Herdenmanagementprogramme in der Milchviehhaltung ... - LAZBW

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Herdenmanagementprogramme in der Milchviehhaltung ... - LAZBW

BILDUNGS- UND WISSENSZENTRUM AULENDORF

- Viehhaltung, Grünlandwirtschaft, Wild, Fischerei -

Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung und Grünlandwirtschaft LVVG

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Herdenmanagementprogramme in der Milchviehhaltung-

aktueller Stand der Programme, Anwendungen, Marktangebot

Bei den EDV-Herdenmanagementprogrammen, auch Herdenführungsprogramme genannt,

gibt es 2 Gruppen, die sich aus ihrer Entstehung heraus unterscheiden:

1. Herdenmanagementprogramme, die als eigenständige PC-Programme zur Herdenverwaltung

entwickelt wurden, im Folgenden klassische Kuhplaner genannt,

2. Herdenmanagementprogramme, die an entsprechende Stalltechnik (Milchmengenmessung,

Fütterung, Aktivitätsmessung) angebunden sind und ursprünglich

hauptsächlich Steuerungs- und Auswertungsfunktion für die verbundene Technik

hatten. Diese Programme werden im Folgenden als Managementprogramme der

Melktechnikhersteller bezeichnet.

Aktuell kann festgestellt werden, dass die Weiterentwicklung der beiden Programmschienen

im Laufe der Jahre sehr stark aufeinander zugelaufen ist, d.h. Managementprogramme

der Melktechnikhersteller können mittlerweile viele Anwendungen der klassischen

Kuhplaner durchführen und umgekehrt sind einige klassische Kuhplaner in der Lage,

durch Kopplung mit den Managementprogrammen der Melktechnikhersteller, von diesen

ermittelte Daten weiterzuverarbeiten.

Um die Zusammenhänge darzustellen, ist ein Rückblick auf die Entstehung der Programmsysteme

notwendig.

Mit der Erfindung und der schnellen Fortentwicklung der Personalcomputer wurden auch

Programme zur Herdenverwaltung bei Milchkühen entwickelt, sogenannte „Kuhplaner“.

Dabei gab es allerlei Entwicklungen am Markt, von denen einige bereits wieder verschwunden

sind. Ursprünglich wurden Kuhplaner zur Dokumentation von Tierdaten, Erstellung

von Arbeitslisten und zur Auswertung biologischer und ökonomischer Daten programmiert.

Mit Einführung vom Bestandsverzeichnis nach Viehverkehrsverordnung, HIT

und Bestandsbuch nach Tierarzneimittelrecht bekamen die Programme zunehmende Bedeutung

als Möglichkeit des Nachweises bzw. als Instrument der Datenübertragung (HIT).

Mit Anbindung von Handheld-Computern (z.B. von PALM) wurde die Anwendung nutzerfreundlicher.

Managementprogramme, die an die Stalltechnik angebunden sind, boten am Anfang ihrer

Entstehungsgeschichte im wesentlichen nur Eingabemöglichkeiten zur Steuerung der

Technik, Ausgabemöglichkeiten von gemessenen Daten und Datenspeicherung zur Herde

zur aktuellen Laktation. Es gab keine Jungtierverwaltung. Unterm anderem lag dies in der

begrenzten Rechnerleistung der Steuerungsgeräte. Im Laufe der Jahre haben sich aber

diese Programme enorm weiterentwickelt, nicht zuletzt durch Einbindung von herkömmlicher

PC-Technik. Speicherung der Herdendaten über Jahre hinweg, Verwaltung der Jung-

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viehherden, Arbeitslisten, biologische Auswertungen und Herdenführung über Handheld

sind nun auch über die Managementprogramme der Melktechnikfirmen möglich. Probleme

gibt es eher im Bereich Dokumentation der Herdendaten nach nationalen gesetzlichen

Vorschriften und bei Anbindung an HIT, da die Melktechnikfirmen oft international arbeiten

und nationale Anwendungen für diese Firmen sehr aufwändig zu programmieren sind.

Um die Leistungsmöglichkeiten beider Programmarten in einem Bestand optimal nutzen

zu können ist es notwendig, zweigleisig zu fahren, nämlich einen klassischen Kuhplaner,

gekoppelt mit dem Herdenmanagementprogramm, das mit der Melk- und Fütterungstechnik

des Betriebes verbunden ist. Kopplung von Programmen bedeutet, dass Eingaben nur

in einem Programm gemacht werden müssen bzw. anfallende Daten aus der Fütterung

oder der Milchmengenmessung in allen Programmen zur Auswertung zur Verfügung stehen.

Eine solche gekoppelte Anwendung macht jedoch nur dann Sinn, wenn:

• Sehr große Herden zu verwalten sind

• Viele Managementaufgaben mit Hilfe des gekoppelten Systemes erledigt werden.

Über die Anschaffung eines gekoppelten Herdenmanagementsystems muß im Einzelfall

unter Abwägung von Nutzungsanforderungen und Aufwand entschieden werden. Dabei

spielen auch persönliche Neigungen der Betriebsleitung eine wichtige Rolle.

In der Praxis baden-württembergischer Familienbetriebe wird im Regelfall nur ein Programm

zum Einsatz kommen, nämlich ein klassisches Kuhplanerprogramm oder ein Herdenmanagementprogramm,

dass mit der Stalltechnik verbunden ist.

Unabhängig davon, welches Herdenmanagementsystem zum Einsatz kommt: Die Nutzungs-

und Auswertungsmöglichkeiten eines Programmes hängen wesentlich von der

Eingabe der anfallenden Informationen ab.

Empfehlenswerte Eingaben:

1. Alle biologischen Daten (alle Besamungen, Trächtigkeitsuntersuchungen, Trockenstellen,

Abkalbungen usw.)

2. Alle Zugänge (Anlage meist automatisch bei Geburt) und Abgänge

3. MLP-Ergebnisse (einlesen evtl. online über den entspr. Service des LKV)

Mit Hilfe der o.g. Eingaben sind folgende Nutzungen möglich:

1. Erstellung von Wochenplänen und verschiedenster Arbeitslisten

2. Erstellung eigener Listen, je nach Bedarf des Betriebes

3. Auswertungen, insbesondere Fruchtbarkeitsnalyse

4. Analyse von Leistungsdaten, ggfs. als Selektionshilfe

5. Bestandsverzeichnis nach VVO

6. Informationsbeschaffung zu jedem Einzeltier auf Knopfdruck

7. HIT-Meldungen online

8. Meldungen der Besamungen an die Besamungsstation online

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Weitergehende Eingaben erlauben weitergehende Nutzung, so z.B.:

1. Kontingentsplanung (Eingabe: Milchgeldabrechnung)

2. Bestandsbuch nach Arzneimittelrecht (Eingabe aller Behandlungen)

Aktivitätsmessung

Eine wichtige Hilfe in großen Beständen ist die Aktivitätsmessung in den Rinderherden.

Diese Technik kann gemeinsam mit der vorhandenen Technik in den Kuhställen (Milchmengenmessung,

Fütterung) oder separat mit der entsprechenden Technik (Sender am

Tier, Ausleseeinheiten, PC, Herdenmanagementprogramm) eingesetzt werden. Mit wachsenden

Tierbeständen und immer knapper werdender Arbeitszeit wird diese Technik in der

Milchviehhaltung weiter an Bedeutung gewinnen, da sie gut funktioniert und eine gute Hilfe

bei der Tierbeobachtung darstellt. Eine Übersicht zu diesem Thema ist bei der LVVG abrufbar

bzw. ebenfalls im Internet eingestellt.

Herdenmanagementsystem in Aulendorf

Aktuell wir in Aulendorf ein Kuhplaner der Firma Agrosoft, Superkuh Version 6.12 eingesetzt,

der mit dem Programm Alpro Windows Version 6.50 verbunden ist. Die gekoppelten

Versionen sind seit 1.5.2005 uneingeschränkt funktionsfähig. Kopplung bedeutet bei der

Aulendorfer Anlage, dass die Stammdaten in das Programm Superkuh eingegeben werden

und von dort automatisch täglich in das Programm Alpro Windows übertragen werden.

Umgekehrt überträgt Alpro Windows täglich die Ergebnisse der Milchmengenmessung in

das Programm Superkuh. Eine Fütterungsanlage gibt es in Aulendorf nicht, sodass auch

keine Übetragung von Fütterungsdaten möglich ist.

Die Kopplung funktioniert reibungslos. Genutzt werden im wesentlichen die Arbeitspläne

(Brunstkontrolle, Trockenstellen, Kalbungen usw. ...) , der Listengenerator und die Fruchtbarkeitsanalyse

von Superkuh sowie die Aktivitätsmessung und die Milchmessungsergebnisse

von Alpro Windows.

Die Programme laufen beide unter einer Windowsoberfläche. Das Handling der beiden

Programme ist gut. Jedoch bedürfen sie einer Einweisung. Bestimmte Vorgänge im Programm

Superkuh sind nicht selbsterklärend und auch nicht immer logisch. Somit bedarf es

bei vielen Anwendungen des Programmes, die nicht regelmäßig ablaufen, wie z.B. Entwicklung

von Listen, einer Unterstützung durch die Hotline von Agrocom. Diese Hotline

funktioniert jedoch sehr gut und ist im jährlichen Service-Preis des Programmes enthalten

(optional, ca.100 €/Jahr). Die Unterstützung der Firma DeLaval bei Problemlösungen

durch deren Mitarbeiter ist ebenfalls sehr gut.

Insgesamt ist die Nutzung der beiden Programme sehr positiv zu bewerten, insbesondere

der Listengenerator von Superkuh, der es schnell und einfach ermöglicht, verschiedenste

Listen zu erstellen,

• die Fruchtbarkeitsanalyse von Superkuh, die eine schnelle Schwachstellenanalyse

im Herdenmanagement ermöglicht,

• die Aktivitätsmessung von Alpro Windows, die auch im Haltungsverfahren Fressliegeboxen-

und Anbindestall wichtige Hilfen zur Brunsterkennung gibt.

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Weniger gut ist die Darstellung der Arbeitspläne bei Superkuh, da die Einzelpläne nicht im

logischen Ablauf des Zykluses sortiert sind und eine betriebsindividuelle Sortierung nicht

möglich ist.

Marktangebot

Trotzdem in der Vergangenheit viele Anbieter vom Markt verschwunden sind (z.B. Elfriede,

Eurosoft), gibt es immer noch eine größere Anzahl von Anbietern am Markt. Als marktführer

bei den klassischen Kuhplanerherstellern sind dsp Agrosoft mit Herde zu nennen,

ein Programm, das besonders stark in Ostdeutschland genutzt wird, sowie die Firma Helm

mit Multirind Milch und Agrocom mit der Superkuh.

Im Bereich der Managementprogramme der Melktechnikhersteller sind die Marktführer

Lemmer Fullwood mit Fullexpert, Westfalia Surge mit DP 5 und DeLaval mit Alpro Windows.

Diese Programme bieten auch die Anbindung von Aktivitätsmessung.

Diese Aufzählung ist nicht vollständig. Eine weitreichende Marktübersicht ist in einem Artikel

zu diesem Thema in der DLZ, Heft 10/05, zu finden.

Alternativ zu den höherpreisigen Mangementprogrammen, die ca. 700 - 1.000 € kosten,

gibt es auch wesentlich kostengünstigere Programmangebote, die zum Teil auch schon

lange am Markt sind. Aussagen zur Qualität dieser Produkte können jedoch nicht gemacht

werden.

Empfehlungen

Mit wachsenden Herdengrössen, zunehmenden Dokumentationspflichten ansteigenden

Computerkenntnissen und zunehmenden Möglichkeiten der Programme steigt auch der

Nutzen der Anwendung von EDV-Herdenmanagementprogrammen.

In entsprechend technisierten Kuhställen (Fütterung, Milchmengenmessung) sind die Programme

der Melktechnikhersteller zu bevorzugen, da anfallende Daten aus der Fütterung

und Milchmengenmessung über das Managementprogramm des Melktechnikherstellers

ausgewertet werden können. Der Vorteil der Anwendung eines solchen Programmes

steigt, wenn dieses Programm HIT-Meldungen übertragen kann, eine Palm-Anbindung

zulässt und Dokumentationslisten (VVO, Arzneimittelanwendung) erstellt. Die Anbindung

von Aktivitätsmessung sollte, zumindest als Zukunftsoption, unbedingt möglich sein.

Klassische Kuhplaner sind dann sinnvoll, wenn die Technik im Stall nicht vorhanden ist

bzw. eine Anbindung technisch sehr aufwändig ist. Grundsätzlich sind hier Qualitätsprodukte

mit einer guten Unterstützung des Programmherstellers zu bevorzugen, da diese

preislich auch nicht allzu teuer sind. Günstigere Produkte können jedoch in Einzelfällen

(Neigungen des Anwenders, evtl. kleinere Herden) auch die richtige Lösung sein.

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Die Investition in 2 Programme, nämlich einen klassischen Kuhplaner und ein Managementprogramm

eines Technikherstellers ist nur in Einzelfällen sinnvoll, wie bereits in diesem

Artikel dargestellt wurde.

Aulendorf, den 26.07.2006

Rückfragen an: Albrecht Siegel, Tel. 07525/942-359, Email: Albrecht.Siegel@lvvg.bwl.de

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