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28 UniDAZ 01/2013 wISSenSCHAFt

wISSenSCHAFt

01/2013 UniDAZ 29

»Alles in allem also eine rasante Fahrt

einmal quer durch den Gemüsegarten.«

Bei FAMs – übrigens eine gebräuchliche

Abkürzung für Fertigarzneimittel – mit

den Abkürzungen UD = Unit Dose und

EDO = Ein-Dosis-Ophtiolen handelt es

sich um konservierungsmittelfreie Einzeldosisbehältnisse,

was bei nur gelegentlicher

Anwendung besonders günstig ist.

Der Begriff UD wurde nachträglich „kreiert“,

da EDO patentrechtlich geschützt ist.

Bei COMOD = COntinuous Mono-

Dose-Augentropfen (z.B. Allergo-COMOD®

Augentropfen) faltet sich mit zunehmender

Entnahme ein Beutel zusammen, wodurch

keine Luftzufuhr möglich und somit auch

keine Konservierung mehr nötig ist. Es

handelt sich also um ein kontinuierliches

Einzeldosenbehältnis.

In Kürze soll auch eine neue Abkürzung

kommen: OSD. Sie steht für ophthalmic

squeeze dispenser. Dieser Begriff darf

dann auch für bestimmte Augentropfen-

Flaschen ohne Konservierungsmittel genutzt

werden.

Eine weitere Abkürzung auf dem Augentropfengebiet

ist POS = Producta Ophthalmica

Sterilisata. Diese tragen nur Produkte

der Firma Ursapharm.

Auch die Bedeutung von TN in Dolomo®

TN ist für die Anwendung hilfreich:

Enthalten sind zwei verschiedenfarbige

Schmerztabletten unterschiedlicher Zusammensetzung

von denen eine für den

Tag und die andere für die Nacht bestimmt

ist.

UNO (in Diamicron Uno® 60mg) deklariert

eine nur einmalige Applikation am

Tag. Wie bei Adalat Eins handelt es sich

um Retardtabletten, die aus einem Mantel

bestehen, der den Wirkstoff langsam abgibt

und einem Kern, der den Wirkstoff

rasch freisetzt. Diese Technologie kann

z.B. eine im Vergleich zum restlichen

Darm langsamere Resorption im unteren

Darmabschnitt kompensieren.

Ein einzelnes E muss nicht immer viel

bedeuten, kann aber auch wichtig sein: Ist

z.B. die Packung bei Cotrim E-ratiopharm®

480 mg/5ml Saft mit einem K für Kinder

statt einem E für Erwachsene versehen, so

ist die enthaltene Dosis nur halb so hoch.

(z.B. auch: Emesan E Erwachsenenzäpfchen,

K Kinderzäpfchen)

In Ketamin-ratiopharm® 50 mg O.K. Injektionslösung

steht O.K. für „ohne Konservierungsmittel“

(siehe auch Imidin o.K. Nasenspray

0,1% ohne Konservierungsstoffe).

Der lateinische Zusatz „sine“ hat die

gleiche Bedeutung. ACHTUNG: Dass die

Kürzel O.K. und 0.K. nichts miteinander

zu tun haben, wird sich im „galenischen“

Abschnitt zeigen.

Unter dem Namen Ketamin-ratiopharm®

findet sich auch noch ein Konzentrat

in Ampullen zur Herstellung einer Infusionslösung,

das mit den Buchstaben SF

versehen ist, was für sulfitfrei steht. Wie

O.K. also eine Kennzeichnung, die im Falle

von Unverträglichkeiten wichtig ist!

Bei Heparin-Calcium-7 500-ratiopharm®

FS ist nicht etwa ein Buchstabendreher passiert,

sondern mit FS ein Hinweis für die

enthaltenen Fertigspritzen aufgedruckt.

Dass nur Heparin-7500-ratiopharm mit FS

gekennzeichnet ist, hat zulassungsrechtliche

Gründe.

Von DeR BeDeUtUng DeR

BeDeUtUngSloSIgkeIt

Oft handelt es sich bei einzelnen Buchstaben-Zusätzen

nur um zulassungsrelevante

Unterscheidungsmerkmale nach Änderung

einer Rezeptur. So wird vermieden,

dass zwei unterschiedliche Rezepturen

zeitweise unter der gleichen Bezeichnung

im Handel sind.

Ein N im Namenszusatz taucht also

meist nach einer Veränderung / Verbesserung

(Neuerung) in der Dosierung / Verpackung

/ Darreichungsform auf. (Neurobion®

N forte, Preterax® N usw.)

Aber auch ein S (wie in Glib-ratiopharm® S

1,75) kann zur Unterscheidung vom alten

Präparat (Glibenclamid-ratiopharm) dienen.

(siehe auch Kytta-Salbe f)

Manchmal sind einzelne Buchstaben

einfach Teil des Warenzeichens selbst, wie

z.B. das H in Berlinsulin H. Trotzdem steht

auch hinter diesem H eine inhaltliche Bedeutung:

Humaninsulin.

Häufig weiß nur die betreffende Firma

was sich hinter mancher Abkürzung

verbirgt. So z.B. bei dem ausnahmsweise

wirklich sehr kryptischen Titel DNCG PPS

Inhalationslösung.

Enthalten ist Dinatriumcromoglicat

(DNCG), während PPS für eine Firma

steht, die es so nicht mehr gibt. Die Zulassung

wurde aber von dieser aufgekauft und

der Name beibehalten.

gAlenISCHe eIgenSCHAFten

Als Pharmazeut weiß man, dass nicht überall

wo Salbe draufsteht auch eine Salbe im

eigentlichen Sinn enthalten ist. Bei der

Frage, für welchen Hauttyp sie sich eignet,

kann ein einzelner Buchstabe wie in Kortikoid-ratiopharm®

F 0,1 % Salbe schon weiterhelfen:

F steht dort für Fettsalbe.

Es geht aber noch deutlich kreativer:

Beim Produkt Alfason stehen die Bezeichnungen

Crelo für eine galenische Form

zwischen Creme und Lotion und Cresa für

eine Form zwischen Creme und Salbe.

Und wer hätte gedacht, dass man

bei Propofol-ratiopharm® MCT 10 mg/ml

DMP

NK

ZOK

TN

MUPS

EDO

XR

(Emulsion zur Injektion und Infusion) bereits

dem bloßen Namen entnehmen kann,

dass mittelkettige (medium chain) Triglyceride

als Emulgatoren enthalten sind?

Der Patentschutz vieler Bezeichnungen

führt zu einer Fülle an Abkürzungen:

„Z“, „ZOK“, „NOK“, „ZOT“ oder

„Zero“. Sie alle wie auch NK (in Metoprololratiopham®

NK 50 mg) verbergen in ihren

Namen einen Hinweis auf die Freisetzungskinetik:

Nullte Kinetik oder „zero order

kinetics“ (ZOK). Ebenso wird 0.K. verwendet

(Metoprolol AbZ 0.K. 50 mg Retardtabletten).

In allen so gekennzeichneten Arzneiformen

wird pro Zeiteinheit die gleiche

Menge Wirkstoff freigesetzt. Es findet also

eine zeitunabhängige lineare Freisetzung

statt.

Vertigo-Vomex® S lässt mit einem S im

Namen für Suppositorien auf einen Blick

die Darreichungsform erkennen, während

Vertigo-Vomex® SR direkt im Namen auf

eine retardierte Freisetzung aufmerksam

macht: SR = slow/sustained release = langsame,

verzögerte Freisetzung. (siehe auch:

Natrilix® SR 1,5 mg)

Auch Retard, Ret oder Long, ER oder

XR können eine retardierte Freisetzung

kennzeichnen (=extended release). Voltaren

Resinat soll eine retardierte Freisetzung

aus Ionentauschern anzeigen, dabei ist Resinat

aber keine Abkürzung, sondern steht

für ein Harz. Demgegenüber kann IR für

immediate release, also eine schnelle Freisetzung

stehen. Sumatriptan-ratiopharm® T

Filmtabletten lösen sich deutlich schneller

auf als Filmtabletten ohne den Zusatz T.

Die Turbo-Tabletten enthalten keine Lactose,

welches für besonders stabile Tabletten

sorgt. Stattdessen wurden dieser Rezeptur

noch die Sprengmittel Calciumhydrogenphosphat

und Natriumhydrogencarbonat

zugegeben. Da letztere aber von empfindlichen

Personen nicht ohne weiteres ver-

tragen werden, sind beide Formulierungen

weiterhin nebeneinander im Markt.

VeloTab TM (bei Zyprexa® Velotab TM ) ist

ein geschützter Begriff und beschreibt auch

die Darreichungsform. Es handelt sich um

Lyophilisat- bzw. Schmelztabletten. Die

Bezeichnung setzt sich aus den Begriffen

velocity = Geschwindigkeit und Tablette

zusammen. Sie lösen sich im Speichel also

sehr schnell auf, sodass sie leicht geschluckt

werden können.

SL bedeutet schnell/langsam freisetzend:

bei Diclofenac-ratiopharm® 75 mg SL

Retardkapseln werden z.B. 25 mg Diclofenac-Natrium

sofort freigesetzt während 50

mg retardierter Wirkstoff sind. Auch bei

Adalat SL 20mg handelt es sich um eine solche

Zweischichttablette. Gleichbedeutend

verwendet Hexal bei Tramadolor® 100 ID

Retardtabletten die Abkürzung ID = Initial-

und Depotwirkung.

Auf magensaftresistenten Arzneiformen

findet man manchmal auch die Abkürzung

SK, was für „Säure-Kontrolle“ steht.

MUPS bedeutet Multiple Unit Pellet System.

(z.B. Antra MUPS® 10 mg/-20 mg magensaftresistente

Tabletten) Die Tabletten

enthalten in einer Cellulose-Matrix Mikropellets,

die mit einem magensaftresistenten

Überzug versehen sind. Im Magen werden

die einzelnen Mikropellets aus der Cellulose-Matrix

sehr schnell freigesetzt, passieren

aufgrund der geringen Größe rasch

den Magen und werden in den Dünndarm

weitertransportiert, wo der Wirkstoff freigesetzt

und resorbiert wird.

Schließlich trifft man bei all den innovativen

Systemen sogar auf kleine „Pumpen“:

PP = Freisetzung über Push Pull

System. (z.B. Cardular® PP 4 mg, Retardtabletten)

Die Liberation des Arzneistoffes erfolgt

dabei in zwei Schritten: Durch eine semipermeable

Membran kann Wasser in das

System eindringen („pull“ durch Osmose),

wodurch sich eine Quellschicht ausdehnt.

Da sich das Volumen der Tablette aber

nicht verändern kann, wird auf die Wirkstoffschicht

ein Druck ausgeübt („push“).

Durch eine Öffnung wird somit der Wirkstoff

mit einer konstanten Geschwindigkeit

„hinausgepumpt“.

Alles in allem also eine rasante Fahrt einmal

quer durch den Gemüsegarten. Bei Magenschmerzen

vom ganzen Buchstabensalat

bleibt jetzt wenigstens, neben warmem Kamillentee,

auch noch der Griff zur UniDAZ.

Diana Moll,

Pharmaziestudentin aus Tübingen

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