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34 UniDAZ 01/2013 BeRUFSStARt

BeRUFSStARt

01/2013 UniDAZ 35

eIn FAll FüR DIe ReCHtSBeRAtUng

krankheit und urLaubSanSPruch

im PraktiSchen jahr

Die ersten sechs monate seines pJs verbrachte Arne D. in einer Berliner krankenhausapotheke, die

zweite Hälfte absolviert er jetzt in einer lebhaften kleinen kiez-Apotheke. Die tätigkeit macht D. großen

Spaß, so dass er sich jeden morgen beschwingt auf den weg zur Arbeit macht. Vielleicht etwas zu

beschwingt, denn an einem kalten Februar-morgen rutscht er auf dem weg zur S-Bahn auf einer eisplatte

aus und zieht sich eine prellung der Hüfte sowie ein verstauchtes Handgelenk zu. Für zwölf tage

schreibt der Arzt ihn krank, da die rechte Hand kaum zu gebrauchen ist. Als er in die Apotheke zurückkehrt,

gibt es eine Diskussion mit seiner Chefin: er soll die zwölf Fehltage nacharbeiten. Außerdem hat

sie sich mit dem Steuerberater beraten und ist darauf gestoßen, dass sie ihm zu viel praktikumsvergütung

gezahlt hat. Sie meint, ihm stünde nur die Vergütung für die ersten sechs monate des pJs zu.

Gehalt

Um für das nächste Gespräch mit seiner

Arbeitgeberin besser gewappnet zu sein,

lässt Arne D. sich rechtlich beraten. Im Moment

sind zwei Fragen zwischen ihm und

seiner Arbeitgeberin streitig. Zunächst ist

die Frage der Ausbildungsvergütung zu klären.

In seinem Praktikumsvertrag, der einer

Vorlage des Deutschen Apotheker Verlags

entspricht, ist die Vergütung geregelt: „laut

Tarif “ heißt es dort. Im aktuellen Gehaltstarifvertrag,

der seit dem 1.1.2011 gültig ist*,

findet sich zur Ausbildungsvergütung für

Pharmazeuten im Praktikum die folgende

Regelung:

„Pharmazeuten im Praktikum erhalten

während ihrer Ausbildungszeit in öffentlichen

Apotheken eine Ausbildungsvergütung,

die

in den ersten sechs Monaten

670,00 € und danach

880,00 € beträgt.“

Es ist nicht ausdrücklich formuliert, das die

höhere Vergütung nur dann anfällt, wenn

schon die ersten sechs Monate in einer öffentlichen

Apotheke absolviert wurden. Bei

Abschluss des Gehaltstarifvertrags waren

sich die Tarifparteien einig darüber, dass

die höhere Vergütung für alle Praktikanten

nach sechs Monaten gezahlt werden sollte,

weil diese aufgrund ihrer dann höheren Berufserfahrung

einen größeren wirtschaftlichen

Nutzen für die Apotheke darstellen.

Für Arne D. steht also fest, dass seine Arbeitgeberin

ihm völlig zu Recht eine Vergütung

von 880,00 Euro je Monat gezahlt hat,

denn er hatte ja zuvor bereits sechs Monate

seines Pharmaziepraktikums in der Krankenhausapotheke

absolviert.

Zu viele FehltaGe,

heiSSt nacharbeiten

Der zweite Streitpunkt ist das „Nacharbeiten“

der krankheitsbedingten Fehltage.

Hier könnte die Arbeitgeberin eventuell

im Recht sein. Die praktische Ausbildung

der Apotheker richtet sich nach der Approbationsordnung

für Apotheker (AAppO),

spezielle Regelungen zu diesem Ausbildungsabschnitt

sind in § 4 AAppO getroffen.

Danach darf die praktische Ausbildung

insgesamt nur für einen Zeitraum

unterbrochen werden, der dem Urlaubsanspruch

nach dem Bundesrahmentarifvertrag

(BRTV) entspricht. Die Approbationsordnung

geht davon aus, dass bei längeren

Unterbrechungen der Ausbildungszweck

nicht mehr gewährleistet wäre.

Nach § 11 BRTV steht jedem Mitarbeiter

ein Urlaubsanspruch von 33 Werktagen

je Kalenderjahr zu; dauert das Ausbildungsverhältnis

nicht das ganze Kalenderjahr, ist

entsprechend umzurechnen. Für Arne D.

müssen wir also zunächst den tariflichen

Urlaubsanspruch berechnen:

33 : 12 x 6 = 16,5

aufgerundet 17 Werktage.

Krankheitsbedingt hat er sein Praktikum

für 12 Werktage unterbrochen. Wenn er

darüber hinaus schon Urlaub genommen

hatte oder noch weitere Tage krank war,

kommt es darauf an, wie lange die Unterbrechung

insgesamt war. Sofern er nicht

mehr als 17 Werktage gefehlt hat, muss er

nicht nacharbeiten. Alle weiteren Fehlzeiten

müssten allerdings tatsächlich nachgearbeitet

werden, damit Arne D. seine Approbation

als Apotheker erhalten kann.

Minou Hansen,

Rechtsanwältin bei ADEXA

Hinweis: Der vorgestellte Fall ist beispielhaft und orientiert sich an echten Fällen aus der

ADEXA-Rechtsberatung.

*Bei Redaktionsschluss waren die Tarifverhandlungen für einen neuen Gehaltstarifvertrag

noch nicht abgeschlossen; den jeweils gültigen Tarifvertrag für das Bundesgebiet bzw. für

Nordrhein finden Sie unter www.adexa-online.de/tarife

VolleR SeRVICe

SCHon Im pJ

Der Anspruch auf tarifliche Ausbildungsvergütung

und 33 tage Urlaub, dazu die kostenlose

berufliche Rechtsberatung sowie viermal pro

Jahr die mitgliederzeitschrift Spektrum – das

sind wichtige gründe, warum auch Studierende

und phip mit einer mitgliedschaft bei ADexA

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ApotHekenpRAxIS

In StUDIUm UnD pJ

adeXa möchte von ihnen wissen:

– wie beurteilen Sie die Vorbereitung im pharmaziestudium

auf den Berufsalltag in öffentlichen

Apotheken?

– wann während des Studium bzw. des pJ wären

ggf. zusätzliche Informationsangebote

wichtig – und wenn ja, welche?

Bitte beteiligen Sie sich an unserer online-

Umfrage unter www.adexa-online.de/umfrage-pharmaziestudium.

Vielen Dank!

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