm war wesentlich produktiver

und zielorientierter.“ „Ich war das erste

Mal auf einem solchen Treffen. Für mich

war das eine großartige Erfahrung, die

ich für meine Arbeit unbedingt nutzen

werde. Und das Allerwichtigste war für

mich: Ich habe viele Partner gefunden,

mit denen ich intensiv in die Projektplanung

einsteige“, lautete das rundum

positive Fazit von Simas Gerdvila aus Litauen,

der sich in seiner Heimat für die

europäische Studentenvereinigung

„ELSA“ engagiert.

…und wenig Tadel

Peter Schmittdiel vom „Ökumenischen

Sozialzentrum

St. Martin Haus Marburg“

leistet Jugendarbeit in einem

sozialen Brennpunkt

und war von der Idee einer

Partnerbörse zwar begeistert,

stellte aber im Laufe

der vier Tage fest, dass er

zu unvorbereitet angereist

war: „Ich hatte zu wenige Vorkenntnisse

und hätte wahrscheinlich wie viele andere

schon im Vorfeld meine Vorstellungen

von möglichen Projektbeteiligungen

entwickeln müssen. Außerdem fand ich

die Themenvielfalt zu groß. So viel Input

konnte ich in den vier Tagen überhaupt

nicht aufnehmen.“

Blick in die Zukunft

Für die Moderator(inn)en der Partnerbörse

ist die Arbeit mit dem Ende der

Veranstaltung noch nicht erledigt. Sie

stehen weiterhin in intensivem Kontakt

mit den Antragsteller(inne)n und den

Projektnehmer(inne)n. Bis zur Umsetzung

der einzelnen Vorhaben werden

sie noch viele der Projektteams coachen

und bei der Überwindung unterschiedlicher

Hürden behilflich sein.

Michael Sachse arbeitet im Auftrag

von JUGEND für Europa.

Eine ausführliche Auswertung

der Partnerbörse gibt es auf

der Website von JiVE unter

> www.jive-international.de

Gutes Ergebnis am Ende der Tagung:

15 neue Projektteams wollen gemeinsam ihre

Ideen umsetzen.


Vielfalt on Tour –

Jugendbegegnungen im Tandem

InterKulturell on Tour (IKT) ist ein bundesweites Modellprojekt an der Schnittstelle von Internationalität

und Interkulturalität. Es reagiert darauf, dass Jugendliche mit Migrationsgeschichte in

öffentlich geförderten Jugendbegegnungen und pädagogischen Jugendreisen bisher stark unterrepräsentiert

sind. Als Teilprojekt von „JiVE. Jugendarbeit international – Vielfalt erleben“ sucht

IKT nach Strategien für eine stärkere Teilhabe von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an internationalen

Jugendbegegnungen und dem grundsätzlichen Beitrag der Internationalen Jugendarbeit

zum Verständnis der Einwanderungsgesellschaft. Die Umsetzung des Projekts erfolgte von Sep tember

2007 bis September 2009.

Yasmine Chehata, Katrin Riß, Andreas Thimmel

Als Projektansatz wurde ein sogenannter

„Tandem­Ansatz“ gewählt. Träger der

Internationalen Jugendarbeit und Organisationen

aus dem Migrationsbereich

kooperierten miteinander. Es handelt

sich dabei insbesondere um Vereine von

jungen Menschen mit Migrationshintergrund

(VJM) bzw. Migrantenjugendselbstorganisationen

(MJSO). Die Begriffe VJM

und MJSO werden im Folgenden synonym

verwandt. Gemeinsam wurden internationale

Jugendbegegnungen und pädagogische

Jugendreisen geplant, durchgeführt

und ausgewertet. Die Kooperationen

sollten in den Aufbau eines dauerhaften

Netzwerks münden. Hierbei handelt es

sich um eine mögliche Strategie Interkultureller

Öffnung.

Das wissenschaftliche Team der Fachhochschule

Köln begleitete das Projekt in

den beiden Jahren. Durch Interviews, teilnehmende

Beobachtungen, die Teilnahme

an Projekttreffen und ­gremien und einem

engen Kontakt zu den Projektverantwortlichen

wurde eine große Datenmenge und

eine Vielzahl von Informationen über das

Projekt, seine Teilnehmenden und seine

Wirkungen in personeller und struktureller

Hinsicht zusammengetragen. An dieser

Stelle stellen wir einen kleinen Ausschnitt

der Ergebnisse vor. Der Gesamtbericht der

wissenschaftlichen Begleitung (Chehata/

Riß/Thimmel 2009) steht unter www.

interkulturell-on-tour.de zur Verfügung.

Zudem werden einzelne Ergebnisse im

Leitfaden des Projektes publiziert.

Die Jugendlichen

Insgesamt nahmen an den 13 von der

Evaluation erfassten Projekten 145 Jugendliche

teil (14 Hin­ und Rückbegegnungen).

100 Jugendliche beteiligten

sich an der Fragebogenaktion des wissenschaftlichen

Teams am Ende der Jugendbegegnungen.

85 Prozent der befragten Jugendlichen

würden gerne an einer weiteren Jugendbegegnung

teilnehmen. Die hohe

Zufriedenheit mit der Begegnung bzw.

mit der Jugendreise zeigt, dass die Einzelprojekte

auch aus Sicht der Jugendlichen

sehr gelungen sind. Ebenfalls sehr

zufrieden zeigten sich die Jugendlichen

mit der Teilnehmergruppe und dem

Gruppengeschehen. Ihre Partizipationsmöglichkeiten

bei der Gestaltung der

Begegnungen und Programme nahmen

sie als hoch wahr.

Im Rahmen von IKT konnten neue Zielgruppen

für die Internationale Jugendarbeit

gewonnen werden. Im Vergleich

zur Zusammensetzung der überwiegenden

Mehrzahl der Jugendreisen und

Begegnungen war der Anteil Jugendlicher

mit Migrationsgeschichte im Pro­

Deutsche mit Migrationshintergrund ohne

eigene Migrationserfahrung

Deutsche mit oder ohne Einbürgerung und

eigener Migrationserfahrung

Ausländer ohne eigene Migrationserfahrung

Ausländer mit eigener Migrationsgeschichte

Deutsche ohne Migrationsgeschichte

jekt mit insgesamt 51 Prozent hoch. Viele

der Jugendlichen hatten zum ersten Mal

Zugang zu diesem effektiven Instrument

nonformaler Bildung.

Innerhalb der 13 wissenschaftlich begleiteten

Projekte ist es damit gelungen,

die Anzahl der Jugendlichen mit Migrationsgeschichte

signifikant zu erhöhen.

Dieser Befund bestätigt den vom Projekt

gewählten Tandemansatz.

Allerdings – und dies ist zentral – hat

das Projekt gezeigt, dass die Jugendlichen

und auch die Träger der Jugendarbeit

keine Sichtbarmachung „ihrer

Jugendlichen“ als Jugendliche mit Migrationsgeschichte

wollen. Nur wenige

Organisationen machten in den Berichten

über ihre Begegnungen Angaben

zum Migrationshintergrund ihrer Teilnehmer

und Teilnehmerinnen. Das „Outen“

als „besondere Gruppe“ kann von

den Jugendlichen als Stigmatisierung

empfunden werden.

Migrationsgeschichte der Jugendlichen, die an den Projekten

im Rahmen der Studie teilnahmen.

IJAB journal 2/09

17


Projekt JiVE

Gleichzeitig bieten die Bereiche der Jugendarbeit,

der Jugendbildungsarbeit

und der Jugendverbandsarbeit (gegenüber

anderen Bildungskontexten) Jugendlichen

die Möglichkeit, sich frei

selbst definierten Kategorien zuzuordnen.

Jugendliche können sich zum Beispiel

unter der Gemeinsamkeit des gleichen

Herkunftslands oder der gleichen

Religion zusammenschließen und damit

diesen Merkmalen Bedeutung zuschreiben.

Sie können diese Merkmale aber

auch als irrelevant für die Organisation

ihrer Freizeitinteressen und ihrer Identitätsarbeit

definieren. Die Zuschreibung

kann nicht von außen geschehen, sondern

liegt im Bereich der Selbstdefinition

der Jugendlichen.

Damit wird auch das Dilemma einer

Projektförderung für eine spezielle Zielgruppe

im Grundansatz des Modellprojekts

deutlich. Die zu unterstützende

Zielgruppe muss zunächst als solche

konstruiert werden und es besteht die

Gefahr, ethnische oder kulturalisierende

Zuschreibungen durch die Projektanlage

zu verstärken. Andererseits kann die

„positive Diskriminierung auf Zeit“ durch

spezielle Projekte die Teilhabe bestimmter

Personengruppen am Fördersystem

der Internationalen Jugendarbeit erst

ermöglichen. Genau diesen Weg ist das

Projekt gegangen. Die Balance zwischen

den genannten Polen erfordert eine besondere

administrative Sensibilität und

ein Bewusstsein dafür, dass diese Besonderung

nicht dauerhaft gelten darf

(Hamburger, Franz (2009): Abschied von

der Interkulturellen Pädagogik. Plädoyer

für einen Wandel sozialpädagogischer

Konzepte. Weinheim).

Bildungspotenziale internationaler

Jugendbegegnungen

Anhand der Jugendbegegnungen und

pädagogischen Jugendreisen von Inter­

Kulturell on Tour konnten Förderungs­

und Anregungspotenziale für Bildungs­

18 IJAB journal 2/09

prozesse von Jugendlichen mit und ohne

Migrationshintergrund festgestellt und

beschrieben werden.

Internationale Jugendbegegnungen sind

Aktivitäten, in denen Vielfalt und Unterschiedlichkeit

– bei entsprechender Konzeption

und Methodik – positiv besetzt

sind. In der Internationalen Jugendarbeit

kann eine im (Schul­)Alltag oder im Sozialraum

erlebte Defizitzuschreibung durch

eine Ressourcen orientierung ersetzt

werden, die dann wieder auf den Alltag

der Jugendlichen ausstrahlt. Perspektivwechsel

und Reflexion sind wesentliche

Merkmale der durch die Mobilitätserfahrung

angestoßenen Bildungsprozesse

von Einzelnen und Gruppen.

Internationale Jugendbegegnungen enthalten

eine Reihe von Inszenierungselementen

und „sensible Momente“, die

Anregungspotenzial für eine Auseinandersetzung

Jugendlicher mit sich und ihrer

Umwelt bieten. Zum Beispiel kommen

Jugendliche in die Situation, sich selbst

und ihr Land vorstellen zu müssen bzw.

zu dürfen. Dieser symbolische Akt „Ich

stelle Deutschland vor und mich als Teil

dieser Delegation“ kann eine besondere

Bedeutung für die Jugendlichen haben.

Im internationalen Kontext erhalten die

Jugendlichen dabei die Gelegenheit, sich

als Teil der Bundesrepublik Deutschland

(auch im Sinne einer allgemeinen politischen

Bildung) zu positionieren. Wird die

Thematik „Deutschland als Migrationsland“

während der Begegnung aufgegriffen,

haben die Teilnehmenden die Möglichkeit,

sich mit ihrer Geschichte in der

Geschichte Deutschlands wiederzufinden

und dazu ins Verhältnis zu setzen.

Die Hypothese, nach der Jugendliche mit

Migrationshintergrund über spezifische

interkulturelle Kompetenzen verfügen,

die in der Internationalen Jugendarbeit

zur Geltung kommen können, lässt sich

in Einzelfällen belegen. Internationale

Jugendbegegnungen bieten mit ihrer

positiven Konnotation von „Vielfalt“ Jugendlichen

mit Migrationshintergrund

einen Raum, in dem sie ihren Hintergrund

und ihre potenzielle interkulturelle Kompetenz

als Ressource einbringen können.

Die Verallgemeinerung einer besonderen

interkulturellen Kompetenz von Jugendlichen

mit Migrationshintergrund ist jedoch

problematisch, da Kompetenzen Jugendlicher

individuell zu bestimmen sind.

Internationale Jugendbegegnungen konfrontieren

alle Jugendlichen, also auch

die Jugendlichen ohne Migrationshintergrund,

mit Fremdheit, Internationa­

lität, Interkulturalität und nationalen

Stereotypen. Dies kann interkulturelle

Lernprozesse anstoßen und Reflexionsprozesse

über Deutschland allgemein

und als Einwanderungsland anregen.

Die Themen Migration, Integration und

Einwanderungsland betreffen also beide

Gruppen, die in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt

haben. Die Trennung

zwischen den beiden Gruppen bleibt –

wie beschrieben – eine künstliche. Immer

bleibt der pädagogische Auftrag,

die (konstruierte) Differenz zwischen

„deutschen“ und vermeintlich „nichtdeutschen“

in Deutschland lebenden Jugendlichen

aufzulösen, um der Wirklichkeit

der Migrationsgesellschaft gerecht

zu werden. In der gemeinsamen Gruppe

als „Deutsche“ im Ausland bieten sich

viele Variationen mit dem Kontextwechsel

produktiv und jugendpädagogisch

informiert umzugehen.

Jugendbegegnungen und pädagogische

Jugendreisen haben ­ bei entsprechender

Reflexion ­ als jugendpädagogisches Instrument

das Potenzial, bei Jugendlichen

(mit und ohne Migrationshintergrund)

individuelle Bildungsprozesse anzuregen,

die Erfahrung einer ressourcenorientierten

Wertschätzung zu machen und

Bildungsprozesse im Hinblick auf den

Beitrag zur Integration in die deutsche

Einwanderungsgesellschaft für alle anzuregen.

Mobilität ist eine Chance von

Integration, wenn Integration als eine

Form von Identifikation und Verortung

und nicht als kulturelle Assimilation

verstanden wird. So verstanden kann

die Internationale Jugendarbeit unter

bestimmten Bedingungen einen spezifischen

Beitrag zu Integration leisten.

Zugänge, Impulse und Anerkennung

Die Konstruktion einer im Tandem durchzuführenden

Jugendbegegnung bewerteten

die Organisationen als positiv. Als

Organisationsprinzip des Modellprojekts

erhielt sie dadurch eine grundsätzliche

Bestätigung. Kooperationen mit VJM/

MJSO ermöglichen aus Sicht der Teilnehmer

und Teilnehmerinnen einen guten

Zugang zu Jugendlichen mit Migrationsgeschichte.

Darüber hinaus wurde in der

Zusammenarbeit im Tandem für einige

Organisationen aus der Internationalen

Jugendarbeit das Schlagwort „Interkulturelle

Öffnung“ konkret. Sie fühlen sich

nunmehr angesprochen, weitere Ideen

für eine verbesserte Teilhabe von Jugendlichen

mit Migrationsgeschichte an

ihren Aktivitäten und in ihren Strukturen

zu entwickeln und notwendige Schritte

zu organisieren.


VJM/MJSO oder andere Organisationen

aus dem Migrationsbereich sammelten

durch das Tandem Erfahrungen mit internationalen

Jugendbegegnungen und

erhöhten ihr Wissen über Bildungspotenziale

von internationalen Jugendbegegnungen

als spezifischem gruppenbezogenen

Programmformat und

eigenständiger Methode. Eine Vielzahl

der Vereine und Organisationen gab an –

die entsprechenden Rahmenbedingungen

vorausgesetzt – auch in Zukunft Aktivitäten

der internationalen Jugendarbeit

durchführen zu wollen. IKT war zudem

für die beteiligten Organisationen eine

gute Gelegenheit der öffentlichen Anerkennung

ihrer Arbeit und wurde damit

zur Plattform für Öffentlichkeitsarbeit

der gesamten Organisation. Besonders

bei kleineren und weniger bekannten

Vereinen und VJM/MJSO hat IKT damit

auch organisationsstärkend gewirkt.

Der Kontakt und die Zusammenarbeit

mit anderen Vereinen und Verbänden aus

dem jugendpolitischen System machten

für viele der teilnehmenden Organisationen

mit den Erfolg des Projekts aus.

Besonders motivierend und ermutigend

war die engmaschige persönliche Betreuung

durch die Projektverantwortlichen

von IKT. Sie trug zu einem hohen

Engagement und Interesse aller Beteiligten

bei und war wesentlich für das Gelingen

des Projekts. Der Austausch, die

gegenseitige Motivation, Anerkennung

und Beratung unter den Teilnehmenden

war für die Projekte wichtig. „Es hätte

nicht so einen intensiven Austausch (...)

zwischen den Projektleitern gegeben

(...). Ich glaube schon, dass diese Treffen

dazu beigetragen haben, dass es anders

wurde. Also, dass es nicht unbedingt

problemloser wurde, sondern dass die

Auseinandersetzung viel tiefer wurde“ ,

äußerte sich eine Projektverantwortliche

im Interview.

Interkulturelle Öffnung durch Dialog

InterKulturell on Tour hat gezeigt, dass

die besondere Chance des Tandemansatzes

im Dialog zwischen den beteiligten

Personen und Organisationen liegt.

Überlegungen einer Organisation rund

um das Thema interkulturelle Öffnung

erhalten durch die Partnerorganisation

ein konkretes Gegenüber. Durch das

gemeinsame Projekt – hier die Jugendbegegnung

und das pädagogische Jugendreisen

– werden am grünen Tisch

entworfene Konzepte und theoretische

Überlegungen zu interkultureller Öffnung

durch entsprechende Schritte nah

an der Bedarfslage der jeweiligen Organisation

ergänzt. Die Zusammenarbeit

bei der Planung und Durchführung der

gemeinsamen Jugendbegegnung wird

zur gemeinsamen Aktivität und bedeutet

einen Anfang interkultureller Öffnung

der „traditionellen“ Jugendorganisationen.

Das eigenständige und selbst

erfahrene Entwickeln von Öffnungsstrategien

in der konkreten Projektarbeit

zeigt sich besonders wirkungsvoll. Damit

leistet die Internationale Jugendarbeit

einen Beitrag zur Weiterentwicklung

der nationalen Jugendbildungsarbeit,

Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit

im Rahmen der Diskussion um die

interkulturelle Öffnung des Jugendverbandssystems

(vgl. das Netzwerk NiJaf

zur interkulturellen Öffnung von Jugendverbandsarbeit).

Gemeinsame Projekte und Kooperationen

von Trägern der Internationalen Jugendarbeit

und VJM/MJSO sind – dies hat das

Projekt gezeigt – hilfreich, um Barrieren

der Zusammenarbeit und Teilhabe zu lokalisieren.

Es ist möglich, Lösungsstrategien

im konkreten Fall zu erarbeiten und

gemeinsam nächste ­ organisationsspezifische

­ Schritte einer interkulturellen

Öffnung zu entwickeln.

Nachhaltigkeit – Eine Balance zwischen

Fortführung und Neuanfang

IKT ist es gelungen, das Netzwerk der

Engagierten in der Internationalen Jugendarbeit

um eine Reihe von Personen

und Organisationen aus dem Migrationsbereich

zu erweitern und sie „mit

dem Jugendsystem bekannt zu machen“.

Die Kontakte stützen sich bisher vor allem

auf einzelne Personen. Diese neu

entstandene bundesweite, personenbezogene

Netzwerkbildung ist für die Weiterentwicklung

des Themas nicht hoch

genug einzuschätzen.

Abschließend einige weitergehende auf

die zukünftige Entwicklung bezogene

Überlegungen. Es bleibt eine Herausforderung,

die persönliche Erfahrung einzelner

Personen in ihren Organisationen

strukturell zu verankern und damit in

institutionelles Wissen zu überführen.

Hierzu bedarf es einer strukturellen und

finanziellen Stärkung des ehrenamtlichen

Engagements in VJM/MJSO. Dies gelingt

nachhaltig über ihre Einbindung in die jugendpolitischen

Strukturen einschließlich

der dazu notwendigen finanziellen Unterstützung.

Ehrenamtlich tätige Schlüsselpersonen

können damit von ihrer tragenden

Rolle entlastet und erworbene

Expertise langfristig abgesichert werden.

Auch für eine weitere Durchführung von

Tandemprojekten ist eine finanzielle Förderung

von VJM/MJSO zentral. Nur unter

entsprechenden Rahmenbedingungen

können VJM/MJSO als Kooperationspartner

in der Jugendarbeit auftreten und

tatsächlich auf Augenhöhe kooperieren.

Um ihr Engagement im Bereich der Internationalen

Jugendarbeit fortsetzen

zu können, wünschen sich die VJM/

MJSO eine noch stärkere und weitere

Einbindung in die Netzwerke der

Internationalen Jugendarbeit. Dieser

Prozess hat erst begonnen und seine

Weiterentwicklung sollte nicht dem

Zufall überlassen bleiben. Hier sind alle

Akteure, Förderebenen und Fördersys­

teme der Internationalen Jugendarbeit

gefragt. Abschließend bleibt auf eine

bisherige Schwachstelle und Zukunftsaufgabe

des Projekts hinzuweisen: Die

Einbindung vieler erfahrener Träger von

Internationaler Jugendarbeit, also vor

allem der Jugendverbände und Jugendbildungsstätten,

ist bei der Weiterentwicklung

von IKT verstärkt ins Auge zu

fassen. Hier bedarf es weiterer Initiativen

und einer langfristigen Perspektive

für die Verbindung von Interkulturalität

und Internationalität. Die verstärkte

Einbeziehung von Jugendlichen mit

Migrationshintergrund in die Internationale

Jugendarbeit ist langfristig und

kontinuierlich auf die Agenda zu setzen

und beizubehalten.

Andreas Thimmel ist Professor für

Wissenschaft der Sozialen Arbeit an

der FH Köln und leitet die Evaluationsforschung

zu „JiVE“. Die Forschung

führten Yasmine Chehata und Katrin

Riß, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen

an der Fakultät für angewandte

Sozialwisssenschaften der FH Köln,

durch. Der Forschungsauftrag wurde

gefördert vom Bundesministerium für

Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

IJAB journal 2/09

19


Deutsch-Finnische Zusammenarbeit

Finnland

Jugendpolitische Zusammenarbeit

mit Finnland

Neue Impulse für mehr Beteiligung

20 IJAB journal 2/09

Seit 40 Jahren besteht die jugendpolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland

und Finnland. Thematischer Schwerpunkt ist seit Mitte 2007 die „Stärkung

der Demokratie in Europa – Betei ligung von Jugendlichen“. Die Kooperation

brachte nicht nur Fachkräfte aus beiden Ländern zusammen, die Anregungen

für die eigene Arbeit mitnahmen. Ein Weblog begleitete deutsche und finnische

Jugendliche und fragte nach Partizipationsmodellen hier wie dort.

Gestatten, VERSTÄRKER. Ich bin ein Blog!

Diese Finnen. Schon wieder machen sie uns ein schlechtes Gewissen: Nicht nur, dass sie unser

Schulsystem mit ihrer besseren Leistung abstrafen, ihr Humor ist offenbar ausgereifter, was

Wettbewerbe wie die Luftgitarren-, die Sumpffußball-Weltmeisterschaft und die im Frauentragen

belegen. Jetzt sollen auch noch die jungen Finnen interessantere Projekte zur Partizipation durchführen

als unsere Jugend?

Stephanie Lachnit

Das Bundesministerium für Frauen, Senioren,

Familie und Jugend (BMFSFJ)

fragt nach. Arbeitsgruppen zum Thema

„Beteiligung“ zwischen Deutschland und

Finnland entstehen und starten einen

Austausch mit wissenschaftlichen Studien

und Projektarbeiten. Der Grad der

Jugendpartizipation in beiden Ländern

soll gemessen und verglichen werden.

Das Ziel: voneinander lernen. Das war

Anfang 2008. Jetzt, nach knapp zwei

Jahren steht fest: Jugendpartizipation in

Deutschland = ungenügend. Doch auch

die finnische Jugend wird weniger ernst

genommen, als vorab vermutet. Woher

wir das wissen? Vom VERSTÄRKER.

Videos, Audiocollagen, Fotogalerien,

Interviews: VERSTÄRKER lenkt den Blick

auf politische Partizipation Jugendlicher

in Deutschland und Finnland.

Spurensuche

Das BMFSFJ entscheidet, das bilaterale

Projekt erstmals mit einem Weblog zu begleiten.

Die Arbeitsschritte der Beteiligten,

der Jugendgemeinderäte, des Deutschen

Bundesjugendrings und der Bertelsmann

Stiftung sollen dokumentiert und für die

Öffentlichkeit transparent gemacht wer­


den. Es ist ein Blog über die Finnen, über

die Deutschen und über die feinen Unterschiede.

Heraus kommt der VERSTÄRKER.

Gemacht wird er vom Pressenetzwerk für

Jugend themen e.V. aus Bonn.

Jugendgemeinderäte unter sich

Erster Termin: Der VERSTÄRKER trifft

deutsche und finnische Jugendliche. Der

Ort: Bad Urach in Baden­Württemberg.

Das Datum: Mai 2008. Die Erkenntnis:

Paragraph 8 des nationalen finnischen

Jugendgesetzes macht die deutschen

Jugendlichen neidisch.

Markus Greiner aus Baden­Württemberg

möchte von den finnischen Jugendgemeinderäten

lernen.

„Junge Menschen müssen angehört werden”,

erklärte die 22­jährige Anna Kuusama

aus Nokia den finnischen ‚Youth Act‘.

Anna ist im Vorstand des finnischen Dachverbands

der Jugendgemeinderäte, ‚Nuva

ya‘, der den Paragraphen mit durchgesetzt

hatte. Sie sitzt im Tagungszentrum Bad

Urach zwischen gut zwei Dutzend finnischen

und deutschen Jugendlichen.

Mit dabei ist Markus Greiner als Sprecher

des baden­württembergischen Dachverbands

der Jugendgemeinderäte. Er will

vom Vorbild Finnland lernen. Denn in

Baden­Württemberg gibt es zwar den

Paragrafen 41a der Gemeindeordnung.

Er bietet Kommunen die Möglichkeit,

einen Jugendgemeinderat einzuführen.

Aber eine Verpflichtung wie in Finnland

gibt es nicht.

Die junge Gruppe nimmt sich fünf Tage

Zeit, um ihre gemeinsamen Forderungen

in eine EU­Resolution zu gießen. Es

gelingt. Mittlerweile ist die Resolution

sowohl von deutscher, als auch von finnischer

Seite verabschiedet. Demnächst

soll sie an EU­Parlamentarier/­innen

überreicht werden. Der VERSTÄRKER hat

die Jugendlichen fotografiert, gefilmt

und porträtiert.

Wunschdenken:

„Finnische Verhältnisse“

Im Juni 2008 trifft VERSTÄRKER Hanna

Piotter. Hanna liebt Finnland. Schon als

Erasmus­Studentin ist sie von dem Land

begeistert. Heute ist Hanna Projektleiterin

im Aktionsprogramm für mehr

Jugendbeteiligung beim Deutschen

Bundesjugendring (DBJR) und sorgt dafür,

dass auch andere vom finnischen

Fortschritt in Sachen Jugendpolitik erfahren.

Denn, so Hanna, „da kann sich

Deutschland eine Menge abschneiden.

Aber auch in der kommunalen Arbeit.

Es gibt in Finnland so viele kleine Käffer

und trotzdem werden die Jugendlichen

dort bestens unterstützt.“ Beim Festival

für junge Politik ‚Berlin 08‘ sind 10.000

junge Macher­/innen dabei. Der perfekte

Ort für den DBJR, um Finnlands Idee von

Jugendpartizipation vorzustellen.

Hanna Piotter träumt von finnischen

Verhältnissen in Deutschland.

„Es wäre traumhaft, wenn wir in Deutschland

finnische Verhältnisse schaffen

könnten. Aber ich glaube, wir müssen

noch ein paar Mal die Finnen einladen

und wir müssen das einfach noch viel,

viel weiter tragen.“

Manou Zilliacus ist eine der drei finnischen

Gäste. „Wäre Berlin 08 in meiner

Muttersprache, dann hätte mich hier

keiner mehr weg bekommen”, sagt sie.

Manou ist Mitglied der finnischen Ju­

Helena Weizel will ihre Erfahrungen mit

Fachkräften aus Deutschland und Finnland

teilen.

gendorganisation Allianssi, dem Pendant

des Bundesjugendrings in Deutschland.

Auf VERSTÄRKER erzählt sie, warum Politik

und Party für junge Menschen zusammen

gehören.

Der finnische Blick auf Berlin

Der Herbst kommt. Die Finnen sind wieder

da. Denn die Bertelsmann Stiftung hat

nach Berlin eingeladen. VERSTÄRKER ist

auch dabei und trifft Helena Weizel. Die

17­jährige lebt in Elmshorn und hat spontan

entschieden, als VJ zu debütieren.

„Wer ist denn noch so da?” fragt sie

sich und nimmt die VERSTÄRKER­Cam

mit durch das dbb forum. Der Kongress

„Stärken stärken – Junge Menschen beteiligen”

zählt 250 Teilnehmer/­innen.

Eine davon ist Helena. Denn als Sprecherin

des Kinder­ und Jugendbeirats Elmshorn

hat sie viele nützliche Erfahrungen

gemacht, die sie hier mit den Fachkräften

aus der Jugendarbeit teilen möchte.

Draußen werfen die Finnen einen Blick

auf die Berliner Street Art. Elisa Miinin

staunt über die vielen Graffiti, denn in

ihrer Heimat Helsinki ist dafür kein Platz.

Mit ihren finnischen und deutschen Kollegen

und ihrer kleinen Kamera im Gepäck

macht sie eine Stadttour durch

Berlin. Vom KaDeWe bis zum Potsdamer

Platz, vom Checkpoint Charlie bis zum

Schokoladen­Shopping.

Stippvisite Finnland

Genug Lobhudelei auf Finnland. Der VER­

STÄRKER macht sich auf zur Stippvisite

ins Vorzeigeland. Schon der Landeanflug

auf Helsinki wirkt viel versprechend:

Achterbahngefühl, kommentiert vom

Jauchzen der Passagiere. VERSTÄRKER

besucht seine finnischen Blogger Sirja,

Ella, Jalmari, Ina und Robert. Die Jugendgruppe

diskutiert einmal im Monat

IJAB journal 2/09

21


Forum

Spannende Einblicke in das Leben finnischer

Jugendlicher: VERSTÄRKER bloggt von Streifzügen

durch die Stadt Tampere.

Sie bloggen regelmäßig auf VERSTÄRKER:

Robert (Mitte) und seine Jugendgruppe

aus Finnland.

auf dem Blog über „Die EU wählt. Und

du?“ oder „Braucht es mehr Politikunterricht

an Schulen?“.

Beim Treffen in Helsinki glänzt Robert

mit seinen Deutschkenntnissen. Denn

der 15­jährige kenne ein Wort, das für

das deutsche Schulsystem passe: „It‘s so

altmodisch!“ Und, dass ein gutes Schülergefühl

nicht zuletzt vom Verhältnis

zum Lehrer lebt, wissen die vier jungen

Finnen natürlich auch. „Viele meiner

Lehrer sind auch meine Facebook­

Freunde“, erzählt Jalmari, das sei ganz

selbstverständlich.

22 IJAB journal 2/09

Der Terminplan für VERSTÄRKER sieht

noch weitere aufschlussreiche Treffen

vor: Wir sprechen den sehr gefragten

Vorsitzenden der Jungen Europäischen

Föderalisten – kurz nach einem TV­

Interview und vor einem Radio­Termin

– und werden anschließend von einer

potentiellen EU­Abgeordneten durch

das finnische Parlament geführt. Wir

besuchen ein Jugendzentrum, das ins

Web 2.0 umgezogen ist und fahren zum

Jugend­Theaterfestival in Lappeenranta.

Gefeiert wird abschließend – trotz finnischem

Regen – beim World Village

Festival in Helsinki. Fotos, Videos und

Berichte entstehen und werden noch

während der Stippvisite auf VERSTÄR­

KER veröffentlicht.

...und was bleibt?

Jugendliche als Problem zu betrachten

ist „altmodisch“, um es mit Robert zu

sagen. Jugendliche als Potenzial zu sehen

ist finnisch, um es mit der Idee des

‚Youth Act‘ zu sagen. Die Ergebnisse des

Projekts zwischen Finnland und Deutsch­

Personalia

Neue Gesichter

Andrea Heiliger hat am

15. Juni 2009 die Elternzeitvertretung

für Isabel Götte

als Projektreferentin für

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

im Projekt Jugend

online übernommen.

Seit 1. Juli 2009 arbeitet

Dorothea Wünsch bei IJAB

als Programmreferentin mit

Schwerpunkt VR China und

Japan.

land werden im Frühjahr 2010 auf einer

Tagung präsentiert. Was dann folgt, wird

dort zu diskutieren sein.

Sicher ist, der VERSTÄRKER hat gut 18

Monate gebloggt und es ist längst nicht

alles aufgezählt, was es über die Deutschen

und die Finnen und die feinen Unterschiede

zwischen beiden zu erkunden

gab. Das Blog war ein Versuch. Als solches

muss es verstanden werden. Klickt

http://verstaerker.pressenetzwerk.de/

und schaut Filme, hört Audios und seht

Bilder, wie beispielsweise die aus dem finnischen

Tampere. Dort hat Elina statt zur

Spraydose zur Sticknadel gegriffen und

aus Grafitti das Urban Knitting gemacht!

Stephanie Lachnit ist Soziologin und

arbeitet als Freie Journalistin für den

öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Als stellvertretender Vorstand des

Pressenetzwerk e.V. hat sie zuletzt

gemeinsam mit der WDR-Redakteurin

Christine Roskopf das Projekt „VER-

STÄRKER“ realisiert.

Für das Projekt „Interkulturelles

Lernfeld Schule“ hat

Martina Nixdorf-Pohl am

1. Oktober 2009 ihre Arbeit

aufgenommen.

Ebenfalls am 1. Oktober 2009

startete Katja Völkner als

Assistentin der Projektarbeit

im Geschäftsbereich 2.


Termine und Veranstaltungen

Januar bis Juni 2010

Januar

30. - 31. Januar 2010

Polit Camp Internet und Neue Medien in Bonn

> www.jugendonline.info

Februar

1. - 16. Februar 2010

Deutsch-Japanisches Fachprogramm in Japan:

„Soziale Aktivitäten und bürgerschaftliches Engagement –

eine deutsch-japanische Qualifizierungsmaßnahme“

5. - 6. Februar 2010

Vernetzungstreffen der Ausbilder/-innen und Anwender/-innen

des Kompetenznachweises der Nachweise International in Bonn

> www.open-the-world.net

24. - 26. Februar 2010

Deutsch-Finnische Fachkonferenz in Oberhausen:

„Stärkung der Demokratie in Europa –

Beteiligung von Jugendlichen“

28. Februar - 7. März 2010

Deutsch-Türkisches Fachprogramm in Köln/Bonn:

„Migrationsarbeit in Deutschland und in der Türkei“

März

16. - 17. März 2010

Gautinger Internet-Treffen

> www.institutgauting.de

16. - 18. März 2010

Projekt JiVE: Impulstagung in Hannover:

„Ausbau und Vertiefung der strukturellen Zusammenarbeit

zwischen Jugendmigrationsdiensten/Jugendsozialarbeit

und der internationalen Jugendarbeit

> www.jive-international.de

22. - 25. März 2010

Deutsch-Türkischer Fachausschuss in Canakkale (Türkei)

März 2010

Deutsch-Chinesische Partnerbörse in China

März 2010

Deutsch-Chinesischer Fachausschuss in China

März 2010

Deutsch-Ungarisches Fachkräfteprogramm in Ungarn:

„Partizipation“

April

26. – 28. April 2010

Tagung zum Thema exzessive Medien nutzung in der

Akademie Remscheid

> www.jugendonline.info

April/Mai 2010

Internationales Trainingsseminar (Anfänger/-innen) in

Tübingen: „Deutsche Sprache und Jugendhilfe“

Mai

20. Mai 2010

4. Parlamentarischer Abend der Inter nationalen Jugendarbeit

in Berlin:

„Neue Bildung braucht das Land“

Mai 2010

Deutsch-Japanisches Fachkräfteprogramm in Japan:

„Frühkindliche Bildung“

Mai 2010

Deutsch-Russische Partnerbörse in Jekaterinenburg (Russland)

Mai/Juni 2010

Russischer Sprachkurs für Fachkräfte der Kinder-

und Jugendhilfe in Nischnij Novgorod (Russland)

Juni

11. - 13. Juni 2010

Geocaching Camp in Herzogsägmühle

> http://geocaching.netzcheckers.net

Juni 2010

Deutsch-Lettisches Fachkräfteprogramm in Lettland:

„Arbeit in offenen Jugend zentren“

Termine

Der Zukunftskongress „Jugend global 2020

(TeiI II)“ findet voraussichtlich in der ersten

Jahreshälfte 2010 in Bonn statt.

Weitere Termine und Veranstaltungen

finden Sie auf www.ijab.de

IJAB journal 2/09

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IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. ist auf den Gebieten der

internationalen Jugendarbeit, internationalen Jugendpolitik und Jugendinformation tätig. Die Fachstelle arbeitet im

Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), der Europäischen Kommission,

ihrer Mitgliedsorganisationen und anderer zentraler Träger der Jugendarbeit. Bei IJAB ist JUGEND für Europa, die

deutsche Nationalagentur für das EU-Programm JUGEND IN AKTION angesiedelt.

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